Geisterblick - Geistertanz

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Systra Bunjam

Geisterblick - Geistertanz

Beitrag von Systra Bunjam »

Draussen heulte der Wind um die kleine Festung der Bunjam. Systra lag mit den anderen in den warmen Fellen und ging ihrem wohlverdienten Schlaf nach. Es war einige Zeit vergangen, dass sie hier angekommen war. Geleitet von der Dame im Wind hatte sie eine lange Reise hinter sich gebracht durch die Länder der Städter und war schliesslich hier angekommen.
Clan Bunjam...Es war hier alles anders als sie es gelebt hatte und dennoch war es ein aufregendes Leben. Öfters vermisste sie ihre Familie, ihren Dah und ihre Mah, ihren Brottr. Aber auch diese Sehnsüchte gingen mit der Zeit unter und kamen nur dann auf, wenn Systra alleine war und Zeit zum nachdenken hatte.
Soviele verschiedene Menschen hatte sie kennengelernt: die freche Runa, der brummelige Valdrrik, Leif - der Jarl des Clans über dessen Vater sie soviel gehört hatte, Skallagrim der irgendwie genauso brummelig wirkte wie die meisten anderen Kerls, Keikya die die meiste Zeit auf dem Hof verbrachte, die junge Kadlin die noch bei den Hinrah weilte und bald in den Clan Bunjam wechseln würde. Ja, Systra hatte viele neue Eindrücke gesammelt.
Systra`s Aufgaben im Clan hatte sie sich quasi selbst gegeben und irgendwie war es auch völlig verständlich was sie im Clan tat. Natürlich war sie als Heilerin zuallerst für das körperliche Wohl des Clans zuständig, mischte Tränke und Salben, kümmerte sich um Verletzungen und Krankheiten. Aber sie kümmerte sich auch um die Wäsche, putze das Clanshaus wenn es nötig war und kochte Essen. Eben genau das was ein gutes Weib eben tat. Ab und zu durfte sie auch aufregenderen Dingen nachgehen oder beiwohnen...
Sie erinnerte sich noch daran wie sie Hedwig, dem Schamanen der Hinrah, geholfen hatte das Ritual für die Geister vorzubereiten und abzuhalten. Es war damals für Isibel gewesen die endlich wissen wollte wer ihre Ahnen waren, damit alle wussten ob sie Hinrah, Bunjam oder etwas anderes sei. Eine Wicrah war sie wie sich herrausgestellt hatte.
Das Ritual war ein Erlebniss für Systra gewesen, sie hatte gefühlt wie das Blut durch ihre Adern strömte, die Hitze der Flammen auf ihrem Gesicht und unter der Fellrüstung, der Wolfsschädel tief ins Gesicht gezogen hatte sie nahe am Feuer gehockt und ihr Knurren war wie ein monotoner Beifall zu dem Tun des alten Schamanen.
Es war ein sehr berauschendes Gefühl gewesen, nicht zuletzt wegen dem Rauschkraut das sie in dem Feuer verbrannt hatte.
Sie benutze es häufiger und stellte es auch für die Schamanen zusammen. Es war aber auch gut wenn man Schmerzen ignorieren wollte. Sie wusste viel über Pflanzen und Tiere, all das hatte ihre Großmah ihr beigebracht in ihrer Ausbildung zur Heilerin. Auch hatte sie sie die verschiedenen Dinge über die Verhältnisse der Mächte erklärt, Tiere und Geister näher gebracht, ihr gelehrt die Ahnen zu ehren und die Schutzgeister zu preisen und zu bitten.
Systra war eine sehr "gläubige" Frau wenn man das von einer Tiefländerin sagen konnte und das hatte sich auch gezeigt als sie für Leif das Ritual vollzogen hatte um die Geister und Mächte um Stärke für ihren Jarl zu bitten.

Die letzte Zeit träumte Systra von seltsamen Dingen. Oft sah sie sich selbst im Nebel stehen, umgeben von einem dichten Wald der ihr irgendwie fremd vorkam. Um sie herrum die Stimmen der Wälder und das Heulen der Wölfe das die Stille zerriss.
Es liess ihren Schlaf nicht unruhig werden, aber sie wachte jeden Morgen mit einem seltsamen Gefühl im Magen auf. Es war sehr merkwürdig.
Über den Tag verlor sich dieses Gefühl wieder und sie ging ihrer Arbeit nach. Wäsche waschen, im Wald einige Kräuter sammeln, das Abendessen für den Clan vorbereiten, ein wenig entspannen, dann an den Alchemietisch und dort ein paar neue Salben anrühren. Ganz normaler Alltag und dies half ihr wohl auch, diese seltsamen Erlebnisse wieder zu vergessen.
Erst wenn sie Abends wieder in die Felle zu den Anderen ging, kamen die Gedanken daran zurück und liess sie lange wach bleiben ehe sie endlich einschlief. Was hatte das zu bedeuten? Warum träumte sie von so merkwürdigen Dingen? Sie hätte es gerne deuten lassen, aber sie hätte nicht gewusst wer ihr da Aufschluss hätte geben können. Es half nichts.
Wieder plagten sie die seltsamen Träume.
Sie stand auf einer weiten Wiese oder einem Feld. Nebel zog sich über die Ebene und striff ihr um die Fussknöchel. Es war wohl Nacht, denn sie sah den vollen Mond am Himmel stehen und eine kühle Briese ging über ihren Körper. Sie trug das Nachtgewand, dass sie immer zum schlafen anhatte und der Wind zog in sanften Wellen daran. Seltsame Formen stiegen aus dem Nebel und ließen sie erschaudern, doch als sie näher gehen wollte wurde sie plötzlich wach.
Es war dunkel im Schlafsaal und das laute Schnarchen und Atmen der anderen Clansmitglieder hallte an ihr Ohr. Es lies sie etwas schneller wach werden, als sie es sonst vielleicht geworden währe. Langsam stand sie auf und zog sich wieder an.
Sie konnte nicht mehr schlafen. Auf leisen Sohlen verliess sie den Schlafsaal und zog in der Clanshalle ihre Stiefel an.
Ein Spaziergang würde ihr sicher ganz gut tun und es regnete draussen auch nicht. Die Nacht würde sicherlich recht mild sein. Handschuhe und Fellmütze übergestriffen ging sie hinaus und liess die Clansfestung hinter sich.
Ihr Weg führte sie scheinbar ziellos durch das was sie jetzt ihre Heimat nannte und sie betrachtete sich die nächtliche Umgebung. Langsam über die Brücke und zu den Höfen der Tiefländerclans. Dort war es auch still. Ein leises muhen oder wiehern kam noch von den großen Geländen, ansonsten war es still um die Nachtzeit. Dunkle Schemen bildeten die Gebäude und die Felder. Es machte ihr keine Angst. Die Umgebung war ihr so vertraut geworden, dass sie es als Heim ansehen konnte und das war wohl das wichtigste das sie bislang für sich selbst begriffen hatte.
Wie von selbst führten sie ihre Schritte weiter, die Küste entlang. Das Rauschen des Meeres und Tosen der Brandung drang an ihre Ohren. Der Geruch von Meerluft an ihre Sinne. Einige Minuten blieb sie stehen und betrachtete das nächtliche Meer, das sich nun schwarz und blau vor ihr erstreckte und spührte den Seewind auf der Haut, der an dem Fell ihrer Kleidung zog und kleine Tröpfchen des Meerwassers zu ihr hin trug. Immernoch geisterten in ihren Gedanken ihre Träume umher die sie sich nicht erklären konnte. Vielleicht war es einfach nur Zufall. Der Vollmond würde bald am Himmel stehen, da träumte man oft seltsame Dinge oder verhielt sich anders als sonst.
Es zog sie weiter und sie überquerte die Brücke zur Schamaneninsel. Ein seltsames Gefühl ergriff sie für einen Moment als sie die natürlichen Grenzen durchschritt und ließ sie einen Moment stocken. Hier hatte sie das Ritual mit Hedwig abgehalten. Sie erinnerte sich schlagartig daran. Vielleicht würde ihr dieser Ort ja helfen ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Ihren Schritt zu dem großen Feuer lenkend ging sie tiefer hinein und das seltsame Gefühl blieb. Schemen in der Nacht die sich bewegten, blitzende Augen von Tieren die die Insel bewachten. Lichtpunkte die sich in den Blättern der Sträucher und Bäume verloren von den Geistern des Waldes wohl, oder einfach Insekten..?
Das Gewaltige Feuer brannte noch immer. Hedwig musste es wohl gut am brennen halten oder aber er war bis vor kurzen noch hier gewesen. Sie seufzte und setzte sich hin.
Hier würde sie etwas ruhe finden. Die Geräusche der Nacht schlugen auf sie ein, das Prasseln des Feuers, die "Magie" die dieser Ort verströmte, das Rascheln der Tiere zwischen den Blättern und Gräsern. Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Doch...Ruhe war es nicht was sie in dem Moment fand.
Als hätte jemand eine Schranke durchbrochen oder eine Wand eingerissen sah sie plötzlich Schemen, geisterhafte Gestalten die um sie herrum stoben. Manche umflogen das Feuer, andere schwebten zwischen den Ästen und Blätter der Bäume.
Wieder andere kamen aus der Erde und alle schienen sie zu betrachten. Als würden sie sie beobachten, abwarten.
Wie gefesselt saß sie dort und ließ diese Eindrücke auf sich nieder gehen. Ein seltsamer Glanz oder ein Leuchten umgab den Ort plötzlich, als könne sie die Energie, die Kraft der Natur förmlich vor sich sehen und die Geister kamen näher. Schemen in unterschiedlichen Formen und Größen, manche muteten an Feen oder andere kleine Wesen an. Andere wiederrum hatten fast die Form eines Menschen, größer oder kleiner, manche sogar winzig, andere riesig, die sich aus den Bäumen erhoben oder um das Feuer schwebten. Wieder andere wirkten fast deformiert, so schien es, auch wenn Systra das nicht abschreckte, es schien ihr in dem Moment als währ das richtig so, als müsste das so sein.. Nebelartig bewegten sie sich auf sie zu und sie hörte Wispern.
Wispern aus den Baumwipfeln, aus dem Feuer, aus der ganzen Umgebung. Stimmen, so leise das Systra sie nicht verstand und doch schienen sie ihr irgendetwas sagen zu wollen.
Dann plötzlich schossen die Geister auf sie zu, durchfuhren ihren Körper und stobten um sie herrum umher. Als hätte sie in einen Wespenhaufen gestrochen obwohl sie nichts tat. Es war ein unbeschreibliches Gefühl wie die Geister sie von einem auf den anderen Moment durchströmten und ihren Körper wieder verliessen. Als hätte sie plötzlich eine andere Sicht der Dinge, als könnte sie etwas sehen das vorher nicht da gewesen war. Doch...als die Geister wieder zur Ruhe kamen und sich an ihre Plätze saßen, da überkam Systra plötzlich eine Erkenntnis.
Das war die Geisterwelt in die sie gerade blickte. Das war das wovon Aghildr und Hedwig gesprochen hatten. Die Geisterwelt..jene Welt in der die Natur- und Schutzgeister lebten. Das Alfaheim, das Jenseits. Hier wo sich das Dieseits mit den Geistern verbindet und die Schwelle am schmalsten ist. Jene Welt in der die Schutzgeister und Mächte sichtbar wurden.
Und ganz plötzlich, fühlte sie sich frei und entspannt. Schwelgte einfach nur in dieser Welt wie ein neugeborenes Kind das gerade das Licht erblickt und seine ersten Eindrücke sammelt. Es war atemberaubend und schön. Die Geister flogen und schwebten umher und schienen ihren Platz zu kennen. Betrachteten sie immer wieder scheinbar mit Neugier und stoben wieder davon.
Dann öffnete Systra schlagartig die Augen und es brauchte sie einen Moment ihre Umgebung überhaupt zu fassen. Wie als hätte sie vergessen zu atmen holte sie tief und lange Luft und atmete wieder aus. Das Feuer prasselte immernoch aber deutlich weniger als in dem Moment wo sie sich hingesetzt hatte. Wie lange hatte sie hier gesessen? Sie wusste es nicht genau, aber sie spührte das etwas anders in ihr war. Etwas hatte sich verändert. Der Blick in die Geisterwelt hatte ihr die Augen zu neuen Dingen geöffnet und es würde sie wohl noch etwas brauchen bis sie begriff was für Möglichkeiten und auch Pflichten ihr damit zuteil werden würden. War es das von dem Aghildr gesprochen hatte als sie gesagt hatte, sie hätte eine Schamanin werden können, währen die Zeiten anders gewesen? Hatte sie das von ihrer Großmah geerbt? Jene Veranlagung dafür empfänglicher zu sein als andere? War sie desshalb schon immer so überzeugt davon gewesen, dass die Geister und Mächte Einfluss auf ihr Leben haben könnten und das man sie um Hilfe anbitten konnte?
Sie hatte das alles schon getan. Aber jetzt erst hatte sie den Blick dafür gewonnen als der Spiegel zur Geisterwelt vor ihr zersplittert war und ihre Augen für das Dahinter geöffnet hatte.
Lange noch, bis ins frühe Morgengrauen saß Systra dort und dachte nach, das Feuer mit neuem Holz schürend bis es langsam herrunter gebrannt war. Dann, die Sonne brach sich am Horizont und warf rote und goldene Strahlen auf die Erde, schlief sie am Feuer ein und überliess sich einem tiefen, erholsamen Schlaf...
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Die Sonne hat sich langsam am Horizont gesenkt und entliess die Umwelt in dem Dunkel der Nacht. Das Prasseln des Feuers und die Geräusche und Stimmen der Nacht zogen sich langsam über die Insel.
Systra saß am Feuer und dachte über die Dinge die Heute geschehen waren nach.

Es war ein schönes Handfasting gewesen und es ließ sie voller Freude lächeln wenn sie daran dachte. Argos und Evja hatten wirklich lange gebraucht bis sie dazu bereit gewesen waren und auch die Findung eines geeigneten Tags war ein Problem gewesen.
Eine Hürde von Vielen die die beiden nun gemeinsam gehen würden.

Ein wenig überfordert hatte sie das ganze schon zuanfangs. Immerhin hatte sie noch nicht lange den Blick für diese Dinge, auch wenn mit dieser Fähigkeit, mit ihrem neuen Verständnis, auch diese Verantwortung kam.
Systra war schon immer eine Weise der Thyren gewesen, doch nun...
Nun war sie eine Geistliche ihres stolzen Volkes. Eine Schamanin.
Eigendlich hatte Hedwig das Handfasting führen sollen, doch wie das Leben nunmal war hatte er nicht kommen können.
Auch er hatte viele Aufgaben und Systra verstand bislang nur einen Bruchteil dessen was alles auf sie zukommen würde. Sie musste viel lernen und den Geistern lauschen. Sie hatten ihr viel zu erzählen.
Auch wenn es ihr noch ein wenig Probleme bereitete richtig zuzuhören so halfen ihr die Geister doch das sie verstand.
Es war seltsam, wie ein natürliches Verständnis ohne wirkliche Worte und dennoch konnte sie es in Sprache umsetzen.

Es war ein unglaubliches Gefühl gewesen als sie die Clans versammelt gesehen hatte. In dem Rostbraun und Tiefgrün standen sie um den Platz vor dem Heilligen Hain und wohnten dem Handfasting als Zeugen, Freunde, Familie, Clans und Rudel bei.
Die Worte die sie sprechen musste hatte sie noch nicht oft gehört, aber immer wieder war da ein Wispern das ihr neue Ansätze vorsäuselte.
Das Wissen um die Traditionen der Tiefländer währte in den Geistern und Ahnen ewiglich und sie glaubte, dass es einer der Ahnen war der ihr dort vorsäuselte.
Ein besonderes Erlebnis für sie war eindeutig als sich ihr Blick von dem Hiersein auf das Jenseins richtete und sie die Geister sah die die Gesellschaft von Clans umgab. Die selbst Zeugen waren von diesem Bund der heillig für die Tiefländer war.
Die Bitte an einen der Waldgeister sich den Thyren die sie ihre Familie und ihr Rudel nannte zu zeigen ging ihr so weich und fliessend über die geistigen Lippen das dieser ihrer Bitte wohl gerne nachkam und das Staunen in der Runde war groß, als Systra bewies wer ihnen alles zusah.

Es war ein schönes Handfasting gewesen und Systra war sehr froh, dass alles den Traditionen entsprechend von statten gegangen war.
Sie konnte stolz auf sich sein und diesen Moment der Ruhe und Besinnung den sie sich nun gönnte, den hatte sie sich verdient.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Die Sonne war lange unter gegangen als Systra sich wieder aus ihren Fellen erhob. Der Schlafsaal war wie immer erfüllt von dem Atmen, Raunen und Schnarchen der anderen Claner und Sys hatte sich schon daran gewöhnt. Es störte sie kaum noch das es Nachts fast lauter im Clan war als Tagsüber. Leise griff sie sich ihre Stiefel vom Nachtlager und striff sich ihre Robe über. Es war eine der etwas laueren Nächte jetzt wo der Herbst kam und die Blätter der Bäume sich langsam in Gold, Gelb und Orange färbten. Bald würde es mehr regnen und die Natur sich auf den Winterschlaf vorbereiten.
Es würde ihr erster Winter sein wo sie die Welt mit gänzlich anderen Augen sah. Aber auch das wollte sie in dieser Nacht sinnieren.
Leise schlich sie aus dem Raum und striff sich in der Clanshalle die Stiefel über. Das Feuer prasselte dort noch und warf ein warmes Licht in die große Halle, gepaart mit den seltsamen Schemen die sich als Schatten an die Wand warfen und seltsame Tänze aufführten. Es war still und ruhig.
Ein kurzer Blick ging aus dem Fenster, draussen erhellte der Mond die nächtliche Umgebung. Sie würde nicht ganz im Dunkeln hinaus gehen.
Wenngleich Dunkelheit etwas für sie war, dass eigendlich nicht mehr exsistent war. Ihr Blick hatte sich sehr geändert, auch wenn das niemand so wirklich begreifen konnte.

Ihre Schritte raschelten im feuchten Gras als sie hinaus auf dem Innenhof trat und die kalte Nachtluft in die Lungen zog. Es roch nach Gras, Wald und Holz. Langsam ging ihr Blick über den Hof der jetzt in Düsterniss lag und teils geisterhafte Schatten bildete. Ein schreckhaftes Gemüt hätte sicher den ein oder anderen Adrenalinstoß bekommen, doch Systra fürchtete dies alles nicht mehr. Schon lange nicht mehr.
Das große, schwere Eisentor quietschte leise als sie es aufschob um hindurch zu schlüpfen. Mit einem metallischen Donnern fiel der Riegel wieder ins Schloss als sie das Tor zuschob. Dann machte sie sich auf ihren Weg. Langsam führten sie ihre Schritte über die Wiesen hin zur Brücke. Dort brach sich der Fluss an den Pfeilern der Brücke und liess ein lautes Rauschen vernehmen.
Sys erinnerte sich wie sie Runa und Mundgeirr versucht hatte zu erklären was ihre Augen nun sahen und auch diese Nacht konnte sie es wieder in aller Deutlichkeit sehen.
Der Fluss funkelte in seltsamen Licht. Sie konnte die Energie sehen die er ausstrahlte so wie sie auch die Wälder nicht mehr düster und dunkel sondern voller Kraft, Energie und Leben sah. Das Wasser das sich den Fluss hinab brach schimmerte in seltsamen geisterhaften Licht und kleine Schemen bewegten sich unter dem Wasser und auf dessen Oberfläche.
Die Geister des Wassers und der Tiere die dort lebten. Der Pflanzen und anderen Dinge die diesem Teil der Natur ihre Kraft gaben. Überall war dieses seltsame geisterhafte Leuchten das ihr Auge fast ständig wahrzunehmen schien.
Niemand konnte das verstehen.
Niemand konnte begreifen was Systras Augen sahen.
Alle glaubten sie fest an die Geister, ihre Ordnung, das Chaos und die Einheit die das alles zu den Elementen - den Mächten - bildete.
Doch das zu sehen, das war etwas völlig anderes. Zu wissen das es da war.

Überall war leises Wispern, wenn Systra sich darauf konzentierte während ihre fellbesetzten Stiefel mit einem dumpfen Ton auf das Holz der Brücke traten. Jene seltsamen Stimmen die ständig an ihr Ohr drangen, das Wispern der Geister die soviel zu erzählen hatten und dem Systra nur dann wirklich lauschen konnte wenn sie Ruhe hatte, wenn sie zuhören konnte. Manchmal hatte sie das Gefühl das die Geister sie riefen. Sie begrüssten wenn sie an ihnen vorbei schritt. Aber auch das konnte Einbildung sein.
Eines war jedoch klar: Die Geister waren ihr sehr freundlich gesonnen. Nicht alle, das wusste Systra. Aber jene die die Natur bewachten und im Gleichgewicht hielten. Denn auch böse Geister stoben durch das Jenseits, das Alphaheim. Geister die Systra ersthaft gefährlich werden konnten, dennoch musste sie ihren Blick stetig auf dem halten was sie tun musste und vor allem ein Auge immer im Jenseits behalten damit sie diese Gefahren schnell ersehen konnte.

Die Höfe lagen schon hinter ihr als sie aus ihren Gedanken hochsah. Auch diese funkelten in Systra`s Augen in seltsamen Schimmern. Sie hätte es wohl am besten damit beschreiben können wie die Felder des Hofes aussahen wenn man es damit verglich wie das Korn golden glühte wenn die Sonne an einem warmen Tag darauf schien.
Wie konnte sie den anderen nur begreiflich machen was in ihr vorging wenn sie all das sah?
Wie sehr sich ihr Weltbild geändert hatte mit dem Moment als der Spiegel zum Jenseits vor ihr zersprungen war?
Sie wusste es nicht genau.
Ihr Schritt führte sie nun allmählich zum Heilligen Hain vor ihr schon die Hängebrücke die das Festland mit der Insel verband. Ein deutliches Knurren ging durch ihr Bewusstsein, überall Augen und Schemen im Geäst und Büschen, während eine alte Präsenz immer mehr ihr Fühlen erklomm. Dieser Ort war voller Macht. Hier war die Grenze von Diesseits zum Jenseits so dünn das manche die nicht den Blick hatten , den Blick wie Systra , eine Kostprobe dessen erhaschen konnten was sie sah.

