Das Brüllen war nicht gerade leise und das graue Ungetüm was auf sie zustürmte war nicht weniger hübsch anzusehen. Der Troll hatte sein Maul weit aufgerissen und Geifer lief an seinen Fängen herab. Er rannte auf die kniende junge Frau zu welche eine Armbrust in beiden Händen hielt. Die Kapuze war zur Hälfte in ihr Gesicht gezogen aber sie konnte noch genug erkennen, das linke Auge war zugekniffen, der Finger lag am Abzug der Waffe. Nur noch wenige Schritte trennten die beiden voneinander, sie hob die Waffe an und drückte ab. Der Rückstoß drückte sie leicht zurück doch durch die kniende Haltung konnte sie diesen gut genug abfangen, der Troll vor ihr hatte indes seine Bewegungen aufgegeben oder vielmehr; er war tot zusammengesackt. Der Bolzen hatte sich einmal in den Schädel gebohrt und dickflüssiges Blut lief aus der Wunde. Viola richtete sich ruhig auf, befestigte die Armbrust und wandte sich ab. In den letzten Tagen waren nahe dieser Gebirgskette immer wieder Trolle gewesen und ausgerechnet heute musste sie einem über den Weg laufen; Pech für den Troll.
Sie durchstreifte nun die Wälder und kam nach einer Weile an eine altbekannte Stelle. Eine Lichtung in deren Mitte verbrannte Erde war. Die Natur würde seine Zeit brauchen bis die Überreste des Brandes endgültig beseitigt waren, doch das Haus, was einst hier stand, war beinahe vollkommen verschwunden. Nur wenige verkohlte Überreste zeugten davon dass hier einst ein Holzhäuschen gestanden hatte; der Fuchsbau, ihre Heimat. Sie blinzelte schweigend, sie selbst hatte es verbrannt, verbrannt weil Rahal seine Finger nach ihrer Bleibe ausgestreckt hatte und sie es vorgezogen hatte, das Haus lieber abzubrennen anstatt es den Bluthunden Alatars zu überlassen. Nun war es nicht mehr als eine Erinnerung, nicht mehr eine Heimat, die war nun woanders.
Woanders. Viola lächelte schief. Sie wollte gar nicht wissen was „Zuhause“ los sein würde wenn Darna dahinterkäme, dass sie den Fuchsbau abgebrannt hatte. Sie würde es als eine ihrer unüberlegten Dummheiten abtun, dessen war sie sich sicher. Die ganze letzte Nacht hatte sie mit Selissa ein Gespräch über dieses Thema geführt. Die junge Knappin war fest der Ansicht dass Darna es nicht als schlimm ansehen würde, Viola hingegen war da ganz anderer Meinung. Sie hatte Darna seit dem Mord soviel Kopfzerbrechen bereitet und sie in vielerlei Hinsicht enttäuscht, da würde das Abfackeln eines Hauses sicher kein entzückendes Lächeln auf ihre Lippen bringen. Es war nicht so dass Viola dachte sie wäre Darna egal, auf keinen Fall, sie wusste dass sich Darna sicher gedanken um Viola machte und sich auch um sie sorgte, aber sie war sich ebenfalls sicher dass sie selbst für Darna immer noch eine Enttäuschung darstellte, eine Enttäuschung die nun ihr Mündel war und deren Verhalten auf ihren Namen abfärben sollte.
Sie hatte beschlossen nicht allzu oft im Hause zu sein. Sie war viel unterwegs und je mehr sie unterwegs war, desto weniger brauchte sich Darna über sie den Kopf zu zerbrechen. Sie würde das eh alsbald tun. Lange war sie nicht mehr im Kloster gewesen um ihre Strafarbeit aufzunehmen und genauso wenig hatte sie es geschafft, völlig auf den Alkohol zu verzichten, was sie Darna eigentlich versprochen hatte. Es gab also genug Gründe fernzubleiben so dass Darna ihre Gedanken auf wichtigere Dinge lenken konnte, denn davon hatte sie schon immer mehr als genug gehabt und viele Menschen legten noch mehr Wert auf sie, ihre Meinung und ihre Stärke. Viola tat dies ebenso aber sie wusste dass sie sich zurückzuhalten hatte, grade nach dem Prozess gegen sie. Noch immer geisterte es ihr im Kopf umher wie Darna Viola ihrem Vater vorstellte und sie wollte gar nicht wissen was für eine Blamage es für sie gewesen sein musste, ihren Schützling dann vor Gericht zu geleiten.
