Maskenball. Herrlich, mal wieder die alten Probleme - vor dem letzten Wochenende hatte sie davon erfahren, und heute lag für den 19. Goldblatt die Einladung auf dem Tisch.
Nein, nicht nochmal die alten Probleme! Jedenfalls würde sie sich nicht mit allem guten Recht von Frau Lyval den Kopf abreißen lassen, derartig kurzfristig ein Ballkleid fertigen zu müssen. Die Vorwarnzeit war lang gewesen, sie hätte sich schon viel früher auf blossen Verdacht hin darauf vorbereiten können, aber dann hätte sie auch nicht besser dagestanden als jetzt.
Sie hatte ihre Garderobe schließlich ihrem Begleiter anzupassen. Und was Graf Adrian von Hohenfels zu tragen wünschte, war seit gestern beschlossene Sache, fantastisch. Als er sie fragte, hätte sie am liebsten abgelehnt und wär überhaupt nicht gekommen. Auch wenn er wenigstens einmal in seinem Leben eine Sache pragmatisch anzugehen schien:
"Die Einladungen sind zwar noch nicht ausgegangen... ich möchte dich dennoch bitten, ob es dir möglich sei, mich zu dem bald anstehenden Maskenball zu geleiten, damit ich nicht gewisse Zeichen ausgebe..."
"Zeichen?", fragte sie verwirrt. Ihr war eigentlich klar, worum es gehen musste, aber es war die einfachste Variante, ihre Gedanken wieder zu ordnen, die mit der Frage plötzlich durchgeschüttelt wurden.
"Dass ich wieder frei bin für eine neue Beziehung - du weisst schon, wenn ich ohne Begleitung dort bin."
"Ähm..."
"Du wärest ein Lebensretter."
War sie ja gern, aber: "Ährm..."
Sie hatte ihn schon mehrfach ins Theater begleitet, wenn Eileen abkömmlich war, da war doch nichts bei. Sie kannte das Problem selber, wenn sie bei irgendwelchen Anlässen damit hatte zurechtkommen müssen, wenn Andrey nicht da war und ein Platz neben ihr leer blieb.
Was war jetzt also wildes dabei? Sie hätte sich insgeheim gerne mal wieder amüsiert, gerade bei einem Maskenball mal auf die übliche Wahrung ihres steifen Image gepfiffen, plaudern, scherzen, tanzen... mit...
Andrey, dem ihre Aufmerksamkeit bei sowas gebührte, war aber nicht da. Da lag der Haken. Und sie konnte, sollte, durfte sich sicher nicht mit Adrian amüs...
"Ährm..."
"Ist dies wohl ein Nein?"
Ja, das war ein Nein. Der erste Anflug von Verlockung an dem Gedanken wurde sofort niedergeschmettert. Wobei er ihr leid tat. Was waren denn da noch für Damen, wo es nicht gleich Getuschel geben würde? Keine, lautete überschlagenderweise die Antwort.
"Ähm, ja - äh, nein! Also... verdammt..."
Es war sehr zuvorkommend, daß er sie wenigstens nicht bedrängen wollte: "Hmm, dann muss ich wohl sehen wie ich dies Problem löse, ohne Erwartungen zu wecken."
Sie seufzte. Irgendwie wollte sie ihm helfen. Er schien sie für die einfachste Lösung zu halten, und irgendwie hatte er damit ja recht:
"Ich weiss wohl, dass bei dir gegeben wäre, eben diese Erwartungen nicht zu wecken."
"Meinst du nicht, bei meiner Begleitung würde es nicht erst recht Gerede geben?"
Er hob eine Braue. "Warum sollte es? Gibt es Anlass?"
"Nein!" Sie holte Luft und suchte nach einem Grund für ihre eigene Skepsis. Langsam ärgerte sie ihr eigenes Herumschliddern, sie führte sich bald auf wie vor ihrem Vater im Kaminzimmer. "Weiß nicht, Leute denken manchmal seltsam... Verlobter weg, dann sucht sie sich den Nächsten, oder sowas?"
Adrian schüttelte den Kopf. "Sie sollten dich besser kennen."
Das fiel ihr nun leicht, zu kontern: "Ja, dachte ich bis zu einem gewissen Vorwurf von Hexerei auch."
"Aber ich verstehe, wenn du es deshalb lieber nicht möchtest..."
"Es, ich hm..." - sie grinste plötzlich schief. "Ach, was soll's. Amüsieren stand eh nie zur Debatte, tu also deine Pflicht und hilf ihm aus der Patsche."
"Um was für ein Kleid muß ich mich dann kümmern?", fragte sie anstelle einer Antwort.
"Wir könnten als Zierrüstungen auftreten?"
"Klingt sympathisch."
"Andernfalls wäre der Harlekin passend."
"Ich sprach nicht von Rafael."
Adrian lachte auf und sie beobachtete ihn schmunzelnd. Nach all der Zeit der Trauer tat es immer wieder gut, ihn lachen zu sehen.
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So eine Art Wasserwesen... das war ja eine herrliche Auskunft. Sie sollte sich also nun auch lauter Sachen in Blau nähen lassen, oder wie? Ihr kam eine andere Idee - nur, ob die noch umsetzbar war?
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1000 Masken
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Darna von Hohenfels
Das Kleid war wunderschön geworden, trotz des bei ihr schon üblichen Hauruck-Verfahrens, in dem es von Fräulein Lescath gefertigt werden musste. Auch Darna hatte aus der Sache gelernt gehabt und aus den Randbezirken des Armenviertels drei Näherinnen als Hilfen angeworben, die trotz der Schufterei sehr froh über die großzügige Entlohnung dafür waren.
Sie schätzte diesen ganzen Tüddelkram nicht, in keinem Fall, wenn es um einen praktischen Blickwinkel ging. Aus golden schimmernder Seide die Unterröcke, glutroter Brokat bildete die festeren Teile des Korsetts, üppig aufgebauschter weicher Samt den Rest des Oberkleides. Unten war es nur eine dünne Lage Samt, die teils mit feinem Draht verstärkt wurde, um den Rock stellenweise in abenteuerlichen Schwüngen vom Reifrock abstehend zu halten. Und dann kamen die aberdutzenden Fransen in diversen Rot-, gold- und Gelbtönen und wenige dezente in blau. Die Farben des Feuers. Daß das Kleid irgendwie ständig in Bewegung schien, unterstützten Massen von luftig drapiertem Tüll. Halb versteckt aufgenähte Edelsteinsplitter sorgten dafür, daß zufällig auftreffende Lichtstrahlen reflektierend gebrochen werden würden.
Als sie das Kleid trug, stand sie in Flammen - völlig anders, als sie früher jahrelang befürchtet hatte. Sie fing an, sich doch auf den Ball zu freuen. Ihre Frisur gestaltete sie im Grunde einfach, totzdem brauchte sie zwei Stunden dafür, und leider waren Shaya und Savea zu unpässlich, um ihr dabei zu helfen. Ein bißchen musste sie darüber schmunzeln und befestigte noch eine der Haarklemmen, die das durch die alchemistische Tinktur langgewucherte Haar luftig hielt. Sie trug sie einfach offen, doch aufgebürstet, wie eine lange Löwenmähne. Das einzige, was sie besorgt hoffte war, daß die Farbe wie versprochen sich wieder rauswaschen würde.
Sie sah in den Spiegel. Freifrau von Elbenau, eine goldblonde feurige Schönheit...
