Andrey
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Rayanar
Andrey
‚… wenn Ihr Euch also wieder einmal etwas Geld verdienen wollt, mein lieber Freund, dann nehmt Euch der Sache an. Andrey von Greifenbach darf das Lehen Hohenfels nicht mehr erreichen. Dieses Weib Elbenau muss begreifen, das niemand sich in meine Politik einmischt. Selbst ihre Flucht ins Kloster wird ihren Geliebten nicht schützen. Ein Gericht mag ihn für unschuldig erklären, ich aber erkenne ihn als schuldig an. Jeder der Elbenau unterstützt ist schuldig des Hochverrats am künftigen König Alumena’s. Macht Eure Sache gut, und Eure Belohnung wird ebenso gut sein. In sechs Tagen wird Greifenbach ein Schiff nach Bajard betreten. Der Kapitän ist ein guter Freund von Euch. Kümmert Euch darum, das es Greifenbachs letzte Reise wird …’
Mit einem unerwarteten Brief hatte es angefangen. Am Steg war er ihm begegnet – Andrey von Greifenbach, Offizier der Hohenfelser Truppen und Gardist. Kerzengerader Gang, wie man ihn nur bei Adel oder Garde kannte. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen ging er auf Andrey zu, ihm die Hand entgegenstreckend.
„Hochgebohren von Greifenbach, Euch hier zu sehen ist mir eine besondere Freude. Geht es wieder nach Haus, nach Varuna?“
Mit einem unerwarteten Brief hatte es angefangen. Am Steg war er ihm begegnet – Andrey von Greifenbach, Offizier der Hohenfelser Truppen und Gardist. Kerzengerader Gang, wie man ihn nur bei Adel oder Garde kannte. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen ging er auf Andrey zu, ihm die Hand entgegenstreckend.
„Hochgebohren von Greifenbach, Euch hier zu sehen ist mir eine besondere Freude. Geht es wieder nach Haus, nach Varuna?“
Zuletzt geändert von Rayanar am Mittwoch 3. Oktober 2007, 20:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Andrey von Greifenbach
Die Zeit schlägt manchmal große Wellen. Ein steiges Auf und Ab, gute Dinge, böse Dinge, hoch und runter.. glücklich seien jene, die der Seekrankheit des Lebens nicht anfällig sind...
So oder so ähnlich könnten die Gedanken Andreys gewesen sein, als er die nicht wirklich vertrauenserweckend klingende Planke zur "Seerose" beschritt. Er war auf Lameriast gewesen, auf dieser kleinen, unscheinbaren, aber doch so bedeutsamen Erhebung an der West-Küste, die den Namen "Insel" eigentlich nicht verdiente. Für ihn.. für sie Beide... war dort ein bedeutsamer Platz gewesen.
Gerade die letzten Geschehnisse um ihn hatten ihn aufgewühlt.. den beherrschten, geradlinigen Offizier an den Rand seiner Kräfte gebracht. Das bange Warten, die Verhandlung, die über viel mehr als sein Leben oder seinen Tod entscheiden sollte, der Angriff auf das Kloster, und nicht zuletzt die Buhlerei um das was ihm am Wichtigsten war, Darna. Es war zuviel geworden, und so zog er sich zurück auf diesen kleinen Fleck Erde, der ihm doch soviel geben konnte.
Tatsächlich war es ihm egal, ob jemand davon wusste. Es war ihm egal, ob jemand sein Fehlen bemerken würde, welche Konsequenzen sein Handeln viellleicht hervorrufen würde.. einfach egal. Ruhe, um seine alte Ausgeglichenheit wiederzuerlangen, das war das einzigste, was noch zählte. Letztendlich hatte er sich so auch mehr Zeit zugestanden, als er ursprünglich eingeplant hatte, und das Knarzen der Planke rief ihm diesen Umstand noch einmal deulich ins Bewusstsein. Es wurde Zeit.
******
Die "Seerose" hatte Bajard als Anlaufpunkt nicht unmittelbar als Nächstes eingeplant, sondern würde mehrere Tage brauchen, um kleine Anlaufstellen abzugrasen. Er machte sich darauf gefasst, ein Donnerwetter zu erzeugen, wenn er wieder zuhause ankam. So blieb ihm nicht viel Übrig, als die Zeit bis zur Ankunft totzuschlagen. Und so kam es ihm auch ganz recht, dass er gleich am Steg sehr freundlich von einem Mann empfangen wurde, der sich im weiteren Verlauf der Reise als Weinhändler entpuppte. Er war unheimlich charismatisch, sehr freundlich und zuvorkommend, und für Andrey eben ein idealer Gesprächpartner, um der Zeit zu trotzen und sich den angenehmen Gesprächen mit diesem Mann hinzugeben.
Neben oberflächlichen Gesprächen über Dies und Das, wie man sie eben sehr oft führte in seinem Leben, tauschten sie sich mit der Zeit auch über Persönlicheres aus. Der Mann war vertrauenswerweckend, und so erzählte Andrey ihm über die Abende hinweg verhältnismäßig viel über sich selbst, sein Leben auf Gerimor, und eben über jene Dinge, die in dieser Hinsicht bedeutsam für ihn waren. Vielleicht war es auch das Bedürfnis, nun endlich frei Sprechen zu können, wo es doch keine Geheimnisse mehr gab. Sein Leben lag nun offen auf dem Tisch, und zu seiner Verarbeitung gehörte es wohl auch, endlich diese Offenheit geniessen zu können... zu sprechen, zu reden, über Dinge, die sonst zuviel anrichten konnten. Zuviel Information...
Er habe eine Fuhre edelster und erlesenster Weine an Bord, die er für Adel und gehobenerem Stande auf Gerimor anzupreisen gedenke. Und so wundert es nicht, dass auch Andrey hier und da in den Genuß eines solchen Weines kam, sehr geschickt arrangiert vom Weinhändler, dem er innerlich Respekt zollen musste. Rein geschäftlich gesehen tat jener nämlich genau das, was man von einem findigen Kaufmanne erwarten würde: Er versuchte, mögliche Kunden einzuwickeln, so sich ihm die Gelegenheit bot. Andrey stellte für ihn offenbar eine solche Gelegenheit dar.
Auch als sich des Abends am Horizont endlich eine dünne Linie abzeichnete, die da die Küste Bajards beschrieb, saßen die Beiden an Deck, und Andrey schwenkte in seiner Hand eine edlen süßen Tropfen.
"Den hab ich uns mal bis zuletzt aufgehoben, damit ihr bei eurer Ankunft, nur das Beste in Erinnerung habt."
Er zwinkerte, und ein dezentes Heben der Mundwinkel deutet auf seine Amüsanz, als Andrey nur wissend nickte und das Glas ansetzte, um dem Manne den Gefallen zu tun, seinen Wein schon in sicheren Tüchern zu sehen.
In einer anderen Situation hätte er vielleicht innegehalten, nachdenklich geworden durch den seltsamen Glanz in den Augen des Händlers, als er die ersten Schlücke nahm. An jenem Abend jedoch.. nein. Es gab andere Dinge, die Wiederkehr, die erlangte, aber so irrtümliche Gewissheit, dass es jetzt vermutlich eine bessere, ruhigere Zeit geben würde, die dem Offizier einen Teil seiner gewohnten Aufmerksamkeit und Scharfsinnigkeit nahm.
Sein letzter Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, bevor er betäubt und gelähmt durch den Zusatz im Wein mit dem Kopf auf das Deck knallte, vereinte Resignation und Trauer in sich.
Es tut mir so leid...
So oder so ähnlich könnten die Gedanken Andreys gewesen sein, als er die nicht wirklich vertrauenserweckend klingende Planke zur "Seerose" beschritt. Er war auf Lameriast gewesen, auf dieser kleinen, unscheinbaren, aber doch so bedeutsamen Erhebung an der West-Küste, die den Namen "Insel" eigentlich nicht verdiente. Für ihn.. für sie Beide... war dort ein bedeutsamer Platz gewesen.
Gerade die letzten Geschehnisse um ihn hatten ihn aufgewühlt.. den beherrschten, geradlinigen Offizier an den Rand seiner Kräfte gebracht. Das bange Warten, die Verhandlung, die über viel mehr als sein Leben oder seinen Tod entscheiden sollte, der Angriff auf das Kloster, und nicht zuletzt die Buhlerei um das was ihm am Wichtigsten war, Darna. Es war zuviel geworden, und so zog er sich zurück auf diesen kleinen Fleck Erde, der ihm doch soviel geben konnte.
Tatsächlich war es ihm egal, ob jemand davon wusste. Es war ihm egal, ob jemand sein Fehlen bemerken würde, welche Konsequenzen sein Handeln viellleicht hervorrufen würde.. einfach egal. Ruhe, um seine alte Ausgeglichenheit wiederzuerlangen, das war das einzigste, was noch zählte. Letztendlich hatte er sich so auch mehr Zeit zugestanden, als er ursprünglich eingeplant hatte, und das Knarzen der Planke rief ihm diesen Umstand noch einmal deulich ins Bewusstsein. Es wurde Zeit.
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Die "Seerose" hatte Bajard als Anlaufpunkt nicht unmittelbar als Nächstes eingeplant, sondern würde mehrere Tage brauchen, um kleine Anlaufstellen abzugrasen. Er machte sich darauf gefasst, ein Donnerwetter zu erzeugen, wenn er wieder zuhause ankam. So blieb ihm nicht viel Übrig, als die Zeit bis zur Ankunft totzuschlagen. Und so kam es ihm auch ganz recht, dass er gleich am Steg sehr freundlich von einem Mann empfangen wurde, der sich im weiteren Verlauf der Reise als Weinhändler entpuppte. Er war unheimlich charismatisch, sehr freundlich und zuvorkommend, und für Andrey eben ein idealer Gesprächpartner, um der Zeit zu trotzen und sich den angenehmen Gesprächen mit diesem Mann hinzugeben.
Neben oberflächlichen Gesprächen über Dies und Das, wie man sie eben sehr oft führte in seinem Leben, tauschten sie sich mit der Zeit auch über Persönlicheres aus. Der Mann war vertrauenswerweckend, und so erzählte Andrey ihm über die Abende hinweg verhältnismäßig viel über sich selbst, sein Leben auf Gerimor, und eben über jene Dinge, die in dieser Hinsicht bedeutsam für ihn waren. Vielleicht war es auch das Bedürfnis, nun endlich frei Sprechen zu können, wo es doch keine Geheimnisse mehr gab. Sein Leben lag nun offen auf dem Tisch, und zu seiner Verarbeitung gehörte es wohl auch, endlich diese Offenheit geniessen zu können... zu sprechen, zu reden, über Dinge, die sonst zuviel anrichten konnten. Zuviel Information...
Er habe eine Fuhre edelster und erlesenster Weine an Bord, die er für Adel und gehobenerem Stande auf Gerimor anzupreisen gedenke. Und so wundert es nicht, dass auch Andrey hier und da in den Genuß eines solchen Weines kam, sehr geschickt arrangiert vom Weinhändler, dem er innerlich Respekt zollen musste. Rein geschäftlich gesehen tat jener nämlich genau das, was man von einem findigen Kaufmanne erwarten würde: Er versuchte, mögliche Kunden einzuwickeln, so sich ihm die Gelegenheit bot. Andrey stellte für ihn offenbar eine solche Gelegenheit dar.
Auch als sich des Abends am Horizont endlich eine dünne Linie abzeichnete, die da die Küste Bajards beschrieb, saßen die Beiden an Deck, und Andrey schwenkte in seiner Hand eine edlen süßen Tropfen.
"Den hab ich uns mal bis zuletzt aufgehoben, damit ihr bei eurer Ankunft, nur das Beste in Erinnerung habt."
Er zwinkerte, und ein dezentes Heben der Mundwinkel deutet auf seine Amüsanz, als Andrey nur wissend nickte und das Glas ansetzte, um dem Manne den Gefallen zu tun, seinen Wein schon in sicheren Tüchern zu sehen.
In einer anderen Situation hätte er vielleicht innegehalten, nachdenklich geworden durch den seltsamen Glanz in den Augen des Händlers, als er die ersten Schlücke nahm. An jenem Abend jedoch.. nein. Es gab andere Dinge, die Wiederkehr, die erlangte, aber so irrtümliche Gewissheit, dass es jetzt vermutlich eine bessere, ruhigere Zeit geben würde, die dem Offizier einen Teil seiner gewohnten Aufmerksamkeit und Scharfsinnigkeit nahm.
Sein letzter Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, bevor er betäubt und gelähmt durch den Zusatz im Wein mit dem Kopf auf das Deck knallte, vereinte Resignation und Trauer in sich.
Es tut mir so leid...
Zuletzt geändert von Andrey von Greifenbach am Dienstag 9. Oktober 2007, 12:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Darna von Hohenfels
Und wieder ein Goldblatt
Brauchte es überhaupt noch einen bestimmten Auslöser, oder war es egal, was geschah und was ihr unter die Augen kam? Ein paar Kissen vor dem Kamin, ein Gang durchs Kastell, ein Blick auf das Datum, eine handvoll plump anmutender Verse, um rettungslos nur noch an ihn zu denken.
Ich krieg von dir niemals genug, du bist in jedem Atemzug, alles dreht sich nur um dich...
