Reflektionen

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Aydeen Lefay

Reflektionen

Beitrag von Aydeen Lefay »

Aydeen fühlte den Blick des jungen Mannes und ihr war in diesem Moment klar, dass er sie nicht verstehen konnte. Nicht begreifen, wieso sie hier auf dem Felsen der Küste saß und nachdachte, wie so oft. Aber es war ein Ort der Ruhe für sie und der einzige, wo sie sicher war, dass keiner sie stören würde. Wasser beruhigte sie, es brachte Klarheit in ihre Gedanken und das brauchte sie jetzt. Zu viel war in den letzten Tagen vorgefallen.

Da war dieser Schatten in Bajard. Sie hatte es eilig, wollte nach Lameriast und das Schiff würde nicht ewig warten. Aber aus den Augenwinkeln nahm sie ihn wahr. Und wie damals am Steg, gab es eine Warnung in ihrem Inneren. Das gleiche Gefühl war wieder da. Schon stockte sie, wollte zurück. Aber wie gesagt, sie hatte es eilig und später dann würde sie dem nachgehen. Wobei, warum sollte sie das eigentlich tun? Das letzte Mal, als sie den beiden Schatten, so nannte Aydeen sie nun, begegnet war, kam die Pest über Varuna. Sie hatte einige Menschen gewarnt, aber es half nichts. Viele starben und sie konnte nur den Lebenden noch helfen.
Weshalb auch sollten sie reagieren? Du hast von Gefühlen gesprochen. Du konntest nicht beweisen. Was hättest du an ihrer Stelle getan?
Ja, was hätte ich getan?
Vermutlich wäre ich dem nachgegangen, weil ich eben Gefühlen vertraue. Vermutlich hätte ich versucht mehr darüber herauszufinden. Aber das bin ich eben, Aydeen.

Du kannst nicht erwarten, dass andere so sind, wie du.
Was für weise Worte von Alfons. Er hatte sie in einem anderen Zusammenhang ausgesprochen, aber sie trafen genau den Punkt.

Der zweite sonderbare Vorfall war jener in Varuna. Wie so oft nach der Lieferung an Reagenzien für die Dame Liliana von Drachenfels, die in ihrer Achtung für das, was sie für die Ärmsten der Stadt unentgeltlich tat, sehr hoch stand, kehrte sie in der Taverne spät abends ein. Zufällig traf sie dort auch dann den Koch, dem sie Tage zuvor ein wenig helfen durfte. Es schien ihm besser zu gehen. Er war nun nicht mehr verzweifelt und sie konnte seine Zuversicht in seinen Worten spüren, und das freute sie ungemein. Später als er bereits gegangen war, kamen Adelige. Sie wollte bereits aufbrechen, aber die Worte der Frau, einer Priesterin Temoras, hielten sie zurück. Diese Worte aus dem Mund der Frauen zeugten nichts von jener Demut, die ihr der Hohepriester in dem Kloster vermittelt hat. Wie konträr waren doch seine Worte und sein ganzes Wesen damals gewesen. Diese Frau sprach von Macht. Und wieder spürte Aydeen, dass diese Worte dem entsprachen, was jene Fremde aus tiefster Überzeugung glaubte. Sie wollte Macht, mehr Macht als man ihr bereit war zu geben. Rasch und eher unauffällig hatte sie dann die Taverne verlassen. Bedrückt und zugleich bestärkt, dass man nicht jedem Priester Glauben schenken durfte, schon gar nicht jener Frau, deren Gesicht sich tief in ihrem Inneren einbrannte. Eine Tatsache, die ihr weh tat, aber die sie als solche hinnehmen musste.