Heute liess Sys das Feuer wo es war und lenkte ihren Schritt nach links.
Dort wo der kleine See sich langsam in den Wasserfall brach und kleine glühende Punkte über der Wasseroberfläche schwirrten. Wie ein Schwarm aus winzigen Lichtern.
Hier legte sie ihre Robe ab und zog die Stiefel aus. Es war zwar Kalt aber das machte ihr nicht viel. Eine innere Wärme durchzog ihren Körper die sie vor dieser Zeit niemals hätte fühlen können. Der kalte Wind zog über ihren spärlich bekleideten Körper. Der Wildleder Bustier umhüllte ihre üppigen Brüste, der kurze Rock mitsamt der festen Lederhose die Hüfte.
Ihr Haar wehte um ihren Leib als sie die Haarbänder herraus zog und liess ihre Erscheinung am See fast irreal werden.
Eine schöne Thyrin inmitten der unberührtesten Natur die man vermutlich auf Lameriast finden konnte. Diese Art von Romantik war jedoch höchstwahrscheinlich nicht das was sich die Männer der Clans so in ihrer Fantasie vorstellten.

Hier traf sie oft Mundgeirr...
Der alte Schamane schien ein besonderes Interesse daran zu haben Systra zu helfen. Ansich nicht weiter verwunderlich, irgendjemand musste sie schliesslich auf das Vorbereiten das vor ihr lag und sie war froh das sie diesen Weggefährten hatte. Soviel konnte sie von ihm lernen.
Ihre Gedanken glitten zu den Dingen die er sie das letzte Mal gefragt hatte.
Sie hatten über die Fünf Totems gesprochen. Die Fünf großen Geister die die Welt im Gefüge hielten. Kurz sann Systra nach....

Wolf
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Der Jäger, inbegriff des Rudels, der Zusammengehörigkeit. Totem der Tiefländer. Von ihm erhielten sie ihre Stärke, ihre Kraft , ihren Mut und ihren Kampfeswillen. Er gab ihnen ihre Lebensweise vor. Er war es dem sie folgten.
Ein Clan, Ein Volk, Ein Rudel...
Die Starken werden die Schwachen bezwingen. Natürliche Auslese...

Bär
[img]http://www.freespiritart.com/images/in-deep-black-bear-cub.jpg[/img]

Bär war der Heiler. Von ihm bekamen sie ihre heilenden Kräfte, ihre Ruhe und ihre Besonnenheit.
Aber Bär war auch Inbegriff des Berserkers der in jedem Thyren schlummerte. Jener gewaltigen Kraft die gnadenlose Zerstörung hervorrief. Seine Zeichen die Krallen und Zähne mit denen sie ihre Beute rissen.

Hirsch
[img]http://www.freespiritart.com/images/deer-twilight-escapade.jpg[/img]

Der König der Wälder, Beschützer der Natur und der große Seher.
Hirsch war ein mäjestätisches Totem. Er strahlte das Wissen und die Vorhersehung aus, ebenso wie er mit weiser Entscheidung über die Natur und ihr Gleichgewicht wachte.
Er liess sie in die Zukunft und in die Vergangenheit blicken und Dinge vorrausahnen oder sehen die sie wissen mussten.

Rabe
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Der Wächter der Toten, der Führer der Seelen.
Rabe war es der die Seelen ihrer Verstorbenen zu der Halle der Ahnen geleitete.
Er pickte ihnen die Augen, die Spiegel der Seele, herraus um ihren Weg zu den Ahnen zu ebnen und ihnen als Begleiter in diese Welt zu dienen.
In manchem Herzen löste er Trauer und Verzweiflung aus, aber auch die Gewissheit das die Verstorbenen ewiglich in der Halle der Ahnen feier würden.

Panther
[img]http://a1259.g.akamai.net/f/1259/5586/5d/images.art.com/images/-/Hoss-Black-Panther--C10364845.jpeg[/img]

Der Verräter....
Über dieses Totem sprach niemand von ihnen gerne, alleine seinen Namen auszusprechen löste in den Kehlen der Thyren schon ein unbändiges Knurren aus.
Verdorben und Verraten, dunkel und böse war er der Inbegriff aller Bösen Geister die sie bedrohten....

Systra schloss ihre Gedanken und liess ihren Blick leer werden, unfokusiert. Ruhig saß sie auf dem Stein direkt am Ufer des Sees. Das Rauschen des kleinen Wasserfalls drang an ihr Ohr, während kleine Wellen Wasser über ihre Zehen streifen liessen.
Es kostete sie immer weniger Konzentration ihren Blick in das Jenseits zu binden. Fast war es für sie schon zum Reflex geworden, so oft wie sie dies Tat.
Eine Graue Welt die das Diesseits wiederspiegelte. Doch hier strömte soviel Macht das es einen fast blind machen konnte wenn man seinen Blick nicht gerade hielt und abschweifen liess. Wabernd und neblig breitete sich der Heillige Hain vor ihrem Zweiten Gesicht aus und liess all die Geister die sich an diesem Ort sammelten für sie klar Sichtbar werden.
Es gab soviel zu lernen, vielleicht unterhielt sie sich einmal mit dem Geist dieses Sees....
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Es war nun ruhig im Clan. Die Nacht war hinein gebrochen und wieder ein arbeitsreicher Tag vergangen. Die Tage wurden kürzer und kühler. Öfters regnete es nun und ganz allmählich machte sich die Welt auf die kurzen Tage des Winters bereit.
Sys lag in ihren Fellen, links Kadlin, rechts Runa, und dachte über den Tag nach. Sie erinnerte sich das sie mit Hrefna gesprochen hatte. Der Schmiedin der Hinrah. Systra schmunzelte kurz. Hrefna hatte also ein Auge auf Tjarlf geworfen und war eifersüchtig das Systra mit ihm balgte und ihn neckte. Aber wirkliches Interesse hatte Sys nicht, so dachte sie zumindest. Hrefna würde sich allerdings ein wenig anstrengen müssen um Tjarlfs Aufmerksamkeit zu erregen. Der junge Thyrenkrieger lebte vor allem für den Kampf. Er war ungestüm und wild, gepaart mit jugendlichem Übermut und Ungeduld. Etwas von dem Systra wusste, dass er es noch ablegen müsste. Aber er würde noch lernen.

Sie dachte auch kurz an das Gespräch mit Olaifjur zurück. Es war ein eigendlich einfaches Gespräch gewesen aber ein paar Dinge blieben ihr im Gedächniss. Das er errötet war als sie ihn auf die Wange geküsst hatte, das hatte ihr wirklich imponiert. Es war unheimlich süss den Krieger da stehen zu sehen mit roten Wangen wegen dieser doch eigendlich einfachen Geste. Nichtmal 20 tote Trolle hätten mehr Eindruck auf Sys machen können als das...

Langsam striffen ihre Gedanken zu den Abenden die sie gemeinsam im Clan verbracht hatten. Die letzten Zwei Tage hatten sie damit zugebracht sich mehr mit der Kultur und den Traditionen der Thyren zu befassen. Viele der Claner hatten lange unter Städtern oder isoliert gelebt und wussten viele Dinge nicht. Sie hatten nicht soviel Glück gehabt wie Systra eine weise Frau wie ihre Großmah gehabt zu haben die ihnen die Wichtigen Dinge erklärt hatte. Also war es nun an Systra dieses Wissen weiterzugeben und die Traditionen und Andenken der Ahnen zu ehren indem sie jene jedem ins Gedächnis rief.
Über die Totems konnten alle ein wenig sagen und Systra verbesserte und ergänzte. Dank Mundgeirr wusste sie nun recht gut darüber bescheid.
Auch Falk war ein wandelnder Quell von Wissen. Sie würde auch von dem sonderbaren Jarl noch viel lernen können.
Diesen Abend hatten sie sich mit Traditionen befasst. Es war erfreulich das jeder eine Tradition fand die er erklären konnte auch wenn Brunnolf mehr Probleme damit gehabt hatte. Es zeigte ihr nur wie wichtig diese Lehrstunden waren. Traditionslehre war nunmal eine wichtige Aufgabe die sie zu bewältigen hatte.

Was hatten sie alles angesprochen?

Die Tradition des 1. Segens
[img]http://img215.imageshack.us/img215/2091/herzha7.png[/img]

Der Erste Segen als Zeichen um eine Frau werben zu dürfen. Man durfte sie vertraut berühren, im Arm halten und mit ihr schmusen. Auch küssen war erlaubt. Alles was unterhalb der Kleidung vor sich ging war absolut verboten. Ebenso irgendwelchen intimeren Berührungen, zum beispiel zwischen den Beinen.

Die Tradition des 2. Segens
[img]http://img205.imageshack.us/img205/6770/herz2nv0.png[/img]

Der Zweite Segen als Zeichen von tieferer Verbundenheit. Verbundenheit die über Verliebtheit hinaus ging. Hier wurde schon auf Liebe geprüft. Ob jene Verbindung eine von dauer sein konnte.
Ab diesem Zeitpunkt war das Teilen der Felle erlaubt. Man durfte sich gegenseitig nackt sehen und auch miteinander Intimitäten austauschen.
Jedoch war der 2. Segen an einige Regeln gebunden.
Nicht länger als 6 Monde hatte man Zeit sich dem Handfasting zu stellen und die Geister und Ahnen zu befragen ob man zusammen gehöre.
Welpen bekommen war absolut verboten und wurde sehr hart bestraft. Desshalb war Verhütung ein notwendiges Muss. Die Medizinmänner und Frauen halfen da ebenso gerne wie die Schamanen selbst.

Die Tradition des guten Gastgebers
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Die Tradition gebietet es einen Gast an das Feuer zu bitten, ihm Essen und Trinken anzubieten und ihn zuvorkommend und respektvoll zu behandeln.
Wer in Frieden kommt, in Frieden bleibt - der darf auch in Frieden wieder gehen.
Die galt für jeden, selbst für den schlimmsten Feind. Jedem der ohne Aggression zum Clan kam und auf das Gastrecht ansprach wurde gleich zuvorkommend behandelt. Auch gebot die Tradition, dass man im Beisein von Gästen auf Handelssprache sprach und nur auf Thyst redete so der Jarl einen auf der Muttersprache der Tiefländer ansprach. Ebenso eine Respektsbekundung gegenüber den Gästen des Clans.
Jedem Gast werden so nötig oder erwünscht bis zu drei Tage Gastrecht im Clan gewährt. Ein warmes Fell und bewirtung.

In seltenen Fällen konnte ein Gast auf Dauer bei den Tiefländern leben, wenn er deren Lebensweise annahm und sich von allen Göttern lossagte.
Dies war im Clan Hinrah schon ein paar mal passiert, aber die Erfahrung zeigte, dass nur die allerwenigsten Städter diese schwere Prüfung schafften.

Die Tradition des Zusammenhalts
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Jene Tradition sprach die Loyalität zueinander an. Man respektierte sich gegenseitig. Man sprach miteinander und man löste Probleme gemeinsam.
Streitigkeiten wurden innerhalb des Clans ausgefochten und geregelt.
Jeder tat seine Arbeit nach besten Mitteln um den Clan zu stärken und seinen Teil zu tun.
Ein essenzieller Punkt war jener:
Das Wohl des Clans steht über dem Wohl aller. Jeder hat seine Interessen, seine Wünsche und seine Anliegen dem Clan unterzuordnen um den Clan zu stärken. Gemeinsam sind wir stark.
Bedinunglose Loyalität zueinander und zum Ganzen war eine der wichtigsten Tugenden der Tiefländer denn sie beschrieb das ganze Zusammenleben unter den Thyren. Man half sich innerhalb des Clans, egal worum es ging.

Die Tradition der Haarpracht
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Das Tragen von übermässig langem Haar ist innerhalb der Tiefländer verpöhnt und wird nicht geduldet. Langes Haupthaar gilt als Zeichen von Eitelkeit, falschem Stolz und Faulheit.
Das Haar eines Tiefländers hat unter keinen Umständen bis zu den Beinen zu reichen oder ähnliches.
Als junger Thyre einen langen Bart zu tragen ist ebenso ungern gesehen, da man sich mit falschen Federn schmückt. Mit denen des Alters, die von Weisheit und Erfahrung zeugen.

Die Tradition des Schildschlags
[img]http://www.dundjinni.com/forums/uploads/grimcatch/C36_RoundShield2_grim.png[/img]

Eine alte Tradition vor einem Kampf mit der Waffe auf seinen Schild zu schlagen. Ein Zeichen von Respekt gegenüber seinem Gegner oder Übungspartner.
Besonders in dem traditionellen Kampf der Thyren um Streitigkeiten, Weiber oder anderes wird dies vollzogen. Es werden 3 Schilde lang gekämpft, jeder gegnerische Schild gilt als gewonnen wenn man ihn zertrümmert hat.

Die Tradition des guten Gastes
[img]http://whitemagic.com.au/images/products/boxes/treasurechest.jpg[/img]

Ein Guter Gast, sowohl ein Fremder der zu den Thyren in die Clans kommt, als auch Thyren die woanders Gast sind, haben sich an gewisse Regeln zu halten die jene Tradition erbietet.
In den Hallen des Gastgebers hat man sich respektvoll zu verhalten. Das Wort des Herrn oder des Weibes der Halle ist zu befolgen. Ein guter Gast bedankt sich und wählt einen angemessenen Ton und Umgang.
Die Gesetze des Gastgebers sind zu befolgen, auch wenn sie einem zubieder oder unverständlich sind.

Es gehört sich als Gast ein Gastgeschenk mitzubringen. Hierrunter fallen viele Dinge, von Gold über Gebrauchsgegenstände, Met, Essen, Felle und vieles mehr. Man sollte sein Gastgeschenk dem Gastgeber anpassen, der Wert des Geschenks ist dabei unerheblich, lediglich die Geste ist von der Tradition fest gebunden.
Jenes Geschenk bezeugt seine Dankbarkeit über die Gastfreundschaft die man erfährt.

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Aye, sie hatten viel besprochen und viel gelernt die letzten Tage. Erstaunt war sie von Leif, der doch mehr wusste als er vorgab zu wissen. Bestach er doch durch sehr viel Wissen um Traditionen und Weg der Thyren und der Clans. Vielleicht hatte sich Systra ja geirrt und Leif war doch ein willkommener Lehrer für sie in den Wegen der Tiefländer...
Das würde sich zeigen. Wichtig war jetzt, dass die Kerle und Weiber die zugehört hatten, sich diese Dinge einprägten und sie an die Anderen weitergaben. Um so mehr die Traditionen hochhielten und erkannten, um so stolzer konnten die Ahnen auf sie sein und um so besser jene Ehren.

Es wurde Zeit zu schlafen und Sys drehte sich auf die Seite um die Augen zu schliessen. Sie war müde, erstaunlich müde sogar wie sie feststellte....
Zuletzt geändert von Systra Bunjam am Freitag 12. Oktober 2007, 02:13, insgesamt 2-mal geändert.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Diese Nacht schief Systra sehr unruhig. Seltsame Träume verfolgten sie und es kam ihr so Wirklich vor, so Echt. Einer jener Träume von denen man nicht sagen konnte ob man noch schlief oder schon wieder wach war.
Das letzte mal das sie so intensiv geträumt hatte war kurz vor ihrem Erwachen, kurz bevor sie das Zweite Gesicht bekommen hatte.
Was nur hatte das jetzt zu bedeuten...?

Systra stand auf einer weiten Wiese in tiefster Nacht. Der Wind zog an ihrer Kleidung und zerrte an ihrem Haar während der Mond in hellem Licht das Areal erleuchtete und geisterhafte Schatten warf. Vor ihr ein dunkler, finsterer Wald. Einen Wald den Systra seit ihrem Erwachen nicht mehr gesehen hatte, denn wenn sie nun die Wälder betrachtete war da dieses stetige Glühen und Glimmen das die Bäume, Streucher, Blätter und Gräser umgab. Doch in ihrem Traum war er düster, schwarz und blau getaucht. Schatten huschten von Baum zu Baum.
Ihr Blick striff kurz über das Areal....


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An einer Ansammlung von Steinen sah sie einen Schatten stehen. Weit im Osten von ihrem Standpunkt aus. Große Felsen türmten sich an der Stelle auf und der Mond warf nur ungenaue Schemen über die Felsformationen.
Als wolle jemand oder etwas nicht, dass sie sah was dort stand, oder wer.
Aber sie spührte das es sie beobachtete.
Dann hörte sie das Schlagen ihres Herzens..
Budum...
Budum...
Budum...Budum...Budum..Budum Budum...
Schneller und schneller schlug ihr Herz und mit jenem Herzschlag ging auch ein Strahl des Mondes auf die Felsen die sie im Blick behielt.
Ein Hirsch stand dort. Strahlend weiß und majestätisch stand er da. Das gewaltige Geweih zeichnete sich dunkel in der nächtlichen Koulisse ab.
Seine Augen reflektierten das Licht und blitzen ihr entgegen. Als sähe der Hirsch ihr direkt entgegen.
Eine unbestimmte Zeit standen Systra und der weisse Hirsch sich gegenüber. Betrachteten sich aus der Ferne. Musterten einander, still und ohne Wort während ihr das Herz immernoch spührbar in der Brust schlug.

.......
Dann plötzlich ging der Kopf des Hirsches zur Seite und Sys hatte keine Gelegenheit nachzusehen was er gesehen hatte, denn wie gestochen sprang er von den Felsen und rannte in ihre Richtung auf sie zu.
Sie hatte es kaum bemerkt doch als er halb bei ihr war, wurde alles langsamer. Seine Hufe schlugen ins dunkle Gras und warfen ein paar Halme in die Luft die dort wirbelten. Sein Schnaufen hinterliess kleine sichtbare Wölkchen von Atem die sich in der Luft verloren. Die straffen Muskeln des prächtigen Hirsches bewegten sich geschmeidig unter dem glänzenden, weissen Fell und da erst merkte sie etwas...
Ihr Herz schlug im Rhythmus seines Hufschlags. Immer und immer wieder. Doch nun langsamer, ruhiger auch wenn er immernoch rannte so kam ihr alles qualvoll langsam vor....
Kurz vor ihr blieb der Hirsch schnaufend stehen, sah sie an. Einen langen Moment völlige Stille. Dann ruckte der Kopf wieder gen Osten und der Hirsch rannte in den Dunklen Wald.


Jetzt erst sah Systra warum der Hirsch rannte:
Dunkle Gestalten näherten sich mit unmenschlicher Geschwindigkeit dem Wald aus dem Osten, direkt auf sie zu. An ihren Seiten schwarze Schatten von Tieren die eine bedrohliche Aura wirkten.
Fast gehetzt ging ihr Blick zwischen dem finsteren Wald und den herrannahenden Gestalten hin und her ehe sie dem Beispiel des weissen Hirsches folgte und los rannte.
Genau in dem Moment ging ein unheilvolles Knurren durch Systra`s Bewusstsein und keinen Moment später schossen die Schemen in ihre Richtung hinter ihr her.
Weit im Inneren des Waldes sah Systra den Hirsch vorlaufen, über Äste und umgefallene Bäume springen und Abhänge hinab schlittern. Es war fast so als wolle ihr der seltsame Hirsch den Weg weisen und sie lief. Sie rannte schnell wie der Wind durch die Dunkelheit aus Schwarz und Blau.
Stürtze einen Abhang hinab und rappelte sich wieder hoch, während die Gestalten und Schemen ihr dicht auf den Fersen waren.


[img]http://www.children-of-the-night.com/dark_forest.jpg[/img]

Wenn sie Zeit brauchte um sich aufzurappeln blieb der Hirsch kurz stehen, wante den Kopf zu ihr zurück und rannte wieder los. Er wartete auf sie, er führte sie durch den Wald. Das war nun klar.
Hinter ihr hörte sie das gespenstische Schnaufen ihrer Häscher, schneller und schneller. Geäst brach und Steinchen stobten umher während die Verfolger sich ihren Weg durch den Wald schlugen. Das Hecheln von grausamen Geschöpfen hing ihr im Nacken, fast als könne sie den Eisigen Atem auf der Haut spühren während sie dem Hirsch folgte.
Wieder hörte sie ihr Herz laut schlagen. Immer wieder zum Takt ihrer Schritte die sich seltsamerweise denen des Hirsches anpassten.
An einem steilen Abhang fiel sie hinab, rollte durch Geäst, Büsche und warf Erde mit sich ehe sie erstaunlich sanft auf einer moosbedeckten Fläche aufschlug.


