Sturmflut! Seraphims Tod!

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Baygon Lypsan

Sturmflut! Seraphims Tod!

Beitrag von Baygon Lypsan »

*Der Abend war hereingebrochen und es versprach eine klare sternenreiche Nacht zu werden als der Wind auffrischte*

Baygon kam ostwärts zum Scheideweg vor Bajard, wo sich eine kleine Menschentraube bildete. Sie diskutierten über das raunende Geräusch das vom Meer her die Südostküste erreichte und die darauffolgenden Symptome, dass ein Sturm auf das Festland zu rast. Er war vorerst nur amüsiert über die Panikmache und beobachtete das Treiben. Doch der Wind wurde stärker, die Geräusche intensiver und Baygon wurde neugieriger, so dass er sich zur Küste begab um sich das etwas genauer anzusehen.
Der Anblick der sich ihm bot war atemberaubend, und er sollte schon bald feststellen, dass dies wörtlicher zu nehmen ist. Im Zentrum des nahenden Sturms bildete sich eine unnatürliche Windrose blau schimmernd. Als der Sturm fast gänzlich an der Küste angelangt war, teilte sich eine kleinere Windrose von der zentralen und bildete eine Wand die auf die Küste zu steuerte.
Baygon wurde allmälich Gewahr dass es gefährlicher war als er zunächst vermutete, und dann begannen die Anfälle.... auf dem Weg Bajard zu verlassen geriet er in Atemnot. Unnatürliche Atemnot. Er fühlte sich als würde er ersticken und sog die Luft beinahe panisch ein und wieder aus. Der Wind war nun so stark, dass man kaum noch gehen, geschweige denn laufen konnte und der Anfall raubte ihm die Kräfte, so dass er wie vom Wind geschlagen gegen das Aushängebrett aufschlug und dort niederging, stets in dem Bemühen seine Atmung zu kontrollieren. Doch es gelang ihm nicht....anschließend schloss er seine Augen und versuchte sich zu konzentrieren; sich auf das Lied zu konzentrieren als er eine Anomalie in diesem erkannte und schockiert die Augen aufriss.
In diesem Zustand verging die Zeit schneller als er es erahnen konnte. Er sah sich um, und sah wie wie Windrose gepaart mit meterhohen Wellen auf die Akademia Arcana und das dahinterliegende Kloster zuraste.

