Die Höhle des Löwen oder: Dem Nervenkitzel erlegen
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Sephira von Tecklenstein
Die Höhle des Löwen oder: Dem Nervenkitzel erlegen
Langsam brach die Stille über das Kastell herein. Die Wachen hatte aufgehört zu murmeln, zu lachen und umherzulaufen. Stattdessen vernahm man mit dem weiteren Verlauf der Nacht nur noch das flache atmen, gar hier und dort ein Schnarchen von den ach so wachsamen Gardisten.
Sie hatte sich wieder locken lassen, hatte der Versuchung einfach nicht widerstehen können. Schon oft hatte sie sich dem Nervenkitzel hingegeben und jedesmal fiel es keinem auf. Kein Wort war zu hören, nicht einmal ein Blick wurde damals auf sie gelegt.
Bis heute...
Der Markt bot den perfekten Schutz. Man konnte eintauchen in der Masse; ein Gesicht glich dem anderen, eine Stimme vermischte sich mit anderen zu einem riesigen Singsang. Es war perfekt, um unauffällig umherzuflanieren.
Varuna zog sie an....eine Kraft mochte wohl immer noch von dieser Stadt ausgehen.
Ob sie es wollte oder nicht, das musste sie sich not oder übel eingestehen. Wer sollte auch schon das Wappen erkennen? Wer sollte sie zuordnen können? Sie war sich sicher, dass man noch immer im Glauben war, dass die gesamte Familie von Tecklenstein treu dem Reiche zur Seite stand. Anscheinend hatte sie sich getäuscht.
Es ließ vermuten, dass ihr Vater es bereits brieflich kund getan hatte in den anderen Baronien.
Eine Warnung vor der eigenen Tochter, lächerlich...!
Die Hand wanderte im Dunkeln zur Seite, umfasste den Flaschenhals, welchen sie unstandesgemäß nun an die Lippen führen mochte. Wenigstens die Kälte mochte der Alkohol ein klein wenig vertreiben. Trotz allem genoß sie den Tropfen, jeder Schluck war bedächtig; spürte den abgerundeten Geschmack, die leichte Herbe. Wirklich, der Truchsess hatte einen gar vorzüglichen Geschmack. Wie schade, dass sie ihm dafür nicht danken mochte. Seine Hochgeboren von Weylenstein hatte ihn sicher nicht ohne Einwilligung eingeholt, so wie er es behauptet hatte. Viel hatte er sie an diesem Abend gefragt, viel hatte sie erzählt.
Reden.. mit Wörter fechten, es war an diesem Abend die ihr einzige Waffe, die sie nutzen konnte. Kein Reiz, keine Hüftbewegung oder gar ein vielsagender Blick mochten helfen. Nein, diesmal war sie auf die Etikette angewiesen und auf die Worte, die aus ihrem Mund flossen. Sie hatte vielleicht zu viel erzählt. Vielleicht würden ihre Worte aber auch für einen Aufschub sorgen. Ein Aufschub, der ihr Zeit brachte. Zeit, dass man bemerken würde, dass sie nicht mehr in den Strassen der Heiligen Stadt zu sehen war.
Sie war sich sicher, auf dem Markt bekannte Gesichter gesehen zu haben; sie hoffte es zumindest...
Ein fahles Lächeln zog sich auf die jungen, geschwungenen Lippen. Sie dachte an die Zeilen, die sie in dem Zimmer der Baronin gelesen hatte; sich gar eine Abschrift davon gemacht hatte.
Die Hoffnung stirbt zuletzt,
glaube mir, sie stirbt zuletzt...
Sie musste hoffen, konnte einfach nicht anders.
Viele Wege eröffneten sich erst dem jungen Mädchen, Wege, die sie weit bringen könnten. Die Zukunft war voller Wünsche und Visionen.
Laut schnaufte sie einmal aus und sah sich in den kahlen Gemäuern um. Sie befürchtete, dass die Nacht lang und nur wenig schlafreich sein würde. Wieder setzte sie die Flasche Wein an, wieder ein Schluck mehr. Vielleicht würde auch er beim Schlafen helfen.
Ein leises ‚Plitsch‘ verriet eine undichte Stelle, in der nun der Regen durchzudrängen begann. Ja, das Reich Alumenas war wirklich wohlhabend...und sparte nur beim wichtigsten; seiner Armee.
Verächtlich verzog sich die junge Miene. Sobald sie wieder in Sicherheit sein würde, müssten weitere Wege eingeleitet werden. Gesichter, die sie sich an diesem Abend genau eingeprägt, deren Namen sie gut abgespeichert hatte, würden damit rechnen müssen, ein nicht mehr ganz so angenehmes Leben zu führen.
Rache, vermag sie nicht einen manchmal dazu, am Leben zu bleiben; sich gar daran zu klammern?
Die Gedanken umwölkten sich langsam und schwerer wurde das Nachdenken, vom Wein betäubt. Langsam ließ sie sich mit dem Rücken gegen das Gitter der Zelle gleiten, die Beine in den Schneidersitz hochziehend. Nur eine Sekunde die Augen schliessen....einen Moment ruhen.
Die Kopfschmerzen würden sie am Morgen belehren...
Sie hatte sich wieder locken lassen, hatte der Versuchung einfach nicht widerstehen können. Schon oft hatte sie sich dem Nervenkitzel hingegeben und jedesmal fiel es keinem auf. Kein Wort war zu hören, nicht einmal ein Blick wurde damals auf sie gelegt.
Bis heute...
Der Markt bot den perfekten Schutz. Man konnte eintauchen in der Masse; ein Gesicht glich dem anderen, eine Stimme vermischte sich mit anderen zu einem riesigen Singsang. Es war perfekt, um unauffällig umherzuflanieren.
Varuna zog sie an....eine Kraft mochte wohl immer noch von dieser Stadt ausgehen.
Ob sie es wollte oder nicht, das musste sie sich not oder übel eingestehen. Wer sollte auch schon das Wappen erkennen? Wer sollte sie zuordnen können? Sie war sich sicher, dass man noch immer im Glauben war, dass die gesamte Familie von Tecklenstein treu dem Reiche zur Seite stand. Anscheinend hatte sie sich getäuscht.
Es ließ vermuten, dass ihr Vater es bereits brieflich kund getan hatte in den anderen Baronien.
Eine Warnung vor der eigenen Tochter, lächerlich...!
Die Hand wanderte im Dunkeln zur Seite, umfasste den Flaschenhals, welchen sie unstandesgemäß nun an die Lippen führen mochte. Wenigstens die Kälte mochte der Alkohol ein klein wenig vertreiben. Trotz allem genoß sie den Tropfen, jeder Schluck war bedächtig; spürte den abgerundeten Geschmack, die leichte Herbe. Wirklich, der Truchsess hatte einen gar vorzüglichen Geschmack. Wie schade, dass sie ihm dafür nicht danken mochte. Seine Hochgeboren von Weylenstein hatte ihn sicher nicht ohne Einwilligung eingeholt, so wie er es behauptet hatte. Viel hatte er sie an diesem Abend gefragt, viel hatte sie erzählt.
Reden.. mit Wörter fechten, es war an diesem Abend die ihr einzige Waffe, die sie nutzen konnte. Kein Reiz, keine Hüftbewegung oder gar ein vielsagender Blick mochten helfen. Nein, diesmal war sie auf die Etikette angewiesen und auf die Worte, die aus ihrem Mund flossen. Sie hatte vielleicht zu viel erzählt. Vielleicht würden ihre Worte aber auch für einen Aufschub sorgen. Ein Aufschub, der ihr Zeit brachte. Zeit, dass man bemerken würde, dass sie nicht mehr in den Strassen der Heiligen Stadt zu sehen war.
Sie war sich sicher, auf dem Markt bekannte Gesichter gesehen zu haben; sie hoffte es zumindest...
Ein fahles Lächeln zog sich auf die jungen, geschwungenen Lippen. Sie dachte an die Zeilen, die sie in dem Zimmer der Baronin gelesen hatte; sich gar eine Abschrift davon gemacht hatte.
Die Hoffnung stirbt zuletzt,
glaube mir, sie stirbt zuletzt...
Sie musste hoffen, konnte einfach nicht anders.
Viele Wege eröffneten sich erst dem jungen Mädchen, Wege, die sie weit bringen könnten. Die Zukunft war voller Wünsche und Visionen.
Laut schnaufte sie einmal aus und sah sich in den kahlen Gemäuern um. Sie befürchtete, dass die Nacht lang und nur wenig schlafreich sein würde. Wieder setzte sie die Flasche Wein an, wieder ein Schluck mehr. Vielleicht würde auch er beim Schlafen helfen.
Ein leises ‚Plitsch‘ verriet eine undichte Stelle, in der nun der Regen durchzudrängen begann. Ja, das Reich Alumenas war wirklich wohlhabend...und sparte nur beim wichtigsten; seiner Armee.
Verächtlich verzog sich die junge Miene. Sobald sie wieder in Sicherheit sein würde, müssten weitere Wege eingeleitet werden. Gesichter, die sie sich an diesem Abend genau eingeprägt, deren Namen sie gut abgespeichert hatte, würden damit rechnen müssen, ein nicht mehr ganz so angenehmes Leben zu führen.
Rache, vermag sie nicht einen manchmal dazu, am Leben zu bleiben; sich gar daran zu klammern?
Die Gedanken umwölkten sich langsam und schwerer wurde das Nachdenken, vom Wein betäubt. Langsam ließ sie sich mit dem Rücken gegen das Gitter der Zelle gleiten, die Beine in den Schneidersitz hochziehend. Nur eine Sekunde die Augen schliessen....einen Moment ruhen.
Die Kopfschmerzen würden sie am Morgen belehren...
Zuletzt geändert von Sephira von Tecklenstein am Dienstag 4. Dezember 2007, 13:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Sephira von Tecklenstein
„Verflucht sei diese Dirne! Schlagt ihr doch endlich den Kopf ab!“
„Adlig? Pah! Da hat der Dreck zu ihren Füßen mehr Anstand als solch eine!“
„Da haste was zum Fressen, damit du nich von Fleisch fällst, Verräterin!“
Die Worte prallten schon seit Stunden an ihr ab. Sie drangen nur für winzige Momente in ihr Ohr und wurden ebenso schnell wieder verdrängt und überhört. Sollten sie doch reden, was sie wollten, jede dieser Zungen war es nicht wert, ihnen etwas zu entgegnen.
Was nützte es auch? Sie würden es ja doch nicht begreifen. Würden nie die Wahrheit sehen, würden nie begreifen, welch Offenbarung der wahre Glauben sein konnte.
Drei Tage Pranger, anschliessend der Transport in die Baronie von Tecklenstein, um dort das Urteil letztendlich zu vollstrecken: Tod durch den Henker und sein Schwert, so wurde bei Gericht entschieden. Sie hatte dem Truchsess in die Augen gesehen, hatte es hingenommen. In jenem Moment war sie schwach, hatte sich gehen lassen.
So viele Worte hatten sich in ihrem Mund formen wollen, hatte sie aussprechen wollen; was blieb, war Leere.
Schon am ersten Morgen hatte sie die Fesseln nicht mehr gespürt, die sich tief und tiefer in die Hand und Fußgelenke gerieben hatten. Die Robe schützte kaum vor dem Wetter, bietete jedoch eingermaßen Abwehrfläche vor den Wurfgeräten der Bürger. Das musste sie zumindest bitter zugeben, die Bürger waren sehr kreativ, wenn es darum ging, einen Menschen zu beleidigen oder zu misshandeln. Ein schaler Geschmack legte sich dabei auf die Zunge, wenn sie daran dachte.
Gib ihnen einen Menschen, der sich nicht wehren kann und den sie mit aller Gewalt hassen; und sie werden zu Tieren, werden zu Instinktgesteuerten Wesen, die ihren ganzen Zorn, ihre ganze Gewalt an einem auslassen....
Nein, die Worte dieser Unwürdigen gab sie kaum eine Bedeutung. Sie ignorierte sie, schenkte ihnen keine Beachtung. Es war wohl eher jenes Wetter, was an ihr zehrte, langsam Stück für Stück die Kraft aus ihrem Körper sog. Blasser wurde das Gesicht, die Lippen färbten sich leicht ins bläuliche, Hunger und Durst zehrten an ihr.
Und trotz allem verzog sich die Miene für manchen Moment zu einem schiefen, gar schmalen Lächeln. Wie lächerlich, wie grotesk doch diese Situation war. Bald würde man sie mitnehmen, eskortieren nach Tecklenstein, wo ihr Vater sie erwarten und hinrichten würde. Es hätte nicht absurder sein können; wies es doch auf, wie sehr der Truchsess die schmutzige Arbeit auf seine Lehensherren verteilte. Ein Mann, der über allen herrschte und sich doch vor allem fürchtete, gar vor seiner eigenen Ausübung der Macht.
Es wäre sicher ein Wiedersehen, in dem sie ihrem Vater höhnisch entgegen treten würde. Ein Treffen, indem sich ihr Vater sicher schwer tun würde, gar wohl nochmal auf sie einreden würde....um etwas zu ändern.
Es würde sich nicht mehr ändern. Sie hatte den richtigen Weg gewählt. Man stellte ihr Steine in den Weg, sicher. Sie hatte ihn enttäuscht, hatte das Spiel zu weit getrieben. Viel war wieder gut zu machen. Und einige Leute sollten büßen für jenes, was geschehen war...
Hilfe durfte sie keine von der Heiligen Stadt erwarten. Sie hatte es mehr als genügend zu verstehen bekommen, als er mit ihr gesprochen hatte. Doch die ersten Gedanken hatten sich zu einem Plan formiert. Alles müsste dabei auf eine Karte gesetzt werden; es würde entscheiden, ob sie davon kommen würde oder doch die Bekanntschaft mit dem Henker machen müsste.
Die Nacht würde lang werden, die Kräfte mussten gut reserviert werden. Der Gedanke half...und alte Zeilen drangen hervor, die einst geschrieben wurden:
Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
[Hermann Hesse - Im Nebel]
„Adlig? Pah! Da hat der Dreck zu ihren Füßen mehr Anstand als solch eine!“
„Da haste was zum Fressen, damit du nich von Fleisch fällst, Verräterin!“
Die Worte prallten schon seit Stunden an ihr ab. Sie drangen nur für winzige Momente in ihr Ohr und wurden ebenso schnell wieder verdrängt und überhört. Sollten sie doch reden, was sie wollten, jede dieser Zungen war es nicht wert, ihnen etwas zu entgegnen.
Was nützte es auch? Sie würden es ja doch nicht begreifen. Würden nie die Wahrheit sehen, würden nie begreifen, welch Offenbarung der wahre Glauben sein konnte.
Drei Tage Pranger, anschliessend der Transport in die Baronie von Tecklenstein, um dort das Urteil letztendlich zu vollstrecken: Tod durch den Henker und sein Schwert, so wurde bei Gericht entschieden. Sie hatte dem Truchsess in die Augen gesehen, hatte es hingenommen. In jenem Moment war sie schwach, hatte sich gehen lassen.
So viele Worte hatten sich in ihrem Mund formen wollen, hatte sie aussprechen wollen; was blieb, war Leere.
Schon am ersten Morgen hatte sie die Fesseln nicht mehr gespürt, die sich tief und tiefer in die Hand und Fußgelenke gerieben hatten. Die Robe schützte kaum vor dem Wetter, bietete jedoch eingermaßen Abwehrfläche vor den Wurfgeräten der Bürger. Das musste sie zumindest bitter zugeben, die Bürger waren sehr kreativ, wenn es darum ging, einen Menschen zu beleidigen oder zu misshandeln. Ein schaler Geschmack legte sich dabei auf die Zunge, wenn sie daran dachte.
Gib ihnen einen Menschen, der sich nicht wehren kann und den sie mit aller Gewalt hassen; und sie werden zu Tieren, werden zu Instinktgesteuerten Wesen, die ihren ganzen Zorn, ihre ganze Gewalt an einem auslassen....
Nein, die Worte dieser Unwürdigen gab sie kaum eine Bedeutung. Sie ignorierte sie, schenkte ihnen keine Beachtung. Es war wohl eher jenes Wetter, was an ihr zehrte, langsam Stück für Stück die Kraft aus ihrem Körper sog. Blasser wurde das Gesicht, die Lippen färbten sich leicht ins bläuliche, Hunger und Durst zehrten an ihr.
Und trotz allem verzog sich die Miene für manchen Moment zu einem schiefen, gar schmalen Lächeln. Wie lächerlich, wie grotesk doch diese Situation war. Bald würde man sie mitnehmen, eskortieren nach Tecklenstein, wo ihr Vater sie erwarten und hinrichten würde. Es hätte nicht absurder sein können; wies es doch auf, wie sehr der Truchsess die schmutzige Arbeit auf seine Lehensherren verteilte. Ein Mann, der über allen herrschte und sich doch vor allem fürchtete, gar vor seiner eigenen Ausübung der Macht.
Es wäre sicher ein Wiedersehen, in dem sie ihrem Vater höhnisch entgegen treten würde. Ein Treffen, indem sich ihr Vater sicher schwer tun würde, gar wohl nochmal auf sie einreden würde....um etwas zu ändern.
Es würde sich nicht mehr ändern. Sie hatte den richtigen Weg gewählt. Man stellte ihr Steine in den Weg, sicher. Sie hatte ihn enttäuscht, hatte das Spiel zu weit getrieben. Viel war wieder gut zu machen. Und einige Leute sollten büßen für jenes, was geschehen war...
Hilfe durfte sie keine von der Heiligen Stadt erwarten. Sie hatte es mehr als genügend zu verstehen bekommen, als er mit ihr gesprochen hatte. Doch die ersten Gedanken hatten sich zu einem Plan formiert. Alles müsste dabei auf eine Karte gesetzt werden; es würde entscheiden, ob sie davon kommen würde oder doch die Bekanntschaft mit dem Henker machen müsste.
Die Nacht würde lang werden, die Kräfte mussten gut reserviert werden. Der Gedanke half...und alte Zeilen drangen hervor, die einst geschrieben wurden:
Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
[Hermann Hesse - Im Nebel]
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Antarian von Weylenstein
Harte Tage einer Jungen Frau
Antarian saß vor seinem Schreibtisch, er hatte eine schwere wahl zu treffen. Welcher der Offiziere wäre der richtige Kandidat für die Überführung von Sephira zu Ihrem Vater. Der Jungspund, frisch befördert, schönling des Regimentes und bekannt dafür jeder schürze nachzujagen oder der gestande Offizier, prakmatisch, zuverlässlisch mit Frau und Kind. Antarian lehnte sich im Sessel zurück, atmete tief durch und ging seine letzten Gespräche mit Sephira durch. Und wie sie sich ihm Anbot, wie eine Hafendirne nur um eine möglichkeit zu Flucht zu bekommen. Ist es das was Alatar seinen Jüngern lehrt, um ans Ziel zu kommen jedes mittel zu nutzen, selbst die eigene Persöhnlichkeit? Als nächstes kam Ihm dann in dem Sinn; "Dunkel .. Feuerschein .. Gardisten die ruhen an einem Waldrand. Ein junger Offizier der dem Charme dieser Frau erliegt. Und am morgen, eine Verschwundene Sephira und ein Toter Schönling?" Nein, dass konnte keine Lösung sein.
Lieber der gestandene Offizier? Das Risiko eingehen das seine Frau ihren Mann und die Kinder den Vater verlieren? Rahal wartet doch sicher nur darauf einen Überfall zu starten um diese Frau zu Befrein. Man hat das Urteil sicher schon mitbekommen. Sephira hatte Ihre reitze, in einer anderen Welt wäre er Ihr sicher erlegen, doch letztendlich war Sie in den Augen von Antarian naiv, sucht den Respekt und Achtung der anderen. Und der Glaube an Alatar wiederte Ihn an. "Pflicht und Gesetz müssen gewahrt werden, Sephira muss sterben" Antarian wählte den Gestandenen Offizier welcher sicher nicht so leicht zubeeindrucken wäre. Er würde sicherlich für eine sichere überreise sorgen. Dazu weitere 20 x-beliebige Gardisten des Hohenfelser Regiments als Eskorte. Die Order? Sie hatten die Order Sephira von Tecklenstein zu Ihrem Vater dem Reichsritter Saran von Tecklenstein zu überführen. Sie zu übergeben. Danach sollten Sie solange vor Ort verbleiben und beobachten bis dass Urteil des Thruchsess vollzogen wurde.
