Gewiss, Bruder Titus war kein Freund großen Geschwafels. Wer ihn kannte wusste, dass er zwar immer zu Scherzen aufgelegt war, doch war er kein Freund des kleingeistigen Gesprächs. Er kam immer direkt auf den Punkt. Vielleicht fiel es ihm deshalb schwer all die Monate seinem Sohn zu verschweigen, dass er sein sohn war.
Er wusste es schon, als er ihn das erste Mal sah. Doch er wusste, dass Horteras seinen Weg mit dem Lichte des Sternes erst beleuchten musste. Jeder musste seinen Weg finden, wie lange und wie weit er ihn gehen würde, war eine andere Sache.
Für ihn war es eine reine Seelenqual, das Wissen, seinem Sohn verschweigen zu müssen, dass er sein Vater war. Vielleicht dachte er auch gar nicht daran. Und natürlich wollte er Kanubios Welt nicht durcheinanderwerfen. Dazu mochte er den Jungen viel zu sehr.
Tragisch war wohl alleine diese Tatsache. Erfreulich hingegen war das Zusammentreffen nach längerer Zeit. Denn als sie sich, scheinbar zufällig vor Bajard wieder begegneten stellte Kanubio ihn ENDLICH zur Rede.
Er hatte viele Fragen. für ihn war es schwierig die Fragen die sein Sohn hatte zu beantworten. wahrscheinlich würde er seinen Vater gar verachten. Wer konnte es ihm verdenken. Jedoch kam es ganz anders. Schnell waren die Fragen beantwortet. Schnell die Beweggründe offen gelegt, wer kanubio denn war. Er war ein stattlicher gutherziger ehrlicher junger Mann geworden. Noch schöner war, zu sehen, dass dieser Junge einen ehrbaren Weg einging.
Die Zusammentreffen waren alle erfreulich. kanubio vertraute sich ihm an. Titus wurde schnell zu dem Vater, der er werden solte. Die letzten neunzehn Jahre jedoch mussten erst verdaut werden. Wie ging es nur weiter.
Mehr als einmal entrann Titus kleinen grünen Augen eine Träne, es waren Tränen der Freude, des Stolzes, des Glücks. Zumindest hatte Kanubio nun seinen Vater wiedergefunden. Und es war in der Tat eine schöne Sache gewesen.
Tiotus glaubte nicht an Schicksal, er wusste es Besser. Horteras war kein Anführer, er geleitete die Menschen nicht in den Krieg, aber ab und an warf er seinen Schützlingen einen Ball zu, der gefangen werden musste um den Weg in die richtige Richtung zu lenken. Horteras war subtil und klug. Gewiss, Titus hatte einen besseren Zugang zu Vater Stern. Vielleicht waren gerade deshalb die Zeichen so eindeutig.
"I donk dia, Sternvota. Dey Zeych'n hot den Bursch'n auf'n richtig'n Wey brocht. 'pries'n seyst'. Donke fia dey unermessliche Güte."
Titus würde künftig für zwei beten.
Vater sein das ist nicht schwer, es zu werden dagegen...
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Kanubio Bunjam
Nachdem ihm durch die Schatulle, die ihm sein Freund aus der Jugend überreicht hatte, offenbart wurde, dass sein Vater ein gewisser Titus, ein Waldmönch, wäre und Kanubio auch schon einem solchen begegnet war, hatte er sich unzählige Male vorgestellt, wie er ihm gegenübertreten und danach fragen sollte. Wie immer, wenn er nicht weiter wusste, holte er sich Rat bei seinen Freunden. „Trage das Medaillon, geh zu ihm, sagt erst einmal gar nichts und warte ab, wie er darauf reagiert“, hatte ihm Siobhan geraten.
Viele Stunden durchstreifte Kanubio erfolglos die Wälder vor Bajard, wo er Tithus zu finden hoffte. Spät Nachts entdeckte er ihn, direkt vor dem Fischerdorf, ins Gespräch mit einem ihm Unbekannten vertieft. Als Tithus zu seinem Baum ging, um sich zur Ruhe zu begeben, folgte er ihm. Kanubio handelte nach Siobhans Rat, begann ein belangloses Gespräch mit Tithus und beobachtete seine Reaktion auf das eher unscheinbare Medaillon um seinen Hals, das einem Unbeteiligten wohl kaum aufgefallen wäre und dessen Smaragd nun im Schein des Feuers, das Tithus vor einem Baum entfacht hatte, sanft glitzerte. Tithus erkannte es, das merkte Kanubio, und das machte ihm die Sache leichter. Ja, er wäre sein Vater, gestand ihm der körperfüllige Wanderpriester.