[img]http://img503.imageshack.us/img503/8818/cf66af9b74d0d6d4c0e5d7bdk9.jpg[/img]

Eine kleine Lichtung inmitten des Waldes.
Der Hirsch verharrte am anderen Ende und hatte sich zu ihr umgedreht. Blickte ihr einfach nur entgegen während sie wieder auf die Füsse kam.
Ihr Schritt leitete sie bis in die Mitte der kleinen Lichtung wo ihre Füsse stoppten und der Hirsch ihr mit dem Kopf nach hinten deutete.
Langsam drehte Systra den Kopf, über die Schulter blickend.
Dort standen sie. Die schwarzen Gestalten mit ihren dunklen Schatten die die Form von Tieren, Katzen vielleicht, angenommen hatten. Kaputzen und Roben verhüllten jedes Detail der Gestalten die ihr gegenüber standen und selbst der helle Mond vermochte es nicht auch nur eine Winzigkeit von ihnen sichtbar zu machen.
Wieder zog ein unheilvolles Knurren durch ihr Bewusstsein. Düster, grausam, kalt zog es sich durch ihre Adern, liess ihren Körper für einen Moment erstarren ehe sie sich endlich umwante.
Ein kurzer Blick glitt an ihr herrab. Ihr Wolfsmesser ruhte an ihrer Seite. Jene feingeschwungene, rasiermesser scharfe Klinge die sie so oft führte. Das Heft in der Form eines Wolfkopfes, der Knauf eine Tatze entsprang dem Maul die seltsam geformte Klinge, die nun in der Scheide ruhte.
Beherzt zog sie die rot blitzende Klinge herraus und hielt sie ihren Häschern entgegen. Doch diese waren wenig beeindruckt von ihrer aggresiven Geste. Stattdessen wurde sie langsam eingekreist während der Hirsch tatenlos zusah und auf etwas zu warten schien.
Die Schemen und Schatten die sie bedrängten kümmerten sich auch garnicht um den weissen Hirsch, als währe Sie es an der sie interessiert waren.
Ihre Klinge fuhr im Kreis, die Angreifer auf Distanz haltend. Mit scharfem Blick und bleckenden Zähnen versuchte sie sich Respekt zu verschaffen doch wieder durchzog ihr Denken jenes Knurren das ihr die Glieder gefrieren liess und sie für einen moment paralysierte.
Ein kräftiger Wind peitschte über die Lichtung durch den Wald. Zerrte hefftig an ihrem Umhang, an ihrer Kleidung und liess ihr Haar wie Spinnenweben um ihren Körper tanzen.
Dann...
als sich ihr Haar legte und wieder ihren Körper umspielte flammten in den Kaputzen dunkle Augen auf. Als währe es der Startschuss für etwas gewesen von dem Systra nichts wusste. Die Tierhaften Schatten setzen zum Sprung an und Sys sah sie auf sich zu springen. Von allen Seiten...

Dann plötzlich stoppte ihr Herz. Es wurde totenstill und die Zeit gefrohr.
Mitten im Sprung verharrten die pantherhaften Schemen in der Luft und ihre Klinge verliess ihre Hand und blieb einfach in der Luft schweben wie sie jene gehalten hatte.
Kurz ging ihr Blick umher ehe ihr Auge auf den Hirsch traf. Diese Nickte deutlich und verschwand im Wald, als hätte er ihr etwas sagen wollen.
Eine lange Minute passierte garnichts. Systra wante sich im Kreis sah sich um aber da war nur Schwarz und Blau. Nur düsterer Wald.
Bis auf einmal...

Ein lautes, stolzes Heulen drang durch ihr ganzes Sein. Schaurig schön und wundervoll hallte und hallte es in ihren Gedanken wieder.
Ihr Körper begann geisterhaft zu glühen ihre Kleidung verschwinden lassend bis sie splitternackt inmitten der Lichtung umzingelt von den Feinden stand.
Eine Macht durchzog ihren Körper als das Heulen erneut erklang. So laut, so eindringlich, so präsent das alles andere aus ihrer Wahrnehmung schwand bis es in ihrem Bewusstsein verhallt war.
Sie spührte wie ihre Muskeln zuckten, wie sich ihre Hände krampften und sie ging langsam auf die Knie. Ein tiefes, unmenschliches Knurren dran aus ihrer Kehle als sich ihr Körper mehr und mehr brach. Ihre Finger und Hände formten sich zu Klauen und Tatzen, ihre Haut überzog nach und nach ein schwarz-weisser Flaum ehe sich Fell daraus hervor brach.
Sie spührte wie sich ihre Sicht änderte, sie besser sah und ihre Ohren sich in alle Richtungen drehten. Schliesslich sank sie auf alle vier Pfoten und warf den Kopf in den Nacken.
Ein lautes Heulen aus ihrer Kehle zerriss die Stille die durch den Wald ging.

[img]http://home.ripway.com/2005-5/302820/moon_seven/dark_forest.jpg[/img]

Das Heulen echote noch in den Wäldern, den Wipfeln der Bäume und den Täälern als sie ihren Blick wieder auf ihre Feinde richtete und sie eine unbändige Kraft überkam. Ihre Muskeln spannten sich so stark unter ihrem Fell das sie fast den Eindruck gehabt hatte sie würden gleich reißen und für einen kurzen Moment manifestierte sich der Geisterhafte Schemen eines großen Bären in ihrer Wolfsgestalt. Der Geisterbär bäumte sich mit seinen gefährlichen Pranken auf und brüllte einmal in die Nacht hinaus, ihr Heulen mit seinem Brüllen mischend.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell!
Die Zeit setzte wieder ein und in der gnadenlosen Wut des Berserkers rissen ihre Klauen und Zähne Wunden in die Schatten und Schemen. Ihr Knurren lies die Angreifer immer wieder auf distanz gehen während sie jenen mit gnademlosen Eifer nachsetzte.
BLUT...BLUT....BLUT...BLUT...

BLUT UND EHRE!! donnerte es durch ihr ganzes Denken.

Ihr Traum lief wie im Zeitraffer ab und sie sah sich plötzlich von oben.
Ein schwarz-weiss marmorierter Wolf der voller Wut und Gnadenlos nacheinander die Schatten zerriss, zerbiss und zerfleischte bis jene wabert am Boden lagen und der Wolf langsam zur Ruhe kam.
Der Wolf heulte nochmal laut und schaurig schön und während das Heulen in ihrem Denken verhallte...


Schlug Systra plötzlich die Augen auf und sah sich um.
Sie war immernoch im Clan und trug ihre Schlafsachen. Ein kurzer Blick an sich herrab, es war alles wie sie es vor dem Schlafen hinterlassen hatte. Runa und Kadlin schliefen immernoch seelenruhig direkt neben ihr.
Was war das nur für ein Traum gewesen....?
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Die Halle der Hinrah war gut gefüllt. So gut gefüllt wie Sys es seltenst gesehen hatte. Die Bänke waren besetzt von Bunjam und Hinrah. Die Clans waren vereint. Vereint für einen besonderen Auftrag, für ein besonderes Vorhaben.
Der Tag war gekommen wo sie dem Aufruf Wolfs folge leisten sollten und die vielen Rudel die von den seltsamen Schemen getötet wurden rächen.
Soviele Wölfe waren auf Lameriast gestorben. Niedergeschlachtet von irgendeinem seltsamen Tier, von einer dunklen Kreatur. Sys hatte viel mit den Geistern darüber gesprochen, war durch die Wälder gezogen und hatte Nachforschungen angestellt, während Hedwig die Gebeine und Überreste untersucht hatte. Alles um diesen Tag vorzubereiten.
Die Geister erzählten von einer schwarzen Kreatur die sich mit unmenschlicher Geschwindigkeit durch die Wälder schlachtete. Immer auf der Suche nach neuen Rudeln. Es muss ein furchtbares Massaker gewesen sein und Wolf war wütend.
Jetzt war es an ihnen, dem Volk des Sturmheulers, die verlorenen Kinder Wolfes zu rächen, seine Mörder zu finden, zu jagen, zu hetzen und zu töten.

Hedwig kam in Begleitung von zwei Männern. Sys betrachtete die Erscheinungen einen Moment skeptisch ehe sie eine Ahnung hatte wer sie waren. Die Natur-Städter....diese..wie hiessen sie noch? Druiden richtig!
Gleich wurde es herzlicher. Die Tiefländer und die Druiden hatten viel gemeinsam.
Die Schamanen und Druiden zogen sich zurück um darüber zu sprechen was gleich geschehen würde. Das Ritual war vorbereitet und die Clansleute entschieden zu tun, was getan werden musste. Ungefährlich jedoch war das nicht. Während des Rituals konnten ihre Seelen verloren gehen und nie mehr zurück finden. Das hiess das der Weg zur Halle der Ahnen verloren war und sie auf ewig Geister in dieser Welt werden würden. Hedwig und sie erklärten den Druiden was sie vor hatten...

Die Körper der Claner sollten mit dem Baum des Lebens in Grimwould verbunden werden während die Schamanen ihren Leibern die Seelen entrissen und durch Wolfs Kraft in die Welt schicken würden.
Hedwig und Systra wussten, dass das viel Energie erfordern würde und die Hilfe der Druiden kam ihnen mehr als gelegen. Sie würden ihnen die Kraft spenden die sie brauchen würden um die Verbindung herzustellen.
Falk, der die beste Verbindung als Einherjer zu Wolf hatte, würde ihnen Helfen den Kontrakt zu dem mächtigen Totem herzustellen. Es war alles vorbereitet. Kein Grund mehr zu warten...

Langsam schritten die Schamanen gen Baum, die Druiden hinter ihnen.
Die Thyren standen im Kreis um den Baum, stolz und ohne Angst.
Hedwig trat mit Sys zusammen an den Baum in den Kreis der Steine und die Kraft die jenen Alten Baum umgab floss durch sie hindurch. Die Druiden nahmen ebenso Position ein und einen Moment sammelte sich Systra bevor sie das Ritual begannen.
Ihr Blick wurde leer...unfokusiert für das Diesseits während ihr zweites Auge den Baum völlig anders betrachtete. Sie sah die Geister die um ihn stoben, die Kraft, die Energie die von ihm ausging. Langsam glitt ihr Blick hinauf bis zum großen Blattwerk. Ein Mächtiger Baum.
Ihre Hände glitten auf den Stamm, die Finger tasteten an der Rinde während Hedwig es ihr gleich tat. Der tiefe Bass des alten Schamanen ertönte in der Stille die über Grimwould hing. Monoton fast und hypnotisierend erklang das Summen durch das Areal. Systra erhob ihre Stimme versetzt zu Hedwig und in hellerem, lieblicheren Ton stimmte sie in das Summen, den Singsang ein der sie langsam tiefer und tiefer in die Trance zog. Hedwigs Summen wurde lauter und wieder passte sich Systra ihm an, hell in die andere Melodie mit einstimmend.
Ihre Hände glitten immer wieder über die Rinde, die Finger tasteten den Stamm ab ehe sie jene ruhig darauf liegen liess. Sie spührte die Kraft die sie langsam durchzog während die Trance sie tiefer...tiefer...tiefer in das Jenseits zog. Ihre Stirn berührte den Stamm und reglos stand sie dar.
Wie von sehr weit weg, durch Nebel und Schleier nahm sie noch wahr was um sie herrum geschah.
Sie spührte wie die Druidenen Macht aus der Umgebung zogen, die geistigen Hände zu ihnen ausgestreckt um sie den Schamanen darzubieten. Systra griff mit sanfter Hand danach und wob sie weiter in das Ritual hinein, während ihre eigenen Kräfte weiter gezehrt wurden erneuerten die Druiden sie wieder.
Sonar und basstönig hörte sie Hedwigs Murmeln und sprach die Worte andächtig und weit entfernt nach.

Geist des Baumes, Leite unsre Wege und steh uns bei bei unsrer Tat.

Ein Blitzen vor ihren Augen. Der Stamm begann zu schimmern und zu pulsieren vor ihrem Zweiten Gesicht. Antwortete auf ihr Rufen, ihr Bitten.
Warme Energie schloss sich um ihre Hände die auf dem Stamm ruhten und sie spührte wie die Resonanz des Baumes durch ihre Stirn in ihr Bewusstsein drang. Hedwigs Summen erklang wieder und diesmal übertönte Systra`s helle, liebliche Stimme seinen Singsang zu einer leidenschaftlichen Melodie während ihre Arme langsam gen Himmel gingen. Rituell und Langsam hoben sich ihre Hände zu der Baumkrone hinab und sie konnte spühren wie der Himmel sich auftat als beide Schamanen ihre Hände hoch erhoben hielten.

Öffne dich...Weg der Ahnen! hörte sie Hedwig bitten und ihr Echo erklang gleich danach.

Öffne dich...Weg der Ahnen...Öffne dich...Weg der Ahnen...

Die Kraft wurde gehalten und der Baum gab ein monotones Summen in ihr Bewusstsein ab, während die Sekunden die sie wartete wie Tage dahin ronnen. Dann spührte sie Falks Präsenz im Kreis der Macht. Sie spührte die Seele des Einherjers die nun zu ihnen Trat und ihr Blick glitt leer und weit entfernt zu Falk hin. Sie sah die Schatten die ihn umgaben, die Präsenz die von ihm ausging. Es wurde Zeit das er die Verbindung zu Wolf fand um sie den Schamanen zu übergeben.
Ihre Hände glitten wieder auf die warme Rinde die die Kraft nahm die Systra ihr anbot.

Wolf du kennst diesen Krieger...komm zu uns... - Wieder Hedwigs Stimme.
Wolf du kennst diesen Krieger..komm zu uns... - Wieder Systra`s Echo.

Nimm diesen Körper in besitz..
Nimm diesen Körper in besitz...
Nimm diesen Körper in besitz...

Ihre Finger glitten die Rinde auf und ab ehe sie Ruhe fanden und die Fingerspitzen sich fest auf die Rinde pressten. Den Kontakt zum Baum so intensiv wie möglich gestaltend. Im Diesseits sah man nur das, im Jenseits griff ihre Geisterhafte Hand tatsächlich in den Stamm und verschmolz mit dem Baum, ihre und seine Energien miteinander mischend und den Kreis langsam schliessend.
Dann spührte sie, sah sie wie langsam eine schwarze Präsenz sich in den Körper von Falk schob, ihn mit Schatten füllte und wachsen liess. Im Jenseits wandelte sich der Körper des Kriegers langsam zu dem eines Wolfes...ein Wolf nur aus Schatten mit Sechs rot glühenden Augen.
Wolf war hier...

Ich kann ihn spühren...Wolf... erklang Hedwig wieder in tiefem Murmeln.
Ich kann ihn spühren...Wolf.. stimmte sie in sein Murmeln ein.
Willkommen Wolf...leite diese deine Kinder auf dieser Reise...
Willkommen Wolf...leite diese deine Kinder auf dieser Reise...

Dann hörte sie sich Chorartig mit Hedwig sagen: Die Tränke...

Jeder Claner griff zu den Tränken die Systra für dieses Ritual vorbereitet hatte. Das Mittel würde jeden von ihnen in ein Koma werfen und ihre Seelen für das Ritual greifbar machen. Es war nötig um ihre Körper an die Kraft des Baumes zu binden damit sie nicht starben. Das Mittel wirkte schnell, sehr schnell...
Kaum einen Augenblick später sah sie in ihrem seltsamen Blick die Körper ihrer Claner zuboden fallen und dort liegen bleiben. Es war soweit.
Systra und Hedwig begannen zu tanzen, in wildem Tanz um den Baum während sie sich immer mehr und mehr in ihren Singsang hineinsteigerten. Lauter und Lauter hallte jener durch Grimwould während die Körper der Schamanen in wildem Tanz umherstoben. Fell und Roben flogen umher in den schnellen Bewegungen, Haar wirbelte.
Dann plötzlich rissen sie beide die Arme in die Höhe. Systra`s Hände zitterten vor Erregung und Anstregung ehe sie jene wieder auf den Stamm presste und plötzlich wie zur Statue erstarrt dort stehen blieb.
Ihr geistiger Griff zog an den Seelen ihrer Claner, zog und zerrte Ihre Geister aus den Körpern bis sie plötzlich im Kreis um sie herrum standen.
Alle in Gestalten von nebelhaften Wölfen und dann verliess auch sie ihren Körper um sich der Verbindung hinzugeben und ihrem Rudel zu folgen.

[img]http://img172.imageshack.us/img172/6042/wolf3rr5.png[/img]

Das Rudel sammelte sich und das erste Mal erschallte das schaurige Heulen über die Insel. Das Heulen des Rudels das sich nun auf die Suche, auf die Jagt machte nach denen die so gewaltigen Frevel an Wolf getan hatten. Die Geisterwölfe warfen ihre Köpfe in den Nacken und ihr Heulen liess das Blut in den Adern gefrieren. Durchzogen von Wut, Trauer und dem unbändigen Gefühl nach Rache und Jagt!

[img]http://img172.imageshack.us/img172/1488/wolf2bb9.png[/img]

Dann rannten sie los.
Falk führte das Rudel an, gleich dahinter die Schamanen die die Seelen der Claner führten damit sie nicht verloren gingen und für ewig körperlos umher irren mussten. Immer wieder hoben sie ihre Nasen in den Wind um den Geruch der schwarzen Magie aufzunehmen. Ihr Weg führte sie durch die Wälder, über die Wiesen und weiten Ebenen Lameriasts.
Immer wieder hielten sie an, nahmen Witterung an einem der Kadaver auf und heulten traurig ob des Verlustes.
Vorbei an den Festungen und den Lagern der Bewohner, durch die Dörfer und immer folgte ihnen der Nebel der sich wie ein schauderhafter Schatten durch das Diesseits zog. Immer wieder erkannte man die geisterhaften Schemen die der Nebel wirbelnd bildete und ab und an blitzend Augen in den weissen Nebelschwaden auf.
Nahe der Höhlen fanden sie dann die erste Fährte. Ein Tuch, durchzogen mit Magie das Falk fand. Der Geruch der Dunklen Magie war so präsent daran das sie alle aufknurrten.
Dann stoben sie los. Die Schnüffler des Rudels spurteten vorran der Witterung folgend. Geisterhaft und mit unmenschlicher Geschwindigkeit preschte das Rudel über die Insel und machte kaum Halt als sie an die Küste kamen.
Nur kurz hielten sie inne um zum Sprung anzusetzen.
Ihr Sprung war gewaltig und überwand das gewaltige Meer vor ihnen. Einer Nebelwolke gleich sprangen sie durch den Nachthimmel der vom Neumond verdunkelt wurde und landeten in der Nähe von Bajard. Dort führte sie die erste Fährte hin. Dort würden sie als Erstes suchen.
Das Rudel sammelte sich und fiel in das Fischerdorf ein.

Nebelschwaden überfluteten die Straßen von Bajard. Umflossen die Häuser und das schaurige Heulen der Geisterwölfe schallte über die Stadt.
Die Bewohner stoben umher, unwissend was vor sich ging. Immer wieder erkannte man die Schemen der Wölfe in dem Nebel und Augen die sie aggresiv und feindseelig anblickten. Knurren, Heulen und Jaulen hämmerte auf die Menschen ein während das Rudel jeden einzelnen Musterte. An ihren schnüffelte und durch ihre Körper hindruch sprang.

[img]http://img172.imageshack.us/img172/4176/wolf1ue9.png[/img]

Hier in Bajard war nichts...aber die Witterung führte weiter. Nach Norden...nach Norden. Und das Rudel rannte!
Durch die Wälder Gerimors hindurch, Systra`s Blick nahm immer wieder die Geister und Mächte wahr die sie umgaben, aber sie hatte keine Zeit sich mit ihnen zu unterhalten. All ihre Konzentration und ihre Aufmerksamkeit war auf die Witterung und die Aufgabe gerichtet die anderen Wölfe, die anderen Seelen zu führen.
Mauern tauchten vor ihnen auf. Stein und Fels. Varuna!
Wie ein schauriger Schwarm stoben sie durch die Mauern und Tore der Stadt und überfluteten die Straßen mit ihrem Nebel der sich gespenstisch durch die Gassen zog. Weiter, immer weiter. Sie mussten gefunden werden!

Jagt die Beute! Jagt! Jagt!

Auch hier stoben die Menschen umher ob der seltsamen Erscheinung in der dunklen Nacht. Das Heulen des Rudels zog wie der Nebel hinter ihnen her umgab sie stetig. Doch auch hier war nichts zu finden.
Der Weg zog sie weiter nach Südwesten...doch Systra und auch Hedwig spührten das die Kraft bald aufgebraucht war. Sie mussten zurück.
Sie würden wiederkommen. Sie würden weiter jagen. Die Jagt war nicht vorbei und sie hatten die Witterung bereits aufgenommen. Die dunklen Hexer sollten sich in acht nehmen!
DAS RUDEL RENNT!

Wieder sprangen sie über das Meer und landeten auf Lameriast um möglichist eillig wieder zurück zu ihren Körpern zu kommen. Sie durften den Moment nicht verpassen wo die Kraft schwand, denn dann waren alle Claner verloren. Eillig sprang Systra`s Wolfsschemen zurück in ihren Körper und mit einem tiefen Einatmen kam wieder Leben in ihren Leib zurück.
Es war vollbracht. Aber es war noch nicht das Ende. Es hatte gerade erst begonnen.
Einmal ging ihr Blick leer und kalt durch die Reihen, prüfend ob jede Seele zurück in seinen Körper gefunden hatte. Dann taumelte sie zurück, fiel über den Stein und blieb im Gras liegen. Ihr junger Körper war ausgezehrt und sie hatte keine Kraft mehr. Was sie jetzt brauchte war Schlaf. Viel Schlaf und den nahm sich ihr Leib einfach und warf sie in Bewusstlosigkeit.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

In den letzten Tagen schlief Systra nicht sonderlich gut. Ständig wurde sie wieder wach und ihr Schlaf war nur leicht. Erholung fand sie mehr wenn sie sich in ruhe irgendwohin setzte und einfach ein wenig meditierte. Ständig war diese innere Unruhe in ihr. Dieses Kribbeln im Bauch das einem sagte das irgendwas vor sich ging, auch wenn man nicht sagen konnte was es war.
Diese Zeit nutze sie um einfach ein wenig zu reflektieren. Die Dinge der Vergangenen Tage zu verarbeieten, denn Träumen tat sie in letzter Zeit auch immer seltener. Die Lage im Clan hatte sich wieder beruhigt und es waren einige neue Tiefländer zu ihnen gestoßen. Firnya, Kjaran, Arnor und die kleine Auriane. Das Mädchen war einfach herzallerliebst. Systra hatte sie sofort ins Herz geschlossen. Manchmal sagte Auriane Dinge die sie wirklich sehr rührten und tief bewegten. Ein wirklich niedlicher, süsser Welpe.
Dann war da natürlich noch ihre Belehrung der Clansleute was Tradition, Sitten und Gebräuche betraf. Ein sehr wichtiger Punkt in ihrer Arbeit als Schamanin. Denn sie war dafür verantwortlich, dass eben jene nicht in Vergessenheit gerieten.
Was hatten sie diesmal alles besprochen? Systra atmete tief durch und dachte nach.