Kurz vor der Abreise in der Nacht wurde Sephira vom Pranger geholt und zu Antarian gebracht. Welcher sie mit einigen Oberflächlichen Fragen belegte. Die letzten Worte die Antarian an Sie richtete; "Im Angesicht des Todes und um eurer Familien Ehre zu wahren, spielt zumindest für euren Vater die bereuende Tochter, oder Ihr werdet vor euren Tod noch viel Leid erdulden müssen, Temora führe euch zurück ins Licht" Die Augen wurden dann mit einer Binde verbunden, so das Sie nicht`s sehn konnte. Die Soldaten führten Sie durch die Straßen von Varuna. Kamen sie an Wachmanschaften des Hohenfelser Regimentes vorbei, haben diese einfach weggesehn, so als wäre nichts gewesen. Der Vorfall in dieser Nacht würde sich auch in keinen Bericht wiederfinden. Letztendlich an einem Dunklen Ort geführt, in den Keller geschleift, wurde Ihr die Binde abgenommen. Sie liebte es mit Ihren Körper zu spielen. Da setzte Antarian direkt an. Er selbst war aber nicht Anwesend, speiste er doch gemühtlich zu Abend in der Taverne und ging einige Berichte der letzten Zeit durch. Und der Folterknecht begann seine Arbeit an Sephira die Nacht hindurch. Ihre laute würden im gut Abgeschotteten Keller keiner hören können.
Am nächsten morgen würde man die wohl Erschöpfte Gestallt von Sephira der Eskorte übergeben. Der weg nach Berchgard, dann begann auch schon die erste Reiseetappe mit dem Schiff. Der Weg in den Tod würde lang sein. Und die Gardisten würden mit Ihr nicht sonderlich sanft umspringen wenn der Herr Offizier gerade mal nicht in der nähe Ist.
Antarian saß vor seinem Schreibtisch, er hatte eine schwere wahl zu treffen. Welcher der Offiziere wäre der richtige Kandidat für die Überführung von Sephira zu Ihrem Vater. Der Jungspund, frisch befördert, schönling des Regimentes und bekannt dafür jeder schürze nachzujagen oder der gestande Offizier, prakmatisch, zuverlässlisch mit Frau und Kind. Antarian lehnte sich im Sessel zurück, atmete tief durch und ging seine letzten Gespräche mit Sephira durch. Und wie sie sich ihm Anbot, wie eine Hafendirne nur um eine möglichkeit zu Flucht zu bekommen. Ist es das was Alatar seinen Jüngern lehrt, um ans Ziel zu kommen jedes mittel zu nutzen, selbst die eigene Persöhnlichkeit? Als nächstes kam Ihm dann in dem Sinn; "Dunkel .. Feuerschein .. Gardisten die ruhen an einem Waldrand. Ein junger Offizier der dem Charme dieser Frau erliegt. Und am morgen, eine Verschwundene Sephira und ein Toter Schönling?" Nein, dass konnte keine Lösung sein.
Lieber der gestandene Offizier? Das Risiko eingehen das seine Frau ihren Mann und die Kinder den Vater verlieren? Rahal wartet doch sicher nur darauf einen Überfall zu starten um diese Frau zu Befrein. Man hat das Urteil sicher schon mitbekommen. Sephira hatte Ihre reitze, in einer anderen Welt wäre er Ihr sicher erlegen, doch letztendlich war Sie in den Augen von Antarian naiv, sucht den Respekt und Achtung der anderen. Und der Glaube an Alatar wiederte Ihn an. "Pflicht und Gesetz müssen gewahrt werden, Sephira muss sterben" Antarian wählte den Gestandenen Offizier welcher sicher nicht so leicht zubeeindrucken wäre. Er würde sicherlich für eine sichere überreise sorgen. Dazu weitere 20 x-beliebige Gardisten des Hohenfelser Regiments als Eskorte. Die Order? Sie hatten die Order Sephira von Tecklenstein zu Ihrem Vater dem Reichsritter Saran von Tecklenstein zu überführen. Sie zu übergeben. Danach sollten Sie solange vor Ort verbleiben und beobachten bis dass Urteil des Thruchsess vollzogen wurde.
Kurz vor der Abreise in der Nacht wurde Sephira vom Pranger geholt und zu Antarian gebracht. Welcher sie mit einigen Oberflächlichen Fragen belegte. Die letzten Worte die Antarian an Sie richtete; "Im Angesicht des Todes und um eurer Familien Ehre zu wahren, spielt zumindest für euren Vater die bereuende Tochter, oder Ihr werdet vor euren Tod noch viel Leid erdulden müssen, Temora führe euch zurück ins Licht" Die Augen wurden dann mit einer Binde verbunden, so das Sie nicht`s sehn konnte. Die Soldaten führten Sie durch die Straßen von Varuna. Kamen sie an Wachmanschaften des Hohenfelser Regimentes vorbei, haben diese einfach weggesehn, so als wäre nichts gewesen. Der Vorfall in dieser Nacht würde sich auch in keinen Bericht wiederfinden. Letztendlich an einem Dunklen Ort geführt, in den Keller geschleift, wurde Ihr die Binde abgenommen. Sie liebte es mit Ihren Körper zu spielen. Da setzte Antarian direkt an. Er selbst war aber nicht Anwesend, speiste er doch gemühtlich zu Abend in der Taverne und ging einige Berichte der letzten Zeit durch. Und der Folterknecht begann seine Arbeit an Sephira die Nacht hindurch. Ihre laute würden im gut Abgeschotteten Keller keiner hören können.
Am nächsten morgen würde man die wohl Erschöpfte Gestallt von Sephira der Eskorte übergeben. Der weg nach Berchgard, dann begann auch schon die erste Reiseetappe mit dem Schiff. Der Weg in den Tod würde lang sein. Und die Gardisten würden mit Ihr nicht sonderlich sanft umspringen wenn der Herr Offizier gerade mal nicht in der nähe Ist.
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Sephira von Tecklenstein
"Im Angesicht des Todes und um eurer Familien Ehre zu wahren, spielt zumindest für euren Vater die bereuende Tochter, oder Ihr werdet vor eurem Tod noch viel Leid erdulden müssen, Temora führe euch zurück ins Licht!“
Das Blut rann zäh aus ihrem Mundwinkel, den dünnen, zarten und blassen Hals hinunter auf das schmierige Hemd, das von Nässe und Schweiß nur so triefte. Ja, der Folterknecht hatte wahrlich seinen Spaß an dem Spiel gefunden, dessen Regeln er selbst aufstellte und dessen Ziel nur auf eines gerichtet war: Das Zufügen von Schmerzen, um an Informationen zu gelangen.
Eine völlig neue Erfahrung für den so zierlich und zerbrechlich wirkenden Körper. Noch nie hatte man ihr ein Leid zugefügt oder die Hand brutal gegen sie erhoben; Erschöpfung und ein ausgezehrter Körper waren ein Fremdwort für sie. Die Tage in Varuna, das Verharren am Pranger hatten sie eines besseren belehrt und ihr gezeigt, wie die Wirklichkeit noch sein konnte. Und eine neue Welt des Schmerzes, der Erschöpfung und der ihr erscheinenden ewigen Dunkelheit eröffnete sich in ihrem Bewusstsein.
„Der Ehrwürden will wissen, wo sich die Gebeine befinden! Los, sprecht, oder ich muss zu mehr Mitteln greifen, als meine bloßen Hände!“
War es Erschöpfung? War es ihr Sturkopf oder einfach nur noch Resignation, dass sie nicht antwortete, die Lippen sich zusammenpressten und der Blick leer auf die Wand blickte. Der ganze Körper zitterte, bebte und wehrte sich gegen die Müdigkeit, die Erschöpfung. Doch die Nacht würde lang werden, die Methoden ausgefeilter und raffinierter.
Doch statt der gewünschten Worte, der gewünschten Infomationen kamen nur Phrasen von ihren Lippen. Was sollte sie auch sagen, wenn sie doch nichts wusste? Diesmal war das Spiel nicht von ihr erdacht; diesmal verstand sie die Regeln nicht.
Bitter musste sie daran denken, wie der Wachmann ihr mit der Peitsche gedroht hatte...er würde sicher an dem Spektakel seine Freude haben. Das Brennen war ungewohnt und trieb ihr die Tränen in die Augen. Übelkeit überkam sie, ein weiteres Zittern über den Körper und die Blässe wurde fahler in ihrem Antlitz.
Die roten Striemen leuchteten grotesk auf in dem Fackelschein der Nacht, die nun auf ihrem Rücken prangten und die sicher nicht das letzte Relikt sein würden, dass sie als “Geschenk“ erhalten würde aus Varuna. Der glühende Brennstab in seiner Hand verriet es nur allzugut...
...stummer Schrei in dunkler Nacht,
mußt du ertragen, was man mit Dir macht,
kein Hilfeschrei findet seinen Klang,
eine Sekunde wird unendlich lang.
Ein Atemzug, der Puls rast permanent,
das Leben wird von der Freiheit getrennt,
windend versuchst man sich zu befreien,
doch keiner hört das Klagen, hört das Schreien,
keiner bemerkt, was hier wieder und wieder passiert,
sei dir sicher, der Schwächere verliert
ausgeliefert der Gewalt und dem Schrecken,
schreist Du auf "kommt mich wecken!"
doch es ist kein Traum...!
Alles flimmerte vor ihren Augen, als sie grob unter den Armen gepackt und hinausgeschleift wurde. Das Schreien und Rufen der Wachen trieben ihr den Schmerz in den Kopf, die Augen wollten das dämmernde Tageslicht nicht sehen.
„Kein Wort Ehrwürden....sie weiß anscheinend wirklich nichts. Selbst das Eisen hab ich benutzt, aber es brachte nichts, als den Streifen am Rücken. Lang wird sie ja nichts von haben, wird ja eh bald in der Gruft rumliegen.“
Die geflüsterten Worte vernahm sie nicht, nur schemenhaft erkannte sie Antarian, wie er den Abtransport beaufsichtigte. Wären ihre Gedanken nicht so vernebelt, sie hätte ihm sicher noch einige Verwünschungen an den Kopf geworfen. Doch im Moment galt es, sich irgendwie zu orientieren, die höllischen Schmerzen zu ertragen und nicht ständig über die eigenen Füße zu stolpern, an denen sie nun wieder die Fesseln klirrend trug.
Wenigstens ein neues Hemd hatte sie erhalten; doch die Blicke, das Grinsen der Wachen sprachen eine Sprache, die sie nur allzugut kannte. Hoffentlich würde man ihr wenigstens einen Tag geben, um Kräfte zu sammeln...um sich besser wehren zu können.
Die Reise würde lang, zäh werden. Erste Zweifel drangen in ihre Gedanken. Sie war ausgemerzt, war am Ende mit den Reserven....wie sollte sie da nur eine ganze Eskorte an Mannen austricksen können? Sie musste warten...und hoffen, dass ihr Lebensmut wieder aufflammen würde.
Das Blut rann zäh aus ihrem Mundwinkel, den dünnen, zarten und blassen Hals hinunter auf das schmierige Hemd, das von Nässe und Schweiß nur so triefte. Ja, der Folterknecht hatte wahrlich seinen Spaß an dem Spiel gefunden, dessen Regeln er selbst aufstellte und dessen Ziel nur auf eines gerichtet war: Das Zufügen von Schmerzen, um an Informationen zu gelangen.
Eine völlig neue Erfahrung für den so zierlich und zerbrechlich wirkenden Körper. Noch nie hatte man ihr ein Leid zugefügt oder die Hand brutal gegen sie erhoben; Erschöpfung und ein ausgezehrter Körper waren ein Fremdwort für sie. Die Tage in Varuna, das Verharren am Pranger hatten sie eines besseren belehrt und ihr gezeigt, wie die Wirklichkeit noch sein konnte. Und eine neue Welt des Schmerzes, der Erschöpfung und der ihr erscheinenden ewigen Dunkelheit eröffnete sich in ihrem Bewusstsein.
„Der Ehrwürden will wissen, wo sich die Gebeine befinden! Los, sprecht, oder ich muss zu mehr Mitteln greifen, als meine bloßen Hände!“
War es Erschöpfung? War es ihr Sturkopf oder einfach nur noch Resignation, dass sie nicht antwortete, die Lippen sich zusammenpressten und der Blick leer auf die Wand blickte. Der ganze Körper zitterte, bebte und wehrte sich gegen die Müdigkeit, die Erschöpfung. Doch die Nacht würde lang werden, die Methoden ausgefeilter und raffinierter.
Doch statt der gewünschten Worte, der gewünschten Infomationen kamen nur Phrasen von ihren Lippen. Was sollte sie auch sagen, wenn sie doch nichts wusste? Diesmal war das Spiel nicht von ihr erdacht; diesmal verstand sie die Regeln nicht.
Bitter musste sie daran denken, wie der Wachmann ihr mit der Peitsche gedroht hatte...er würde sicher an dem Spektakel seine Freude haben. Das Brennen war ungewohnt und trieb ihr die Tränen in die Augen. Übelkeit überkam sie, ein weiteres Zittern über den Körper und die Blässe wurde fahler in ihrem Antlitz.
Die roten Striemen leuchteten grotesk auf in dem Fackelschein der Nacht, die nun auf ihrem Rücken prangten und die sicher nicht das letzte Relikt sein würden, dass sie als “Geschenk“ erhalten würde aus Varuna. Der glühende Brennstab in seiner Hand verriet es nur allzugut...
...stummer Schrei in dunkler Nacht,
mußt du ertragen, was man mit Dir macht,
kein Hilfeschrei findet seinen Klang,
eine Sekunde wird unendlich lang.
Ein Atemzug, der Puls rast permanent,
das Leben wird von der Freiheit getrennt,
windend versuchst man sich zu befreien,
doch keiner hört das Klagen, hört das Schreien,
keiner bemerkt, was hier wieder und wieder passiert,
sei dir sicher, der Schwächere verliert
ausgeliefert der Gewalt und dem Schrecken,
schreist Du auf "kommt mich wecken!"
doch es ist kein Traum...!
Alles flimmerte vor ihren Augen, als sie grob unter den Armen gepackt und hinausgeschleift wurde. Das Schreien und Rufen der Wachen trieben ihr den Schmerz in den Kopf, die Augen wollten das dämmernde Tageslicht nicht sehen.
„Kein Wort Ehrwürden....sie weiß anscheinend wirklich nichts. Selbst das Eisen hab ich benutzt, aber es brachte nichts, als den Streifen am Rücken. Lang wird sie ja nichts von haben, wird ja eh bald in der Gruft rumliegen.“
Die geflüsterten Worte vernahm sie nicht, nur schemenhaft erkannte sie Antarian, wie er den Abtransport beaufsichtigte. Wären ihre Gedanken nicht so vernebelt, sie hätte ihm sicher noch einige Verwünschungen an den Kopf geworfen. Doch im Moment galt es, sich irgendwie zu orientieren, die höllischen Schmerzen zu ertragen und nicht ständig über die eigenen Füße zu stolpern, an denen sie nun wieder die Fesseln klirrend trug.
Wenigstens ein neues Hemd hatte sie erhalten; doch die Blicke, das Grinsen der Wachen sprachen eine Sprache, die sie nur allzugut kannte. Hoffentlich würde man ihr wenigstens einen Tag geben, um Kräfte zu sammeln...um sich besser wehren zu können.
Die Reise würde lang, zäh werden. Erste Zweifel drangen in ihre Gedanken. Sie war ausgemerzt, war am Ende mit den Reserven....wie sollte sie da nur eine ganze Eskorte an Mannen austricksen können? Sie musste warten...und hoffen, dass ihr Lebensmut wieder aufflammen würde.
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Fiona Wulfenmoor
An Bord des Schiffes ging es geschäftig zu. Die letzten Vorräte wurden aufgenommen und verstaut, die Takelage noch mal überprüft und die letzten Matrosen bezogen ihre Quartiere und da war ja nicht zuletzt der ganz besondere Passagier und ihre Eskorte. Das Murren unter der Mannschaft war kaum zu überspielen. Zwar wußte außer dem Kapitän niemand, um wen es sich handelte, aber die Art wie die Soldaten mit ihr umsprangen zeigte überdeutlich, daß es sich bei ihr um eine Gefangene handelte und Gefangene waren immer eine heikle Sache. Schön, wenn man sie gemacht hatte, aber wer wollte schon gerne zwischen ihr und einem eventuellen Befreiungskommando stehen? Immerhin hatte der Kapitän ihnen allen eine Extraration Rum und zehn Heller mehr am Tag versprochen, was die Laune wieder ein wenig zu heben vermochte. Dennoch, Frauen an Bord brachten Unglück. Das wußte jedes Kind. Besser, man brachte diese Überfahrt rasch hinter sich.
Andernorts in der Taverne vor Berchgard liessen zwei Seeleute die Puppen tanzen. Sie hatte Landgang und auch wenn hier nicht so viel los war wie in manch anderen Hafenstädten, so liessen sie es sich doch über die Maßen gut gehen und in angenehmer Gesellschaft trank es sich umso besser, auch wenn sie ihre Zechkumpanen kaum so recht einschätzen konnten.
Er war zweifelsohne ein Seebär, der mit Geschichten auf zu warten wußte und dem Rum fleißig zusprach ohne ins Schwanken zu geraten. Wartete wohl auf ein Schiff, das ihn mitnahm. Entweder das oder er hatte seines verpaßt.
Sie dagegen schien ihrem Ausschnitt und ihrem Gehabe nach zu urteilen eine Dirne zu sein. Davon gab es hier nicht allzu viele um nicht zu sagen, kaum welche, aber sie war hübsch an zu sehen, auch wenn sie für die beiden ruhig etwas mehr Fleisch auf den Rippen haben könnte. Aber sie wußte ihre Gemüter mit allerlei Scherzen auf zu heitern und wurde nicht müde, die Krüge nach zu füllen. Beides konnten sie ganz gut gebrauchen, liefen sie doch heute Abend schon wieder aus. Irgendwer muß dem Kapitän ein kleines Vermögen geboten haben, daß er seinen Mannen nicht einmal einen vollen Tag und eine Nacht Landgang gönnte. Aber noch war ja Zeit und so trank man um zu vergessen, wie eng es auf einem Schiff sein konnte. Auch wenn zumindest sie nicht so recht mit zu halten verstand. Einer von den beiden faßte sich an die Stirn. Starkes Zeug heuer. Eigentlich hätten sie beide schon mit dem Trinken aufhören sollen, aber wer weiß, wann sie wieder dazu kommen würden und wen kümmerte das schon, solange die Krüge immer gut gefüllt waren?
"Hör zu. Daß ich mich hierzu hab breit schlagen lassen ist eine Sache. Aber Du wirst keinem Seemann, auch nicht einem aus der Grafschaft einfach hinterrücks die Kehle durchschneiden. Das ist kein Tod der einem Seemann gebührt."
"Also manchmal werde ich aus Dir wirklich nicht schlau. Du tötest wen der Dir nichts getan hat und jetzt zierst Du Dich wegen zwei Matrosen?"
"Das ist was anderes. Hier geht es um Seeleute und die sterben auf See oder gar nicht."
"Ich wußte gar nicht, daß Du so sentimental bist. Also noch mal: Wir müssen auf dieses Schiff und das heißt, daß diese beiden dort es nicht erreichen. Und jetzt geh mir aus dem Weg."
Mit diesen Worten wandte sie sich gen der Taverne in die die beiden verschwunden waren. Hinter ihr knackte es. Sie brauchte sich nicht um zu drehen um zu wissen, was es war.
Sie wandte sich um, ging auf ihren Begleiter zu und drückte sich gegen den Lauf der Waffe.
"Ich habe nein gesagt."
Es knackte ein zweites mal, aber anders, nicht metallisch, sondern mit surrendem Unterton. Ihr Begleiter sah hinab auf die Handarmbrust, die sie nunmehr in der linken hielt und die auf seinen Unterleib zielte.
"Das fängt ja gut an. Wir sind nicht einmal verheiratet und haben schon unseren ersten handfesten Streit. Was jetzt? Erschießen wir uns gegenseitig?"
Eine Pause. Dann nahm sie den Bolzen aus seiner Führungsschiene, entspannte die Sehne und steckte die Waffe zurück in ihre Tasche.