Cenania schaute ihr hinterher und folgte ihr, als sie nach einem Besuch des Kastells zu absurd nächtllicher Stunde aus dem Mannschaftsraum des Kastells marschierte - floh. Ein blinder mit Krückstock von hinten musste bei diesen Fragen merken, daß was nicht stimmte. Was mit Kisten vermisster Gardisten geschehe... was mit Kisten verstorbener Gardisten geschehe...
Sie folgte Darna bis zum Südtor. Dort verschwand sie in der Maueranlage und tauchte oben auf den Zinnen wieder auf.
Mitten auf dem zweiten Wehrgang, der sich über die große Südtorbrücke erstreckte, hatte sie dann gestanden, mehrere Stunden, reglos, Wind und Regen stoisch hinnehmend. Es war nicht das erste Mal, daß sie so hier stand. Es war nicht das erste Mal, daß sie auf ihn wartete. Auf den ersten Menschen, den sie je geliebt hatte - ein Glück, daß sie überhaupt nicht in Betracht zu ziehen gewagt hatte. Doch er hatte sich für sie interessiert. Sie, niemanden sonst.
...warum ausgerechnet ich?
Nun wollte sie ihn und dieses Gefühl nicht mehr missen. Aber genau das war der Fall, denn er war weg. Einfach verschwunden. Als er für drei Monate an die Ostgrenzen des Reiches musste, hatte sie auf seine Rückkehr gewartet, hier, an der Südtorbrücke. Im Goldblatt hatte sie gewartet, wie sie es versprochen hatte.
Zähl die Stunden, die Sekunden, doch die Zeit scheint stillzustehn...
Nun wartete sie, weil es der letzte irrsinnige Rest Hoffnung war, den sie noch hatte. Ein Strohalm, an den sie sich klammerte. Wahrlich, oft genug hatte sie ihm Sorgen gemacht, und auch an ihm, für ihn, hatte sie mehr als genug erlitten und durchgemacht. Streitigkeiten und Versöhnungen, Schicksalsschläge und ein Zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Sie hatten einander Hoffnung gegeben und zur Verzweiflung getrieben.
Aber wie lange sollte dies hier noch währen?
Wie lange sollte sie noch warten ohne jeden Hinweis auf eine Wiederkehr?
Hab mich geschunden, gewunden - lass mich gehn! Was willst du noch? Willst du meine Tage zähln? Warum musst du mich mit meiner Sehnsucht quäln?
Sie sollte ihn in ihrem Herzen bewahren, sie sollte sich davon nicht aufreiben lassen, sie sollte loslassen, sie sollte die Hoffnung nicht aufgeben...
Ich bin zerrissen. Wann kommst du meine Wunden küssen?
Es war Goldblatt, und es war wohl eine gute Portion blankes Mitleid, daß Savea neben ihr stand, als sie sich nochmals wider allen besseren Wissens auf die Südtorbrücke stellte. Erinnerungen wurden heraufbeschworen, und irgendwann schloß sie die Augen, als sie Andreys Stimme fast wieder zu hören glaubte, wie er hinter ihr auftauchte, ihren Namen rief... Was, wenn er jetzt käme? Jetzt, ausgerechnet jetzt? Ihr ganzer Körper zitterte vor Anspannung. Irgend etwas in ihr schrie, es wäre heute Nacht die letzte der möglichen, daß sie noch die Kraft hatte, auf ihn zu warten. "Bitte... komm zurück!"
Du bist schon da, ganz nah. Ich kann Dich spür'n, laß mich verführ'n, laß mich entführ'n - heute Nacht zum letzten Mal ergeben deiner Macht.
Was musste sie tun, um ihn zurückzubekommen? Was würde sie nicht alles dafür geben?
Reich mir die Hand, mein Leben? Nenn mir den Preis. Ich schenk' Dir gestern, heut und morgen...
Es ging nicht. Sie würde niemals alles zahlen, ihr würde niemals alles andere egal sein. Sie hatte sich einem Leben verschworen, in dem die Mittel zum Erreichen des Zieles niemals gleichgültig waren. Ein Eid, von dem sie niemals Abstand nehmen würde.
Kein Weg zurück - das weiße Licht kommt näher Stück für Stück...
Sie musste es hinnehmen, wie es war. Sie musste ihre Ehre wahren, indem sie ihm treu blieb. Egal, wie es um ihn stehen mochte. Sie hatte es ihm und Temora versprochen.
Will mich ergeben.
Nur, wie sie ihre Gefühle einschließen und in Reinheit bewahren sollte, ohne zu verzweifeln, ohne den Verstand zu verlieren, ohne zu vereinsamen, ohne je Gefahr zu laufen, neu zu lieben... das wusste sie noch nicht.
Muß ich denn sterben
um zu leben?
(Text in oliv: Auszüge aus Falco "Out of the dark")
Brauchte es überhaupt noch einen bestimmten Auslöser, oder war es egal, was geschah und was ihr unter die Augen kam? Ein paar Kissen vor dem Kamin, ein Gang durchs Kastell, ein Blick auf das Datum, eine handvoll plump anmutender Verse, um rettungslos nur noch an ihn zu denken.
Ich krieg von dir niemals genug, du bist in jedem Atemzug, alles dreht sich nur um dich...
Cenania schaute ihr hinterher und folgte ihr, als sie nach einem Besuch des Kastells zu absurd nächtllicher Stunde aus dem Mannschaftsraum des Kastells marschierte - floh. Ein blinder mit Krückstock von hinten musste bei diesen Fragen merken, daß was nicht stimmte. Was mit Kisten vermisster Gardisten geschehe... was mit Kisten verstorbener Gardisten geschehe...
Sie folgte Darna bis zum Südtor. Dort verschwand sie in der Maueranlage und tauchte oben auf den Zinnen wieder auf.
Mitten auf dem zweiten Wehrgang, der sich über die große Südtorbrücke erstreckte, hatte sie dann gestanden, mehrere Stunden, reglos, Wind und Regen stoisch hinnehmend. Es war nicht das erste Mal, daß sie so hier stand. Es war nicht das erste Mal, daß sie auf ihn wartete. Auf den ersten Menschen, den sie je geliebt hatte - ein Glück, daß sie überhaupt nicht in Betracht zu ziehen gewagt hatte. Doch er hatte sich für sie interessiert. Sie, niemanden sonst.
...warum ausgerechnet ich?
Nun wollte sie ihn und dieses Gefühl nicht mehr missen. Aber genau das war der Fall, denn er war weg. Einfach verschwunden. Als er für drei Monate an die Ostgrenzen des Reiches musste, hatte sie auf seine Rückkehr gewartet, hier, an der Südtorbrücke. Im Goldblatt hatte sie gewartet, wie sie es versprochen hatte.
Zähl die Stunden, die Sekunden, doch die Zeit scheint stillzustehn...
Nun wartete sie, weil es der letzte irrsinnige Rest Hoffnung war, den sie noch hatte. Ein Strohalm, an den sie sich klammerte. Wahrlich, oft genug hatte sie ihm Sorgen gemacht, und auch an ihm, für ihn, hatte sie mehr als genug erlitten und durchgemacht. Streitigkeiten und Versöhnungen, Schicksalsschläge und ein Zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Sie hatten einander Hoffnung gegeben und zur Verzweiflung getrieben.
Aber wie lange sollte dies hier noch währen?
Wie lange sollte sie noch warten ohne jeden Hinweis auf eine Wiederkehr?
Hab mich geschunden, gewunden - lass mich gehn! Was willst du noch? Willst du meine Tage zähln? Warum musst du mich mit meiner Sehnsucht quäln?
Sie sollte ihn in ihrem Herzen bewahren, sie sollte sich davon nicht aufreiben lassen, sie sollte loslassen, sie sollte die Hoffnung nicht aufgeben...
Ich bin zerrissen. Wann kommst du meine Wunden küssen?
Es war Goldblatt, und es war wohl eine gute Portion blankes Mitleid, daß Savea neben ihr stand, als sie sich nochmals wider allen besseren Wissens auf die Südtorbrücke stellte. Erinnerungen wurden heraufbeschworen, und irgendwann schloß sie die Augen, als sie Andreys Stimme fast wieder zu hören glaubte, wie er hinter ihr auftauchte, ihren Namen rief... Was, wenn er jetzt käme? Jetzt, ausgerechnet jetzt? Ihr ganzer Körper zitterte vor Anspannung. Irgend etwas in ihr schrie, es wäre heute Nacht die letzte der möglichen, daß sie noch die Kraft hatte, auf ihn zu warten. "Bitte... komm zurück!"
Du bist schon da, ganz nah. Ich kann Dich spür'n, laß mich verführ'n, laß mich entführ'n - heute Nacht zum letzten Mal ergeben deiner Macht.
Was musste sie tun, um ihn zurückzubekommen? Was würde sie nicht alles dafür geben?
Reich mir die Hand, mein Leben? Nenn mir den Preis. Ich schenk' Dir gestern, heut und morgen...
Es ging nicht. Sie würde niemals alles zahlen, ihr würde niemals alles andere egal sein. Sie hatte sich einem Leben verschworen, in dem die Mittel zum Erreichen des Zieles niemals gleichgültig waren. Ein Eid, von dem sie niemals Abstand nehmen würde.
Kein Weg zurück - das weiße Licht kommt näher Stück für Stück...
Sie musste es hinnehmen, wie es war. Sie musste ihre Ehre wahren, indem sie ihm treu blieb. Egal, wie es um ihn stehen mochte. Sie hatte es ihm und Temora versprochen.
Will mich ergeben.
Nur, wie sie ihre Gefühle einschließen und in Reinheit bewahren sollte, ohne zu verzweifeln, ohne den Verstand zu verlieren, ohne zu vereinsamen, ohne je Gefahr zu laufen, neu zu lieben... das wusste sie noch nicht.
Muß ich denn sterben
um zu leben?
(Text in oliv: Auszüge aus Falco "Out of the dark")
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Rayanar
Das Gift wirkte besser als er es vermutet hatte. Seit einigen Tagen saß der Offizier der Garde nun schon im Keller. Was für ein Gegensatz zu dem Mann, den er vor einigen Wochen in Empfang nehmen konnte. Ein Mann der wusste, wie er seine Worte wählte, ein Mann, der einiges erlebt hatte in seinem Leben. Und nun rann ihm der Speichel aus den Mundwinkeln, nicht in der Lage auch nur ein verständliches Wort über die Lippen zu bringen. Aber es war langweilig, es bereitete keinerlei Vergnügen, den Mann so reglos sitzen zu sehen, so reg- und machtlos. Wenn seine Geliebte und Varuna nicht genau wussten, wer ihren Offizier tötete, so sollte es zumindest Andrey selber erfahren. Er, der so geschwärmt hatte von Varuna, von seiner Zukünftigen, der Frau die so auf Temora vertraute.
Langsam drückte er sich nach oben, griff beiläufig zum Wasserkrug und ging zu seinem Gast hinüber. Es war beinahe verwunderlich, das sich dieser Mann auf dem Stuhl halten konnte. Aber man sagt Soldaten ja nach, dass sie selbst im Schlaf nicht von einem Stuhl fallen. Wenn dem so war, erklärte das auch, warum Andrey noch immer auf diesem saß. Nicht aufrecht saß, aber er war auch noch nicht herunter gefallen im Laufe seines Besuches. Selbst ein Schwall Wasser lies den Mann nicht aus seinem ‚Schlummer’ erwachen. Nun, dann musste es ohne seine Wahrnehmung funktionieren. Das Geschenk an seine Frau und den Rat Varunas konnte nicht mehr lange auf sich warten.
Der Brief an seine Frau war fertig. Es fehlte das Zeichen, um zu beweisen, das Andrey wirklich etwas zugestoßen war. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen wurde der Siegelring Andreys vom Finger gestreift. Der gerollte Brief wurde in den Ring geschoben. Ein kleines Stück Papier. Aber es würde den Weg zum Haus der Elbenaus finden. Wie immer, die Falltür zum Keller wurde mit einer Sprengfalle gesichert, ehe er seinen Weg ins nächtliche Lehen der Hohenfels beschritt. Die Strassen waren leer, nur der eine oder andre halbtrunkene Bauer oder Söldner war ihm auf dem Weg begegnet. Nur vor Varuna war Vorsicht geboten. Das Haus der Elbenaus war aber weit genug abseits der Stadt. Ein Wurf aus dem Handgelenk und der Brief würde spätestens am nächsten Morgen vor der Tür gefunden. Jetzt galt es, das nächste ‚Geschenk’ zu verteilen.
….
Am nächsten Morgen würde der erste Besucher vor Varuna, gerade außerhalb der Sichtweit der Gardisten auf den Zinnen, ein Paket sehen, oben geöffnet, ein Schreiben am Rand geheftet. ‚Für den Rat Varunas. Als Zeichen unserer Anerkennung. Möge das Licht Eure Suche erhellen.’ Jeder, der einen Blick in die Kiste warf, würde erkennen, dass ein abgetrennter Kopf in jenem schlummerte. Eine Ansammlung von Schaulustigen – und früher oder später auch von Gardisten war schwer zu vermeiden. Alles andere würde seinen Weg gehen. Es ging immer seinen Weg.