Baygon stand auf, seine Atmung normalisierte sich zeitweilig, und er begann gegen den Wind zu kämpfen, und taumelte in Richtung Akademie. In unmittelbarer Nähe der Akademie sah er was die Flutwelle zuvor, und der Wind nun im nachhinein, anrichtete. Dachziegel flogen durch die Lüfte, riesige Steinblöcke bröckelten von der Fassade herab.
Er konnte kaum noch sehen, so dicht war die Gicht des mit peitschendem Regen gepaarten Windes, doch erkannte er zwei Personen die sich bei ihm aufhielten. Diener Temoras. Der eine schien ein Ritter zu sein, jedenfalls zeugte seine Rüstung und ein paar andere Indizien darauf. Die andere Person war weiblich und Baygon kannte sie von irgendwoher doch wusste er sie nicht recht einzuordnen. Ihr Name jedoch wurde ihm gewahr; Kyra Nair.
Plötzlich vernahm er einen Hilfeschrei. Seraphim! Er war wohl noch im Gebäude! Baygon musste sich nun bäuchlings hinlegen und sich mit den Armen an die Akademie heranrobben, so stark war der Wind inzwischen. Am Haupttor angelangt öffnete er es mit großer Mühe und hechtete mit dem Wind zur verschütteten Türe. Dort sah er, dass die Tür die in die Hallen der Akademie führt, von Felsen versperrt war. Er musste erstmal wieder zu Atem kommen ehe er weitere Anstrengungen unternahm. Als er dann die Steine näher musterte war ihm klar, dass er mit Muskelkraft hier nicht weiter kam. Magie musste her, doch die Anwendung die ihm in den Sinn kam hatte er ewig nicht gewirkt und war ihm fast gänzlich aus dem Gedächnis entfallen. Er schloss, im heulenden Wind an die Wand gelehnt, die Augen und konzentrierte sich auf das Lied, welches zu allem Überfluss durch den Sturm nun noch verzerrter und gespickter war. Die Applikation in seinem Gedächnis suchend, fand er wonach es ihm verlangte und wirkte...der große Felsen gleich vor der Tür begann allmählich zu schweben, und weiter noch sich langsam von der Tür wegzubewegen, ehe er unsanft und hart auf einer Fliese aufschlug.
Der Weg war frei, nun war Eile geboten....er öffnete die Tür und fand Seraphim gleich im Flur vor.... sein Bein war von einem Felsen blockiert, der wohl von der Decke herabstüzte... um ihn herum weitere Trümmer und Staub. Seraphims Stab, den er wohl aus der Hand gleiten ließ als die Trümmer herabstürzten, lag ebenfalls mit dem Fussende unter dem Stein, der Seraphims Bein blockierte. Eine ausgezeichnete Hebellage, dachte sich Baygon, und zerrte an dem Kopfstück wodurch der Stein von seinem Bein rollte und die Wunde freilegte. Es war offensichtlich, dass das Bein gebrochen war. Er stützte Seraphim auf und ging mit ihm zur Türe um wieder zurückzukehren...zurück in diese nasse Hölle....es half nichts, das "Wetter" wurde schlimmer, rundherum um die Akademie schlugen zahlreiche Blitze ein, der Wind wurde schneller stärker, brutaler und dass mitgetragene Wasser wirkte wie ein tausendfacher Peitschenschlag. Sie gingen los...mit aller Kraft in den Wind gelehnt, der nun genau auf sie zu kam. Ihr gemeinsames Gewicht erleichterte das Vorankommen wenn auch nur spärlich. Fast am Tor angelangt sah Baygon den Ritter und die Priesterin am Tor stehen. Sie hatten sich wohl vorgekämpft... doch plötzlich zerrte Seraphim an Baygon und wollte zurück gehen. Er schrie aus voller Kehle: "Die Bibliothek! Die Bücher! Ich muss zurück!" In Baygon wuchs die Wut heran, er hatte ihn nicht da raus geholt um ihn wieder zurückzuschicken. "Ihr geht nirgendwo hin! Ihr bleibt hier bei der Priesterin und dem Ritter! Ich hole die Bücher!" Dann schubste er Seraphim vor, und befahl den beiden sich um ihn zu kümmern und auf keinen Fall loszulassen. Baygon hielt sich derweil am Gitter fest ließ es dann los , wurde vom Wind erfasst und schleuderte zurück in Richtung Akademie, wo er nicht unsanft an der Mauer aufschlug und nach Fassung rang.
Als er wieder klar sehen und denken konnte, betrat er die Hallen der Akademie erneut. Die Tür war gar nicht mehr vorhanden, denn der Wind hatte sie aus den Angeln gehoben und fortgetragen. Drinnen hechtete er durch die Flure, stets herabfallenden Felsen ausweichend. Die Blitze polterten immer heftiger und näher hinab, rings um die Akademie. Er wühlte sich förmlich durch die Regale, ehe er die Bände die Seraphim verlangte mit einer Kordel zu einem Paket zusammenband und sich über die Schulter warf. "Nichts wie raus!", dachte er sich als die Decke bald gänzlich einzustürzen drohte. ... Er hielt wieder vor dem Eingang inne. Wieder da raus....Dann sah er neben sich an die Stelle wo er Seraphim gefunden hatte. Der Stab war noch da. Er hob ihn auf und betrachtete ihn eindringlich. "Wär doch Schade wenn der hier zurückbleiben würde und da draußen ist er mir von nutzen..", sagte er eher murmelnd, und klammerte sich an ihm fest ehe er wieder heraustrat und sich zum Tor vorkämpfte. Dort wieder angelangt, bot sich ihm ein Anblick den er nicht erwartet hatte...Seraphim war tot!! Erschlagen, von einer herabgestürzten Statue. Baygon hatte es nun satt. Er hatte den Wind satt, den Regen, die Blitze, seine Muskeln schmerzten sein Kopf pochte und immer wieder diese Atemanfälle. Er hasste diesen Sturmm diese unnatürliche Windhose. Nun völlig außer sichm brüllte er den Ritter und die Priesterin ob ihres Versagens an, packte Seraphim an der Robe und zerrte ihn Richtung Kloster. Die beiden folgten. Ihnen wurde prompt Einlass geboten, Seraphim wurde in der Kapelle, die als Notunterkunft diente, vor dem Altar aufgebahrt. Baygon ließ sich erschöpft ,nass und müde auf einer der Bänke nieder. Er musste ruhen...lange ruhen....ja... ruhen.
Zuletzt geändert von Baygon Lypsan am Freitag 26. Oktober 2007, 19:20, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