"Gut, einverstanden. Tote erzeugen eh zuviel Aufmerksamkeit. Wir füllen sie ab, die passenden Kräuter dafür habe ich dabei und nehmen dann ihren Platz ein. Zufrieden?"
Wieder eine Pause ehe auch ihr Begleiter den Hahn seiner Waffe entspannte und diese ebenso verschwinden ließ.
"Einverstanden."
In der Kapitänskajüte betrachtete der Kapitän noch einmal die Seekarte, maß zum dritten male nach und nickte dann. Es klopfte. Er rollte die Karte zusammen.
"Herein."
Im Durchgang erschien der erste Maat.
"Ladung verstaut und Mannschaft an Bord Kapitän." Er pausierte. "Zwei fehlen, sind wohl in einer Taverne oder einem Bordell versoffen."
Die Stirn des Kapitäns runzelte sich. Nicht, das er nicht mit sowas gerechnet hätte, es passierte jedes mal aber eben drum wünschte er sich, daß einmal, wirklich nur ein mal genau jener Satz nicht fiel.
"Gut. Dann bereit machen zum Auslaufen."
"Aye Kapitän. Da sind noch zwei Matrosen an Bord gekommen."
"Na was für ein glücklicher Zufall." Die Stimme des Kapitäns wurde düster. "Na dann immer herein mit den beiden."
Er trat näher um die beiden zu betrachten. Für den Mann brauchte er nicht lange.
"Nicht mehr der jüngste. Aber immerhin riecht er mehr nach Seewasser als nach Rum. Ist genehm."
Dann wandte er sich der jungen Frau zu.
"Du allerdings. Du siehst so grün aus, daß ich mein Abendessen ausspeien möchte. Nimm gefälligst das Kopftuch ab wenn ich mit Dir rede und lass mal sehen ob Deine Ohren spitz sind und wenn, dann gnaden Dir die Götter."
Die Frau tat wie geheißen.
"Rund. Naja. Bist Du überhaupt schon mal zur See gefahren?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Na prächtig. Dann hast Du Dich ja wohl eindeutig verlaufen oder? Oder sehe ich vielleicht aus wie Dein Papa, der Dir den Hintern pudert?"
"Ney Herr Kapitän. Tut ihr nich, wohl?", sagte sie ein wenig kleinlaut.
"Schön, das bin ich nämlich auch nicht."
Mürrisch tigerte der Kapitän einige Schritte durch seine Kajüte.
"Hör zu, mir reicht es ein Weib an Bord zu haben. Also nenn mir besser rasch einen guten Grund warum ich Dich nicht noch im Hafen über Bord werfen lassen soll."
"Weil ick klettern kann wie 'n junget Kätzk'n, nech?"
"Na dann werd doch Akrobatin!", brauste er sie an, ehe er sich wieder fing und dem Maat zuwandte.
"Schick die Kleine in die Toppwanten, die knarzen schlimmer als die Betten der Hafendirnen. Wenn sie runter fällt hat der Rest wenigstens was zu lachen. Den anderen unter Deck, ich weiß wie schlampig das Pack arbeitet, es gibt dort sicherlich noch was zu verzurren. Danach sollen sie sich zwei Matten aussuchen. Wir laufen in einer halben Stunde aus."
"Aye aye Käptn. Na dann kommt mal mit ihr zwei."
Andernorts in der Taverne vor Berchgard liessen zwei Seeleute die Puppen tanzen. Sie hatte Landgang und auch wenn hier nicht so viel los war wie in manch anderen Hafenstädten, so liessen sie es sich doch über die Maßen gut gehen und in angenehmer Gesellschaft trank es sich umso besser, auch wenn sie ihre Zechkumpanen kaum so recht einschätzen konnten.
Er war zweifelsohne ein Seebär, der mit Geschichten auf zu warten wußte und dem Rum fleißig zusprach ohne ins Schwanken zu geraten. Wartete wohl auf ein Schiff, das ihn mitnahm. Entweder das oder er hatte seines verpaßt.
Sie dagegen schien ihrem Ausschnitt und ihrem Gehabe nach zu urteilen eine Dirne zu sein. Davon gab es hier nicht allzu viele um nicht zu sagen, kaum welche, aber sie war hübsch an zu sehen, auch wenn sie für die beiden ruhig etwas mehr Fleisch auf den Rippen haben könnte. Aber sie wußte ihre Gemüter mit allerlei Scherzen auf zu heitern und wurde nicht müde, die Krüge nach zu füllen. Beides konnten sie ganz gut gebrauchen, liefen sie doch heute Abend schon wieder aus. Irgendwer muß dem Kapitän ein kleines Vermögen geboten haben, daß er seinen Mannen nicht einmal einen vollen Tag und eine Nacht Landgang gönnte. Aber noch war ja Zeit und so trank man um zu vergessen, wie eng es auf einem Schiff sein konnte. Auch wenn zumindest sie nicht so recht mit zu halten verstand. Einer von den beiden faßte sich an die Stirn. Starkes Zeug heuer. Eigentlich hätten sie beide schon mit dem Trinken aufhören sollen, aber wer weiß, wann sie wieder dazu kommen würden und wen kümmerte das schon, solange die Krüge immer gut gefüllt waren?
"Hör zu. Daß ich mich hierzu hab breit schlagen lassen ist eine Sache. Aber Du wirst keinem Seemann, auch nicht einem aus der Grafschaft einfach hinterrücks die Kehle durchschneiden. Das ist kein Tod der einem Seemann gebührt."
"Also manchmal werde ich aus Dir wirklich nicht schlau. Du tötest wen der Dir nichts getan hat und jetzt zierst Du Dich wegen zwei Matrosen?"
"Das ist was anderes. Hier geht es um Seeleute und die sterben auf See oder gar nicht."
"Ich wußte gar nicht, daß Du so sentimental bist. Also noch mal: Wir müssen auf dieses Schiff und das heißt, daß diese beiden dort es nicht erreichen. Und jetzt geh mir aus dem Weg."
Mit diesen Worten wandte sie sich gen der Taverne in die die beiden verschwunden waren. Hinter ihr knackte es. Sie brauchte sich nicht um zu drehen um zu wissen, was es war.
Sie wandte sich um, ging auf ihren Begleiter zu und drückte sich gegen den Lauf der Waffe.
"Ich habe nein gesagt."
Es knackte ein zweites mal, aber anders, nicht metallisch, sondern mit surrendem Unterton. Ihr Begleiter sah hinab auf die Handarmbrust, die sie nunmehr in der linken hielt und die auf seinen Unterleib zielte.
"Das fängt ja gut an. Wir sind nicht einmal verheiratet und haben schon unseren ersten handfesten Streit. Was jetzt? Erschießen wir uns gegenseitig?"
Eine Pause. Dann nahm sie den Bolzen aus seiner Führungsschiene, entspannte die Sehne und steckte die Waffe zurück in ihre Tasche.
"Gut, einverstanden. Tote erzeugen eh zuviel Aufmerksamkeit. Wir füllen sie ab, die passenden Kräuter dafür habe ich dabei und nehmen dann ihren Platz ein. Zufrieden?"
Wieder eine Pause ehe auch ihr Begleiter den Hahn seiner Waffe entspannte und diese ebenso verschwinden ließ.
"Einverstanden."
In der Kapitänskajüte betrachtete der Kapitän noch einmal die Seekarte, maß zum dritten male nach und nickte dann. Es klopfte. Er rollte die Karte zusammen.
"Herein."
Im Durchgang erschien der erste Maat.
"Ladung verstaut und Mannschaft an Bord Kapitän." Er pausierte. "Zwei fehlen, sind wohl in einer Taverne oder einem Bordell versoffen."
Die Stirn des Kapitäns runzelte sich. Nicht, das er nicht mit sowas gerechnet hätte, es passierte jedes mal aber eben drum wünschte er sich, daß einmal, wirklich nur ein mal genau jener Satz nicht fiel.
"Gut. Dann bereit machen zum Auslaufen."
"Aye Kapitän. Da sind noch zwei Matrosen an Bord gekommen."
"Na was für ein glücklicher Zufall." Die Stimme des Kapitäns wurde düster. "Na dann immer herein mit den beiden."
Er trat näher um die beiden zu betrachten. Für den Mann brauchte er nicht lange.
"Nicht mehr der jüngste. Aber immerhin riecht er mehr nach Seewasser als nach Rum. Ist genehm."
Dann wandte er sich der jungen Frau zu.
"Du allerdings. Du siehst so grün aus, daß ich mein Abendessen ausspeien möchte. Nimm gefälligst das Kopftuch ab wenn ich mit Dir rede und lass mal sehen ob Deine Ohren spitz sind und wenn, dann gnaden Dir die Götter."
Die Frau tat wie geheißen.
"Rund. Naja. Bist Du überhaupt schon mal zur See gefahren?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Na prächtig. Dann hast Du Dich ja wohl eindeutig verlaufen oder? Oder sehe ich vielleicht aus wie Dein Papa, der Dir den Hintern pudert?"
"Ney Herr Kapitän. Tut ihr nich, wohl?", sagte sie ein wenig kleinlaut.
"Schön, das bin ich nämlich auch nicht."
Mürrisch tigerte der Kapitän einige Schritte durch seine Kajüte.
"Hör zu, mir reicht es ein Weib an Bord zu haben. Also nenn mir besser rasch einen guten Grund warum ich Dich nicht noch im Hafen über Bord werfen lassen soll."
"Weil ick klettern kann wie 'n junget Kätzk'n, nech?"
"Na dann werd doch Akrobatin!", brauste er sie an, ehe er sich wieder fing und dem Maat zuwandte.
"Schick die Kleine in die Toppwanten, die knarzen schlimmer als die Betten der Hafendirnen. Wenn sie runter fällt hat der Rest wenigstens was zu lachen. Den anderen unter Deck, ich weiß wie schlampig das Pack arbeitet, es gibt dort sicherlich noch was zu verzurren. Danach sollen sie sich zwei Matten aussuchen. Wir laufen in einer halben Stunde aus."
"Aye aye Käptn. Na dann kommt mal mit ihr zwei."
Zuletzt geändert von Fiona Wulfenmoor am Donnerstag 13. Dezember 2007, 01:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Fiona Wulfenmoor
Krachend von ihrem Apfel abbeißend stand sie an der Rehling und starrte nachdenklich auf das weite Meer hinaus. Die endlose Weite übte ihre ganz eigene Faszination auf sie aus. Sie erinnerte sie an ihre Heimat. Heimat.
Sie vermißte die weiten Steppen, gerade jetzt im Winter, wenn die kalte Luft den Atem sichtbar machte und das Land nach und nach in seinen Schlaf verfiel, behütet unter seiner weissen Decke. Vergleichbar, aber nicht gleich. Wie man den Rücken eines Pferdes gegen die morschen Planken eines Schiffes eintauschen konnte war ihr fremd. Wahrscheinlich würde sie es nie verstehen, gleich wie sehr oder wie wenig sie hierhin gehörte. In dem Punkt würde sie sich wohl auf ewig von ihrem Begleiter unterscheiden, der gerade unter Deck mit den anderen würfelte. Sie zog die Einsamkeit hier oben vor.
Es hatte etwas mit dem Teil von ihr zu tun, der nicht hierhin gehörte. Sie war eine Frau, unbestritten, dieser Körper war weiblich und auch wenn er oftmals einige Vorteile mit sich brachte, hier draußen auf See war er hinderlich. Seefahrer waren ein abergläubisches Völkchen und Frauen brachten nichts als Unglück an Bord. Davon war ein jeder hier überzeugt. Das war ihre Schwäche hier und ihre Stärke zugleich. Das was sie vor hatten würde ohne diesen Aberglauben vielleicht gar nicht funktionieren.
Morgen würde das Schiff anlegen und dann war es an der Zeit, sich zu trennen. Was sie vor hatte würde an Land geschehen, das war ihre Aufgabe. Aber sie mußten auch wieder zurück. Das wiederum war die Aufgabe ihres Begleiters. Diese Aufteilung erforderte Vertrauen, aber diese Schwäche hatte sie schon lang abgelegt. Sie hatte Zuversicht in seine Fähigkeiten, das genügte. Die Mannschaft murrte bereits. Sollte sie doch.
Versonnen sah sie aufs Meer hinaus, folgte mit den Augen der Leiche von Jocke, die mit durchgeschnittener Kehle davon trieb und nach und nach versank. Zumindest für ihn schien es sich zu bewahrheiten, daß Frauen an Bord Unglück brachten, dachte sie noch versonnen, ehe sie sich mit dem Messer das letzte Apfelviertel in den Mund steckte.
Sie vermißte die weiten Steppen, gerade jetzt im Winter, wenn die kalte Luft den Atem sichtbar machte und das Land nach und nach in seinen Schlaf verfiel, behütet unter seiner weissen Decke. Vergleichbar, aber nicht gleich. Wie man den Rücken eines Pferdes gegen die morschen Planken eines Schiffes eintauschen konnte war ihr fremd. Wahrscheinlich würde sie es nie verstehen, gleich wie sehr oder wie wenig sie hierhin gehörte. In dem Punkt würde sie sich wohl auf ewig von ihrem Begleiter unterscheiden, der gerade unter Deck mit den anderen würfelte. Sie zog die Einsamkeit hier oben vor.
Es hatte etwas mit dem Teil von ihr zu tun, der nicht hierhin gehörte. Sie war eine Frau, unbestritten, dieser Körper war weiblich und auch wenn er oftmals einige Vorteile mit sich brachte, hier draußen auf See war er hinderlich. Seefahrer waren ein abergläubisches Völkchen und Frauen brachten nichts als Unglück an Bord. Davon war ein jeder hier überzeugt. Das war ihre Schwäche hier und ihre Stärke zugleich. Das was sie vor hatten würde ohne diesen Aberglauben vielleicht gar nicht funktionieren.
Morgen würde das Schiff anlegen und dann war es an der Zeit, sich zu trennen. Was sie vor hatte würde an Land geschehen, das war ihre Aufgabe. Aber sie mußten auch wieder zurück. Das wiederum war die Aufgabe ihres Begleiters. Diese Aufteilung erforderte Vertrauen, aber diese Schwäche hatte sie schon lang abgelegt. Sie hatte Zuversicht in seine Fähigkeiten, das genügte. Die Mannschaft murrte bereits. Sollte sie doch.
Versonnen sah sie aufs Meer hinaus, folgte mit den Augen der Leiche von Jocke, die mit durchgeschnittener Kehle davon trieb und nach und nach versank. Zumindest für ihn schien es sich zu bewahrheiten, daß Frauen an Bord Unglück brachten, dachte sie noch versonnen, ehe sie sich mit dem Messer das letzte Apfelviertel in den Mund steckte.
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Vincent Vandera
Auf See, unter Deck, am Packen. Wie lange hatte er diese drei Sachen nicht mehr miteinander verbunden? Eigentlich war es fast schon sowas wie eine Beleidigung dass er, Kapitän, nun die Arbeit eines einfachen Matrosen machte, aber was tat man nicht alles für eine hübsche Frau die zugleich noch eine mehr als verlässliche Kumpanin war? Die Kiste in seinen Händen wurde auf einen Stapel anderer gewuchtet, das Kopftuch hatte sich bereits mit Schweiß vollgesogen und er wischte sich über die Stirne, es war harte und ehrliche Arbeit, also alles nichts für ihn.
Er wollte sich gerade umwenden als er einen grunzenden Laut neben sich vernahm und zu einer Gestalt blickte die sich neben ihm aufzubauen begann. Der Kerl war gut ein Kopf größer als Vincent, hatte einiges an Muskeln und sah auf ihn hinab; Marke Stark und Dämlich. „Wie is dein Name Neuer?“ Vincent überlegte erst eine Weile eher er mehr beiläufig antwortete „John, John piss mich nich an“ und mit den Worten wandte er sich um. Es würde alles andere als einfach werden sich hier Respekt zu verschaffen aber es gab da den einen oder anderen Faktor der für ihn sprach. Er kannte diese Art von Seefahrern; seit ihrer Kindheit nur auf dem Schiff, wenn sie mal an Land gingen, dann zu den Dirnen und ansonsten erzählten sie sich Geschichten über ihre Väter die auch schon Seefahrer waren. Arme jämmerliche Würstchen die zwar ihre Nähe zur See hatten aber dafür nichts anderes, wieder ein Punkt an dem er froh war nicht zu diesem Haufen zu gehören. Der Vorteil dieses Umstandes war, dass diese Männer abergläubischer waren als jeder Pirat, eine Frau an Bord brachte Ärger und eine Matrosin … das stank schon förmlich. Auf eine Art und Weise bewunderte er den Mut des Kapitäns dass er seine Begleiterin aufgenommen hatte, letztendlich wohl nur wegen des formschönen Hinterns in der Hose, aber er würde schon sehen was er davon hatte.
Als er sich wieder an Deck aufmachte bemerkte er die Blicke auf seinem Rücken. Dieser Kerl wollte ihn am liebsten eine reinhaun für seinen Spruch aber er würde es nicht tun, dafür hatte Vincent einfach zuviel Erfahrung im Gesicht stehen und sollte es doch soweit kommen, und dabei stricht er über den Lauf seiner Pistole die in seinem Mantel steckte, würde jeder der ihn oder seine Begleitung nur anrührte es bereuen. Die Waffe zu nutzen wollte er aber vermeiden, ein jeder auf diesem Schiff kannte dieses Ding als Piratenwaffe, da war er sich mehr als sicher und auch wenn sie eine gewisse Sicherheit darstellte musste er eines beachten; im Falle eines Falles hatte er nur einen Schuss und im schlimmsten Falle eine Horde Seefahrer als Gegner. Er würde die Sache anders angehen und er wusste schon genau wie …
Einige Tage später waren sie auf höchster See. Der Wellengang war ruhig, der Wind war ihnen gewogen, ihr Ziel würde langsam immer näher kommen und die Mannschaft; die hatte eher schlechte Laune. Vincent hatte es beobachtet; wie sie seine Begleiterin angestarrt hatten, kein Blick der Verlangen widerspiegelte sondern pure Angst. Ein Matrose war verschwunden in der letzten Nacht, spurlos. Unter der Mannschaft war man sich darüber einig dass das Meer sich den Mann geholt hatte als Strafe dafür dass gleich zwei Weiber auf See gebracht wurden und Vincent warf noch etwas Pulver hinterher ins Feuer als sie alle zusammen unter Deck in dem mannschaftsquartier saßen. „Einer ist geholt worden aber denk‘ ma … es sind zwei Weiber … und denk weiter … das Meer wird sich doppelt holen was es will! Es stehen noch drei aus …“ seine Stimme klang geheimnisvoll und düster, es war ein wahrer Spaß in die bleichen Gesichter zu starren. „Ne nech? Det kann nech sein! Wiä werfen die Weyber über Bord!“ Ein zustimmendes Gegröle entkam den anderen aber Vincent schüttelte den Kopf. „Klar … ins Meer werfen?! Dann könnt ihr das Schiff gleich anbohren … ne ich sag euch was … es sind nich die Frauen an sich … es is euer Kapitän. Wie erfahren is der Bursche denn? Holt sich Weiber an Bord denen er lieber an den Arsch greift, und wo is die Matrosin denn grade, eh? Bestimmt in seiner Kajüte und kümmert sich um sein Wohlergehen … ich sag euch was … das riecht nach Ärger … behaltet den Käpt’n im Auge ich sag’s euch …“ und damit machte er sich ruhig auf und stiefelte an Deck. Er konnte hinter sich das Gemurmel hören und ein grinsen umspielte sein Gesicht, vieler dieser Matrosen waren deutlich jünger als er, ein „Seebär“ wie er hatte einfach mehr Wissen und seine Worten waren für diesen Haufen mehr Wahrheit als jeder Gelehrte preisen konnte.
Er stand an Deck, sah hinauf in den sternenbesetzten Himmel. Lange würde es nicht dauern und sie würden anlegen. Dann lag es an seiner Begleitung alles an Land zu vollziehen, er würde sich um den Haufen hier kümmern. Er wusste um die letzte Zutat um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen und dann galt es nur noch dass zu tun, was er am Besten konnte; zu sein wie er immer war.
