Schweiß perlte von der Stirn des jungen Mannes nieder, seine schwarzen Haare hingen ihm verschwitzt ins Gesicht, während die bläuliche Klinge hell im Licht des Sonnenscheins auffunkelte, als sie vor seinem Körper umherwirbelte.
Leise knisterte die Luft, als ein hellblauer Blitz den Hieb der Klinge begleitete, welche durch die Luft schnitt. Wie in Trance, einem Tänzer nicht unähnlich, bewegte er sich über das Dach der Gardisterei zu Rahal, die Schwertform laufend. Er brauchte diese Ruhe, denn er wollte Klarheit erlangen. Soviel war geschehen...
Glauben heißt Ehrfurcht zu lernen...
Hatte er nicht Ehrfurcht vor dem Herrn gezeigt? Immer und immer wieder? Wie konnte der Hauptmann dann behaupten, er müsse Ehrfurcht zeigen indem er die wirren Ansichten des Landsknechtes Darragh akzeptierte? War dies Ehrfurcht? Oder einfach nur Dummheit? War er verblendet? Oder war es der Hauptmann, der sich irrte?
Dir zu dienen heißt Gehorsam zu lernen...
Gehorsam war er unzweifelhaft gewesen, denn er hatte jenen lachhaften Befehl ausgeführt, den Helm jenes Herrn Sternenfaust zu besorgen als Beweis, dass er ihn nachträglich niedergeschlagen hatte... doch weshalb? Weil der Herr sich nicht zu Alatar bekannte und sich auf die Seiten der Adligen aus Varuna gestellt hatte? Aber hätte nicht jeder unserer Bauern es auf unserem Grund mit unseren Adligen nicht genauso getrieben? Wie konnte man einem Ungläubigen, der über Jahre im falschen Glauben erzogen worden ist, es derart übel nehmen? Das war lachhaft... eher sollte man ihn bemitleiden und zu bekehren versuchen. Kinder kann man auch nicht nur mit Schlägen erziehen, daraus lernen sie nur beim nächsten Mal heimlicher vorzugehen.
Dir zu dienen heißt Treue zu lernen...
Hatte er seine Treue vor dem Herrn verraten, indem er jenen Herrn damals in den Katakomben nicht niederstreckte, weil der Landsknecht Darragh ihn als Ketzer brandmarkte? Doch hatte der Herr Sternenfaust nicht zuvor für sein Leben vor jener Mumie bewahrt? Nichts geschieht ohne Grund, aller Dank gilt dem Herrn... hatte der Herr durch den Herrn Sternfaust gehandelt und ihn bewahrt? Oder wäre es vermessen zu glauben, der Herr würde überhaupt einen Blick in seine Richtung vergeuden um ihn zu bewahren?
Dir zu dienen heißt den Rat der Älteren zu erhören und zu befolgen...
So war er dem Rate des Hauptmanns gefolgt... nein... er musste sich verbessern. Es war kein Rat, es war ein Befehl. Er hatte keine Zeit gehabt irgendeinen Rat einzuholen, doch er würde es nachholen. Er würde mit der Templerin sprechen. Über seine Zweifel... sein Wanken... nie zuvor hatte er sich so unsicher gefühlt gegenüber dem Herrn. Dabei hatte er doch nur keinen unnötigen Kampf auf fremden Boden provozieren wollen... keinen Krieg provozieren wollen... denn das heilige alatarische Reich sollte nicht durch ihn derart geschwächt werden, bevor es and er Zeit zu derartigen Schritten war. Konnte das denn niemand verstehen? Hatte er so Alatar nicht einen Dienst erwiesen? Doch jener Befehl hatte alles in den Staub getreten... abwarten, was geschehen würde...
Dir zu dienen heißt die Jüngeren zu lehren...
Er wusste nicht ob Jesper jünger war als er.. doch benahm er sich wie ein wütendes, zorniges Kind, ohne Beherrschung und ohne Gedanke an Konsequenzen. Doch er war keinerlei sinnvoller Worte gegenüber aufgeschlossen. Alle Rhetorikkünste nützten ihm nichts, wenn derjenige alles mit lächerlichen Worten abschmettert und die Hände über den Ohren zusammenschlägt.
