Sieben Schreine, sieben Tugenden und ein Knappe
Der Besuch der 7 Schreine der Temora
Einen Nachmittag trafen Thelor und Larius sich in der Festung der Allianz.
„Welche der 7 Tugenden hältst du für besonders wichtig Larius?“ Nach Thelors Frage überlegte Larius eine Zeit. War dies eine Fangfrage? „Alle Tugenden sind wichtig“, antwortete Larius nach einiger Zeit auf die Frage. Das war wohl nicht die Antwort die Thelor hören wollte und er fragte nochmals. „Welche der 7 Tugenden hälst du für die wichtigste?“ Nach nochmaligen überlegen antwortete Larius dann: „Gerechtigkeit ist meiner Meinung nach die wichtigste der 7 Tugenden“. Zum Glück fragte Thelor nicht nach, warum er die Gerechtigkeit gewählt hatte, denn das wusste Larius selber nicht genau. Es war eher ein Bauchgefühl mit welchem er antwortete, was deshalb aber nicht falsch sein musste.
Der Schrein der Gerechtigkeit
Thelor führte Larius, nach dem Gespräch in der Festung der Allianz, zu einer Langzunge unterhalb des Klosters. Dort stand er, der Schrein der Gerechtigkeit. Thelor schritt die Stufen zum Schrein hinauf und kniete sich nieder. Larius tat es ihm gleich. Nach einem Moment der Ruhe fing Thelor an zu erzählen.
„Der Schrein der Gerechtigkeit ist ein Mahnmahl gegen Launenhaftigkeit und Willkür.
Erbaut wurde der Schrein von Semborel. Semborel ist eines der sieben Kinder Temoras. Die sieben Kinder Temoras bauten die sieben Schreine der Temora und verkörpern jeweils eine der sieben Tugenden.
Samborel war das Kind der Gerechtigkeit. Er war der Sohn eines Richters welcher kein gerechtes Urteil traf, da er von seiner Laune und seinem Befinden, beim Handeln, geleitet wurde. Die Leute des Dorfes fürchteten die Launen des Vaters. Samborel versuchte auf ihn einzureden, doch ohne Erfolg. Die Launen seines Vaters nicht mehr aushaltend, floh Samborel. An diesem Ort empfing er seine Lehre und baute den Schrein der Gerechtigkeit als Mahnmahl, vor Leuten wie seinen Vater.“
In einem kurzen Moment der Ruhe ließ Larius, dass ebend gehörte, auf sich einwirken, schließlich fuhr Thelor fort.
„Merke dir diesen Ort. Wenn du nicht weiter weißt, dann erinnere dich an seine Existenz und suche ihn auf. Dieser Ort wird dein Handeln lenken. An diesen Ort wirst du Ruhe finden.
Heilige Temora mögest du mit deiner Gerechtigkeit stets das handeln meines Knappen Larius lenken.
Ihn stets behüten und gerecht handeln lassen, auf den Wegen die noch vor ihm liegen.“
Als Thelor das Gebet beendet hatte, gab er Larius die Aufgabe, zum Abend den Schrein aufzusuchen und eine Nacht dort zu verweilen.
Als es Abend wurde informiert Larius den Oberst über seinen Aufenthaltsort und machte sich auf den Weg zum Schrein der Gerechtigkeit. Der Wind wurde immer heftiger. Unterhalb des Klosters traf er Thelor. Wasser spritzte ihnen ins Gesicht und die Wellen werden immer höher. Die Beiden beschlossen die Nacht am Schrein auf einen anderen Abend zu verlegen.
Am Abend, zwei Tage nach dem Unwetter, kehrte Larius zum Schrein zurück. Der Weg dorthin war matschig. Der Schrein blieb zum Glück unbeschädigt.
Die Sonne ging unter und als er ein Abendgebet gesprochen hatte legte er sich zur Ruhe. Er schaute in den Himmel. Alles war still und er machte sich Gedanken darüber, warum er als wichtigste Tugend die Gerechtigkeit ausgewählt hatte.
Was war für ihn eigentlich Gerechtigkeit? Wie könnte man diese Beschreiben? Am besten wohl durch das Gegenteil, die Ungerechtigkeit, wie sie Samborel erst durch seinen Vater kennenlernte, da dieser nicht Gerecht handelte. Ungerechtigkeit gibt es überall auf der Welt. Kann man eigentlich immer Gerecht handeln? Der Mensch ist voreingenommen. Schlechte Erinnerungen bleiben eher im Gedächtnis als gute. Kann man von anderen gerechtes Handeln erwarten? Jeder hat wohl ein anderes Bild von gerechten Handeln. Was für den einen Recht ist, kann für den anderen Unrecht sein. Wenn zwei Soldaten einen höheren Posten verdient hätten und man nur einen befördern könnte, müsste man sich entscheiden. Tut man einen von den beiden nicht Unrecht, wenn man nur einen befördert? Fühlt sich der nicht beförderte Soldat ungerecht behandelt? Bestimmt tut er das! Sollte man deshalb aber keinen befördern? Man müsste den nicht beförderten, seinen Entschluss erklären um Missverständnisse zu verhindern. Dieser Mensch darf sich nicht ungerecht behandelt fühlen. Enttäuscht darf er sein, aber er darf sich nicht ungerecht behandelt fühlen.
Gerechtigkeit bedeutet, seine Mitmenschen fair zu behandeln und auch schlechte Erinnerungen zu vergessen, wenn dieser gutes getan hat.
Gerechtigkeit steht also dafür, seine Mitmenschen fair zu behandeln, Vorurteile zu vergessen und an das Gute im Menschen zu glauben.
Genau das war es warum Larius die Gerechtigkeit gewählt hatte, er hasste es Unfair behandelt zu werden und hat selber versucht immer fair zu handeln.
Mit diesen Gedanken schlief er ein. Am Morgen wachte er auf und nach einem Gebet, welches an Temora gerichtet war, um ihr für seine nächtliche Eingebung zu danken, ritt er zurück nach Varuna.