Der nächste Vorfall fand abermals in dieser Taverne statt. Nun ja sie traf die Dame bereits einmal in Bajard, wo sie Aydeen bedrängt hatte ihren Namen zu verraten. Aber genau das, wollte sie nicht. Aydeen gehört nicht zu den Menschen, die einfach jedem ihren Namen bei erster Begegnung nannten. Für sie waren Namen unwichtig. Wichtiger war der Mensch, der sich dahinter verbarg. Und genau das war ihr damals bei der Dame verborgen geblieben. Sie war nett und freundlich, aber etwas fehlte.
Das, was damals gefehlt hatte, spürte sie nun in dem Augenblick als die Dame seufzend die Taverne verlassen wollte. Menschen leben innerhalb von Mauern. Meist habe sie diese Mauern selber um sich erschaffen. Ab und zu bröckelt einer dieser Mauern ab. Es entsteht eine kleiner Durchgang. Die wenigsten Ergreifen, diese oftmals einzigartige Chance aus diesen Mauern zu flüchten.
Rasch schlug sie das Buch zu, und sprach sie an. Sie war traurig, auch wenn sie andere Gründe dafür angab, Aydeen fühlte dass, es nicht daran lag. Etwas anderes bedrückte die Frau. Mit einer untrügerlichen Klarheit wusste sie, dass diese Frau an diesem Abend nicht darüber sprechen würde; vielleicht würde sie es niemals tun. Aber es hat ihr sicherlich gut getan einige Worte mit jemand wechseln dürfen. Nun kannte sie auch ihren Namen und wenn sie Hilfe benötigt, dann konnte sie sich nun an Aydeen wenden, und sie würde da sein und ihr den Weg aus der Mauer zeigen, so sie es zuließ.

Der letzte Vorfall, wohl der eigenartigste geschah spät nachts. Abermals in Varuna. Es schneite.
Nicht dass Aydeen die Schneeflocken, die sich in ihrem nachtschwarzen Haar verfingen nicht liebte. Daran lag es nicht. Es war abermals das Gefühl da. Etwas, dass ihr die Freude an den einzelnen Schneeflocken gründlich verdarb. Rasch eilte sie zur Kutsche, um von Bajard aus das letzte Schiff nach Lameriast noch zu erwischen. Kaum betrat sie Bajard schneite es auch hier und dann in Lameriast. So als wären ihr die Schneeflocken gefolgt.
Aber warum sollten sie das tun?

Dann traf sie noch ihn, den Koch. Ihrem Gefühl nach war er nicht das, was er vorgab zu sein. Aber hat nicht jeder ein Geheimnis? Nur bei diesem Mann war es zu offensichtlich, genauso wie das ständige Grinsen auf seinem Gesicht, welches sie verunsicherte. Irgendetwas stimmte da nicht. Nur was es war, das würde die Zeit zeigen.
Aydeen Lefay

Begegnung

Beitrag von Aydeen Lefay »

Aydeen konnte förmlich die Blick durch die Rüstung spüren, die auf ihr ruhten. Als dann eine freundliche Stimme voller Achtung erklang, drehte sie sich um. Die Schlacht war vorbei, der Feind besiegt. Rundum lagen die toten Körper und sie stand noch. Nur noch der widerliche Geruch von Blut lag in der Luft.

Voller Staunen nahm sie die drei Gestalten wahr, die ihrerseits nun sie neugierig und wie es ihr schien voller Staunen schweigend musterten. Zwei Krieger aus Rahal offensichtlich, das erkannte sie an den schweren Rüstungen, die jene trugen. Die Gesichter konnte man unter dem Helm nicht erkennen. Die Frau jedoch, deren Antlitz genauso wenig unter dem Schutz des Kapuzenumhangs aus ihrer Entfernung erkennbar war, diese Frau stand sichtlich unter dem Schutz der beiden.

Tja es gibt eben auch Krieger von kleiner, zierlicher Statur, die genauso, wohl aber mit anderen Methoden, gleiches vollbringen können. Leicht schmunzelte sie bei dem Gedanken, den sie nicht aussprach.

Es war nicht das erste Mal, dass man ihr dieses Erstaunen entgegen brachte. Nicht selten auch Spott, aber daran hatte sie sich in zwischen bereits gewöhnt. Was die meisten nicht in ihren Erwägungen bedachten, war dass der Feind sie genauso sah. Klein und zierlich und als Tüpfelchen auf dem I...eine Frau. Genau da lag ihr entscheidender Vorteil. Keiner erwartet von ihr, dass sie mit dem Schwert umgehen konnte. Aber das konnte sie.
Und sie wurden immer besser. Schnell und wendig war sie aufgrund ihrer Statur immer gewesen, nun kam noch die Erfahrung des Kampfes dazu. Das oftmals ihre Kräfte nicht schonende harte Training begann Wirkung zu zeigen.