,,Ihr seid ein Verräter“... dafür hätte ich ihm einen Fuß Stahl durch die Kehle stoßen müssen, wenn Jesper ein Mann gewesen wäre. Aber die Worte von Kindern sollte man belächeln und nicht ernst nehmen... er hatte ja bereits bewiesen, dass er keinen Blick für Konsequenzen hat.
Dir zu dienen heißt weltlichem Besitz abzuschwören...
Dazu war er noch nicht bereit, denn er benötigte sein Gold für eine scharfe Klinge und eine schützende Rüste. Wie könnte er ohne seinen Pflichten gegenüber dem Herrn nachkommen? Eines Tages... wenn endlich Friede und das Wort des Herrn überall herrschen mag, dann würde er es vielleicht tun können.
Doch würde er jeden Besitz aufgeben um einem Diener des Herrn beizustehen. Reichtum benötigte er nicht, nur seinen Glauben.
Dir zu dienen heißt sich in der Sprache zu schulen...
Vermag er nicht durch Worte zu überzeugen? Hatte er nicht von kleinauf eine Schulung im Umgang mit Ungläubigen und anders denkenden erhalten? War sie etwa nicht ausreichend genug gewesen, oder war jener Landsknecht einfach nur unglaublich stur? Und wie stand es mit dem Hauptmann... hatte er kein einsehen, dass jener Befehl alles nur schlimmer machte anstatt besser? Der klaffende Abgrund zwischen Jesper und ihm war lediglich größer geworden, denn er verachtete ihn. Ihm lag nichts daran, sich in 'seinen Augen reinzuwaschen', wie der Landsknecht es ausdrückte.
Dir zu dienen heißt sich im Kampfe zu schulen...
Hier gab es keinen Zweifel. Kein Zögern. Dies war teil seines Lebens, wie atmen und schlafen. Er merkte selbst, wie er jeden verstreichenden Tag Fortschritte machte.
Dir zu dienen heißt keine Almosen oder Geschenke anzunehmen...
Sein Blick galt der Klinge in seiner Hand. Ja, er hatte sie sich verdient. Ebenso seine Rüstung, denn er setzte die Gesetze der heiligen Stadt durch. Er hatte sich alles erarbeitet, nichts erbettelt und nie gefleht. Er war bereit die Strafe anzunehmen, die man ihm eventuell angedachte. Es schreckte ihn nicht, denn nur der Zorn Alatars würde ihn wirklich berühren können.
Dir zu dienen heißt sich völlig aufzugeben...
Tat er dies? Nein... denn alles vorangegangene Maß sich an seinem eigenen Stolz. Oder? Nicht? War es doch nur sein Glaube, sein Verständnis von Pflicht gewesen? Oder ging es doch um ihn selbst?
... er brauchte dringend Rat. Er wollte sich nicht verlieren und vom Wege abkommen.
Sirrend glitt die Klinge durch die Luft, wirbelte hierhin, dorthin... Stieß nach vorne, parierte imaginäre Hiebe. Nur das Geräusch des eigenen Atems, der Schritte auf den Steinen und des rauschenden Blutes in den Ohren drang an ihn heran... doch etwas in ihm begann sich zu wandeln.
Ein Leben für Alatar...
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Saraphel Legato
Ein Leben für Alatar...
Zuletzt geändert von Saraphel Legato am Samstag 29. September 2007, 01:26, insgesamt 2-mal geändert.
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Saraphel Legato
Andächtig verteilte er das Öl mit einem Tuch auf der Rüstung und verrieb es mittels gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen und polierte Schlieren und Dreck mit dem bereitliegenden Lappen weg. Tief sog er den Geruch des Metall und des Öls ein... der Geruch beruhigte ihn immer wieder aufs Neue... die gewohnte Tätigkeit gab Sicherheit. Geborgenheit. Eine Welt, die sich durch nichts schädigen ließ, eine Welt, in der die Abläufe festgeschrieben standen.
... und seine Gedanken schweiften wieder zum Abend in Bajard.