Dies alles war bereits eine ganze Weile her und die neu dazugekommenen Spannungen mit ihrer Schwester taten nicht gerade ihr Bestes dass sich Viola besser fühlte. Es war eher das Gegenteil, selten kam sie sich in ihrem Zuhause, dem Haushalt von Elbenau, so Fehl am Platze, so falsch und verkehrt vor. Zwei Mägde, eine Kriegerin im Namen Temoras, eine Knappin die bald Ritterin werden würde und sie? Eine Mörderin, ein Straßenkind. Sie dachte viel darüber nach, sehr viel, vor allem in der Nacht und immer mehr hatte es sich in sie hineingefressen, ob nun zu recht oder nicht; sie würde so schnell nicht wieder gutmachen können was sie getan hatte, sie würde noch eine lange Zeit der dunkle Fleck im Haushalt sein und das einzige was sie dagegen tun konnte war ihrer Meinung das Fernbleiben.
Keine Enttäuschungen mehr für Darna, nie wieder. Das schwor sie sich.
Des Haushaltes schwarzer Fleck
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Viola Ser´Rhal
Sie wollte eigentlich nur etwas trinken, etwas abspannen und sich darauf vorbereiten bald wieder in die Höhle des Löwen zu müssen, nämlich das Kloster Temoras. Eine Woche lang sollte sie dort leben, na das waren doch mal Aussichten, sie wusste nicht ob sie sich oder die Klosterbewohner bemitleiden sollte. Der Entschluss darauf kräftig einen zu trinken war also gefasst und die Bajarder Taverne schnell zu ihrem Ziel auserkoren. Die Tatsache dass ihr Ziehvater Leif nach einer Weile hinzutrat, war eine angenehme Überraschung und bis zu diesem Punkt blieb es auch so; Angenehm. Bis zu diesem Punkt.
Leif hatte erwähnt dass er nach jemanden suchte, und dass diese Person sich nicht freuen würde ihn zu sehen, aber dass sie zu ihm kommen würde, damit hatten weder Viola noch Leif gerechnet. Trotz allem betrat plötzlich eine Templerin Alatars in Begleitung eines Letharen die Taverne, Leif reagierte noch völlig ruhig. Das Gespräch zwischen Leif und der Templerin, welche noch immer an der Tür stand, zeigte recht schnell dass diese nicht vorhatte großartig zu plauschen, eher im Gegenteil, sie drohte dem Tiefländer mit dem Tod und ab diesem Punkt hatte Viola ihre Armbrust gezückt und auf die Drohende angelegt.
Diese zeigte sich mehr verärgert denn beeindruckt und als sie leise ein paar Worte sprach, begann Viola plötzlich nach Luft zu schnappen. Irgendetwas fing an, ihr die Kehle zuzudrücken und sie schnappte nach Luft. Das Anlegen wurde zur Unmöglichkeit und sie brachte nur ein ersticktes Keuchen von sich was vielleicht zu einer Atemnot geführt hätte, hätte Leif nicht reagiert und einen Wurfdolch nach der Templerin geworfen. Der Zauber unterbrach sich und von nun an ging alles recht schnell.
Viola nahm die Templerin ins Visier und feuerte einen Bolzen nach ihr, doch statt dem erhofften Ziel schien sich jener Lethar dazwischen zu stellen und fing den Bolzen ab, welcher sich in die Rüstung bohrte aber das Fleisch nicht wirklich erwischt zu haben. Leif, der sich inzwischen aufgerichtet hatte mit seinem Speer, stand neben Viola, welche bereits wieder anlegte. Der Lethar stürmte vor und die Templerin … die murmelte etwas Komisches und plötzlich konnte Viola über sich ein Grummeln hören.
Vielleicht war es Reflex, vielleicht nur verdammtes Glück aber sie wich zur Seite als der Blitz runter donnerte und er traf sie „nur“ am linken Bein welches vor Schmerzen nachgab. Sie war nunmehr gezwungen sich an die Wand anzulehnen, doch der Halt eben jener reichte um wieder anzulegenund den nächsten Bolzen abzufeuern der diesesmal auch traf. Die Templerin erwischte der Bolzen, es warf sie förmlich von den Beinen und für ein paar Sekunden war der Schmerz vergessen und der Triumph kam auf, vielleicht hatte sie auch deswegen die beiden Neuankömmlinge bemerkt.
Die beiden waren dazu getreten und verhüllt und als die Templerin fiel, wollte einer der beiden sie gleich beiseite zerren und sich um sie kümmern, die andere hingegen tat … ja sie tat irgendetwas aber das Ergebnis war seltsam. Die Luft in der Taverne schien eisiger zu werden und Viola konnte vor sich plötzlich ein seltsames Schemen ausmachen, es ging alles sehr schnell, vor allem weil die Tatsache dazuspielte, dass der Lethar plötzlich nach ihrem Arm hieb und auch traf. Ein stechender Schmerz machte sich breit und sie sank zusammen, im Kampfe mit der auftretenden Ohnmacht.