Er wollte sich gerade umwenden als er einen grunzenden Laut neben sich vernahm und zu einer Gestalt blickte die sich neben ihm aufzubauen begann. Der Kerl war gut ein Kopf größer als Vincent, hatte einiges an Muskeln und sah auf ihn hinab; Marke Stark und Dämlich. „Wie is dein Name Neuer?“ Vincent überlegte erst eine Weile eher er mehr beiläufig antwortete „John, John piss mich nich an“ und mit den Worten wandte er sich um. Es würde alles andere als einfach werden sich hier Respekt zu verschaffen aber es gab da den einen oder anderen Faktor der für ihn sprach. Er kannte diese Art von Seefahrern; seit ihrer Kindheit nur auf dem Schiff, wenn sie mal an Land gingen, dann zu den Dirnen und ansonsten erzählten sie sich Geschichten über ihre Väter die auch schon Seefahrer waren. Arme jämmerliche Würstchen die zwar ihre Nähe zur See hatten aber dafür nichts anderes, wieder ein Punkt an dem er froh war nicht zu diesem Haufen zu gehören. Der Vorteil dieses Umstandes war, dass diese Männer abergläubischer waren als jeder Pirat, eine Frau an Bord brachte Ärger und eine Matrosin … das stank schon förmlich. Auf eine Art und Weise bewunderte er den Mut des Kapitäns dass er seine Begleiterin aufgenommen hatte, letztendlich wohl nur wegen des formschönen Hinterns in der Hose, aber er würde schon sehen was er davon hatte.
Als er sich wieder an Deck aufmachte bemerkte er die Blicke auf seinem Rücken. Dieser Kerl wollte ihn am liebsten eine reinhaun für seinen Spruch aber er würde es nicht tun, dafür hatte Vincent einfach zuviel Erfahrung im Gesicht stehen und sollte es doch soweit kommen, und dabei stricht er über den Lauf seiner Pistole die in seinem Mantel steckte, würde jeder der ihn oder seine Begleitung nur anrührte es bereuen. Die Waffe zu nutzen wollte er aber vermeiden, ein jeder auf diesem Schiff kannte dieses Ding als Piratenwaffe, da war er sich mehr als sicher und auch wenn sie eine gewisse Sicherheit darstellte musste er eines beachten; im Falle eines Falles hatte er nur einen Schuss und im schlimmsten Falle eine Horde Seefahrer als Gegner. Er würde die Sache anders angehen und er wusste schon genau wie …
Einige Tage später waren sie auf höchster See. Der Wellengang war ruhig, der Wind war ihnen gewogen, ihr Ziel würde langsam immer näher kommen und die Mannschaft; die hatte eher schlechte Laune. Vincent hatte es beobachtet; wie sie seine Begleiterin angestarrt hatten, kein Blick der Verlangen widerspiegelte sondern pure Angst. Ein Matrose war verschwunden in der letzten Nacht, spurlos. Unter der Mannschaft war man sich darüber einig dass das Meer sich den Mann geholt hatte als Strafe dafür dass gleich zwei Weiber auf See gebracht wurden und Vincent warf noch etwas Pulver hinterher ins Feuer als sie alle zusammen unter Deck in dem mannschaftsquartier saßen. „Einer ist geholt worden aber denk‘ ma … es sind zwei Weiber … und denk weiter … das Meer wird sich doppelt holen was es will! Es stehen noch drei aus …“ seine Stimme klang geheimnisvoll und düster, es war ein wahrer Spaß in die bleichen Gesichter zu starren. „Ne nech? Det kann nech sein! Wiä werfen die Weyber über Bord!“ Ein zustimmendes Gegröle entkam den anderen aber Vincent schüttelte den Kopf. „Klar … ins Meer werfen?! Dann könnt ihr das Schiff gleich anbohren … ne ich sag euch was … es sind nich die Frauen an sich … es is euer Kapitän. Wie erfahren is der Bursche denn? Holt sich Weiber an Bord denen er lieber an den Arsch greift, und wo is die Matrosin denn grade, eh? Bestimmt in seiner Kajüte und kümmert sich um sein Wohlergehen … ich sag euch was … das riecht nach Ärger … behaltet den Käpt’n im Auge ich sag’s euch …“ und damit machte er sich ruhig auf und stiefelte an Deck. Er konnte hinter sich das Gemurmel hören und ein grinsen umspielte sein Gesicht, vieler dieser Matrosen waren deutlich jünger als er, ein „Seebär“ wie er hatte einfach mehr Wissen und seine Worten waren für diesen Haufen mehr Wahrheit als jeder Gelehrte preisen konnte.
Er stand an Deck, sah hinauf in den sternenbesetzten Himmel. Lange würde es nicht dauern und sie würden anlegen. Dann lag es an seiner Begleitung alles an Land zu vollziehen, er würde sich um den Haufen hier kümmern. Er wusste um die letzte Zutat um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen und dann galt es nur noch dass zu tun, was er am Besten konnte; zu sein wie er immer war.
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Sephira von Tecklenstein
Der Wind fegte kalt und frisch über das Deck hinweg. Kaum mochten sich die Augen an das Licht gewöhnen, als man sie herauf schaffte.
Wirklich, die Wachen hatten in den letzten Tagen sich redliche Mühe gegeben, sie kaum schlafen zu lassen und einzig die Risse in den Kleidern waren Zeugen jener Taten. Sie konnte von Glück sprechen, dass wenigstens die Seefahrer wegen ihres Aberglaubens kein Interesse an irgendetwas hegten. Viel mehr sah sie redlich die Erleichterung in den Gesichtern, als man sie wie ein Tier an den Zügeln vom Schiff zerrte und auf den Steg schaffte.
Von der Erscheinung einer Blutgeborenen, gar Adligen war kaum noch zu reden. Das Haar hing offen, fransig und strähnig in Gesicht und um die Schultern herum. Kratzer und einige blaue Flecken zeugten die Stellen, die man ersehen konnte. Doch auch die Wunde am Rücken hatte sich nicht beruhigen wollen, sich gar entzündet durch die salzige Meeresluft und die ewig feuchten Holzbretter innerhalb des Schiffes.
Das Gesicht war blass, von Schmerz und dem ungewohnten Seegang gezeichnet. Doch kein Wort verließ die blassen Lippen, kein hilfesuchender Blick wollte sich entwickeln. Sie hatte Kraft sammeln können, hatte sich in den Kopf gesetzt, dem ganzen zu entgehen. Sie durfte, konnte einfach nicht aufgeben. Sie musste es sich, musste es ihm beweisen.
Eine Weile glitt der Blick über die Ebene. Sie kannte nur zu gut das Gebiet, unweit war die Baronie von Tecklenstein. Sie würde schnell handeln müssen, wenn sie nicht unbedingt ihrem Vater ins Auge sehen wollte. Kurz huschten die Gedanken zurück zu den Worten des Hochgeboren von Weylenstein. Nein, sie würde nicht heucheln, würde nicht die reuemütige Tochter spielen. Wenn ihm ins Auge sehend, dann mit Stolz und Würde. Nicht wie der Wurm im Staube...
„Mir war nicht bewusst, dass Reichsverräter nun in Kutschen reisen dürfen.“
„Bindet sie doch hinten dran und zerrt sie mit!“
„Befehl ist Befehl! Anweisung des Hochgeboren von Weylenstein und seiner Hochgeboren von Tecklenstein!“
„Na dann schafft sie mal rein! 2 Mann mit in die Kutsche, die anderen machen die Pferde bereit! Je 2 Mann zu Ross auf einer Seite der Kutsche, der Rest wird von mir aufgeteilt nach vorne und dahinter!“
Der Hauptmann hatte Erfahrung, die Befehle wurden knapp und diszipliniert verteilt. Die Kutsche wurde von allen erdenklichen Seiten gesichert und abgeschirmt. Man würde auf den ersten Blick erkennen, von welcher Wichtigkeit die Person innerhalb der Kutsche wohl war, in welcher Art und Weise auch immer.
Der Blick glitt weiter, forcierte die Kutsche, die Rösser davor. Sie trugen das Zeichen der Familie von Tecklenstein. Wie grotesk... entsprang es ihren Gedanken, wollten sich jedoch nicht zu Worten formen. Sie hatte schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen, das letzte Mal wohl mit Antarian, wenn sie genauer darüber nachdachte. Doch erste Gedanken, die sich langsam sponnen, würden sie wohl bald dazu zwingen, wieder zu reden.
Die Kutsche war bereit, die „Fracht“ sicher innerhalb des Kutschraumes verstaut. Die Soldaten waren jung, die man zum aufpassen abkommandiert hatte. Es war ein leichtes, ein Gespräch mit ihnen zu beginnen. Viel würde nicht mehr fehlen, und sie wäre wenigstens die lästigen Fesseln los.
Wirklich, die Wachen hatten in den letzten Tagen sich redliche Mühe gegeben, sie kaum schlafen zu lassen und einzig die Risse in den Kleidern waren Zeugen jener Taten. Sie konnte von Glück sprechen, dass wenigstens die Seefahrer wegen ihres Aberglaubens kein Interesse an irgendetwas hegten. Viel mehr sah sie redlich die Erleichterung in den Gesichtern, als man sie wie ein Tier an den Zügeln vom Schiff zerrte und auf den Steg schaffte.
Von der Erscheinung einer Blutgeborenen, gar Adligen war kaum noch zu reden. Das Haar hing offen, fransig und strähnig in Gesicht und um die Schultern herum. Kratzer und einige blaue Flecken zeugten die Stellen, die man ersehen konnte. Doch auch die Wunde am Rücken hatte sich nicht beruhigen wollen, sich gar entzündet durch die salzige Meeresluft und die ewig feuchten Holzbretter innerhalb des Schiffes.
Das Gesicht war blass, von Schmerz und dem ungewohnten Seegang gezeichnet. Doch kein Wort verließ die blassen Lippen, kein hilfesuchender Blick wollte sich entwickeln. Sie hatte Kraft sammeln können, hatte sich in den Kopf gesetzt, dem ganzen zu entgehen. Sie durfte, konnte einfach nicht aufgeben. Sie musste es sich, musste es ihm beweisen.
Eine Weile glitt der Blick über die Ebene. Sie kannte nur zu gut das Gebiet, unweit war die Baronie von Tecklenstein. Sie würde schnell handeln müssen, wenn sie nicht unbedingt ihrem Vater ins Auge sehen wollte. Kurz huschten die Gedanken zurück zu den Worten des Hochgeboren von Weylenstein. Nein, sie würde nicht heucheln, würde nicht die reuemütige Tochter spielen. Wenn ihm ins Auge sehend, dann mit Stolz und Würde. Nicht wie der Wurm im Staube...
„Mir war nicht bewusst, dass Reichsverräter nun in Kutschen reisen dürfen.“
„Bindet sie doch hinten dran und zerrt sie mit!“
„Befehl ist Befehl! Anweisung des Hochgeboren von Weylenstein und seiner Hochgeboren von Tecklenstein!“
„Na dann schafft sie mal rein! 2 Mann mit in die Kutsche, die anderen machen die Pferde bereit! Je 2 Mann zu Ross auf einer Seite der Kutsche, der Rest wird von mir aufgeteilt nach vorne und dahinter!“
Der Hauptmann hatte Erfahrung, die Befehle wurden knapp und diszipliniert verteilt. Die Kutsche wurde von allen erdenklichen Seiten gesichert und abgeschirmt. Man würde auf den ersten Blick erkennen, von welcher Wichtigkeit die Person innerhalb der Kutsche wohl war, in welcher Art und Weise auch immer.
Der Blick glitt weiter, forcierte die Kutsche, die Rösser davor. Sie trugen das Zeichen der Familie von Tecklenstein. Wie grotesk... entsprang es ihren Gedanken, wollten sich jedoch nicht zu Worten formen. Sie hatte schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen, das letzte Mal wohl mit Antarian, wenn sie genauer darüber nachdachte. Doch erste Gedanken, die sich langsam sponnen, würden sie wohl bald dazu zwingen, wieder zu reden.
Die Kutsche war bereit, die „Fracht“ sicher innerhalb des Kutschraumes verstaut. Die Soldaten waren jung, die man zum aufpassen abkommandiert hatte. Es war ein leichtes, ein Gespräch mit ihnen zu beginnen. Viel würde nicht mehr fehlen, und sie wäre wenigstens die lästigen Fesseln los.
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Fiona Wulfenmoor
Kaum im Hafen angelangt ließ sie sich ihre Heuer auszahlen und verließ das Schiff. Zwar kam es ihr nicht auf die paar mageren Münzen an, aber sie wollte nicht mehr Aufmerksamkeit erregen als unbedingt nötig. Die johlenden Seeleute hinter sich ignorierend, die sie eine Landratte schimpften, der die Erde unter den Füssen fehlte begab sie sich ohne weitere Umschweife zur nächsten Taverne um sich nach einem Pferdezüchter um zu hören.
Das Gespräch mit diesem hielt sie so kurz wie gerade nötig. Er hatte einen guten Ruf wenn sie den Geschichten glauben durfte und die beiden Jagdstuten die sie sich ausgesucht hatte hatten gesunde Zähne, treue Augen und ein glattes, gepflegtes Fell. Ohne langes Feilschen erwarb sie die Tiere und machte sich auf in die Richtung, die man ihr gewiesen hatte. Gen Tecklenstein.
Die Reisegruppe ein zu holen war keine allzu große Kunst. Sie waren mit einer Kutsche unterwegs und sie selbst hatte ein Pferd zum Wechseln, aber ihr stand nicht der Sinn danach, die Gruppe ein zu holen oder ihr in Sichtweite zu folgen. Vier Tage würde die Reise dauern hatte man ihr versichert, drei wenn man die Pferde wechselte und die Rasten kurz hielt. So begnügte sie sich fürs erste damit der Gruppe zu folgen und dabei eines fest zu stellen: Die Herrschaften pflegten in Gasthäusern zu nächtigen. Umso besser.
Sie selbst nächtigte im Freien. Sie hatte schon oft unter dem Sternenzelt geschlafen und ein warmer Pferdeleib machte selbst diese Jahreszeit die Nächte erträglich warm und angenehm. Sie nahm sich ausgiebig Zeit, die Pferde trocken zu reiben, zu striegeln und auch ihre Hufe zu pflegen. Sie würden sie beide noch bitter benötigen und sie wollte sie in guter Verfassung wissen.
So blieb sie zwei Tage lang lediglich an der Gruppe dran, wartete, bis jene am Abend des zweiten Tages Quartier bezogen hatten und schlich sich zum Gasthaus hin. Das größte Geschenk der Finsternis ist nicht Tarnung, sondern Wagemut, durchfuhr es sie, als sie sich gen der Stallungen auf machte. Einen Blick über den Hof werfend schob sie die große Tür auf und verschwand im inneren.
Sie vermied es, ein Feuer zu entfachen, sie konnte weder das Licht noch den Lärm der erschrockenen Pferde gebrauchen. So schlich sie weiter leise zu der großen Tränke, die die Ställe miteinander verband. Einige Pferde schliefen bereits, andere sahen sie aus müden Augen an. Zufrieden stellte sie fest, daß sie nach zwei Tagen des Reitens und einer Nacht am Bauch eines Pferdes selbst genug nach Pferd roch um die Rösser nicht soweit zu verwirren, als daß jene nicht unruhig wurden.
Kurz musterte sie die Tränke und seufzte. Der Teil ihres Planes gefiel ihr nicht, aber er war erforderlich um ihr Zeit und Gelegenheit zu erkaufen.
So entkorkte sie die Flasche die sie unlängst in Rahal erworben hatte und goß den Inhalt in die Tränke hinein. Sorgsam den Kopf dabei abwendend wartete sie bis auch der letzte Tropfen in die Tränke geronnen war und verkorkte die Flasche wieder um sie anschließend unter einem Fuder Heu zu verstecken. Sie brannte nicht sonderlich darauf, mit jener wieder in Kontakt zu kommen. Nun, wenigstens würden die Pferde es überleben dachte sie noch, während die dunkle Flüssigkeit sich allmählich über die Tränke hinweg ausbreitete und mit dem Wasser vermischte. Das plätschernde Geräusch, das die Flüssigkeit von sich gegeben hatte schien zwei Pferde Impuls genug gewesen zu sein um sich schlabbernd über die Tränke zu beugen. Sie wußte nicht, welche Krankheit jener anhaften mochte, aber die ominösen Worte des Alchemisten waren ihr Warnung genug.
Morgen früh würden alle hiesigen Pferde von Fieber geplagt sein und darüber an Geschwindigkeit einbüßen. Genug um das nächste Gasthaus nicht mehr zu erreichen bevor die Pferde gänzlich erschöpft wären. Genug um ihr alle Möglichkeiten zu öffnen, derer sie bedurfte. Sie atmete tief durch, öffnete das Tor der Stallungen, lugte hinaus und verschwand in einem unbeobachteten Moment. Es war an der Zeit zu schlafen. Morgen konnte sie die Pferde ein wenig schonen. Zumindest bis zum Abend und der würde zeigen ob sie sich mit ihrem Unterfangen nicht hoffnungslos übernommen hatte.
Das Gespräch mit diesem hielt sie so kurz wie gerade nötig. Er hatte einen guten Ruf wenn sie den Geschichten glauben durfte und die beiden Jagdstuten die sie sich ausgesucht hatte hatten gesunde Zähne, treue Augen und ein glattes, gepflegtes Fell. Ohne langes Feilschen erwarb sie die Tiere und machte sich auf in die Richtung, die man ihr gewiesen hatte. Gen Tecklenstein.
Die Reisegruppe ein zu holen war keine allzu große Kunst. Sie waren mit einer Kutsche unterwegs und sie selbst hatte ein Pferd zum Wechseln, aber ihr stand nicht der Sinn danach, die Gruppe ein zu holen oder ihr in Sichtweite zu folgen. Vier Tage würde die Reise dauern hatte man ihr versichert, drei wenn man die Pferde wechselte und die Rasten kurz hielt. So begnügte sie sich fürs erste damit der Gruppe zu folgen und dabei eines fest zu stellen: Die Herrschaften pflegten in Gasthäusern zu nächtigen. Umso besser.
Sie selbst nächtigte im Freien. Sie hatte schon oft unter dem Sternenzelt geschlafen und ein warmer Pferdeleib machte selbst diese Jahreszeit die Nächte erträglich warm und angenehm. Sie nahm sich ausgiebig Zeit, die Pferde trocken zu reiben, zu striegeln und auch ihre Hufe zu pflegen. Sie würden sie beide noch bitter benötigen und sie wollte sie in guter Verfassung wissen.
So blieb sie zwei Tage lang lediglich an der Gruppe dran, wartete, bis jene am Abend des zweiten Tages Quartier bezogen hatten und schlich sich zum Gasthaus hin. Das größte Geschenk der Finsternis ist nicht Tarnung, sondern Wagemut, durchfuhr es sie, als sie sich gen der Stallungen auf machte. Einen Blick über den Hof werfend schob sie die große Tür auf und verschwand im inneren.
Sie vermied es, ein Feuer zu entfachen, sie konnte weder das Licht noch den Lärm der erschrockenen Pferde gebrauchen. So schlich sie weiter leise zu der großen Tränke, die die Ställe miteinander verband. Einige Pferde schliefen bereits, andere sahen sie aus müden Augen an. Zufrieden stellte sie fest, daß sie nach zwei Tagen des Reitens und einer Nacht am Bauch eines Pferdes selbst genug nach Pferd roch um die Rösser nicht soweit zu verwirren, als daß jene nicht unruhig wurden.
Kurz musterte sie die Tränke und seufzte. Der Teil ihres Planes gefiel ihr nicht, aber er war erforderlich um ihr Zeit und Gelegenheit zu erkaufen.
So entkorkte sie die Flasche die sie unlängst in Rahal erworben hatte und goß den Inhalt in die Tränke hinein. Sorgsam den Kopf dabei abwendend wartete sie bis auch der letzte Tropfen in die Tränke geronnen war und verkorkte die Flasche wieder um sie anschließend unter einem Fuder Heu zu verstecken. Sie brannte nicht sonderlich darauf, mit jener wieder in Kontakt zu kommen. Nun, wenigstens würden die Pferde es überleben dachte sie noch, während die dunkle Flüssigkeit sich allmählich über die Tränke hinweg ausbreitete und mit dem Wasser vermischte. Das plätschernde Geräusch, das die Flüssigkeit von sich gegeben hatte schien zwei Pferde Impuls genug gewesen zu sein um sich schlabbernd über die Tränke zu beugen. Sie wußte nicht, welche Krankheit jener anhaften mochte, aber die ominösen Worte des Alchemisten waren ihr Warnung genug.