Mit blankgezogenen Waffen und angelegter Rüstung standen sie zu dritt einer Gruppe Eisenwartler und einem Rekruten der bajardschen Wache gegenüber. Hauptmann Sarel schürte wie immer mit spöttischen Bemerkungen die Spannungen, doch die Eisenwartler ließen sich nicht provozieren. Sie zogen sich zurück... wollten den Konflikt vermeiden, welcher zu diesem Zeitpunkt auch unnötig war, erneut so nahe an den Grenzen Bajards.
Zufrieden... und ja, zugegeben, erleichtert, senkte ich meine Waffe ab. Wollte sie gerade wieder scheiden, als Sarels Ruf ertönte:,,
ZUM ANGRIFF!“
... ja... zum Angriff... war ich nicht wie vom Donner gerührt? Überrascht? Warum einen Feind niedermachen, der sich zurückzog? Es war ohnehin nur ein Geplänkel... welchen Vorteil würde es geben? Keinen.. für keine Seite.
Welchen Ruhm gab es zu ernten? Keinen... für keine Seite.
Würde es Alatars Macht, Alatars Ruhm, Alatars Einfluss mehren? Nein... jedenfalls nicht seiner Vorstellung nach.
Zeugte es nicht viel eher von Größe, einen Feind sich zurückziehen lassen? Ihm diese Gnade zu gewähren? Hätte dies nicht unsere Allmacht demonstriert? Die Allmacht des heiligen Reiches?
Erneute Zweifel... Zweifel an den Befehlen, Zweifel an der Ehrfurcht, welche er nach einigem Zögern zeigte, als er in den Kampf eingriff, denn dies war seine Pflicht. Doch hatte er seinen Schwur auf Alatar geleistet. Auf den Alka. Auf Rahal. Mit keinem Worte ist der Hauptmann erwähnt worden... abwarten... noch war es nicht an der Zeit... doch würde er Schadensbegrenzung betreiben müssen. Hatte das Gespräch mit dem Templer nicht alle Zweifel vorerst zerstreut gehabt? Warum mussten sie sogleich wieder aufkeimen? Zweifel...
... leise klappernd legte er die Rüstung beiseite und warf den Blick über seine drei Klingen. Gnade... Kra'Thors Hauch... Legatos Gesetz... hingebungsvoll widmete er sich ihrer Pflege.
... und seine Gedanken schweiften wieder zum Abend in Bajard.
Mit blankgezogenen Waffen und angelegter Rüstung standen sie zu dritt einer Gruppe Eisenwartler und einem Rekruten der bajardschen Wache gegenüber. Hauptmann Sarel schürte wie immer mit spöttischen Bemerkungen die Spannungen, doch die Eisenwartler ließen sich nicht provozieren. Sie zogen sich zurück... wollten den Konflikt vermeiden, welcher zu diesem Zeitpunkt auch unnötig war, erneut so nahe an den Grenzen Bajards.
Zufrieden... und ja, zugegeben, erleichtert, senkte ich meine Waffe ab. Wollte sie gerade wieder scheiden, als Sarels Ruf ertönte:,,
ZUM ANGRIFF!“
... ja... zum Angriff... war ich nicht wie vom Donner gerührt? Überrascht? Warum einen Feind niedermachen, der sich zurückzog? Es war ohnehin nur ein Geplänkel... welchen Vorteil würde es geben? Keinen.. für keine Seite.
Welchen Ruhm gab es zu ernten? Keinen... für keine Seite.
Würde es Alatars Macht, Alatars Ruhm, Alatars Einfluss mehren? Nein... jedenfalls nicht seiner Vorstellung nach.
Zeugte es nicht viel eher von Größe, einen Feind sich zurückziehen lassen? Ihm diese Gnade zu gewähren? Hätte dies nicht unsere Allmacht demonstriert? Die Allmacht des heiligen Reiches?
Erneute Zweifel... Zweifel an den Befehlen, Zweifel an der Ehrfurcht, welche er nach einigem Zögern zeigte, als er in den Kampf eingriff, denn dies war seine Pflicht. Doch hatte er seinen Schwur auf Alatar geleistet. Auf den Alka. Auf Rahal. Mit keinem Worte ist der Hauptmann erwähnt worden... abwarten... noch war es nicht an der Zeit... doch würde er Schadensbegrenzung betreiben müssen. Hatte das Gespräch mit dem Templer nicht alle Zweifel vorerst zerstreut gehabt? Warum mussten sie sogleich wieder aufkeimen? Zweifel...
