vor und im Nebelwald

Antworten
Darna von Hohenfels

vor und im Nebelwald

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Völlig atemlos kam Zoe in den Speisesaal des Klosters hereingehastet, und wieder bewahrheitete sich ein Fluch, der auf Darna auch ohne Hexe zu liegen schien: soviel also zum Wunsch nach einem ungestörten und vertraulichen Gespräch mit Sorcha...

Was allerdings der Grund für die Störung war, wischte tatsächlich mit routinierter Zuverlässigkeit jedes Denken an persönliche Probleme beiseite. In nach Luft ringenden Sätzen berichtete Zoe davon, Shaya beim Haus gefunden zu haben - vergiftet, verletzt und ein Brandzeichen... im Gesicht.
"Sie sagte was von Alter Tunnel, und einer Templerin..."
In Darna stieg nach dem Entsetzen Wut hoch. "Könnt Ihr das - beheben?", fragte sie zu der Gesichtswunde, und Zoes Worte machten nicht viel Hoffnung. Es würde nur eine größere Wunde verursachen.
Sie hatte dieses Gefühl von Übelkeit und Ensetzen, wenn es um Verletzungen des Gesichtes ging, schon fast vergessen, ihre eigenen Narben längst als Teil von sich akzeptiert, doch Shaya - ihrer Befürchtung nach derart verstümmelt, nur weil sie zu Darnas Umfeld gehörte, das...

"Ich muß los."
"Was habt Ihr vor, Milady?"
"Die Heiler der Elfen verstehen sich darauf, solche... Narben zu vermeiden oder zu entfernen." Lange war es her, doch sie entsann sich noch nur zu gut an die Arglosigkeit der Frage einst aus dem Mund der Elfe - Liella? - ob diese Narben von ihr akzeptiert waren, und daß es ansonsten nur natürlich wäre, sie zu entfernen... es war nun ein regelrechtes Auflodern von Hoffnung, daß Elnesta zu helfen vermochte.
"Ich will zum Nebelwald und Frau Elnesta suchen."
"Solange ihr mir versprecht, daß Ihr nicht nach dieser Templerin sucht."
"Dieses Weibsbild soll sich nur vorsehen, mir in die Quere zu kommen!", zischte sie scharf.
"Mylady ... benebelt mit unnötigem Hass denkt Ihr nicht klar ...", sprach Sorcha mahnend, und Darna machte noch ein weiteres Mal ihrem Unmut Luft: "Sich an meinem Personal zu vergreifen, ist ja wohl das Letzte!", ehe sie strikt anfügte, "Ich werde mich auf dem Ritt beruhigen."
"Ich verlasse mich darauf."
Das konnte Sorcha.

Als sich der gewaltige dunkle Rand des Nebelwaldes nach scharfem Ritt vor ihr abzeichnete, trieb sie nichts als Sorge. Es war mitten in der Nacht, verflixt...
Hastig zog sie die Waffe im Gurt auf ihren Rücken und rief wie gewohnt in den Wald: "Ich komme in friedlicher Absicht!", doch nichts als Stille antwortete ihr. "Ich suche Frau Elnesta, Heilerin der Hochelfen, mein Name ist Darna von Elbenau - bitte, es ist dringend!"
Nichts. In ihrer Nervosität wurden aus den Minuten des Wartens am Wegende vor dem Wald endlose Zeiten, während in Shayas Gesicht das Zeichen des Panthers gebrannt...
Nein, sie konnte hier nicht warten und entweder schlicht nur die Nachtruhe des Waldes stören, oder wertvolle Zeit vergeuden. Sie suchte über den Wipfeln den Gebirgszug auszumachen, von dem sie wusste, daß seine Täler Ered Luin bargen, die marmorne Elfenstadt. "Gütige, steh mir bei!", bat sie still, als sie einen Bereich des Waldes betrat, von dem sie meinte, daß es nur ein schmaler Streifen bis zum Berg war. Das vertraute Gefühl stellte sich ein, daß die Nacht keinen bedrohenden Schrecken vor ihr bergen konnte, die Umrisse jeglicher Hindernisse zeichneten sich klar erkennbar vor ihr ab, und sie erreichte die Flanken des Berges.

"Ich muß einen Elfen finden. Ein Elf mich", korrigierte sie sich beiläufig, "und wenn ich bis vor den Paß zur Stadt muß." Nur - wo war der? Die Nebel wurden dichter, ihr gerade mal die schroffen Klippen als Orientierung lassend. Sie ignorierte verwirrende Geräusche, das Aufblinken wie von Licht zu ihrer Rechten - es hatte irgendwas schales an sich, wie ein Theaterstück, daß von hinter den Kulissen betrachtet wurde. Es galt nicht ihr. Langsam, doch zielstrebig schritt sie immer weiter voran, bis sich eine menschengroße Gestalt plötzlich vor ihr abzeichnete. Sie atmete regelrecht erleichtert auf, als eine melodische Stimme sich nach ihrem Begehr erkundigte.
"Bitte, versucht eine der euren, Frau Elnesta aufzusuchen und sagt ihr bitte, daß ich dringend ihre Hilfe erbitte. Eine Freundin von mir wurde von einer Dienerin des Brudermörders mißhandelt, daß menschliche Heilkunst allein nicht reicht. Mein Name ist Darna von Elbenau, Paladin Temoras."
Nach einer Weile des stillen Musterns, in der sie sich mühte, wieder zur gewohnten Ruhe zu kommen, nickte er und führte sie vermutlich nicht weit - sie erkannte den Platz, an dem die Elfen Adrian und Rafael empfangen hatten. Ironischerweise der Teich, zu dem sie die verletzte Elnesta gebracht hatte.
"Warte hier."
Warten. Leises Seufzen. Warten, ja. Was blieb ihr auch übrig?
Benutzeravatar
Lamentinu Celebren
Beiträge: 1105
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Lamentinu Celebren »

Leicht runzelte sie die Stirn und machte sich statt Elnesta auf den Weg zu Darna.

Seid gegrüßt, hîn en edain. sprach sie leise, noch zwischen den Bäumen stehend, doch mochte der leichte silbrige Schimmer ihres Haares recht schnell in das Auge der Menschenfrau springen, wenn sie nach der Quelle der Stimme suchte. Elnesta ist zur Zeit nicht abkömmlich, da die Geburt ihres Kindes nicht mehr fern ist und sie momentan Ruhe braucht... vielleicht mag ihre Schwäche in zwei Tagen nachgelassen haben, doch vielleicht mag auch das ungeborene Leben bis es das Licht der Welt erblickt, ihr Verweilen in Ered Luin erfordern. Nicht sicher bin ich mir, ob ein anderer der unseren Völker eurem Anliegen gerecht werden kann... so schildert genauer euer Begehr. Alte Augen eines noch jung wirkenden, glatten Antlitzes ruhten auf ihr, eine Antwort abwartend.
Antworten