Langsam drückte er sich nach oben, griff beiläufig zum Wasserkrug und ging zu seinem Gast hinüber. Es war beinahe verwunderlich, das sich dieser Mann auf dem Stuhl halten konnte. Aber man sagt Soldaten ja nach, dass sie selbst im Schlaf nicht von einem Stuhl fallen. Wenn dem so war, erklärte das auch, warum Andrey noch immer auf diesem saß. Nicht aufrecht saß, aber er war auch noch nicht herunter gefallen im Laufe seines Besuches. Selbst ein Schwall Wasser lies den Mann nicht aus seinem ‚Schlummer’ erwachen. Nun, dann musste es ohne seine Wahrnehmung funktionieren. Das Geschenk an seine Frau und den Rat Varunas konnte nicht mehr lange auf sich warten.
Der Brief an seine Frau war fertig. Es fehlte das Zeichen, um zu beweisen, das Andrey wirklich etwas zugestoßen war. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen wurde der Siegelring Andreys vom Finger gestreift. Der gerollte Brief wurde in den Ring geschoben. Ein kleines Stück Papier. Aber es würde den Weg zum Haus der Elbenaus finden. Wie immer, die Falltür zum Keller wurde mit einer Sprengfalle gesichert, ehe er seinen Weg ins nächtliche Lehen der Hohenfels beschritt. Die Strassen waren leer, nur der eine oder andre halbtrunkene Bauer oder Söldner war ihm auf dem Weg begegnet. Nur vor Varuna war Vorsicht geboten. Das Haus der Elbenaus war aber weit genug abseits der Stadt. Ein Wurf aus dem Handgelenk und der Brief würde spätestens am nächsten Morgen vor der Tür gefunden. Jetzt galt es, das nächste ‚Geschenk’ zu verteilen.
….
Am nächsten Morgen würde der erste Besucher vor Varuna, gerade außerhalb der Sichtweit der Gardisten auf den Zinnen, ein Paket sehen, oben geöffnet, ein Schreiben am Rand geheftet. ‚Für den Rat Varunas. Als Zeichen unserer Anerkennung. Möge das Licht Eure Suche erhellen.’ Jeder, der einen Blick in die Kiste warf, würde erkennen, dass ein abgetrennter Kopf in jenem schlummerte. Eine Ansammlung von Schaulustigen – und früher oder später auch von Gardisten war schwer zu vermeiden. Alles andere würde seinen Weg gehen. Es ging immer seinen Weg.
Zuletzt geändert von Rayanar am Samstag 10. November 2007, 10:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Adrian von Hohenfels
Er wollte eben am Morgentee nippen, als Rafael leichenblass und mitgenommen wirkend, das Schreibzimmer stürmte, ihn zum Mitkommen bewegte. Seine Hinweise er solle den Schlaf suchen den er offenbar brauchte, überhörte Rafael mehr als offensichtlich. Mit eiligen Schritten folgte er dem Freund in Richtung der Familiengruft. Es bedurfte keiner vielen Worte.. sein Blick fiel bereits auf das scheussliche Paket, welches in die Kapelle verbracht worden war. Nur wenige Gardisten wussten, laut Rafaels Aussage, hiervon und waren zum Stillschweigen beordert.
Behutsam, wenn auch mit deutlichem Ekel im Gesicht ob des Anblickes, trug er selbst das Paket herunter in die Gruft. Die Drachenstatue mit der ewigen Flamme, dereinst ein Geschenk der Elfen zum Schutze der Gebeine Anaras, mochte er nun über den Kopf wachen. Vorsichtig legte er seinen Umhang über das Paket, den grausigen Anblick zu verdecken, bevor er wieder heraufschritt. Die Order Rafaels an die Gardisten unterstrich er nochmals streng. Niemand sollte die Kapelle und Gruft betreten, Fragen seien an ihn zu richten.
Rafael und er waren sich schnell einig. Rafael brach auf gen Kloster, während er selbst zum Hause Darna's ritt. Es würde sie schwer genug treffen. Sie sollte es wenigstens nicht aus dem Munde einer Person erfahren, die ihr nicht nahe stand und sie zu verstehen in der Lage war. Nochmals wurde er bleich, als die Gardisten am Hause ihm von einem Ring erzählten, der ihn mit einem Schreiben beinah vor die Füße geworfen wurde. Noch schien niemand im Hause wach zu sein, er würde warten. Die Wache war mit wenigen Worten angewiesen, jenes Schreiben und den Ring erst an die Hausherrin zu überreichen, nachdem er mit ihr hatte sprechen können.
Verhalten war sein Pochen an das hohe Tor des Anwesens. Einige Worte mit Fräulein Shaya wechselnd, kam man schließlich überein, dass er im Hause warten könne, bis Darna erwachte.. Er wusste nicht zu sagen ob es recht war, sie schlafen zu lassen, trotz dieser Nachrichten. Möglicherweise war dies allerdings auch der letzte einigermaßen ruhige Schlaf der ihr noch vergönnt war. Er wollte sie nicht aus diesem herausreißen.
Behutsam, wenn auch mit deutlichem Ekel im Gesicht ob des Anblickes, trug er selbst das Paket herunter in die Gruft. Die Drachenstatue mit der ewigen Flamme, dereinst ein Geschenk der Elfen zum Schutze der Gebeine Anaras, mochte er nun über den Kopf wachen. Vorsichtig legte er seinen Umhang über das Paket, den grausigen Anblick zu verdecken, bevor er wieder heraufschritt. Die Order Rafaels an die Gardisten unterstrich er nochmals streng. Niemand sollte die Kapelle und Gruft betreten, Fragen seien an ihn zu richten.
Rafael und er waren sich schnell einig. Rafael brach auf gen Kloster, während er selbst zum Hause Darna's ritt. Es würde sie schwer genug treffen. Sie sollte es wenigstens nicht aus dem Munde einer Person erfahren, die ihr nicht nahe stand und sie zu verstehen in der Lage war. Nochmals wurde er bleich, als die Gardisten am Hause ihm von einem Ring erzählten, der ihn mit einem Schreiben beinah vor die Füße geworfen wurde. Noch schien niemand im Hause wach zu sein, er würde warten. Die Wache war mit wenigen Worten angewiesen, jenes Schreiben und den Ring erst an die Hausherrin zu überreichen, nachdem er mit ihr hatte sprechen können.
Verhalten war sein Pochen an das hohe Tor des Anwesens. Einige Worte mit Fräulein Shaya wechselnd, kam man schließlich überein, dass er im Hause warten könne, bis Darna erwachte.. Er wusste nicht zu sagen ob es recht war, sie schlafen zu lassen, trotz dieser Nachrichten. Möglicherweise war dies allerdings auch der letzte einigermaßen ruhige Schlaf der ihr noch vergönnt war. Er wollte sie nicht aus diesem herausreißen.
Zuletzt geändert von Adrian von Hohenfels am Samstag 10. November 2007, 12:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Rafael von Arganta
Er hatte den Abend genutzt und wollte ihn alleine verbringen.
Wein, danach Rum hatten ihn die nötige Bettschwere gegeben als Rahel und danach auch noch Dalana gekommen waren.
Felicitas hätte der Anblick sicherlich nicht gefallen der er aus dem Bad kam und nicht wirklich viel an hatte.
Die Beiden Frauen musste es auch gewesen sein die ihn irgendwann ins Bett verfrachteten.
Er würde sich eigentlich verfluchen das sie ihn überhaupt so gesehen hatte, doch hatte er eigentlich überhaupt nicht die Tür aufmachen wollen für irgendwen.
Auch jetzt am frühen Morgen, wollte er das stürmische klingeln und Pochen ignorieren, obwohl das Pochen mehr in seinem Kopf war als an der Tür, aber das Klingeln hörte nicht auf, und schließlich quälte er sich aus dem Bett.
Eine Nacht ohne Alpträume, dafür aber nun der schwere Schädel und das flaue Gefühl im Magen.
Nie wieder...
Er trank doch sonst eigentlich gar nicht, außer mal einen Wein.
Nie wieder.... „Ja Ja, Ich komme ja schon.“ Grollt er als es wieder klingelte.
Hose und Hemd hatte er noch an, und so schob er das Hemd nur in die Hose hinein als er hinaus trat, einen Blick in den Augen die den Gardisten schlucken ließ der am Tor stand und erstinmal wich dieser zurück.
„Ich hoffe für euch es ist wichtig... ja es ist sehr sehr wichtig das ihr mich an einem so frühen Morgen meint aus meinem Schlaf reißen zu dürfen Gardist!“
Der Mann salutiert sofort, seine Hand zitternd als er meinte „Jawohl Sir!“
„Was also ist es? Brennt Varuna hat der Graf ...“ „Wir haben einen Kopf gefunden Sir!
In einem Karton Sir! Mit der Aufschrift an den Rat, Sir!“
Rafael hatte gerade noch etwas sagen wollen unterbrach sich und starrte den Mann vor sich an.
„Wie? Einen Kopf?!“ fragte er verwirrt nach.
„Einen Abgetrennten, Sir!“ entgegnete der Mann sofort, und Rafael verzog das Gesicht.
„Ja das dachte ich mir schon das es kein redender war.“ Zynisch.
„Sattelt mein Pferd.“ Er deutete mit dem Kopf auf Remus „ich bin sofort da.“
Er hätte nicht einmal einen Widerspruch gelten lassen, auch wenn der Gardist kein Stallknecht war. Ein Pferd satteln würde er ja wohl noch können.
Er selber ging zurück ins Haus und goss sich selber erst einmal ein paar Kübel kaltes Wasser über den Kopf. Bis er halbwegs klar denken konnte.
Ausgerechnet jetzt.
Dann zog er sich einen Mantel über und ging hinaus.
„Wie viele Leute wissen von dem Fund?“
„ Ich und die beiden Torwachen Sir.“ Meinte der Mann schneidig und reichte ihm die Zügel von Remus.
Rafael stieg sofort auf. „Und wo genau befindet sich dieses... Geschenk?“
„Vorne im Wachhaus Sir.“
Rafael nickte, dann gab er seinem Pferd die Sporen und preschte davon leise zu Temora betend sie würde ihm den Kopfschmerz nehmen.
Es war wohl der Frühe der Zeit zu verdanken das niemand ernsthaft verletzt wurde, als er so durch Berchgard preschte und die Gardisten hatten Mühe das Tor rechtzeitig vor ihm zu öffnen das er passieren konnte.
Den Gardisten selber hatte er längst zurück gelassen.
Die Beiden Torwachen waren sichtlich erleichtert als sie ihn sahen und Rafael verfügte sofort das man Sillschweigen bewahren sollte, über jenen Fund den er sich nun ansah.
Obwohl er selber schon viel erlebt hatte, hob es ihm fast den Magen aus.
Tote zu sehen war immer schlimm genug, besonders jedoch wenn man die Toten kannte.
„Andrey.“ Flüsterte er leise, und seufzte dann.
Das was man längst ahnte wurde nun zur Wahrheit.
„Ich unterrichte den Grafen.“ Meinte er nur mit tonloser Stimme, dann nahm der die kleine Kiste mit, stieg wieder auf sein Pferd und ritt zum Schloss.
Dieser Morgen würde wohl für einige Menschen mehr nicht gerade angenehm beginnen.
Wein, danach Rum hatten ihn die nötige Bettschwere gegeben als Rahel und danach auch noch Dalana gekommen waren.
Felicitas hätte der Anblick sicherlich nicht gefallen der er aus dem Bad kam und nicht wirklich viel an hatte.
Die Beiden Frauen musste es auch gewesen sein die ihn irgendwann ins Bett verfrachteten.
Er würde sich eigentlich verfluchen das sie ihn überhaupt so gesehen hatte, doch hatte er eigentlich überhaupt nicht die Tür aufmachen wollen für irgendwen.
Auch jetzt am frühen Morgen, wollte er das stürmische klingeln und Pochen ignorieren, obwohl das Pochen mehr in seinem Kopf war als an der Tür, aber das Klingeln hörte nicht auf, und schließlich quälte er sich aus dem Bett.
Eine Nacht ohne Alpträume, dafür aber nun der schwere Schädel und das flaue Gefühl im Magen.
Nie wieder...
Er trank doch sonst eigentlich gar nicht, außer mal einen Wein.
Nie wieder.... „Ja Ja, Ich komme ja schon.“ Grollt er als es wieder klingelte.
Hose und Hemd hatte er noch an, und so schob er das Hemd nur in die Hose hinein als er hinaus trat, einen Blick in den Augen die den Gardisten schlucken ließ der am Tor stand und erstinmal wich dieser zurück.
„Ich hoffe für euch es ist wichtig... ja es ist sehr sehr wichtig das ihr mich an einem so frühen Morgen meint aus meinem Schlaf reißen zu dürfen Gardist!“
Der Mann salutiert sofort, seine Hand zitternd als er meinte „Jawohl Sir!“
„Was also ist es? Brennt Varuna hat der Graf ...“ „Wir haben einen Kopf gefunden Sir!
In einem Karton Sir! Mit der Aufschrift an den Rat, Sir!“
Rafael hatte gerade noch etwas sagen wollen unterbrach sich und starrte den Mann vor sich an.
„Wie? Einen Kopf?!“ fragte er verwirrt nach.
„Einen Abgetrennten, Sir!“ entgegnete der Mann sofort, und Rafael verzog das Gesicht.