[img]http://img156.imageshack.us/img156/6863/feuerdamext6.jpg[/img]
Sie stellte sich Rafaels Gesicht vor und musste grinsen. "Ob es Adrian gefällt, oder muß ich mir wieder einen dummen Spruch anhören?" Energisch bürstete sie noch eine kleine Strähne auf. Nein, er sollte nicht witzeln, es sollte ihm die Sprache verschlagen, ihm und allen anderen... "Ich kann auch Frau sein, wenn ich will." Der trotzig-stolze Gedanke stockte.
"Und wofür denn, bittschön?" - ihre eigene innere Stimme, strafend, tadelnd. "Du willst dir selber nichts als Probleme bereiten, wenn dich jemand anziehend finden würde?" Einen Lidschlag später ertrug sie sich selber nicht mehr. "Ich hätte nur für einen schön sein wollen..."
Sie kniff die Augen einen Moment und trieb Aarentrutz noch mehr an, als hinter ihr Pfiffe erklangen. Sie preschte durch Berchgard, zum Hafen, und kaum jemand sah mehr als eine Frau mit wehenden goldblonden Haaren auf einem Pferd, die dem heißen Element selber entsprungen zu sein schien. War das denn ein Kleid gewesen, was sie trug? Zumindest das konnten die baffen Gardisten auf den Wehrmauern bestätigen, als sie am Hafen langsam werden musste. "Heißes Fräulein", "Feuer und Flamme...", und noch weit anzüglichere Bemerkungen mehr mochten manchem rausrutschen, ohne von ihr gehört zu werden. Aber niemand, der sie als die einstige Frau Oberst erkannt hätte, im Traum nicht!
"Lameriast!" Sie zahlte die dreifache Summe für die Überfahrt, die Loyalität des Kapitäns und seinen Befehl an die Mannschaft, sich der Dame nicht zu nähern.
Aarentrutz blieb bei Frang. Rafael hatte sie gewarnt, sie wusste selber am besten, was Lameriast für sie bedeuten konnte, doch es war ihr egal. Sollte sich jemand allen Ernstes mit ihr anlegen wollen, sollte er sich mehr als einen Satz heiße Ohren einfangen können. Sie eilte, so rasch es die Gewänder zuließen, gen Westen, an diversen Häusern vorbei, zu einer lange nicht mehr erblickten schmalen Brücke, doch es kam ihr vor wie gestern.
Der Ball fing ohne sie an. Sie sah auf's Meer, seine endlose Weite, die Orm gestern so blumig umschrieben hatte. Die Wellen... im Schloß würde zu Speis und Tanz aufgerufen werden, und ein Graf in den Blautönen des Wassers ohne den geplanten Gegenpart sein.
"Es tut mir leid, Adrian."
"Hör auf, an ihn und den Ball zu denken. Deine Gedanken gehören Andrey, wo immer er jetzt ist. Finde zu dir, finde zu ihm und dann geh wieder nach Hause."
"Es hätte so schön werden können..."
"Hör auf. Du hättest nie zusagen dürfen."
Sie senkte den Kopf und der rote Samt wurde dunkel vom einsetzenden Regen.
Sie schätzte diesen ganzen Tüddelkram nicht, in keinem Fall, wenn es um einen praktischen Blickwinkel ging. Aus golden schimmernder Seide die Unterröcke, glutroter Brokat bildete die festeren Teile des Korsetts, üppig aufgebauschter weicher Samt den Rest des Oberkleides. Unten war es nur eine dünne Lage Samt, die teils mit feinem Draht verstärkt wurde, um den Rock stellenweise in abenteuerlichen Schwüngen vom Reifrock abstehend zu halten. Und dann kamen die aberdutzenden Fransen in diversen Rot-, gold- und Gelbtönen und wenige dezente in blau. Die Farben des Feuers. Daß das Kleid irgendwie ständig in Bewegung schien, unterstützten Massen von luftig drapiertem Tüll. Halb versteckt aufgenähte Edelsteinsplitter sorgten dafür, daß zufällig auftreffende Lichtstrahlen reflektierend gebrochen werden würden.
Als sie das Kleid trug, stand sie in Flammen - völlig anders, als sie früher jahrelang befürchtet hatte. Sie fing an, sich doch auf den Ball zu freuen. Ihre Frisur gestaltete sie im Grunde einfach, totzdem brauchte sie zwei Stunden dafür, und leider waren Shaya und Savea zu unpässlich, um ihr dabei zu helfen. Ein bißchen musste sie darüber schmunzeln und befestigte noch eine der Haarklemmen, die das durch die alchemistische Tinktur langgewucherte Haar luftig hielt. Sie trug sie einfach offen, doch aufgebürstet, wie eine lange Löwenmähne. Das einzige, was sie besorgt hoffte war, daß die Farbe wie versprochen sich wieder rauswaschen würde.
Sie sah in den Spiegel. Freifrau von Elbenau, eine goldblonde feurige Schönheit...
[img]http://img156.imageshack.us/img156/6863/feuerdamext6.jpg[/img]
Sie stellte sich Rafaels Gesicht vor und musste grinsen. "Ob es Adrian gefällt, oder muß ich mir wieder einen dummen Spruch anhören?" Energisch bürstete sie noch eine kleine Strähne auf. Nein, er sollte nicht witzeln, es sollte ihm die Sprache verschlagen, ihm und allen anderen... "Ich kann auch Frau sein, wenn ich will." Der trotzig-stolze Gedanke stockte.
"Und wofür denn, bittschön?" - ihre eigene innere Stimme, strafend, tadelnd. "Du willst dir selber nichts als Probleme bereiten, wenn dich jemand anziehend finden würde?" Einen Lidschlag später ertrug sie sich selber nicht mehr. "Ich hätte nur für einen schön sein wollen..."
Sie kniff die Augen einen Moment und trieb Aarentrutz noch mehr an, als hinter ihr Pfiffe erklangen. Sie preschte durch Berchgard, zum Hafen, und kaum jemand sah mehr als eine Frau mit wehenden goldblonden Haaren auf einem Pferd, die dem heißen Element selber entsprungen zu sein schien. War das denn ein Kleid gewesen, was sie trug? Zumindest das konnten die baffen Gardisten auf den Wehrmauern bestätigen, als sie am Hafen langsam werden musste. "Heißes Fräulein", "Feuer und Flamme...", und noch weit anzüglichere Bemerkungen mehr mochten manchem rausrutschen, ohne von ihr gehört zu werden. Aber niemand, der sie als die einstige Frau Oberst erkannt hätte, im Traum nicht!
"Lameriast!" Sie zahlte die dreifache Summe für die Überfahrt, die Loyalität des Kapitäns und seinen Befehl an die Mannschaft, sich der Dame nicht zu nähern.
Aarentrutz blieb bei Frang. Rafael hatte sie gewarnt, sie wusste selber am besten, was Lameriast für sie bedeuten konnte, doch es war ihr egal. Sollte sich jemand allen Ernstes mit ihr anlegen wollen, sollte er sich mehr als einen Satz heiße Ohren einfangen können. Sie eilte, so rasch es die Gewänder zuließen, gen Westen, an diversen Häusern vorbei, zu einer lange nicht mehr erblickten schmalen Brücke, doch es kam ihr vor wie gestern.