Welche Wirkung, dass fühlte sie bei dem Starren der drei Personen aus Rahal. Die regungslos dort standen die toten Körper ringsum musterten und dann immer wieder sie. Nach einer , wie es Aydeen erschien, endlos langen Zeit, richtete die Frau das Wort an sie.
"Erstaunlich, wirklich erstaunlich die Leistung." Höflich wie gewohnt neigte Aydeen ihr Haupt in ihre Richtung.
"Habt Dank für die höflichen Worte, die Dame", meint sie in dem gewohnt leisem Ton.
Wieso bedankt Ihr Euch dafür? Erstaunt warf ihr die Frau einen Blick zu bevor sie sich umwandte.
Vielleicht weil ich es nicht gewohnt bin so von anderen Kriegern behandelt zu werden? dachte sie und blickte der Frau nach.

„Hört endlich auf sie anzustarren“, das konnte sie noch aus dem Mund der Dame vernehmen, dann entschwanden alle drei aus ihrem Blickwinkel.
Als Aydeen sicher war, dass die drei weit genug entfernt waren, nahm sie den Helm ab und lachte leise.
"Ich wüsste zu gerne was in den Köpfen der beiden Krieger vorgegangen ist. Schade eigentlich, nun kann ich sie nicht
mehr danach fragen. /i]
Das Seltsame aber an dieser Begegnung ist, dass die ersten Worte von Anerkennung und Höflichkeit mir als Kriegerin von Leuten aus Rahal ausgesprochen wurden."
Womit Aydeen sicherlich nicht gerechnet hatte, war das. Es stimmte sie nachdenklich und ihr Lachen verstummte.
Aydeen Lefay

Wie aus einem Stückchen Fleisch eine Rebellin wird

Beitrag von Aydeen Lefay »

Was ist eine Kriegerin? Sie hatte nie die Chance bekommen darüber nachzudenken. Sie war wie damals der Stein, den sie geworfen hatte, in dieses Leben geschleudert worden. Kriegerin. Rebellin, das Wort hatte einmal ihr älterer Bruder ihr voller Verachtung entgegen geschleudert. Es sollte sie eigentlich verletzen, aber in jenem Augenblick war es ihr beinahe wie eine Erleuchtung vorgekommen. Er hatte recht. Sie war eine und stolz darauf. Stolz sich nicht einer Willkür des Königs unterworfen zu haben, stolz sich für jene einzusetzen, denen das Leben nichts geschenkt hatte, stolz darauf Fragen zu stellen und wenn die Antworten nicht dem entsprachen, was man unter Menschlichkeit, Achtung und Würde vor dem Leben verstand, sich zur Wehr zu setzen.
Genau genommen hatte ihr älterer Bruder damals voll ins Schwarze getroffen und das Tor dazu weit geöffnet. Sie war eine mit Leib und Seele. Wahrscheinlich schon beim ersten Schrei ihres Lebens gewesen, dessen war sich Aydeen ziemlich sicher, wenn sie zurück blickte.

„Du isst das Fleisch. Es ist ein Privileg unsere Klasse. Wir können es uns leisten“, zornig blickte ihr Vater auf seine kleine, damals kaum 5 Sommer alte Tochter herab. „Du wirst es essen, und nicht aufstehen bis dein Teller leer ist“. Dann verließ er den Raum mit Aydeens älterem Bruder, der ihr noch rasch und mit einer Verachtung, die sie bei ihm nur in Gegenwart von Menschen aus dem Armenviertel bis dato erlebt hatte, zischend das Wort „Rebellin“ zu. Dann waren beide weg. Zurück blieben sie, ihr jüngerer Bruder und Mutter.
„ Tue ich nicht“, murmelte die kleine mit den großen blauen Augen, die an die Weite und das strahlende blau eines Ozeans erinnerten. Mit Mühe unterdrückte sie die Tränen und schob die Unterlippe vor nochmals ein „Tue ich nicht“, ein wenig leiser nun dabei murmelnd. Trotzig warf sie einen Blick in Richtung der Mutter, aber da konnte sie keine Hilfe erwarten. Mutter würde wie immer aus Liebe und Achtung vor Vater alles was er sagte und tat dulden. Auch wenn es ihr das Herz brach, wie in diesem Augenblick, als sie ihre kleine zerbrechlich wirkende Tochter mit den nachtschwarzen glänzendem Haar wie ein Häufchen Elend da sitzen sah. Sanft für einen kurzen Augenblick legte sich ihre Hand auf das Haupt der Tochter, dann eilte sie aus dem Raum.
Zornig ballte Aydeen die kleine Kinderfaust um damit auf den Tisch zu schlagen. So wie Vater es immer tat, wenn er zornig war und seinen Worten den nötigen Nachdruck verleihen wollte. Aber Aydeen tat dieser Schlag auf das harte Holz des Tisches weh und erneut füllten sich die großen Augen mit Tränen. Nur nicht weinen, die beiden dürfen das niemals erfahre, und Mutter würde es nur weh tun. Schweigend blickte sie zu ihrem jüngeren Bruder Liam, der anders war. Vielleicht liegt es in der Natur eines Heilers, dass sie Menschen aus einem anderen Blickwinkel betrachten, und dem zur Folge anders sind. Aber das, wusste die Kleine damals noch nicht.
„Was ist eine Rebellin?“, fragend blickte sie den Bruder an. Ein Lächeln formte sich auf seinen Lippen und leise sich zu ihr nach vorne beugend sprach er dann jene Worte aus, die der Anfang von all dem waren, was viel später folgen sollte.
„Eine Rebellin, Aydeen….das wäre ein kleines Mädchen, das ein Stück Fleisch von ihrem Teller heimlich einpacken würde und es ihren Freunden im Armenviertel zusteckt. Verstehst du was ich damit meine?" Nachdenklich betrachtet er die Kleine. Als er dann sah, wie die zarten Kinderhände das Stück Fleisch ergriffen um es dann vorsichtig in ein Tuch zusammen mit noch einigen Früchten aus der großen Obstschüssel darin einzuwickeln, dann die großen Augen ihm dankbar einen Blick zuwarfen, bevor sie den Raum verließ, da lächelte er.
Du bist Vater in manchen Dingen ähnlicher als du denkst und doch wiederum so anders, kleine Aydeen, murmelte er ihr nach.