Der Glaube der Dualität
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Alles auf dieser Welt hat ein Gegenstück, eine andere Hälfte. Licht und Dunkelheit, Feuer und Wasser, Liebe und Hass,Leben und Tod, Mann und Frau...
Dieser Glaube bezeugt vor allem das tiefe Verständnis dafür, dass ein Mann zu einer Frau gehört und hierbei nicht nur irgendein Mann sondern ein einziger ganz Besonderer.So gibt es für jeden Thyren eine andere Hälfte mit der er zu einer vollständigen Einheit wird, so er sie finden und schlussendlich durch das Handfasting auch vollkommen wird.
Dies ist auch der Grund warum Tiefländer gleichgeschlechtliche Liebe abstoßend und wiedernatürlich empfinden. Das eine Frau eine Frau liebt oder ein Mann einen Mann ist etwas das ein Tiefländer niemals begreifen würde, der den Glauben an die Dualität verinnerlicht hat. Daher steht es auch unter schwerer Strafe gleichgeschlechtliche Liebe oder Ähnliches selbst zu betreiben.

Tradition des Handfasting
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Ein heilliges Ritual wenn Kerl und Weib den 2. Segen empfangen hatten. Hier wurden die Ahnen und Geister befragt ob jenes Paar zusammen gehöre und der Knoten des Handfastings geknüpft der jene beiden Seelen aneinander band, bis in den Tod und darüber hinaus. Es ist schon vorgekommen, dass die Ahnen und Geister sich gegen einen Bund ausgesprochen haben, weil erkannt wurde, das jene beiden nicht zusammen gehören. Dies ist aber äusserst selten, da die Traditionen des 1. und 2. Segens dies stetig Prüfen und die Wahrscheinlichkeit hierfür auf ein Minimum senken. Ebenso achtet der Schamane stetig darauf.
Für das Handfasting gab es viele verschiedene Traditionen und manche unterscheideten sich von Clan zu Clan oder alleine schon von der Tatsache ob man Kerl oder Weib war.
Es ist Brauch das das Weib ihren Clan verlässt um dem Clan des Kerls beizutreten, so man aus zwei unterschiedlichen Clans kommt. Hierzu bezahlt der Clan des Kerls dem Brautclan eine Auslöse um das Weib zu sich in den Clan holen zu dürfen. Die Höhe und Art dieser Auslöse wird meist mit den Jarls verhandelt und reicht über Gold, Edelsteine, Schmuck, Felle, Materialien oder Handwerksgegenstände. Im Gegenzug gibt der Brautclan eine Mitgift für den Clan des Kerls mit.
In einigen Ausnahmefällen kann auch der Kerl zum Clan des Weibs wechseln. Gründe hierfür gibt es viele und dies wird stets geprüft. Am häufigsten ist jedoch, dass man den Clan der Braut ney schwächen will wenn zuwenig Weiber im Clan verbleiben.
Denn schliesslich sind sie es die den Clan mit neuen Welpen versorgen und das Alltagsleben regeln. Ein anderer Grund ist der das manche Weiber ihren Clan nicht verlassen können. Schamanin oder Medizinfrau müssen in ihrem Clan verbleiben, ebenso wenn das Weib, wiedererwartend, eine Führungsposition im Clan einnimmt. Meist ist es so, das der Kerl sich dann vor dem Jarl beweisen muss um in den Clan wechseln zu dürfen und mit seinem Weib zusammen zu sein. Was genau verlangt wird ist ebenso unterschiedlich wie Mitgift und Auslöse. Die Mitgift wird in diesem Fall ebenso an den Clan des Kerls bezahlt.

Das Fest von Beltaine, Midsommer
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Beltaine ist das Fest des Midsommers, das Fest der Fruchtbarkeit das die Thyren feiern. Am letzten Abend des 4. Mondes in der Nacht zum 5. Mond wird jenes abgehalten.
Die Weiber gehen los um sich Rituell zu waschen und sich mit einer besonderen Paste einzureiben, die extra für Beltaine von den Schamanen oder Medizinmännern hergestellt wird. Dann kleiden sie sich in weiße Gewänder und bereiten den Festplatz im Wald vor.
Unterdess ziehen die Kerle los auf die Große Jagt. Sie sind auf der Jagt nach dem Hirsch von Beltaine. Jener der den Hirsch erlegt ist der Große Jäger dieses Festes. Die Kerle schmieren sich mit dem Blut des Hirsches ein und bringen das Fleisch zurück zum Festplatz.
Dort angekommen wird um das große Freudenfeuer getanzt, gesungen, gegessen und getrunken bis tief in die Nacht.
Dann wenn die Nacht lange herrein gebrochen ist, treten sich Kerle und Weiber gegenüber. Beide gewandet in einfache weiße Kleider und Masken. Der Große Jäger darf sich ein Weib erwählen mit dem er die Nacht im Wald verbringt. Hat jener Kerl ein Weib mit dem er verhandfastet ist, wird er in aller Regel jenes wählen, das ist aber nicht zwingend notwendig, jedoch ungeschriebener Brauch. Jedes Weib darf den Großen Jäger ablehnen. Sollte es passieren, dass kein Weib den Großen Jäger will wird sich die Schamanin als Jungfrau von Beltaine ihm hingeben und mit ihm gehen. Dies kommt jedoch sehr selten vor und es ist noch niemals vorgekommen das kein Weib den Großen Jäger wollte und keine Schamanin im Clan zugegen war. Nachdem der Große Jäger sein Weib gewählt hat, dürfen auch die anderen Kerle sich ein Weib erwählen.
Jene Kerle und Weiber die übrig bleiben und sich nicht als Päärchen in den Wald schlagen feiern noch um dann zurück zum Clan zu gehen und sich schlafen zu legen.
Am Nächsten Morgen werden alle Gewänder die zum Fest getragen wurden auf einen Haufen gelegt und verbrannt. Was in jener Nacht geschah wird niemals wieder angesprochen, es ist nie passiert. Das ist eine der heilligen Regeln jenes Festes.
Es wird nicht mehr darüber gesprochen, keine Anspielungen gemacht oder sonst etwas. Es hat niemals stattgefunden.

Systra schloss ihre Gedanken wieder und atmete einmal tief durch. Die raue, kalte Nachtluft tief in ihre Lungen saugend.
Sie musste endlich etwas Schlaf finden. Aber wie konnte sie das, wenn sie soviele Dinge in Beschlag nahmen?
Da war auch noch die Aufgabe die Mundgeirr ihr auferlegt hatte und bei der ihr Serendo zumindest einen kleinen Schubs gegeben hatte. Ihr war klar: Die Druiden und die Schamanen hatten ein anderes Verständnis von der Welt, doch sie waren sich so gleich, das man willkommene Verbündete und Freunde sein konnte.
Sie hatte für einen kurzen Moment gespührt wie sich ihre Geistige Hand nach der Kraft der Geister ausgestreckt hatte und jene Energie über ihre Fingerkuppen knisterte. Jetzt musste sie lernen das gänzlich zu schaffen...Sie würde noch etwas Meditieren..ja das würde sie tun.
Zuletzt geändert von Systra Bunjam am Donnerstag 11. Oktober 2007, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

In letzter Zeit vertrieb sich Systra viel Zeit damit ihre Musikalität zu schulen. Oft sah man sie mit Schellenkranz oder an der Harfe sitzen und spielen. Anfangs war das ziemlich grauenhaft gewesen, doch die vielen langen Stunden Übung und der eiserne Wille mit dem sie jenes bestritt hatten aus ihr eine ganz adequate Musikerin gemacht. Sie wusste mittlerweile welche Töne sie auf der Harfe oder Laute anschlagen musste und wie sie ihre Fingerfertigkeit einsetze um die Tone sanft und wohlklingend aus dem Instrument zu locken.
Während sie wiedermal an der Harfe saß und sich ihren Übungen hingab, dachte sie über die letzte Lehrstunde nach.
Wieder hatten sie viel besprochen und allmählich wussten ihre Claner so einiges über die Traditionen ihres Volkes.
Sys war zufrieden. Gerade Elina und Firnya glänzen mit Wissen das sie bis vor kurzem noch nicht gehabt hatten. Das war wirklich sehr erfreulich und zeigte der jungen Schamanin deutlich, dass ihre Arbeit nicht umsonst gewesen war.
Was hatten sie diesmal besprochen?


Sittsamkeit
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Was die Thyren unter Sittsamkeit verstanden war natürlich etwas anderes, als die Städter das wohl taten. Dennoch gab es Regeln wie man sich zu benehmen hatte und vor allem wie man sich zu kleiden hatte. Kein Thyrenweib würde sich anziehen wie die Huren die man sonst so bei den Städtern sah.
Hierbei wurde unterschieden zwischen Kleidung innerhalb des Clanes, im Beisein der Familie und wenn Gäste anwesend waren.
Innerhalb des Clanes war es vorgegeben, dass die Beine bis zu den Knien bedeckt zu sein hatten und jede Intime Stelle.
Das hiess für die Frauen: Kilt, langer Rock, Hose und mindestens einen Bustier der der Brüste ausreichend bedeckte.
Die Männer hatten mindestens Kilt zu tragen oder Hose. Freier Oberkörper war bei den Männern nicht so schlimm, gerade die schweißtreibenden Arbeiten wie Schmieden oder Holzhacken machten dann doch eine etwas luftigere Kleidung sinnvoll.
Im Beisein von Gästen hatten sich die Weiber sehr viel züchtiger zu Kleiden. Beine bis zu den Knien bedeckt, Bauch, Brust und Schultern sowie die Arme hatten mit Kleidung bedeckt zu sein. Die Männer hatten ebenso mindestens ein Hemd und Hose oder Kilt zu tragen. Es war aber vor allem eine Regel für die Weiber. Denn Thyrenweiber waren sicherlich mit die schönsten Weiber (für einen Tiefländer) aber sie waren eben auch für Thyrenkerle und kein Städter hatte ihre Frauen zu begaffen.
Ausserdem sprach man im Beisein von Gästen nicht unbedingt die delekatsten Themen an. Genauso wie man nicht wild rumknutschte, kuschelte oder sonstetwas intimeres machte wenn Gäste anwesend waren. Man hatte sich seinem Clan gegenüber gebührlich vor Fremden, Gästen oder Clansfreunden zu benehmen.

Strafen
[img]http://www.rainbowpca.org/story/whip.jpg[/img]

Bei den Tiefländern werden viele Dinge bestraft. Besonders wenn man gegen die Traditionen oder Sitten verstößt. Die üblichen Strafen sind dabei das Haupthaar abschneiden, was für einen Tiefländer eine große Schande darstellt die er vor den anderen nichtmal verstecken kann. Ein Thyre mit Glatze trägt seine Schande offen für alle sichtbar im Clan mit sich herrum, bis sein Haar wieder gewachsen ist. Daher fürchten viele Thyren diese Strafe und sie gilt als sehr harte Bestrafung.
Die Verbannung aus dem Clan wird nur ausgesprochen bei besonders schweren Vergehen und wird meist vom Thing mit abgestimmt und geurteilt. Stock- oder Peitschenhiebe sind auch nicht unüblich, wobei man zu solchen Strafen eher seltener greift. Auch der Rituelle Kampf mit scharfen Waffen wird durchaus als Strafe vollzogen, gerade wenn man zwei Thyren hat die sich etwas haben zuschulden kommen lassen.
Man sollte sich der vielen Möglichkeiten wo man Strafe erfährt wohl gewahr sein um jenen zu entgehen.

Samhain, das Fest der Toten
[img]http://stoners.com/store/image/kols/Weapons_-_Props/Skull_Bowl_Fog_Illusion.jpg[/img]

Samhain, das Fest der Toten. Jener Tag an dem das Jenseits weit geöffnet in das Diesseits steht und die Thyren ihre Ahnen besuchen. Ein Tag an dem die Toten geehrt werden und die Thyren sich in Knochen hüllen um ihre Mitclaner und vor allem ihre Gäste zu erschrecken. Es werden überall in den Clans Kürbisse aufgestellt mit gruseligen Fratzen in denen Kerzen leuchten um die Bösen Geister zu vertreiben und die Ahnen willkommen zu heissen. Samhain ist für die Tiefländer vor allem ein Tag voller schwarzem Humor und Schrecken. Jeder erschreckt den anderen so gut er es vermag und alle haben einen großen Spass daran.
Später am Abend wird dann das Ritual von Samhain begangen zusammen mit dem anschliessenden Fest.
Alle Thyren kommen um das große Feuer zusammen und bereiten sich vor die Ahnen zu besuchen an diesem besonderen Tag. Die Schamanen vertreiben die Bösen Geister und besänftigen die Leviathanin, die Herrin des Eises und der Kälte um ihre Claner sicher in die Präsenz ihrer Ahnen zu geleiten.
Im Beisein der Ahnen wird dann Gefeiert, gegessen, getrunken, gesungen und der großen Ahnen gedacht die ihnen ihre Wege aufgezeigt haben. Die ganze Nacht hindurch werden Schauergeschichten oder Heldensagen gesungen oder erzählt und man gibt sein Blut den Ahnen indem man sich die Haut aufritzt.
Samhain als Fest der Toten und der Ahnen hat einen ganz besonderen Bezug zu den Tiefländern und ist eines der höchsten Feste um eben jene zu Ehren. Viele nutzen die Gelegenheit aber auch um Städter einzuladen und diesen einen gehörigen Schrecken einzujagen.
Zuletzt geändert von Systra Bunjam am Samstag 20. Oktober 2007, 22:26, insgesamt 1-mal geändert.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Leises Knacken in den Ästen. Wieder ein Wispern in dem Dickicht des Waldes. "Dort...geh dort junge Thyrin" Rascheln im regennassen Gras, das Geräusch von Fell das sich im Wind wiegt und das Prasseln von Regen auf dem Blätterdach des Waldes. "Ja..weiter...weiter vor..." Wispern, Wispern. Immer wieder hallt es durch das Bewusstsein und führt tiefer und tiefer in den Wald hinein.
Systra war Mundgeirr`s Aufruf gefolgt und hatte sich aufgemacht ihre Aufgaben zu erfüllen, die sie auferlegt bekommen hatte.
Die Waldgeister führten sie durch die Wälder von Lameriast um einen geeigneten Ort zu finden. Einen Adler sollte sie beobachten. Adler waren hier auf Lameriast nicht so leicht zu finden. Es gab sie auf Gerimor mehr als hier, woran das lag, das wusste auch Sys nicht wirklich. Ihr Weg führte sie durch das unwegsamste Dickicht, wo sie sich mit dem Wolfsmesser platz schaffen musste. Die gezackte Klinge riss eine kleine Schneise als Weg in den Wald. Die Bäume bettet sich langsam zur Ruhe für ihren Winterschlaf und es regnete häufig. Nach vielen Schritten brach der Wald plötzlich hinter ihr ab und sie befand sich auf einem großen Plateau. Starker Wind zog an ihrer Kleidung und liess ihr Haar wild umher wirbeln. Ein atemberaubender Anblick bot sich ihr über das weite Meer und das Tosen der Brandung die das Wasser an die Klippen schlagen liess untermalte die Szenerie. Es roch nach Erde und Meersalz. Die Sonne stand hinter einigen Wolken verborgen hoch am Himmel und kündigte die späten Nachmittagsstunden an. Sys hob die Hand ans Gesicht um ihr Haar zu bändigen und sah sich um. Die Waldgeister hatten sie nicht ohne Grund hier her geführt. Eine Weile stand Sys einfach da und betrachtete das Schauspiel der Natur. Die Wellen die sich auf dem Meer brachen und den Wind der über das weite Land zog.
Dann endlich hörte sie, was sie suchte. Das stolze Krächzen eines einsamen Adlers in den Wolken.
[img]http://www.freespiritart.com/images/storm-bald-eagle.jpg[/img]

Majästetisch schwebte das Tier über den Himmel und zog seine Kreise. Der Herr der Lüfte, das war er wahrlich. Ihre Augen verfolgten den Flug des Adlers, jede Einzelheit die ihr der düstere Nachmittagshimmel bot in sich aufnehmend. Die geschmeidigen Bewegungen, die von unendlicher Ruhe und Grazie zeugte. Die wohl gesetzen Schläge der großen Schwingen die den Vogel in der Luft hielten und ihn einen Kreis nach dem anderen ziehen liessen. Es schien..als würde der Adler sie genauso beobachten wie sie ihn. Dann..langsam senkte sich der Adler weiter hinab. Spiralförmig zog er kreise die ihn hinab gleiten liessen bis er nurnoch einige Meter über ihr kreiste. Die beiden Wesen beobachtenen sich gegenseitig.
Sie, die Thyrin, die Schamanin und er, der Herr der Lüfte, stolz und hoheitlich. Diese dunklen Augen verrieten viel und sie sahen viel. Das weiche, geschmeidige Gefieder das im Wind wehte und Luft unter die Schwingen schob, die eleganten Bewegungen des Adlers im Flug.
Es schien fast wie eine Ewigkeit, ehe der Adler auf einem Felsvorsprung landete, die Flügel zusammen schlug und sie ansah.
Sys ging in die Knie, sehr behutsam und vorsichtig. Sich langsam auf die Schienbeine niedersetzend. Sie sollte beobachten. Sie sollte den Geist des Adlers verstehen. Sie sollte sich jedes Detail merken und sie sollte lernen, was er ihr beibringen konnte.
So saß sie eine sehr lange Zeit bei dem Adler der sie ruhig und furchtlos genauso betrachtete wie sie. Für einige Momente spührte sie in sich eine tiefe Verbundenheit aufkeimen. Ein Gefühl als könne sie so sein wie er. Als währe es nur ein winzige Schritt den sie gehen müsste um genauso mit ihm durch die Lüfte zu gleiten. Jede Bewegung des Tiers brannte sich in ihre Erinnerung. Jedes Geräusch, jedes Rufen das er ausstoß. Sie fühlte sich nach dieser langen Zeit eins mit dem Adler und das war wohl genau das, was Mundgeirr ihr aufgetragen hatte. Sie hätte ihn aus dem Gedächniss zeichnen können und als der Adler sich nach einer Zeit die wie eine Ewigkeit anmutete wieder aufstieg da wachte sie auch wieder auf. Langsame Kreise ziehend verschwand das große Tier über den Wipfeln der Bäume und liess Systra alleine. Diese Aufgabe hatte sie dank der Hilfe bewältigt. Aber Mundgeirr würde einen Beweis wollen. Sie nickte zu sich selbst und griff nach ihrem Buch und Kohlestift.
Im Schein eines gemütlichen Feuern begann sie den Adler aus ihrer Erinnerung herraus zu zeichnen. In verschiedenen Posen und Formen. Dies würde genügen und hatte ihr nochmal vergegenwärtigt, was sie alles von ihm gelernt hatte. Sie wusste wie ein Adler sich bewegte, wie er aussah, wie er sich verhielt. Es war etwas das sie schwer in Worte fassen konnte. Es war einfach so. Zeit nachhause zu gehen...

Der Nächste Weg am frühen Morgen brachte sie zum Hof der Bunjams. Diese Aufgabe würde einfacher für sie werden. Diesmal musste sie nicht suchen, denn sie wusste bereits wo sie das finden würde. Runa stand im Morgengrauen auf dem Feld, eine Sense in der Hand und fuhr das Herbstkorn ein. Bald würde hier Schnee liegen. Mit einem fröhlichen "Hossa" begrüsste Runa sie und ging weiter ihrer Arbeit nach. Systra deutete nur kurz hinauf in die Scheune des Hofes und verschwand schon nach oben. Sie glaubte nicht das Runa begriff was sie hier tat oder überhaupt hier wollte. Vermutlich hatte die junge Bäuerin eher gehofft, Systra währe zum Helfen auf den Hof gekommen, doch heute war sie ob ihres Studiums hier.
Ihr Weg führte sie zum Hasengehege. Das Gackern von Hühnern und Rascheln von Stroh durchzog die Scheune genauso wie der Geruch von Stroh, Käse und Tieren. Etwas das Runa sicherlich sehr viel besser kannte als Systra, auch wenn sie sich nicht im geringsten daran störte. Sie öffnete das Gatter zum Hasengehege, wo die Feldhasen, die Runa hier züchtete, fröhlich vor sich her hoppelten und den Eindringling mit großer Skepsis beäugten und sich schnell ins Stroh verzogen.
Systra setzte sich an das Gatter und verharrte dort. Die Tiere mussten vertrauen zu ihr gewinnen und das würde Zeit brauchen. Nicht ohne Grund war sie so früh losgezogen.
Runa beschmunzelte das ganze und fragte Systra ein paar mal warum sie denn in dem Gehege sitzen würde, doch Systra wunk nur ab und blieb weiter reglos und friedlich sitzen, während Runa um sie herrum ihrer Arbeit nachging. Nach langen Morgenstunden hatten sich die Hasen an sie gewöhnt und kamen wieder hervor gehoppelt. Jetzt endlich konnte Systra die Hasen genauer in Augenschein nehmen.
[img]http://animals.timduru.org/dirlist/bunny_Rabbit/baby-rabbit.jpg[/img]

Weiches Fell, kleine Pfötchen, scharfe lange Vorderzähne, diese großen Augen mit denen die Hasen besonders gut sehen konnten. Erst besann sie sich auf die offensichtlichen Dinge bevor sie tiefer gehen wollte. Wie bewegte sich ein Hase?
Was für Gesten vollführte er. Hasen waren Beutetiere. Sie hatten einen ganz genauen Platz in dem Gleichgewicht der Natur.
Sie waren Futter für die Räuber und sie sorgten dafür das Pflanzenbestände nicht überwucherten. Ausserdem lockerten sie den Erdboden durch ihre Bauten auf. Sie waren sehr wichtig, wie jedes Lebewesen das in den Kreislauf der Natur gehörte.
Systra besah sich die Hasen eine sehr sehr lange Zeit. Wie sie durch das Gehege hoppelten, ihren Salat frassen, wie sie miteinander umgingen. Hasen waren sehr gesellschaftliche Tiere wie Systra feststellte. Einmal putzen sie sich sogar gegenseitig. Wackelten mit den Näschen und hoppelten wieder herrum. Hier hatten sie ein sehr einfaches Leben. Nicht unbedingt das beste für einen Hasen, aber auch sicherlich nicht das Schlechteste. Sie wurden ja zu einem bestimmten Zweck von Runa gezüchtet. Um ihnen als Nahrung zu dienen. So konnten sie die Bestände der Wälder schonen und die Hasenpopulation den Räubern belassen.
Am Späten Mittag begann Systra wieder zu zeichnen. Sie wollte festhalten was sie gelernt hatte. Was sie über einen Hasen wusste. Wie er sich bewegte und was ihn ausmachte. Mundgeirr würde sich sicher über die Zeichnungen freuen die Systra so zahlreich angefertigt hatte. Der Abend begann schon zu dämmern als sie das Gehege verliess und zurück zum Clan ging.
Runa war schon lange nicht mehr hier, sie hatte all ihre Arbeit bis zum Mittag erledigt gehabt. Auch Systra machte sich nun wieder auf zu ihrem Rudel. Genug in der herrlichen Einsamkeit gesessen, die ihr viel Ruhe und Besinnung gespendet hatte.
Diese Aufgaben hatte sie erfüllt, ganz so wie Mundgeirr es ihr aufgetragen hatte.