Der Ball fing ohne sie an. Sie sah auf's Meer, seine endlose Weite, die Orm gestern so blumig umschrieben hatte. Die Wellen... im Schloß würde zu Speis und Tanz aufgerufen werden, und ein Graf in den Blautönen des Wassers ohne den geplanten Gegenpart sein.
"Es tut mir leid, Adrian."
"Hör auf, an ihn und den Ball zu denken. Deine Gedanken gehören Andrey, wo immer er jetzt ist. Finde zu dir, finde zu ihm und dann geh wieder nach Hause."
"Es hätte so schön werden können..."
"Hör auf. Du hättest nie zusagen dürfen."
Sie senkte den Kopf und der rote Samt wurde dunkel vom einsetzenden Regen.
Zuletzt geändert von Darna von Hohenfels am Freitag 19. Oktober 2007, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Xinthra
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Darna von Hohenfels
And then she'd say:
"It's ok, I got lost on the way
but I'm a supergirl and supergirls don't cry."
And then she'd say:
"It's alright I got home late last night
but I'm a supergirl and supergirls just fly."
And then she'd say that nothing can go wrong
"When you're in love what can go wrong?"
And then she'd laugh that night turn into day
pushing her fears further along.
(aus Reamonn "Supergirl")
Als die beiden auftauchten, kam die Welt zurück, vor der sie einen Tag hatte fliehen können. Sie kamen mit der Zuverlässigkeit stiller, treuer, dienstbarer Geister, beide... im Falle Saveas bitter wie beruhigend zugleich. Sie wusste, wie gefährlich es auf Lameriast für sie sein konnte, sie wusste, daß sie auf eine Art verschwunden war, die nichts als ein unerwartetes Loch und Verwirrung darüber auslösen musste...
Sie hatte ohnehin von selber bald zurückkommen wollen - sagte sie sich wenigstens - aber dafür war es nun wohl zu spät. Sich der Notwendigkeit nur zu bewusst, warf sie die dunkle Robe von Savea über das Kleid, was reichlich unförmig aussah, legte den Umhang von Shaya um und zog die Kapuze tief ins Gesicht.
Als sie sich ihrer selbst so gewahr wurde, fragte sie sich leise, wie sie es überhaupt geschafft hatte, unbeschadet hierher zu kommen. Es grenzte fast an ein Wunder, erst recht, als am Hafen die ganze aufgebrachte Besatzung einer Fähre drauf und dran war, Shaya und Savea ans Leder zu wollen!
Sie erfuhr erst später Zuhause, warum: Es war die gleiche Besatzung gewesen, wie bei Darnas Hinfahrt. "Ja, Milady, die Matrosen und Höherrangigen haben eindeutige Kommentare abgelassen... Ihr wäret eine Augenweide für alle gewesen. Erst gab es anzügliche Bemerkungen Euch gegenüber, dann uns gegenüber, bis wir sie eines besseren belehrten, daher ihr Unwillen, uns überzusetzen."
Unwillen... es hatte eine handfeste Auseinandersetzung gegeben, nachdem Shaya und Savea den Pier von Lameriast erreicht hatten, was Shaya eine verletzte Hand eingebracht hatte, und Savea zum Humpeln zwang. Auf der Gegenseite waren bei einigen Matrosen blaue Augen, eine gebrochene Nase und sogar Sorge um die eigene Zeugungsfähigkeit verblieben.
"Seid Ihr zwei euch eigentlich sicher, daß ihr den Posten des Hauswächters nicht mit euren Aufgaben verwechselt?", fragte sie belustigt und ohne jeden Vorwurf.
Doch als sie drei wohlbehalten wieder den Hafen von Berchgard erreichten, schien ein aufgebrachter Haufen Seeleute wahrlich das kleinere Problem.
Sie hörte ihn, bevor sie ihn sah, Savea und Shaya folgend:
"Rafael... Die Mägde gehören dir - fass!"
Leider klang Adrians Stimme zu verärgert, um da auch nur drüber grinsen zu können. Und Rafael polterte tatsächlich wie entfesselt zu sehr mit voller Hingabe los, um auf irgendein abgekartetes Spiel der beiden hoffen zu können:
"WAS bei allen lichten Götten habt ihr euch einfallen lassen!!!!"
Sie holte hinter dem Schild, der aus Shaya und Savea bestand, noch ein paar Sätze tief Luft und sammelte sich, bevor sie sich selber in den Gegenwind stellte.
"Ach, und warum nehmt ihr euch heraus, einer Magd des Schlosses anzuordnen, sie habe nichts zu sagen darüber?"
"Ich.. wir haben nichts.. angeordnet Euer Hoheit", brachte Savea noch heraus, ehe sie ihre Hand um die Zügel krampfte, als hinter ihr Darnas Stimme erklang:
"Weil ich mein Verschwinden selbst zu verantworten habe, Euer Hoheit."
Adrians Blick ruckte zu ihr. Schnell behielt sie ihr Gesicht wieder im Schatten der Kapuze. "Er darf mich so nicht sehen."
"Sir Rafael?"
"Hoheit?"
"Lasst Nachricht vor Ort ausgeben für die hoffentlich zurückkehrenden Suchtruppen, dass sie gefunden ist."
Darna sank noch ein wenig in sich zusammen. Die nächste Fähre legte an, und ausgerechnet von dieser kamen auch schon die erwähnten Mannen, darunter der neue Oberst des Regimentes selber. Sie blieb mucksmäuschenstill und wünschte sich nur weg, während Adrian die Suche für beendet erklärte und den Rest des Abends frei gab, dann ritt er vor Darna:
"Und Ihr begleitet mich." Ein "bitte" setzte er nur leiser nach.
Es beruhigte sie ein wenig. "Er fängt grad auch an, nur seine Maske zu tragen." Brav und artig ließ sie ihr Pferd hinter ihm hertraben.
In Varuna angelangt, schlossen sich die Türen seines Büros hinter ihr, und was sie sonst oft schützte, nahm sie nun gefangen. Sie würde sich erklären müssen - ausgerechnet ihm.
"Was .. in aller lichten Götter Namen ist passiert?"
Das konnte sie ihm kaum erklären, denn es klang ihr selber zu absurd. Sie hatte den Kopf verloren, Angst vor dem Ball, Angst vor sich selber bekommen, war einer sentimentalen Erinnerung, einem Hirngespinst nachgejagt, möglichst weit weg, um nicht mit dem konfrontiert werden zu müssen, was vor ihr war.
"Es tut mir außerordentlich leid, Euer Hoheit versetzt, derartig enttäuscht und diesen Wirbel verursacht zu haben."
Sie sah ihn nicht an. Wie stand sie überhaupt vor ihm? Zerzaust, doppelt verkleidet, mit den Resten des Make-up's, von ihren "Kindermädchen", wie Rafael die beiden bezeichnet hatte, nach Hause geführt, wie ein Kind, nein schlimmer, wie eines dieser Weibchen, dieser Frauenzimmer.
"Du hast dich aufgeführt wie ein Backfisch!", hörte sie erinnernd ihren Vater noch einmal poltern, und es tat in dieser Situation fast so sehr weh wie damals, eine genauso schmerzende Wahrheit. Unter dem Puder glühten ihre Wangen.
"Das ist nicht, was ich hören möchte...", erwiderte Adrian auf die von ihr gesprochenen Worte, "Was ist vorgefallen, war meine Frage."
