Dem Reich den Rücken

Lanaya Shevanor

Beitrag von Lanaya Shevanor »

Unruhig waren die letzten Wochen auf See verlaufen. Nicht das Wetter war es dem die Schuld zu geben war. Viel mehr eine innere Unruhe gepaart mit dem Wissen um den Erfolg. Erfolg? War es das wirklich gewesen? So viele hatten ihr Leben gelassen, so viel Blut hatte sich mit der Erde vermischt. Sicherlich sie hatten erreicht was es zu erreichen galt und dennoch war sie unzufrieden. War es der schlichte Verdacht den sie viele Male bestätigt glaubte? Nachdenklich hatten sich die Augen verengt. Lanaya hatte eine Kammer für sich beansprucht und zog es vor den Großteil der Fahrt in stiller Einsamkeit dort zu verbringen. Vertrauen schenken wo man keines erntete? Eine Prüfung? Sie zermarterte sich den Kopf über diverse Hintergründe und dennoch glaubte sie die Antwort zu kennen.

Was wenn die größte Schwäche eines Menschen selbst Schwäche zeigte?

Sie kannte die Antwort, wusste welche Pfade man einschlug dem entgegen zu wirken und dennoch, sie hatte mehr erwartet. Doch was, was erwartete die Baronin eigentlich? Was wollte sie? Nicht einmal sich selbst konnte die Frage beantwortet werden. Einst schien ihr Pfad frei von allen Nebelschleiern doch rasch war sie in und mit den Schwaden gewandert. Ansichten hatten sich mit der Erfahrung geändert und nun hatte sie nach Monaten den Frieden in Shevon den es zu wahren galt. Beendet warf es mehr Fragen auf als sie Probleme in all der Zeit gelöst hatten. Ein Werkzeug unter vielen, so fühlte sie sich derweil. Nichts gab es daran zu beschönigen und nur weniges konnte man in kleidsamen Worten tarnen. Energisch wurde der Kopf geschüttelt, die hellen Strähnen flogen zurück und in einer kreisenden Bewegung massierte sie sich die Schläfen.

Jeder Schiff würde seinen Weg zurück in den Hafen finden. Alle hatten sie sicher durch das Meer gebracht doch Mannen, Mannen waren gefallen und jene die nicht den Dunkelfelser Truppen angehört hatten tanzten als Asche im Wind. Die Gefallenen aus Dunkelfels jedoch fanden sich an Deck der Schiffe. Ein grausames Bild. Kisten über Kisten mit bleichen, abgekochten Knochen die ihren Weg in die heimatliche Erde finden sollten. Sahen die Überlebenden ihre Kameraden in den Knochenhaufen? Würden sie sich an Gesichter erinnern oder würde man von den Kisten sprechen? Lanaya ließ die Hände sinken nachdem die kreisende Bewegung gestoppt hatte. Sorgsam wurde das Kleid glatt gestrichen und sie fing an die Haare zu kämmen. Mit jedem Bürstenstrich schien sie zu entspannen und langsam ließen die Kopfschmerzen nach. Warum zermarterte sie sich überhaupt den Kopf? Wer versagte musste die Folgen tragen das war bei ihr nicht anders und dennoch, gewisse Dinge würde sie fortan mit anderen Augen betrachten. Man wollte spielen? Bitte sehr, das konnte sie auch.

