Ein schwaches, ungleichmäßig flackerndes Licht mehrerer Kerzen, welche rund um den alten Holztisch herum aufgereiht wurden, erleuchtete das dicke Buch, welches etwa mittig aufgeschlagen war. Sanft und dezent golden reflektierten die dünnen Seiten aus bereits mehrere Jahre altem Pergament den kleinen Feuerschein, gar so als würde eine haarfeine Schicht aus Gold über jenes gezogen sein. An den Rändern der Seiten intensivierte sich dieser Eindruck, denn als wäre er wahrlich aus glitzernden Steinchen geflochten, glomm der Rahmen einer jeden Seite hell auf und erleichterte so sichtlich dem Lesenden die Blicke auf die darin verfassten Worte.
Doch das Licht oder Dunkel und im ersten Moment nicht einmal der Inhalt der Worte, waren es, was die Schwierigkeit dieser Zeilen ausmachte, es waren die Wörter selbst.
Meredorn lehnte sich etwas zurück und schloss das Buch wieder, den Blick auf die Vorderseite dessen gerichtet. Als wäre das gesamte, in dunklem Leder eingebundene Werk kaum mehr vorhanden sah man nur das leicht golden glitzernde Symbol an der Oberseite des Buches, das Symbol Phanodains im alten Kult der Tial’Ialandera.
Er war nicht unzufrieden, noch verstand er nicht alles, doch die Worte begannen nun nicht mehr gar so fremd zu sein, wie sie am Anfang auf ihn wirkten. Das Wissen jedoch, dass in diesen Werken und seinen geheimsten Schätzen lag, war zu wertvoll und gefährlich, als dass man fremde Augen eine Blick darauf gestatten dürfe. Allein musste er dieses Geheimnis lösen, ehe er es teilen konnte, doch nun schien es gar, als könnte es so weit sein.
Tial’Ilandera, die Hüter des Wissens. So nannten sie sich, ein alter Kult Phanodains, welcher viele Dekaden vor der Geburt der heute bewohnenden Humanoide die Lehren ihres Gottes in siebzehn Bänden niederschrieben, verfasst in einer alten, längst vergessenen Sprache. Die Sprache, der Anhänger Phanodains… der Hüter des Wissens.
Anfangs schien es gar, als würden diese Werke nur symbolischen Wert haben, ist doch ein unmögliches Unterfangen eine Sprache zu erlernen, wenn sie niemand mehr zu sprechen vermag und ihre Schriften scheinbar keinen Bezug mehr zu den heutigen hielten, doch dieses Buch war anders. Es war der neunte Band, namentlich Falendya ar’Tiash: Die Kunst der Symbole.
Als er die Seiten und die ihm völlig fremden Worte in teilweise gar unbekannten Letter überflog und sich eher an der zauberhaft kunstvollen Federführung und dem geheimnisvollen Glimmen der Tinte im Kerzenschein erfreute, denn die Worte zu vernehmen, verfestigte sich sein Blick auf eine Seite, welche geprägt von vielen, fein säuberlich gezeichneten und kommentierten Symbolen war.
In der Mitte befanden sich fünf befremdliche Abbildungen, welche in einem Netz miteinander verbunden waren. Die Muster und Verzierungen im Hintergrund ließen das Bild erst wie ein Kunstwerk erscheinen, doch der wache Geist des Arcomagus blitze förmlich auf, als er die Form identifizierte. Es handelte sich um ein Fünfeck, eine jede Linie miteinander verbunden, ein Pentagramm!
Er besah sich der Zeichen intensiver, Tag um Tag, Nacht um Nacht zeichnete er sie ab, betrachte sie Seitenverkehrt, im Hellen wie im Dunklen bis sich langsam aber sich die Geheimnisse zu lüften begannen. Tatsächlich, es waren die Lehren der Elemente und des Liedes der Eluive. Der Grundstein des heutigen Wissens der Magier, wenn auch in abgewandelter Form… er lag vor ihm und schien doch so völlig unentdeckt, befremdend und… rein!
So begann es nun, dass er anhand der Beschriftungen und der Symbole auf einzelne Zusammenhänge schließen konnte, auf einzelne Bedeutung bis hin zur Übersetzung ganzer Wörter.