Morgen früh würden alle hiesigen Pferde von Fieber geplagt sein und darüber an Geschwindigkeit einbüßen. Genug um das nächste Gasthaus nicht mehr zu erreichen bevor die Pferde gänzlich erschöpft wären. Genug um ihr alle Möglichkeiten zu öffnen, derer sie bedurfte. Sie atmete tief durch, öffnete das Tor der Stallungen, lugte hinaus und verschwand in einem unbeobachteten Moment. Es war an der Zeit zu schlafen. Morgen konnte sie die Pferde ein wenig schonen. Zumindest bis zum Abend und der würde zeigen ob sie sich mit ihrem Unterfangen nicht hoffnungslos übernommen hatte.
Zuletzt geändert von Fiona Wulfenmoor am Dienstag 18. Dezember 2007, 23:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Sephira von Tecklenstein
Stimmen, Gezeter, laute Stimmen. Das nervöse Schlagen von Hufen auf dem eisigen, festen Untergrund der Pferde, unruhiges Schnauben drang durch die Luft. Angespannt fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen, der Blick war auf den kleinen Lichtspalt gerichtet, durch den sie nach draussen sehen konnte. Irgendetwas stimmte nicht, etwas hatte den Zeitplan durcheinander gebracht. Die Hände fuhren sich einmal durch das Haar, dann glättend über den Rock und zogen schließlich den Umhang etwas fester zu. Sie hatte einige Worte gebraucht, um den wärmenden Umhang dem Wachmann abzuschwatzen. Auch die Fußfesseln war sie losgeworden, doch bei den Fesseln an den Händen hatte sie vergeblich geredet. Anscheinend hatten die Wachen doch etwas zu viel an Verstand und benutzten ihn auch noch.
Nur langsam begann sich der Treck wieder in Bewegung zu setzen. Sie hatten viel zu lange gestanden; man würde kaum das nächste Gasthaus erreichen. Etwas regte sich in ihr.
Eine Möglichkeit, gar ein Zeichen des Einen, dass der rechte Moment gekommen ist?
Sie würde es versuchen müssen; der Tod könnte noch warten. Ruhig bleiben...die Miene neutral halten....Masken aufsetzen...warten.
Es dämmerte, die Kälte durchzog die Felder und die eisige Luft. Schneeflocken tänzelten im Wind umher, der wild umherpfiff. Doch nicht nur das Pfeifen des Windes drang durch die Baronie, inmitten der sie sich nun befanden. Auch das Fluchen der Soldaten war zu hören, die nach und nach die Zelte aufschlugen. Man würde die Gefangene in eines der größeren Zelte geleiten; der Hauptmann persönlich sollte in jener Nacht auf sie aufpassen. Die wenigen Habseligkeiten wurden in einer Truhe gelagert, ebenfalls in dem Zelt des Hauptmannes.
Erst als sich Ruhe über das Lager ausbreitet und die Feuerstellen endlich angefacht waren, wurde sie aus der Kutsche herausgeholt. Schnell sondierte der Blick die Umgebung und machte sich mit der Position des Lagers vertraut. Sie kannte den Wald, der unlängst lag, nur zu gut. Ein grober Schubbs ließ sie den Blick wieder nach vorne wenden. Der Rücken brannte immer noch; kein Wunder, wenn man ihn jedes Mal aufs neue belasten musste. Langsam hatte sie sich daran gewöhnt und war schon fast zu einem Teil von ihr geworden.
Das Zelt des Hauptmannes war leer. Sicher musste er noch einige Dinge innerhalb des Lagers erledigen. Die Fesseln an den Händen waren schnell an der Kette des Pflocks befestigt, der gleichzeitig als Halt des Zeltes diente. Ihr Blick fiel auf die Truhe...
„Soldat, wartet...“
„Was? Verschwendet meine Zeit nicht...gibt wichtigeres.“
„Ich will meinen Ring zurück haben.“
„Und ich hätte gern mehr Sold. Und? Krieg auch keins...“
„Es würde dem Sterben mehr Würde geben, wenn ich wenigstens mit dem Zeichen meiner Familie hingerichtet werde." Ein Lächeln schob sich auf die schmalen Lippen, die Stimme wurde sanfter, schmeichelnder, „Es ist doch nur ein Ring. Gönnt einer Verdammten ihren letzten Wunsch nach Würde, nach Sentimentalität. Alles andere ist mir egal. Nur dieses eine Stück...es würde mir einiges bedeuten.“
Der junge Kerl sah sie eine Weile skeptisch an, ehe er zur Truhe ging. Das Wappen der Familie von Tecklenstein, gesäumt in den Farben der Baronie und dem Lehen. Nicht mehr mochte dem jungen Mann auffallen, als er ihr den Ring in die Hand drückte.
„Kein Wort zum Hauptmann oder gnade euch Temora, der Tod könnte euch früher ereilen, als ihr denkt!“
Die Schritte des Mannes klangen schnell aus und ebenso schnell verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht. Der Blick fiel auf den Ring. Sie hing wirklich an dem Stück; doch mehr aus dem Willen heraus, mit ihm zu fliehen und eine neue Chance zu bekommen. Sie würde warten, bis der Hauptmann eingeschlafen war. Der Ring....betrachtete man ihn genauer, so erkannte man ein dünnes Drahtornament, dass sich über den Stein und die Halterung durchzog. Sie würde es lösen können...ganz einfach, so wie sie es damals aufgetragen hatte bei dem Schmuckbearbeiter. Der Draht war dünn und es würde wahrscheinlich dauern, doch das Schloss würde aufgehen. sie hoffte es zumindest.
Alles weitere würde der Eine entscheiden...
Nur langsam begann sich der Treck wieder in Bewegung zu setzen. Sie hatten viel zu lange gestanden; man würde kaum das nächste Gasthaus erreichen. Etwas regte sich in ihr.
Eine Möglichkeit, gar ein Zeichen des Einen, dass der rechte Moment gekommen ist?
Sie würde es versuchen müssen; der Tod könnte noch warten. Ruhig bleiben...die Miene neutral halten....Masken aufsetzen...warten.
Es dämmerte, die Kälte durchzog die Felder und die eisige Luft. Schneeflocken tänzelten im Wind umher, der wild umherpfiff. Doch nicht nur das Pfeifen des Windes drang durch die Baronie, inmitten der sie sich nun befanden. Auch das Fluchen der Soldaten war zu hören, die nach und nach die Zelte aufschlugen. Man würde die Gefangene in eines der größeren Zelte geleiten; der Hauptmann persönlich sollte in jener Nacht auf sie aufpassen. Die wenigen Habseligkeiten wurden in einer Truhe gelagert, ebenfalls in dem Zelt des Hauptmannes.
Erst als sich Ruhe über das Lager ausbreitet und die Feuerstellen endlich angefacht waren, wurde sie aus der Kutsche herausgeholt. Schnell sondierte der Blick die Umgebung und machte sich mit der Position des Lagers vertraut. Sie kannte den Wald, der unlängst lag, nur zu gut. Ein grober Schubbs ließ sie den Blick wieder nach vorne wenden. Der Rücken brannte immer noch; kein Wunder, wenn man ihn jedes Mal aufs neue belasten musste. Langsam hatte sie sich daran gewöhnt und war schon fast zu einem Teil von ihr geworden.
Das Zelt des Hauptmannes war leer. Sicher musste er noch einige Dinge innerhalb des Lagers erledigen. Die Fesseln an den Händen waren schnell an der Kette des Pflocks befestigt, der gleichzeitig als Halt des Zeltes diente. Ihr Blick fiel auf die Truhe...
„Soldat, wartet...“
„Was? Verschwendet meine Zeit nicht...gibt wichtigeres.“
„Ich will meinen Ring zurück haben.“
„Und ich hätte gern mehr Sold. Und? Krieg auch keins...“
„Es würde dem Sterben mehr Würde geben, wenn ich wenigstens mit dem Zeichen meiner Familie hingerichtet werde." Ein Lächeln schob sich auf die schmalen Lippen, die Stimme wurde sanfter, schmeichelnder, „Es ist doch nur ein Ring. Gönnt einer Verdammten ihren letzten Wunsch nach Würde, nach Sentimentalität. Alles andere ist mir egal. Nur dieses eine Stück...es würde mir einiges bedeuten.“
Der junge Kerl sah sie eine Weile skeptisch an, ehe er zur Truhe ging. Das Wappen der Familie von Tecklenstein, gesäumt in den Farben der Baronie und dem Lehen. Nicht mehr mochte dem jungen Mann auffallen, als er ihr den Ring in die Hand drückte.
„Kein Wort zum Hauptmann oder gnade euch Temora, der Tod könnte euch früher ereilen, als ihr denkt!“
Die Schritte des Mannes klangen schnell aus und ebenso schnell verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht. Der Blick fiel auf den Ring. Sie hing wirklich an dem Stück; doch mehr aus dem Willen heraus, mit ihm zu fliehen und eine neue Chance zu bekommen. Sie würde warten, bis der Hauptmann eingeschlafen war. Der Ring....betrachtete man ihn genauer, so erkannte man ein dünnes Drahtornament, dass sich über den Stein und die Halterung durchzog. Sie würde es lösen können...ganz einfach, so wie sie es damals aufgetragen hatte bei dem Schmuckbearbeiter. Der Draht war dünn und es würde wahrscheinlich dauern, doch das Schloss würde aufgehen. sie hoffte es zumindest.
Alles weitere würde der Eine entscheiden...
Zuletzt geändert von Sephira von Tecklenstein am Sonntag 23. Dezember 2007, 01:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Fiona Wulfenmoor
Es war Abend als sie die Pferde anband und abrieb. Sie hatte sich heute Zeit lassen können, die Pferde waren kaum erschöpft, hatten getrunken, sie waren bereit für die kommenden Tage und sie war es auch. In dreihundert Schritt Entfernung konnte sie das Lager sehen. Das übliche. Zelte, die rund um die Kutsche angeordnet wurden, leichte Spitzpfähle, niedrige Wälle, zwei Streifen. Man wollte zumindest den Anschein erwecken, kein Risiko eingehen zu wollen, auch wenn wohl niemand mehr mit Zwischenfällen rechnete. Man war nachlässig, nicht sträflich, zugegeben, aber dennoch nachlässig. Man hatte wohl schon eher mit ihr oder gleich zwei Dutzend von ihrer Sorte gerechnet. Aber hier gab es kein Dutzend, kein wir, keine Armee die kommen und alle retten würde. Das hier war ihr Unterfangen. Ihr Kind. Sie würde es nicht gefährden.
Die zwei Streifen waren rasch ausgeschaltet. Ihre Routen waren immerzu dieselben und die frühe Dunkelheit der Winterabende kam ihr mehr als gelegen. Der kommandierende Offizier tat gut daran, seine Soldaten zu zweit auf Streife zu schicken, aber er hätte ihnen beibringen sollen, ihre Abstände zueinander öfter zu verändern und verschiedene Routen zu laufen. Die erste Patrouille war fast schon blindlings in ihre Fallen gelaufen und vor allem, zugleich. Um die andere hatte sie sich persönlich gekümmert. Sie brauchte eine Uniform und sie wollte sie nicht von den Bolzen aus ihren kleinen Fallen zerlöchert haben.
Sich in das Lager ein zu schleichen war dagegen ein Kinderspiel. Es waren dreihundert Schritt vom Lager bis zu den Pferden. Unwahrscheinlich, daß ihre Flucht lang genug unentdeckt bleiben würde um jene zu erreichen. Sie benötigte eine Ablenkung und dort kamen ihr die erkrankten Pferde mehr als gelegen. Jede Kutsche, die sich nicht genug Zeit nahm um das Gespann grasen zu lassen führte Heu mit sich und es ging ja nicht nur um diese Pferde, auch eine berittene Kompanie mußte ihre Reittiere versorgen. Jemand mußte sie herum führen um ihnen genügen Fläche und damit Gras zu bieten und dieser jemand war heute sie. Zumindest nachdem sie den Soldaten der eigentlich hierfür vorgesehen war im Weiher ertränkt hatte.
Unter all den Pferden die sie ins Lager zurück führte war sie selbst kaum aus zu machen und die Wachposten stellten keine Fragen. Sie waren wohl auch einfach froh, wenn das alles hier vorbei war. Niemand lief gerne mit einer Zielscheibe auf der Stirn herum, sie nicht und die Soldaten des Kronprinzen auch nicht. Wenn sie wüßten...
Sie führte die Pferde zurück zu den provisorischen Stallungen innerhalb des Lagers. Eigentlich kaum mehr als als ein kleiner Bereich, abgetrennt mit hüfthohen Pfählen und ein wenig Heu, das jede Kutsche und jede Reiterkompanie mit sich führte. Für Notfälle halt. Es gab keinen Grund, sich weiter damit zu belasten, am nächsten Tag würde man Tecklenstein erreichen, man würde durch das geringere Gewicht schneller voran kommen und morgen konnte man eh die Vorräte auffüllen, das ganze vergessen und es als erfolgreiche Überführung verbuchen. Zumindest dachte man dies.
Heuballen hatten neben der Tatsache, daß sie für die Pferde wichtig waren eine weitere interessante Eigenart. Sie waren schwer zu entzünden, doch wenn sie erst einmal brannten, dann war das Feuer selbst mit Unmengen an Wasser kaum zu löschen. Sehr praktisch, wenn man Brände legen wollte, so wie sie. Alles was man brauchte, war der Funke, der alles in Flammen aufgehen ließ. In ihrem Fall beruhte ihr Funke auf einfachem Laternenöl. Sie vergoß es über den Ballen, tränkte noch einige Büschel damit und band sie den Pferden um den Schweif. Nicht, daß die Pferde davon übermäßig erfreut waren, aber sie wollten nur noch schlafen um sich von der Reise und der Krankheit zu erholen. Sehr gut. Noch konnte sie Stille gebrauchen. Die Zeit für Ablenkung war später.
Das Zelt in dem sie Sephira vermutete war nicht schwer aus zu machen gewesen. Nur vor einem Zelt stand ein Wachposten als sie das Lager das erste mal betreten hatte. Sie hatte nicht vor sich mit ihm an zu legen. Je länger er dort stand und alles normal aussehen ließ umso besser für sie. Wo war er jetzt überhaupt? Egal. Noch.
Ihr Messer schnitt leise durch die Rückwand des Zeltes, eine leichte Eisschicht an den Schnittstellen zurück lassend. Sich noch einmal umblickend huschte sie ins Zeltinnere.
Die zwei Streifen waren rasch ausgeschaltet. Ihre Routen waren immerzu dieselben und die frühe Dunkelheit der Winterabende kam ihr mehr als gelegen. Der kommandierende Offizier tat gut daran, seine Soldaten zu zweit auf Streife zu schicken, aber er hätte ihnen beibringen sollen, ihre Abstände zueinander öfter zu verändern und verschiedene Routen zu laufen. Die erste Patrouille war fast schon blindlings in ihre Fallen gelaufen und vor allem, zugleich. Um die andere hatte sie sich persönlich gekümmert. Sie brauchte eine Uniform und sie wollte sie nicht von den Bolzen aus ihren kleinen Fallen zerlöchert haben.
Sich in das Lager ein zu schleichen war dagegen ein Kinderspiel. Es waren dreihundert Schritt vom Lager bis zu den Pferden. Unwahrscheinlich, daß ihre Flucht lang genug unentdeckt bleiben würde um jene zu erreichen. Sie benötigte eine Ablenkung und dort kamen ihr die erkrankten Pferde mehr als gelegen. Jede Kutsche, die sich nicht genug Zeit nahm um das Gespann grasen zu lassen führte Heu mit sich und es ging ja nicht nur um diese Pferde, auch eine berittene Kompanie mußte ihre Reittiere versorgen. Jemand mußte sie herum führen um ihnen genügen Fläche und damit Gras zu bieten und dieser jemand war heute sie. Zumindest nachdem sie den Soldaten der eigentlich hierfür vorgesehen war im Weiher ertränkt hatte.
Unter all den Pferden die sie ins Lager zurück führte war sie selbst kaum aus zu machen und die Wachposten stellten keine Fragen. Sie waren wohl auch einfach froh, wenn das alles hier vorbei war. Niemand lief gerne mit einer Zielscheibe auf der Stirn herum, sie nicht und die Soldaten des Kronprinzen auch nicht. Wenn sie wüßten...
Sie führte die Pferde zurück zu den provisorischen Stallungen innerhalb des Lagers. Eigentlich kaum mehr als als ein kleiner Bereich, abgetrennt mit hüfthohen Pfählen und ein wenig Heu, das jede Kutsche und jede Reiterkompanie mit sich führte. Für Notfälle halt. Es gab keinen Grund, sich weiter damit zu belasten, am nächsten Tag würde man Tecklenstein erreichen, man würde durch das geringere Gewicht schneller voran kommen und morgen konnte man eh die Vorräte auffüllen, das ganze vergessen und es als erfolgreiche Überführung verbuchen. Zumindest dachte man dies.
Heuballen hatten neben der Tatsache, daß sie für die Pferde wichtig waren eine weitere interessante Eigenart. Sie waren schwer zu entzünden, doch wenn sie erst einmal brannten, dann war das Feuer selbst mit Unmengen an Wasser kaum zu löschen. Sehr praktisch, wenn man Brände legen wollte, so wie sie. Alles was man brauchte, war der Funke, der alles in Flammen aufgehen ließ. In ihrem Fall beruhte ihr Funke auf einfachem Laternenöl. Sie vergoß es über den Ballen, tränkte noch einige Büschel damit und band sie den Pferden um den Schweif. Nicht, daß die Pferde davon übermäßig erfreut waren, aber sie wollten nur noch schlafen um sich von der Reise und der Krankheit zu erholen. Sehr gut. Noch konnte sie Stille gebrauchen. Die Zeit für Ablenkung war später.
Das Zelt in dem sie Sephira vermutete war nicht schwer aus zu machen gewesen. Nur vor einem Zelt stand ein Wachposten als sie das Lager das erste mal betreten hatte. Sie hatte nicht vor sich mit ihm an zu legen. Je länger er dort stand und alles normal aussehen ließ umso besser für sie. Wo war er jetzt überhaupt? Egal. Noch.
Ihr Messer schnitt leise durch die Rückwand des Zeltes, eine leichte Eisschicht an den Schnittstellen zurück lassend. Sich noch einmal umblickend huschte sie ins Zeltinnere.
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Sephira von Tecklenstein
Verfluchte Kälte! Dass man auch einfach kein ruhiges Händchen haben kann dabei!
Zitternd, unruhig fuhr die rechte Hand immer und immer wieder zu dem Schloss der Ketten, immer und immer wieder versuchte sie, die Riegel zu lösen und das schwere Eisen endlich loszuwerden. Der Hauptmann war nicht im Zelt; kein Blick lastete auf ihr. Und dennoch schlug ihr das Herz bis zum Halse und pulsierte laut und unerbittlich gegen die Brust. Immer wieder glitten die dunklen Pupillen gen Zeltausgang, an dem die Wache aufgestellt wurde.
Sie hatte sich sie gut gefügt und dennoch: Selbst kurz vor dem Ziel traute man der Ruhe nicht, hatte wohl immer noch die Befürchtung, eine Heerschar an Anhängern des Einen würde sie hier rausholen. Zumindest ließ jene Befürchtung die Wachen aufmerksam sein, soweit es eben ihren Fähigkeiten möglich war. Sie wusste jedoch, dass nur sie selbst sich nur noch retten konnte.
Der Mond ragte langsam auf, als endlich ein leises „Klick“ zu vernehmen war. Kurz wanderte ein erleichtertes Lächeln über die Lippen, ehe sie sich der zweiten Fessel zuwendete. Sie war Rechtshänderin, sodass es sich wohl noch schwerer gestalten würde.
Der Hauptmann soll sich schön Zeit lassen...das Lager soll doch gut beschützt und bewacht sein.
Die Abende begannen in der Zeit des Schnees und des Winters nur allzu früh, sodass es schwer war, die Zeit einzuschätzen. Wie spät war es wohl? Wann würden man die Wachen zur Ruhe schicken, wenn sie gerade keine Wache hielten?
