Zum Urquell meiner Träume

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Keriot

Zum Urquell meiner Träume

Beitrag von Keriot »

Keriot saß bei schwachem Kerzenlicht in seinem Zelte und laß sich noch einmal seine Notizen durch, die er gegen Mittag so hastig in das letzte leere Buch geschrieben hatte:
"Heute war der Ruf besonders stark... Die Berührung mit dem Totenreich scheint in mir ungeahnte Erinnerungen zu wecken... Der Ruf erging aus dem Lager, aber ich denke es ist noch tiefer im Berg, als die Orken gruben... Kann mich nicht beherrschen, wenn das Gefühl aufkommt... Denke vieles schon einmal erlebt zu haben! Ich habe das schon einmal geschrieben, vielleicht weiß ich, was es ist, wenn ich die Notizen finde..."

So sicher es schon einmal geschrieben zu haben war er dann, nach einem gewissen Zeitabstand, doch nicht mehr. Auch die Verwirrtheit verflog mit den Stunden und er sah nun ein, dass sein Verhalten der freundlichen Magierin gegenüber mehr als unverzeihlich war. Aber vielleicht war es auch besser so, denn hätte sie ihn am Orkenlager begleitet, hätte er diesen Traumruf wohl nicht erlebt oder hätte ihn schon im Keim des Unterbewusstseins verdrängt und wäre auf ewig mit seiner Träumerei bestraft.
Jetzt hieß es aber überlegen, was es mit diesem Ort auf sich hatte. Erneut überflog er die Notizen. Es musste also etwas mit diesem Berg auf sich haben. Vielleicht ein Dämon, vielleicht ein Kult, aber auf Lameriast? Man durfte nichts ausschließen, wer weiß, wie alt dieser Landstrich wirklich war und welche Unwesen sich vor seiner Zeit schon darauf herumgetrieben haben.
Jetzt galt es in zwei Richtungen zu denken. Zum einen brauchte er Wissen über Lameriast, seinen Berg und -unumgänglich- über Traumdeutung und das Reich der Toten, welches ihm diesen unheimlichen Trieb bescherte. Zum anderen musste er den Berg selbst besichtigen, denn auch das beste Buch nützte ihm nichts, wenn er die unheimlichen Ursachen seiner Träume nicht selbst finden konnte. Morgen in der frühe würde er aufbrechen und nach einem geeigneten Bergpass suchen. In der Dunkelheit der Nacht fürchtete er zu sehr den Weg zurück nicht mehr zu finden, auch die Kälte der Winternächte wäre für solche Höhen wohl denkbar ungeeignet.
Heute galt es den Wächtern zu dienen. Vielleicht konnte er ja den dicken Priester über seine Träume befragen. Vielleicht, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.
Zuletzt geändert von Keriot am Mittwoch 30. Januar 2008, 17:36, insgesamt 1-mal geändert.
Keriot

Beitrag von Keriot »

Keriots zitternder Leib saß noch halb voll bepackt vor der wärmenden Glut einer Kohlenpfanne. Er saß da auf seinem Fell und stocherte mit einem kurzen Holzstiel in der Glut.
Soeben war er auf dem Berg gewesen, so wie es gedacht war. Ein wenig verspätet vielleicht, aber wenigstens war er da. Viel erhoffte er da zufinden, vielleicht sogar mehr, als er sich selbst hätte zugeben können. Aber was er fand, überraschte ihn sogar selbst, denn er fand nichts, was ihm einen Hinweiss auf seine Träume hätte geben können. Er hatte nicht einmal das Gefühl der Ursache nahe zu sein.
Vollbepackt mit Proviant, Seilen und sonstiger Kletterausrüstung hatte er sich zum Berg begeben. Niemand fragte ihn, wohin er denn wollte, denn es war nichts ungewöhnliches so vollbeladen die Insel zu bereisen, fuhren doch Tag ein, Tag aus Schmiede und Miener zu den Stollen nach Lameriast.
Keriot umschritt den Berg in Richtung Süden, bis er nahe an der Stelle war, an der ihn der Troll umgehauen hatte. Sorgsam schaute er sich eine Stelle im Fels aus, an der er ohne viel Mühe heraufklettern konnte und fand diese auch, vielleicht hundert Schritt entfernt von der besagten Stelle. Hier war der Felsen etwas flacher und mit steinharter Wintererde und Geröll gespickt, an denen man leicht einen Kletterhaken platzieren konnte. Keriot warf den Kletterhaken aus und zog sich am Seil hoch, bis die Steigung plötzlich unbesteigbare Dimensionen annahm. Hier, etwa auf der halben Höhe des Gebirges, nahm die Kälte unheimlich zu. Er musste seine Ledermaske aufsetzen und die Kapuze seines Umhanges fest zubinden.
Der eisige Wind peitschte seinen Umhang nach hinten und die, selbst unter den dicken Lederhandschuhen, steifgefrorenen Finger umklammerten die Schwertscheide, die er als Gehhilfe zu nehmen beschloss, weil ihn Wind und Steigung fast in die Knie zwangen. Er beschloss einen kleinen Trampelpfad zu nehmen, gerade mal gut für Bergziegen, der schlängelnd auf den schneebedeckten Gipfel zuging und sich dann in Nebel und Sprühregen aufzulösen schien.
Das kleine Wegstück beanspruchte Keriots erkühlenden Körper für mehrere Stunden, ehe endlich ein kleines windgeschütztes Plätzchen nahe am Gipfel gefunden wurde, wo er sich Zeit für eine kleine Stärkung und ein wärmendes Feuer nahm.
Auf dem Gipfel angekommen spührte er nichts vom selbstversprochenen Ergebnis. Nicht begreifend, dass die Traumwelt wohl komplexer sei, als das naheliegendste zu verdächtigen, sank er auf die Knie und begann den körnigen Schnee zu durchwühlen. Dachte er wohl, die Gründe seiner Alpträume wären da irgendwo zwischen Schnee und Dreck eines dumpfen Berggipfels? Oder wollte er sich bis zu den Höhlen und Katakomben dieses unheiligsten Berges hinabgraben, um zu sehen, welche Hölle ihn dort erwartete? Vielleicht hoffte er auch nur irgendetwas zu finden, was seine Gedanken von dieser sinnlosen Suche ablenken könnte. Ein leises "Verdammt" huschte über seine blassblauen Lippen.
Hier war er wieder im Warmen, dennoch war ihm dannach zu zittern.
Mit kalten Fingern umklammerte er ein Kohlestück und schrieb auf:

"Auf dem Berg ist nichts, muss das Innere untersuchen."
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