Die Ohnmacht wäre sicher Willkommener gewesen als das, was nun folgte, denn der Schemen bewegte sich weiter auf sie zu, ihre Haut wurde kühler und ihr Atem kondensierte ehe dieses Wesen in sie einfuhr, in ihren Körper. Eine eisige Kälte machte sich in ihr breit und dann geschah es. Mit einem mal hörte sie in ihrem Kopf ein grausigen, schrillen Schrei der ihren Kopf fast zum Zerbersten brachte und dann, ja dann wurde sie ohnmächtig.
Als sie erwachte, war es dunkel, sie lag auf nassem Gras und in ihrem Kopf hämmerte es nur so. Ein schrilles Pfeifen schien immerzu in ihren Ohren zu sein und nichts anderes war mehr verständlich. Sie richtete sich auf nur um wieder zu Boden zu fallen als sie das verwundete Bein spürte. Mühsam nur konnte sie sich in Richtung Varuna schleppen wo ein Gardist sie besorgt ansah. „Geht es euch gut Fräulein?“ Doch alles was Viola hörte war dieses Pfeifen, sie verstand kein Wort. „WAS? Ich hör nichts ich … bringt mich … zu einem Heiler, bitte“ sie brüllte die Worte förmlich weil sie sich selbst so kaum selbst verstehen konnte.
Man brachte sie zu Liliana die sie behandelte, das Pfeifen schien laut der Heilerin mit ihrem Trommelfell zusammenzuhängen und es würde sich am nächsten Morgen sicher bessern. Liliana wollte sie noch da behalten aber Viola lehnte ab, sie wollte Heim. Morgen würde es ihr besser gehen, da war sie sich sicher und die Bettruhe war auch unnötig, die hatte sie noch niemals gebraucht, naja fast nie.
Leif hatte erwähnt dass er nach jemanden suchte, und dass diese Person sich nicht freuen würde ihn zu sehen, aber dass sie zu ihm kommen würde, damit hatten weder Viola noch Leif gerechnet. Trotz allem betrat plötzlich eine Templerin Alatars in Begleitung eines Letharen die Taverne, Leif reagierte noch völlig ruhig. Das Gespräch zwischen Leif und der Templerin, welche noch immer an der Tür stand, zeigte recht schnell dass diese nicht vorhatte großartig zu plauschen, eher im Gegenteil, sie drohte dem Tiefländer mit dem Tod und ab diesem Punkt hatte Viola ihre Armbrust gezückt und auf die Drohende angelegt.
Diese zeigte sich mehr verärgert denn beeindruckt und als sie leise ein paar Worte sprach, begann Viola plötzlich nach Luft zu schnappen. Irgendetwas fing an, ihr die Kehle zuzudrücken und sie schnappte nach Luft. Das Anlegen wurde zur Unmöglichkeit und sie brachte nur ein ersticktes Keuchen von sich was vielleicht zu einer Atemnot geführt hätte, hätte Leif nicht reagiert und einen Wurfdolch nach der Templerin geworfen. Der Zauber unterbrach sich und von nun an ging alles recht schnell.
Viola nahm die Templerin ins Visier und feuerte einen Bolzen nach ihr, doch statt dem erhofften Ziel schien sich jener Lethar dazwischen zu stellen und fing den Bolzen ab, welcher sich in die Rüstung bohrte aber das Fleisch nicht wirklich erwischt zu haben. Leif, der sich inzwischen aufgerichtet hatte mit seinem Speer, stand neben Viola, welche bereits wieder anlegte. Der Lethar stürmte vor und die Templerin … die murmelte etwas Komisches und plötzlich konnte Viola über sich ein Grummeln hören.
Vielleicht war es Reflex, vielleicht nur verdammtes Glück aber sie wich zur Seite als der Blitz runter donnerte und er traf sie „nur“ am linken Bein welches vor Schmerzen nachgab. Sie war nunmehr gezwungen sich an die Wand anzulehnen, doch der Halt eben jener reichte um wieder anzulegenund den nächsten Bolzen abzufeuern der diesesmal auch traf. Die Templerin erwischte der Bolzen, es warf sie förmlich von den Beinen und für ein paar Sekunden war der Schmerz vergessen und der Triumph kam auf, vielleicht hatte sie auch deswegen die beiden Neuankömmlinge bemerkt.
