Mittag des 28. Rabenmond 250
... sie entrollte langsam das Pergament, unheilsverkündend prangte darauf das offizielle Siegel des Hohen Rates.
„Schon wieder eine Vorlandung! ..und auch noch unter dem „Schutz“ der Wachen!
„Das habe ich nur dieser ... dieser...Erfüllungsgehilfin Alliestra zu verdanken!“, bitter stieß ihr dieser Gedanke auf.
Doch der Boden unter ihren Füssen wurde langsam zu heiß, auch das nahe Kloster des verhassten Lichtes war kein Schutz mehr. Sie musste weg! Konnte sie Seine Botschaft auch andernorts verkünden, dass nur das Perfekte rein und vollkommen sei, hart und glasklar, wie ein Diamant! Danach ist zu streben! Nur eine perfekte Welt ist schön!...und alles unreine, minderwertige, körperlich und selig verkrüppelte, gehört ausgemerzt, zertreten unter unseren Absätzen, verbrannt in Seinem Feuer!... warm durchflutete es ihren hageren, sehnigen Körper, rötete ihr bleiches, strenges Gesicht – und gab ihr fast die Schönheit zurück, die einst hochstehende Herren betörte…..
Doch sie musste weg… heute noch… es eilte. Hatte sie nicht den ein wenig tumben Lamprecht nahe Bajard gesehen? Trotz seines geringen Verstandes ein kräftiger, loyaler Kerl! Er würde ihr helfen.
Früher Nachmittag des 28. Rabenmond 250
... ein Mann zu Pferd und eine hochgewachsene Frau nähern sich Polgaras Haus.
„Endlich hab ich euch gefunden, Herr Lamprecht! Kommt, bindet euer Pferd hier an“, raunt sie dem Manne zu, ihre kräftige, sehnige Hand deutet zu einem Pfosten in dem kleinen Stall. „Und kommt dann ins Haus… schnell, dass uns keiner sieht. Ich möchte keine Aufmerksamkeit erregen.“
Sie zieht einen Schlüssel hervor und öffnet eilig die recht massive Eisentüre des trutzigen, eckigen Steinhauses. Das Tor schwingt auf und beide verschwinden eilig im Inneren des Hauses. Von außen mag das Haus immer noch fast wie verlassen wirken, nur wenige der Straßenlaternen brennen, doch im Inneren bricht emsige Geschäftigkeit aus.
„Fingert nicht an dem Goldschmuck herum, Herr Lamprecht! Den verstaue ich schon selber! Hier, schlag die Möbel ab und verpackt alles in Truhen, die Kissen, Bilder und Vorhänge auch! Doch seid leise, auf dass man auf der Straße nichts hören mag!“, raunt Polgara dem Manne zu.
Truhe um Truhe füllt sich mit allerlei Wertvollem und Alltäglichem. Längst ist der Untergeschoss ausgeräumt und das Licht gelöscht, langsam wird es Abend.
„Psst!.. Klimpert nicht auf der Laute, Herr Lamprecht! Verpackt sie lieber. Gleich sind wir mit dem Wohnzimmer hier oben fertig. Dann noch das kleine Schlafzimmer und wir können alles auf die Pferde verladen.“
Abend des 28. Rabenmond 250
...Da! Sie zuckt deutlich zusammen. Ein festes Klopfen dröhnt von der Türe im Untergeschoß.
„Psst! Seid bloß still“, haucht sie, erstarrt in der Bewegung „Keinen Ton Herr Lamprecht!“
Es pocht lauter, energischer. „Im Name des hohen Rates von Varuna, öffnet !“ klingt eine raue, befehlsgewohnte Stimme.
„Wenn sie denken, dass Haus sei verlassen, dann gehen sie vielleicht wieder. Sitzt man erst einmal in den Kerkern von Varuna, werden sie ihre boshafte Fantasie an uns ausleben, Herr Lamprecht. Verhalten wir uns still.“
Kein Ton mag aus dem Hause zu hören sein, von draußen klingen soldatische Befehle und man hört ein Trampeln um das Haus. Im Inneren flackern noch ein paar einsame Kerzen im Obergeschoss und verlöschen dann. Nach einiger Zeit hört man innen ein metallisches Schaben und Klicken, das von der eisernen Eingangstür zu kommen scheint.
„Mmmh, sie versuchen das Schloss zu knacken!“, raunt fast höhnisch Polgaras Stimme zu dem Manne , der schon ein wenig verkrampft unbeweglich neben ihr kauert. „Der Soldat ist noch nicht geboren, der das Schloss eines meisterlichen Feinschmiedes zu knacken vermag!“ Die Antwort ist nur ein schwer deutbares Grunzen…..
Später Abend des 28. Rabenmond 250
...mehr Leute scheinen vor dem Haus der Polgara Varga anzukommen. Man hört Stimmen, Hacken zusammenschlagen und salutieren….