„Ja das dachte ich mir schon das es kein redender war.“ Zynisch.
„Sattelt mein Pferd.“ Er deutete mit dem Kopf auf Remus „ich bin sofort da.“
Er hätte nicht einmal einen Widerspruch gelten lassen, auch wenn der Gardist kein Stallknecht war. Ein Pferd satteln würde er ja wohl noch können.
Er selber ging zurück ins Haus und goss sich selber erst einmal ein paar Kübel kaltes Wasser über den Kopf. Bis er halbwegs klar denken konnte.
Ausgerechnet jetzt.
Dann zog er sich einen Mantel über und ging hinaus.
„Wie viele Leute wissen von dem Fund?“
„ Ich und die beiden Torwachen Sir.“ Meinte der Mann schneidig und reichte ihm die Zügel von Remus.
Rafael stieg sofort auf. „Und wo genau befindet sich dieses... Geschenk?“
„Vorne im Wachhaus Sir.“
Rafael nickte, dann gab er seinem Pferd die Sporen und preschte davon leise zu Temora betend sie würde ihm den Kopfschmerz nehmen.
Es war wohl der Frühe der Zeit zu verdanken das niemand ernsthaft verletzt wurde, als er so durch Berchgard preschte und die Gardisten hatten Mühe das Tor rechtzeitig vor ihm zu öffnen das er passieren konnte.
Den Gardisten selber hatte er längst zurück gelassen.
Die Beiden Torwachen waren sichtlich erleichtert als sie ihn sahen und Rafael verfügte sofort das man Sillschweigen bewahren sollte, über jenen Fund den er sich nun ansah.
Obwohl er selber schon viel erlebt hatte, hob es ihm fast den Magen aus.
Tote zu sehen war immer schlimm genug, besonders jedoch wenn man die Toten kannte.
„Andrey.“ Flüsterte er leise, und seufzte dann.
Das was man längst ahnte wurde nun zur Wahrheit.
„Ich unterrichte den Grafen.“ Meinte er nur mit tonloser Stimme, dann nahm der die kleine Kiste mit, stieg wieder auf sein Pferd und ritt zum Schloss.
Dieser Morgen würde wohl für einige Menschen mehr nicht gerade angenehm beginnen.
-
Andrey von Greifenbach
Er blinzelte.
Die Augen waren schwer wie Blei, und es kostete ihn bereits einen Großteil seiner ohnehin schwindenden Kraft, sie dennoch zu heben. Das bleiche, schwammige Licht der Kerzen in dem kleinen, nach Moder riechenden Gewölbe reichte aus, ihm einen stechenden Schmerz in den Schläfen zu schenken, als es auf seine Netzhäute traf.
Langsam nur begann das verschwommene, dumpfe Bild in seinen Augen Kontur zu gewinnen, und es dauerte sicherlich einige Minuten, bis es so scharf war, dass er seine Umgebung genau in Augenschein nehmen konnte. Ein systematischer Blick, endent in einer Abwärtsbewegung, und der Offizier der Garde und Schwerthüter der heiligen Klinge wusste, was Sache war.
Die ledernen, verstärkten Bänder an seinen Handgelenken schnitten ihm ins Fleisch, und seine Füße waren unsanft an den Stuhlbeinen gebunden, in einer sonderbaren Schräghaltung, die einen permanenten pochenden Schmerz in seine Lenden schickte.
Ausser einem Tisch mit verschiedenen offenbar metallenen Utensilien, durch das verschwommene Kerzenlicht nicht genau erkennbar, gab es nichts weiter, was eines genaueren Blickes würdig gewesen wäre.
Und das blieb auch so, für die nächsten 4 Tage.
*****************
Die kleine vermoderte Tür öffnete sich, und in gebückter Haltung trat ein Mann in das Kerzenlicht. Er war dunkel und unauffällig gekleidet, aber an der Art seines Ganges und der Form seiner Bewegungen erkannte Andrey, geschult durch seinen Beruf, sofort, um wen es sich handelte.
Thassio Weinberg.
Es dauerte eine Weile, bis der geschwächte Andrey diese Feststellung mit der dazugehörigen Konsequenz verbinden konnte, aber dann wurde ihm einiges klar.
Und als Andrey die Augen Thassios sehen konnte, wurde ihm auch klar, dass er womöglich nie wieder diesen Keller verlassen würde. Nicht lebend. Keiner wusste, dass er hier war.. wie auch? Keiner wusste, wo er vorher gewesen war, und so würde es auch keine Anhaltspunkte für die Garde geben, die nun sicherlich schon nach ihm suchen würde. Selbst auf magischem Wege dürfte es schwierig sein, denn Thassio machte dies wohl augenscheinlich nicht zum ersten Mal.
Aufrecht saß Andrey im Stuhl, ungeachtet der Schmerzen, seiner Schwäche. Was Anderes gestattete er sich nicht.
Sonderbar ruhig ruhte der Blick Thassios auf Andrey.. eine ganze Weile. Andrey erwiderte den Blick stumm.
"Wie ich sehe, habt ihr euch langsam mit den hiesigen Begebenheiten vertraut gemacht. Fein. So können wir sodenn die Floskeleien überspringen und zum Wesentlichen kommen.
Euer Tod wird gewünscht, aber ich bin sicher, ihr wisst das natürlich, ist euch diese Situation nicht fremd. Mein Auftraggeber wünscht jedoch, dass ich euch einige Informationen entlocke. Schliesslich müssen im gräflichen Schloß noch gewisse Dinge.. bereinigt werden."
Ebenso stumm wie seine Augen blieben auch seine Lippen.
Die metallenen Instrumente auf dem Tisch indes, erwiesen sich nicht als Hammer oder Zange für Feinschmiedearbeiten. Stattdessen entpuppten sie sich als das wohl ausgefeilteste und diffizilste Set an Folterwerkzeugen, welches Andrey je zu Gesicht bekam. Und da Andrey nicht willens war, seinen Mund zu Öffnen...
Nur der Gedanke an Darna.. an die einzigste Person, die den Schlüssel zu seinem Herzen kannte, wusste, wie man es öffnete und wieder verschloss, liess ihn die folgenden Tage wortlos überstehen. Würde er Reden.. würde er nachgeben, bedeutete dies das Ende ihres Lebens. Und nicht nur des Ihren.
Der Mann, den er als Thassio kannte, musste wohl eingesehen haben, dass er nicht reden würde. Der Körper missgestaltet und dem Verfall näher als dem Leben, flösste er Andrey eine klare, geschmacklose Flüssigkeit ein.
"Ich muss feststellen, ich habe euch unterschätzt, Hochgeboren Andrey von Greifenbach. Aber das spielt keine Rolle. Sterben werdet ihr so oder so, und der Zeitpunkt eures Todes ist _jetzt_.
Ihr sollt wissen... ich bin kein Weinhändler. Ich heisse auch nicht Thassio Weinberg. Ich heisse....."
*******************
Schwärze. Nichts als Schwärze, als Andrey nach Tagen.. Wochen der Strapaze entgültig im Stuhl zusammensackte.
So erfuhr er niemals, wie sein Mörder nun wirklich hiess. Er würde auch nie erfahren, wie es soweit kommen sollte. Nichts mehr würde er erfahren.
******************
Letztlich bleibt nur das, was nach dem Tode kommt. Im Glauben an die Tugendbringerin muss man davon ausgehen, dass die Seelen der Verstorbenen das Licht und die ewige Erlösung finden.
Andrey wird dieses Licht gesehen haben, bevor er ein Teil davon wurde. Alles verblasste vor jenem Angesicht, dessen Name unwichtig war. Den Weg, den er beschritten hatte, er hatte das Ziel gefunden. Die Tugendbringerin würde ihre Arme für den verlorenen Sohn öffnen, der alles in seinem Leben daran gesetzt hatte, Fatales wieder gut zu machen und dem rechten Wege zu folgen, für sich und Andere.
Viele Menschen begleiteten ihn auf diesem Weg. Standen ihm bei, wenn er nicht mehr zu sehen war, wenn eine Schlucht aufklaffte, die das scheinbare Ende aufwies.
Adrian von Hohenfels, Rafael de Arganta, Endurael Talan, Hudgarr Amarth.. aber auch Menschen, die ihn irgendwann aus irgendwelchen Gründen alleine auf diesem Weg gelassen hatten, zumeist, weil sie vor der Zeit das Licht fanden. Leonora Morgentau, Aradan Krenor, Gray Darinor.. selbst Letast, der eigen der falschen Abzweigung folgte, gehörte einst dazu.
Viele mehr noch, die die nötige Aufmerksamkeit verdienen... viele Namen, jedoch jeder für sich eine schillernde Persönlichkeit.
Die Schillerndste von Allen ist Darna, und auch wenn sie hier als Letztes genannt wird, gebührt ihr Allein der erste Platz im Herzen Andreys. Niemand Anders.
Und so kam es, dass Andreys letzter Gedanke, obschon in den mentalen Wirren des Giftes verfangen, der Frau galt, die sein Leben erst Lebenswert gemacht hatte.
Und das blieb auch so, als das schwere, unheilverkündende Sirren der Henkersaxt immer näher kam, ohne dass er es wirklich noch zur Kenntnis nahm.
Als der Kopf Andrey über den Boden rollte, waren seine Lippen geschlossen, zuletzt den Namen seiner einzigen Liebe hauchend...
Die Augen waren schwer wie Blei, und es kostete ihn bereits einen Großteil seiner ohnehin schwindenden Kraft, sie dennoch zu heben. Das bleiche, schwammige Licht der Kerzen in dem kleinen, nach Moder riechenden Gewölbe reichte aus, ihm einen stechenden Schmerz in den Schläfen zu schenken, als es auf seine Netzhäute traf.
Langsam nur begann das verschwommene, dumpfe Bild in seinen Augen Kontur zu gewinnen, und es dauerte sicherlich einige Minuten, bis es so scharf war, dass er seine Umgebung genau in Augenschein nehmen konnte. Ein systematischer Blick, endent in einer Abwärtsbewegung, und der Offizier der Garde und Schwerthüter der heiligen Klinge wusste, was Sache war.
Die ledernen, verstärkten Bänder an seinen Handgelenken schnitten ihm ins Fleisch, und seine Füße waren unsanft an den Stuhlbeinen gebunden, in einer sonderbaren Schräghaltung, die einen permanenten pochenden Schmerz in seine Lenden schickte.
Ausser einem Tisch mit verschiedenen offenbar metallenen Utensilien, durch das verschwommene Kerzenlicht nicht genau erkennbar, gab es nichts weiter, was eines genaueren Blickes würdig gewesen wäre.
Und das blieb auch so, für die nächsten 4 Tage.
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Die kleine vermoderte Tür öffnete sich, und in gebückter Haltung trat ein Mann in das Kerzenlicht. Er war dunkel und unauffällig gekleidet, aber an der Art seines Ganges und der Form seiner Bewegungen erkannte Andrey, geschult durch seinen Beruf, sofort, um wen es sich handelte.
Thassio Weinberg.
Es dauerte eine Weile, bis der geschwächte Andrey diese Feststellung mit der dazugehörigen Konsequenz verbinden konnte, aber dann wurde ihm einiges klar.
Und als Andrey die Augen Thassios sehen konnte, wurde ihm auch klar, dass er womöglich nie wieder diesen Keller verlassen würde. Nicht lebend. Keiner wusste, dass er hier war.. wie auch? Keiner wusste, wo er vorher gewesen war, und so würde es auch keine Anhaltspunkte für die Garde geben, die nun sicherlich schon nach ihm suchen würde. Selbst auf magischem Wege dürfte es schwierig sein, denn Thassio machte dies wohl augenscheinlich nicht zum ersten Mal.
Aufrecht saß Andrey im Stuhl, ungeachtet der Schmerzen, seiner Schwäche. Was Anderes gestattete er sich nicht.
Sonderbar ruhig ruhte der Blick Thassios auf Andrey.. eine ganze Weile. Andrey erwiderte den Blick stumm.
"Wie ich sehe, habt ihr euch langsam mit den hiesigen Begebenheiten vertraut gemacht. Fein. So können wir sodenn die Floskeleien überspringen und zum Wesentlichen kommen.
Euer Tod wird gewünscht, aber ich bin sicher, ihr wisst das natürlich, ist euch diese Situation nicht fremd. Mein Auftraggeber wünscht jedoch, dass ich euch einige Informationen entlocke. Schliesslich müssen im gräflichen Schloß noch gewisse Dinge.. bereinigt werden."
Ebenso stumm wie seine Augen blieben auch seine Lippen.
Die metallenen Instrumente auf dem Tisch indes, erwiesen sich nicht als Hammer oder Zange für Feinschmiedearbeiten. Stattdessen entpuppten sie sich als das wohl ausgefeilteste und diffizilste Set an Folterwerkzeugen, welches Andrey je zu Gesicht bekam. Und da Andrey nicht willens war, seinen Mund zu Öffnen...
Nur der Gedanke an Darna.. an die einzigste Person, die den Schlüssel zu seinem Herzen kannte, wusste, wie man es öffnete und wieder verschloss, liess ihn die folgenden Tage wortlos überstehen. Würde er Reden.. würde er nachgeben, bedeutete dies das Ende ihres Lebens. Und nicht nur des Ihren.
