Grabschändung am Klosterfriedhof

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Nevyn Silberhand

Grabschändung am Klosterfriedhof

Beitrag von Nevyn Silberhand »

Eigentlich hatten sie sich verabredet, um eine kleine Diskussionsrunde abzuhalten.
Doch wie so häufig kam alles anders, als geplant.
Die fünf Brüder und Schwestern der Streiter Temoras und Hochwürden Mecandis waren just auf dem Weg gen Kloster,
als ihnen der Kronritter de Arganta und der Prior Priceps des Konvents entgegenkamen, in heller Aufregung.
"Alarm!...Letharen...Kloster...Friedhof...Alarm!" sprudelte es aus Sir Rafael heraus, der eine unglaubliche
Hektik an den Tag legte.
Nichtsdesto trotz war der ernst der Lage offensichtlich und es wurde sich gerüstet und in zwei Gruppen aufgeteilt.
Eine Gruppe um Sir Rafael ritt westlich um das Kloster herum, Nevyns Gruppe östlich am Wasser entlang.
Vor dem Friedhof, auf dem unter anderem die sieben Kinder Temoras begraben liegen, trafen beide Gruppen wieder
zusammen und es war schon von weitem offensichtlich, dass dort etwas gewaltig nicht stimmte.
Das feste Tor des kleinen Kirchenangers war zertrümmert und aus den Angeln gehoben, davor standen zwei düster
aussehende Kreaturen mit gezückten Waffen und auf den Gräbern trampelten fünf weitere Letharen herum, zischend
und fauchend in ihrer verdorbenen Sprache.
Sie schienen nach etwas zu suchen, wühlten wie Tiere in der Erde...
Eine kurzen Moment rang der Ritter Temoras um Fassung.
Was konnte diese Wesen dazu bringen, freiwillig einen derart geweihten Ort aufzusuchen, so nahe am Baum des Lichtes?
Die Schmerzen mussten unerträglich sein und dennoch...
Just in diesem Moment bemerkten die Letharen sie und ihre ohnmächtige Wut schien sich nochmals zu steigern.
Fast schon panisch wimmernd, grub eine von ihnen hastig am Grab des Großritters Kelan von Falkenburg herum,
angetrieben von den peitschenden Worten des scheinbaren Anführers.
Hochwürden Mecandis erhob das Wort und wiedereinmal war Nevyn froh, dass sie auf ihrer Seite stand, denn direkt
auf ihr Gebet hin krachte ein Blitz in die Gruppe der Letharen, der selbst dem mehrere Meter entfernten
Ritter sich die Nackenhaare sträuben liess.
Der Prior Volospa beschwor eine Feuerwand, die den Fluchtweg versperrte und kampfbereit verharrten beide Seiten,
sich gegenseitig belauernd und nach einer Schwäche des anderen suchend...
Nur die eine Lethra buddelte wie besessen weiter, immer wieder von Blitzen malträtiert.
Sir Rafael drägte darauf einzuschreiten, damit keine Zeit verloren wurde und dann trat Hochwürden Mecandis nach
vorne, Nevyn an ihrer Seite mit erhobenem Schild und machte den Letharen unmissverständlich klar, dass wenn
sie weitergruben, sie diesen Ort nicht lebendig verlassen würden.
Sollten sie jedoch abziehen wollen und ihre Niederlage eingestehen, würde man ihnen nicht nachsetzen.
Einige Blitze später trat einer der Letharen vor.
Sichtlich geschwächt kam er vor Victoria zum stehen und hob in einer müden, fast Zeitlupenartigen Bewegung sein Schwert.
Nun reichte es dem Ritter. Nevyn trat vor, den geweihten Schild zwischen Victoria und den Letharen schiebend,
keine Sekunde zu früh, denn der Hieb des blauhäutigen glitt funkensprühend daran ab.
Es folgten einige weitere solcher Schläge, alle wohl mehr aus der Verzweiflung heraus geführt und in der
Hoffnung, die anderen würden sich zu sehr auf das Scharmützel konzentrieren als das sie eine Flucht der restlichen
bemerken würden...
[img]http://galerie.alathair.de/albums/userpics/12095/Leth3.JPG[/img]
Zuletzt geändert von Nevyn Silberhand am Freitag 9. November 2007, 12:05, insgesamt 1-mal geändert.
Velvyr´tae

Beitrag von Velvyr´tae »

Hass, grenzenloser Hass. Jede Faser ihres Körpers vibrierte wie eine Saite, gespannt auf das Instrument eines wahnsinnigen Gottes. Der Damm aus jahrzehntelang antrainierter Selbstdisziplin wich widerstandslos vor der übermächtigen Flut. Sie wurde fortgespült, die Welt in blutiges Rot getaucht. Sie wünschte sich, schreien zu können, sich der wilden Kraft zu ergeben und dem Rausch zu verfallen. Ein letzter Rest Vernunft klammerte sich verzweifelt fest, versuchte den Zorn in jene Bahn zu lenken, die diese urmächtige Kraft zu steuern vermochte. Doch vergebens. Sie fühlte ihre Geschwister, rotglühende Feuer in der strahlenden Helligkeit dieses verdammenswerten Ortes. Ein Chaos aus Hass und losgelassener Wut, angestachelt noch von Ausichtslosigkeit ihrer Situation.