"Ein ungebührlicher, weil ungemessener und zu denkbar ungnstigem Zeitpunkt auftretender Anfall von Sentimentaliött, Euer königliche Hoheit." Sie beherrschte ihre Stimme so strikt, daß sie monoton blieb.
Er hob eine Braue, musterte sie weiter und wurde leiser: "Darna... Ist es wegen Andrey?"
Sie senkte noch weiter den Kopf. "Ja... das ist die eine Seite der Münze." Das Eintreten der Edlen Rahel de Winter, die ein Tablett mit Tee hereinbrachte, rettete sie vor einer Antwort.
"Du bist gestern nicht hier gewesen, gut.. ich wusste zwar nicht warum... aber ich dachte mir, du wirst Gründe gehabt haben", versuchte Adrian das Entstehen des Aufruhrs zu erklären. So frei war sie also noch, im Grunde beruhigend. "Dann wurde ich heut Abend, nachdem ich es mühsam Rahel aus der Nase ziehen musste, unterrichtet, du seist gestern auf dem Weg von daheim zum Fest verschwunden. Himmel, du wirst dir hoffentlich denken können, was ich befürchten musste."
Natürlich konnte sie sich das denken. Das Ganze ging ein wenig hin und her, bis Adrian vor sie trat und sie an den Schultern fasste. "Sieh ihn nicht an. Ich will nicht, daß er mich so sieht. Ich habe alles verbockt."
"Zwei Dinge, Darna... Zum Einen, wenn du aus, wie du es nennst 'Sentimentalitäten' kein Fest besuchen möchtest, dann sag dies.. ich akzeptiere ein Nein. Denkst du denn, ich verstünde den Grund nicht?"
"Nein, den verstehst du zu gut, richtig. Wir sind uns zu ähnlich. Lass mich los."
"Zum zweiten.. verzeih, dass ich dich gefragt habe, dass ich soviel ausgelöst habe - ich hätte es besser wissen sollen.. Es tut mir leid."
"Jetzt gibst du auch noch dir die Schuld. Wie immer, zu sanftmütig, zu verständnisvoll... du hast es nicht verdient, dich von mir vorführen und versetzen zu lassen. Das ist weder deiner noch meiner würdig."
"Es tut mir leid, Euer königliche Hoheit selbst bei meiner Person mit den Unberechenbarkeiten eines Frauenzimmers konfrontiert zu haben. Ich ... verlor plötzlich die Beherrschung."
Er schüttelte den Kopf: "Ich hätte es wissen sollen, schon an dem Abend als ich fragte.. hätte ich es besser zurücknehmen sollen. Ich hoffe du verzeihst mir, dass ich dich in diese Probleme gestürzt habe."
Hölle nochmal, konnte er es ihr nicht leichter machen und schlicht mal wütend auf sie sein? Und verlor sie gleichzeitig den Verstand, sowas überhaupt zu denken und zu wünschen? Sie wand sich widerwillig unter seiner Berührung, und er ließ sie los, als hätte er in ein Feuer gefasst - welch ironischer Vergleich... Sie starrte ihm nach, wie er zwei Schritte zurückwich und brachte keinen Ton raus, weil sie nicht wusste, ob sie schreien oder weinen sollte. Am besten gar nichts sagen, es konnte nur in einer Katastrophe enden, wurde laut, was in ihr tobte.
"Verzeih." Er musterte sie noch einige Augenblicke, dann straffte er sich: "Geht heim Freifrau von Elbenau, ich werde mich künftig mässigen, Euch in derartige Situationen zu bringen, es war ungebührlich, mir derartiges anzumassen. Man behandelt keine Freundin so, will man sie als solche halten..."
Ein trockenes, leises Ächzen war unter der Kapuze vor ihm zu hören.
"Es sind nicht die Götter, die sich von einem abwenden - in Selbstverachtung sind es die Menschen, die sich von ihnen abwenden, weil sie sich selber nicht für wert halten, in ihrer Nähe sein zu dürfen."
"Und hier, hier läuft es gerade genauso, Darna. Hat er dir je etwas getan, daß er rechtens Angst haben sollte, dich zu verlieren? Du hast ihm die Förmlichkeit angeboten, sollte er sauer sein, um sich selber zu schützen - aber du stößt ihn gerade nur vor den Kopf."
"Freundin... ja... verzeih. Ich bin es, die sich nicht wie eine Freundin verhält", brachte sie schließlich erst brüchig und mühsam, dann hastig heiser stammelnd hervor, "Natürlich macht ihr euch Sorgen. Und ich wäre gern gekommen ... ... zu gerne. Verzeih mir."
"Ich hätte besser gar nicht fragen sollen, es besser wissen müssen."
"Du kannst auch nicht hellsehen", erwiderte sie bitter und spürte dankbar, wie eine gewisse Vertrautheit zurückkehrte. Wie hatte sie sich selber so fremd werden können?
"Mir wäre nach einigem der Vergangenheit auch gewiss nach vielem gewesen, aber nicht nach dem Besuch eines Balles."
Sie schüttelte statt einer Antwort unwillig kurz den Kopf zu seinen Worten, starrte dann wieder zu Boden. Eine der Haarsträhnen löste sich aus dem Versteck der Kapuze und fiel in voller Länge sich hell absetzend über die dunkle Robe. "Der ganze Zirkus umsonst. Ob er es für eine Perücke halten würde?"
Die Lage entspannte sich erst nur sehr langsam, ehe sie sich beide sicher sein konnten, daß jeder wieder wusste, woran man aneinander war.
"Ist... eingetreten, was du befürchtet hast?", fragte sie vorsichtig.
Er schüttelte den Kopf: "Es war ein kleiner Kreis und die Frauen alle vergeben. Ich hatte die Freude eine Begleiterin zu finden, welche ohne ihren Mann kommen musste und mein Kinn sehr beachtenswert fand."
Sie furchte fragend die Stirn und sah ihn an. Was sollte an seinem Kinn denn Besonderes sein?
"Florence von Stolzenfels, Hudgarr blieb daheim bei Fleur", erklärte er und erhaschte dabei das erste Mal einen Blick auf Darnas Gesicht. Selbst bei ihrer Adelung hatte Feli in Kenntnis um ihre Abneigungen dezente Farbtöne bei der Schminke gewählt, doch nun hatte Darna passend zu Kostüm einen kräftigen Rotton für die Lippen gewählt, die hervorgehobenen Wangenknochen und der Rest der Schminke hatten ihrem Gesicht etwas erst so nicht geplantes maskenhaftes verliehen, doch es passte ja sogar: ihr ganzes Antlitz wirkte schmaler, femininer und stolzer. Adrian atmete tief durch.
"Oh... ja, verstehe", nickte sie leicht.
"Ich glaube du bist froh, wenn du endlich aus den Sachen kommst?", vermutete er.
Froh? Sie bedauerte es gerade, nun, wo sie hier war. Der Thronsaal nebenan, und sie stand hier wie die Brötchen von gestern, oder wie ein aufgerüschtes Fräulein, das viel zu spät zerzaust nach der Feier nach Hause kam. Der Glanz vergangen, drei Tage sinnlose Schufterei an dem Kleid, und war es das nun wert gewesen und besser so?
"Viel Aufwand um nichts... alles", meinte sie leise.
"Ich nehme an es steht mir nicht zu, es noch zu sehen?"
