Sie hatte herzlich wenig Mitleid mit diesem Lethar. Im Gegenteil, es war eine tiefe Genugtuung gewesen, was geschehen war. Auf seiner häßlichen, geifernden Reitechse war er allen Ernstes quer durch die Grafschaft geritten. War die Furcht davor, ergriffen zu werden, so tief gesunken? Tja, und dann geriet er genau an die richtigen: zwei Kürassiere, Kabo und Ragwyn, Gardist Devan, Sire Rafael, sogar seine Hoheit und sie selber. Es ging also auch anders rum, als daß sie selber fünf Rahalern in die Hände fiel, das war irgendwie beruhigend.
Im Kloster schließlich sollte sich in den kommenden Tagen sein Schicksal entscheiden. Höflich neigte sie vor Victoria den Kopf.
"Ich wollte nicht ohne die Eure Erlaubnis zu jenem treten. Ich weiss ja nicht, was Ihr mit jenem vorhabt."
"Ich habe die Streiter beider Orden gebeten, mit Wache zu halten, Euer Gnaden. Streng genommen habe ich gar nichts mit ihm vor, solange über ihn und seine Verbrechen nicht Recht gesprochen wurde."
"So sollten wir uns um jenen Letharen sehr bald kümmern."
"Ja, Euer Gnaden. So meine Meinung gestattet ist...?
"Es mag den Versuch wert sein, ob er für die Worte des Lichts noch empfänglich ist, doch fürchte ich, es wird sich an ihm nicht Radhils Schicksal wiederholen, der den Klang des Disharmonien wieder verlernte und Phanodains Ruf hörte. Doch vielleicht kann es helfen, einen Magier des Phönix-Konventes zurate zu ziehen. Ansonsten gehört der Lethar wohl vor ein Gericht gestellt, dem ein Temora-, Eluive-, Horteras- und Phanodain-Priester angehören. Ob die zwergische Priesterschaft daran Anteil haben wollen würde, weiß ich nicht."
"Nun... ich denke, Rha`dils Schicksal kann man mit jenem nicht vergleichen. Ihr wisst sicher das Rha`dil einst ein reiner Elf war, der dem Lichte folgte und erst durch Alatars Stimme sich zur dunklen Seite wandte und dadurch war der Hauch einer Chance, daß jener das Lied noch hört.
Jener ...Lethar aber ..hier ..entsprang direkt aus der dunklen Disharmonie. Er kennt jene Harmonie des Liedes nichtmals..."
"Ich neige dazu, Euer Gnaden nur zu gerne zuzustimmen, doch seid Ihr sicher, daß jeder Lethar per se als verloren gelten muß? Gibt es hierüber Schriften, die solches bestätigen?"
"Nun, Rha`dil ist der einzige der jemals in Schriften erwähnt wurde, der das Lied des Phanodains je wieder nochmals erhörte. Aber..dennoch ..gebe ich euch ..wohl schon recht", meinte Victoria mit nachdenklicher Stimme, "Jener Lethar hier in den Mauern ..wird weisen ..ob es einen kleinen Lichtblick für dieses Volk überhaupt noch gibt."
Mit Sir Ian und Sir Nevyn betraten sie das Zimmer. Einen Letharen durch Gebete und die heilige göttliche Wahrheit... reinigen? Bekehren? Ein Lethar, gefangen im Kloster und mit Gebeten zugetextet. Etwas absurde Gedanken von vorlesenden Klosterbewohnern im Schichtwechsel schlichen ihr durch den Sinn. Außerdem musste sie gegen ein feixendes Grinsen und grimmige Rachegedanken gleichzeitig ankämpfen, als sich immer mehr aufdrängte, daß das für einen Letharen wohl auch Folter war.
Über Wochen hinweg hatten sie Adrian bestialisch gequält...
der Gedanke: "ausgleichende Gerechtigkeit" drängte sich gleichsam auf, wie er ihr auch widerstrebte.
