Die Erste und die Letzte - Der Weg eines Racheengels

Antworten
Lauren DiViyon

Die Erste und die Letzte - Der Weg eines Racheengels

Beitrag von Lauren DiViyon »

"Sieh in mein Gesicht! Es wird das Letzte sein, was du sehen wirst!" fauchte die rothaarige blasse junge Frau zu dem am Boden liegenden ältlichen Kerl. Er meinte, er könne sich verstecken - doch sie fand ihn. Es war ihr bestimmt. Die Chimäre war auf dem Plan getreten.
Das Stirnband wurde abgezogen - und enthüllte die blutige Träne an ihrer Stirn. Der Mann erschrak kurz und schluckte. Nur noch ein Krächzen entfuhr ihm. Und so würde es wohl oder übel geschehen, dass Lauren sich in dem Moment, indem sie mit einem Schrei ihr Schwert erhob und in das Herz des Mannes rammte zur Mörderin machte.
Blut verklebte ihr Gesicht. Der Kampf war hart und bitter - doch die Kriegerin obsiegte endlich. Es war soweit. Die Chimäre war zurückgekehrt - und sie würde von nun an den Pfad beschreiten, der ihr bestimmt war. Der Pfad der Rache.

Rache ist rein und ehrlich. Werde nicht zur Meuchelmörderin sondern verkünde die Lehre der Rache.
Lasse Gerechtigkeit dort walten, wo das Recht versagt.
Führe deine Waffe im Namen der Rache und räche die Sache, die es wert ist, gerächt zu werden.
Die ganze Welt wird dein Feind sein, doch behandle sie wie einen Freund.
Die blutige Träne soll dein Zeichen sein - die blutige Träne soll dein Gefährte sein, die blutige Träne soll dein Wegweiser sein.



Rückblende:
"...und nach diesen Regeln heißt es zu leben, wenn du diesen Weg beschreiten willst." Die alte Frau mit Stirnband stand gebeugt als schattenhafte Kontur vor der sinkenden Sommersonne auf der Wiese. Lauren saß auf dem saftigen Grün und blickte zu ihr hoch - nur ein sachtes Nicken war zu vernehmen.
"Das heißt, dass jede Form der Rache dann rechtzufertigen ist, wenn man zuvor seine Tat ankündigt? fragte sie neugierig.
"So ist es. Du musst natürlich zuvor bedenken, dass dein Tun und dein Lassen einen Grund braucht, und du musst die Folgen bedenken. Vergiss nicht. Auch wir werden als Verbrecher angesehen."
Lauren strich sich über die freie Stirn. Sie war nicht gezeichnet, ihr blasses Gesicht war makellos. Sie wog den Kopf hin und her ehe sie sprach, "Ich verstehe. So muss ich also zuvor wissen, warum ich wen richte - und vor allem wie ich ihn richte."
"Ein Mörder", sprach Torell, ihre Meisterin, "ist ein Mörder und er muss entsprechend auch gerichtet werden. Beleidigt dich jemand - und zwar in einem bestimmten Rahmen", sie schmunzelte, "mach ihn stumm."
"Also ist der Weg der Chimäre stets der Weg der Konsequenz - es muss nachhaltig gewiss sein, wer am Werke war?"
"Nun wenn du meinst, dein "Opfer" verdient lediglich eine Ohrfeige - dann gib ihm eine. Die hat natürlich keine Folgen, doch es gibt noch ein anderes Werkzeug, das wir anwenden. Das Zeichen das wir hinterlassen - die Träne."
"Die Träne, sie ist der Vorbote und der Brief selbst."
"Genau. Du hast es verstanden, Lauren. Dies ist unser heiligster Kodex. Dieser Kodex und dieses Wappen steht über allem, sobald du das Zeichen auf deiner Stirn trägst."
Lauren nickte kurz ehe sie abschließend ruhig aber fest entschlossen sprach während sie sich erhob und sich straff vor die ihr um einen Kopf kleineren Frau stellte. "Dann sei es so."


Ein letztes Röcheln, und der Mann, der sich einst Dorkan Norannh nannte war tot - er - der soviele Menschenleben auf dem Gewissen hatte - die Geißel, der Nemesis, der die Chimäre beinahe zum Sterben verurteilt hätte war tot.
Er, der ihre Meisterin tötete - er, der die glorreichen Tage der Chimäre vor mehr als 20 Jahren beendete - er war endlich dort wo er hingehörte - in der Hölle oder etwas Schlimmeren.
Lauren schleifte den Körper vor die Straße. Der Varuner Friedhof war ganz in der Nähe. Nicht lange und man würde wohl seine Leiche finden, und dann würde man einen Mörder suchen.
Doch als wäre dies nicht genug hinterließ sie einen Pfeil mit einer aufgerollten Pergamentrolle auf der das Wappen der Chimäre zu sehen war. Nur wenige würden sich des Zeichens entsinnen. Doch Nachforschungen sollten ergeben, dass die einst sehr geächtete Gruppe der Chimäre, für Verbrecher befunden sowohl in Varuna als auch Rahal, zurückgekehrt war. Es war wieder soweit - nach über 20 Jahren würde man davon hören.
Ohne ihr Schwert zu säubern scheidete Lauren die Klinge. Der Tod ihrer Meisterin war gerächt. Nun begann ihre Arbeit erst richtig. Wer würde mit ihr den Pfad der Rache beschreiten wollen? Es war eine Bindung auf Lebenszeit. Die blutige Träne auf ihrer Stirn, eine Tättovierung, die stets unter einem Stirnband verborgen bleiben musste bis zu dem Zeitpunkt an dem sie Rache üben würde war das Indiz für die Zugehörigkeit der Chimäre.
Das Stirnband wurde wieder über das kleine Mal geschlungen - dann wandte Lauren sich um und verschwand wie ein Schatten in der Nacht.
Varuna würde ein Phantom jagen - Varuna würde nie erfahren, welche Verbrechen dieser Mann begangen hatte. Doch eines würde der Finder, der vielleicht kundig war über den beigelegten Fund wissen. Ein Racheengel war am Werke.[/i][/b]
Zuletzt geändert von Lauren DiViyon am Dienstag 1. Januar 2008, 03:15, insgesamt 2-mal geändert.
Lauren DiViyon