Der Mann, den er als Thassio kannte, musste wohl eingesehen haben, dass er nicht reden würde. Der Körper missgestaltet und dem Verfall näher als dem Leben, flösste er Andrey eine klare, geschmacklose Flüssigkeit ein.
"Ich muss feststellen, ich habe euch unterschätzt, Hochgeboren Andrey von Greifenbach. Aber das spielt keine Rolle. Sterben werdet ihr so oder so, und der Zeitpunkt eures Todes ist _jetzt_.
Ihr sollt wissen... ich bin kein Weinhändler. Ich heisse auch nicht Thassio Weinberg. Ich heisse....."
*******************
Schwärze. Nichts als Schwärze, als Andrey nach Tagen.. Wochen der Strapaze entgültig im Stuhl zusammensackte.
So erfuhr er niemals, wie sein Mörder nun wirklich hiess. Er würde auch nie erfahren, wie es soweit kommen sollte. Nichts mehr würde er erfahren.
******************
Letztlich bleibt nur das, was nach dem Tode kommt. Im Glauben an die Tugendbringerin muss man davon ausgehen, dass die Seelen der Verstorbenen das Licht und die ewige Erlösung finden.
Andrey wird dieses Licht gesehen haben, bevor er ein Teil davon wurde. Alles verblasste vor jenem Angesicht, dessen Name unwichtig war. Den Weg, den er beschritten hatte, er hatte das Ziel gefunden. Die Tugendbringerin würde ihre Arme für den verlorenen Sohn öffnen, der alles in seinem Leben daran gesetzt hatte, Fatales wieder gut zu machen und dem rechten Wege zu folgen, für sich und Andere.
Viele Menschen begleiteten ihn auf diesem Weg. Standen ihm bei, wenn er nicht mehr zu sehen war, wenn eine Schlucht aufklaffte, die das scheinbare Ende aufwies.
Adrian von Hohenfels, Rafael de Arganta, Endurael Talan, Hudgarr Amarth.. aber auch Menschen, die ihn irgendwann aus irgendwelchen Gründen alleine auf diesem Weg gelassen hatten, zumeist, weil sie vor der Zeit das Licht fanden. Leonora Morgentau, Aradan Krenor, Gray Darinor.. selbst Letast, der eigen der falschen Abzweigung folgte, gehörte einst dazu.
Viele mehr noch, die die nötige Aufmerksamkeit verdienen... viele Namen, jedoch jeder für sich eine schillernde Persönlichkeit.
Die Schillerndste von Allen ist Darna, und auch wenn sie hier als Letztes genannt wird, gebührt ihr Allein der erste Platz im Herzen Andreys. Niemand Anders.
Und so kam es, dass Andreys letzter Gedanke, obschon in den mentalen Wirren des Giftes verfangen, der Frau galt, die sein Leben erst Lebenswert gemacht hatte.
Und das blieb auch so, als das schwere, unheilverkündende Sirren der Henkersaxt immer näher kam, ohne dass er es wirklich noch zur Kenntnis nahm.
Als der Kopf Andrey über den Boden rollte, waren seine Lippen geschlossen, zuletzt den Namen seiner einzigen Liebe hauchend...
-
Darna von Hohenfels
Die Nacht vor dem Morgen-Grauen
"Unter der Kerze bildete sich eine Blutlache. Ich hörte einen Aufschrei, und eine zweite Kerze flackerte."
Sie setzte alle ihr möglichen Hebel in Bewegung, um sich zu vergewissern, daß es den anderen gut ging, doch der Eisklumpen in ihrem Herzen war wieder da.
"Was sollte ich schon tun? Mir sind die Hände gebunden, seit dem Tag, seitdem er fort ist. Vielleicht ist es also vorbei, vielleicht braucht er mich gerade jetzt, wüsste ich nur, wo..."
"Wenn es der Wille der Herrin wäre, würde sie Euch zu ihm führen."
"Und offenbar ist dem nicht so." Es entwich ihr kälter als gewollt.
"Es ist doch das, was sie womöglich wollen, nicht? Und selbst, wenn nicht direkt die Diener der dunklen Mächte schuld wären, was würden sie sich freuen, gibst du deiner Göttin die schuld... 'Klag sie an, na los!' - Nein. Es kann nicht richtig sein."
"Wenn es IHR wille ist, wer sind wir, uns dagegen zu stellen?"
Nein, daß Andrey vermutlich allein war und litt, konnte nicht ihr Wille sein. Sie ahnte, daß es sie den Verstand und ihre Bindung zu Temora als Paladin kosten könnte, würde sie sich tatsächlich in diesen in Schmerz naheliegenden Gedanken verrennen: Sollte dies die Strafe für Untreue an Andrey sein, Strafe daß sie sich nicht davor verschlossen hatte, neu zu lieben? Sollte dies der Preis sein, daß das Ziel ihrer Liebe auch noch jemand wie Adrian war? Mit Andreys Tod wäre sie schließlich frei... Ihr wurde übel bei dem bloßen Anflug des Gedankens, und diese Spirale des Zweifels vermochte noch viel tiefer zu führen, ein Abgrund.
"Nein! Es KANN nicht richtig sein!"
"Demut ist das Respektieren der eigenen Grenzen. Tapferkeit ist Vertrauen", wisperte sie kaum hörbar und beugte sich im Licht des heiligen Baumes noch weiter. "Ich muß mich beugen, sonst breche ich..."
"In der Opferbereitschaft liegt der wahrhaft schwierigste Teil der Tugenden. Den Weg der Herrin zu beschreiten, kann uns die größten Opfer abverlangen - das waren Eure eigenen Worte..."
Sie ächzte. Nevyn kniete neben ihr, und einen flüchtigen Moment hätte sie ihm mit Zähnen und Klauen dafür ins Gesicht springen können, ihr ihre eigenen Worte so vor Augen zu halten, die Worte jener Tugend auch noch, der sie sich mit Respekt vor dem diamantenen Kodex noch am ehesten verbunden fühlte... Sie sah die Welle aus Haß regelrecht auf sich zurollen.
"Beuge dich! Sie hat dich lange genug vorgewarnt, du hast bereits akzeptiert, daß du ihn verlieren wirst!"
"Ja... ich danke Euch für Euer rasches Handeln, Sire." Es klang tonlos, leer, uralte Mechanismen griffen, jeder noch so persönlichen Berührung trotzend die Höflichkeit zu wahren.
Ja, es schien nun einzutreten, was man lange hatte kommen sehen. Und waren die Wunden nicht auch schon gut genug verheilt gewesen? Gut genug, sich neu zu verlieben.
Warum dann diese Träume?
Sie stand zwischen Andrey und Adrian an einer Meeresküste, es schneite - es schneite Asche, die Luft war voll von Tod. Hinter Adrian Eileens blühender Baum, dort bei ihm schien Leben... Sie wandte sich von Andrey gerade ab, als die Blüten plötzlich kalt und stumpf waren. Aus dem Schatten des Baumes löste sich eine verhüllte Gestalt, Adrian einen Dolch in den Rücken zu rammen. Sie fing an, sich zu ihm zu bewegen. "Darna!", erklang es hinter ihr, und sie sah, wie Andrey haltlos in die Knie sank, die Hände nach ihr ausstreckte. Sie kehrte um, ging zu ihm zurück. "Du weißt, daß ich euch nicht im Weg stehen werde, ich weiß, wo mein Platz ist. Du warst vergeben, in Herz und Wort...", erklang Adrians Stimme hinter ihr. Sie hielt inne. Er tat ihr so leid. "Warst...", wiperte es, "Du hast ihn doch erst eingeladen, jetzt lässt du ihn stehen... du falsches Stück."
Sie drehte sich wieder um. Und wieder.
Irgendwann wachte sie schweißgebadet auf, dämmerte wieder in den Schlaf.
Sie stand irgendwo, es war völlig dunkel. "Darna!" Jemand rief nach ihr. Andreys Stimme. "Darna, hilf mir!" Es schnürte ihr die Kehle zu. Sie konnte nichts sehen, und als sie die Göttin um Hilfe bat, waren überall nur Schleier und Schemen, ein grenzenloses graues Irgendwas, und von irgendwo seine Schreie. "Daaaaaarnaaaaaa!"
Sie hetzte ihre Spürhunde los. Ein Wink, ein Bitten, und sie verschwanden in den Nebeln, Namen und Gesichter - Rondrian, Cenania, Rafael, Thelor, Selissa, Aldred,... sie alle verschwanden, und das Schreien hörte nicht auf. "Wo bist du, verdammt nochmal?!", brüllte sie verzweifelt, und der Haß zerriss die Schleier: inmitten kalter Schwärze saß er in einem Käfig, kämpfte gegen geschmiedete Fesseln an und schrie nach ihr - sie kam nicht hin. Sie wollte sich bewegen und konnte nicht. Sie glaubte, zu rennen... und kam kein Stück weiter.
Als sie keuchend zusammenbrach, wachte sie von ihrer eigenen Bettdecke gewürgt auf. Doch der Schlaf kam erneut.
Inmitten aller Schwärze stand ein Baum, der die Form des Lichtbaumes hatte, doch nichts von seiner Ausstrahlung. Kalter, lebloser Gesang, so weich und lieblich tot, daß es höhnend und skurril klang, hallte durch das Nichts:
"Dort unter'm Baum, auf grünem Feld,
ruht unter seinem Schild ein Held -
ruht unter seinem Schild ein Held..."
Dort lag Andrey, verstümmelt, in einem Meer von Blut, das um ihre Füße spülte. Die Stimme sang spöttisch schmeichelnd ein anderes Lied:
"Ich hab heut Nacht geträumet,
wohl einen schweren Traum.
Es wuchs in meinem Garten
ein Rosmarienbaum.
Ein Kirchhof war der Garten,
das Blumenbeet ein Grab,
und von dem grünen Baume
fiel Kron und Blüte ab.
Die Blüten tät ich sammeln,
in einem güldenen Krug -
der fiel mir aus den Händen,
daß er in Stücke schlug.
Draus sah ich Perlen rinnen,
und Tröpflein, rosenrot...
Was mag der Traum bedeuten?
Herzliebster, bist du tot?"
Sie kniete neben ihm nieder, ihre ganze Kleidung sog sich voll Blut. Von dem Baum fiel tot ein kleiner einst behüteter Ziervogel herunter, versank in der roten Flut. Und wieder sang, spöttisch, kühl höhnend die Stimme:
"Der Liebste, den sie küsst, war tot...
Sie grub sein Grab im Morgenrot,
am Abend war sie selber tot..."
Einen Moment hielt die Stimme inne, als ihr Herzschlag auszusetzen schien, sie sich zu wehren begann. Nur noch ein forderndes Zischen, eine Pervertierung jeder harmonischen Melodie:
"Herrin Temora, allen gib
ein solchen Hund, solch Falk... solch Lieb!
Soviel also zu dem Lied, das du so magst." Sie meinte, die Stimme endlich wiederzuerkennen. Es war ihre eigene.
Sie schreckte auf, die letzten Worte noch im Ohr: "Treuloses Miststück!"
"Unter der Kerze bildete sich eine Blutlache. Ich hörte einen Aufschrei, und eine zweite Kerze flackerte."
Sie setzte alle ihr möglichen Hebel in Bewegung, um sich zu vergewissern, daß es den anderen gut ging, doch der Eisklumpen in ihrem Herzen war wieder da.
"Was sollte ich schon tun? Mir sind die Hände gebunden, seit dem Tag, seitdem er fort ist. Vielleicht ist es also vorbei, vielleicht braucht er mich gerade jetzt, wüsste ich nur, wo..."
"Wenn es der Wille der Herrin wäre, würde sie Euch zu ihm führen."
"Und offenbar ist dem nicht so." Es entwich ihr kälter als gewollt.
"Es ist doch das, was sie womöglich wollen, nicht? Und selbst, wenn nicht direkt die Diener der dunklen Mächte schuld wären, was würden sie sich freuen, gibst du deiner Göttin die schuld... 'Klag sie an, na los!' - Nein. Es kann nicht richtig sein."
"Wenn es IHR wille ist, wer sind wir, uns dagegen zu stellen?"
Nein, daß Andrey vermutlich allein war und litt, konnte nicht ihr Wille sein. Sie ahnte, daß es sie den Verstand und ihre Bindung zu Temora als Paladin kosten könnte, würde sie sich tatsächlich in diesen in Schmerz naheliegenden Gedanken verrennen: Sollte dies die Strafe für Untreue an Andrey sein, Strafe daß sie sich nicht davor verschlossen hatte, neu zu lieben? Sollte dies der Preis sein, daß das Ziel ihrer Liebe auch noch jemand wie Adrian war? Mit Andreys Tod wäre sie schließlich frei... Ihr wurde übel bei dem bloßen Anflug des Gedankens, und diese Spirale des Zweifels vermochte noch viel tiefer zu führen, ein Abgrund.
"Nein! Es KANN nicht richtig sein!"
"Demut ist das Respektieren der eigenen Grenzen. Tapferkeit ist Vertrauen", wisperte sie kaum hörbar und beugte sich im Licht des heiligen Baumes noch weiter. "Ich muß mich beugen, sonst breche ich..."