Manche Worte waren nur schwer mit der Handelssprache vereinbar zu sein und doch begann ihm der Sinn eines jeden Satzes nach und nach stets geläufiger zu werden. Die Lektüre der ersten vier Bände ließ noch viele Fragen offen, zu viele Worte waren noch fremd. Doch mit jedem Mal, mit jedem neuen Zusammenhang in dem sie sich zeigten, kam er ihrer Bedeutung ein Stück näher…
Nach Monden der Arbeit und des Rückzugs, welchen er nur für die Tätigkeiten am Konvent, seiner vergangenen Akademie, unterbrach, schien es tatsächlich so, als würde nun die Sprache verstehen können.
Ihr Klang war beinahe vergleichbar mit dem seichten Schweben der Sprache der Elfen und doch in einem staccato-artigen, festen Stand der menschlichen Stimme manifestiert. Keine Vokabel schien den heutig bekannten Sprachen ähnlich zu sein und doch trug sie viel Vergangenheit, Geschichte, Macht und vor allem Wissen in sich.
Selbst die Sprache allein, die Art wie sie Sätze und Bedeutungen formte, schien ein Geheimnis zu lüften und tausend neue zu erschaffen.
Nun, nach all der Arbeit, welche sich entgegen anfänglicher Sorgen auszahlte, würde er seine Erkenntnisse teilen können, er würde es müssen! Unverzeihbar wäre es, dieses Wissen mit in das Grab zu nehmen, welches eines Tages auf ihn warten würde. Unverzeihbar wäre es diesen Schatz jenen vorzuenthalten, welche es wohl verdient hätten. Doch jene mussten sorgfältig auserwählt werden, mit wachen Augen und einem sicheren, reinem Geiste….
Er atmete tief durch und schloss für einen Moment die Augen. Im selben Moment erloschen die Kerzen ohne auch nur einen Hauch Ruß emporsteigen zu lassen. Meredorn erhob sich langsam, warf einen letzten Blick auf das Buch und verließ sein Arbeitszimmer. Die Zeit ist gekommen, sie war endgültig da. Er konnte es beinah spüren, als hätten die verworrenen, erzürnenden Ereignisse der vergangen Tage ihn gerade Wegs zu diesem Erfolg geführt… „Sei es drum, scharlatanische Träumerei!“ Dachte er und verwarf jede Idee eines Schicksal um sich auf den Weg zu machen, auf die Suche…
Die Hallen des Phanodain
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Janus Aethra
Wenn ein Weg sich gabelt, ist es an jedem selbst, zu entscheiden, welche Richtung er einschlägt. Und so war es nun Janus, der sich vor solch einer Gabelung wiederfand – doch vermochte er nur zu sehen, welchen Weg er nicht weiterführen konnte. Welche Richtung galt es nun einzuschlagen?
Lange Zeit war der Konvent des Phönix nun schon seine Magieschule gewesen. Dort lernte und lehrte er, erforschte seine Fähigkeiten und baute sie stetig weiter aus – und dabei hielt er sein Ziel fest vor Augen. Er wollte gemeinsam mit Gleichgesinnten, mit Menschen, die seine Ansichten vertraten und denen er vertrauen konnte, die Magie begreifen und möglichst zahlreiche Facetten dieser beeindruckenden Kraft erforschen. Und genau dies war der Weg, den er im Laufe der letzten Jahre mit anderen Mitgliedern des Konvents beschritt.. doch hatte dieser gemeinsame, silbrig-weiße Pfad nun sein Ende gefunden.
Vertrauen ... in einem Anflug von Nostalgie entfuhr Janus ein leises Seufzen, als er den Kopf an die Lehne des Sessels sinken ließ. Der Blick des jungen Magiers wurde aus einem Fenster des Hauses geworfen, das nun schon so lange sein Zuhause war – seine Zuflucht und ein Ort voll Geborgenheit. Es war von einem leisen Knistern des Kamins erfüllt, die Luft war trotz der klirrenden Kälte des vergehenden Wintertages, die draußen die schneebedeckte Landschaft prägte, in wohlige Wärme getaucht.
Vertrauen konnte er nun am Konvent nichtmehr oder nur noch sehr wenig finden.. und so war es für ihn der einzig plausible Schritt gewesen, einen anderen Weg einzuschlagen – fort vom Konvent ... doch wohin er führte, das wusste er in diesem Moment noch nicht. So bereitete er sich innerlich bereits darauf vor, einige Schritte allein zu gehen. Doch war er wirklich allein?