Spät am Abend, die Sonne war längst unter gegangen und wiedermal hatten sich Wolken vor den Mond geschoben und kräftigen Regen auf die Erde zu schicken, saß Systra im Weiberhaus an ihrer Harfe und spielte vor sich her. Die Übungsstunden an den Instrumenten waren ihr schon zur Gewohnheit geworden und gaben ihr Zeit über viele Dinge nachzudenken. Sanfte, zärtliche Klänge hüllten die Frauen ein die in dem großen Saal in ihren Fellen schliefen und eine angenehme Ruhe lag über dem Clan. Das Prasseln des Regens an den Fenstern machte die Warmen Hallen der Clansfeste nur angenehmer und wohliger.
Systra dachte über die zweite Aufgabe nach die Mundgeirr ihr gestellt hatte. Sie sollte sich Gedanken über die Elemente machen. Jedes Element war in sich schon Dual. Sie waren eine Einheit in sich und zueinander. Das machte sie zu etwas ganz besonderem und daher rührte auch ihre gewaltige Macht. Sie sollte Mundgeirr erklären können was die Elemente definierte, was ihre Eigenschaften waren und wie sie sowohl Lebensspendent wie Vernichtend waren. Sie sann darüber nach um ihre Gedanken zu ordnen.


Das Feuer
[img]http://www.canyonisd.net/rhs/sports/powerlift/fire.jpg[/img]

Das Feuer als Element von Temperament und Leidenschaft. Flammen lodern heiss und hell, spenden Licht und Wärme. Sie sind die Basis für ein Überleben der Welt um die Wärme im kalten Winter zu spenden und das Essen für die Menschen und Völker geniessbar zu machen. Auch sorgen die Flammen dafür das der Boden wieder fruchtbar wird durch die Asche die sie erzeugen.
Aber das Feuer ist auch alles vernichtend. Es kann ganze Wälder, Städte oder sogar Völker auslöschen. Dem Feuer haftet immer diese Zerstörerische Kraft an auch wenn es als Element genauso Dual ist wie die anderen Elemente auch ist es doch eines der zerstörerischeren. Flammen verzehren fast verspielt alles was man ihnen gibt und die Feuergeister haben ein nahezu unzügelbares Temperament und sind sehr verspielt, jedoch sind sie auch wie kleine Kinder die man niemals aus dem Auge lassen sollte und klar ihre Grenzen zeigen, denn sie nehmen was immer sie bekommen.

Die Ebene des Feuers wird regiert von dem Goldenen Krieger und dem Goldenen Drachen.
Der Goldene Krieger ist wärmespendend, stolz und rein. Er schenkt die Wärme der Flammen die alle Völker zum überleben benötigen.
Der Goldene Drache ist leidenschaftlich und heissblütig. Das Feuer in seiner gewaltigsten Zerstörung.Er ist der Zorn und das Temperament.

Das Wasser
[img]http://img505.imageshack.us/img505/2811/48875039sg3.png[/img]

Das Wasser als Element von Bewegung aber auch von Ruhe und Besonnenheit. Das Wasser ist Quell des Lebens, gibt allem das Lebt auf der Welt kraft zu wachsen, zu gedeihen und zu erblühen. Es kühlt und erfrischt an heissen Tagen und spendet angenehme Stunden. Es ist ruhig und beruhigend.
Aber das Wasser ist auch stürmisch und wüst. Voller Kraft und Zerstörung. Gewaltige Wellen und klirrendes Eis das alles abtötet das jemals lebte. Erbarmungslos und ohne jedes Gefühl. Wellen und Stürme zerschmettern Schiffe wie Äste im Wind, Flutwellen spühlen einfach alles hinweg das erbaut und geschaffen wurde.

Die Ebene des Wassers wird regiert von der Eisigen Jungfer und der Leviathanin.
Die Eisige Jungfer ist eine stille Schönheit die Kühle an heissem Tag spendet. Gezeichnet mit wenig Emotion.
Die Leviathanin ist die Stürmende See, das Brüllen des Meeres. Sie ist Eiskalt und ohne Gnade. Sie lässt das Herz gefrieren.

Die Luft
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Die Luft ist als Element in stetigem Wandel. Sie ist die Freiheit und der freie Gedanke. Sie gibt uns den Lebensatem und sendet die Kühle Briese über unsere Körper. Die Luft umgibt uns stetig und ist ein immergegenwärtiger Begleiter. Sie ist es auch die die Saamen der Blumen und Sträucher durch die Welt sendet um für den Fortbestand der Arten zu sorgen.
Aber sie ist auch das gewaltige Tosen und der gnadenlose Sturm. Schneidende Winde und gewaltige Wirbelstürme die alles hinwegfegen das sich ihnen in den Weg stellen. Die Luft facht die Stürme an und verbindet sich mit den Elementen wie Wasser, Erde oder Feuer um gewaltige Stürme hervorzubringen.

Die Ebene der Luft wird von der Dame im Wind und der Großen Bannshee regiert.
[img]http://img221.imageshack.us/img221/214/dameimwindwg6.png[/img]
Die Dame im Wind ist warmherzig und musikalisch. Eine liebreizende Erscheinung die mit sanftem Wiegen die Luft kontrolliert und als Wegweiser und Schutzpatronin der Tiefländer gilt.
Die Große Bannshee ist kreischend und Schreiend. Sie ist der Sturm und die Urgewalt der Luft. Ihr Kreischen lässt das Blut gefrieren.

Die Erde
[img]http://www.carmelmooney.com/images/stone-circle.jpg[/img]

Die Erde ist das Element der Beständigkeit. Sie gibt den Boden, das Fundament für alles Leben, für jede Exsistenz auf dieser Welt. Sie nährt die Pflanzen und Bäume und gibt ihnen Halt und Grund. Sie ist hart und schützend, wie ein Panzer.
Aber sie kann auch beben und zornig sein. Vernichtend durch verherrende Erdbeben und Erdrutsche. Sie kann den Sand der einst so friedlich war in tötliche Fallen verwandeln und erzitternd beben die Grundfesten alles seins erschütternd.

Die Ebene der Erde wird regiert von dem Alten im Berg und dem Lindwurm
Der Alten im Berg ist bodenständig und weise. Er behält was bewahrt werden muss und bringt so die beständigkeit über diese Ebene und in unsere Welt.
Der Lindwurm ist unaufhaltsam wie eine Lawine. Er ist zerstörerisch in seiner Ordnung, überwuchert die Städte und ist ebenso die Fleischfressende Pflanze wie auch das Erdbeben das ganze Zivilisationen vernichtet.

Aye..das waren die Elemente. Systra erinnerte sich gut daran und mit einem zufriedenen Lächeln ging sie weiter ihrem Harfenspiel nach. Sie würde Mundgeirr erneut beweisen können, dass sie zwar jung war und es ihr an Erfahrung fehlte, aber nicht an Ehrgeiz und Wissen das sie von ihrer Großmah mit auf den Weg dieses Lebens bekommen hatte.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Eine Klinge wird geschmiedet

Neblig und kühl waren die Morgen in der letzten Zeit. Der Herbst hielt mit eiserner Hand einzug und liess die Welt langsam in den Winterschlaf sinken. Die Blätter färbten sich golden, orange und braun und fielen auf den Boden, das Gras und den Waldboden damit bedeckend. Bald schon würde Schnee liegen. Systra wartete eigendlich jeden Tag darauf das der erste Schnee fiel, auch wenn er vermutlich noch nicht liegen blieb.
In den letzten Tagen ging Systra mit einen kleinen Buch und Kohlestift in den Wald um ein wenig Ruhe zu geniessen. Sie wollte ein wenig zeichnen und sie hatte da auch schon ein ganz genaues Motiv im Kopf das sie einfangen wollte. Damit begann eigendlich alles.
Systra hatte sich im Heilligen Hain hingesetzt, zwischen die langsam welkenden Büsche und Gräser und die Tiere beobachtet. Ein kleines Rudel Wölfe bewohnte den Hain wie sie wusste. Grau-Schwarzes Fell glänzte in der Morgensonne und das leise Tapsen von weichen Pfoten im Dickicht war zu hören. Das war genau das Motiv das Systra wollte.
Viele Stunden betrachtete sie die Wölfe bei ihren Streifzügen durch den Hain oder wie sie einfach dalagen und sich ausruhten, während ihre Hand den Stift führte und die Bilder dazu malte.
Stolze Wölfe in der unberührtesten und mächtigsten Natur die Systra auf Lameriast kannte. Ein wirklich schönes Motiv.
Kurz ging ihr Blick zu der Alten Klinge die an ihrer Hüfte ruhte. Ihr Wolfsmesser das mittlerweile schon einige Kämpfe gesehen hatte und in rötlichem Glanz schimmerte. Eigendlich...
Hmm sie dachte nach. Diese Bilder brachten sie auf eine Idee. Ihre Klinge war einfach und zweckmässig, wenn auch in der Typischen Form eines Wolfsmessers. Vielleicht sollte sie einmal mit Hrefna sprechen. Die Hinrahschmiedin war nicht nur Waffen- und Rüstschmiedin sondern verstand sich auch in der Feinschmiedekunst. Sie würde sicher das nötige Handwerksgeschick besitzten um das was Systra im Kopf rumging auch umzusetzen.

Systra machte sich vom Heilligen Hain auf zur Mine wo man Hrefna öfters traf. Die Waldgeister zeigten ihr die Wege die sie dafür am schnellsten gehen musste, sodass die Distanz für sie nicht mehr als ein Wimpernschlag war. In der dunklen Mine fand sie die junge Tiefländerin dann auch und unterbreitete ihr die Herrausforderung die Systra an sie stellen wollte.
Hrefna sollte eine Klinge schmieden. Eine besondere Klinge. Die Schmiedin war sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Es würde eine besondere Arbeit werden, eine Herrausforderung an ihr Können als Clanshand. Genau das was eine junge, ehrgeizige Schmiedin brauchte um sich selbst und den Clans etwas zu beweisen.
Gesagt, getan. Die Zwei setzen sich in der Veteranenecke nahe der Schmiede in Grimwould zusammen und besprachen die Details und gingen Systra`s Bilder durch die sie angefertigt hatte. Sie wollten das Heft besonders kunstvoll und schön gestalten. Der Wolfskopf der traditioniell das Heft bildete sollte ein Meisterwerk in Detail und Echtheit werden.
Ebenso der Griff der ein wenig gewellt war und der Knauf der einer Wolfspfote nachempfunden war. Sogar für die Klinge hatte Hrefna schon Ideen wie man jene verzieren konnte. Sie machten viele Zeichnungen von der Klinge die sie gemeinsam herstellen wollten. Systra zeichnete Hrefna korrigierte indem sie ihr sagte was geändert werden musste.
Es dauerte viele Stunden bis der Entwurf des Wolfsmessers endlich fertig war.
Dann überlegte man welches Material man wohl benutzen sollte. Pyrian..nein...Coelium..schon besser...Hexenstahl..vielleicht...aber Hrefna schien damit nicht zufrieden, zumal es ein sehr hartes Material sein musste um die viele Detailarbeit auch mit der nötigen Festigkeit und Haltbarkeit zu versehen. Gold währe schön gewesen, aber völlig ungeeignet da es viel zu weich war. Die Legierungen die für die Clanskriegerklingen verwendet wurden, waren sehr aufwendig und schwierig, daher kam das auch nicht in Frage. Es blieb nur eine Wahl übrig die das Vorhaben in der Schwierigkeit noch erhöhte. Diamant. Das Einzige Material das hart und edel genug war um diese besondere Klinge zu formen.

Vor sich her schieben brachte nichts, so trafen sich die beiden am nächsten Morgen wieder um damit anzufangen die Zeichnung die auf Pergament stand in eine tatsächliche Waffe umzusetzen. Systra half Hrefna dabei die Esse anzufeuern, während Hrefna die Barren die sie benötigten hervor holte. Es würde nicht einfach und Sys wollte ihr so gut sie es eben vermochte dabei helfen, auch wenn Schmiedekunst für sie eher ein Fremdes Thema war.
Die Barren wurden in die Esse gegeben und langsam und gleichmässig zum glühen gebracht. Dann nahm sie Hrefna herraus und begannt mit dem schweren Schmiedehammer darauf einzuschlagen. Langsam bog sich das Matieral unter den harten Schlägen der Schmiedin. Wieder erhitzen bis es rot glühte, dann wieder hefftige Schläge. Funken stoben rötlich davon wenn der Hammer das glühende Material traf. Als erstes wollte Hrefna die Klinge schmieden. Systra half indem sie das Feuer der Esse durch die Hilfe eines Feuergeistes heiss und lodernt hielt und sich ihre Kumpanin ganz auf ihre Schmiedearbeit konzentieren konnte. Immer wieder nahm Hrefna einen Blick in die Zeichnung um die Klinge ihren Vorstellungen anzupassen. Eine leicht gewundene, teils gezackte Klinge wie von Zähnen, die sehr spitz und später enorm scharf zulief. Die Typische Form eines Wolfsmessers.
Das Stoben der Funken erstarb als Hrefna die Klinge vorsichtig ins Wasserbad tauchte um sie abzukühlen. Dampfschwaden zogen hoch und nahmen für den Moment den Blick auf die Klinge. Jetzt würde sich zeigen ob die Klinge brauchbar war. Hrefna zog sie mit der Zange wieder herraus. Die Klinge war perfekt. Zwar noch Stumpf und ohne Verzierung aber ansonsten perfekt. Keine Risse, keine Einlagerungen, keine Dellen, keine Unebenheiten. Hrefna grinste Systra stolz an und übergab die Klinge wie besprochen ihr.
Ihre Aufgabe war es nun die Verzierungen mit Säure auf die Klinge aufzutragen die später, wenn die Klinge geschliffen und in Öl gehärtet wurde auf der Klinge sichtbar sein sollten. Mit sehr ruhiger Hand und Pinsel begann sie die Thyrischenrunen und Verschnörkelungen auf die Klinge zu malen. "Tragt Stolz im Herzen und hohen Mut, denn ihr seit das Volk des Sturmheulers" stand in Runen auf der Klinge.
Dann übergab sie die halbfertige Klinge wieder Hrefna. Diese begann damit die Klinge zu schleifen und zu schärfen. Solange bis sie für das Auge alleine schon scharf war. Zuguter letzt wurde die Klinge in Öl gehärtet und abgezogen.
Wertvoll glänzte und funkelte die fertige Klinge in der späten Nachmittagssonne. Sie hatten lange für dieses Teil gebraucht doch ihr Ehrgeiz hatte die beiden nicht verlassen. Das Stück wurde sehr vorsichtig weggelegt und die Esse wieder angeheizt. Es wurde Zeit das der Griff geschmiedet wurde. Wieder Stoben Funken umher. Wieder hallte das Hämmern von den harten Schlägen durch Grimwould und das glühende Matieral bekam langsam seine Form. Der Griff war etwas einfacher herzustellen. Hrefna übergab das fertige Werkstück Systra die weiches Leder darum wickelte. Sie nahm sich viel Zeit dafür, denn es sollte viele Griffe lang halten. Sie musste sorgfältig arbeiten. Mit einem Nagel wurde der Lederriemen im Griff verankert. Während Systra damit beschäftigt war hatte sich Hrefna an die Feinschmiedearbeit gemacht den Knauf zu schmieden. Diesmal mit einem nicht ganz so massiven Hammer hatte sie langsam das Diamant in Form gebracht das man daraus die Pfote schleifen konnte. Mit vielen Feilen bewaffnet begann nun eine sehr lange Arbeit die bis tief in die Nacht dauerte. Systra gab Hrefna Licht, brachte ihr Essen und Trinken und war ihr Gesellschaft in der Zeit. Sie hatten Heute viel geschafft, aber das Meisterwerk würde Morgen kommen. Das Heft.

Den Rest der Nacht zum Schlaf genutzt, trafen sich Sys und Hrefna am nächsten Morgen wieder an der Esse. Heute wollten sie ihr Meisterwerk zu einem Abschluss bringen. Das Heft, das Herzstück der ganzen Arbeit stand ihnen bevor. Der Teil der der Waffe seinen eigendlichen Namen verlieh. Wieder schlugen sie die Zeichnungen auf und studierten jene bevor sie zur eigendlichen Tat vorran schritten. Sie wollten keine Fehler machen, gerade Hrefna nicht die sich in ihrem Ehrgeiz richtig angepeitscht fühlte die Waffe perfekt werden zu lassen. Bissher war alles sehr gut verlaufen, sie wollten sich jetzt keine Fehler erlauben. Nicht nur weil das Material sehr teuer und selten war, sondern auch um sich etwas zu beweisen. Systra betätigte wieder den Blasebalg der Esse und beschwor einen der Feuergeister die Glut heiss lodern zu lassen. Hrefna nahm neue Barren Diamant und liess sie langsam in der Esse glühen. Wieder hallte das Klirren von Amboss und Hammer durch das Gelände der Hinrah als sie das Diamant langsam in Form schlug. Erst wurde die grobe Form des Hefts vorgegeben mit kräftigen groben Schlägen des schweren Schmiedehammers, ehe Hrefna zu einem leichteren Hammer griff und den Rohling erneut bis zum glühen erhitze.
Nun kamen die Feinheiten. Es war wie bildhauerei was Hrefna da leisten musste. Der Wolfskopf sollte so perfekt und echt wie möglich wirken. Jener Kopf aus dessen Maul später die Klinge entspringen würde. Ein paar Stunden vergingen indenen sie die schweisstreibende Arbeit fortsetzend. An den Rohling wurde nach und nach mehr Material angeschmiedet bis er die ungefähre Form hatte. Hrefna ging sich einen Moment ausruhen und etwas essen. In der Zeit feilte Systra alle groben Kanten und Ecken aus dem Heftrohling die sich beim groben Schmieden nicht vermeiden liessen.
Die nächste Arbeit würde wieder bis spät in die Nacht dauern.
Hrefna kam wieder und begann nun das Diamant in Form und Aussehen zu feilen, schleifen und hämmern. Langsam bildete sich die Schnautze des Wolfes, die Kontouren der Augen, der Ohren, bis sie schliesslich auch das Fell einarbeitete das sich detailreich einfügte. In das Auge wurde ein geschliffener Rubin eingesetzt und eingefasst, was die junge Tiefländerin mit großem Handwerklichen Geschick vollbrachte. Systra war sehr beeindruckt. Ihr gemeinsames Werk war fast vollbracht. Jetzt mussten nurnoch die Teile zusammen passen.
Der Abend dämmerte schon lange als sie die Vier Teile des Wolfsmessers nahmen und zusammen fügten. Der Knauf wurde auf den Griff geschraubt dann das Heft darüber gezogen und die Klinge damit verbunden. Eine glühende Niete aus Diamant schweißte alle Teile unwiederruflich zusammen als alles passte.
Hrefna besah sich die glänzende, funkelnde Klinge von allen Seiten und wog sie in der Hand. Ein wundervolles Stück.
Voller Detail, Liebe und Handwerkskunst. Einmalig als Meisterstück der Tiefländischen Meisterschmiedin der Hinrah.
Das Wolfsmesser würde Systra viele Jahre treue dienste leisten und sie auf allen Wegen als Schutz und Wehr begleiten.
Am Knauf hatte Hrefna ihre Initialien eingeritzt, sodass man sehen konnte wer es geschmiedetet hatte und wann. Dort stand: "H.H. J.250". Dann übergab sie Systra die Klinge und lächelte ihr zu. Eine stolze Waffe, für die Schamanin der Bunjam...
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Eine undurchdringliche Schwärze türmte sich vor ihr auf. Formte sich langsam in eine grausige Gestalt die sie unmenschlich anbrüllte.
Rot brennende Augen starrten zu ihr hinab und die Haut wie Asche blass knackte und riss als sich das Ungetüm bewegte. Die ledigen Schwingen ausgefranzt und aufgerissen schlugen sich weit auf und verdunkelten die gesamte Szenerie. Systra sah sich selbst vor dem Balron stehen der beide Pranken anhob. Jede einzelne so groß wie sie selbst. Im seltsamen Zwielicht blitzen die scharfen Klauen bedrohlich als die gewaltigen Arme sich in die Höhe gerissen hatten und der Dämon erneut brüllte, dann sausten die Klauen auf sie zu.
In ihren Augen spiegelten sich die scharfen Waffen als jene auf sie hinab sausten und sie hätte weglaufen wollen doch sie konnte nicht. Im letzten Moment als der Balron sie zerrissen hätte...