"In der Opferbereitschaft liegt der wahrhaft schwierigste Teil der Tugenden. Den Weg der Herrin zu beschreiten, kann uns die größten Opfer abverlangen - das waren Eure eigenen Worte..."
Sie ächzte. Nevyn kniete neben ihr, und einen flüchtigen Moment hätte sie ihm mit Zähnen und Klauen dafür ins Gesicht springen können, ihr ihre eigenen Worte so vor Augen zu halten, die Worte jener Tugend auch noch, der sie sich mit Respekt vor dem diamantenen Kodex noch am ehesten verbunden fühlte... Sie sah die Welle aus Haß regelrecht auf sich zurollen.
"Beuge dich! Sie hat dich lange genug vorgewarnt, du hast bereits akzeptiert, daß du ihn verlieren wirst!"
"Ja... ich danke Euch für Euer rasches Handeln, Sire." Es klang tonlos, leer, uralte Mechanismen griffen, jeder noch so persönlichen Berührung trotzend die Höflichkeit zu wahren.
Ja, es schien nun einzutreten, was man lange hatte kommen sehen. Und waren die Wunden nicht auch schon gut genug verheilt gewesen? Gut genug, sich neu zu verlieben.
Warum dann diese Träume?
Sie stand zwischen Andrey und Adrian an einer Meeresküste, es schneite - es schneite Asche, die Luft war voll von Tod. Hinter Adrian Eileens blühender Baum, dort bei ihm schien Leben... Sie wandte sich von Andrey gerade ab, als die Blüten plötzlich kalt und stumpf waren. Aus dem Schatten des Baumes löste sich eine verhüllte Gestalt, Adrian einen Dolch in den Rücken zu rammen. Sie fing an, sich zu ihm zu bewegen. "Darna!", erklang es hinter ihr, und sie sah, wie Andrey haltlos in die Knie sank, die Hände nach ihr ausstreckte. Sie kehrte um, ging zu ihm zurück. "Du weißt, daß ich euch nicht im Weg stehen werde, ich weiß, wo mein Platz ist. Du warst vergeben, in Herz und Wort...", erklang Adrians Stimme hinter ihr. Sie hielt inne. Er tat ihr so leid. "Warst...", wiperte es, "Du hast ihn doch erst eingeladen, jetzt lässt du ihn stehen... du falsches Stück."
Sie drehte sich wieder um. Und wieder.
Irgendwann wachte sie schweißgebadet auf, dämmerte wieder in den Schlaf.
Sie stand irgendwo, es war völlig dunkel. "Darna!" Jemand rief nach ihr. Andreys Stimme. "Darna, hilf mir!" Es schnürte ihr die Kehle zu. Sie konnte nichts sehen, und als sie die Göttin um Hilfe bat, waren überall nur Schleier und Schemen, ein grenzenloses graues Irgendwas, und von irgendwo seine Schreie. "Daaaaaarnaaaaaa!"
Sie hetzte ihre Spürhunde los. Ein Wink, ein Bitten, und sie verschwanden in den Nebeln, Namen und Gesichter - Rondrian, Cenania, Rafael, Thelor, Selissa, Aldred,... sie alle verschwanden, und das Schreien hörte nicht auf. "Wo bist du, verdammt nochmal?!", brüllte sie verzweifelt, und der Haß zerriss die Schleier: inmitten kalter Schwärze saß er in einem Käfig, kämpfte gegen geschmiedete Fesseln an und schrie nach ihr - sie kam nicht hin. Sie wollte sich bewegen und konnte nicht. Sie glaubte, zu rennen... und kam kein Stück weiter.
Als sie keuchend zusammenbrach, wachte sie von ihrer eigenen Bettdecke gewürgt auf. Doch der Schlaf kam erneut.
Inmitten aller Schwärze stand ein Baum, der die Form des Lichtbaumes hatte, doch nichts von seiner Ausstrahlung. Kalter, lebloser Gesang, so weich und lieblich tot, daß es höhnend und skurril klang, hallte durch das Nichts:
"Dort unter'm Baum, auf grünem Feld,
ruht unter seinem Schild ein Held -
ruht unter seinem Schild ein Held..."
Dort lag Andrey, verstümmelt, in einem Meer von Blut, das um ihre Füße spülte. Die Stimme sang spöttisch schmeichelnd ein anderes Lied:
"Ich hab heut Nacht geträumet,
wohl einen schweren Traum.
Es wuchs in meinem Garten
ein Rosmarienbaum.
Ein Kirchhof war der Garten,
das Blumenbeet ein Grab,
und von dem grünen Baume
fiel Kron und Blüte ab.
Die Blüten tät ich sammeln,
in einem güldenen Krug -
der fiel mir aus den Händen,
daß er in Stücke schlug.
Draus sah ich Perlen rinnen,
und Tröpflein, rosenrot...
Was mag der Traum bedeuten?
Herzliebster, bist du tot?"
Sie kniete neben ihm nieder, ihre ganze Kleidung sog sich voll Blut. Von dem Baum fiel tot ein kleiner einst behüteter Ziervogel herunter, versank in der roten Flut. Und wieder sang, spöttisch, kühl höhnend die Stimme:
"Der Liebste, den sie küsst, war tot...
Sie grub sein Grab im Morgenrot,
am Abend war sie selber tot..."
Einen Moment hielt die Stimme inne, als ihr Herzschlag auszusetzen schien, sie sich zu wehren begann. Nur noch ein forderndes Zischen, eine Pervertierung jeder harmonischen Melodie:
"Herrin Temora, allen gib
ein solchen Hund, solch Falk... solch Lieb!
Soviel also zu dem Lied, das du so magst." Sie meinte, die Stimme endlich wiederzuerkennen. Es war ihre eigene.
Sie schreckte auf, die letzten Worte noch im Ohr: "Treuloses Miststück!"
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Darna von Hohenfels
Flackerndes Licht, I
Sie schreckte auf, sah sich irritiert um. Ein ekelhaftes Gefühl von Einsamkeit, das sich fast sofort einstellte - oder das sie noch aus dem wenig erholsamen Schlaf mitnahm. "Seli?", fragte sie verwirrt, und nicht ganz wach war da die Furcht, sie auch noch zu verlieren. Irrsinn. Sie schüttelte den Kopf. "Ich verlier noch wieder den Verstand...", murmelte sie und stand auf, widmete sich der morgendlichen Hygiene. Gelmira schlich herum, maunzte sie klagend an.
"Na, kleine Heldin?" Sie ging in die Hocke und kraulte die energisch Streicheleinheiten verlangende Katze. "Hast du brav aufgepasst heute Nacht?"
Wortfetzen unten auffangend, seufzte Adrian, strich sich fahrig durch die Haare und starrte weiter zur Treppe - die Minuten rückwärts zählend bis zur letzten Zerstörung einer ungewissen Ruhe. Savea trat aus der Gesindestube, musterte den blassen Grafen. "Irgendetwas, was ich tun kann, Euer Hoheit?"
Wieder schaute er zur Treppe. Oben horchte Darna auf. "Beruhigungstee und etwas stärkeres für Lady Darna bereitstellen...", lautete die Antwort, als sie auch schon die Stufen herab kam.
Welch Segen schien Unwissenheit manchmal zu sein. Sie hätte es bei diesem Herumgedruckse, der vehementen Bitte, sich zu setzen und den bereitgestellten Getränken schon eher ahnen müssen? Doch sie ging alles vorher durch, bei steigender Katastrophenskala:
"Ein neuer Anschlag im Schloß?
Steht das Schloß überhaupt noch?
Ist es das Kloster?"
"Dem .. Rat wurde eine Nachricht zugestellt.. sozusagen... die uns leider mit aller gegebenen Sicherheit erfüllt, daß Freiherr von Greifenbachs Seele bei Temora weilt." Nach vielem Hin und Her war es dann endlich raus. Die Worte schienen zuerst gar nichts zu bewirken. Ohne Rührung der Mimik sah sie auf die Getränke vor sich, zu Adrian, zu Savea die nun blass wurde, zu der steinernen Ritterstatue im Eingang der Bibliothek, deren Sockel zwei Wappen trug, bald ein drittes tragen würde... er war tot, definitiv tot... das sickerte langsam wie Gift in ihr Bewusstsein, wühlte auf und lähmte zugleich. Sie war kaum mehr Herr ihrer Stimme, als sie kalt fragte: "Wurde er auch in einem Sarg zurückgeschickt?" Was sollte diese Frage, die Adrian lediglich verletzen konnte? Doch er schüttelte nur den Kopf, nachdem sein Blick zu ihr ruckte, schwieg. Ihre Stirn furchte sich. Warum diese scheinbar grenzenlose Rücksicht und Behutsamkeit? "Wovor wollen sie dich schützen? Was haben sie mit ihm gemacht?", brach sich das Entsetzen langsam Bahn. Adrian schickte leise raunend Savea hinaus zu den Gardisten, etwas abzuholen. Darna starrte ihn mit verengten Augen an: "Und was ist der Rest der Wahrheit?"
"Es.. gibt offenbar auch eine Nachricht an Euch.. Savea lässt ihn sich grad aushändigen. Ich bitte Euch: lasst zu, daß man für Euch den gleichen Dienst erfüllt, den Ihr und Rafael kürzlich mir geleistet habt."
Ihn vor übermäßiger, sinnloser Grausamkeit schützen. Jemand hatte ihn umgebracht. Und nicht nur einfach getötet - man wollte entsetzen, und bei einer Nachricht an ihrem Haus lag es mehr als nahe, daß man auch gezielt sie damit verletzen wollte. So wie er schon wegen Hochverrat hatte angeklagt werden sollen, um ihr damit ein Stück Boden unter den Füßen wegzureißen.
"Ich sag es einmal ganz offen, Darna, du bist egozentrisch", hallten ihr Andreys Worte durch die Erinnerung. Redete sie sich nur ein, daß es sie grausam mit treffen sollte? Sie hatten ihn getötet. Wer immer "sie" waren. Ermordet.
"Welche Form hat diese Nachricht?"
"Es handelt sich um den Ring des Freiherren mit einer Nachricht anbei, eingeklemmt in diesen - über den Inhalt vermag ich nichts zu sagen, daher meine Bitte."
In Darnas Gesicht mischte sich eine Regung: sie presste die Kiefer zusammen und knirschte mit den Zähnen. Draußen bekamen weder sie noch Adrian mit, wie Savea sich von Greger die Nachricht aushändigen ließ und nach einigem Zögern erst las, bevor sie ins Haus zurückkehrte. Sie ließ Brief samt Ring im Hosenbund unter der Weste verschwinden. Als sie zurückkehrte, wisperte sie Adrian irgend etwas zu, während Darna sie mit der Herzlichkeit einer Kanonenrohrmündung fixierte. "Hoheit hätten ja alles Recht, mir die Nachricht vorzuenthalten...", sagte sie langsam, fast drohend. Vor ihr standen die Getränke so ignoriert, daß man schon Staub auf ihnen hätte argwöhnen müssen.
"Ich sorge mich eher um den Inhalt in einer Weise, wie gewisse Freunde, die mir einen Brief vorenthielten." Es fing ihr langsam an, leid zu tun, weil sie sich dieser Hilfe nun wie gefesselt in Watte gepackt ausgeliefert sah. In ihr brodelte immer mehr zielloser Zorn, den sie mit aller vorhandenen Kraft niederkämpfte. Irgendwann stand sie, und Adrian dicht bei ihr, der sie stetig besorgt musterte und sich nun selber irgendwie damit abzumühen schien, seine Gefühle im Zaum zu halten: "Ich werde.. da sein als Freund, die Schulter .. wenn du sie brauchst.. sie überhaupt erträgst..."
Sie wollte aber keine Schulter. Sie wollte eine große Axt und denjenigen vor sich, der verantwortlich für all das war. Doch sie hatte nichts, gar nichts, keine Anhaltspunkte, keine Spuren, außer einer mündlichen Nachricht...
Was enthaltet ihr mir alles vor?", fragte sie derartig beherrscht, daß in ihrer Stimme kaum eine Regung schien. "Nur das schlimmste von allem", antwortete Adrian, "aber nicht die Wahrheit..."
"Andrey ist tot", fasste sie es zusammen. So sachlich, daß sie sich selber wunderte, ein Gefühl dafür zu erfassen versuchte - doch sie drehte sich nur orientierungslos auf der Stelle.
"Ja, er ist tot..." Adrian musterte sie mitfühlend. Sie konnte damit gerade überhaupt nichts anfangen. "Ich müsste doch irgend etwas fühlen?" Betäubt, das war das einzige.
"Ein Täter erkennbar?"
"Nein, bedauerlicherweise nicht."
"Wozu auch? Wir sollten es ja gewöhnt sein, nicht?" Bitterkeit. Endlich ein Weg, den ihr Empfinden einschlagen konnte, und wenn es der zur Wut war.
"Ich .. möchte mich daran nicht gewöhnen", sagte Adrian leise und suchte ihr behutsam die Hände auf die Arme zu legen. "Ach, und was sonst? Sie verarschen uns doch und trampeln auf uns rum, einer nach dem anderen, und wir stecken noch eine Ohrfeige ein, und noch eine..." Ihre Wangenmuskeln zuckten nervös. Viola kam herein - und wurde von Savea, die alles besorgt beobachtete, gleich nach draußen gelotst und leise informiert. Adrian ließ Darna los und wich ein Stück zurück, als er ihre Reaktion bemerkte. "Es tut mir leid, ich wünschte ich hätte mit anderer Nachricht kommen können."