Er wandte den Blick zurück zu dem Sessel, in welchem die Person saß, die ihn nun schon seit seiner Kindheit begleitete – und die ihn bis zu seinem Tod weiter begleiten würde. Es war die Frau, die ihm mit diesem sanften Lächeln entgegen blickte.. die Frau, der sein Herz - und viel mehr noch als das - sein Leben gehörte. Sie gab ihm für jeden seiner Schritte den nötigen Rückhalt, und mit ihr war er bereit, weiterzugehen, ganz gleich, wohin es ihn führen würde.
Ein Klingeln durchbrach die Stille - und ein Blick aus dem Fenster erlaubte ihm einen Anblick, der in ihm bereits unterschwellige Verwunderung auslöste, doch ahnte er nicht, dass sich ihm nun sein Weg offenbaren sollte, als er das Haus verließ und sich der draußenstehenden Gestalt näherte.
Gehüllt in dunklem Leder, einen Arm beinahe behütend wirkend über eine Tasche geführt stand ihm sein ehemaliger Lehrer gegenüber. Ein Mann, der unmittelbar an seinem Verlassen des Konvents Teil hatte.. jemand, dem er besonders nach den jüngsten Ereignisse sein Vertrauen geschenkt hatte – Meredorn. Und eben jener Mann war es, der Janus nun einem für ihn befremdlich wirkenden Blick aussetzte, etwas, das seine Verwunderung noch ein wenig zu vertiefen vermochte.
Rasch verließen sie die Kälte, hinein in Janus' Zuflucht, in der er Meredorn nur zu gerne willkommen hieß...
Unzählige Emotionen schossen durch seinen Leib, als Janus auf das in dunklem Leder eingebunde Objekt auf dem Tisch vor sich blickte. Neugier.. Ungeduld... Dinge, die er für gewöhnlich gut kontrollieren konnte drangen für mehrere Augenblicke an die Oberfläche und prägten seine Züge, als sich ihm sein weiterer Weg immer deutlicher offenbarte und er seine Hände danach ausstreckte. Es waren für ihn vollkommen fremde Symbole, die sich ihm offenbarten, als er die erste Seite des Buches aufschlug – auf den ersten Blick konnte er keinerlei Systematik in den befremdlichen Schriftzeichen erkennen.. doch war ihre oberflächliche Bedeutung auch nicht von Belang. Die Bedeutung dessen, was er in den Händen hielt, war ausschlaggebend. Es war Wissen – altes Wissen über die Magie, und auch wenn Janus mit dem Phanodainkult Pha Ianadas nichts anfangen konnte schossen ihm die wahnsinnigsten Gedanken durch den Kopf.
Siebzehn Bände sollte existieren, und alle waren im Besitz seines ehemaligen Mentors. Siebzehn Bände voller Wissen, dass es nur noch zu entschlüsseln galt.. und ausgerechnet Janus war es, der dazu auserwählt wurde. Die Antwort war bereits klar, als Meredorn die Frage nach Janus' Hilfe formte, und so war Janus bereits einen Schritt auf seinem neuen Weg gegangen, ohne es bemerkt zu haben.
Wissen sammeln, erforschen, lehren und bewahren – dies war nun das Ziel, und der erste Schritt würde es sein, weitere Verbündete zu finden, die sich dieser Aufgabe stellen... und Janus wusste bereits, wer dafür in Frage käme – eine Magierin, die er erst wenige Tage zuvor in sein Heim bat und die ebenso als ehemalige Lehrerin sein vollstes Vertrauen genoss – Una Llastobhar.
Lange Zeit war der Konvent des Phönix nun schon seine Magieschule gewesen. Dort lernte und lehrte er, erforschte seine Fähigkeiten und baute sie stetig weiter aus – und dabei hielt er sein Ziel fest vor Augen. Er wollte gemeinsam mit Gleichgesinnten, mit Menschen, die seine Ansichten vertraten und denen er vertrauen konnte, die Magie begreifen und möglichst zahlreiche Facetten dieser beeindruckenden Kraft erforschen. Und genau dies war der Weg, den er im Laufe der letzten Jahre mit anderen Mitgliedern des Konvents beschritt.. doch hatte dieser gemeinsame, silbrig-weiße Pfad nun sein Ende gefunden.