Keine Unterwerfung nur weil es einfacher war, das zu tun. Ja, Liam hatte damals Recht gehabt. Wie gerne würde sie ihm das sagen, heute und jetzt. Sie hatte so einiges von Vater.
Kein Schweigen. Fragen stellen und die Antworten mit dem Herz geben. Die Rebellin in ihr würde für immer das sein. Ein Kampf mit Stolz und Ehre. Nicht Stehenbleiben im Vergangenen. Der Drang es besser zu machen. Andere mitzureißen, sich zu wehren. Nichts einfach hinzunehmen und schweigen oder einfach wegsehen. Kein einfacher Weg. Aber er war es das wert. Sich Gedanken machen über das Schicksal anderer, es lag ihr im Blut, sie war es. Kriegerin und Rebellin in einer Person. Das Gewissen, das Fragen stellt und jeder musste dann die Antworten für sich selber finden, und manchmal war sie einfach nur da, um den ersten Stein zu werfen, der alles ins Rollen bringen konnte. Aydeen kannte ihre Antwort bereits. Aber wie stand es mit den vielen anderen dieser Welt?
Aydeen Lefay

Was bedeutet ewige Liebe?

Beitrag von Aydeen Lefay »

So es war heraus. Sie hatten darüber gesprochen. Es war ihr schwer gefallen. Aber sie gehörte nicht zu den Menschen, die Dinge, die ihr unangenehm waren in die Länge hinauszogen. Nein, dazu gehörte sie wirklich nicht.
Wirklich?
Denk einmal nach. Wie lange hast du gerade bei ihm um den heißen Brei geredet? Wie lange bist du diesem Thema aus dem Weg gegangen, hast gehofft, dass er es nicht ansprechen würde. Jetzt zumindest nicht.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Sie hasste diese Redewendungen und dennoch sie passte. Er hatte genug um die Ohren. Nicht deine Art, Aydeen, solche banalen Ausreden zu gebrauchen. Jeder hat das. Stimmt doch! Und? Wie soll er an deinem Leben teilnehmen können, wenn das wichtigste Kapitel ihm fehlt?
Mir fehlen doch auch Kapitel in seinem Leben!
Hör auf dich zu belügen! Was hat das mit dem nun zu tun? Es geht nicht darum im Leben, wenn ich dir etwas gebe, dann bekomme ich etwas zurück. Das wäre zu einfach und unreal. Meist ist es doch so, dass man gar nichts zurück bekommt. Damit musst du rechnen. Wichtig ist doch, dass man sich zwischen all diesen Dingen trifft und redet, oder auch nur zuhört.