Sie suchte rasch einige Bücher aus der Bibliothek, und als sie ins Zimmer kam, fing Victoria gerade an, zu dem gefesselten und geknebelten Letharen zu sprechen - es fing an.
[img]http://img503.imageshack.us/img503/7861/temorianischefolterhl3.jpg[/img]
Folter auf temorianisch
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Nevyn Silberhand
Nachdem sie den Raum wieder verlassen hatten, ritt Nevyn zum Haus der Bruderschaft.
In einer der Kisten mussten doch noch einige Exemplare der Gebetsbücher sein, die die Bruderschaft mal verteilt hatte...
Und tatsächlich, ein kleiner Stapel war noch da.
Zufrieden lächelnd wurden diese sogleich eingepackt und der Streiter lenkte sein Ross wieder in Richtung des Klosters.
Dort angekommen trat er erneut in die Kammer, in der der Lethar sicher ans Bett gebunden lag.
Sir Ian schien regelrecht froh über sein Kommen zu sein und bat darum, auch direkt von seiner Wache abgelöst zu werden, eine Bitte, die Nevyn nur zu gerne erfüllte.
Kurz darauf war er alleine mit dem blauhäutigen, er setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und begann im vorzulesen.
Zwischendrinn unterbrach er seinen Vortrag immer wieder, um dem wüten und toben zuzusehen und um kleine Geschichten zu erzählen.
Das Alatar den Letharen längst verlassen hätte und feige geflohen wäre, dass es besser wäre, wenn sich sein Gott "wie jede brave Katze einen Ofen suchen würde um sich davor zusammenzurollen"...
Und immer wieder Zeilen aus dem Gebetsbuch.
Die Zeit verstrich, eine Stunde...dann noch eine...
"Das ist ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Göttern.
Alatar stellt Regeln auf, die seine eigene Schwäche verbergen und gibt dann solchen wie Dir die Schuld.
Temora lässt die Ihrigen nicht im Stich, im Gegenteil. Je schlimmer die Lage, desto stärker kann man auf ihren Beistand vertrauen."
Schliesslich war es soweit, der Lethar begann zu zucken, ganz so, als wenn ihn nun der Wahnsinn die Kontrolle über seinen Körper verlieren liesse.
Nevyns Angebot, doch einige Elfen aus dem Nebelwald zum Kloster zu führen, damit diese ihm beistehen konnten, schien ihm auch nicht sonderlich zu gefallen, er wand sich, tobte, zerrte an den Fesseln.
Der Ritter nahm all dies gelassen hin.
Er verstärkte die Bandagen, die den Lethrixor hielten und tupfte ihm den Schweiss von der Stirn.
Zuguterletzt wünschte er ihm eine gute Nachtruhe, den Segen Temoras und versprach, schon bald mit neuen Texten wiederzukommen...
In einer der Kisten mussten doch noch einige Exemplare der Gebetsbücher sein, die die Bruderschaft mal verteilt hatte...
Und tatsächlich, ein kleiner Stapel war noch da.
Zufrieden lächelnd wurden diese sogleich eingepackt und der Streiter lenkte sein Ross wieder in Richtung des Klosters.
Dort angekommen trat er erneut in die Kammer, in der der Lethar sicher ans Bett gebunden lag.
Sir Ian schien regelrecht froh über sein Kommen zu sein und bat darum, auch direkt von seiner Wache abgelöst zu werden, eine Bitte, die Nevyn nur zu gerne erfüllte.
Kurz darauf war er alleine mit dem blauhäutigen, er setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und begann im vorzulesen.
Zwischendrinn unterbrach er seinen Vortrag immer wieder, um dem wüten und toben zuzusehen und um kleine Geschichten zu erzählen.
Das Alatar den Letharen längst verlassen hätte und feige geflohen wäre, dass es besser wäre, wenn sich sein Gott "wie jede brave Katze einen Ofen suchen würde um sich davor zusammenzurollen"...
Und immer wieder Zeilen aus dem Gebetsbuch.
Die Zeit verstrich, eine Stunde...dann noch eine...