Vertrauen ... in einem Anflug von Nostalgie entfuhr Janus ein leises Seufzen, als er den Kopf an die Lehne des Sessels sinken ließ. Der Blick des jungen Magiers wurde aus einem Fenster des Hauses geworfen, das nun schon so lange sein Zuhause war – seine Zuflucht und ein Ort voll Geborgenheit. Es war von einem leisen Knistern des Kamins erfüllt, die Luft war trotz der klirrenden Kälte des vergehenden Wintertages, die draußen die schneebedeckte Landschaft prägte, in wohlige Wärme getaucht.
Vertrauen konnte er nun am Konvent nichtmehr oder nur noch sehr wenig finden.. und so war es für ihn der einzig plausible Schritt gewesen, einen anderen Weg einzuschlagen – fort vom Konvent ... doch wohin er führte, das wusste er in diesem Moment noch nicht. So bereitete er sich innerlich bereits darauf vor, einige Schritte allein zu gehen. Doch war er wirklich allein?
Er wandte den Blick zurück zu dem Sessel, in welchem die Person saß, die ihn nun schon seit seiner Kindheit begleitete – und die ihn bis zu seinem Tod weiter begleiten würde. Es war die Frau, die ihm mit diesem sanften Lächeln entgegen blickte.. die Frau, der sein Herz - und viel mehr noch als das - sein Leben gehörte. Sie gab ihm für jeden seiner Schritte den nötigen Rückhalt, und mit ihr war er bereit, weiterzugehen, ganz gleich, wohin es ihn führen würde.
Ein Klingeln durchbrach die Stille - und ein Blick aus dem Fenster erlaubte ihm einen Anblick, der in ihm bereits unterschwellige Verwunderung auslöste, doch ahnte er nicht, dass sich ihm nun sein Weg offenbaren sollte, als er das Haus verließ und sich der draußenstehenden Gestalt näherte.
Gehüllt in dunklem Leder, einen Arm beinahe behütend wirkend über eine Tasche geführt stand ihm sein ehemaliger Lehrer gegenüber. Ein Mann, der unmittelbar an seinem Verlassen des Konvents Teil hatte.. jemand, dem er besonders nach den jüngsten Ereignisse sein Vertrauen geschenkt hatte – Meredorn. Und eben jener Mann war es, der Janus nun einem für ihn befremdlich wirkenden Blick aussetzte, etwas, das seine Verwunderung noch ein wenig zu vertiefen vermochte.
Rasch verließen sie die Kälte, hinein in Janus' Zuflucht, in der er Meredorn nur zu gerne willkommen hieß...
Unzählige Emotionen schossen durch seinen Leib, als Janus auf das in dunklem Leder eingebunde Objekt auf dem Tisch vor sich blickte. Neugier.. Ungeduld... Dinge, die er für gewöhnlich gut kontrollieren konnte drangen für mehrere Augenblicke an die Oberfläche und prägten seine Züge, als sich ihm sein weiterer Weg immer deutlicher offenbarte und er seine Hände danach ausstreckte. Es waren für ihn vollkommen fremde Symbole, die sich ihm offenbarten, als er die erste Seite des Buches aufschlug – auf den ersten Blick konnte er keinerlei Systematik in den befremdlichen Schriftzeichen erkennen.. doch war ihre oberflächliche Bedeutung auch nicht von Belang. Die Bedeutung dessen, was er in den Händen hielt, war ausschlaggebend. Es war Wissen – altes Wissen über die Magie, und auch wenn Janus mit dem Phanodainkult Pha Ianadas nichts anfangen konnte schossen ihm die wahnsinnigsten Gedanken durch den Kopf.
Siebzehn Bände sollte existieren, und alle waren im Besitz seines ehemaligen Mentors. Siebzehn Bände voller Wissen, dass es nur noch zu entschlüsseln galt.. und ausgerechnet Janus war es, der dazu auserwählt wurde. Die Antwort war bereits klar, als Meredorn die Frage nach Janus' Hilfe formte, und so war Janus bereits einen Schritt auf seinem neuen Weg gegangen, ohne es bemerkt zu haben.
Wissen sammeln, erforschen, lehren und bewahren – dies war nun das Ziel, und der erste Schritt würde es sein, weitere Verbündete zu finden, die sich dieser Aufgabe stellen... und Janus wusste bereits, wer dafür in Frage käme – eine Magierin, die er erst wenige Tage zuvor in sein Heim bat und die ebenso als ehemalige Lehrerin sein vollstes Vertrauen genoss – Una Llastobhar.
Zuletzt geändert von Janus Aethra am Sonntag 20. Januar 2008, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.