Da war wieder dieser empfindliche Stich, und sie lachte gedämpft bitter auf, hatte das Gedankengespinst um seine möglichen Reaktionen nicht erst die Panik ausgelöst? Nun stand sie doch vor ihm. Soviel Furcht vor einem lächerlichen hätte-wäre-wenn. Nachdenklich musterte sie ihn.
"Ist auch besser, daß ich dich nicht gesehen habe... Ich hörte was von Seidenschleifen?"
Sie musste lachen, als Adrian sich an die Stirn fasste und erwiderte: "Himmel lassen wir das Thema. Nächstes mal binde ich Felicitas mit ihren Seidenschleifen irgendwo in die Küche." Sie scherzten über sein durchlebtes Leid, selber herausgeputzt worden zu sein wie Adors Schaukelpferdchen.
"Du willst sicher heim, bevor wir doch noch zum Frühstück können?", fragte er schließlich nochmal.
"Ich kämpfe gerade mit meiner Neugier - aber ich sollte besser nach Hause, ja."
"Mit deiner Neugier worüber?"
Sie schüttelte leicht den Kopf: "Du würdest über meinen Aufzug jetzt erst recht lachen."
"Was macht dich so sicher?"
"Da alles völlig plattgedrückt ist, auch wenn ich Savea für die Robe wirklich dankbar bin."
"Manchmal ist Neugier nichts schlechtes und im Moment machst du mich neugierig", schmunzelte er.
Sie sah zur Schrankwand. "Was solls", murmelte sie und verschwand dahinter. "Was fürchte ich eigentlich nicht zu Recht das Getratsche der Leute, wenn ich mich in seinem Büro schon ausziehe?", dachte sie in einem Anflug von Sarkasmus, als sie sich aus Saveas Robe herauswühlte, die Haare aufschüttelte und ein paar Stützdrähte im Rock halbwegs zurechtbog. "Ein schaler Anblick", war ihre eigene Vermutung, Hoffnung, Befürchtung. "Mir fällt gerade auf, es ist doppelt gemein - du lachst entweder oder musst bereuen, daß ich gefehlt habe - oder ich hab Glück und es ist dir gleich."
"Ich werde es kaum beantworten, solang du dich versteckst."
Sie gab sich den letzten Ruck und trat in sein Blickfeld.
Er musterte sie von oben bis unten neutraler Miene, und als sie dabei in seine Augen sah, musste sie ihm für diese merklich enorme Selbstbeherrschung Respekt zollen - es amüsierte, befriedigte und beunruhigte sie zugleich.
"Eine gute Wahl wäre es gewesen", rang er sich bemüht nichtssagend ab. "Man bemerkt, es muss viel Arbeit gewesen sein." Er zog sich gerade hörbar selber irgendwelche belanglosen Worte aus der Nase.
"Viel... Schnickschnack, ja. Sag ich ja", gab sie um keinen Deut besser wieder und stockte bei seinem fast gleichzeitig erklingenden Kommentar:
"Alles weitere, was ich hierzu sagen könnte, wäre ungebührlich."
Ungebührlich? An die eine Deutungsmöglichkeit wollte sie nicht denken, und die andere war, er würde wieder Witze machen.
"Ich wusste es, du hättest mich in dem Aufzug erst recht in den Schloßteich geworfen", zischte sie kurz ungehalten.
Er hob eine Braue. "Gewiß nicht."
"Oh." Plötzlich konnte sie sich wieder nur um Kopf unf Kragen reden und zupfte nervös an den Flammenzungen des Kleides. "Backfisch!", schimpfte eine gedankliche Stimme. "Ja. Nun ja. Ich... Es tut mir leid, wirklich... ich hatte mich gefreut, und als ich... hiermit fertig war..."
"Ich verrate dir etwas, aber es sollte unter uns bleiben", meinte er gedämpft, und sie haspelte erst noch weiter:
"kam mir alles plötzlich.. nur noch falsch...", ehe sie innehielt und aufsah.
Er zückte irgend etwas aus seiner Tasche, hielt es aber hinter seinen Rücken, ehe sie es erkennen konnte.
Dann trat er langsam dicht vor sie. Sie schluckte und rührte sich nicht. Er hatte irgendwas vor, aber sie plante nicht nochmal, sich mit überstürzten Handlungen vor ihm lächerlich zu machen.
"Dein Auftritt hätte ohne jeden Zweifel an Schönheit alles überboten", sagte er leise, und holte öffnend seine Hand hervor. Einen Moment lang starrte sie ihn einfach nur baff an, ehe sie es schaffte, auf seine Hand zu blicken.
Es war ein Handschuh.
"Wenn du hierfür etwas werfen willst..."
Ein Handschuh. "Handschuh? Wofür? Ich mein, ist mir klar, wofür, aber wofür, also mit welchem Recht?" Ein dämlicher Blick in sein Gesicht reichte, um zu sehen, daß ihm alles, Äußerung wie Handschuh, völlig ernst waren. "Für ein Kompliment, wenn du dich mal tatsächlich in Schale wirfst - ja das ist ja mal ein Duellgrund! Du bist ein Ekelpaket, Adrian von Hohenfels."
Er trat ein wenig zurück, immernoch nah genug, daß sie den Handschuh hätte greifen können.
"D..." (es hätte ein "Danke" werden sollen)
"Sch..." (daraus hätte ein "Schaumschläger" oder "Charmeur" werden können)
"ähm..." (war das Registrieren, daß sie stammelte und daß das peinlich war)
"Danke." Damit rettete sie sich in die Sicherheit der Schrankwand.
Nachdenklich sah sie, endlich Zuhause angelangt, in ihr Zimmer. Savea war vor der Tür plötzlich davongeritten - fast wie eine dieser Sagengestalten, die irgendwem halfen und verschwanden, sobald ihre Arbeit getan hatten. Es ließ sie leicht schmunzeln und leise hoffen, daß es doch nicht ganz vorbei war. Ein unbedachter Kommentar Shayas schürte einen neuen Verdacht und bestärkte die Hoffnung. Wie auch immer... den Kopf vollgestopft mit schwirrenden Gedanken, ließ sie sich von Shaya aus dem Kleid helfen. Es hätte so schön sein können - oder?
"Es wird trotz des ganzen Ärgers gut gewesen sein, daß ich fort blieb", murmelte sie vor sich hin.
"Ist das so?", ließ Shaya die Frage laut werden, die sie sich selber stellte.
"Bei den Matrosen mögen es anzügliche Bemerkungen gewesen sein... glaubt Ihr, ich... ich! wäre einen Abend mit Komplimenten besser zurechtgekommen?"
Es war eine von tausend Fragen.
"Nein Milady, nicht Ihr. Dazu seid Ihr zu sehr darauf bedacht, Ritter oder nun Paladin zu sein, statt Frau. Immer sich beweisen müssend", fügte sie letzteres leiser werdend an, verstehend, nicht mal vorwurfsvoll. Darna stimmte zu, indem sie schwieg. "Und es ist gut so, wie es ist - denn das seid Ihr."
Ja, und so war es schon seit jeher gewesen. Warum stellte sie das auf einmal in Zweifel? Warum zerfetzte sie sich so für... nichts?
Was für ein Chaos...
Der Weg muss steinig sein, du musst gepeinigt sein.
Du musst verrückt sein, solltest du dir zu schnell einig sein.
Hast du gehört, du sollst den Tag nicht vor der Arbeit loben.