"Das ist ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Göttern.
Alatar stellt Regeln auf, die seine eigene Schwäche verbergen und gibt dann solchen wie Dir die Schuld.
Temora lässt die Ihrigen nicht im Stich, im Gegenteil. Je schlimmer die Lage, desto stärker kann man auf ihren Beistand vertrauen."
Schliesslich war es soweit, der Lethar begann zu zucken, ganz so, als wenn ihn nun der Wahnsinn die Kontrolle über seinen Körper verlieren liesse.
Nevyns Angebot, doch einige Elfen aus dem Nebelwald zum Kloster zu führen, damit diese ihm beistehen konnten, schien ihm auch nicht sonderlich zu gefallen, er wand sich, tobte, zerrte an den Fesseln.
Der Ritter nahm all dies gelassen hin.
Er verstärkte die Bandagen, die den Lethrixor hielten und tupfte ihm den Schweiss von der Stirn.
Zuguterletzt wünschte er ihm eine gute Nachtruhe, den Segen Temoras und versprach, schon bald mit neuen Texten wiederzukommen...
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Ian Vondran
Skeptisch war der erste Blick auf die Befesslung des Letharen ausgefallen. Es war ein recht verzwickter Konstrukt, wohl auch schmerzhaft wenn man sich gegen diese wehren würde; ebenso skeptisch fiel auch der Blick ob der Vorlesungen aus, welche scheinbar keine Besserung zeigen wollten.
Sein Zutun war an diesem Abend nur sehr dürftig. Ein Schild für die Priesterin war er, welche emsig die heiligen Gebete sprach, auf dass dem Lethar deren Güte wiederfährt. Doch wie konnte er auch irgendwelchen Einfluss ausüben, hatte er sich doch noch nicht von zuvorigen Geschenissen, dem Tod Ihrer Heiligkeit, erholt. Nicht einmal die Zeit zu trauern blieb, nicht einmal die Ruhe des Klosters wurde für die Tage der Besinnung gewahrt, nein... im Gegenteil. Sich abzufinden, zu verstehen, ihres künftigen Weges gewiss sein, dies blieb ihm beinahe restlos verwehrt, denn es waren nur Stunden die man ihm dafür lies, hatte er sich doch alsbald um den Gefangenen kümmern müssen. Um einen Letharen dem er einst schon begegnet war in dessen engstirniger Ignorranz wie Arroganz. Einem, der sein über 100 jahrelanges Leben dazu gebraucht hatte, das Leben anderer zu zerstören, zu quälen, zu foltern, zu töten. So sollten also Schriften etwas bewirken, versartige Gebete, die Beschallung durch die Kodici? Der Ritter konnte nicht recht daran glauben. Wenn gleich er auch in so manch finstrem Diener einen glimmenden Funken sah, so konnte er unter dieser ledrigen Haut keinen solchen erhoffen. Doch er würde sich damit nicht zufrieden geben, war es doch die einzige Möglichkeit jenen ziehen zu lassen, jenem das frei Geleid zu geben. In Gedanken an etwaigen Möglichkeiten, kam er abermals ab, entschwand in die schier unendliche Welt, die in der er Ihre Heiligkeit erhoffte.
Etliche Augenblicke vergingen so, der Lethar diente schon nur noch als Fixpunkt für das nervöse Augenpaar des Gläubigen, welcher für einen Augenblick wohl seine Aufgabe als Schild vernachlässigte. Wie sollte er sich seine Aufgabe wahrnehmen, ohne sich am Ende eines Tages in Ruhe und Einsamkeit zu besinnen, zu verstehen, zu neuer Erkenntnis gelangen? Wie sollten die aufmunternden Worte der jungen Diakonin fruchten, wenn der Gläubige nicht einmal die Zeit bekam, sie recht zu deuten, gar zu verstehen?