Die beiden waren dazu getreten und verhüllt und als die Templerin fiel, wollte einer der beiden sie gleich beiseite zerren und sich um sie kümmern, die andere hingegen tat … ja sie tat irgendetwas aber das Ergebnis war seltsam. Die Luft in der Taverne schien eisiger zu werden und Viola konnte vor sich plötzlich ein seltsames Schemen ausmachen, es ging alles sehr schnell, vor allem weil die Tatsache dazuspielte, dass der Lethar plötzlich nach ihrem Arm hieb und auch traf. Ein stechender Schmerz machte sich breit und sie sank zusammen, im Kampfe mit der auftretenden Ohnmacht.
Die Ohnmacht wäre sicher Willkommener gewesen als das, was nun folgte, denn der Schemen bewegte sich weiter auf sie zu, ihre Haut wurde kühler und ihr Atem kondensierte ehe dieses Wesen in sie einfuhr, in ihren Körper. Eine eisige Kälte machte sich in ihr breit und dann geschah es. Mit einem mal hörte sie in ihrem Kopf ein grausigen, schrillen Schrei der ihren Kopf fast zum Zerbersten brachte und dann, ja dann wurde sie ohnmächtig.
Als sie erwachte, war es dunkel, sie lag auf nassem Gras und in ihrem Kopf hämmerte es nur so. Ein schrilles Pfeifen schien immerzu in ihren Ohren zu sein und nichts anderes war mehr verständlich. Sie richtete sich auf nur um wieder zu Boden zu fallen als sie das verwundete Bein spürte. Mühsam nur konnte sie sich in Richtung Varuna schleppen wo ein Gardist sie besorgt ansah. „Geht es euch gut Fräulein?“ Doch alles was Viola hörte war dieses Pfeifen, sie verstand kein Wort. „WAS? Ich hör nichts ich … bringt mich … zu einem Heiler, bitte“ sie brüllte die Worte förmlich weil sie sich selbst so kaum selbst verstehen konnte.
Man brachte sie zu Liliana die sie behandelte, das Pfeifen schien laut der Heilerin mit ihrem Trommelfell zusammenzuhängen und es würde sich am nächsten Morgen sicher bessern. Liliana wollte sie noch da behalten aber Viola lehnte ab, sie wollte Heim. Morgen würde es ihr besser gehen, da war sie sich sicher und die Bettruhe war auch unnötig, die hatte sie noch niemals gebraucht, naja fast nie.
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Viola Ser´Rhal
Bettruhe. Sie hätte niemals gedacht dass sie dieses Wort ernst nehmen würde aber Viola hatte sich an die Verordnung von Liliana gehalten. Nicht dass sie es von Anfang an vorgehabt hätte, auf keinen Fall, aber der Tag nach dem Besuch bei der Heilerin war recht erschöpfend gewesen. Ihr Bein schmerzte unter dem Verband und die brennende Salbe war heute irgendwie überdeutlich zu spüren. Dazu kam noch die Tatsache dass der Schnitt an der linken Hand brannte als wäre er in siedendes Öl getaucht worden, irgendwie war das alles andere als schön.
Doch all das verblasste im Vergleich zu diesem pfeifenden Geräusch. Es war immer noch da und es war auch nicht leiser geworden. Ab und an gab es Momente an denen das Geräusch etwas abzustumpfen schien, aber sie konnte immer noch nicht wirklich etwas verstehen wenn man mit ihr sprach. Viola zog sich zurück, sie hatte sich auf ihr Zimmer begeben und lag dort den ganzen Tag, grübelte über den Abend und über die Geschehnisse nach, wenn sie sich auch nicht an alles erinnern konnte.
Kurz drückte sie sich prüfend gegen die Ohren, natürlich wurde das Geräusch weder leiser noch sonst irgendetwas und es drückte ihr ziemlich auf das Gemüt. All die Zeit hatte sie dieses Geräusch irgendwie im Hinterkopf, auch wenn sie sich ein wenig daran gewöhnt hatte und es nicht immer wahrnahm wenn sie alleine war, sobald aber jemand anderes dazu kam, wurde ihr schnell wieder bewusst dass sie immer noch nicht wirklich etwas hören und verstehen konnte.
Und so verbrachte sie die meiste Zeit, wie gerade, in ihrem Bett, starrte an die Wand und aß ab und an ein wenig. Laufen war nicht wirklich drin, denn jedesmal wenn sie auftrat spürte sie einen recht brennenden Schmerz und als sie einen kleinen Gang vor dem Haus unternehmen wollte, endete dieser in einer schmerzhaften Landung auf dem Boden. Danach hatte sie jegliche weitere Bemühungen eingestellt. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken. Jedesmal wenn sie die Augen schloss und versuchte zu schlafen, dann fing es an; sie sah kurz wie verschwommen eine schemenhafte Gestalt vor ihren Augen und dann folgte ein schriller, panischer Schrei der ihr fast die Tränen in die Augen trieb, so unheimlich war er.
