"Ich liebe deine wunderschönen roten Augen ...", nein das würde wohl kaum ein junger Mann zu ihr sagen.
Ran war sich recht früh darüber klar geworden, dass ihr ihre Blässe, die weißen Haare und zu guter letzt die Augen, nicht zum Vorteil gereichen würden. Nicht als junges Mädchen, das immer nur als "das Gespenst" verspottet wurde, und ebenso wenig in der Blüte ihrer Jahre, wenn es darum ginge einen Mann für mehr zu finden.
Man war recht einsam und zurückgezogen, wenn man von einer Laune der Natur so gezeichnet war und Spiegel gehörten nicht zu den besten Freunden.
Man sah was man sehen wollte. Und das war eben nicht, dass sie eigentlich recht hübsch war, sondern diese hervorstechenden Merkmale.
Sie schämte sich dafür.
Ran zog den großen Hut mehr in die Stirn und warf die Angel weit aus.
Hier am Meer gab es niemand, der sie ärgerte. Die Angelschnur versank in den seichten Wogen, und die Ruhe zwischen den Felsen war etwas was sie Tag ein Tag aus genoss. Allein sein hatte für Ran eine andere Bedeutung wie für die meisten anderen Menschen.
Sie hatte auch bei ihren Eltern immer gewusst, dass sie sich für ihre Tochter schämten. Man sprach zwar nicht darüber, aber man hielt sie versteckt, wie eine Aussätzige.
"Die Sonne bekommt dir nicht Kind." , nicht "mein Kind" ... nein "Kind".
Man dachte über so manches nach, zwischen den Felsen mit der Angel am Meer.
Immer wenn es Abend wurde, hatte sie sich aufgemacht, mit steigendem Alter immer früher, sich immer mehr über die Gängeleien der Eltern hinweggesetzt.
Im Nachhinein bezeichnete sie ihre Jugend als lieblos. Was durfte man auch von Menschen erwarten, die ihr Versagen darin sahen, dass das einzige Kind das ihnen vergönnt war, so aus dem Rahmen fiel.
Mutter starb früh, ebenso zurückgezogen. Vater hatte eine menge Freunde, sie standen alle auf dem Regal in der Küche und er leerte sie Abends bis er vom Stuhl rutschte.
Er war volltrunken als sie das Haus verlies, vielleicht merkte er es am nächsten Abend wenn das Essen irgendwie nicht auf dem Tisch stand.
Vielleicht fragte er sich dann zum ersten mal, woher es eigentlich die ganzen Jahre gekommen war.
Hier zwischen den Felsen am Wasser zog die junge, schmächtige Frau mit der blassen Haut frischen Fisch aus dem Wasser, und ein feines Lächeln machte sich auf ihren ebenso feinen Gesichtszügen breit.