War die grauenhaft klare Präsenz Temoras der Auslöser gewesen? Es war bis zu diesem elendem Ort alles nach Plan verlaufen. Die kleine Gruppe hatte sich diszipliniert und unbemerkt durch das Unterholz dem Gelände genähert, jede sich bietende Deckung nutzend. Ihr Ziel war hoch gesteckt - doch was anderes, als das Größte, durften sie dem Panther bieten? Es war blanke Arroganz gewesen, sich diesem Ort so unvorbereitet zu nähern. Es war so einfach, ihren Widersachern aus der Entfernung jede bedeutende Macht abzusprechen, doch der Blutzoll für diese Dummheit wog schwer. Wie der Lethrixor Lae'ras in der ernüchterten Atmosphäre danach gesagt hatte – die Verteidiger des Friedhofes waren lediglich Hindernisse auf dem Pfad des Einen. Aber welche Hindernisse! Es wäre purer Wahnsinn gewesen, sich auf einen Kampf einzulassen. Und doch hatte sie nur die Beherrschung des Lethyrs zurückgehalten, sich selbstmörderisch auf die Krieger in ihren so grellen Rüstungen, erhellt vom geisterhaften Licht, zu stürzen. Welche Ironie, dass der Lethyr, an dessen geistiger Verfassung hinter der Fassade gemunkelt wurde, der einzige zu sein schien, der sich in dieser Situation unter Kontrolle behielt.

Die immer stärker werdende Aura, die drohende Präsenz der Streiter der Sehergöttin trieb die Letharen zu verzweifelten Taten. Nur der Lethyr nahm das Scheitern ihres Planes an, das Versagen jedes Einzelnen. Viy'xale schrie und tobte mit der ganzen Kraft ihres Trotzes dagegen an, trommelte wie eine wilde – und wenig effektive – Furie gegen den Sarg. Jeder ihrer Schläge wurde mit einem Blitz beantwortet, der ihren schmalen Körper erbeben ließ, ihre verbissene Entschlossenheit jedoch nur noch stärkte. Ein neuerliches Kreischen in den dissonanten Tönen der Letharensprache riss das Gewebe ihrer eigenen Nerven entzwei. Mit einem Fluch stürzte sie sich auf die Lethra, nur von dem Wunsch beseelt, ihr zerfetzendes Gejammer und Getobe zu beenden, als der nächste Blitz niederging und auch durch ihren Körper raste. Geschüttelt vom Beben ihrer Muskeln, gequält vom Schmerz, wurde ihre Wahrnehmung in tiefes Rot gefärbt. Brutal grub sie ihre rechte Hand in das Haar Viy'xales, rücksichtslos daran reissend.

Es ist GENUG! knurrte sie, die strapazierte Stimme beim letzten Wort an ihre Grenzen treibend. Wir haben versagt...

Ein letztes, verzweifeltes Heulen, dann ergab sich die Jüngere. Durch all das Chaos der schwirrenden Stimmen drang etwas vertrautes, etwas das den Schleier des Zorns durchbrach.

RÜCKZUG!

Es war die befehlsgewohnte Stimme, die in ihr den Instinkt weckte, der allen Letharen anerzogen wurde. Befehle waren zwiespältig, so häufig nur zu eigenem Schaden auszuführen. Doch willkommen, denn sie reduzierten die Komplexität der Welt auf ein einfaches, klar strukturiertes Universum. Sie straffte ihre Haltung, Asche rieselte von den verbrannten Stellen ihres Umhanges. Hinaus, nur fort von diesem verfluchten Ort. Ein letzter, so hasserfüllter Blick auf die Reiter, als wolle sie sich dieses Bild auf ewig in die Netzhaut brennen. Dann wandte sie sich ab, folgte ihren Geschwistern durch Unterholz und Wald. Kein Vergleich zu ihrer Ankunft – die Letharen wirkten mitgenommen, manche verwundet, und alle bebten vor mühsam zurückgehaltenem Zorn. Ihre Rückkehr verlief in Schweigen.

Sie hatten alles gewagt und verloren. Wie würde Alatar, der Gnadenlose, das Versagen seiner Kinder aufnehmen?
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