Unruhiger wurde der Atem, jede Faser des Körpers, jede Nervenbahn, spannte sich an und strömte Nervosität aus. Ein letzter Riegel, ein weiteres Klicken folgte, als sich die Fessel rasselnd gen Boden bewegte.
Es schien ihr wie in Zeitlupe zu geschehen, als sie die freien Hände betrachtete. Die Handgelenke bluteten noch immer, tief hatten sich die Ketten eingegraben und ihre Markierung zurückgelassen. Es würde wohl einiges an Zeit dauern, bis jene verheilen. Erst das laute Schlagen des Herzens ließ sie wieder aufblicken und die Gedanken begannen zu rasen. Wie hinaus? Wo entkommt man nun am besten, wenn dort draussen ein ganzes Dutzend Soldaten nur darauf warteten, ihre Waffen einsetzen zu können?
Der Blick glitt einmal angespannt durch das Zelt und blieben auf der Truhe, in der die wenigen Sachen von ihr bewahrt wurden. Die Schritte führten rasch zu jener und leider wohl zu auffällig geöffnet...Nur Sekunden später spürte sie die Hand des Soldaten, der sie an der Schulter packte und grob herumriss. In den letzten Tagen war sie ihnen mehr als einmal mehr oder weniger lieb zu nahe gekommen. Mehr als einmal musste sie die Hände ertragen. Und mehr als einmal hatte sie sich gewünscht, es einem dieser Kerle heimzahlen zu können.
Es war ein Rausch...reine Impulse folgten von einer Handlung zur nächsten. Der Dolch...sie konnte ihn noch früh genug rausholen aus der Truhe...konnte ihn solange verdecken, bis sie sich zu ihm herumgedreht und reingerammt hatte. Es war das erste Mal...
Der Körper glitt zu Boden,die Augen des Soldaten vor Überraschung geweitet, als im selben Moment ein Schatten sich dem Zelte näherte. Sie blickt lange den leblosen Körper zu ihren Füßen an, realisierend, was gerade geschehen war, als der Schatten nun auf einmal näher kam...
Zitternd, unruhig fuhr die rechte Hand immer und immer wieder zu dem Schloss der Ketten, immer und immer wieder versuchte sie, die Riegel zu lösen und das schwere Eisen endlich loszuwerden. Der Hauptmann war nicht im Zelt; kein Blick lastete auf ihr. Und dennoch schlug ihr das Herz bis zum Halse und pulsierte laut und unerbittlich gegen die Brust. Immer wieder glitten die dunklen Pupillen gen Zeltausgang, an dem die Wache aufgestellt wurde.
Sie hatte sich sie gut gefügt und dennoch: Selbst kurz vor dem Ziel traute man der Ruhe nicht, hatte wohl immer noch die Befürchtung, eine Heerschar an Anhängern des Einen würde sie hier rausholen. Zumindest ließ jene Befürchtung die Wachen aufmerksam sein, soweit es eben ihren Fähigkeiten möglich war. Sie wusste jedoch, dass nur sie selbst sich nur noch retten konnte.
Der Mond ragte langsam auf, als endlich ein leises „Klick“ zu vernehmen war. Kurz wanderte ein erleichtertes Lächeln über die Lippen, ehe sie sich der zweiten Fessel zuwendete. Sie war Rechtshänderin, sodass es sich wohl noch schwerer gestalten würde.
Der Hauptmann soll sich schön Zeit lassen...das Lager soll doch gut beschützt und bewacht sein.
Die Abende begannen in der Zeit des Schnees und des Winters nur allzu früh, sodass es schwer war, die Zeit einzuschätzen. Wie spät war es wohl? Wann würden man die Wachen zur Ruhe schicken, wenn sie gerade keine Wache hielten?
Unruhiger wurde der Atem, jede Faser des Körpers, jede Nervenbahn, spannte sich an und strömte Nervosität aus. Ein letzter Riegel, ein weiteres Klicken folgte, als sich die Fessel rasselnd gen Boden bewegte.
Es schien ihr wie in Zeitlupe zu geschehen, als sie die freien Hände betrachtete. Die Handgelenke bluteten noch immer, tief hatten sich die Ketten eingegraben und ihre Markierung zurückgelassen. Es würde wohl einiges an Zeit dauern, bis jene verheilen. Erst das laute Schlagen des Herzens ließ sie wieder aufblicken und die Gedanken begannen zu rasen. Wie hinaus? Wo entkommt man nun am besten, wenn dort draussen ein ganzes Dutzend Soldaten nur darauf warteten, ihre Waffen einsetzen zu können?
Der Blick glitt einmal angespannt durch das Zelt und blieben auf der Truhe, in der die wenigen Sachen von ihr bewahrt wurden. Die Schritte führten rasch zu jener und leider wohl zu auffällig geöffnet...Nur Sekunden später spürte sie die Hand des Soldaten, der sie an der Schulter packte und grob herumriss. In den letzten Tagen war sie ihnen mehr als einmal mehr oder weniger lieb zu nahe gekommen. Mehr als einmal musste sie die Hände ertragen. Und mehr als einmal hatte sie sich gewünscht, es einem dieser Kerle heimzahlen zu können.
Es war ein Rausch...reine Impulse folgten von einer Handlung zur nächsten. Der Dolch...sie konnte ihn noch früh genug rausholen aus der Truhe...konnte ihn solange verdecken, bis sie sich zu ihm herumgedreht und reingerammt hatte. Es war das erste Mal...
Der Körper glitt zu Boden,die Augen des Soldaten vor Überraschung geweitet, als im selben Moment ein Schatten sich dem Zelte näherte. Sie blickt lange den leblosen Körper zu ihren Füßen an, realisierend, was gerade geschehen war, als der Schatten nun auf einmal näher kam...
Zuletzt geändert von Sephira von Tecklenstein am Samstag 29. Dezember 2007, 17:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Fiona Wulfenmoor
Leise trat sie von hinten an Sephira heran, das Handgelenk der Waffenhand ergreifend und ihr die andere Hand auf den Mund legend.
"Schhhh. Ganz ruhig."
Ihr einen Augenblick Zeit lassend, sich von der Schrecksekunde zu erholen ließ sie sie los. Ihr direkt in die Augen blickend fuhr sie sich mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken Hand in einem leichten Bogen über die Wange.
"Ich hatte doch gesagt, wir würden uns vor Tecklenstein noch einmal sehen."
Den Ausspruch konnte sie sich nicht verkneifen, auch wenn sie es eilig hatte. Den Rucksack vom Rücken nehmend stellte sie ihn vor Sephiras Füsse. Mit einem harschen "Anziehen." nahm sie die Hellebarde des toten Soldaten auf, stellte sich auf seinen Posten vor das Zelt und wartete. Es dauerte nicht lang bis sich Sephira, nun in der Uniform einer Tecklensteiner Lanzerin zu ihr gesellte. Kurz musterte sie den Sitz der Uniform, rückte hier und dort noch etwas zurecht und schob ihr die Mütze etwas tiefer in die Stirn. Sie hatte sich unter den Waffen die sie ihr mitgebracht hatte für ein Florett entschieden. Gut.
Kurz verschwand sie im Zelt und kam mit dem Langbogen in der Hand zurück, diesen Sephira zusammen mit einem Köcher in die Hand drückend.
"Anlegen."
"Aber..."
"Nein. Anlegen. Von Benutzen hat niemand etwas gesagt. Ich bin Leftenant und ihr mein Fähnrich. Das ist eine Offiziersschülerin, falls ihr das nicht wißt. Wir sind beide Schützen und das heißt für Euch: Langbogen." Eine Pause. "Es wird keine Armee kommen, nur ich und mein Gefährte, der für unsere Flucht vom Hafen bis nach Rahal verantwortlich ist. Bis wir dort sind beruht unsere Flucht fürs auf Tarnung, Ablenkung und Geschwindigkeit. Kommt mit."
Sie setzte sich in Bewegung, hielt aber nach zwei Schritten inne und blickte über die Schulter.
"Gewöhnt Euch besser an den Befehlston, ihr werdet ihn noch oft genug hören."
Mit diesen Worten schritt sie tiefer in das Lager hinein in Richtung einer der Feuerstellen, an der eine Dreiergruppe saß, trank und würfelte. Genau das was sie suchte. Tief drinnen wußte sie um die Anspannung der Soldaten. Die Reise, der Auftrag, der erwartete Angriff, all dies zehrte an den Nerven und all diesem mußte man irgendwie Herr werden. Entweder dies oder man ging zugrunde. Ablenkung war ein urmenschliches Bedürfnis und je größer die Anspannung umso größer das Bedürfnis danach.
Mit unwirscher Miene und forschem Schritt trat sie an die drei heran und trat dem der ihr am nähesten auf dem Boden saß in den Hintern. Verärgert und streitlustig schaute der Soldat zu ihr auf, bis er die Art ihrer Uniform erkannte. Alle drei erhoben sich, nahmen Haltung an und salutierten.
"Temora und Reich zur Ehr Frau Leftenant."
Sie nahm sich einen Augenblick alle drei streng zu mustern, ehe sie den Salut erwiderte.
"Temora und Reich zur Ehr Soldaten. Rühren."
Sie schritt an den dreien vorbei, dann beugte sie sich hinab und hob einen der Würfel und eine der umgefallenen Flaschen auf. Beide musternd als wären sie Objekte aus einer völlig fremdartigen Welt verharrte sie einen Augenblick ehe sie den Blick auf den mittleren der drei richtete.
"Lanzer! Eine Frage."
"Jawohl Frau Leftenant?"
Sie holte tief Luft.
"Ist das ein Verhalten, das einem Soldaten ihrer Majestät des Kronprinzen geziemt?", brüllte sie die drei so laut an, daß der jüngste von ihnen zusammen zuckte.
"Nein Frau Leftenant.", antwortete der mittlere der beiden.
Ihr Blick wanderte zwischen den anderen beiden hin und her. Ihre Stimme wurde wieder ruhig.
"Stimmt hier irgendwer außer mir den Ansichten des Lanzers zu?"
"Jawohl Frau Leftenant.", antworteten beide rasch.
Ihr Blick ging über die Schulter zu Sephira.
"Fähnrich?"
"Ja?" Eine Pause. "Frau Leftenant?"
"War das eine Frage Fähnrich? Stimmt ihr den Ansichten des Lanzers zu oder stimmt ihr nicht zu? Und zum Tausendsten mal, das heißt nicht 'ja', nicht 'jau' und ganz bestimmt nicht 'jo', denn 'Jo' sitzt auf Menek'Ur auf einer Palme und bewirft Lamatreiber mit Kokosnüssen!"
"Ja... wohl Frau Leftenant."
"Schön."
Ihr Blick glitt wieder über die drei. Der jüngste grinste leicht, aber das Grinsen verschwand rasch. Sie trat auf ihn zu und baute sich vor ihm auf.
"Findet ihr mich unterhaltsam Lanzer?"
"Nein. Nein Frau Leftenant."
"Bin ich vielleicht süß? Mache ich Euch Freude? Hab ich eine lustige Mütze mit Bimmelglöckchen drauf und einen Buckel wie ein Lama und gebe niedliche Laute von mir?"
"Nein Frau Leftenant."
"Na da bin ich aber heilfroh Lanzer."
Sie trat einen Schritt zurück und baute sich erneut auf. Dann deutete sie der Reihe nach auf die drei.
"Ihr werdet diesen Saustall hier ausmisten und wenn ich ausmisten sage, dann meine ich auch ausmisten. Ihr. Ab zum Zelt der Gefangenen, sie hat wieder einen Soldaten gebissen und ich will nicht, daß sich dies wiederholt. Es hat niemand der nicht über meinem Rang steht Zugang zu ihrem Zelt. Habt ihr das verstanden?"
"Jawohl Frau Leftenant."
"Na fein. Was steht ihr dann noch hier herum und starrt Löcher in die Luft? Bewegung! Und ihr..."
Ihr Blick richtete sich auf den jüngsten der drei.
"Ihr lauft zwei Runden um das Lager und zwar außen herum und während ihr das tut denkt ihr über die Bedeutung folgender Worte nach: Lamatreiber, Salznuckler, Sandfresser, Bandagenköpfe, Echsenwemser, Palmenheinis, Wüstenwilde und Sonnenanbeter. Könnt ihr Euch das merken oder soll ich es Euch aufschreiben?"
"Jawohl Frau Leftenant. Ich, ich meine nein..."
"Ja, nein, was denn nun? Mache ich Euch vielleicht nervös Lanzer?"
"Jawohl Frau Leftenant."
"Gut. Merkt Euch eines Lanzer, wenn ich Euch wie Dreck behandele, dann nur weil ich Euch mag. Und jetzt Abmarsch, ich will daß der Staub den ihr mit Euren Füssen aufwirbelt die Wälle übersteigt, damit ich weiß wo ihr seid oder ob ihr Euch nur auf die faule Haut legt. Ich will, daß die Posten auf den Wachtürmen vom Gestank verbrannter Sohlen in alle vier Himmelsrichtungen reinern. Verstanden Lanzer?"
"Jawohl Frau Leftenant."
Er salutierte und sie erwiderte den Salut, ehe sie mit fast schon mütterlicher Stimme meinte.
"Danach legt Euch schlafen."
"Jawohl Frau Leftenant."
Als die drei verschwunden waren sah sie gen Sephira, die sie fragend ansah. Sie deutete lediglich voran gen der provisorischen Stallungen in fünfzig Schritt Entfernung. Ihre linke Hand hielt sie offen gen Sephira hin. "Den Bogen."
Aus dem eigenen Köcher nahm sie einen Pfeil um dessen Schaft eine Bandage gewickelt war. Darunter waren Stroh und einige rötliche Metallsplitter. Sie hielt den Pfeil gerade lang genug in die Feuerstelle um das Metall soweit auf zu heizen, daß es im Flug nicht an Hitze verlor, legte den Pfeil auf die Sehne, spannte und schoß.
Brandpfeile waren schwer zu lenken. Sie waren einfach nicht ausbalanciert, aber ihr Ziel war ja auch kein kleines, wie ein einzelner Mensch. Sie mußte nur einen der Strohballen treffen. Der Pfeil schlug kurz vor einem im Boden ein. Sie verzog das Gesicht. Etwas, woran sie noch arbeiten sollte. Während ihre rechte Hand schon nach einem zweiten Pfeil griff erfaßten die Dämpfe des Lampenöls die knisternde Glut des Pfeils. Mit lautem Getöse gingen die Ballen lichterloh in Flammen auf, entzündeten die Schweife der gerade noch schlafenden oder grasenden Pferde und versetzten sie in helle Panik. Zufrieden sah sie, wie die Herde die Absperrung durchbrach und sich in einer wilden, ziellosen Stampede im Lager zerstreute. Drei der Pferde zogen an Seilen gehalten je einen brennenden Ballen hinter sich her. Schon fingen die ersten Zelte Feuer.
Sie reichte Sephira den Bogen zurück und sah sie kurz an.
"Tarnung, Ablenkung und Geschwindigkeit.", meinte sie lediglich. Keine Zeit. Keine Fragen.
Die beiden setzten sich gen des Westtores hin ab. Um sie herum erwachte das Lager zu reger Geschäftigkeit. Offiziere wie Unteroffiziere schlugen Alarm, bellten Befehle und scheuchten ihre Mannen hin und her.
"Feuer! Feuer im Lager!"
"Ein Angriff! Wir werden angegriffen!"
"Fangt die Pferde wieder ein und löscht das Feuer. Und bringt mir den Schuldigen!"
Es war ein einziges Chaos. Männer und Pferde stoben wild durcheinander, widersprüchliche Befehle dröhnten aus allen Ecken und daß kein Feind zu sehen war verschlimmerte die Lage nur. Gegen einen unsichtbaren Feind konnte man nicht kämpfen und irgendwer hatte das Wasser aus den Kübeln geschüttet und durch Lampenöl ersetzt. In diesem heillosen Durcheinander fielen zwei weitere Soldatinnen nicht auf. Wahrscheinlich hätten sie beide wohl auch nackt durch das Lager einen Walzer tanzen können, ohne daß es irgendwem aufgefallen wäre.
"Wartet hier."
Binnen weniger Augenblicke war sie den westlichen Wachturm empor geklettert. Fast schon erschrocken sah der Soldat darauf zu ihr, aber ihre Uniform schien ihn zu beruhigen. Er salutierte und sie erwiderte.
"Posten Bericht. Feindsichtungen?"
"Nein." Er sah sich ihre Uniform kurz etwas genauer an. "Frau Leftenant."
"Gut. Ich übernehme. Ihr werdet unten gebraucht."
"Aber...?"
Sie packte ihn an der Schulter, ließ sich nach hinten fallen, trat in seinen Bauch und ließ ihn dann los. Mit einem Aufschrei fiel der Soldat vom Turm. Sie erhob sich, griff nach der Leiter und rutschte daran hinab gen Boden. Sie kam gerade noch rechtzeitig um einen Blick auf Sephiras Grinsen beim Anblick der Leiche zu erhaschen.
"Er wurde hier unten gebraucht. Gehen wir."
Gehen traf es nicht ganz. Sie zwängten sich zwischen zwei Spitzpfählen hindurch und rannten gen des Waldes, wo die Pferde auf sie warteten. Im Sattel sitzend sah sie noch mal zurück. Die Flammen loderten noch immer in den Nachthimmel hinauf. Ihr Blick glitt hinüber zu Sephira.
"Ich glaube ich liebe Euch."
Sephiras Kiefer klappte nach unten.
"Ich hasse Feuer."
Mit den Worten wandte sie den Blick wieder nach vorne und galoppierte los.
Drei Tage und drei Nächte konnten einem wie eine halbe Ewigkeit vorkommen, besonders dann, wenn man keine Zeit fand zur Ruhe zu kommen. Eine Stunde Rast, das gönnte sie sich täglich um der Pferde Willen. Ein kleiner Weiher im Wald, mehr benötigte sie nicht. Eine Stunde in der man die Pferde herum führte, trinken und grasen ließ. Ohne die Pferde wären sie aufgeschmissen, doch durchgestanden war noch gar nichts.
Auch wenn ihre Verfolger ihre Pferde erst einmal wieder einfangen mußten und das Fieber sie verlangsamte, sie konnten es sich leisten, Pferde und Reiter zu wechseln, sie konnten Straßen nutzen und sie hatten Boten.
Die berittenen ab zu fangen war möglich, keine Frage, aber sie wußte nur zu gut, daß zwei Städte nur einen Zauber weit voneinander entfernt sein konnten. Sie hatten keine Zeit um sich Zeit zu nehmen.
Es war Sephira schwer gefallen, sich daran zu gewöhnen, auf einem Pferd zu schlafen, sich die Hände und Füsse aneinander zu binden um nicht herunter zu fallen. Aber nicht alles konnte mit Tränken kuriert werden. Diese wenigen Stunden des Schlafes waren wichtig um körperlich und geistig auf der Höhe zu bleiben. Nun gut, zumindest konnten sie auf dem Schiff ausreichend ruhen. Wenn sie denn erst einmal dorthin gelangten.
Zwei Suchtrupps hatten sie bisher ausweichen müssen und dem einen waren sie erst nach einem Zweimeilenritt durch einen Flusslauf entkommen, der sie weiter nach Süden geführt hatte als sie wollten aber zumindest dafür sorgte, daß der Trupp ihre Fährte verlor.
Dennoch, die Pferde waren am Ende und sie beide waren es auch. Sie war heilfroh, als sie die Mauern der Stadt am Horizont erspähen konnte. Gute zwei Stunden noch, dann war es vorbei. Auf die eine oder andere Art.
Irgendwie mußte sie Sephira durch die Kontrollen an den Toren bringen. Sie schürzte die Lippen als sie das Fernglas, ein unfreiwilliges Geschenk des Kapitäns, der von seiner Großzügigkeit nichts wußte, wieder zusammen schob. Wenn sie richtig gezählt hatte, dann standen etwa doppelt so viele Soldaten auf den Wällen als noch vor wenigen Tagen. Man war also alarmiert. Nun gut, davon hatte sie eh ausgehen müssen, aber es wäre ja auch einmal schön gewesen, angenehm überrascht zu werden.
Ihr Blick ging gen Sephira.
"Also gut. Wir machen folgendes...