Egal wie sehr sie versuchte sich an diesen Schemen zu erinnern oder in mit diesem Schrei in Verbindung zu bringen, immer scheiterten ihre Bemühungen und letztendlich blieben ihr meistens nicht mehr als eine oder zwei kurze Stunden des Schlafes bis sich die Prozedur wiederholte. Entsprechend wirkte Viola anscheinend auch, tiefe Augenringe, die Augen selbst gerötet, sie war blass und sie fühlte sich hundeelend. Aber es half nichts, es würde irgendwann sicher vorbei sein, jedenfalls hoffte sie das. Sie konnte sich zwar sehr viel vorstellen, aber nicht ein Leben lang dieses Pfeifen im Kopf zu haben und nicht mehr vernünftig schlafen zu können ohne von Albträumen geplagt zu sein.
Sie blinzelte matt zur Wand und dann fielen ihr die Augen schon fast von alleine zu. Der Körper wollte seinen Schlaf und der Geist zog sich ängstlich in eine Ecke zurück. Nur ein paar Stunden Ruhe, mehr wollte sie doch nicht.
Doch all das verblasste im Vergleich zu diesem pfeifenden Geräusch. Es war immer noch da und es war auch nicht leiser geworden. Ab und an gab es Momente an denen das Geräusch etwas abzustumpfen schien, aber sie konnte immer noch nicht wirklich etwas verstehen wenn man mit ihr sprach. Viola zog sich zurück, sie hatte sich auf ihr Zimmer begeben und lag dort den ganzen Tag, grübelte über den Abend und über die Geschehnisse nach, wenn sie sich auch nicht an alles erinnern konnte.
Kurz drückte sie sich prüfend gegen die Ohren, natürlich wurde das Geräusch weder leiser noch sonst irgendetwas und es drückte ihr ziemlich auf das Gemüt. All die Zeit hatte sie dieses Geräusch irgendwie im Hinterkopf, auch wenn sie sich ein wenig daran gewöhnt hatte und es nicht immer wahrnahm wenn sie alleine war, sobald aber jemand anderes dazu kam, wurde ihr schnell wieder bewusst dass sie immer noch nicht wirklich etwas hören und verstehen konnte.
Und so verbrachte sie die meiste Zeit, wie gerade, in ihrem Bett, starrte an die Wand und aß ab und an ein wenig. Laufen war nicht wirklich drin, denn jedesmal wenn sie auftrat spürte sie einen recht brennenden Schmerz und als sie einen kleinen Gang vor dem Haus unternehmen wollte, endete dieser in einer schmerzhaften Landung auf dem Boden. Danach hatte sie jegliche weitere Bemühungen eingestellt. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken. Jedesmal wenn sie die Augen schloss und versuchte zu schlafen, dann fing es an; sie sah kurz wie verschwommen eine schemenhafte Gestalt vor ihren Augen und dann folgte ein schriller, panischer Schrei der ihr fast die Tränen in die Augen trieb, so unheimlich war er.
Egal wie sehr sie versuchte sich an diesen Schemen zu erinnern oder in mit diesem Schrei in Verbindung zu bringen, immer scheiterten ihre Bemühungen und letztendlich blieben ihr meistens nicht mehr als eine oder zwei kurze Stunden des Schlafes bis sich die Prozedur wiederholte. Entsprechend wirkte Viola anscheinend auch, tiefe Augenringe, die Augen selbst gerötet, sie war blass und sie fühlte sich hundeelend. Aber es half nichts, es würde irgendwann sicher vorbei sein, jedenfalls hoffte sie das. Sie konnte sich zwar sehr viel vorstellen, aber nicht ein Leben lang dieses Pfeifen im Kopf zu haben und nicht mehr vernünftig schlafen zu können ohne von Albträumen geplagt zu sein.
Sie blinzelte matt zur Wand und dann fielen ihr die Augen schon fast von alleine zu. Der Körper wollte seinen Schlaf und der Geist zog sich ängstlich in eine Ecke zurück. Nur ein paar Stunden Ruhe, mehr wollte sie doch nicht.