....schoss sie aus ihren Fellen hoch und hielt sich gleich den Kopf.
Ein Albtraum...es war nur ein Albtraum. Um sich herrum schliefen die Weiber des Clans seelenruhig. Das leise Atmen der Claner verriet ihr, dass sie immernoch dort war wo sie eingeschlafen war.
Hastig hob sie ihr Nachthemd und sah an sich herrab. Sie war unverletzt.
Das war auch irgendwie dumm...es war nur ein Traum. Dennoch war ihr diese Gewissheit wichtig gewesen. Der Traum spukte ihr immernoch in den Gedanken herrum und sie striff sich das Haar aus der feuchten Stirn.
Was träumte sie da nur?...
Etwas zittrig stand sie auf und zog sich an, schlafen würde sie nun eh nicht mehr können. Auf leisen Sohlen schlich sie aus dem Weiberhaus und trat in auf den Hof der Clansfeste.
Ein eisiger Wind zog um die Palisaden und Wände der Häuser und das Gras unter Systra`s Füssen knirschte. Es war kalt, sehr kalt sogar.
Bald würde es schneien.
Sie entschied sich dazu einen Spaziergang zu machen. Die Wälder hatten ihr bissher immer Ruhe vermitteln können.

Ihr Weg führte sie aus dem Clansgelände und langsam in die Umliegenden Wälder. Währenddessen dachte sie über die vergangenen Tage und Wochen nach.

Das Fest von Samhain war nun schon in die Fernen der Vergangenheit gerückt. Es war alles so verlaufen wie geplant und auch die Warnung von Mundgeirr hallte immernoch in ihren Gedanken. Sie hatten sich alle um das große Feuer im Heilligen Hain eingefunden. Es war neblig und düster, man konnte fast körperlich spühren wie das Jenseits ins Diesseits brach und für Systra war es fast so klar vor Augen wie der morgendliche Sonnenaufgang. Es war ein seltsames Gefühl. Das erste Mal nach 19 Sommern hatte sie diesen Tag so erlebt. Überall sah man die Schemen und Geister umher huschen und sie machten sich bereit für das Ritual. Hedwig nahm aufstellung und die Claner setzt sich um das Feuer. Das Rasseln der Schellenkränze in Systras Händen klang fast störend und hell während die schwere Trommel von Hedwig das ganze in dumpfen, dunklen Klang untermalte. Langsam zog schwerer Nebel von den Ufern auf die die Insel umgaben und fluteten die kleine Insel bis sie alle von dem Nebel fast hüfthoch umgeben waren. Nur der Kreis um das Feuer blieb davon verschont und der Gesang der Schamanen nahm einen beinah extatischen Klang an. Wild und aufwühlend riefen sie die Ahnen an ihnen diese Nacht Geleit zu sein.
Doch da war noch mehr..
Die Levathanin. Jene eisige Maid die kalt und erbarmungslos ihre Kälte und ihre Gnadenlosigkeit auf all jene sendete die sie zu fassen bekam. Das Brüllen der See, das Stürmen des Meers. Jene sollte an diesem Tage nicht die Hände nach den Clanern ausstrecken und so hob Systra die Opfergabe weit hinauf. Ein Bündel Fische sollte die Levathanin besänftigen und ihnen ihren Frieden lassen. Systra`s Gesang kam einem Kreischen gleich als sie die Fische in alle Himmelsrichtungen verstreute und jene im Nebel verschwanden der immer wieder Geisterhafte formen annahm. Doch langsam kam eine andere Präsenz dazu. Die Ahnen waren hier. Einige von ihnen. Sie hatten den Ruf gehört und würden sie geleiten. Würden ihnen das Tor zur Zwischenwelt öffenen in der sie sich heute in dieser Nacht treffen würden. Die Ahnengeister verharrten einen Moment am Rand des Feuerkreises, verschwammen und festigten sich wieder ehe sie plötzlich im Kreis umherstoben als habe man in ein Wespennest gestochen und selbst den Nebel in einen Wirbel verwandelten, der sich um den Ritualplatz zog.
Wilder Gesang und schrilles Klirren untermalte die Szenerie zusammen mit dem Tanz der beiden Schamanen die um das Feuer kreisten. Dann, genauso plötzlich, trat wieder ruhe ein. Als habe jemand die Zeit angehalten stoppten die Ahnengeister wieder und sammelten sich über dem Feuer. Das Trommeln der Claner auf ihren Waffen, das Stampfen der Füsse auf dem kalten Boden und die Gesänge hallten weit in die Nacht hinaus. Dann schlossen sich die Geister zusammen und umwirbelten einen Platz direkt vor dem gewaltigen Runenstein des Heilligen Hains. Solange bis sich dort das Portal zur Zwischenwelt bildete. Es war soweit. Sie würden den Weg zu den Ahnen antreten um mit ihnen in dieser Nacht zu feier, zu saufen und zu singen.
Ohne Angst traten die Clans durch das Portal und betraten die Welt die weder Dies- noch Jenseits war. Es war ein Ort der nur an diesem besonderen Tag exsistierte. Die Zwischenwelt. Doch auch hier war es nicht ungefährlich. Sie mussten zusammen bleiben, denn auch Böse Geister hatten sich an diesen Ort gesammelt um die Seelen der Claner zu holen und in die Abgründe der Hölle zu reissen. "Schaut ney zurück, geht immer vorran und bleibt auf den Pfaden die von den Lichtern beschienen werden. Zeigt keine Angst." klangen die Worte der Schamanen deutlich mahnend als sie den Weg zum Festplatz entlang schritten.
Dort angekommen versammelte man sich um das große Feuer, sah sich um und grüsste die Ahnen die sich hier versammelt hatten. Viele waren gekommen um mit ihnen Heute zu feiern. Man tanzte, man trank und as, man erzählte Geschichten und man gab sein Blut den Ahnen. Es war ein gutes Fest gewesen...

Leicht begann es zu nieseln als Systra weiter durch das Dickicht der Wälder stapfte. Immernoch spukten in ihrem Kopf die Gedanken an ihre Albträume. Böse Geister wohl die nach ihren Träumen griffen und sie quälten. Warum nur? Wie konnte sie sich dagegen wehren? Sie wusste es nicht genau. Vielleicht sollte sie einige Traumfänger herstellen...
Sie schüttelte den Kopf und nahm einen moment, gut geschützt unter einen uralten Eiche, auf einem Baumstumpf platz als der Regen stärker einsetzte und resümierte die Geschehnisse der letzten Wochen weiter. Was war da noch?

Trystjarn...
Radulfsohn, Schwert der Bunjam.
Der Gedanke an Trystjarn liess sie schmunzeln. Er hatte das Clansleben ganz schön aufgefrischt, seid Systra ihn damals am Strand gefunden hatte. Damals war er halbtod gewesen und herruntergekommen. Nur seine Statur hatte noch Aufschluss darüber geben können, dass er ein Thyre war. Als er jedoch ein paar gebrochene Worte an sie richtete war dies auch klar.
Sie hatte sich einige Tage um ihn kümmern müssen. Piraten hatten ihn und sein Dorf überfallen und niedergemetzelt. Die Überlebenden hatten sie als Sklaven mit auf ihr Schiff genommen. Trystjarn erzählte nur selten darüber und nie gerne wie es schien. Es war ein Teil seines Lebens den er wohl gerne vergessen wollte. Systra konnte das verstehen.
Nach einiger Zeit ging es ihm besser und er kam schnell wieder zu kräften. Rasiert und in neue Kleider und Felle gehüllt war es fast wie eine Wundersame Wandlung was aus dem abgerissenen Mann wurde. Trystjarn war ein garnicht mal hässlicher Thyrenkerl. Ganz und garnicht, wie Systra fand und sie hatte den Eindruck gehabt, dass das noch mehr Weibern aufgefallen war.

[img]http://img211.imageshack.us/img211/4189/trystjarnue3.jpg[/img]

Etwas besonders Markantes an Trystjarn war wohl seine Einstellung. Ständig sprach er davon sich zu beweisen. Er war kein Mann vieler Worte oder gar schöner. Nein, er war jemand der durch seine Taten überzeugen wollte. Ein Schwert durch und durch. Das machte sich auch bemerkbar in den vielen Stunden in denen sie mit ihm trainierte und übte. Er war wirklich stur wie eine Felsmauer und gab niemals auf. Selbst als er keuchend und japsend am Boden gelegen hatte, musste er noch dreiste Worte an sie richten. Systra imponierte das zwar nicht umbedingt, aber sie fand das süss. Eine Interpretation der Dinge die Trystjarn wohl weniger schön fand. Überhaupt verbrachten die Zwei viel Zeit miteinander. Das schien eigendlich purer Zufall.
Bis...Ja, bis Trystjarn wochenlang mit völlig zerschundenen Händen immer wieder zu ihr kam. Woher er diese ganzen kleinen Schnitte und Schürfungen hatte, konnte sich Systra beim besten Willen nicht erklären. Und was er in Wahrheit tat, daran hatte sie wirklich garnicht gedacht. Ein paar mal hatten sie beide recht intim miteinander gesprochen. Über Ängste, Nöte, Sorgen und was den Anderen bewegte. Für Systra war das Zuhören nichts neues aber das Erzählen-Können das war wie Balsam für ihre Seele, hatte sie doch viel zu selten die Gelegenheit dazu. Es tat gut Trystjarn von den Dingen zu erzählen die sie belasteten. Dinge vor denen sie Angst hatte und Dinge die ihr im Kopf herrum gingen weil sie sie schlicht beschäftigten.
Systra erfuhr, dass Trystjarn schon ein Weib gehabt hatte. Zweiter Segen, hatte er gesagt. Sein Weib hatte den Angriff wohl nicht überlebt, aber eines war klar: Er hatte mehr praktische Erfahrung als sie. Was aber nicht wirklich verwunderlich war.
Eines Abends überreichte Trystjarn ihr etwas. Ein Horn. Aber nicht einfach nur irgendein Horn, nein. Es war das Horn eines Genhis, ein riesiger Stier oder eine Kuh die es wohl auf Ulffstein gegeben hatte. Das Horn war etwas besonderes denn Wulfgarr selbst hatte es erjagt und dem gewaltigen Ungetüm, das einfach alles verschlang was ihm in die Quere kam, abgeschlagen und entrissen. Das Horn war in unheimlich viel Arbeit stilisiert worden. Bildnisse von Thyren und den Vier Großen Totems zierten das gut einen Meter lange Horn, geziert mit Edelsteinsplittern. Das war es also was Trystjarn die ganze Zeit über getan hatte. Und er hatte es nicht aus reiner Gefälligkeit getan nein. Es war eine Aufgabe gewesen. Eine Aufgabe von Leif, ihrem Vormund hier im Clan. Trystjarn hatte um den 1. Segen für Systra gebeten und der Jarl gab seine Schamanin nur ab wenn sich der Thyre wahrlich bewies. Bewiesen hatte sich Trystjarn mit diesem Werk.

Einen Moment überschlugen sich Systra`s Gedanken als sie an diesem Punkt angekommen war und ein zuckender Blitz riss sie wieder in die Realität. Es goss in Strömen und einige Tropfen ronnen aus dem Blätterdach der Eiche auf sie hinab. Es störte sie nicht wirklich. Das Fell und der Wolfsschädel auf ihrem Haupt würden sie weitesgehend trocken halten. Sie zog die Beine auf den Baumstamm und legte die Arme um die Unterschenkel um weiter ihren Gedanken nachzugehen.

Das Handfasting kam ihr als nächstes in den Sinn als sie die Gedanken um Trystjarn für einen Moment schloss.
Es war ein gewaltiges Ereigniss gewesen. Beide Jarle der Clans hatten gleichzeitig Handfasting gehalten. Daran würde man sich noch sehr lange erinnern. Einen gewaltigen Festplatz hatten die Clans in mühevoller Arbeit aufgebaut und mit Zeltdächern überspannt. Man wusste der Herbst würde keine Rücksicht auf diesen großen Tag nehmen.
Die Gästeliste war sehr lang gewesen. Städter, Elfen, Anguren, Waldmenschen, Waldelfen...viele waren gekommen. Sogar der Jarl der Städter war dort gewesen und die Burgler, denen Systra immernoch nicht über den Weg traute.
Die Zeremonie war eine uralte Tradition und Systra kannte sie mittlerweile gut. Hatte sie sich doch schon bei Argos und Evjas Handfasting damit beschäftigen müssen. Die Zeit verronn viel zu schnell. Aus Nachmittag wurde Abend, aus Abend wurde Nacht als die beiden Paare sich endlich küssen durften und das nachfolgende Fest dadurch überschattet wurde, dass viele der Gäste schon wieder Heim mussten. Man versprach die Feier nachzuholen und die verbliebenen Gäste wurden fürstlich verköstigt in dieser Nacht.
Systra war zufrieden gewesen und für die Clans war es ein gutes Omen. Die Jarle hatten endlich ein Weib und würden für Nachwuchs sorgen.

"Und wie sie für Nachwuchs gesorgt hatten" hallte es einen Moment durch ihren Kopf und sie schmunzelte.
An diesem Abend hatte sie Trystjarn auch das erste Mal richtig geküsst. Es war ein seltsames Gefühl. Aber es war schön.
Es war ihr erster Kuss dieser Art den sie einem Kerl schenkte und sie tat es gern. Er gab sich viel Mühe um sie zu werben und sie war sich sicher, dass er mehr als einmal seinen Stolz hatte überwinden müssen um ihr zu imponieren.
Gesungen hatte er für sie. Poesie war nicht unbedingt seine Stärke und Gesang schon garnicht aber der Wille und die Geste alleine zählte und machte doch mehr Eindruck als Trystjarn vermutlich erahnen konnte.

Langsam liess der Regen nach und die Sonne brach sich über den Horizont, den Wald in rot, braun und orange tauchend.
Systra stand wieder auf und trat weiter durch den Wald. Am Rand des Waldes blieb sie stehen und sah auf die Tääler und Berge. Soviel war geschehen.

[img]http://img339.imageshack.us/img339/5309/pic48gn4.jpg[/img]

Soviel hatte sie hier schon erlebt. Soviele Höhen, soviele Tiefen. Soviele Schicksalsschläge.
Ein letztes mal öffnete sie ihre Erinnerungen wieder um darüber nachzudenken.

Yooku...ein Schamane der Urwaldgnome. Die Hinrah hatten den winzige, abgemagerten Mann gefangen genommen gehabt und in ihren Kerker geworfen. Systra und Hedwig hatten den Ureinwohner untersucht. Ein Böser Geist zerfrass langsam seine Seele. Man beriet sich lange was zu tun sei. Bis Hedwig sich entschloss den Bösen Geist aus dem Körper Yookus zu reissen und dem Schamanen eine Chance zu geben zu überleben. Das war nicht ohne Risiko. Weit schon hatte sich der Schwarze Geist in seine Seele gefressen und nicht mehr viel von dem übrig gelassen was er wohl einmal gewesen sein musste. Er hätte dabei sterben können oder schlimmer noch, der Geist hätte von einen von ihnen Besitzergreifen können.
Doch mit viel Mühe und großem Kraftaufwand gelang es den beiden Schamanen den Ureinwohner zu retten und schon schmiedete man neue Pläne.
Falk und Leif wollten den Ureinwohnern helfen. Vergessen waren die Angriff auf die Weiber der Clans und die Aggresion die sie verströmt hatten, nun da man den Ursprung dafür kannte. Hedwig hatte einen Orangen Stein in einer Vision gesehen der vermutlich die Quelle allen Übels darstellte. Es vergang eine Zeit in der sich die Clans auf dieses Unterfangen vorbereiteten.
Sie wussten sie würden nicht mit den Gesamten Clans gehen können, denn die Schamanen, von denen sie nun Drei hatten, konnten nur ein Paar Thyren beschützen vor dem Einfluss der Bösen Geister.
An Viel erinnerte sich Systra nicht mehr. Sie waren zu den Gefährtinnen gegangen, etwas das vielen Clanern nicht unbedingt gefiel aber es war Yookus Volk. Er hatte zu entscheiden. Dort befreiten sie noch eine Ureinwohnerin von einem der Bösen Geister. Wohl Yookus Weib wie sie verstand. Zusammen mit den Gefähtinnen zogen sie dann in den Djungel.
Systra und Hedwig konnten nicht viel tun ausser sich auf den Schutz der Schwerter zu verlassen, denn ihre Aufmerksamkeit und Konzentration lag darauf die Claner und anderen Anwesenden vor dem Dunkel zu beschützen das wie ein schwerer Vorhang über diesem Wald lag. Es war zu greifen spührbar und als sie an den Ruinen ankamen erschlug es Systra fast.
Die Claner und Gefährtinnen verteilten sich um die Ruinen um die drei Schamanen zu beschützen vor allem was dort aus den Urwäldern auftauchen könnte, während die drei, Hedig, Yooku und Systra die Ruinen betraten und die Stufen hinauf schritten.
Eine mächtige Präsenz ging von dem Stein aus der orange glühend auf dem Altar vor ihnen lag. Düstere Kräfte hielten sie erdrückend davon fern. Es wurde Zeit. Zeit dies hier alles zu beenden.
Das Ritual das Yooku leitete um den Fluch von dem Stein zu nehmen zog gerade zu an Systra`s Kräften. Gierend und hungrig schien es nach ihrer Energie zu greifen und sie in sich aufzusaugen.
Das Nächste an das Systra sich erinnern kann ist das sie gegen die Wand gestoßen wurde und dort zusammen sackte, dann Schwärze und ihr Erwachen im Lager der Gefährtinnen.
Der Schrecken als sie Trystjarn fast tod dort liegen sah steckte ihr immernoch in den Knochen...

Und jetzt..als sie diesen Gedanken hatte...da wusste sie warum sie solche Albträume hatte. Trystjarn war fast gestorben an jenem Tag. Viel Glück und Gnade der Geister hatten seinen Lebensfunken in dieser Welt gelassen und Systra war dankbar dafür. Trystjarn war der einzige Kerl der solches Interesse an ihr zeigte.
Trystjarn war....
Er war...
Er war wichtig für Systra. Sehr wichtig sogar. Sie...sie liebte ihn.
Zuletzt geändert von Systra Bunjam am Freitag 23. November 2007, 14:05, insgesamt 1-mal geändert.
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Der Kamin prasselte immernoch mit leisem Knacken und lies den Geruch von verbrannter Tanne und Harz in den Raum schweben. Manchen hätte das gestört, Systra fand den Geruch sehr heimisch. Der Raum wurde durch das Feuer in rotem und goldenem Licht erhellt und wärmte jenen auf angenehme Art und Weise. Die Felle unter denen Systra lag wurden von dem Mann gewärmt der direkt neben ihr lag und dessen Hand wie immer auf ihrer Brust lag.
Sie wand den Blick zur Seite und lächelte versonnen. Natürlich hatte Trystjarn den Mund aufgesperrt und schnarchte laut, aber sie hätte sich Sorgen gemacht währe das nicht so und es störte sie auch nicht wirklich.
Dieser dumme Kerl...wie konnte ein einziger Mensch sie nur derart glücklich machen? Und das noch obwohl sie ihn am liebsten manchmal würgen wollte?
Aber das Gefühl wie er da neben ihr lag, wie sie seinen warmen, starken Körper an ihrem spührte das war unbeschreiblich.
Er hatte ihr Dinge gezeigt von denen sie nichtmal geahnt hätte das es sie gibt oder das ihr Körper fähig war solche Emotionen, solche Impulse in ihren Verstand zu senden. Dinge die nur sie beide teilten, dinge die nur für sie beide bestimmt waren und von denen niemand anders etwas wissen musste.
In der Zweisamkeit die sie verbrachten war Trystjarn ganz anders. So sanft, so zärtlich, so liebevoll, so verständnisvoll...er nahm soviel Rücksicht auf sie wo sie doch soviel Angst davor gehabt hatte.
Es war ein wenig absurd gewesen, dass gerade sie - die Schamanin - Angst davor gehabt hatte, gerade auch weil sie in der Theorie gewusst hatte was auf sie zukommen würde. Dennoch hatte sie das nicht abstellen können. Sie war eben auch ein Weib und ein noch recht junges dazu.
Aber Trystjarn hatte seine Liebe zu ihr wahrlich bewiesen. Es war wunderschön gewesen und sie beide hatten einen Moment erlebt den Systra vermutlich ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen würde.

Wieder überzog ein Lächeln Sys Gesicht. Er war ein wundervoller Mann.
Sie würden im Frühjahr handfasten. Das stand fest. Alleine die Traditionen geboten das schon, aber Systra hätte sich ihm auch so schenken wollen. Sie hoffte inständig die Ahnen und Geister würden ihre Wahl annehmen und sie hatte sich nicht getäuscht. Aber immer wenn sie diesen Gedanken hatte kannte sie die Antwort gleich darauf schon.
Es war unmöglich das Trystjarn nicht derjenige war der für sie war. Ihre zweite Hälfte. Mit ihm war sie vollständig. Mit ihm war sie ein vollständiger Mensch. Mit ihm wurde ihr Sein endlich vollkommen.
Sanft kuschelte sie sich wieder in seine starken Arme und schloss die Augen. Es gab soviel zu tun...

Die Ausbildung nahm nun eine gänzlich andere Etappe an als sie sich das gedacht hatte. Mundgeirr bereitete Hedwig und sie darauf vor selbst Schüler unterrichten zu können. Ihr Wissen weiter zu geben und die Linie der Schamanen zu erhalten. Es war für Systra ein merkwürdiges Gefühl und ein seltsamer Gedanke - war sie doch noch so jung.
Die Prüfungen die sie nun bekamen waren auch sehr viel defiziler als vorher noch. Systra spührte deutlich das die Ausbildung langsam zu einer sehr ernsthaften Sache wurde die viel ihrer Aufmerksamkeit bedurfte und mit der sie sich mit Elan und Fleiss auseinandersetzen musste.
Die Aufgabe die sie im Moment hatte war für sie besonders schwierig.