Sephiras Proteste hallten noch in ihrem Schädel wider, als sie sich mit dem Karren den Stadttoren näherte. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen näherte sich die ärmliche Gestalt schlurfend neben dem Esel her gehend den Stadttoren. Die linke Hand verbarg sie im Ärmel und ihr Blick war auf den Fußboden gerichtet. Die Stadtwachen konnten nicht anders als sich mit der Hand frische Luft zu zu fächeln, als sie sich näherte. Sie stank aber auch bestialisch.
Städter hatten die Angewohnheit ihren Mist einfach auf die Strasse zu kippen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Stadt wie diese konnte ganze fünf Männer und Frauen gebrauchen, die nichts anderes taten als mit ihren Schaufeln Straßenschlamm, Abfall, Exkremente und andere Ausdünstungen in Eimer zu verfrachten und dann außerhalb der Stadt in Gruben oder Flüssen zu entleeren. Meist waren es Krüppel oder Verbrecher, die man ob ihrer Verbrechen nicht hin richten konnte oder wollte und die lieber einer solchen Arbeit nachgingen als im Kerker zu verfaulen. Gesellschaftlich waren sie Ausgestoßene, aber sie funktionierten. Deshalb wurden sie in den Städten geduldet, auch wenn dort niemand allzu erpicht darauf war, sich mit ihnen ab zu geben. Wozu auch? Sie galten ja als nichts. Ihr Lebensinhalt bestand darin, den Unrat aus der Stadt vor die Stadt zu schaffen, ohne Fluss und Hafen zu einer einzigen braunen Brühe verkommen zu lassen. Nichts anderes konnten sie.
Außer man hieß Maria, war 48, verwitwet und mit taubem linken Arm und Bein. Die Maria, die gerade an ihrer statt diesen Karren wieder in die Stadt führen sollte und stattdessen nun nahe des Flusses nackt, gefesselt und geknebelt lag. Die Lumpen hatte sie für ihre Maskerade gebraucht. Den Rest erledigten die Kapuze und jede Menge Ruß und Dreck in den Haaren, auf den Händen und im Gesicht.
Wahrscheinlich hätte Maria ihr leid tun sollen. Sie hatte mit all dem hier nichts zu tun, nur hatte sie die passende hagere Gestalt, das wortkarge Wesen und vor allem einen der wenigen Karren, den kein Soldat freiwillig untersuchen wollte. Eben weil er zum Himmel stank. Aber das war nicht der Grund gewesen, weswegen sie sich entschlossen hatte, sie nicht zu töten. Das war keine Gewissens, sondern eine Glaubensfrage. Nun, immerhin besaß sie jetzt zwei Pferde, die sie verkaufen konnte. Sollte sich Maria über dieses Geschenk und ihre Worte, mit denen sie ihr erklärt hatte, was sie zu tun gedachte und weshalb ruhig den Kopf zerbrechen. Zweifel waren schon immer ein guter Nährboden für Verrat gewesen und nur darum ging es. Nicht um irgendwelche mildtätigen Akte einer gebrochenen Frau gegenüber. Wäre sie mildtätig, dann hätte sie sie kurz und schmerzlos von ihrem Elend erlöst.
Wie erwartet hatten die Stadtsoldaten sie recht rasch durch gewunken, ohne einen Blick unter ihre Kübel zu werfen oder ihr allzu nahe zu kommen. So wie sie es immer taten. Sie nickte lediglich und führte den Karren mit ihrer wertvollen Fracht unter den Mistkübeln in die Stadt, als sie hinter sich einen Ruf vernahm.
Sie drehte sich um. Ihre linke Hand schloß sich wie von allein um das Messer, als sie den Soldaten anblickte, der ihr nachgerufen hatte.
"Ihr habt einen Eurer Eimer verloren!"
Tatsächlich, dort auf der Straße lag er. Sie atmete einmal durch, nickte, krächzte etwas, das ein Dank hätte sein können, schlurfte auf den Eimer zu und nahm ihn auf. Dann führte sie den Karren gemächlich gen des Hafenviertels. Auf der Straße wichen ihr die Leute aus. Es war ihr nur recht. Sie hatte es eilig und sie wußte, daß diese Verkleidung nicht lang Bestand haben könnte. Auf halbem Weg begegnete sie jemandem mit gleichem Karren. Er winkte ihr zu und lachte.
"He, Maria! Falsche Richtung!"
Sie nickte nur und gab einen brummigen Laut von sich. Der Mann winkte lachend ab. Sie mußten hier weg, aber in den Straßen wimmelte es vor Soldaten. So schlurfte sie weiter gen Hafen und war heilfroh, als sie den Kai erreichte, den sie erreichen wollte.
Sie kletterte auf den Karren und lud nach und nach die Mistkübel ab. Sephira atmete erst einmal tief durch und der Blick den sie ihr zuwarf sprach Bände.
"Vergeßt nie was Euch das ganze eingebracht hat.", gab sie nur gleichmütig von sich. "Los jetzt. Wir schiffen ein."
Mit den Worten entledigte sie sich der stinkenden Robe, darunter nur noch ein dünnes Gewand und zwei Messer tragend.
Sephira setzte sich auf und blickte sich um.
"Ich sehe kein Schiff."
Sie deutete gen Nordwesten.
"Oh nein."
"Oh doch."
Sie faßte sie an der Schulter und sprang von der Kaimauer ins Wasser. Unter Wasser schüttelte sie sich kurz. Kalt. Dann tauchte sie mit weit ausholenden Zügen auf das Schiff zu, sich nur ein mal umsehend, ob Sephira ihr auch folgte. Immerhin, ein gutes hatte dieser Weg. Sie hatten beide ein Bad mehr als nur nötig gehabt nach den Strapazen der letzten Tage. Ihre Hände schlossen sich um die Ankerkette. Behende kletterte sie daran empor.
Ihr Blick huschte kurz über das Deck. Die Mannschaft hatte noch nicht gänzlich eingeschifft. Mit den Beinen die Kette umklammernd beugte sie sich nach unten, griff nach den Handgelenken Sephiras und zog sie hinauf. Beide kletterten sie an Deck, wo sie sich geduckt zu einem der Beiboote auf machten.
Ein letzter Blick, dann kletterten beide hinein. Drinnen fanden sie warme Decken, trockene Kleidung, Wein in Trinkschläuchen und etwas zu essen.
Sie begegnete dem fragenden Blick Sephiras.
"Mein Gefährte kümmert sich um den Rest. Trocknet Euch erst einmal ab und dann zieht die Sachen dort an. Wenn das Schiff erst einmal abgelegt hat können wir schlafen. Aber nehmt das hier."
Sie rollte etwas Wachs hin und her und stopfte es sich in die Nasenlöcher, ehe sie den Wachsklumpen an Sephira weiter reichte.
"Gegen das Schnarchen."
Ein müdes Nicken nur. Die letzten Tage hatten sie beide ausgelaugt.
"Schhhh. Ganz ruhig."
Ihr einen Augenblick Zeit lassend, sich von der Schrecksekunde zu erholen ließ sie sie los. Ihr direkt in die Augen blickend fuhr sie sich mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken Hand in einem leichten Bogen über die Wange.
"Ich hatte doch gesagt, wir würden uns vor Tecklenstein noch einmal sehen."
Den Ausspruch konnte sie sich nicht verkneifen, auch wenn sie es eilig hatte. Den Rucksack vom Rücken nehmend stellte sie ihn vor Sephiras Füsse. Mit einem harschen "Anziehen." nahm sie die Hellebarde des toten Soldaten auf, stellte sich auf seinen Posten vor das Zelt und wartete. Es dauerte nicht lang bis sich Sephira, nun in der Uniform einer Tecklensteiner Lanzerin zu ihr gesellte. Kurz musterte sie den Sitz der Uniform, rückte hier und dort noch etwas zurecht und schob ihr die Mütze etwas tiefer in die Stirn. Sie hatte sich unter den Waffen die sie ihr mitgebracht hatte für ein Florett entschieden. Gut.
Kurz verschwand sie im Zelt und kam mit dem Langbogen in der Hand zurück, diesen Sephira zusammen mit einem Köcher in die Hand drückend.
"Anlegen."
"Aber..."
"Nein. Anlegen. Von Benutzen hat niemand etwas gesagt. Ich bin Leftenant und ihr mein Fähnrich. Das ist eine Offiziersschülerin, falls ihr das nicht wißt. Wir sind beide Schützen und das heißt für Euch: Langbogen." Eine Pause. "Es wird keine Armee kommen, nur ich und mein Gefährte, der für unsere Flucht vom Hafen bis nach Rahal verantwortlich ist. Bis wir dort sind beruht unsere Flucht fürs auf Tarnung, Ablenkung und Geschwindigkeit. Kommt mit."
Sie setzte sich in Bewegung, hielt aber nach zwei Schritten inne und blickte über die Schulter.
"Gewöhnt Euch besser an den Befehlston, ihr werdet ihn noch oft genug hören."
Mit diesen Worten schritt sie tiefer in das Lager hinein in Richtung einer der Feuerstellen, an der eine Dreiergruppe saß, trank und würfelte. Genau das was sie suchte. Tief drinnen wußte sie um die Anspannung der Soldaten. Die Reise, der Auftrag, der erwartete Angriff, all dies zehrte an den Nerven und all diesem mußte man irgendwie Herr werden. Entweder dies oder man ging zugrunde. Ablenkung war ein urmenschliches Bedürfnis und je größer die Anspannung umso größer das Bedürfnis danach.
Mit unwirscher Miene und forschem Schritt trat sie an die drei heran und trat dem der ihr am nähesten auf dem Boden saß in den Hintern. Verärgert und streitlustig schaute der Soldat zu ihr auf, bis er die Art ihrer Uniform erkannte. Alle drei erhoben sich, nahmen Haltung an und salutierten.
"Temora und Reich zur Ehr Frau Leftenant."
Sie nahm sich einen Augenblick alle drei streng zu mustern, ehe sie den Salut erwiderte.
"Temora und Reich zur Ehr Soldaten. Rühren."
Sie schritt an den dreien vorbei, dann beugte sie sich hinab und hob einen der Würfel und eine der umgefallenen Flaschen auf. Beide musternd als wären sie Objekte aus einer völlig fremdartigen Welt verharrte sie einen Augenblick ehe sie den Blick auf den mittleren der drei richtete.
"Lanzer! Eine Frage."
"Jawohl Frau Leftenant?"
Sie holte tief Luft.
"Ist das ein Verhalten, das einem Soldaten ihrer Majestät des Kronprinzen geziemt?", brüllte sie die drei so laut an, daß der jüngste von ihnen zusammen zuckte.
"Nein Frau Leftenant.", antwortete der mittlere der beiden.
Ihr Blick wanderte zwischen den anderen beiden hin und her. Ihre Stimme wurde wieder ruhig.
"Stimmt hier irgendwer außer mir den Ansichten des Lanzers zu?"
"Jawohl Frau Leftenant.", antworteten beide rasch.
Ihr Blick ging über die Schulter zu Sephira.
"Fähnrich?"
"Ja?" Eine Pause. "Frau Leftenant?"
"War das eine Frage Fähnrich? Stimmt ihr den Ansichten des Lanzers zu oder stimmt ihr nicht zu? Und zum Tausendsten mal, das heißt nicht 'ja', nicht 'jau' und ganz bestimmt nicht 'jo', denn 'Jo' sitzt auf Menek'Ur auf einer Palme und bewirft Lamatreiber mit Kokosnüssen!"
"Ja... wohl Frau Leftenant."
"Schön."
Ihr Blick glitt wieder über die drei. Der jüngste grinste leicht, aber das Grinsen verschwand rasch. Sie trat auf ihn zu und baute sich vor ihm auf.
"Findet ihr mich unterhaltsam Lanzer?"
"Nein. Nein Frau Leftenant."
"Bin ich vielleicht süß? Mache ich Euch Freude? Hab ich eine lustige Mütze mit Bimmelglöckchen drauf und einen Buckel wie ein Lama und gebe niedliche Laute von mir?"
"Nein Frau Leftenant."
"Na da bin ich aber heilfroh Lanzer."
Sie trat einen Schritt zurück und baute sich erneut auf. Dann deutete sie der Reihe nach auf die drei.
"Ihr werdet diesen Saustall hier ausmisten und wenn ich ausmisten sage, dann meine ich auch ausmisten. Ihr. Ab zum Zelt der Gefangenen, sie hat wieder einen Soldaten gebissen und ich will nicht, daß sich dies wiederholt. Es hat niemand der nicht über meinem Rang steht Zugang zu ihrem Zelt. Habt ihr das verstanden?"
"Jawohl Frau Leftenant."
"Na fein. Was steht ihr dann noch hier herum und starrt Löcher in die Luft? Bewegung! Und ihr..."
Ihr Blick richtete sich auf den jüngsten der drei.
"Ihr lauft zwei Runden um das Lager und zwar außen herum und während ihr das tut denkt ihr über die Bedeutung folgender Worte nach: Lamatreiber, Salznuckler, Sandfresser, Bandagenköpfe, Echsenwemser, Palmenheinis, Wüstenwilde und Sonnenanbeter. Könnt ihr Euch das merken oder soll ich es Euch aufschreiben?"
"Jawohl Frau Leftenant. Ich, ich meine nein..."
"Ja, nein, was denn nun? Mache ich Euch vielleicht nervös Lanzer?"
"Jawohl Frau Leftenant."
"Gut. Merkt Euch eines Lanzer, wenn ich Euch wie Dreck behandele, dann nur weil ich Euch mag. Und jetzt Abmarsch, ich will daß der Staub den ihr mit Euren Füssen aufwirbelt die Wälle übersteigt, damit ich weiß wo ihr seid oder ob ihr Euch nur auf die faule Haut legt. Ich will, daß die Posten auf den Wachtürmen vom Gestank verbrannter Sohlen in alle vier Himmelsrichtungen reinern. Verstanden Lanzer?"
"Jawohl Frau Leftenant."
Er salutierte und sie erwiderte den Salut, ehe sie mit fast schon mütterlicher Stimme meinte.
"Danach legt Euch schlafen."
"Jawohl Frau Leftenant."
Als die drei verschwunden waren sah sie gen Sephira, die sie fragend ansah. Sie deutete lediglich voran gen der provisorischen Stallungen in fünfzig Schritt Entfernung. Ihre linke Hand hielt sie offen gen Sephira hin. "Den Bogen."
Aus dem eigenen Köcher nahm sie einen Pfeil um dessen Schaft eine Bandage gewickelt war. Darunter waren Stroh und einige rötliche Metallsplitter. Sie hielt den Pfeil gerade lang genug in die Feuerstelle um das Metall soweit auf zu heizen, daß es im Flug nicht an Hitze verlor, legte den Pfeil auf die Sehne, spannte und schoß.
Brandpfeile waren schwer zu lenken. Sie waren einfach nicht ausbalanciert, aber ihr Ziel war ja auch kein kleines, wie ein einzelner Mensch. Sie mußte nur einen der Strohballen treffen. Der Pfeil schlug kurz vor einem im Boden ein. Sie verzog das Gesicht. Etwas, woran sie noch arbeiten sollte. Während ihre rechte Hand schon nach einem zweiten Pfeil griff erfaßten die Dämpfe des Lampenöls die knisternde Glut des Pfeils. Mit lautem Getöse gingen die Ballen lichterloh in Flammen auf, entzündeten die Schweife der gerade noch schlafenden oder grasenden Pferde und versetzten sie in helle Panik. Zufrieden sah sie, wie die Herde die Absperrung durchbrach und sich in einer wilden, ziellosen Stampede im Lager zerstreute. Drei der Pferde zogen an Seilen gehalten je einen brennenden Ballen hinter sich her. Schon fingen die ersten Zelte Feuer.
Sie reichte Sephira den Bogen zurück und sah sie kurz an.
"Tarnung, Ablenkung und Geschwindigkeit.", meinte sie lediglich. Keine Zeit. Keine Fragen.
Die beiden setzten sich gen des Westtores hin ab. Um sie herum erwachte das Lager zu reger Geschäftigkeit. Offiziere wie Unteroffiziere schlugen Alarm, bellten Befehle und scheuchten ihre Mannen hin und her.
"Feuer! Feuer im Lager!"
"Ein Angriff! Wir werden angegriffen!"
"Fangt die Pferde wieder ein und löscht das Feuer. Und bringt mir den Schuldigen!"
Es war ein einziges Chaos. Männer und Pferde stoben wild durcheinander, widersprüchliche Befehle dröhnten aus allen Ecken und daß kein Feind zu sehen war verschlimmerte die Lage nur. Gegen einen unsichtbaren Feind konnte man nicht kämpfen und irgendwer hatte das Wasser aus den Kübeln geschüttet und durch Lampenöl ersetzt. In diesem heillosen Durcheinander fielen zwei weitere Soldatinnen nicht auf. Wahrscheinlich hätten sie beide wohl auch nackt durch das Lager einen Walzer tanzen können, ohne daß es irgendwem aufgefallen wäre.
"Wartet hier."
Binnen weniger Augenblicke war sie den westlichen Wachturm empor geklettert. Fast schon erschrocken sah der Soldat darauf zu ihr, aber ihre Uniform schien ihn zu beruhigen. Er salutierte und sie erwiderte.
"Posten Bericht. Feindsichtungen?"
"Nein." Er sah sich ihre Uniform kurz etwas genauer an. "Frau Leftenant."
"Gut. Ich übernehme. Ihr werdet unten gebraucht."
"Aber...?"
Sie packte ihn an der Schulter, ließ sich nach hinten fallen, trat in seinen Bauch und ließ ihn dann los. Mit einem Aufschrei fiel der Soldat vom Turm. Sie erhob sich, griff nach der Leiter und rutschte daran hinab gen Boden. Sie kam gerade noch rechtzeitig um einen Blick auf Sephiras Grinsen beim Anblick der Leiche zu erhaschen.
"Er wurde hier unten gebraucht. Gehen wir."
Gehen traf es nicht ganz. Sie zwängten sich zwischen zwei Spitzpfählen hindurch und rannten gen des Waldes, wo die Pferde auf sie warteten. Im Sattel sitzend sah sie noch mal zurück. Die Flammen loderten noch immer in den Nachthimmel hinauf. Ihr Blick glitt hinüber zu Sephira.
"Ich glaube ich liebe Euch."
Sephiras Kiefer klappte nach unten.
"Ich hasse Feuer."
Mit den Worten wandte sie den Blick wieder nach vorne und galoppierte los.
Drei Tage und drei Nächte konnten einem wie eine halbe Ewigkeit vorkommen, besonders dann, wenn man keine Zeit fand zur Ruhe zu kommen. Eine Stunde Rast, das gönnte sie sich täglich um der Pferde Willen. Ein kleiner Weiher im Wald, mehr benötigte sie nicht. Eine Stunde in der man die Pferde herum führte, trinken und grasen ließ. Ohne die Pferde wären sie aufgeschmissen, doch durchgestanden war noch gar nichts.
Auch wenn ihre Verfolger ihre Pferde erst einmal wieder einfangen mußten und das Fieber sie verlangsamte, sie konnten es sich leisten, Pferde und Reiter zu wechseln, sie konnten Straßen nutzen und sie hatten Boten.
Die berittenen ab zu fangen war möglich, keine Frage, aber sie wußte nur zu gut, daß zwei Städte nur einen Zauber weit voneinander entfernt sein konnten. Sie hatten keine Zeit um sich Zeit zu nehmen.
Es war Sephira schwer gefallen, sich daran zu gewöhnen, auf einem Pferd zu schlafen, sich die Hände und Füsse aneinander zu binden um nicht herunter zu fallen. Aber nicht alles konnte mit Tränken kuriert werden. Diese wenigen Stunden des Schlafes waren wichtig um körperlich und geistig auf der Höhe zu bleiben. Nun gut, zumindest konnten sie auf dem Schiff ausreichend ruhen. Wenn sie denn erst einmal dorthin gelangten.
Zwei Suchtrupps hatten sie bisher ausweichen müssen und dem einen waren sie erst nach einem Zweimeilenritt durch einen Flusslauf entkommen, der sie weiter nach Süden geführt hatte als sie wollten aber zumindest dafür sorgte, daß der Trupp ihre Fährte verlor.