„Herr Lamprecht! Kommt! Verstecken wir uns im Keller! Jetzt sind sie abgelenkt und hören uns nicht. Wer weiß, was sie noch aushecken, dieses Schergen des Grafen. Im Keller ist so ein Gerümpel, da findet sich leicht ein sicheres Versteck. Kommt!“ Polgaras Hand greift nach der des Mannes neben ihr und zieht ihn mit sich.
Im schwachen Schein der verglühenden Feuer , der aus dem offenen Kaminen kommt, huschen sie geschwind die Treppe hinunter, finden die Falltüre zum Kellergewölbe, öffnen sie lautlos und verschwinden im Keller.
Polgaras Hand tastet die raue, feuchte Kellerwand entlang, findet eine Fackel in der Halterung und zündet diese an.
Im flackernden Licht der Fackel sieht man wohl ein größeres Kellergewölbe mit allerlei Kisten, Truhen, Fässern, voller Staub und überspannt von jahrealten Spinnweben. In der fernen Ecke zeichnet sich etwas wie ein Verließ ab – ein kleiner Raum, umgeben von einem eisernen Gitter.
„Ihr habt ein Verließ?!“, entfährt es dem Mann. „Nun, das bringt mich auf eine Idee……..“
Die Beschlagnahmung des Hauses der Polgara Varga
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Polgara Varga
Die Beschlagnahmung des Hauses der Polgara Varga
Zuletzt geändert von Polgara Varga am Donnerstag 29. November 2007, 14:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Dumpfe Schreie drangen unter dem Boden des Schmiedehauses hinauf in die Stuben, die von den Reichssoldaten durchsucht wurden. Kurze Zeit später erhellte der erste Fackelschein das düstere Kellergewölbe. Und was die Soldaten dort im Dämmerlicht vorfanden, hatten sie wohl kaum erwartet:
Das unterirdische Gemäuer war voll geräumt mit allerlei Kisten und Truhen, verhangen von Spinnweben und belegt mit Staub. Doch in der hinteren Ecke, in der das Gejammer kam, befand sich eine mit eisernen Gitterstäben eingefaßte Zelle.
Und sie war nicht leer! Ein, bis auf einen linnenen Schurz um die Hüften, nackter Mann hing an den Gittern und rief keuchend um Hilfe.
Jener war schnell befreit, da das Zellenschloß nicht viel Widerstand leistete. Doch schien der Gefangene so sehr verängstigt, dass seine ersten Worte nur nach wirrem Zeug klangen. Erst als man ihn hinauf führte, war es nach und nach möglich in Erfahrung zu bringen, was er zu berichten hatte. Unter Tränen und immer wieder unterbrechend, um sich zu fassen, erzählte er von einem Oger, welcher ihn und Frau Varga vor Tagen in dem Hause überfallen und in dem Kellerloch eingeschlossen hätte. Etwas später sei er dann zurückgekehrt und hätte die Feinschmiedin mit sich gerissen.
Die Soldaten nahmen den Bericht recht unterschiedlich auf. Manchen tat der verängstigte Tropf leid, andere verlachten ihn und hießen ihn einen Wirrkopf.
So brachte man den Befreiten ins benachbarte Temora-Kloster, wo ihm, so oder so, Beistand geboten werden und er sich von den scheinbar widrigen Fährnissen der vergangenen Tage erholen sollte.
Das unterirdische Gemäuer war voll geräumt mit allerlei Kisten und Truhen, verhangen von Spinnweben und belegt mit Staub. Doch in der hinteren Ecke, in der das Gejammer kam, befand sich eine mit eisernen Gitterstäben eingefaßte Zelle.
Und sie war nicht leer! Ein, bis auf einen linnenen Schurz um die Hüften, nackter Mann hing an den Gittern und rief keuchend um Hilfe.
Jener war schnell befreit, da das Zellenschloß nicht viel Widerstand leistete. Doch schien der Gefangene so sehr verängstigt, dass seine ersten Worte nur nach wirrem Zeug klangen. Erst als man ihn hinauf führte, war es nach und nach möglich in Erfahrung zu bringen, was er zu berichten hatte. Unter Tränen und immer wieder unterbrechend, um sich zu fassen, erzählte er von einem Oger, welcher ihn und Frau Varga vor Tagen in dem Hause überfallen und in dem Kellerloch eingeschlossen hätte. Etwas später sei er dann zurückgekehrt und hätte die Feinschmiedin mit sich gerissen.
Die Soldaten nahmen den Bericht recht unterschiedlich auf. Manchen tat der verängstigte Tropf leid, andere verlachten ihn und hießen ihn einen Wirrkopf.
So brachte man den Befreiten ins benachbarte Temora-Kloster, wo ihm, so oder so, Beistand geboten werden und er sich von den scheinbar widrigen Fährnissen der vergangenen Tage erholen sollte.