Sie sollte die Ritualwerkzeuge der Schamanen erklären können.
Was ist ein Athame?
Was ist ein Bodrah?
Was sind Runen?
Wozu sind Kerzen gut?
Wozu sind Pulver und Kräuter zu gebrauchen?
Was symbolisieren die Farben?
Wozu gibt man Tieropfer?
Welche Opfer kann man sonst noch geben?

Es war ein sehr umfangreiches Thema mit dem Systra sich da auseinander setzen musste. Wobei es nicht von der Hand zu weisen war, wie wichtig dieses Thema war. Die Rituale waren ein essenzieller Bestandteil der Macht eines Schamanen. Jeder Schamane hatte damit umgehen zu können, die Risiken zu kennen und durfte sich keine Fehler erlauben. Rituale waren die mächtigste Form ihrer Kräfte und in großen Ritualen konnte man gewaltige Mächte herraufbeschwören.
Daher war es unabdingbar jede Komponente zu kennen.
Vorbereitung - Durchführung - Danken.
Das waren die Schritte die es einzuhalten galt. Etwas das jedes Ritual gleich hatte, wenngleich niemals Eines dem Anderen glich.
Ja..sie würde sich damit auseinandersetzen müssen und das würde sie auch tun.
Aber für heute da flüchtete sie sich in die liebenden Arme ihres Kerls und nahm sich ihren wohlverdienten Schlaf....
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Viel Zeit...sehr viel Zeit war vergangen seitdem Systra das letzte mal ihre Gedanken ordnete. Zuviel tat sich im Moment um das sie sich kümmern musste, was ihrer Aufmerksamkeit bedürfte.

In einer klaren Nacht schlich sich Systra wieder aus den wärmenden Fellen. Neben ihr hatte Trystjarn geschlafen den sie nicht wecken wollte und der wohl auch in seinem Schnarchen nicht mitbekam wie sich die schlanke Gestalt der hochgewachsene Thyrin von ihm löste und sich langsam durch das Zimmer schlich. Sie griff nach ihrer leichten Kleidung und striff sich jene über. Dann öffnete und schloss sie die Tür des Zimmers leise und tapste auf nackten Füssen, nur auf den Zehenspitzen laufend, in die gewaltige Halle Wulfgards. Die Feuer brennten dort immernoch unaufhörlich und liessen ein warmes rötliches Licht in der Halle scheinen. Der Geruch von verbranntem Nadelholz erfüllte die Luft auf eine so gewohnte Weise, dass es Systra einen Moment inne halten liess und sie fast körperlich spührte wie sie dieses Heimatgefühl empfand.
Lange schon lebten sie nun hier in Wulfgard.

Der stolzen und gewaltigen Festung des Clan Bunjam. Jener Clan der sich aus ein paar wenigen Flüchtlingen gebildetet hatte und nun der Pfeiler des Tiefländischen Volkes darstellte.Gewaltige Palisaden schützen die Bewohner und die schweren Eichenhölzer die vermutlich schon vor ihrer verbauung in die Festung ein Jahrhundert gesehen hatten würden auch eine schwere Belagerung lange genug standhalten. Ja, ihre Festung war aus Holz, doch auch Holz konnte eine Standfestigkeit erlangen, die selbst Steinbauten sich manchmal wünschten.

Ihr Weg führte sie die Treppen hinab und einmal quer durch die Gewaltige Halle. Im Hintergrund sah sie die vier großen Thröne, von dem einer besonders prunkvoll mit Fellen und Leder ausgestattet war. Der Thron des Jarls. Der Thron ihres Mannes, Trystjarn. Er war nie glücklich darüber gewesen die Bunjam leiten zu müssen und Leif`s und Kadlin`s Tod hatte den Clan schwer getroffen. Doch die Thyren hatten gelernt weiter zu machen. Schicksalsschläge mussten schnell wieder aufgefangen werden und neue Ordung geformt. Dies war überhaupt der Grund warum ihr Volk immernoch überlebte.
Sie erinnerte sich kurz daran wie sehr sich Trystjarn geweigert hatte den Platz auf eben diesem Thron einzunehmen, obwohl ihn der Clan einstimmig zum Jarl ernannt hatte. Er schien innerlich zu fürchten Sarolf, Leif`s Sohn, sein Erbe steitig zu machen. Systra konnte das durchaus verstehen, doch es würde noch mindestens ein Jahrzehnt dauern bis Sarolf überhaupt in der Lage sein würde, den Clan als Sohn des Leifs zu führen. Bis dahin brauchten die Bunjam einen Anführer und niemand war besser geeignet gewesen als Trystjarn.

Dennoch...sie hielt inne und wand sich um. Die nackten Füsse in die weichen Felle am Boden grabend sah sie nun länger zu den Thrönen.
Trystjarns Verantwortung lag schwer auf seinen Schultern. Er tat sich so schrecklich schwer mit alledem. Er machte sich ständig Sorgen und manchmal musste sich Systra fragen, was mit dem Mann passiert war in den sie sich vor all den Jahren verliebt hatte. Damals war er ganz anders gewesen als Heute. Er war unbeschwerter gewesen, hatte mehr Zeit gehabt Unfug mit ihr und den anderen zu treiben. Heute sah man ihn nurnoch selten zusammen mit den anderen in der Halle sitzen um einfach nur einen gemütlichen Abend zu verbringen.
Systra wusste um seine Qual. Er wollte das nicht, war nicht dazu ausgebildet worden und war tief im Inneren immernoch von der Furcht gepackt die er davor hatte irgendwann diesen Posten wieder zu räumen.
Oder besser: Die Angst davor Sarolf sein Erbe zu verweigern.
Aber was in zehn Jahren sein würde, das war selbst für Systra schwer zu sagen und die Geister würden ihr solche Dinge nicht Grundlos zeigen.

"Trystjarn..." seufzte sie einmal tief und wand sich nun um. Ihren Weg fortsetzend stieg sie wieder die Stufen hinauf die zu den beiden großen Toren der Halle führten. Eines davon schob sie auf und schlüpfte hinaus. Die kühle Nachtluft dieser Frühlingsnacht blies ihr um die nackten Arme, die Knöchel und das Gesicht. Ihr Haar hatte sie nun offen und es wirbelte ein wenig hinter ihrem Rücken im Wind umher.
Sie blieb einen Moment stehen und liess den Blick über den Hof gleiten.

Links und Rechts von ihr thronten die gewaltigen Statuen eines Wolfes. Das Wahrzeichen Wulfgards. Diese Statuen schienen mit ihren großen Augen jeden zu beäugen der auf die große Halle zuging und die Gastfreundschaft der Thyren herrausfordern wollte. Eindrucksvoll und nicht minder einschüchternd. Doch Systra verspührte diese Gefühle beim Anblick dieser Statuen schon lange nicht mehr. Sie selbst hatte gesehen wie sie geformt worden waren. Wie sie gebaut wurden und an ihrem Platz angebracht. Dennoch wusste sie, dass ihnen Geister inne wohnten. Durch ihr Alter jedoch immernoch sehr schwache Domänengeister die diese Statuen zu beseelen schienen. Die Claner wussten davon natürlich nichts und sie hatte auch keinen Grund ihnen diese Details mitzuteilen. Vielleicht irgendwann einmal, wenn es wichtig werden könnte.

Im Hintergrund sah sie fahle Lichter in den Fenstern der Zimmer der anderen Claner. Rechts von ihr Lidwina unten und Runa oben. Die Kamine brannten wohl noch, da es Nachts immernoch recht kühl wurde. Sicherlich würden die beiden Frauen tief und fest schlafen, es war schon sehr spät. Die Zimmer zu ihrer Linken waren immernoch leer, darunter die Stallungen aus denen Systra ab und an das Wiehern und Scharren der gewaltigen Kaltblüter hören konnte. Jene riesigen Pferde die sie vor langer Zeit als Wildpferde in den Wäldern gefunden hatten und nun im heiligen Hain züchteten. Vollmond - Ihre Stute - würde wohl auch einen verdienten Schlaf schlafen.
Letztlich zog sich ihr Blick auf das gewaltige, bollwerkartige Haupttor der Festung. Wer davor stand würde sicherlich den Eindruck nicht abschütteln können vor einem unüberwindbaren Hinderniss zu stehen. Viele Meter erhoben sich die Palisadenartigen Bauten mit den dicken Holzwänden und den drei Stockwerken in die Höhe und standen wachend für den höchsten Punkt der Festung. Hier würden Armeen gegen branden wie Wellen auf Klippen, da war sich Systra sicher.

Mit einem tiefen Druchatmen trat sie ihren Weg die breiten Stufen zur Halle hinab. Sie spührte die Kälte an ihren Füssen kaum noch. Irgendwann hatte sie sich einfach daran gewöhnt und sie war sich sehr sicher, dass sich nicht nur ihr Auge mit der Zeit und der Macht die sie erhalten hatte geändert hatte. Es war ein wenig seltsam, doch sie fühlte sich irgendwie nicht am Boden wenn ihre Zehen den Boden, das Gras oder die Erde nicht direkt berühren konnten. Sicherlich fragten sich einige Claner was diese seltsame Angewohnheit der Schamanin sollte, aber niemand fragte danach. Irgendwie war das auch gut so.
Sie fühlte sich seltsam entrückt...

Im Hof stehend fixierte sie den Turm zu ihrer Linken und der Blick im Diesseits starb für ihre Wahrnehmung. Ihre Augen verloren den Glanz des Lebens, wurden trüb, kalt, leblos gar und man hätte sie sicherlich für eine Leiche halten können, wenn der restliche Körper der schönen, aber untypischen Thyrin nicht weiterhin ihr Leben signalisierte.
Ihre Lippen öffneten sich und formten einen langen, zarten, weichen Ton der sich durch den Wind trug und unterschwellig weiter und weiter fort wand. Während sie sah wie sich aus der Luft eine winzige Gestalt materialisierte. Sie sah den Geist mit ihrem anderen Auge sehr gut und die Festung erglühte förmlich in pulsierndem Leben, was alles noch viel unwirklicher erscheinen liess, als sie es sowieso schon wahrnahm.
Nebelschwaden, graue Bauten, Graslose Ebenen die nur durch den seltsamen gestaltartigen Nebel noch abgezeichnet wurden. Und überall in dieser seltsamen Welt, die sie selbst das Jenseits - die Welt der Geister - nannte konnte sie die seltsamen Schemen von Gestalten sehen. Klein, groß, dick, dünn, teils seltsam geformt oder gar entstellt, teils so körperlos, dass sie nicht mehr als ein Leuchten waren. Das war der Blick der Schamanen.
Die kleine Lichtgestalt die sie gerufen hatte umschwärmte sie einen Moment ehe sie ohne ein Wort in ihre Brust schoss und Systra einen kurzen, heftigen Puls von Macht spührte der ihren Körper umfloss. Dann kam das, was sie an dieser Art der schamanischen Macht am meisten hasste. Das ekelhafte Gefühl von berstenden Knochen die sich in neuer Form zusammen fügten, wie sich ihr Fleisch verschob und ihre Haut langsam durch Federn überflutet wurde. Es war ein Gefühl als müsse man die Geburt nochmals neu durchleben ehe sie in ihrer neuen Gestalt auf dem Hof stand und einmal die gewaltigen Schwingen öffnete.

Das Fliegen war ihr immer sehr leicht gefallen und sie hatte es beinah instinktiv gelernt. Es war seltsam gewesen, dass sie selbst solche Dinge, die ein Wesen wie ein Adler eigendlich von Geburt an können sollte, lernen musste. Doch es hatte nicht lange gedauert und sie hatte sich auch daran gewöhnt, die Luftströmungen zu lesen um ihre Schwingen darüber gleiten zu lassen.
Jetzt schlug sie ein paar mal mit den Schwingen und schwang sich in die Luft um steil hinauf zu schiessen und die Festung unter sich erstmal kleiner werden zu lassen. Von Oben sah die Festung immernoch eindrucksvoll aus. Gewaltig ragte das große Areal Wulfgards an der Bergkette inmitten der Tiefländischen Wäldern auf der Insel Lameriasts.
Sie kreiste einmal darüber ehe sie dann den eben fixierten Turm ansteuerte und darauf nieder schoss.
Auf den hölzernen Schindeln bekamen ihre Krallen an den Füssen halt und sie schlug nochmals mit den Flügeln um ihren Stand zu festigen, ehe sie den Kopf nach draussen wand. Ihre Adleraugen sahen weit über die Ebenen. Die Wälder lagen in tiefer Finsterniss, die sie jedoch nur erahnen konnte, da es für sie keine Dunkelheit mehr gab. Alles in der Welt schien irgendeine Art von Energie abzustrahlen und gerade in den Nächten wurde dies für sie um so mehr spührbar. Die Wälder für sie wurden erleuchtet durch Geisterhaftes Glimmen. Ein Leuchten das beinah bedrohlich wirken konnte.

Mit einem inneren Resignieren liess sie ihre Gestalt wieder fallen und erneut brachen ihre Knochen und ihr Fleisch verformte sich von neuem.
Dann, nachdem ihre Verwandlung abgeschlossen war, saß sie in ihrer menschlichen Gestalt auf dem Dach und zog die Beine etwas näher an sich. Die Füsse auf die Schindeln stellend umschlang sie ihre Unterschenkel mit den Armen und bettete das Kinn auf die Knie. Der Wind zog hier, hoch oben, besonders intensiv um ihre Gestalt und liess ihr Haar wild umher wehen. Der kalte Wind jedoch liess sie nur kurz schaudern und eine leichte Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen.
Ihr Blick war wieder normal, jedenfalls so normal er noch sein konnte.
Auch mit ihr war viel passiert, seitdem sie sich das letzte Mal solch einen Moment gegönnt hatte.

Was sie immernoch schmerzte, obwohl sie es vor niemandem Zugab, war der Verlust von Mundgeirr. Er hatte sie durch ihre letzte größte Prüfung der Ahnen geleitet und sie hatte das Wohlwollen der Elementarherren der Zerstörung erhalten. Aber Mundgeirr war fort. Sie hatte den alten Thyren seid ihrer Prüfung zur Geisterruferin nicht mehr gesehen und sie bedauerte es sehr, sich nicht gebührlich von ihm verabschiedet zu haben, als sie die Gelegenheit gehabt hatte.
Mundgeirr war tod und er hatte seinen Weg nach Anundraf, der Halle der Ahnen gefunden. Sicherlich würde er immernoch ein Auge auf seine einstmalige Schülerin haben, doch der Rat und das alte, faltengezeichnete Gesicht des Thyren würde ihr sehr fehlen. Das Mundgeirr nicht mehr da war um ihr zu helfen hatte ihr eine Sache sehr deutlich gemacht:
Nachdem sie nun selbst eine Stimme der Ahnen war, war sie auf sich alleine gestellt. Niemand würde ihr mehr helfen, ausser den Geistern und Ahnen selbst. Sie war nun selbst eine Person bei der andere Rat suchten, so wie sie es einst bei Mundgeirr getan hatte. Aber sie war noch so jung.
Manchmal verstand sie Trystjarn besser als er glaubte. Die Verantwortung die auf ihren schmalen Schultern lag, schien sie manchmal zu erdrücken und nur ihr Stolz hielt sie aufrecht. Sie hatte den Tod ihres Freund und Mentors betrauert, doch sie fand einfach nicht den richtigen Weg ihn auch aus ihren Gedanken als großen Verlust zu tilgen. Vielleicht würde das einfach Zeit brauchen. Mundgeirr war sowas wie ihr Ersatzvater gewesen und sie war sich sicher: Währe er fünfzig Jahre jünger gewesen und sie nicht schon mit Trystjarn vereint...sie hätte den Thyren lieben können. In gewisser Weise tat sie das auch, doch nicht wie ein Weib einen Kerl liebte, sondern wie eine Tochter ihren Vater liebte. Es war eine warmherzige Liebe, fernab jeden Begehrens. Das war ihr klar.

Jenes Begehren empfand sie nur bei Trystjarn und dort um so stärker.
Sie fühlte sich so seltsam..so unwirklich..und so grausam entrückt, seid sie eine Stimme der Ahnen war. Sie konnte fühlen, dass die Macht die sie erlangt hatte sie begann zu verändern. Ihren Blick veränderte und noch intensiver machte und um so intensiver jener wurde um so schwerer war es mit den Gedanken und den übrigen Sinnen in der Realität zu bleiben. Ihr Körper tat Sachen die ein normaler Mensch sicherlich als eigenartig oder gar abstoßend empfinden musste. Manchmal musste sie sich fragen, wie Trystjarn es schaffte all diese Dinge an ihr einfach zu übersehen und sie dennoch zu lieben und in den Fellen solch ein leidenschaftlicher Liebhaber zu sein, wo er sie in ihren teils groteken Formen sah. Ihre Augen die jedem Betrachter ein kaltes Schauern über den Rücken gleiten lassen konnten.
Das sie Hitze und Kälte nicht mehr so intensiv empfand wie früher war für sie noch ein weiteres Indiz, dass sie sich verändert hatte. Hitze spührte sie immernoch als unangenehm und sie währe sicherlich nicht auf die Idee gekommen durch Flammen zu wandeln - wobei sie dies auch schon getan hatte - aber dennoch schienen ihr solche Umwelteinflüsse nicht mehr viel anhaben zu können. Bei Kälte merkte sie es besonders stark.
Das sie, seid der Schnee geschmolzen war, fast garkeine Schuhe mehr trug war für sie so natürlich geworden, dass es ihr seltsam vorkam ihre schuppenbewehrten Stiefel überhaupt noch anzuziehen. Das Gras und der Boden mussten eigendlich immernoch unangenehm kühl sein, doch sie fühlte es nur als etwas, dass ihr Verstand wusste, ihre Sinne ihr aber nicht wiedergaben.
Das brachte ihr gleich mehrere Probleme...
Sie begann ihr Gefühl und ihren Sinn für sinnvolle und zweckmässige Kleidung zu verlieren. Natürlich zwang sich ihr Verstand zu logischem Handeln doch das gelang ihr nicht immer. Beruhigend allerdings waren die Gedanken an die Traditionen hier, denn das gab ihr einen ganz anderen Grund sich diesen seltsamen Empfindungen nicht hinzugeben. Musste sie fast fürchten irgendwann gänzlich auf Kleider verzichten zu wollen, so wie es sich bereits an ihren Füssen gezeigt hatte. Dies würde glücklicherweise nicht passieren und ihre Probleme diesbezüglich in einem Rahmen halten, den die anderen Claner höchsten als exzentrisch betrachten würden.

Überhaupt mussten sie nicht wissen, was in ihrer Schamanin so vorging. Auch wenn Systra oft den Wunsch verspührte sich irgendjemandem zu öffnen, so musste sie einfach glauben, dass sie niemand verstehen würde und sie dadurch nur noch seltsamer würde. Runa würde ihr sicherlich zuhören, vielleicht sogar in Ansätzen begreifen - die Bäuerin war nicht dumm und hatte eine gute Auffassungsgabe. Dennoch waren dies Dinge die man nicht ganz fassen konnte, wenn man sie nicht selbst erlebte.

Träume plagten sie in letzter Zeit. Träume die immer wieder kehrten und ihr aufzeigten, was sie zu tun hatte, wenn sie jene deutete.
Eben diese Träume, die sie Trystjarn bereits erzählt hatte, hatten genau mit diesem zu tun. Wolf und die Ahnen schienen einen weiteren Plan zu verfolgen und sie - als Stimme der Ahnen - sollte wohl die ausführende Kraft hinter alle dem sein.
Trystjarn sollte ein Einherja werden. Ein Wolfskrieger. Einer der mächtigsten thyrischen Krieger die die Tiefländer kannten. Sie waren eng mit ihrem Totem verbunden und Wolf sah sie als einer der Seinen an. Sie hatten große Kraft, auch wenn sie sicherlich nicht an die spirituelle Macht eines Schamanen herran reichten, so vereinten sie doch Glauben, Traditionen, Ehre und den Willen Wolfs selbst in sich, zusammen mit einer gleißenden Klinge die sie wie keine Zweiten führten.
Sie hatte viel zu tun. Trystjarn musste lernen was ein Einherja wissen musste und vor allem musste er es schaffen seinen Berserker zu besiegen, ihn zu bezwingen und ihn sich dienlich zu machen. Das war wohl die schwierigste aller Aufgaben für den gestandenen Thyren.

"Sein Berserker..." kalte Angst umgriff Systra einen Moment wie der Wind der ihr eigendlich Schauer über den Körper hätte fahren lassen müssen. Selten sah man solch machtvolle Berserker in den Herzen der Thyren und Trystjarn hatte den gefährlichsten und stärksten den sie kannten. Eine Kraft die ihn so in Rage brachte, das er alles vergass. Einfach nurnoch töten wollte, zerreissen, zerfleischen, zerfetzen. Ohne Reue, ohne Skrupel, ohne Schmerz.
Immernoch liess es in Systra die Tränen in die Augen schiessen, als sie sich daran erinnerte wie sie ihre Macht hatte bündeln müssen um Trystjarn aufzuhalten, als sie seinen Berserker an die Oberfläche geholt hatte. Sie hatte damit gerechnet, doch innerlich gehofft es müsste nicht so weit kommen. Sie hatte sich fatal geirrt. Es erzeugte in ihrem Herzen einen heftigen Schmerz wenn sie die Bilder wieder vor ihre Augen rief.