An der Südostküste Gerimors, am 24. Goldblatt

Sehr seltsame Dinge hatten sich gestern vor der Küste zwischen Bajard und dem Kloster, vor allem auf der Landzunge, wo die Akademia Arcana und der Schrein der Gerechtigkeit standen, abgespielt.

Daß die Erde bebte, war inzwischen ja schon fast nichts neues mehr. Ein Zittern ging durch den Boden - und einige Minuten später nochmal. All jene Wesen, die sich Eluive nah verbunden fühlten, spürten wieder dieses beklemmende Gefühl, als bekämen sie kaum Luft und würden ersticken. Draußen auf dem Meer war dann ein seltsames Phänomen zu beobachten: grellweiße Wolken ballten sich wie eine Gewitterzone zusammen, und aus diesen Wolken bis runter zum Wasser bildete sich eine gewaltige, von Blitzen umspielte Windhose. In hellem blau schien sie zu leuchten.
Es waren diesmal nicht Eluivediener alleine, die etwas spürten: Temora stark zugewandte Seelen erlebten Furcht, als drohe ihnen, der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden. Sollte der Schrein der Gerechtigkeit gar in Gefahr sein?

Kleinere Wellen fingen derweil an, höher als normal gegen die Küste zu platschten, einige Angler brachten sich schnell in Sicherheit, einiger bajarder Unrat wurde mit ins Meer gerissen. Dann löste sich aus der gewaltigen Windhose eine kleinere und raste fast wie gelenkt wirkend auf die Landzunge zu.
Das kleine Wäldchen, in dem Flügelaffen und Kopflose wandelten, wurde direkt getroffen und verwüstet - doch fielen die untoten Wesen sogar schon einfach wie leere Hüllen um, bevor die fremdartige Naturgewalt darüberrauschte.
Völlig schadlos verblieb der Schrein der Gerechtigkeit - umso härter traf es die Akademia Arcana: die entfesselten Gewalten aus Wind, Wasser und Blitzen gingen über dem Gebäude nieder, wieder wurde der Boden erschüttert und drinnen schrie der Akademiemagier Seraphim, als die Wände zu reißen begannen und Dachschindeln zu Boden fielen. Gerade wollte er selber sich zur Tür retten, als das Mauerwerk neben ihm einstürzte und ihn verletzte, zu Boden riß.
Heldenmutig hatten drei Personen draußen sich dem Spektakel genähert und versuchten, den eingeklemmten Mann drinnen zu retten, während um sie das blanke Grauen zu toben schien. Über dem Dach der Akademie sammelten sich mehrere Blitze zu einem gewaltigen Kugelblitz, der das Haus hoffnungslos auseinanderriß, gerade konnten die Menschen selbst noch sich und wenige wertvolle Bücher retten. Drinnen geborgen, ereilte draußen makabererweise Seraphim doch noch der Tod, als eine der Säulen neben ihm umkippte und den Mann unter sich begrub.
Man barg die Leiche.

Direkt nördlich der Akademie riß gar der Boden in einer tiefen Erdspalte auf, aus der Tiefe klang ein durchweg seltsames Geräusch, während gar ein wenig Lava an die Oberfläche trat: Wie ein unmenschliches Seufzen klang es, dumpf, langgezogen, eher in den Eingeweiden zu spüren, als zu hören.
Was dann nur wenige Augen noch beobachteten, war eine schmale Wasserwand, die nochmal auf die Küste zuraste, doch teilte sie sich wie ein majestätischer Flügelschlag, und mit einem Knall gingen zu beiden Seiten die Wassermassen noch auf dem Meer nieder. Ein befreiender Knall - wo zuvor Beklemmung und Atemnot geherrscht hatten, füllte sich die Lunge mit herrlichster Luft, stärkte, gab Zuversicht.