Dennoch, die Pferde waren am Ende und sie beide waren es auch. Sie war heilfroh, als sie die Mauern der Stadt am Horizont erspähen konnte. Gute zwei Stunden noch, dann war es vorbei. Auf die eine oder andere Art.
Irgendwie mußte sie Sephira durch die Kontrollen an den Toren bringen. Sie schürzte die Lippen als sie das Fernglas, ein unfreiwilliges Geschenk des Kapitäns, der von seiner Großzügigkeit nichts wußte, wieder zusammen schob. Wenn sie richtig gezählt hatte, dann standen etwa doppelt so viele Soldaten auf den Wällen als noch vor wenigen Tagen. Man war also alarmiert. Nun gut, davon hatte sie eh ausgehen müssen, aber es wäre ja auch einmal schön gewesen, angenehm überrascht zu werden.
Ihr Blick ging gen Sephira.
"Also gut. Wir machen folgendes...
Sephiras Proteste hallten noch in ihrem Schädel wider, als sie sich mit dem Karren den Stadttoren näherte. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen näherte sich die ärmliche Gestalt schlurfend neben dem Esel her gehend den Stadttoren. Die linke Hand verbarg sie im Ärmel und ihr Blick war auf den Fußboden gerichtet. Die Stadtwachen konnten nicht anders als sich mit der Hand frische Luft zu zu fächeln, als sie sich näherte. Sie stank aber auch bestialisch.
Städter hatten die Angewohnheit ihren Mist einfach auf die Strasse zu kippen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Stadt wie diese konnte ganze fünf Männer und Frauen gebrauchen, die nichts anderes taten als mit ihren Schaufeln Straßenschlamm, Abfall, Exkremente und andere Ausdünstungen in Eimer zu verfrachten und dann außerhalb der Stadt in Gruben oder Flüssen zu entleeren. Meist waren es Krüppel oder Verbrecher, die man ob ihrer Verbrechen nicht hin richten konnte oder wollte und die lieber einer solchen Arbeit nachgingen als im Kerker zu verfaulen. Gesellschaftlich waren sie Ausgestoßene, aber sie funktionierten. Deshalb wurden sie in den Städten geduldet, auch wenn dort niemand allzu erpicht darauf war, sich mit ihnen ab zu geben. Wozu auch? Sie galten ja als nichts. Ihr Lebensinhalt bestand darin, den Unrat aus der Stadt vor die Stadt zu schaffen, ohne Fluss und Hafen zu einer einzigen braunen Brühe verkommen zu lassen. Nichts anderes konnten sie.
Außer man hieß Maria, war 48, verwitwet und mit taubem linken Arm und Bein. Die Maria, die gerade an ihrer statt diesen Karren wieder in die Stadt führen sollte und stattdessen nun nahe des Flusses nackt, gefesselt und geknebelt lag. Die Lumpen hatte sie für ihre Maskerade gebraucht. Den Rest erledigten die Kapuze und jede Menge Ruß und Dreck in den Haaren, auf den Händen und im Gesicht.
Wahrscheinlich hätte Maria ihr leid tun sollen. Sie hatte mit all dem hier nichts zu tun, nur hatte sie die passende hagere Gestalt, das wortkarge Wesen und vor allem einen der wenigen Karren, den kein Soldat freiwillig untersuchen wollte. Eben weil er zum Himmel stank. Aber das war nicht der Grund gewesen, weswegen sie sich entschlossen hatte, sie nicht zu töten. Das war keine Gewissens, sondern eine Glaubensfrage. Nun, immerhin besaß sie jetzt zwei Pferde, die sie verkaufen konnte. Sollte sich Maria über dieses Geschenk und ihre Worte, mit denen sie ihr erklärt hatte, was sie zu tun gedachte und weshalb ruhig den Kopf zerbrechen. Zweifel waren schon immer ein guter Nährboden für Verrat gewesen und nur darum ging es. Nicht um irgendwelche mildtätigen Akte einer gebrochenen Frau gegenüber. Wäre sie mildtätig, dann hätte sie sie kurz und schmerzlos von ihrem Elend erlöst.
Wie erwartet hatten die Stadtsoldaten sie recht rasch durch gewunken, ohne einen Blick unter ihre Kübel zu werfen oder ihr allzu nahe zu kommen. So wie sie es immer taten. Sie nickte lediglich und führte den Karren mit ihrer wertvollen Fracht unter den Mistkübeln in die Stadt, als sie hinter sich einen Ruf vernahm.
Sie drehte sich um. Ihre linke Hand schloß sich wie von allein um das Messer, als sie den Soldaten anblickte, der ihr nachgerufen hatte.
"Ihr habt einen Eurer Eimer verloren!"
Tatsächlich, dort auf der Straße lag er. Sie atmete einmal durch, nickte, krächzte etwas, das ein Dank hätte sein können, schlurfte auf den Eimer zu und nahm ihn auf. Dann führte sie den Karren gemächlich gen des Hafenviertels. Auf der Straße wichen ihr die Leute aus. Es war ihr nur recht. Sie hatte es eilig und sie wußte, daß diese Verkleidung nicht lang Bestand haben könnte. Auf halbem Weg begegnete sie jemandem mit gleichem Karren. Er winkte ihr zu und lachte.
"He, Maria! Falsche Richtung!"
Sie nickte nur und gab einen brummigen Laut von sich. Der Mann winkte lachend ab. Sie mußten hier weg, aber in den Straßen wimmelte es vor Soldaten. So schlurfte sie weiter gen Hafen und war heilfroh, als sie den Kai erreichte, den sie erreichen wollte.
Sie kletterte auf den Karren und lud nach und nach die Mistkübel ab. Sephira atmete erst einmal tief durch und der Blick den sie ihr zuwarf sprach Bände.
"Vergeßt nie was Euch das ganze eingebracht hat.", gab sie nur gleichmütig von sich. "Los jetzt. Wir schiffen ein."
Mit den Worten entledigte sie sich der stinkenden Robe, darunter nur noch ein dünnes Gewand und zwei Messer tragend.
Sephira setzte sich auf und blickte sich um.
"Ich sehe kein Schiff."
Sie deutete gen Nordwesten.
"Oh nein."
"Oh doch."
Sie faßte sie an der Schulter und sprang von der Kaimauer ins Wasser. Unter Wasser schüttelte sie sich kurz. Kalt. Dann tauchte sie mit weit ausholenden Zügen auf das Schiff zu, sich nur ein mal umsehend, ob Sephira ihr auch folgte. Immerhin, ein gutes hatte dieser Weg. Sie hatten beide ein Bad mehr als nur nötig gehabt nach den Strapazen der letzten Tage. Ihre Hände schlossen sich um die Ankerkette. Behende kletterte sie daran empor.
Ihr Blick huschte kurz über das Deck. Die Mannschaft hatte noch nicht gänzlich eingeschifft. Mit den Beinen die Kette umklammernd beugte sie sich nach unten, griff nach den Handgelenken Sephiras und zog sie hinauf. Beide kletterten sie an Deck, wo sie sich geduckt zu einem der Beiboote auf machten.
Ein letzter Blick, dann kletterten beide hinein. Drinnen fanden sie warme Decken, trockene Kleidung, Wein in Trinkschläuchen und etwas zu essen.
Sie begegnete dem fragenden Blick Sephiras.
"Mein Gefährte kümmert sich um den Rest. Trocknet Euch erst einmal ab und dann zieht die Sachen dort an. Wenn das Schiff erst einmal abgelegt hat können wir schlafen. Aber nehmt das hier."
Sie rollte etwas Wachs hin und her und stopfte es sich in die Nasenlöcher, ehe sie den Wachsklumpen an Sephira weiter reichte.
"Gegen das Schnarchen."
Ein müdes Nicken nur. Die letzten Tage hatten sie beide ausgelaugt.
-
Vincent Vandera
Es war allmählich soweit, sie mussten es mittlerweile geschafft haben, oder auch nicht, aber das wäre dann nicht mehr ganz sein Problem. Das Schiff war dabei in See zu stechen und er musste dafür sorgen dass es seinen Kurs nehmen würde. Die Mannschaft hatte sich quasi direkt nach dem Ablegen unter Deck versammelt und den Kapitän alleine zurückgelassen. Sicherlich war der alte Kerl misstrauisch aber er würde es nicht wagen ihnen hinter her zu gehen, wenn er nicht schon wusste was folgen würde.
Vincent sah in die Gesichter eines jeden Einzelnen und lächelte schmal. „Herrschaften, euch ist sicher aufgefallen dass die Weiber von Bord sind, nich wahr? Auch die Matrosin … soll ich euch sagen woran das liegt? Sie wissen was mit diesem Schiff passieren wird oder besser gesagt; was ihm mit diesem Kapitän geschehen wird …“ es hatte schon seine erste Wirkungen getan, die misstrauischen Blicke, das Schauern dass dem einen oder anderen über den Rücken lief aber Vincent fuhr fort, „… und was ist eigentlich mit eurem Lohn? Ich hab noch nicht gesehen dass man euch schon ausgezahlt hätte … ist es üblich dass man euch so lange zappeln lässt? Ich sag euch was … der Mann weiß was auf euch zukommt und will uns alle mit ins Verderben reißen, wozu euch dann noch sein teures Gold geben welches er bei Krathor verpulvern kann?“. Manchmal war selbst Vincent erstaunt was für einen Mist er von sich geben konnte aber dies war die Art von Mist, den diese Kerle hören wollten und das zustimmende Gemurre bestärkte ihn nur in seinen Ansichten.
„Joa und was machen wa?“ fragte einer der Mitglieder, doch die Antwort kam direkt von hinten „Meuterei!“ und was dann folgte war ein zustimmendes „Aye!“ „Abe wer macht de Job … ? Kenn niemand der de Schiff steuern kann …“ kam es dann hervor und nun war sein Zeitpunkt gekommen. „Nun Herrschaften … zufällig bin ich bereits einmal Kapitän eines Schiffes gewesen, ich kann uns heil in einen sicheren Hafen bringen, danach steht’s euch frei mit dem Kahn zu machen was ihr wollt, ich will ihn nicht. Verkauft ihn, sucht euch nen neuen Kapitän … macht euch n gutes Leben … aber lasst mich das Schiff erstmal hier wegbringen.“ Er sah in die Miene eines jeden Einzelnen. Manchen gefiel dieser Plan nicht aber die meisten dachten schon an den Part der „reichen Leute“ und nickten eifrig, und so war es beschlossen.
Eigentlich konnte ihm der Kapitän leid tun, aber es war ein schnelles Ende. Vincent hatte erwähnt dass es sicherer sei, seinen toten Leib der See zu überlassen, dass sie ihn auch ja verschlingen möge und ihn und seinen Fluch der Weibsbilder mit in die Tiefe ziehen möge. Es war erstaunlich wie schnell sie alle hocheilten nach seinen Worten, den Kapitän die Kehle durchschnitten und ihn johlend über Bord warfen. Eine traurige Angelegenheit und irgendwie hoffte er instinktiv dass seine Crew nicht so leicht zu manipulieren sein würde, wenn er bald auf der La Cabeza stehen würde.
Der neue Kurs war schnell gegeben und das erste Gemurmel kam auf. „Käpt’n … das is Rahal.“ Vincent nickte nur. „Aye, Rahal, aber keine Sorge wir werden keine Probleme dort haben … es hat nen guten Grund wieso wir den Hafen anlaufen, glaubt mir. Außerdem könnt ihr dort eure überschüssige Ware loswerden, Berchgard als Handwerksstadt würde da nur drüber lachen.“ Auch hier schien seine Argumentation sehr logisch und man stellte keine Fragen. Das Schiff nahm Kurs auf Rahal und ein zufriedener Vincent blickte drein.
Nach vielen Stunden war es dann auch erreicht, „LAND IN SICHT!“, Rahal lag vor ihnen und damit das Ende seines kleinen Gefallens für seine Begleiterin. Er hatte sich zwischenzeitlich vergewissert dass sie auch tatsächlich in einem der Beiboote war und nun machte er sich bereit anzulegen. Es lief beinahe alles ohne irgendwelche Probleme, die Crew war dabei auszuladen, er wollte von Bord gehen als er es hörte. „BLINDE PASSAGIERE! Im Beiboot!“ brüllte einer der Matrosen und deutete auf das kleine Boot in dem seine Begleiterin und die Zielperson waren. Alle starrten in die Richtung und der schreiende Matrose wollte sich schon daran machen die Seile des Bootes zu kappen, als es einmal laut knallte und der Matrose aufs Deck krachte, zwischen den Augen glänzte ein Einschussloch. Vincent hielt die qualmende Pistole in der Hand und lächelte in die Runde der entsetzten Gesichter.
„Gentleman … niemand rührt das Beiboot an oder ich verspreche euch ich brülle einmal laut und hier werden innerhalb weniger Sekunden noch mehr Waffen erscheinen … ich danke euch allen für eure Zusammenarbeit und ich halte mein Wort; das Boot gehört euch, macht damit was ihr wollt und betet zu eurer Gottheit dass wir uns nie wieder begegnen, denn das nächste mal bin ich nicht euer Kapitän sondern euer schlimmster Albtraum“
Und damit machte er sich daran das Schiff zu verlassen und stellte mit einem Seitenblick sicher dass seine „Fracht“ ebenfalls dabei war fortzukommen. Die verwunderte Crew ließ er zurück, schlenderte gen Taverne und machte sich daran in Ruhe einen Schluck zu trinken. Er war wieder zurück …
Vincent sah in die Gesichter eines jeden Einzelnen und lächelte schmal. „Herrschaften, euch ist sicher aufgefallen dass die Weiber von Bord sind, nich wahr? Auch die Matrosin … soll ich euch sagen woran das liegt? Sie wissen was mit diesem Schiff passieren wird oder besser gesagt; was ihm mit diesem Kapitän geschehen wird …“ es hatte schon seine erste Wirkungen getan, die misstrauischen Blicke, das Schauern dass dem einen oder anderen über den Rücken lief aber Vincent fuhr fort, „… und was ist eigentlich mit eurem Lohn? Ich hab noch nicht gesehen dass man euch schon ausgezahlt hätte … ist es üblich dass man euch so lange zappeln lässt? Ich sag euch was … der Mann weiß was auf euch zukommt und will uns alle mit ins Verderben reißen, wozu euch dann noch sein teures Gold geben welches er bei Krathor verpulvern kann?“. Manchmal war selbst Vincent erstaunt was für einen Mist er von sich geben konnte aber dies war die Art von Mist, den diese Kerle hören wollten und das zustimmende Gemurre bestärkte ihn nur in seinen Ansichten.
„Joa und was machen wa?“ fragte einer der Mitglieder, doch die Antwort kam direkt von hinten „Meuterei!“ und was dann folgte war ein zustimmendes „Aye!“ „Abe wer macht de Job … ? Kenn niemand der de Schiff steuern kann …“ kam es dann hervor und nun war sein Zeitpunkt gekommen. „Nun Herrschaften … zufällig bin ich bereits einmal Kapitän eines Schiffes gewesen, ich kann uns heil in einen sicheren Hafen bringen, danach steht’s euch frei mit dem Kahn zu machen was ihr wollt, ich will ihn nicht. Verkauft ihn, sucht euch nen neuen Kapitän … macht euch n gutes Leben … aber lasst mich das Schiff erstmal hier wegbringen.“ Er sah in die Miene eines jeden Einzelnen. Manchen gefiel dieser Plan nicht aber die meisten dachten schon an den Part der „reichen Leute“ und nickten eifrig, und so war es beschlossen.
Eigentlich konnte ihm der Kapitän leid tun, aber es war ein schnelles Ende. Vincent hatte erwähnt dass es sicherer sei, seinen toten Leib der See zu überlassen, dass sie ihn auch ja verschlingen möge und ihn und seinen Fluch der Weibsbilder mit in die Tiefe ziehen möge. Es war erstaunlich wie schnell sie alle hocheilten nach seinen Worten, den Kapitän die Kehle durchschnitten und ihn johlend über Bord warfen. Eine traurige Angelegenheit und irgendwie hoffte er instinktiv dass seine Crew nicht so leicht zu manipulieren sein würde, wenn er bald auf der La Cabeza stehen würde.
Der neue Kurs war schnell gegeben und das erste Gemurmel kam auf. „Käpt’n … das is Rahal.“ Vincent nickte nur. „Aye, Rahal, aber keine Sorge wir werden keine Probleme dort haben … es hat nen guten Grund wieso wir den Hafen anlaufen, glaubt mir. Außerdem könnt ihr dort eure überschüssige Ware loswerden, Berchgard als Handwerksstadt würde da nur drüber lachen.“ Auch hier schien seine Argumentation sehr logisch und man stellte keine Fragen. Das Schiff nahm Kurs auf Rahal und ein zufriedener Vincent blickte drein.
Nach vielen Stunden war es dann auch erreicht, „LAND IN SICHT!“, Rahal lag vor ihnen und damit das Ende seines kleinen Gefallens für seine Begleiterin. Er hatte sich zwischenzeitlich vergewissert dass sie auch tatsächlich in einem der Beiboote war und nun machte er sich bereit anzulegen. Es lief beinahe alles ohne irgendwelche Probleme, die Crew war dabei auszuladen, er wollte von Bord gehen als er es hörte. „BLINDE PASSAGIERE! Im Beiboot!“ brüllte einer der Matrosen und deutete auf das kleine Boot in dem seine Begleiterin und die Zielperson waren. Alle starrten in die Richtung und der schreiende Matrose wollte sich schon daran machen die Seile des Bootes zu kappen, als es einmal laut knallte und der Matrose aufs Deck krachte, zwischen den Augen glänzte ein Einschussloch. Vincent hielt die qualmende Pistole in der Hand und lächelte in die Runde der entsetzten Gesichter.
„Gentleman … niemand rührt das Beiboot an oder ich verspreche euch ich brülle einmal laut und hier werden innerhalb weniger Sekunden noch mehr Waffen erscheinen … ich danke euch allen für eure Zusammenarbeit und ich halte mein Wort; das Boot gehört euch, macht damit was ihr wollt und betet zu eurer Gottheit dass wir uns nie wieder begegnen, denn das nächste mal bin ich nicht euer Kapitän sondern euer schlimmster Albtraum“
Und damit machte er sich daran das Schiff zu verlassen und stellte mit einem Seitenblick sicher dass seine „Fracht“ ebenfalls dabei war fortzukommen. Die verwunderte Crew ließ er zurück, schlenderte gen Taverne und machte sich daran in Ruhe einen Schluck zu trinken. Er war wieder zurück …
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Fiona Wulfenmoor
Ab und an hatte sie während der Überfahrt einen Blick aus dem Beiboot heraus riskiert um den Sonnenstand zu überprüfen oder sich anhand der Sterne zu orientieren. Es war ja nicht so, daß sie ihrem Begleiter nicht traute, es war nur - sie traute ihm einfach nicht. Aber er traute seiner neuen Besatzung wohl auch einfach nicht weit genug um La Cabeza an zu steuern. Entweder das oder sie kannte ihn doch schlechter als sie dachte.
Im Hafen Rahals angekommen wartete sie geduldig bis die Matrosen die Ladung gelöscht hatten und die nächste Taverne ansteuerten ehe sie ihr Versteck verließ. Ihr Blick ging noch einmal gen Sephira.
"Hier trennen sich unsere Wege fürs erste. Erwähnt weder ihn noch mich fürs erste. Wir sehen uns."
Ohne eine Antwort ab zu warten machte sie sich auf zum Tor, das das Hafenviertel vom Rest der Stadt abtrennte. Über die Schulter sah sie noch einmal zurück zu der Taverne, in der es johlend hoch her ging. Sie kam nicht umhin zu grinsen.
"Willkommen in Caenia."
Im Hafen Rahals angekommen wartete sie geduldig bis die Matrosen die Ladung gelöscht hatten und die nächste Taverne ansteuerten ehe sie ihr Versteck verließ. Ihr Blick ging noch einmal gen Sephira.
"Hier trennen sich unsere Wege fürs erste. Erwähnt weder ihn noch mich fürs erste. Wir sehen uns."
Ohne eine Antwort ab zu warten machte sie sich auf zum Tor, das das Hafenviertel vom Rest der Stadt abtrennte. Über die Schulter sah sie noch einmal zurück zu der Taverne, in der es johlend hoch her ging. Sie kam nicht umhin zu grinsen.
"Willkommen in Caenia."