Nun gut, es war erledigt, abgehackt. Er wusste nun Bescheid. Und sie sollte sich erleichtert fühlen. Wieso tat sie es dann nicht? Vielleicht weil es da noch etwas gab? Morgen? Würde er es verstehen? Und wenn nicht, was dann? Sie hatte diesen Mann geliebt, was gab es da zu verstehen? Sie war sogar bereit gewesen ihn zu heiraten. Bis…bis sie das Gedicht, welches er ihr geschrieben hatte, immer wieder durchgelesen hatte. So oft bis ihr klar wurde, dass er das nur aus Liebe zu ihr getan hätte. Es entsprach nicht seinem Wunsch. Er wollte Freiheit. Das offenbarte ihr dann auch seine berufliche Entscheidung. Ihr Weg war nicht der seine. Zu verschieden, zu konträr.

„Was, wenn ich dir gegenüber stehe, Morgen. Du müsstest mich töten.“ „Das werde ich nie zulassen, ich kann dich nicht töten Aydeen. Diese Entscheidung liegt dann nicht bei dir, ist dir das bewusst?“Ich werde dich nicht töten, niemals.“ Das glaube ich dir, doch wirst du vielleicht eines Tages nicht mehr die Wahl haben.“

Aus Liebe entsagen. Es schmerzte noch immer, wenn sie daran dachte. Weniger das, worum es schlussendlich dann eigentlich ging. Jeder hatte das Recht seinen Weg zu gehen, und keiner denjenigen davon abzuhalten. Es schmerzte, wie wenig er eigentlich von ihr wusste oder vielleicht wissen wollte. Das tat viel mehr weh.

Ewige Liebe! Auch sie war sich damals so sicher gewesen. Aber nun war sie das nicht mehr. Nicht im herkömmlichen Sinn. Der Mensch ist nicht geschaffen „für diese ewige Liebe“ Phrase. Hat er Verstand wird er ewig forschen, entdecken, streben nach dem was neu ist und unerforscht. Das wofür die meisten sie dann halten ist nur Gewohnheit, die Alltäglichkeit, die Vertrautheit, die Gemeinsamkeit, die bequem macht. Man muss sich nicht mehr anpassen, nichts verändern. Das ist zu einfach.

Was aber, wenn der Tod diese ewige Liebe trennt? Darf es dann für den Hinterbliebenen keine mehr geben, weil es von, wem auch immer so bestimmt wurde? Wer entscheidet darüber? Wer sagt uns wie oft es eine ewige Liebe in unserem Leben geben darf? Fremde, die uns nicht kennen, die einfach Thesen aufstellen, nach denen wir uns zu richten haben? Der Glaube? Der von jedem anders empfunden wird, weil wir eben Individuen sind und keiner dem anderen gleicht?
Sind nicht wir es, die entscheiden und wenn es sein muss, dann gibt es eben mehrere ewige Lieben in unserem Leben. Eine genauso wichtig wie die andere. Ist das so absurd? Ist nicht das Gefühl in jenem Augenblick, wo wir es mit Bestimmtheit wissen und aussprechen können, wichtiger? Kann es falsch sein, wenn wir der festen Überzeugung sind, es ist so, auch wenn es Jahre danach vielleicht anders aussieht oder gar der Tod diese ewige Liebe auseinander reißt?
Kann das wirklich so falsch sein, wenn doch all diese ewigen Lieben in uns auf die eine oder andere Weise weiter bestehen? Uns geformt haben zu dem, was wir nun sind? Bereit für vielleicht die letzte aller ewigen Lieben?

Doch die allerwichtigste Frage in diesem Augenblick ist…….würde er das alles verstehen? Und……..wie in aller Welt erzähle ich ihm das?
Aydeen Lefay

Mehr als nur ein Kleid

Beitrag von Aydeen Lefay »

Wer bist du, Aydeen?

Leise hauchte sie jene Worte über das Meer, das sie wie seit jeher anzog und beruhigte. Wie unzählige Male zuvor bekam sie keine Antwort, was sie nicht sonderlich beunruhigte, denn die Antworten lagen in ihr selber.
Auch heute war hier nichts außergewöhliches, der Gesang der Wellen war wie immer, auch das Rauschen der Eule, die auf der Suche nach Beute über ihren Kopf flog.
Musst du wirklich so nahe über meinen Kopf fliegen?, rief sie ihr noch nach. Aber das Tier war bereits in der Dunkelheit verschwunden.

Was sie beunruhigte war diese fremde und doch so vertraute Frau in dem Kleid. War sie dem würdig? War sie bereit für so ein Kleid?
Sein Kleid! Sein Geschenk!