Dann, wenige Momente... Stille. Stille, die man zu hören vermeinte, denn auf ganz Gerimor schienen Welt und Tierreich kurz andächtig zu schweigen. Die Wolken rissen wieder auf, gaben den klaren blauen Himmel frei.
Was mochte das alles gewesen sein?
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

"Was für ein eigenartiger Sturm..", dachte Demoar bei sich, als er das Buch zur Seite legte und aus dem Fenster der Burg des Hauses blickte. Wellen traten hoch über die Ufer, der Regen schüttete dergestalt, dass der Boden schon seit Langem nicht mehr im Stande war, die Wassermassen in sich aufzunehmen. Meterdicke Bäche bahnten sich ihren Weg durch durch das hohe Gras wieder zurück zum Meer, wo noch immer schäumende Gischt, wie eine geifernde Hydra emporschoss.
Seufzend wandet er sich vom Fenster ab und hob wieder das Buch an, als sei es von jetzt auf gleich von einer derartigen Seltenheit und Seltsamkeit geprägt worden, dass ihm nunmehr die ganze Aufmerksamkeit Demoars galt.

Ein dumpfes Pochen riss ihn, aus seinen weitschweifigen Gedanken, die doch alles zum Gestand gehabt zu haben schienen ausser des Buches, das noch immer wohlverwahrt in seiner Hand ruhte und seinen bohrenden Blick erdulden musste. Langsam legte er es auf die Kommode und wandte sich zur Tür. Die gewundenen Steinwände und -treppen der Burg wurden von einem schaurigen Licht schwächlich züngelnder Fackeln erhellt und verliehen der gesamten Szenerie eine gewisse Unwirklichkeit.
Unten am Tor angekommen, stand vor ihm ein pitschnasser Mann, der aus der Innenseite seiner Tasche eine fast ebenso durchnaesste Depesche zutage förderte. Das Siegel zu brechen war schon nicht mehr nötig, denn das Pergament war derart aufgeweicht, dass sich das Siegel schon fast vollständig abgelöst hatte. Er entrollte also mit gebotener Vorsicht das breiige Papier und begann die verschwommenen Lettern zu enträtseln. Nicht wenig später stand der Bote wie vom Blitz gerührt allein vor dem noch immer im Wind hin und herpendelnden Tor der Burg, das mit einem leisen Quietschen die Kulisse untermalte. Nur tiefe, viergliedrige, riesige Abdrücke im Matsch zeugten noch kaum eine Sekunde von dem Wesen, das Demoar eben herbeigerufen hatte, ehe sie wie von Geisterhand einer geschmeidigen Matschoberfläche Platz machten, als hätten sie niemals existiert und als sei ihre Existenz genauso unwirklich, wie es die ganze Nacht war.

Kaum als er Berchgard durchritten hatte, hing ihm die Robe wie ein nasser Panzer auf dem Körper und drückte ihn tief auf den schuppigen Rücken des Zostrichs; von unten spritzten immer höhere Fontänen aus Matsch und vollendeten das Bild eines Kindes, das sich aus lauter Tollheit freudig im Matsch gesult hatte.
Je näher er Bajard kam, desto wilder und unberechenbarer wurde der Sturm ... und mit einem Mal ... war alles vorbei; der unwirkliche Tagtraum verfolgen, der grauschwarze Himmel hatte ein durchdringendes Blau angenommen und strahlte nun so ungetrübt hinab, als wolle er hundertfache Entschädigung für die letzten Stunden leisten.

Schlitternd kam das Echsenwesen vor den Trümmern der Academia zum Stehen. Demoar blickte ungläubig auf die Ruine, seine Augen wirbelten ungläubig über den Trümmern hin und her, nicht in der Lage, das Ausmaß der Katastrophe auch nur Ansatzweise zu ermessen. Die Academia Arcana war zerstört, dieser Tempel des Wissens, in dem er seine Ausbildung begonnen hatte und nunmehr auch lehrte. Was würden Amphion und Aldred sagen, wenn sie dies sahen.

Seufzend sank er auf den matschigen Boden nieder und verharrte eine Weile vor den Trümmern, unfähig sich zu regen oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen...
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