Beitrag von Lauren DiViyon »

Bajard war im Grunde das Paradies der idiotie, wie Lauren schon bald herausgefunden hat. "Die Chimäre" zog durch die Lande, wohl wissend, dass kaum eine Spur ihres Mordes auf sie zurückführen würde. Er war ein vierfacher Mörder. Eigentlich war sie noch zu gut darin, das abgetrennte Auge neben dem Leichnam liegen zu lassen. Ob man sie bereits gefunden hatte?
Zumindest entdeckte Lauren auch Güte in den Menschen. Dieses junge Mädchen, etwas seltsam und lebhaft vielleicht, das ihr einen Mantel hinterließ. Angesichts des kalten Winters war dies eine sehr noble Geste. Etwas, das Laurens Dank verdiente und wiedergutgemacht gehört.

Gute Taten vergelte stets, so wie du böse Taten vergeltest. Denn das Gute im Menschen ist nicht immer stark und soll stets belohnt werden mit Güte.

Rückblende:
Das Schwert stak in der feuchten Herbsterde. Es hatte aufgehört zu regnen und Lauren zitterte am ganzen Körper. Blut rann über ihre Stirn und der Regen verklebte ihr karottenfarbenes Haar zu langen dünnen Strähnen.
Torell nickte anerkennend. "Du hast den Schlag präzise geführt. Du hattest nur den einen, und dieser Schlag ist nachhaltig. Dein Gegner hätte nun einen abgetrennten Arm. Was bedeutet das?"
"Der Gegner kann nie mehr seine Frau oder sein Kind schlagen", Lauren schmunzelte und schloss keuchend die augen.
"Du hättest ihn auch einfach niederschlagen können. Doch lernt er seine Lektion? Wohl kaum, nicht wahr?"
Das Stirnband kebte vor Nässe an ihrer Stirn und verbarg die Tättovierung. Zwei Monde nun war sie eine Chimäre. Sie war die Erbin der Lehren, die ihr Torell weitergab. Tatsächlich sprach man bei beiden wohl eher von Freundschaft als von einer Beziehung zwischen Meisterin und Schülerin.
"Jemand muss also die Lehre erteilt bekommen, wenn man meint, er lernt es nie."
Torell sah Lauren schon nicht mehr an. Sie drehte sich zu einer Frau um, die sie wohl bereits eine ganze Weile beobachtete. Sie ging auf ihrem Stab gestützt langsam auf die Mittzwanzigerin zu. Dann hob sie ihre Stimme.
"Erinnerst du dich noch an mich, Lise Helner? Vor einem halben Jahr hast du mich auf einen warmen met zu dir nach Hause eingeladen, nachdem du bemerkt hattest, dass die Gicht mich nicht mehr zu meiner Hütte führen kann. Nun möchte ich dir diese gute Tat vergelten."


Die Schneiderin war eine typische Einwohnerin Bajards, das merkte sie rasch. Ein angenehmer Gesprächspartner, aber nicht sehr markant. Würde sie einst um Laurens Hilfe bitten, würde sie diese jedoch gewährt bekommen.
Victor Sternfaust war jedoch ein anderes Kapitel. Er redete eindeutig schneller als er dachte und hatte ungefähr soviel charme wie der verwesende Kadaver eines Trolles. Er stand bereits auf ihrer Liste ob seiner Beleidigungen.

Subjekt: Victor Sternfaust
Art der Rache: Zunge abtrennen


Sie würde der Welt einen Gefallen tun, diesen halsstarrigen Taugenichts ein für alle Male stumm zu machen. Wann es passierte wusste sie noch nicht, doch einst möge es soweit sein.
Nun galt es herauszufinden wo er sich aufhielt um ihm die entsprechende Nachricht zukommen zu lassen.
Insgeheim hoffte "die Chimäre", dass schon bald weitere Menschen ihren Weg der Rache beschreiten mögen, auf dass der Kodex von Rache und Vergeltung wieder aufleben möge.
Zuletzt geändert von Lauren DiViyon am Dienstag 1. Januar 2008, 03:24, insgesamt 2-mal geändert.
Antworten