Ein Trystjarn den man als solchen kaum noch erkennen konnte. Geifernd nach dem Blut derer die ihn umzingelten. Er hätte sogar Systra in Stücke reissen wollen, obwohl er sie ohne Zweifel über alle Maßen liebte. Das Bild wie sie ihren gewaltigen, zerstörerischen Kettenblitz beschwor und auf ihn schleuderte liess sie einfach nicht los und verfolgte sie sogar noch in ihren Träumen. Wie er durch die Luft geschossen war, katapultiert von dem Blitz , und in der Wand gelandet war und dann auf den Tisch.
Blitze zuckten immernoch wie kleine Spinnen von seinem Körper fort und entluden sich knisternd, während die Statik in der Luft die Häärchen an Armen und Beinen aufrichten liess. Dies war die gewaltige Macht die Systra durch die Große Banshee erhalten hatte. Blitze zu beschwören die wahre Zerstörung brachten und die Wunden die Trystjarn davon trug waren nicht die leichtesten.
Natürlich hatte sie sich gleich daran gemacht ihn zu heilen, dennoch...

Sie fühlte sich schuldig. Sie hatte ihn dazu getrieben. Natürlich nicht grundlos aber vielleicht hätte sie ihn besser vorbereiten müssen...
Vielleicht hätte sie...
Nein.
Das war alles Unsinn. Sie hatte genau das getan was sie tun musste. Sie durfte in solchen Momenten nicht daran denken, dass sie ein liebendes Weib war. Sie war eine Schamanin, eine Stimme der Ahnen, die Verantwortung trug. Auch das gehörte dazu. Trystjarn hatte etwas wichtiges lernen müssen und er würde noch viel mehr lernen müssen, bis ihn die Ahnen in der Nacht der Wölfe prüfen würden und er zum Einherja würde.

Langsam erhob sie sich aus ihrer kauernden Position und ihre blanken Füsse fanden guten Halt auf den schrägen Holzschindeln. Vor ihr ging der Turm gute zwanzig Meter in die Tiefe und um sie herrum nur Wald, Gebirge und ein schlafendes Wulfgard. Es war seltsam friedlich.
Kaum das sie sich erhoben hatte und eine Hand an die Stirn gelegt um das Haar aus ihren Augen zu halten, sah sie wie etwas über das Dach langsam zu ihr kam.
Eine geisterhafte Gestalt, die in der Nacht geradezu zu leuchten schien. Sie hatte die Form eines zotteligen Wolfes mit viel zu großen Reißzähnen die aus dem Maul klafften. Die Augen glühten grünlich und die umrisse wirkten eher weißlich und neblig.
"Wulfgard..was tust du hier?" fragte Systra den mächtigen Hausgeist der die Festung beseelte. Der Geisterwolf trat neben sie und setzte sich auf seine Hinterläufe. Die Zunge hing aus seinem Maul als würde er hecheln, doch man hörte nichts davon. Dann sah auch Wulfgard hinaus in die Ferne.
"Ich wusste das du hier bist, Schamanin. Ich spühre deine Unruhe, so wie ich die Stimmen deiner Claner in ihren Träumen hören kann. Der Alp scheint heute ruhig zu sein und so habe ich Zeit mit dir zu reden." antwortete Wulfgard.
Systra nickte leicht und sah kurz auf den Hausgeist nieder, mit dem sie schon oft Worte gewechselt hatte. Er wusste alles was sich in der Festung der Bunjam tat. Er war die wachende Seele die diese Festung zu etwas besonderem machte. Dann gingen ihre Augen wieder hinaus auf die Wälder, die in ihrem seltsam, gespenstischem glühen leuchteten.
"Ich habe Angst, Wulfgard."
"Wovor? Dein Weg ist doch längst vorbestimmt oder nicht, Schamanin?"
"Ich bin mir nicht sicher...vielleicht...ach davon verstehst du ja doch nichts..."
Systra musste schmunzeln, denn unrecht hatte sie sicher nicht. Der Hausgeist verliess Wulfgard, die Festung, niemals. Er kannte nur diesen Ort denn er war an ihn gebunden.

Der Hausgeist sah einen Moment zu ihr auf und sie hatte das Gefühl er würde grinsen, ehe er gemächlich nickte.
"Willst du etwas wissen? Wo ich schonmal hier bin? Oder dir einfach Gesellschaft leisten?"
"Gesellschaft währe schön...bleib nur, Wulfgard. Es ist eine herrliche Nacht heute..nicht wahr? Ruhig und friedlich, obwohl soviel ausserhalb dieser Mauern passiert."

Wieder nickte der Hausgeist gemächlich und legte sich auf den Schindeln lang, auf denen Systra immernoch stand. Der Wind peitschte um ihre Erscheinung und liess die leichte Kleidung, wie auch ihr Haar, wild umher wehen und flattern.
Eine Weile lang blieben sie so bei einander. Wulfgard lag zu ihrer Rechten während sie einfach hinaus blickte und den Kopf versuchte für den Moment einfach frei zu bekommen. Nichts denken. Keine Sorgen. Keine Ängste.
"Gibt es nicht etwas, das deine Unruhe lindern würde, Schamanin?" sprach Wulfgard wissend und blieb in seiner Pose verharrend, die Schnautze auf den Vorderpfoten gelegt, doch die grünlichen Augen sahen zu ihr auf wie sie wusste.

Kaum ausgesprochen kam Systra tatsächlich genau das in den Sinn worauf der Hausgeist ansprach. Sie hatte sehr lange darauf gewartet und schon fast hatte sie befürchten müssen sie und Trystjarn währen einfach nicht dazu fähig. Doch sie wurde von den Ahnen und Geistern für ihre Geduld und ihren tiefen Glauben, dass sie beide füreinander bestimmt waren, belohnt.
Sie war schwanger.
Ein Kind wuchs unter ihrem Herzen langsam in ihr herran. Sie hatte es sehr früh gespührt. Sehr viel früher als selbst der beste Medizinmann es hätte sagen können. Doch ihre Kräfte als Schamanin liessen selten Zweifel zu, nur deutung dessen was sie empfand. Dieses Kind, dieser Welpe, war etwas das sie sich seid ihrer jüngsten Kindheit gewünscht hatte. Es war etwas das sie wie nichts anderes auf der Welt wollte und nun endlich hatte man ihr dieses Geschenk gemacht. Lange hatte sie dafür Arbeiten müssen, all die Prüfungen überstehen und selbst die Dame im Wind hatte gewusst, dass sie erst die Prüfungen ablegen musste, bevor es möglich währe.

Manchmal hatte sie dieser Tage Träume. Sie träumte von einer Zeit weit in der Zukunft. Sie sah sich in Wulfgard sitzen und Welpen beim Spielen zusehen. Doch das Kind, dass sie zwar nicht erkennen konnte oder sich nicht mehr daran erinnerte wenn sie erwachte, was dort spielte hielt kein Holzschwert in der Hand. Schien nicht übermässig zu raufen. Nein...
Sie gestand es sich selbst noch nicht ein, es war einfach zu früh, doch sie glaubte erahnt zu haben - gesehen zu haben - was dort unter ihrem Herzen herran wuchs. Sie hoffte nur, Trystjarn würde es nicht enttäuschen. Sicherlich würde er lieber einen Sohn haben. Aber sie war sich auch sicher, dass er ein liebevoller Vater sein würde.

"Ja, du hast recht, Wulfgard. Etwas das mich zurück aus meiner entrückten Exsistenz zieht. Etwas das mich wieder normal sein lässt...das meinst du doch oder?"
Wulfgard erhob sich wieder und tapste auf den Pfoten zum Rand des Turmdaches, dann warf er den Kopf zurück und sah Systra an.
"Ja, genau das meine ich. Geh zur Ruhe, Schamanin. Ich wache auch alleine sehr gut über dieses Haus. Das ist mein Exsistenzzweck."
Damit sprang der Geisterwolf von dem Dach und war verschwunden.
Recht hatte er. Bald schon würde die Sonne wieder aufgehen und sie sollte wirklich noch etwas schlafen. Morgen Früh würde ihr sicherlich wieder grauenvoll schlecht sein und das Frühstück würde vermutlich doch nur wieder in Gebüschen oder auf dem Donnerbalken oder in Eimern landen. Aber so war das nunmal...

Sie tapste zurück, sodass sie von dem Dach aus den Innenhof der Festung sehen konnte und atmete einmal tief durch. Ihren Blick einen Moment lang wieder in das Jenseits richtend und eine sanfte Melodie singend, deren Worte alt und von vielen längst vergessen waren, hallte durch das Areal als sie sich mit ausgebreiteten Armen einfach vom Dach stürzen liess. Der Zugwind flatterte um ihre Gestalt und sie drehte sich einmal in der Luft, sodass sie mit dem Rücken vorran fiel, während sich am Boden Feuer, Wasser, Luft und Erde gleichzeitig zusammen brauten und einen kleinen Wirbelwind formten ehe sie in den unmenschlichen Armen des Wächtergeistes landete den sie beschworen hatte.
Jene gewaltige Kreatur unglaublicher Kraft die sie oft in ihren Kämpfen einsetzte und die ihr seid der Prüfung der Ahnen oft ein Begleiter war.
Der Wächtergeist setzte die Schamanin wieder auf die Füsse ab und besah sie aus seinem zuglosen Gesicht einen Moment lang.

Systra lächelte ihm knapp zu und entliess ihn wieder mit einem leichten Handwinken und einem dankenden Nicken. Dann huschte sie zurück in die wärmende Festung...
Systra Bunjam

Beitrag von Systra Bunjam »

Sonya

Irgendwann...irgendwann musste dieser Tag kommen.
Ja, irgendwann musste er kommen. Dennoch hätte Systra sich dies alles irgendwie anders vorgestellt. Seltsam eigendlich, denn sie
hatte selbst unzählige Male dabei zugesehen. Hatte selbst dafür gesorgt, dass Kind und Mutter gesund und bei Leben blieben. Sie war eine Medizinfrau bevor sie überhaupt daran gedacht hatte Schamanin zu werden. Dennoch war es etwas völlig anderes selbst so hilflos auf den Fellen zu liegen..es war alles ganz anders...

Systra`s Tag hatte angefangen wie viele der Tage in den letzten Wochen. Ein einziges langweiliges Dahinsiechen. Sie konnte in ihrer Verfassung nicht mehr wirklich viel tun, an Arbeit war garnicht zu denken. Sie war schon froh gewesen wenn sie überhaupt ein wenig umher spazieren konnte.Der dicke Bauch den sie vor sich hertrug war kaum zu übersehen, ebenso wie die enormen Brüste die sie mit der Schwangerschaft
bekommen hatte. Dreimal hatte sie ihre Kleider umnähen müssen, damit sie überhaupt hinein passte und dann hatte sie doch auf andere Kleidung wechseln müssen, die so garnichts mit ihrer Kultur zu tun hatten, sondern schlicht und einfach bequem in ihrem Zustand waren.
Ein wenig kam sie sich zum Teil wirklich so vor als wenn sie krank währe und nicht schwanger, aber auf der anderen Seite war es auch schön zu sehen wie dieses kleine Wesen in ihr herranwuchs und gedieh. Trystjarn war wunderbar gewesen, die ganze Zeit über.

Natürlich war er immernoch Trystjarn und manchmal so sensibel wie ein Klotz Holzkohle. Aber das war immerhin der Mann den sie liebte. Es hätte garnicht anders sein sollen.Den ganzen Tag über fühlte sie sich schon nicht ganz so gut und sie hatte die Schmerzen im Unterleib mehr oder minder ignoriert auch wenn die Medizinfrau in ihr längst gewusst hatte, was eigendlich los war. Vielleicht hatte sie einfach Angst. Der Tag auf den
sie seid so langer Zeit nun wartete schien endlich da zu sein und ebenso die Gefahr die er barg.

Es wurde langsam Abend und die Schmerzen wurden schlimmer und schlimmer. Es war ziemlich klar was los war und für Systra auch unmöglich das noch länger vor den Anderen geheim zu halten. Trystjarn hatte sie beinah über`s Knie legen wollen, weil sie nichts gesagt hatte. Hatte sie dummes Weib geschimpft und sie gleich zusammen mit Runa ins Zimmer geschickt wo sie in den Fellen niederlag und schwer atmend endlich ein wenig zur Ruhe kam. Auch wenn die Wehen in weiten Abständen immer wieder auftraten.
"Wird schon, Süsse...wird schon.." raunte ihr Runa zu die lächelnd neben ihr auf den Fellen kniete und Systra beobachtete die wie aufgedunsen unter den dicken Fellen lag und ziemlich heftig schwitze, trotz der Tatsache das die Temperaturen in den letzten Wochen enorm abgefallen waren. Die Zeit zwischen den Wehen war ruhig und Systra konnte sich kurzzeitig ein wenig entspannen, während Trystjarn immer wieder ins Zimmer gekommen war um zu fragen wie weit es sei.
Nach dem siebten Mal hatte Systra ihn so heftig angefaucht das man im Raum einen Donner hatte hören können. Das vertrieb Trystjarn
für die nächste Zeit erstmal und auch die anderen hielten sich erstmal zurück.

Runa überwachte Systra während dieser Zeit sehr fürsorglich und holte sich die Hilfe der anderen Weiber. Besonders Wido und Wina brachten Dinge herbei von denen Runa mittlerweile wusste, dass sie gebraucht würden. Systra hatte Runa Wochen zuvor auf das was kommen würde vorbereitet und Runa war auch die einzige im Clan die überhaupt Erfahrung mit Geburten hatte. Zwar nur bei Tieren wie Kühen und Schafen, aber immerhin hatte sie überhaupt Erfahrung und das ruhige Gemüt dieser eindrucksvollen Bäuerin die Runa gerufen wurde, war auch Balsam für die anstrengenden Stunden die schon hinter Systra lagen
und die kommenden die noch vor ihr liegen würden. Wasser, Tücher, Bottiche und ein wenig heißer Tee wurde gebracht und der Gebärenden teils zwanghaft eingeflößt. Systra wusste nurnoch schwammig wie heftig die Schmerzen gewesen sein mussten und sie war einiges gewohnt. Eine Geburt hatte sie sich immer so in der Art vorgestellt. Viel zu oft schon hatte sie selbst als Hebamme Kinder zur Welt geholfen und nun lag sie
selbst, die stolze Schamanin, eine der mächtigsten Waffen der Thyren, hilflos darnieder und schrie wenn die nächste Wehe durch ihren Leib schoss wie ein scharfes Schwert.

Die Stunden vergingen und es schien als wenn die Ahnen und Geister ihr keine leichte Geburt bescheren wollten, wobei sie auch wusste das sich die Geburt über viele Stunden hinziehen konnte. Innerlich hatte sie die letzten Wochen gehofft davon verschont zu bleiben, wusste sie doch das das das Risiko steigerte die Geburt selbst nicht zu überleben wenn ihr die Kraft fehlte. Auf der anderen Seite aber war sie keine gewöhnliche Frau...aber für all das hatte sie in dem Moment keine Zeit zum nachdenken...

Die Stunden verronnen und die Wehen kamen in immer kürzeren Abständen. Mittlerweile war ziemlich viel in dem Zimmer von Trystjarn
und Systra los. Runa schickte die Weiber immer wieder los um etwas zu holen und kurz hatte sie wohl auch Kanubio wahrgenommen, der
von den Frauen aber postwendend wieder herrauskatapultiert worden war. Systra bekam nicht viel davon mit. Die Wogen der Schmerzen
und die heftigen Presswehen raubten ihr jede Möglichkeit ihr Umfeld vernünftig wahrzunehmen und es fühlte sich fast an als würde
sie einfach entzwei reissen. Runa war die ganze Zeit da und hielt durch obwohl sie teilweise selbst den Eindruck machte einfach überfordert zu sein. Immerwieder sprach sie beruhigend auf Systra ein, besonders die Phrasen die Systra ihr vor geraumer Zeit eingetrichtert hatte zu sagen. Es war ein wenig absurd, aber es half ihr ungemein. Diesen ruhenden Pol zu haben während ihre Eigene Welt scheinbar im Wirbel und Chaos von Schmerzen und Geburt verschwamm.

Irgendwann fühlte sie auch eine starke, große Hand in ihrer. Trystjarn`s. Er hatte sich tatsächlich wieder in das Zimmer gewagt und saß nun neben seinem Weib das bald seinen ersten Welpen zur Welt bringen würde und sprach ebenso beruhigend auf sie ein.Während Systra eher Morddrohungen und Flüche für ihren geliebten Kerl übrig gehabt hatte. Sie hatte ihn dafür verdammt das er ihr das angetan hatte. Am liebsten hätte sie ihn gejagt, wie sie es früher so oft getan hatte, doch ausser einen gewaltigen Gewitter das mit den Stunden über Wulfgard aufgezogen war und scheinbar nicht mehr verebben wollte, sprach nicht viel über den Zorn und die Pein der mächtigen Stimme der Ahnen. Hier war sie alldas nicht. Und die Ahnen gaben ihr auch nicht die Kraft ihre Mächte zu nutzen wie sie wollte auch wenn sie die Blitze und den Donner grollen und krachen hören konnte der Wulfgard in den Stunden der Geburt umgab.

Runa`s Ausruf brachte sie wieder ein wenig zurück in die Realität: "Ich kann den Kopf bereits seh`n! Süsse, gleich ist es soweit...noch einman!"
Eine weitere Welle von Schmerzen durchzog ihr Bewusstsein ehe sie erschöpft und entkräftet in den Fellen lag die schweissdurchtränkt unter ihr lagen. In Runa`s Händen sah sie ein winziges, blutverschmiertes Wesen das nach einem kleinen Klapps zu schreien begann. "Sie hat sich nuad geirrt..ein Mädchen." Verkündete Runa nicht ohne Stolz und überliess es Trystjarn die Nabelschnur durchzuschneiden der dies ein wenig irritiert tat.
Das kleine Wesen wurde von den Weibern gewaschen und in weiche Felle gehüllt ehe Trystjarn zum ersten Mal seine Dottr im Arm hielt und das was Systra da sehen konnte, das belohnte alle Strapazen die sie ertragen hatte. Alle Schmerzen der Geburt und all die Monate in denen sie sich teilweise einfach nurnoch Fett und Aufgequollen vorgekommen war. Es war ein kleines Wunder das ihr da geschenkt wurde und sie hatte dieses Wunder mit ihrem Kerl teilen können. Behutsam beugte sich der gewaltige Hühne eines Einherja`s zu seinem Weib hinab und übergab das Bündel seiner Mutter. "Schau, Weib...das ist sie...ich sagte doch sie is stark."
Sprach er liebevoll und Systra nahm ihr Kind vorsichtig und immernoch Kraftlos in die Arme und sah auf das kleine Gesichtchen.

Jedem anderen muss solch ein Anblick seltsam vorkommen, dieses verhunzelte kleine Gesichtchen mit den winzigen Händchen und Füsschen...doch für Systra war sie das Schönste das sie jemals gesehen hatte und alles was sie in den letzten Stunden ertragen hatte, wich langsam aus ihrem Gedächniss und lies nur Platz für das Gefühl ihre Tochter im Arm zu halten.
"Hossa..meine Kleine...meine Kleine Sonya...Mey is dey Mah..."
Das Schreien der kleinen Sonya erlosch endlich und Kind wie Mutter schienen sich ihrer Erschöpfung hinzugeben....


Das Alles war nun schon 3 Tage her und Systra hatte sich von der Geburt gut erholt. Nicht zuletzt durch ihre guten Heilfähigkeiten und die Macht die in ihr wohnte. Während Sonya sehr aufgeweckt wirkte. Sie war gesund und hielt besonders die beiden frischgebackenen Eltern Nachts gut auf trab. Wobei das eher so aussah das Trystjarn murrend durch das geplärre wach wurde und Systra fast schon aus dem Bett warf um nach IHRER Tochter zu sehen. Aber..was hatte sie auch erwartet? Sie war nunmal nun eine Mutter...
Einen kurzen Moment sah sie zum wieder schnarchenden Trystjarn...

[img]http://img29.imageshack.us/img29/5521/systra.jpg[/img]

Dann jedoch schluckte sie ihren Groll hinab der kurz in ihr aufflammte und schmunzelte nur.

"Willkommen in Wulfgard, Sonya..."
Zuletzt geändert von Systra Bunjam am Dienstag 15. September 2009, 16:22, insgesamt 1-mal geändert.
Tugolf Bunjam

Beitrag von Tugolf Bunjam »

Ziemlich nutzlos saß er in der Halle herum, der alte Tugolf. Jedes mal zuckte er leicht zusammen, wenn hektisch jemand an ihm vorbeiflitzte, um irgendwas anderes zu Systra zu bringen. Kanubio kam sich wohl genauso überflüssig vor, nachdem er vorsichtig angefragt und schnellstmöglich aus dem Zimmer der Gebärenden vertrieben wurde und hatte sich fluchtartig in seine eigene Kammer verzogen.

Tugolf stärkte sich, denn das was Wido und er genau passend am Vortag in die Wege geleitet hatten – die Geyster hatten es wohl vorausgesehen und ihre Schritte geleitet -, würde wohl ein wenig anstrengend werden.
Es war eine Bestellung, die es abzuholen galt.
Begeistert, im Gedanken an den frischen jungen Zuwachs im Clan hatten sie Spielzeug bestellt. Weder er noch Widogard hatten eine Vorstellung, was sie da alles bestellt hatten, doch einem Thyren ist für seine Welpen nichts zu minder. Und gleich bedacht sollten sie alle drei werden.
Als Merigo die bereits durch Mengenrabatt reduzierte Summe für das dreifache Paket Spielzeug nannte – 63 Kronen – winkte Tugolf nur ab und hob gleichgültig die Schultern.
„Mach das“, brummte er in kindlicher Vorfreude auf die strahlenden Augen der Welpen.

Nun saß er da und überlegte, der alte Tugolf. Wie viele Gäule würden sie brauchen, um das alles nach Wulfgard zu schleppen? … Zwey? Drey? … während aus dem Zimmer oben ein kräftiges Stimmchen seinen ersten Brüller in dieser Welt erschallen ließ.
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