Tausend Fragen schwirrten Kanubio in diesem Moment durch den Kopf, die ihm auf den Lippen brannten, doch hielt er sich zurück und stellte ihm nur die allerwichtigsten. Knapp eine Stunde plauderten sie, dann zog es Kanubio zurück in die Einsamkeit der Wälder, wo er all das, was ihm nun wild durch den Kopf purzelte, beruhigen und ordnen wollte.
Er hatte seinen Vater gefunden. Ein Priester des Horteras. Ein friedlicher, sanfter Mensch mit einem tiefen Glauben an einen Gott, der Kanubio - der bislang an nichts anderes geglaubt hatte als an die wohltuende Wirkung von Alkohol - gar nicht so unsympathisch erschien.
Ein paar seiner Fragen hatte Tithus ihm beantwortet, dafür kamen unzählige neue in Kanubio auf. Am liebsten hätte er den Alten an einen ruhigen Ort geschafft und ihn dort tagelang ausgefragt – doch hielt er sich zurück. 19 Jahre und noch mehr ließen sich nicht in ein paar Stunden nachholen.
Als er seinen Freunden überglücklich berichtete, dass er Tithus gefunden hatte und er ihn dabei die ersten Male „Vater“ nannte, kam das Wort noch schwer und ungelenk über seine Lippen, so als könne er es selbst noch nicht begreifen, nun einen Vater zu haben. Am liebsten hätte er seine Freunde allesamt auf der Stelle mitgenommen und sie Tithus vorgestellt – doch musste er sich auch hier in Geduld üben, denn sie hatten andere Dinge zu tun.
Ach, es gab so viel, was er Tithus zeigen und erzählen wollte! Von seinen Freunden, seinem Haus, seinen Erlebnissen, seinen Tieren, seinem Weg, von den Elfen und den Druiden, ja sogar von seinen unglücklichen Liebschaften. Er vertraute ihm … seltsam … sonst war er anderen Menschen stets lange Zeit recht misstrauisch eingestellt …
In den folgenden Tagen suchte er Tithus Nähe und fand sie – wenn auch nicht immer unter Bedingungen, die einer frischen Vater-Sohn-Beziehung die nötige Ruhe gegeben hätte. Aber auch diese Situationen brachten ihm Tithus näher … Der Konflikt in der Bank von Bajard … irgendwie war ihm da sein Vater ganz anders vorgekommen … und gefallen ließ sich der Alte auch nichts!
Immerhin hatte Kanubio es endlich geschafft, ihm sein Haus zu zeigen und ihm Heinrich vorzustellen. Zu gerne hätte er ihn auch gleich ins Lager geführt – doch auch das musste noch warten, wusste Tithus doch noch nicht, dass er einer Gemeinschaft angehörte, deren Lager sich an einem geheimen Ort befand. Ihn dorthin zu bringen, würde einige Vorbereitungen verlangen … nicht nur wegen Tithus ansehnlicher Körperfülle.
Immerhin schaffte Kanubio es dann auch, ihm Simon vorzustellen. Kanubio war glücklich wie selten in seinem Leben, als sie zu dritt um das kleine Lagerfeuer vor Bajard saßen und Tithus Simons Fragen zu dessen Zufriedenheit beantwortete und er bemerkte, dass sich die beiden verstanden.
In den wenigen Stunden, die sie bislang gemeinsam verbracht hatten, hatte ihn Tithus zutiefst beeindruckt. Horteras hatte dem Priester wohl einige Gaben geschenkt, die ihm das Leben erleichtern sollten und irgendwie spürte Kanubio, dass das, was er bisher bemerkt hatte, noch lange nicht alles war. Wieder stellten sich ihm neue Fragen – wieder zwang er sich zur Geduld.