Und nach der Arbeit dann im Gleichschritt durch den Abend toben.
Willst du für immer weiter zappeln zwischen nichts und oben?
Fühlst du dich abgehoben, sag fühlst du dich aufgeschoben?
Sag mal ist das so, ich meine muss das so?
Ist das so, ich meine muss das so?
Ist das so, oder ist es vielleicht viel leichter?
Ist das so? Muss das so sein?
(aus Wir sind Helden "Ist das so?")
"It's ok, I got lost on the way
but I'm a supergirl and supergirls don't cry."
And then she'd say:
"It's alright I got home late last night
but I'm a supergirl and supergirls just fly."
And then she'd say that nothing can go wrong
"When you're in love what can go wrong?"
And then she'd laugh that night turn into day
pushing her fears further along.
(aus Reamonn "Supergirl")
Als die beiden auftauchten, kam die Welt zurück, vor der sie einen Tag hatte fliehen können. Sie kamen mit der Zuverlässigkeit stiller, treuer, dienstbarer Geister, beide... im Falle Saveas bitter wie beruhigend zugleich. Sie wusste, wie gefährlich es auf Lameriast für sie sein konnte, sie wusste, daß sie auf eine Art verschwunden war, die nichts als ein unerwartetes Loch und Verwirrung darüber auslösen musste...
Sie hatte ohnehin von selber bald zurückkommen wollen - sagte sie sich wenigstens - aber dafür war es nun wohl zu spät. Sich der Notwendigkeit nur zu bewusst, warf sie die dunkle Robe von Savea über das Kleid, was reichlich unförmig aussah, legte den Umhang von Shaya um und zog die Kapuze tief ins Gesicht.
Als sie sich ihrer selbst so gewahr wurde, fragte sie sich leise, wie sie es überhaupt geschafft hatte, unbeschadet hierher zu kommen. Es grenzte fast an ein Wunder, erst recht, als am Hafen die ganze aufgebrachte Besatzung einer Fähre drauf und dran war, Shaya und Savea ans Leder zu wollen!
Sie erfuhr erst später Zuhause, warum: Es war die gleiche Besatzung gewesen, wie bei Darnas Hinfahrt. "Ja, Milady, die Matrosen und Höherrangigen haben eindeutige Kommentare abgelassen... Ihr wäret eine Augenweide für alle gewesen. Erst gab es anzügliche Bemerkungen Euch gegenüber, dann uns gegenüber, bis wir sie eines besseren belehrten, daher ihr Unwillen, uns überzusetzen."
Unwillen... es hatte eine handfeste Auseinandersetzung gegeben, nachdem Shaya und Savea den Pier von Lameriast erreicht hatten, was Shaya eine verletzte Hand eingebracht hatte, und Savea zum Humpeln zwang. Auf der Gegenseite waren bei einigen Matrosen blaue Augen, eine gebrochene Nase und sogar Sorge um die eigene Zeugungsfähigkeit verblieben.
"Seid Ihr zwei euch eigentlich sicher, daß ihr den Posten des Hauswächters nicht mit euren Aufgaben verwechselt?", fragte sie belustigt und ohne jeden Vorwurf.
Doch als sie drei wohlbehalten wieder den Hafen von Berchgard erreichten, schien ein aufgebrachter Haufen Seeleute wahrlich das kleinere Problem.
Sie hörte ihn, bevor sie ihn sah, Savea und Shaya folgend:
"Rafael... Die Mägde gehören dir - fass!"
Leider klang Adrians Stimme zu verärgert, um da auch nur drüber grinsen zu können. Und Rafael polterte tatsächlich wie entfesselt zu sehr mit voller Hingabe los, um auf irgendein abgekartetes Spiel der beiden hoffen zu können:
"WAS bei allen lichten Götten habt ihr euch einfallen lassen!!!!"
Sie holte hinter dem Schild, der aus Shaya und Savea bestand, noch ein paar Sätze tief Luft und sammelte sich, bevor sie sich selber in den Gegenwind stellte.
"Ach, und warum nehmt ihr euch heraus, einer Magd des Schlosses anzuordnen, sie habe nichts zu sagen darüber?"
"Ich.. wir haben nichts.. angeordnet Euer Hoheit", brachte Savea noch heraus, ehe sie ihre Hand um die Zügel krampfte, als hinter ihr Darnas Stimme erklang:
"Weil ich mein Verschwinden selbst zu verantworten habe, Euer Hoheit."
Adrians Blick ruckte zu ihr. Schnell behielt sie ihr Gesicht wieder im Schatten der Kapuze. "Er darf mich so nicht sehen."
"Sir Rafael?"
"Hoheit?"
"Lasst Nachricht vor Ort ausgeben für die hoffentlich zurückkehrenden Suchtruppen, dass sie gefunden ist."
Darna sank noch ein wenig in sich zusammen. Die nächste Fähre legte an, und ausgerechnet von dieser kamen auch schon die erwähnten Mannen, darunter der neue Oberst des Regimentes selber. Sie blieb mucksmäuschenstill und wünschte sich nur weg, während Adrian die Suche für beendet erklärte und den Rest des Abends frei gab, dann ritt er vor Darna:
"Und Ihr begleitet mich." Ein "bitte" setzte er nur leiser nach.
Es beruhigte sie ein wenig. "Er fängt grad auch an, nur seine Maske zu tragen." Brav und artig ließ sie ihr Pferd hinter ihm hertraben.
In Varuna angelangt, schlossen sich die Türen seines Büros hinter ihr, und was sie sonst oft schützte, nahm sie nun gefangen. Sie würde sich erklären müssen - ausgerechnet ihm.
"Was .. in aller lichten Götter Namen ist passiert?"
Das konnte sie ihm kaum erklären, denn es klang ihr selber zu absurd. Sie hatte den Kopf verloren, Angst vor dem Ball, Angst vor sich selber bekommen, war einer sentimentalen Erinnerung, einem Hirngespinst nachgejagt, möglichst weit weg, um nicht mit dem konfrontiert werden zu müssen, was vor ihr war.
"Es tut mir außerordentlich leid, Euer Hoheit versetzt, derartig enttäuscht und diesen Wirbel verursacht zu haben."
Sie sah ihn nicht an. Wie stand sie überhaupt vor ihm? Zerzaust, doppelt verkleidet, mit den Resten des Make-up's, von ihren "Kindermädchen", wie Rafael die beiden bezeichnet hatte, nach Hause geführt, wie ein Kind, nein schlimmer, wie eines dieser Weibchen, dieser Frauenzimmer.
"Du hast dich aufgeführt wie ein Backfisch!", hörte sie erinnernd ihren Vater noch einmal poltern, und es tat in dieser Situation fast so sehr weh wie damals, eine genauso schmerzende Wahrheit. Unter dem Puder glühten ihre Wangen.
"Das ist nicht, was ich hören möchte...", erwiderte Adrian auf die von ihr gesprochenen Worte, "Was ist vorgefallen, war meine Frage."
"Ein ungebührlicher, weil ungemessener und zu denkbar ungnstigem Zeitpunkt auftretender Anfall von Sentimentaliött, Euer königliche Hoheit." Sie beherrschte ihre Stimme so strikt, daß sie monoton blieb.
Er hob eine Braue, musterte sie weiter und wurde leiser: "Darna... Ist es wegen Andrey?"