... leise klappernd legte er die Rüstung beiseite und warf den Blick über seine drei Klingen. Gnade... Kra'Thors Hauch... Legatos Gesetz... hingebungsvoll widmete er sich ihrer Pflege.
Zuletzt geändert von Saraphel Legato am Samstag 29. September 2007, 01:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Saraphel Legato
Rasselnd ging der Atem des Trabanten, welcher noch immer mit den letzten Ausläufern der Grippe, welche ihn plötzlich überfiel, zu kämpfen hatte. Schweiss glänzte auf seiner Haut, während er die Innenseiten der Stadtmauern entlanglief um seinen Körper in Form zu halten.
Trabant... diese Beförderung würde wohl vorerst die Letzte bleiben, hatte er doch gestern dem Hauptmann endgültig seine Meinung gesagt.
Was war schlimmer... sich selbst oder seine Vorgesetzten zu verraten? Doch hatte er dieses Mal nicht aus persönlichem Stolz heraus gehandelt, sondern aus Ehrfurcht vor Alatar! Was letzten Abend geschehen war, hatte nichts mit den Geboten des Herrn gemeinsam und war seiner Sache in keinster Weise dienlich gewesen und er würde nicht ruhig beistehen, während der Hauptmann dem heiligen Reiche schadete...
... dennoch war er froh seinen Kopf noch auf den Schultern zu haben. Wie hatte er sich in Rage geredet vor dem Hauptmann! Seine ganze Schulung der Worte in den Wind geschlagen, gar mit dem Finger anklagend auf den Hauptmann gezeigt und dessen Taten verflucht!
Dir zu dienen heißt Gehorsam zu lernen, nicht wahr? Gehorsam... doch hatte der Hauptmann kein größeres Ziel gehabt, keinen tieferen Sinn hinter seinen Taten, sondern nur bloße Wut und kurzlebige Triebe. Müsste er dann dennoch folgen? Er konnte es nicht sagen... wie hätte er auch? Er war letztendlich kein Templer...
War der Aufstieg zum Trabanten nicht der erste Weg in Richtung der Tafel des Herrn gewesen? War es nunmehr sein letzter Schritt? Nein... denn wenn er derartigen Befehlen folge leisten würde, würde es ihn nicht bloß noch weiter entfernen?
Herr... prüfst du mich?
Verschwitzt traf der junge Trabant wieder in der Gardisterei ein... die Gedanken trieben wild durcheinander.
Trabant... diese Beförderung würde wohl vorerst die Letzte bleiben, hatte er doch gestern dem Hauptmann endgültig seine Meinung gesagt.
Was war schlimmer... sich selbst oder seine Vorgesetzten zu verraten? Doch hatte er dieses Mal nicht aus persönlichem Stolz heraus gehandelt, sondern aus Ehrfurcht vor Alatar! Was letzten Abend geschehen war, hatte nichts mit den Geboten des Herrn gemeinsam und war seiner Sache in keinster Weise dienlich gewesen und er würde nicht ruhig beistehen, während der Hauptmann dem heiligen Reiche schadete...
... dennoch war er froh seinen Kopf noch auf den Schultern zu haben. Wie hatte er sich in Rage geredet vor dem Hauptmann! Seine ganze Schulung der Worte in den Wind geschlagen, gar mit dem Finger anklagend auf den Hauptmann gezeigt und dessen Taten verflucht!
Dir zu dienen heißt Gehorsam zu lernen, nicht wahr? Gehorsam... doch hatte der Hauptmann kein größeres Ziel gehabt, keinen tieferen Sinn hinter seinen Taten, sondern nur bloße Wut und kurzlebige Triebe. Müsste er dann dennoch folgen? Er konnte es nicht sagen... wie hätte er auch? Er war letztendlich kein Templer...
War der Aufstieg zum Trabanten nicht der erste Weg in Richtung der Tafel des Herrn gewesen? War es nunmehr sein letzter Schritt? Nein... denn wenn er derartigen Befehlen folge leisten würde, würde es ihn nicht bloß noch weiter entfernen?
Herr... prüfst du mich?
Verschwitzt traf der junge Trabant wieder in der Gardisterei ein... die Gedanken trieben wild durcheinander.