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Viola Ser´Rhal
Drei Wochen später
RUMS. Das war die Türe, ziellos wanderte sie umher, blickte sich um, der Verstand konnte im Moment keinen klaren Halt finden, es konnte alles nicht wahr sein. Sie sah auf ihren Kleiderschrank, die rechte ballte sich zur Faust und schlug mit aller Gewalt gegen das Holz, einmal, zweimal, dreimal, viermal.
Splitter bohrten sich dabei ins Fleisch und an einigen Stellen strich eine hauchdünne Blutspur aus den kleinen Wunden. Alles an dass sie sich geklammert hatte in ihrer Wut löste sich nun im Nichts auf und ließ sie dastehen, alleine und mit neuen Gefühlen konfrontiert. Doch wie hatte das alles seinen Lauf genommen?
Sie war guter Dinge gewesen, das Bein schmerzte nicht mehr und sie hatte die Krücken weglegen können. Natürlich hatte Frau Liliana dazu noch lange nicht ihr Einverständnis gegeben aber sie spürte ja selbst genug dass sie nach so langer Zeit endlich wieder gehen konnte. Mit der neuen Kraft kam auch Tatendrang auf, sie wollte wieder ins Armenviertel, ihren alten Verschlag neu aufbauen, jenes Ding was ihr früher immer als Unterbleibe diente und dann wollte sie noch eine weniger angenehme Sache erledigen. Es war Sarah gewesen die es erwähnt hatte. „Du könntest mir einen Gefallen tun“ es war keine Bitte es war mehr eine Bemerkung und als Viola ihr einen etwas missmutigen Blick schenkte schmunzelte die Schwester nur.
„Was soll’s denn sein?“ fragte Viola. „Naja du sollst nur etwas abholen, wo ich eigentlich gedacht hätte du wärst dem Ganzen selbst nachgekommen. Geh für mich mal zum Rathaus und frag dort nach den Hinterlassenschaften von Mama und Papa nach und bring sie vorbei.“ Diese Bitte war nicht nur völlig unerwartet, sie traf auch einen blanken Nerv. „Du willst dass ich was tue?! Die Hinterlassenschaften dieser beiden holen? Nen Teufel wird ich tun! Die beiden haben uns das Leben zur Hölle gemacht!“ Sarah schnaubte nur und Viola wusste dass ihr ein Kommentar längst auf der Zunge lag, sie aber des Frieden willens schwieg. „Es verlangt keiner von dir dass du dir das Zeug ansiehst. Es sind zwei Bücher, mehr nicht. Hol sie ab und bring sie mir demnächst bitte vorbei, für heute verlasse ich die Stadt erstmal.“ Viola hob eine Braue. „Ich frag gar nicht erst wo du hin willst. Aber ist gut, ich hol dir die Sachen.“
Sie hatte die Stadthalle gerade betreten als sie zielstrebig einen der Anwesenden ansprach. „Die Lichtbringerin mit euch die Dame, kann ich euch helfen?“ die Stimme war nasal und der Kerl vor ihr wirkte als habe er gleich zwei Besen gefressen. „Ich will eine Nachbleibenschaft abholen. Von der Familie Ser’Rhal“ Der Mann hob eine Braue. „Einen Moment …“ und kramte nach einem Buch. Es dauerte lange bis er es wieder zuschlug und auf Viola runter sah. „Junges Fräulein, denkt ihr nicht ihr seid etwas späte dran? Diese Habseligkeiten liegen nun seit fast 16 Jahren hier und …“ Doch Viola unterbrach ihn ganz einfach.
„Mir egal ob es lange hier liegt, gebt es mir. Und wenn ihr mir nicht glaubt dass ich eine Angehörige der Familie bin, steht es euch gerne Frei die mächtige Paladines Darna von Elbenau zu rufen, und was denkt ihr wie sauer die sein wird wenn ihr sie wegen so ‚ner Lappalie herholt? Da seht ihr den Ring und diese drei Buchstaben? H-V-E, sollte euch bekannt sein. Also?“ Der Mann wirkte nun etwas verunsichert und murmelte etwas Unverständliches ehe er in einem Kämmerchen verschwand und nach einigen Minuten mit einem Beutel zurückkehrte. „Die Bücher die als Hinterlassenschaft registriert wurden, bitte die Dame …“ Viola griff nach dem Beutel, nickte ihm nur zu und machte dann kehrt.
Am Abend saß sie am Esstisch und starrte das Buch an. Immer wieder wanderten die Augen über den ledernen Einband und sie erntete schon seltsame Blicke von Savea und Zyran dafür, dass sie nur auf ein geschlossenes Buch starrte. Erst Darna war es gewesen die ihr die Entscheidung auf eine Art abgenommen hatte indem sie das Buch aufschlug und las, nachdem Viola es ihr entgegen geschoben hatte.