Sie senkte noch weiter den Kopf. "Ja... das ist die eine Seite der Münze." Das Eintreten der Edlen Rahel de Winter, die ein Tablett mit Tee hereinbrachte, rettete sie vor einer Antwort.
"Du bist gestern nicht hier gewesen, gut.. ich wusste zwar nicht warum... aber ich dachte mir, du wirst Gründe gehabt haben", versuchte Adrian das Entstehen des Aufruhrs zu erklären. So frei war sie also noch, im Grunde beruhigend. "Dann wurde ich heut Abend, nachdem ich es mühsam Rahel aus der Nase ziehen musste, unterrichtet, du seist gestern auf dem Weg von daheim zum Fest verschwunden. Himmel, du wirst dir hoffentlich denken können, was ich befürchten musste."
Natürlich konnte sie sich das denken. Das Ganze ging ein wenig hin und her, bis Adrian vor sie trat und sie an den Schultern fasste. "Sieh ihn nicht an. Ich will nicht, daß er mich so sieht. Ich habe alles verbockt."
"Zwei Dinge, Darna... Zum Einen, wenn du aus, wie du es nennst 'Sentimentalitäten' kein Fest besuchen möchtest, dann sag dies.. ich akzeptiere ein Nein. Denkst du denn, ich verstünde den Grund nicht?"
"Nein, den verstehst du zu gut, richtig. Wir sind uns zu ähnlich. Lass mich los."
"Zum zweiten.. verzeih, dass ich dich gefragt habe, dass ich soviel ausgelöst habe - ich hätte es besser wissen sollen.. Es tut mir leid."
"Jetzt gibst du auch noch dir die Schuld. Wie immer, zu sanftmütig, zu verständnisvoll... du hast es nicht verdient, dich von mir vorführen und versetzen zu lassen. Das ist weder deiner noch meiner würdig."
"Es tut mir leid, Euer königliche Hoheit selbst bei meiner Person mit den Unberechenbarkeiten eines Frauenzimmers konfrontiert zu haben. Ich ... verlor plötzlich die Beherrschung."
Er schüttelte den Kopf: "Ich hätte es wissen sollen, schon an dem Abend als ich fragte.. hätte ich es besser zurücknehmen sollen. Ich hoffe du verzeihst mir, dass ich dich in diese Probleme gestürzt habe."
Hölle nochmal, konnte er es ihr nicht leichter machen und schlicht mal wütend auf sie sein? Und verlor sie gleichzeitig den Verstand, sowas überhaupt zu denken und zu wünschen? Sie wand sich widerwillig unter seiner Berührung, und er ließ sie los, als hätte er in ein Feuer gefasst - welch ironischer Vergleich... Sie starrte ihm nach, wie er zwei Schritte zurückwich und brachte keinen Ton raus, weil sie nicht wusste, ob sie schreien oder weinen sollte. Am besten gar nichts sagen, es konnte nur in einer Katastrophe enden, wurde laut, was in ihr tobte.
"Verzeih." Er musterte sie noch einige Augenblicke, dann straffte er sich: "Geht heim Freifrau von Elbenau, ich werde mich künftig mässigen, Euch in derartige Situationen zu bringen, es war ungebührlich, mir derartiges anzumassen. Man behandelt keine Freundin so, will man sie als solche halten..."
Ein trockenes, leises Ächzen war unter der Kapuze vor ihm zu hören.
"Es sind nicht die Götter, die sich von einem abwenden - in Selbstverachtung sind es die Menschen, die sich von ihnen abwenden, weil sie sich selber nicht für wert halten, in ihrer Nähe sein zu dürfen."
"Und hier, hier läuft es gerade genauso, Darna. Hat er dir je etwas getan, daß er rechtens Angst haben sollte, dich zu verlieren? Du hast ihm die Förmlichkeit angeboten, sollte er sauer sein, um sich selber zu schützen - aber du stößt ihn gerade nur vor den Kopf."
"Freundin... ja... verzeih. Ich bin es, die sich nicht wie eine Freundin verhält", brachte sie schließlich erst brüchig und mühsam, dann hastig heiser stammelnd hervor, "Natürlich macht ihr euch Sorgen. Und ich wäre gern gekommen ... ... zu gerne. Verzeih mir."
"Ich hätte besser gar nicht fragen sollen, es besser wissen müssen."
"Du kannst auch nicht hellsehen", erwiderte sie bitter und spürte dankbar, wie eine gewisse Vertrautheit zurückkehrte. Wie hatte sie sich selber so fremd werden können?
"Mir wäre nach einigem der Vergangenheit auch gewiss nach vielem gewesen, aber nicht nach dem Besuch eines Balles."
Sie schüttelte statt einer Antwort unwillig kurz den Kopf zu seinen Worten, starrte dann wieder zu Boden. Eine der Haarsträhnen löste sich aus dem Versteck der Kapuze und fiel in voller Länge sich hell absetzend über die dunkle Robe. "Der ganze Zirkus umsonst. Ob er es für eine Perücke halten würde?"
Die Lage entspannte sich erst nur sehr langsam, ehe sie sich beide sicher sein konnten, daß jeder wieder wusste, woran man aneinander war.
"Ist... eingetreten, was du befürchtet hast?", fragte sie vorsichtig.
Er schüttelte den Kopf: "Es war ein kleiner Kreis und die Frauen alle vergeben. Ich hatte die Freude eine Begleiterin zu finden, welche ohne ihren Mann kommen musste und mein Kinn sehr beachtenswert fand."
Sie furchte fragend die Stirn und sah ihn an. Was sollte an seinem Kinn denn Besonderes sein?
"Florence von Stolzenfels, Hudgarr blieb daheim bei Fleur", erklärte er und erhaschte dabei das erste Mal einen Blick auf Darnas Gesicht. Selbst bei ihrer Adelung hatte Feli in Kenntnis um ihre Abneigungen dezente Farbtöne bei der Schminke gewählt, doch nun hatte Darna passend zu Kostüm einen kräftigen Rotton für die Lippen gewählt, die hervorgehobenen Wangenknochen und der Rest der Schminke hatten ihrem Gesicht etwas erst so nicht geplantes maskenhaftes verliehen, doch es passte ja sogar: ihr ganzes Antlitz wirkte schmaler, femininer und stolzer. Adrian atmete tief durch.
"Oh... ja, verstehe", nickte sie leicht.
"Ich glaube du bist froh, wenn du endlich aus den Sachen kommst?", vermutete er.
Froh? Sie bedauerte es gerade, nun, wo sie hier war. Der Thronsaal nebenan, und sie stand hier wie die Brötchen von gestern, oder wie ein aufgerüschtes Fräulein, das viel zu spät zerzaust nach der Feier nach Hause kam. Der Glanz vergangen, drei Tage sinnlose Schufterei an dem Kleid, und war es das nun wert gewesen und besser so?
"Viel Aufwand um nichts... alles", meinte sie leise.
"Ich nehme an es steht mir nicht zu, es noch zu sehen?"
Da war wieder dieser empfindliche Stich, und sie lachte gedämpft bitter auf, hatte das Gedankengespinst um seine möglichen Reaktionen nicht erst die Panik ausgelöst? Nun stand sie doch vor ihm. Soviel Furcht vor einem lächerlichen hätte-wäre-wenn. Nachdenklich musterte sie ihn.
"Ist auch besser, daß ich dich nicht gesehen habe... Ich hörte was von Seidenschleifen?"