Lange würde es nicht mehr dauern ehe man Rahal erreichte und geraume Zeit zuvor mischte sie sich wieder unter die Besatzung. Zeigte sich gelassen, ruhig und stimmte in die Freude über den Sieg ein. Gespräche mit Ritter Rasakar und der Lethra rundeten viele Abende ab. Viel jemandem auf das sich etwas geändert hatte? Durfte sie es ihnen überhaupt nachsehen? Vermutlich hätte ihr die Lethra für das beständige Verschwinden in Shevon am Liebsten einen Dolch in den Rücken gejagt. Lange schien es zurück zu liegen und jetzt erst erfasste die Arkoritherin die ganze Tragweite ihrer kleinen Hinterlist. Niemand durfte es jemals erfahren. Doch hatte sie Zeit, viel Zeit ehe sie sich ernsthaft damit befassen musste. Bis dahin musste sie selbst es vergessen. Je näher sie den Gewässern der heiligen Stadt kamen desto öfter schien der tiefgrüne Blick der Lethra auf ihr zu ruhen. Bedauerte sie das ihr Unterfangen erfolgreich war? Vertrauen gab es keines unter diesen beiden Frauen. Sie respektierten einander und waren achtsam, vielleicht mehr doch zugeben würde es wohl keine. Man war stolz, vorsichtig und hatte gewisse Dinge eingebläut bekommen die wie von selbst griffen.

Laaaaand in Siiiiicht!

Rasch verbreitete sich der Ruf über die Decks hinweg und nahezu jeder fand sich ein um zuzusehen wie der Hafen näher kam. Man ankerte, lud ab, fand Freunde und Familie wieder. Nicht einen Blick hatte die Baronin für das geschäftige Treiben. Abermals setzten die Kopfschmerzen ein. Stechend, fordernd und endlich, endlich hörte sie auf sich zu wehren. Bedauernd war der Blick der Ritter Rasakar und Velvyr folgte. Nur zu gerne hätte sie mit ihnen die Residenz aufgesucht und den Bericht ergänzt. So jedoch zog sie es vor dem Ruf zu folgen. Vieles hatte sich ereignet in der Zeit die sie in Shevanor verbracht hatten. Stunde um Stunde sprach sie mit ihr und tauschte sich aus. Anweisungen, Vermutungen.. und Ratschläge... Lanaya war es gleich. Selbst nach all den Begebenheiten würde sie nicht auf die Vernunft hören. Nein, nicht mehr. Der Schritt zuweit machte eine Umkehr unmöglich. Zumindest erschien ihr dies in jenem Moment so. Erst am späten Abend zog es sie zurück in die Stadt. Man erwartete sie und aller Müdigkeit konnte man später gerecht werden.

Nur sehr langsam durchschritt die Arkoritherin die Gassen Rahals. Auch hier hatte sich vieles verändert doch manche Dinge mochten gleich geblieben sein. Nur kurz wanderte der Blick an den Mauern der Residenz hinauf ehe sie sich abwandte und die Gasse zum Palast entlang ging. Lanaya wusste genau wo sie zu suchen hatte und somit verschwendete sie keine Zeit. Fest umgriffen die blassen Finger die beiden Eisenringe und zogen die Türen auf. Nachtwind wehte ihr entgegen dann sah man sich auch schon an. Musternd, fragend wohl wussten Beide um gewisse, ungesagte Dinge. Doch so wenig Gewicht die Etikette hatte, jene man sie ob ihrer Herkunft gelehrt hatte, so sehr flossen hier andere Dinge mit ein. Man musste sie wahren und pflegen oder sein Bestreben kurzerhand über den Haufen werfen. Beide wussten es und beide hielten daran fest. Somit wurde auch hier eine gewisse 'Etikette' gewahrt. Nur wenig hatte sie ergänzen müssen der Bericht der tragenden Köpfe schien ausführlich gewesen zu sein. Schweigend hatte er gelauscht wohl lediglich dem Klang der Stimme und jeder Geste folgend um sie dann mit wenigen Worten gänzlich aus dem Takt zu bringen. Lythiana wäre schockiert gewesen, manch einer hätte ein Freudenfeuer entzündet Lanaya so zu sehen und sie selbst konnte sich nicht einmal über sich ärgern. Rolsar hatte es so ziemlich ins Schwarze getroffen und die Antwort kannte er ohnehin. Warum sich also verstellen? Mit einem müden doch ehrlichem Schmunzeln ließ sie die Wendung zu und vergaß zumindest für diesen Abend was sie viele Wochen der Heimfahrt gequält hatte.
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