Bei ihrem letzten Treffen hatte er Tithus sein Armband gezeigt, das Zeichen der Gemeinschaft der Waldgeister. Er hatte ihm erzählt, wie sie lebten und was sie taten – und Titus hörte es mit Freuden. Doch der Abend war wieder einmal viel zu kurz gewesen – da gab es noch etwas, was er ihm unbedingt erzählen musste … etwas von höchster Wichtigkeit … worauf er in seiner Nervosität, die manchmal immer noch in Tithus Nähe durchbrach, ganz vergessen hatte …
Je näher er Tithus kam, umso mehr schloss er ihn in sein Herz und umso glücklicher wurde er – auch wenn er bald feststellen musste, dass es eine Schattenseite gab, denn nicht jeder im Lande schätzte einen Horteras-Priester und somanch einer ließ Tithus seine Verachtung deutlich spüren. Doch das musste Kanubio in Kauf nehmen, obwohl er tief in seinem Inneren darüber Zorn hochsteigen spürte. Und sollte sein Vater in ein Scharmützel verwickelt werden, würde er ganz sicher an seiner Seite zu ihm stehen.
Was Kanubio jedoch am meisten verwirrte war, dass ihn sein Vater so viel lobte und eine so hohe Meinung von ihm hatte. Noch nie in seinem Leben hatte ihn jemand gelobt. Hatte er bislang etwas richtig gemacht, wurde das als selbstverständlich angesehen, und hatte er etwas falsch gemacht, gab’s Hiebe.
Der Stolz seines Vaters … er würde sich anstrengen müssen, um ihn nicht zu enttäuschen … und er nahm sich fest vor, ihn nie zu enttäuschen. Er würde lernen, trainieren und hart an sich arbeiten, um ihm auch weiterhin ein Sohn zu sein, auf den er mit Stolz blicken könnte.
Was blieb, waren die vielen vielen Fragen, die er an ihn hatte. Doch im Wald gab es genug Holz für die Lagerfeuer, an denen er hoffte, mit ihm noch zusammensitzen zu dürfen und an denen er sie ihm nach und nach stellen würde … so Horteras es wolle.
Viele Stunden durchstreifte Kanubio erfolglos die Wälder vor Bajard, wo er Tithus zu finden hoffte. Spät Nachts entdeckte er ihn, direkt vor dem Fischerdorf, ins Gespräch mit einem ihm Unbekannten vertieft. Als Tithus zu seinem Baum ging, um sich zur Ruhe zu begeben, folgte er ihm. Kanubio handelte nach Siobhans Rat, begann ein belangloses Gespräch mit Tithus und beobachtete seine Reaktion auf das eher unscheinbare Medaillon um seinen Hals, das einem Unbeteiligten wohl kaum aufgefallen wäre und dessen Smaragd nun im Schein des Feuers, das Tithus vor einem Baum entfacht hatte, sanft glitzerte. Tithus erkannte es, das merkte Kanubio, und das machte ihm die Sache leichter. Ja, er wäre sein Vater, gestand ihm der körperfüllige Wanderpriester.
Tausend Fragen schwirrten Kanubio in diesem Moment durch den Kopf, die ihm auf den Lippen brannten, doch hielt er sich zurück und stellte ihm nur die allerwichtigsten. Knapp eine Stunde plauderten sie, dann zog es Kanubio zurück in die Einsamkeit der Wälder, wo er all das, was ihm nun wild durch den Kopf purzelte, beruhigen und ordnen wollte.
Er hatte seinen Vater gefunden. Ein Priester des Horteras. Ein friedlicher, sanfter Mensch mit einem tiefen Glauben an einen Gott, der Kanubio - der bislang an nichts anderes geglaubt hatte als an die wohltuende Wirkung von Alkohol - gar nicht so unsympathisch erschien.
Ein paar seiner Fragen hatte Tithus ihm beantwortet, dafür kamen unzählige neue in Kanubio auf. Am liebsten hätte er den Alten an einen ruhigen Ort geschafft und ihn dort tagelang ausgefragt – doch hielt er sich zurück. 19 Jahre und noch mehr ließen sich nicht in ein paar Stunden nachholen.
Als er seinen Freunden überglücklich berichtete, dass er Tithus gefunden hatte und er ihn dabei die ersten Male „Vater“ nannte, kam das Wort noch schwer und ungelenk über seine Lippen, so als könne er es selbst noch nicht begreifen, nun einen Vater zu haben. Am liebsten hätte er seine Freunde allesamt auf der Stelle mitgenommen und sie Tithus vorgestellt – doch musste er sich auch hier in Geduld üben, denn sie hatten andere Dinge zu tun.