Sie las die Einträge des Tagebuches und letztendlich schloss sie es mit den Worten „Ich will nicht großkotzig klingen aber; ich hatte Recht“
Verwirrt hatte Viola das Buch an sich genommen und begann nun ihrerseits darin zu lesen und jede Seite war wie ein Stich ins Herz. Jede Seite offenbarte ihr immer mehr das was sie nie gedacht hätte, dass sie immer abgestritten hatte. Ihre Eltern liebten sie, ihre Eltern hatten sich dafür gehasst dass sie ihre Kinder fortgejagt hatten und mit jedem detaillierten und intimen Worten, welche in dem Tagebuch ihres Vaters standen, quollen ihr die Tränen in die Augen, die blanke Wut stieg auf bis es zerriss und sie hochrannte.
Darna war hinzugetreten nachdem sie gegen den Schrank geschlagen hatte. „Abreagiert?“ fragte sie vorsichtig nachdem sie sanft die Splitter aus der Hand gezogen hatte und fast mütterlich drüber pustete. Abgeregt? Sie war einfach nur noch verwirrt, kaputt und enttäuscht. Alles woran sie sich geklammert hatte, ihre Wut über die Tatsache dass ihre Eltern sie immer gehasst haben mussten, dass sie nichts für ihre Kinder übrig hatten und dass sie herzenslose Monster waren, war zu groß. Sie hatte sich immer an diese Dinge gekrallt und aus diesem Trotz und dieser Wut etwas Kraft geschöpft doch nun war davon alles nichts mehr da.
Ganz im Gegenteil, sie fühlte plötzlich eine ureigenste Trauer in ihr aufkommen die ihr immer weiter die Tränen durchs Gesicht drängte und selbst Stunden nachdem sie Darna ins Bett gebracht hatte damit sie sich ausruhen konnte, war all dies nicht vergangen. Sie hatten sie nicht gehasst, sie hatten sie geliebt und sich selbst für all das gehasst. Sie waren liebende Eltern die sich für ihre Fehler selbst straften.
Das Leben war ungerecht in gewisser Weise und als sie einschlief, verlor sie sich in unruhigen Träumen. Träumen und Bildern von Mama und Papa.
RUMS. Das war die Türe, ziellos wanderte sie umher, blickte sich um, der Verstand konnte im Moment keinen klaren Halt finden, es konnte alles nicht wahr sein. Sie sah auf ihren Kleiderschrank, die rechte ballte sich zur Faust und schlug mit aller Gewalt gegen das Holz, einmal, zweimal, dreimal, viermal.
Splitter bohrten sich dabei ins Fleisch und an einigen Stellen strich eine hauchdünne Blutspur aus den kleinen Wunden. Alles an dass sie sich geklammert hatte in ihrer Wut löste sich nun im Nichts auf und ließ sie dastehen, alleine und mit neuen Gefühlen konfrontiert. Doch wie hatte das alles seinen Lauf genommen?
Sie war guter Dinge gewesen, das Bein schmerzte nicht mehr und sie hatte die Krücken weglegen können. Natürlich hatte Frau Liliana dazu noch lange nicht ihr Einverständnis gegeben aber sie spürte ja selbst genug dass sie nach so langer Zeit endlich wieder gehen konnte. Mit der neuen Kraft kam auch Tatendrang auf, sie wollte wieder ins Armenviertel, ihren alten Verschlag neu aufbauen, jenes Ding was ihr früher immer als Unterbleibe diente und dann wollte sie noch eine weniger angenehme Sache erledigen. Es war Sarah gewesen die es erwähnt hatte. „Du könntest mir einen Gefallen tun“ es war keine Bitte es war mehr eine Bemerkung und als Viola ihr einen etwas missmutigen Blick schenkte schmunzelte die Schwester nur.