Gab es überhaupt noch gute Nachrichten? Ihre Stimme klang vor Beherrschung kalt: "Wo ist seine Leiche?"
Adrian presste die Lippen zusammen. "Du wirst es nicht hören wollen, dass wir dies.. nicht wissen."
"Was wurde euch dann überbracht?", fragte sie harsch nach, während er sie schon zu beschwichtigen versuchte: "Bitte frage nicht nach, sein Tod ist gewiss, mehr möchte, kann ich nicht sagen."
"Was verschweigt ihr mir?" - sie fixierte Adrian und trat auf ihn zu, packte ihn nun ihrerseits an den Armen, alles andere ignorierend. "Sag es mir, was wurde euch geschickt?", zischte sie und schüttelte ihn. Es war ihr gerade egal, wer er war, es wurde ihr zunehmend alles egal. Adrian hielt ihrem Blick stand, einzig seine Bitte darin zu lesen, es zu lassen. "Darna..", beschwor er sie leise, "hör auf, quäl dich nicht noch mehr selbst, als daß alles dich schon quält..." Er sah in ihre Augen, in denen kurz Tränen aufzusteigen schienen, doch sie blieben leer und starr. "Ich... will dich doch nur schützen." Es war regelrecht zu sehen, wie Wut in ihr hochkochte, für Adrian direkt vor ihr, für Savea, die ein Stück weiter hinten neben Viola stand, leise mit dem Mädchen flüsterte, während diese unruhig und in heller Sorge zu Darna sah. Adrian wandte den Blick zu den beiden Frauen und gab leise von sich: "Vielleicht vermögen sie beide dir mehr zu helfen, ich kann dir nur die Schulter anbieten."
Schulter. Heulerei. Trost. Mit nichts als kalter Verachtung huschten ihr die Gedanken durch den Sinn. "Ich will das alles nicht. Ich will dieses Schwein, das Andrey auf dem Gewissen hat." Ihre rechte Hand an seinem Arm festgekrallt zitterte kurz, ehe sie losließ einen halben Schritt zurücktrat. Ihr blasses Gesicht wurde nun zügig rot, während Adrian merklich mit sich rang, ihr zu folgen. "Komm mir nicht zu nahe", grollte sie in Gedanken. Mit einem Ruck griff sie hinter die hölzerne Standuhr neben sich und schmiß sie wuchtvoll nach vorne um, Adrian machte einen Satz nach hinten, als das Zifferblatt nach innen gedrückt wurde, Holz absplitterte, das mechanische Innenleben gegen die Wand krachte. Viola zuckte zusammen und starrte zu ihr. Sie hatte Darna noch nie so gesehen, mit regelrecht gefletschten Zähnen in lauernd leicht gebeugter Haltung, ihr eisiger Blick fixierte die steinerne Statue. "Soll ich den Sockel höher machen, damit alle Namen draufpassen?! Was wollt ihr mir noch wegnehmen und euch unbekannt irgendwo verstecken?!"
Adrian schickte Savea, den Brief zu holen. Viola, einen Priester zu suchen. Er musste sie zweimal auffordern, ehe sie nur überfordert blinzelte und mehr hinausstolperte, als zu gehen. Doch Hauptsache, sie waren einen Moment weg.
Vor ihm stand Darna und zitterte vor Wut. Plötzlich schallte durch das Haus ein hilfloser, wütender und verdammt lauter Schrei. Behutsam ging er auf sie zu, fasste sie erneut an den Armen. Sie stand schräg abgewandt von ihm, wie kampfbereit lauernd. "Wenn sie wollten, daß ich hassen kann, sie sind verdammt gut dabei!", brüllte sie auf. "Ja Milady, das wollten sie", murmelte Savea draußen leise und zog den Ring vom Brief, stopfte das Schriftstück in die Hosentasche. Adrian drehte sie zu sich. "Lass mich los!", knurrte sie ihn fauchend an, "Oder ich vergess mich!"
Er griff sie nur fester. "Schrei es raus, meinetwegen mich an und schlag mich zusammen, aber lass es raus. Ich kenn diesen Hass, es muss raus, die Wut.. ihr habt das für mich getan - los, jetzt bin ich da."
Wie durch roten Nebel sah sie erinnernd Eileen vor sich, wie sie sie draußen vor dem Kloster in tiefster Verzweiflung noch provoziert und gereizt hatte, um sie aus der Lethargie herauszureißen. Darna hätte sie im Meer ersäufen mögen vor Zorn, aber es niemals gewagt... Savea kam rein, als Darna den Ellbogen hob und zurückzog, zu einem Schlag ausholend, verharrte, der ganze Körper zitterte vor Anspannung. "Der Ring", meinte Savea hereinkommend und streckte die offene Hand aus, Andreys Siegelring darauf. Darna hörte sie nicht einmal, Blut rauschte ihr in den Ohren, Adrian vor sich fixiert wie einen Feind. "Hör auf, es in dich reinfressen zu wollen, los raus damit. Es reicht wenn sie mich vergiften, nicht auch noch dich."
Sie ächzte bei den Worten. "Sie holen sich einen nach dem anderem. Wer ist nicht schon ihr Opfer geworden? Jetzt ich, wer als nächstes?" "Wie-so?" - sie wurde rasch lauter: "Wieso?! Sag mir, warum!" Sie brüllte wieder, voller Vorwurf, ziellosem Haß: "Wieso haben sie so lange gewartet? Wieso spucken sie mir sein Blut nicht gleich ins Gesicht?!"
Savea schloß für einen Moment die Augen.
"Es kann .. keinen Grund geben, ausser ihren kranken Seelen, mit denen sie uns auch vergiften. Lass es nicht zu .. bitte!" Sie heulte auf, ein weiterer, nun gepeinigter Aufschrei. Er hielt sie einfach nur fest: "Schrei alles heraus, sonst zerfrisst es dich."
"Hör auf", fauchte sie tonlos, "Hör auf. Lass mich los." Es klang zunehmend verzweifelt. "Ich will dir nicht weh tun. In die Ecke gedrängtes Tier. Geh weg, ich bin eine Gefahr."
"Nein, werde ich nicht. Nicht, wenn du es in dich reinfrisst, hörst du? Meinethalben prügel deine Wut an mir heraus, das ist besser als das, was du tust."
"Lass mich los!" Sie wusste hinterher nicht einmal mehr, wie sie plötzlich nach ihm geschlagen hatte, doch sie traf ihn irgendwie im Gesicht - und er nahm es einfach nur hin. Viola blinzelte mit leicht geöffnetem Mund. Saveas Hand krampfte sich schließend um den Ring.
"So du dich nun besser fühlst..."
Sie sah ihn nur entsetzt an. "Was hab ich getan?"
"Lass mich los...", zittrig klang es nun, die Stimme gebrochen.
Endlich nahm er seine Hände von ihr, straffte sich, seine eigene Miene nun ein einziger Eisblock, den nur die Augen verrieten. "So du eine Freundesschulter brauchst, bin ich immer da, das weisst du. Sei es, um sich anzulehnen oder drauf einzuschlagen." Sie sah ihn nur leer an, als hätte sie selber eine verpasst bekommen. Er wandte sich um, erst zögerlich, riß sich dann merklich los.
"Der Freund wird immer da sein." "Freund..." - es hatte einen seltsamen Beiklang, wie irgendeine Ecke ihres Verstandes noch registrierte. "Ich werde im Schloss sein." - er wandte sich zu Savea und Viola: "Kümmert euch um sie.. bitte. Und lasst mich hinaus."
Sie sah ihm leer nach. "Was hab ich getan?"
"Sie machen... alles... kaputt. Ich mach alles...", flüsterte sie fast lautlos. Viola kam näher, zögerlich, sah auf die Uhr, dann wieder zu ihr. "Nein. Nicht du auch! Ich muß diese Wut irgendwie loswerden!" "Bleib weg!", rief sie Vio entsetzt und warnend zu, im nächsten Moment hatte sie den Becher mit Kräutertee in der Hand und schleuderte ihn gegen die Statue, wo er in Scherben zerbarst. Viola sah dem Becher nach, dann zu ihr, mit undeutbarem Blick - und wandte sich schweigend ab. Zyran stand plötzlich in der Haustür und schaute verdutzt auf den sich zwischen den Tassenresten verteilenden Tee. Viola schlich mit hängenden Schultern die Treppen hoch, Darna sah ihr nach. Ihr Mündel, sie war für sie verantwortlich... und doch hatte es Momente gegeben, in denen Viola Recht damit gehabt hatte, Darna selber zu schelten: "Du stellst immer Regeln auf, bis sie für dich selber gelten sollen, nicht?", sprach sie leise, monoton zu sich, "Jetzt randalierst du hier rum, tust alles... daß sie gewinnen."
Sie starrte zu der Statue, bis Savea in ihr Blickfeld trat und die Scherben aufsammelte. "Räumt nicht die Scherben hinter mir her, die ich hinterlasse...", sagte sie tonlos und leer, setzte sich lahm in Bewegung. "Was ich aufzusammeln gedenke, könnt Ihr getrost mir überlassen, Milady", erwiderte Savea mitfühlend. Ob es Darna erreichte, war kaum zu erkennen - wahllos hatte sie sich einen Umhang von der Garderobe gegriffen und verließ das Haus, ohne ihn anzulegen.
"Milady...?"
"Kloster."
Damit verschwand sie.
Sie schreckte auf, sah sich irritiert um. Ein ekelhaftes Gefühl von Einsamkeit, das sich fast sofort einstellte - oder das sie noch aus dem wenig erholsamen Schlaf mitnahm. "Seli?", fragte sie verwirrt, und nicht ganz wach war da die Furcht, sie auch noch zu verlieren. Irrsinn. Sie schüttelte den Kopf. "Ich verlier noch wieder den Verstand...", murmelte sie und stand auf, widmete sich der morgendlichen Hygiene. Gelmira schlich herum, maunzte sie klagend an.
"Na, kleine Heldin?" Sie ging in die Hocke und kraulte die energisch Streicheleinheiten verlangende Katze. "Hast du brav aufgepasst heute Nacht?"
Wortfetzen unten auffangend, seufzte Adrian, strich sich fahrig durch die Haare und starrte weiter zur Treppe - die Minuten rückwärts zählend bis zur letzten Zerstörung einer ungewissen Ruhe. Savea trat aus der Gesindestube, musterte den blassen Grafen. "Irgendetwas, was ich tun kann, Euer Hoheit?"
Wieder schaute er zur Treppe. Oben horchte Darna auf. "Beruhigungstee und etwas stärkeres für Lady Darna bereitstellen...", lautete die Antwort, als sie auch schon die Stufen herab kam.
Welch Segen schien Unwissenheit manchmal zu sein. Sie hätte es bei diesem Herumgedruckse, der vehementen Bitte, sich zu setzen und den bereitgestellten Getränken schon eher ahnen müssen? Doch sie ging alles vorher durch, bei steigender Katastrophenskala:
"Ein neuer Anschlag im Schloß?
Steht das Schloß überhaupt noch?
Ist es das Kloster?"
"Dem .. Rat wurde eine Nachricht zugestellt.. sozusagen... die uns leider mit aller gegebenen Sicherheit erfüllt, daß Freiherr von Greifenbachs Seele bei Temora weilt." Nach vielem Hin und Her war es dann endlich raus. Die Worte schienen zuerst gar nichts zu bewirken. Ohne Rührung der Mimik sah sie auf die Getränke vor sich, zu Adrian, zu Savea die nun blass wurde, zu der steinernen Ritterstatue im Eingang der Bibliothek, deren Sockel zwei Wappen trug, bald ein drittes tragen würde... er war tot, definitiv tot... das sickerte langsam wie Gift in ihr Bewusstsein, wühlte auf und lähmte zugleich. Sie war kaum mehr Herr ihrer Stimme, als sie kalt fragte: "Wurde er auch in einem Sarg zurückgeschickt?" Was sollte diese Frage, die Adrian lediglich verletzen konnte? Doch er schüttelte nur den Kopf, nachdem sein Blick zu ihr ruckte, schwieg. Ihre Stirn furchte sich. Warum diese scheinbar grenzenlose Rücksicht und Behutsamkeit? "Wovor wollen sie dich schützen? Was haben sie mit ihm gemacht?", brach sich das Entsetzen langsam Bahn. Adrian schickte leise raunend Savea hinaus zu den Gardisten, etwas abzuholen. Darna starrte ihn mit verengten Augen an: "Und was ist der Rest der Wahrheit?"
"Es.. gibt offenbar auch eine Nachricht an Euch.. Savea lässt ihn sich grad aushändigen. Ich bitte Euch: lasst zu, daß man für Euch den gleichen Dienst erfüllt, den Ihr und Rafael kürzlich mir geleistet habt."
Ihn vor übermäßiger, sinnloser Grausamkeit schützen. Jemand hatte ihn umgebracht. Und nicht nur einfach getötet - man wollte entsetzen, und bei einer Nachricht an ihrem Haus lag es mehr als nahe, daß man auch gezielt sie damit verletzen wollte. So wie er schon wegen Hochverrat hatte angeklagt werden sollen, um ihr damit ein Stück Boden unter den Füßen wegzureißen.