Es war wundervoll, aber sie wirkte so anders darin. Das, was sie einst abgelegt hatte, sah sie nun in ihrem Spiegelbild im Wasser. Der hauchdünne feine Stoff umhüllte die kleine zarte Person, betont die äußerst zierliche Taille sowie die anderen Vorzüge der Gestalt. Der satte changierende Blau ton schien sich in den großen ernsten Augen zu widerspiegeln.
Sie hatte früher solche Kleider getragen, und sie auf dem Weg in ihr neues Leben in dieser Heimat abgelegt. Nichts sollte je daran erinnern, was sie einmal gewesen war. Schlicht, und betont sauber, mehr sollte auf den Betrachter nicht einwirken.

Du hast einen gewissen Hang zur Dramatik.
Da war es wieder. Liam,ihr Bruder. Seine Stimme, deutlich und klar durchbrach sie ihre Gedanken.

Das stimmt nicht.Schon regte sich der Widerspruch in ihr. Liam hätte es Sturheit genannt.

Doch, du schaffst es eine Banalität aufzubauschen, dass sie dann wie ein Ungetüm bedrohlich in der Luft schwebt. Gleichzeitig, im gleichen Atemzug eine schwierige Situation mit der Leichtigkeit eines Seiltänzers in eine Banalität zu versetzen, die Erstaunen hervorruft, und sie entspannt.
Seit dem Tage, wo das Leben uns vereint hat, wundere ich mich darüber, und ich freue mich auf jeden Tag an dem ich an deinem Leben, meine kleine Schwester, teilhaben darf.

"Das Kleid steht dir! Entzückend, um nicht zu sagen bezaubernd."
Genau das habe ich in seinen Augen gesehen, Liam.

Hosen? Ha, du trägst nun Hosen? Genau, meine Worte du bist theatralisch. Und ich könnte Wetten abschließen aus welchem Grund dies geschieht.Erstaunt blickte sie über die Wellen, sie hätte schwören können, dass da jemand lachte.

Augenblick! Das kann nicht sein! Du bist weit weg, Liam und ich hier in meiner neuen Heimat. Das ist irreal.
Ist es das, Aydeen? Wo genau liegt die Grenze zwischen irrealem und realem? Was denkst du, was ich täglich mache? Glaubst du meine Magie ist irreal, oder ist es nicht eher so, dass sie Realität mit dem Irrealem verbindet, und so real wird?

Du solltest mit ihm einen Disput führen, Liam nicht mit mir.
Ah nun kommen wir der Sache näher. Er!

Wieso gerade ich?

Wieso gerade nicht du?


Vor ihren Augen sah sie ein Bild über der Wasseroberfläche. Jener Augenblick als sie ihm damals das Kleid angezogen hatte, um es ihm zu zeigen.
Mit jeder Bewegung flossen die Schattierungen des Meeres um ihren Körper. Seine Fassungslosigkeit und Bewunderung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und machte sie verlegen. Sein Blick folgte verträumt der wilden Drehung als sie, ihm das Kleid präsentierte. Das schwarze glänzende hüftlange Haar fügte sich dem Bild. Es harmonisierte mit dem Kleid und der Umdrehung. Es folgte ihm wie ein schwarzer seidiger Schleier.

Was siehst du, kleine Schwester?
Er liebt mich so wie ich bin mit allen Nuancen meiner Vielschichtigkeit.

Gut so Aydeen, vergiss das niemals, denn genau das ist es was ihr beide aneinander liebt.
Das hat er auch gesagt!
Nachdenklich verfolgt ihr Blick dem Lauf einer Welle.

Warte…ich habe noch Fragen.Mit dem Rauschen der Wellen, war es ihr so, als könnte sie weit entfernt noch ein……die stellst du ihm, Aydeen…vernehmen.

Nachdenklich verweilte sie noch eine Zeitlang an der Küste. Betrachtete die Sterne, und hing ihren Gedanken nach.
Nun gut, ich werde ihm die Frage stellen, jene die sie bis dato unterdrückt hatte, nicht weil es ihr peinlich gewesen wäre, oder sie seine Antwort fürchtet. Sie hatte schon so viele Fragen gestellt und keine der Antworten bisher bereut.
Nein, die Frage galt nicht ihm, sie galt ihr und es war die Antwort, die ihr Angst machte.
Angst wovor? Sein Vertrauen hast du bereits, nun ist es an der Zeit an deinem zu arbeiten.
Er wird dir dabei helfen, das wusste sie mit einer Sicherheit, die sie bisher nicht gekannt hatte. Liebe kann so schön sein.
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