Ach, es gab so viel, was er Tithus zeigen und erzählen wollte! Von seinen Freunden, seinem Haus, seinen Erlebnissen, seinen Tieren, seinem Weg, von den Elfen und den Druiden, ja sogar von seinen unglücklichen Liebschaften. Er vertraute ihm … seltsam … sonst war er anderen Menschen stets lange Zeit recht misstrauisch eingestellt …
In den folgenden Tagen suchte er Tithus Nähe und fand sie – wenn auch nicht immer unter Bedingungen, die einer frischen Vater-Sohn-Beziehung die nötige Ruhe gegeben hätte. Aber auch diese Situationen brachten ihm Tithus näher … Der Konflikt in der Bank von Bajard … irgendwie war ihm da sein Vater ganz anders vorgekommen … und gefallen ließ sich der Alte auch nichts!
Immerhin hatte Kanubio es endlich geschafft, ihm sein Haus zu zeigen und ihm Heinrich vorzustellen. Zu gerne hätte er ihn auch gleich ins Lager geführt – doch auch das musste noch warten, wusste Tithus doch noch nicht, dass er einer Gemeinschaft angehörte, deren Lager sich an einem geheimen Ort befand. Ihn dorthin zu bringen, würde einige Vorbereitungen verlangen … nicht nur wegen Tithus ansehnlicher Körperfülle.
Immerhin schaffte Kanubio es dann auch, ihm Simon vorzustellen. Kanubio war glücklich wie selten in seinem Leben, als sie zu dritt um das kleine Lagerfeuer vor Bajard saßen und Tithus Simons Fragen zu dessen Zufriedenheit beantwortete und er bemerkte, dass sich die beiden verstanden.
In den wenigen Stunden, die sie bislang gemeinsam verbracht hatten, hatte ihn Tithus zutiefst beeindruckt. Horteras hatte dem Priester wohl einige Gaben geschenkt, die ihm das Leben erleichtern sollten und irgendwie spürte Kanubio, dass das, was er bisher bemerkt hatte, noch lange nicht alles war. Wieder stellten sich ihm neue Fragen – wieder zwang er sich zur Geduld.
Bei ihrem letzten Treffen hatte er Tithus sein Armband gezeigt, das Zeichen der Gemeinschaft der Waldgeister. Er hatte ihm erzählt, wie sie lebten und was sie taten – und Titus hörte es mit Freuden. Doch der Abend war wieder einmal viel zu kurz gewesen – da gab es noch etwas, was er ihm unbedingt erzählen musste … etwas von höchster Wichtigkeit … worauf er in seiner Nervosität, die manchmal immer noch in Tithus Nähe durchbrach, ganz vergessen hatte …
Je näher er Tithus kam, umso mehr schloss er ihn in sein Herz und umso glücklicher wurde er – auch wenn er bald feststellen musste, dass es eine Schattenseite gab, denn nicht jeder im Lande schätzte einen Horteras-Priester und somanch einer ließ Tithus seine Verachtung deutlich spüren. Doch das musste Kanubio in Kauf nehmen, obwohl er tief in seinem Inneren darüber Zorn hochsteigen spürte. Und sollte sein Vater in ein Scharmützel verwickelt werden, würde er ganz sicher an seiner Seite zu ihm stehen.
Was Kanubio jedoch am meisten verwirrte war, dass ihn sein Vater so viel lobte und eine so hohe Meinung von ihm hatte. Noch nie in seinem Leben hatte ihn jemand gelobt. Hatte er bislang etwas richtig gemacht, wurde das als selbstverständlich angesehen, und hatte er etwas falsch gemacht, gab’s Hiebe.
Der Stolz seines Vaters … er würde sich anstrengen müssen, um ihn nicht zu enttäuschen … und er nahm sich fest vor, ihn nie zu enttäuschen. Er würde lernen, trainieren und hart an sich arbeiten, um ihm auch weiterhin ein Sohn zu sein, auf den er mit Stolz blicken könnte.
Was blieb, waren die vielen vielen Fragen, die er an ihn hatte. Doch im Wald gab es genug Holz für die Lagerfeuer, an denen er hoffte, mit ihm noch zusammensitzen zu dürfen und an denen er sie ihm nach und nach stellen würde … so Horteras es wolle.
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Freitag 28. September 2007, 17:56, insgesamt 1-mal geändert.