Sie musste lachen, als Adrian sich an die Stirn fasste und erwiderte: "Himmel lassen wir das Thema. Nächstes mal binde ich Felicitas mit ihren Seidenschleifen irgendwo in die Küche." Sie scherzten über sein durchlebtes Leid, selber herausgeputzt worden zu sein wie Adors Schaukelpferdchen.
"Du willst sicher heim, bevor wir doch noch zum Frühstück können?", fragte er schließlich nochmal.
"Ich kämpfe gerade mit meiner Neugier - aber ich sollte besser nach Hause, ja."
"Mit deiner Neugier worüber?"
Sie schüttelte leicht den Kopf: "Du würdest über meinen Aufzug jetzt erst recht lachen."
"Was macht dich so sicher?"
"Da alles völlig plattgedrückt ist, auch wenn ich Savea für die Robe wirklich dankbar bin."
"Manchmal ist Neugier nichts schlechtes und im Moment machst du mich neugierig", schmunzelte er.
Sie sah zur Schrankwand. "Was solls", murmelte sie und verschwand dahinter. "Was fürchte ich eigentlich nicht zu Recht das Getratsche der Leute, wenn ich mich in seinem Büro schon ausziehe?", dachte sie in einem Anflug von Sarkasmus, als sie sich aus Saveas Robe herauswühlte, die Haare aufschüttelte und ein paar Stützdrähte im Rock halbwegs zurechtbog. "Ein schaler Anblick", war ihre eigene Vermutung, Hoffnung, Befürchtung. "Mir fällt gerade auf, es ist doppelt gemein - du lachst entweder oder musst bereuen, daß ich gefehlt habe - oder ich hab Glück und es ist dir gleich."
"Ich werde es kaum beantworten, solang du dich versteckst."
Sie gab sich den letzten Ruck und trat in sein Blickfeld.
Er musterte sie von oben bis unten neutraler Miene, und als sie dabei in seine Augen sah, musste sie ihm für diese merklich enorme Selbstbeherrschung Respekt zollen - es amüsierte, befriedigte und beunruhigte sie zugleich.
"Eine gute Wahl wäre es gewesen", rang er sich bemüht nichtssagend ab. "Man bemerkt, es muss viel Arbeit gewesen sein." Er zog sich gerade hörbar selber irgendwelche belanglosen Worte aus der Nase.
"Viel... Schnickschnack, ja. Sag ich ja", gab sie um keinen Deut besser wieder und stockte bei seinem fast gleichzeitig erklingenden Kommentar:
"Alles weitere, was ich hierzu sagen könnte, wäre ungebührlich."
Ungebührlich? An die eine Deutungsmöglichkeit wollte sie nicht denken, und die andere war, er würde wieder Witze machen.
"Ich wusste es, du hättest mich in dem Aufzug erst recht in den Schloßteich geworfen", zischte sie kurz ungehalten.
Er hob eine Braue. "Gewiß nicht."
"Oh." Plötzlich konnte sie sich wieder nur um Kopf unf Kragen reden und zupfte nervös an den Flammenzungen des Kleides. "Backfisch!", schimpfte eine gedankliche Stimme. "Ja. Nun ja. Ich... Es tut mir leid, wirklich... ich hatte mich gefreut, und als ich... hiermit fertig war..."
"Ich verrate dir etwas, aber es sollte unter uns bleiben", meinte er gedämpft, und sie haspelte erst noch weiter:
"kam mir alles plötzlich.. nur noch falsch...", ehe sie innehielt und aufsah.
Er zückte irgend etwas aus seiner Tasche, hielt es aber hinter seinen Rücken, ehe sie es erkennen konnte.
Dann trat er langsam dicht vor sie. Sie schluckte und rührte sich nicht. Er hatte irgendwas vor, aber sie plante nicht nochmal, sich mit überstürzten Handlungen vor ihm lächerlich zu machen.
"Dein Auftritt hätte ohne jeden Zweifel an Schönheit alles überboten", sagte er leise, und holte öffnend seine Hand hervor. Einen Moment lang starrte sie ihn einfach nur baff an, ehe sie es schaffte, auf seine Hand zu blicken.
Es war ein Handschuh.
"Wenn du hierfür etwas werfen willst..."
Ein Handschuh. "Handschuh? Wofür? Ich mein, ist mir klar, wofür, aber wofür, also mit welchem Recht?" Ein dämlicher Blick in sein Gesicht reichte, um zu sehen, daß ihm alles, Äußerung wie Handschuh, völlig ernst waren. "Für ein Kompliment, wenn du dich mal tatsächlich in Schale wirfst - ja das ist ja mal ein Duellgrund! Du bist ein Ekelpaket, Adrian von Hohenfels."
Er trat ein wenig zurück, immernoch nah genug, daß sie den Handschuh hätte greifen können.
"D..." (es hätte ein "Danke" werden sollen)
"Sch..." (daraus hätte ein "Schaumschläger" oder "Charmeur" werden können)
"ähm..." (war das Registrieren, daß sie stammelte und daß das peinlich war)
"Danke." Damit rettete sie sich in die Sicherheit der Schrankwand.
Nachdenklich sah sie, endlich Zuhause angelangt, in ihr Zimmer. Savea war vor der Tür plötzlich davongeritten - fast wie eine dieser Sagengestalten, die irgendwem halfen und verschwanden, sobald ihre Arbeit getan hatten. Es ließ sie leicht schmunzeln und leise hoffen, daß es doch nicht ganz vorbei war. Ein unbedachter Kommentar Shayas schürte einen neuen Verdacht und bestärkte die Hoffnung. Wie auch immer... den Kopf vollgestopft mit schwirrenden Gedanken, ließ sie sich von Shaya aus dem Kleid helfen. Es hätte so schön sein können - oder?
"Es wird trotz des ganzen Ärgers gut gewesen sein, daß ich fort blieb", murmelte sie vor sich hin.
"Ist das so?", ließ Shaya die Frage laut werden, die sie sich selber stellte.
"Bei den Matrosen mögen es anzügliche Bemerkungen gewesen sein... glaubt Ihr, ich... ich! wäre einen Abend mit Komplimenten besser zurechtgekommen?"
Es war eine von tausend Fragen.
"Nein Milady, nicht Ihr. Dazu seid Ihr zu sehr darauf bedacht, Ritter oder nun Paladin zu sein, statt Frau. Immer sich beweisen müssend", fügte sie letzteres leiser werdend an, verstehend, nicht mal vorwurfsvoll. Darna stimmte zu, indem sie schwieg. "Und es ist gut so, wie es ist - denn das seid Ihr."
Ja, und so war es schon seit jeher gewesen. Warum stellte sie das auf einmal in Zweifel? Warum zerfetzte sie sich so für... nichts?
Was für ein Chaos...
Der Weg muss steinig sein, du musst gepeinigt sein.
Du musst verrückt sein, solltest du dir zu schnell einig sein.
Hast du gehört, du sollst den Tag nicht vor der Arbeit loben.
Und nach der Arbeit dann im Gleichschritt durch den Abend toben.
Willst du für immer weiter zappeln zwischen nichts und oben?
Fühlst du dich abgehoben, sag fühlst du dich aufgeschoben?
Sag mal ist das so, ich meine muss das so?
Ist das so, ich meine muss das so?
Ist das so, oder ist es vielleicht viel leichter?
Ist das so? Muss das so sein?
(aus Wir sind Helden "Ist das so?")