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Als wenn das nicht alles wäre, nein, hatte er auch noch die Begegnung mit dieser Vranseka im Hinterkopft, jene die ihm einen Pfeil entgegenschoss, sich ihm leichtfertig vorstellte, Kunde gab, dass sie für die Taten in Varuna verantwortlich sei. Die Tage hatte er nur im Kloster verbracht, er wusste nichts von einer Einbruchsserie oder ähnlichem, die auf ihre Worte zutreffen konnten, erst als er nahe dem heiligen Baum einen Pfeil entdeckte, der die selbe Markierung trug, wie der den man ihm entgegenschoss, kroch langsam das Entsetzen in ihm auf. Er musste sich auch noch um diese Angelegenheit kümmern, doch vorerst konnte er den Schutz des Klosters mit der Ritterschaft gewähren...
Sein Zutun war an diesem Abend nur sehr dürftig. Ein Schild für die Priesterin war er, welche emsig die heiligen Gebete sprach, auf dass dem Lethar deren Güte wiederfährt. Doch wie konnte er auch irgendwelchen Einfluss ausüben, hatte er sich doch noch nicht von zuvorigen Geschenissen, dem Tod Ihrer Heiligkeit, erholt. Nicht einmal die Zeit zu trauern blieb, nicht einmal die Ruhe des Klosters wurde für die Tage der Besinnung gewahrt, nein... im Gegenteil. Sich abzufinden, zu verstehen, ihres künftigen Weges gewiss sein, dies blieb ihm beinahe restlos verwehrt, denn es waren nur Stunden die man ihm dafür lies, hatte er sich doch alsbald um den Gefangenen kümmern müssen. Um einen Letharen dem er einst schon begegnet war in dessen engstirniger Ignorranz wie Arroganz. Einem, der sein über 100 jahrelanges Leben dazu gebraucht hatte, das Leben anderer zu zerstören, zu quälen, zu foltern, zu töten. So sollten also Schriften etwas bewirken, versartige Gebete, die Beschallung durch die Kodici? Der Ritter konnte nicht recht daran glauben. Wenn gleich er auch in so manch finstrem Diener einen glimmenden Funken sah, so konnte er unter dieser ledrigen Haut keinen solchen erhoffen. Doch er würde sich damit nicht zufrieden geben, war es doch die einzige Möglichkeit jenen ziehen zu lassen, jenem das frei Geleid zu geben. In Gedanken an etwaigen Möglichkeiten, kam er abermals ab, entschwand in die schier unendliche Welt, die in der er Ihre Heiligkeit erhoffte.
Etliche Augenblicke vergingen so, der Lethar diente schon nur noch als Fixpunkt für das nervöse Augenpaar des Gläubigen, welcher für einen Augenblick wohl seine Aufgabe als Schild vernachlässigte. Wie sollte er sich seine Aufgabe wahrnehmen, ohne sich am Ende eines Tages in Ruhe und Einsamkeit zu besinnen, zu verstehen, zu neuer Erkenntnis gelangen? Wie sollten die aufmunternden Worte der jungen Diakonin fruchten, wenn der Gläubige nicht einmal die Zeit bekam, sie recht zu deuten, gar zu verstehen?
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Als wenn das nicht alles wäre, nein, hatte er auch noch die Begegnung mit dieser Vranseka im Hinterkopft, jene die ihm einen Pfeil entgegenschoss, sich ihm leichtfertig vorstellte, Kunde gab, dass sie für die Taten in Varuna verantwortlich sei. Die Tage hatte er nur im Kloster verbracht, er wusste nichts von einer Einbruchsserie oder ähnlichem, die auf ihre Worte zutreffen konnten, erst als er nahe dem heiligen Baum einen Pfeil entdeckte, der die selbe Markierung trug, wie der den man ihm entgegenschoss, kroch langsam das Entsetzen in ihm auf. Er musste sich auch noch um diese Angelegenheit kümmern, doch vorerst konnte er den Schutz des Klosters mit der Ritterschaft gewähren...
Zuletzt geändert von Ian Vondran am Samstag 22. September 2007, 11:12, insgesamt 1-mal geändert.