"Ich sag es einmal ganz offen, Darna, du bist egozentrisch", hallten ihr Andreys Worte durch die Erinnerung. Redete sie sich nur ein, daß es sie grausam mit treffen sollte? Sie hatten ihn getötet. Wer immer "sie" waren. Ermordet.
"Welche Form hat diese Nachricht?"
"Es handelt sich um den Ring des Freiherren mit einer Nachricht anbei, eingeklemmt in diesen - über den Inhalt vermag ich nichts zu sagen, daher meine Bitte."
In Darnas Gesicht mischte sich eine Regung: sie presste die Kiefer zusammen und knirschte mit den Zähnen. Draußen bekamen weder sie noch Adrian mit, wie Savea sich von Greger die Nachricht aushändigen ließ und nach einigem Zögern erst las, bevor sie ins Haus zurückkehrte. Sie ließ Brief samt Ring im Hosenbund unter der Weste verschwinden. Als sie zurückkehrte, wisperte sie Adrian irgend etwas zu, während Darna sie mit der Herzlichkeit einer Kanonenrohrmündung fixierte. "Hoheit hätten ja alles Recht, mir die Nachricht vorzuenthalten...", sagte sie langsam, fast drohend. Vor ihr standen die Getränke so ignoriert, daß man schon Staub auf ihnen hätte argwöhnen müssen.
"Ich sorge mich eher um den Inhalt in einer Weise, wie gewisse Freunde, die mir einen Brief vorenthielten." Es fing ihr langsam an, leid zu tun, weil sie sich dieser Hilfe nun wie gefesselt in Watte gepackt ausgeliefert sah. In ihr brodelte immer mehr zielloser Zorn, den sie mit aller vorhandenen Kraft niederkämpfte. Irgendwann stand sie, und Adrian dicht bei ihr, der sie stetig besorgt musterte und sich nun selber irgendwie damit abzumühen schien, seine Gefühle im Zaum zu halten: "Ich werde.. da sein als Freund, die Schulter .. wenn du sie brauchst.. sie überhaupt erträgst..."
Sie wollte aber keine Schulter. Sie wollte eine große Axt und denjenigen vor sich, der verantwortlich für all das war. Doch sie hatte nichts, gar nichts, keine Anhaltspunkte, keine Spuren, außer einer mündlichen Nachricht...
Was enthaltet ihr mir alles vor?", fragte sie derartig beherrscht, daß in ihrer Stimme kaum eine Regung schien. "Nur das schlimmste von allem", antwortete Adrian, "aber nicht die Wahrheit..."
"Andrey ist tot", fasste sie es zusammen. So sachlich, daß sie sich selber wunderte, ein Gefühl dafür zu erfassen versuchte - doch sie drehte sich nur orientierungslos auf der Stelle.
"Ja, er ist tot..." Adrian musterte sie mitfühlend. Sie konnte damit gerade überhaupt nichts anfangen. "Ich müsste doch irgend etwas fühlen?" Betäubt, das war das einzige.
"Ein Täter erkennbar?"
"Nein, bedauerlicherweise nicht."
"Wozu auch? Wir sollten es ja gewöhnt sein, nicht?" Bitterkeit. Endlich ein Weg, den ihr Empfinden einschlagen konnte, und wenn es der zur Wut war.
"Ich .. möchte mich daran nicht gewöhnen", sagte Adrian leise und suchte ihr behutsam die Hände auf die Arme zu legen. "Ach, und was sonst? Sie verarschen uns doch und trampeln auf uns rum, einer nach dem anderen, und wir stecken noch eine Ohrfeige ein, und noch eine..." Ihre Wangenmuskeln zuckten nervös. Viola kam herein - und wurde von Savea, die alles besorgt beobachtete, gleich nach draußen gelotst und leise informiert. Adrian ließ Darna los und wich ein Stück zurück, als er ihre Reaktion bemerkte. "Es tut mir leid, ich wünschte ich hätte mit anderer Nachricht kommen können."
Gab es überhaupt noch gute Nachrichten? Ihre Stimme klang vor Beherrschung kalt: "Wo ist seine Leiche?"
Adrian presste die Lippen zusammen. "Du wirst es nicht hören wollen, dass wir dies.. nicht wissen."
"Was wurde euch dann überbracht?", fragte sie harsch nach, während er sie schon zu beschwichtigen versuchte: "Bitte frage nicht nach, sein Tod ist gewiss, mehr möchte, kann ich nicht sagen."
"Was verschweigt ihr mir?" - sie fixierte Adrian und trat auf ihn zu, packte ihn nun ihrerseits an den Armen, alles andere ignorierend. "Sag es mir, was wurde euch geschickt?", zischte sie und schüttelte ihn. Es war ihr gerade egal, wer er war, es wurde ihr zunehmend alles egal. Adrian hielt ihrem Blick stand, einzig seine Bitte darin zu lesen, es zu lassen. "Darna..", beschwor er sie leise, "hör auf, quäl dich nicht noch mehr selbst, als daß alles dich schon quält..." Er sah in ihre Augen, in denen kurz Tränen aufzusteigen schienen, doch sie blieben leer und starr. "Ich... will dich doch nur schützen." Es war regelrecht zu sehen, wie Wut in ihr hochkochte, für Adrian direkt vor ihr, für Savea, die ein Stück weiter hinten neben Viola stand, leise mit dem Mädchen flüsterte, während diese unruhig und in heller Sorge zu Darna sah. Adrian wandte den Blick zu den beiden Frauen und gab leise von sich: "Vielleicht vermögen sie beide dir mehr zu helfen, ich kann dir nur die Schulter anbieten."
Schulter. Heulerei. Trost. Mit nichts als kalter Verachtung huschten ihr die Gedanken durch den Sinn. "Ich will das alles nicht. Ich will dieses Schwein, das Andrey auf dem Gewissen hat." Ihre rechte Hand an seinem Arm festgekrallt zitterte kurz, ehe sie losließ einen halben Schritt zurücktrat. Ihr blasses Gesicht wurde nun zügig rot, während Adrian merklich mit sich rang, ihr zu folgen. "Komm mir nicht zu nahe", grollte sie in Gedanken. Mit einem Ruck griff sie hinter die hölzerne Standuhr neben sich und schmiß sie wuchtvoll nach vorne um, Adrian machte einen Satz nach hinten, als das Zifferblatt nach innen gedrückt wurde, Holz absplitterte, das mechanische Innenleben gegen die Wand krachte. Viola zuckte zusammen und starrte zu ihr. Sie hatte Darna noch nie so gesehen, mit regelrecht gefletschten Zähnen in lauernd leicht gebeugter Haltung, ihr eisiger Blick fixierte die steinerne Statue. "Soll ich den Sockel höher machen, damit alle Namen draufpassen?! Was wollt ihr mir noch wegnehmen und euch unbekannt irgendwo verstecken?!"
Adrian schickte Savea, den Brief zu holen. Viola, einen Priester zu suchen. Er musste sie zweimal auffordern, ehe sie nur überfordert blinzelte und mehr hinausstolperte, als zu gehen. Doch Hauptsache, sie waren einen Moment weg.
Vor ihm stand Darna und zitterte vor Wut. Plötzlich schallte durch das Haus ein hilfloser, wütender und verdammt lauter Schrei. Behutsam ging er auf sie zu, fasste sie erneut an den Armen. Sie stand schräg abgewandt von ihm, wie kampfbereit lauernd. "Wenn sie wollten, daß ich hassen kann, sie sind verdammt gut dabei!", brüllte sie auf. "Ja Milady, das wollten sie", murmelte Savea draußen leise und zog den Ring vom Brief, stopfte das Schriftstück in die Hosentasche. Adrian drehte sie zu sich. "Lass mich los!", knurrte sie ihn fauchend an, "Oder ich vergess mich!"
Er griff sie nur fester. "Schrei es raus, meinetwegen mich an und schlag mich zusammen, aber lass es raus. Ich kenn diesen Hass, es muss raus, die Wut.. ihr habt das für mich getan - los, jetzt bin ich da."
Wie durch roten Nebel sah sie erinnernd Eileen vor sich, wie sie sie draußen vor dem Kloster in tiefster Verzweiflung noch provoziert und gereizt hatte, um sie aus der Lethargie herauszureißen. Darna hätte sie im Meer ersäufen mögen vor Zorn, aber es niemals gewagt... Savea kam rein, als Darna den Ellbogen hob und zurückzog, zu einem Schlag ausholend, verharrte, der ganze Körper zitterte vor Anspannung. "Der Ring", meinte Savea hereinkommend und streckte die offene Hand aus, Andreys Siegelring darauf. Darna hörte sie nicht einmal, Blut rauschte ihr in den Ohren, Adrian vor sich fixiert wie einen Feind. "Hör auf, es in dich reinfressen zu wollen, los raus damit. Es reicht wenn sie mich vergiften, nicht auch noch dich."
Sie ächzte bei den Worten. "Sie holen sich einen nach dem anderem. Wer ist nicht schon ihr Opfer geworden? Jetzt ich, wer als nächstes?" "Wie-so?" - sie wurde rasch lauter: "Wieso?! Sag mir, warum!" Sie brüllte wieder, voller Vorwurf, ziellosem Haß: "Wieso haben sie so lange gewartet? Wieso spucken sie mir sein Blut nicht gleich ins Gesicht?!"
Savea schloß für einen Moment die Augen.
"Es kann .. keinen Grund geben, ausser ihren kranken Seelen, mit denen sie uns auch vergiften. Lass es nicht zu .. bitte!" Sie heulte auf, ein weiterer, nun gepeinigter Aufschrei. Er hielt sie einfach nur fest: "Schrei alles heraus, sonst zerfrisst es dich."
"Hör auf", fauchte sie tonlos, "Hör auf. Lass mich los." Es klang zunehmend verzweifelt. "Ich will dir nicht weh tun. In die Ecke gedrängtes Tier. Geh weg, ich bin eine Gefahr."
"Nein, werde ich nicht. Nicht, wenn du es in dich reinfrisst, hörst du? Meinethalben prügel deine Wut an mir heraus, das ist besser als das, was du tust."
"Lass mich los!" Sie wusste hinterher nicht einmal mehr, wie sie plötzlich nach ihm geschlagen hatte, doch sie traf ihn irgendwie im Gesicht - und er nahm es einfach nur hin. Viola blinzelte mit leicht geöffnetem Mund. Saveas Hand krampfte sich schließend um den Ring.
"So du dich nun besser fühlst..."
Sie sah ihn nur entsetzt an. "Was hab ich getan?"
"Lass mich los...", zittrig klang es nun, die Stimme gebrochen.
Endlich nahm er seine Hände von ihr, straffte sich, seine eigene Miene nun ein einziger Eisblock, den nur die Augen verrieten. "So du eine Freundesschulter brauchst, bin ich immer da, das weisst du. Sei es, um sich anzulehnen oder drauf einzuschlagen." Sie sah ihn nur leer an, als hätte sie selber eine verpasst bekommen. Er wandte sich um, erst zögerlich, riß sich dann merklich los.
"Der Freund wird immer da sein." "Freund..." - es hatte einen seltsamen Beiklang, wie irgendeine Ecke ihres Verstandes noch registrierte. "Ich werde im Schloss sein." - er wandte sich zu Savea und Viola: "Kümmert euch um sie.. bitte. Und lasst mich hinaus."
Sie sah ihm leer nach. "Was hab ich getan?"
"Sie machen... alles... kaputt. Ich mach alles...", flüsterte sie fast lautlos. Viola kam näher, zögerlich, sah auf die Uhr, dann wieder zu ihr. "Nein. Nicht du auch! Ich muß diese Wut irgendwie loswerden!" "Bleib weg!", rief sie Vio entsetzt und warnend zu, im nächsten Moment hatte sie den Becher mit Kräutertee in der Hand und schleuderte ihn gegen die Statue, wo er in Scherben zerbarst. Viola sah dem Becher nach, dann zu ihr, mit undeutbarem Blick - und wandte sich schweigend ab. Zyran stand plötzlich in der Haustür und schaute verdutzt auf den sich zwischen den Tassenresten verteilenden Tee. Viola schlich mit hängenden Schultern die Treppen hoch, Darna sah ihr nach. Ihr Mündel, sie war für sie verantwortlich... und doch hatte es Momente gegeben, in denen Viola Recht damit gehabt hatte, Darna selber zu schelten: "Du stellst immer Regeln auf, bis sie für dich selber gelten sollen, nicht?", sprach sie leise, monoton zu sich, "Jetzt randalierst du hier rum, tust alles... daß sie gewinnen."
Sie starrte zu der Statue, bis Savea in ihr Blickfeld trat und die Scherben aufsammelte. "Räumt nicht die Scherben hinter mir her, die ich hinterlasse...", sagte sie tonlos und leer, setzte sich lahm in Bewegung. "Was ich aufzusammeln gedenke, könnt Ihr getrost mir überlassen, Milady", erwiderte Savea mitfühlend. Ob es Darna erreichte, war kaum zu erkennen - wahllos hatte sie sich einen Umhang von der Garderobe gegriffen und verließ das Haus, ohne ihn anzulegen.
"Milady...?"
"Kloster."
Damit verschwand sie.