„Was soll’s denn sein?“ fragte Viola. „Naja du sollst nur etwas abholen, wo ich eigentlich gedacht hätte du wärst dem Ganzen selbst nachgekommen. Geh für mich mal zum Rathaus und frag dort nach den Hinterlassenschaften von Mama und Papa nach und bring sie vorbei.“ Diese Bitte war nicht nur völlig unerwartet, sie traf auch einen blanken Nerv. „Du willst dass ich was tue?! Die Hinterlassenschaften dieser beiden holen? Nen Teufel wird ich tun! Die beiden haben uns das Leben zur Hölle gemacht!“ Sarah schnaubte nur und Viola wusste dass ihr ein Kommentar längst auf der Zunge lag, sie aber des Frieden willens schwieg. „Es verlangt keiner von dir dass du dir das Zeug ansiehst. Es sind zwei Bücher, mehr nicht. Hol sie ab und bring sie mir demnächst bitte vorbei, für heute verlasse ich die Stadt erstmal.“ Viola hob eine Braue. „Ich frag gar nicht erst wo du hin willst. Aber ist gut, ich hol dir die Sachen.“
Sie hatte die Stadthalle gerade betreten als sie zielstrebig einen der Anwesenden ansprach. „Die Lichtbringerin mit euch die Dame, kann ich euch helfen?“ die Stimme war nasal und der Kerl vor ihr wirkte als habe er gleich zwei Besen gefressen. „Ich will eine Nachbleibenschaft abholen. Von der Familie Ser’Rhal“ Der Mann hob eine Braue. „Einen Moment …“ und kramte nach einem Buch. Es dauerte lange bis er es wieder zuschlug und auf Viola runter sah. „Junges Fräulein, denkt ihr nicht ihr seid etwas späte dran? Diese Habseligkeiten liegen nun seit fast 16 Jahren hier und …“ Doch Viola unterbrach ihn ganz einfach.
„Mir egal ob es lange hier liegt, gebt es mir. Und wenn ihr mir nicht glaubt dass ich eine Angehörige der Familie bin, steht es euch gerne Frei die mächtige Paladines Darna von Elbenau zu rufen, und was denkt ihr wie sauer die sein wird wenn ihr sie wegen so ‚ner Lappalie herholt? Da seht ihr den Ring und diese drei Buchstaben? H-V-E, sollte euch bekannt sein. Also?“ Der Mann wirkte nun etwas verunsichert und murmelte etwas Unverständliches ehe er in einem Kämmerchen verschwand und nach einigen Minuten mit einem Beutel zurückkehrte. „Die Bücher die als Hinterlassenschaft registriert wurden, bitte die Dame …“ Viola griff nach dem Beutel, nickte ihm nur zu und machte dann kehrt.
Am Abend saß sie am Esstisch und starrte das Buch an. Immer wieder wanderten die Augen über den ledernen Einband und sie erntete schon seltsame Blicke von Savea und Zyran dafür, dass sie nur auf ein geschlossenes Buch starrte. Erst Darna war es gewesen die ihr die Entscheidung auf eine Art abgenommen hatte indem sie das Buch aufschlug und las, nachdem Viola es ihr entgegen geschoben hatte.
Sie las die Einträge des Tagebuches und letztendlich schloss sie es mit den Worten „Ich will nicht großkotzig klingen aber; ich hatte Recht“
Verwirrt hatte Viola das Buch an sich genommen und begann nun ihrerseits darin zu lesen und jede Seite war wie ein Stich ins Herz. Jede Seite offenbarte ihr immer mehr das was sie nie gedacht hätte, dass sie immer abgestritten hatte. Ihre Eltern liebten sie, ihre Eltern hatten sich dafür gehasst dass sie ihre Kinder fortgejagt hatten und mit jedem detaillierten und intimen Worten, welche in dem Tagebuch ihres Vaters standen, quollen ihr die Tränen in die Augen, die blanke Wut stieg auf bis es zerriss und sie hochrannte.
Darna war hinzugetreten nachdem sie gegen den Schrank geschlagen hatte. „Abreagiert?“ fragte sie vorsichtig nachdem sie sanft die Splitter aus der Hand gezogen hatte und fast mütterlich drüber pustete. Abgeregt? Sie war einfach nur noch verwirrt, kaputt und enttäuscht. Alles woran sie sich geklammert hatte, ihre Wut über die Tatsache dass ihre Eltern sie immer gehasst haben mussten, dass sie nichts für ihre Kinder übrig hatten und dass sie herzenslose Monster waren, war zu groß. Sie hatte sich immer an diese Dinge gekrallt und aus diesem Trotz und dieser Wut etwas Kraft geschöpft doch nun war davon alles nichts mehr da.
Ganz im Gegenteil, sie fühlte plötzlich eine ureigenste Trauer in ihr aufkommen die ihr immer weiter die Tränen durchs Gesicht drängte und selbst Stunden nachdem sie Darna ins Bett gebracht hatte damit sie sich ausruhen konnte, war all dies nicht vergangen. Sie hatten sie nicht gehasst, sie hatten sie geliebt und sich selbst für all das gehasst. Sie waren liebende Eltern die sich für ihre Fehler selbst straften.
Das Leben war ungerecht in gewisser Weise und als sie einschlief, verlor sie sich in unruhigen Träumen. Träumen und Bildern von Mama und Papa.