Viel Zeit war vergangen, bis Estrella den richtigen Ort für ein Portrait des Ritters Xanterron auserkoren hatte. Der Wasserfall wurde als geeignet befunden, da er zum einen einen wunderbaren Lichteinfall hatte, der die Ritterrüstung bestimmt in ein gutes Licht rücken würde, und zum anderen war die Umgebung einfach zu passend, um einen Kontrast zum Metall der Rüstung zu bieten.
Als er zur ersten Sitzung erschien, zeigte Estrella ihm nervös ihre Auswahl und auch er war sogleich vom Wasserfall bei ihrem Haus als passenden Hintergrund überzeugt. So räumte sie rasch ihre kleine Sitzecke, die normalerweise dort stand, weg und richtete ihre Staffelei den Licht- und Sichtverhältnissen optimal aus. Eingehend betrachtete sie seine Pose.
Da stand er stolz die Brust geschwellt - wie ein Ritter eben zu sein hatte. Das Schild hatte er vor sich im Gras. Gut erkennbar sein Wappen darauf. Er nahm den gülden glänzenden Helm in seinen Arm, sodass man den mutigen Krieger aus so vielen Schlachten gut erkennen mochte. Sein edel verzierter Schwertknauf blitzte hinter seinem Wappenrock hervor. Das Amulett, das er um seinen Hals trug, brachte er mit einem kurzen Zurechtrücken in das richtige Licht. Hinter ihm erzeugte der Wasserfall viele Lichtbrechungen und es schien, als würden die kleinen Wassertropfen allesamt so glänzen wie Diamante.
Sein Kinn hob er noch etwas, bevor seine Pose perfekt war. So stand er da.
Estrella war sich nicht ganz sicher, wielange er wohl in dieser Haltung in der schweren Rüstung durchhalten würde. Darum begann sie gleich einen Strich nach dem anderen zu setzen und nach einiger Zeit wurden die ersten Umrisse seiner Gestalt und des Hintergrundes sichtbar. Strich um Strich konkretisierte sie seine Gesichtszüge.
Augen.. Augen waren das Tor zur Seele eines Menschen. Darum zeichnete sie diese bei einem Portrait immer zuerst.
Danach kam mit einigen Strichen ihres Silberstiftes gekonnt die Nase, der Mund, die Ohren, sein Haaransatz und die Schatten in seinem Gesicht zum Vorschein. Estrella war der Überzeugung, dass das Gesicht eines Menschen der wichtigste zu malende Gegenstand im ganzen Bild war.
Mit vielen kleinen Strichen zeichnete sie detailgetreu die Rüstung und deren feine Verzierungen. Immer wieder sah sie mit konzentriertem Blick zum Ritter. Betrachtete ihn so genau, wie es wohl selten jemand tat. Umso mehr Striche dem Bild zugefügt wurden, umso mehr nahm der Ritter Gestalt an. Sie sprachen nicht viel. Beide schienen höchst konzentriert auf ihre Aufgabe zu sein.
Er.. seine Haltung zu wahren und sie.. jedes Detail in ihr aufzunehmen und es auf der Leinwand in Striche und Linien umzusetzen. Mit ihrem Fingern wischte sie manchmal über einzelne soeben gemalte Linien und sogleich wurde im Gesamtbild daraus ein Schatten oder eine weiche Linie, die dem Gesamtbild eine eigenartige Lebendigkeit zu verleihen schien.
Schon beinahe am Ende ihrer Sitzung begann sie mit dem Konkretisieren des Hintergrundes. Strich für Strich, Linie für Linie schien der Wasserfall und die Natur um ihn herum zum Leben zu erwachen. Estrella versuchte, die besondere Lichtbrechung im Wasserfall naturgetreu einzufangen. Einige Zeit mag wohl vergangen sein, bis der Wasserfall zu Estrellas Zufriedenheit auf der Leinwand in schwarz-weiß angebracht war, doch schlussendlich war es so weit. Sie betrachtete den Ritter noch einmal ganz genau in seiner Pose. All die kleinen Details. Nichts wollte sie vergessen. War doch all das sehr wichtig für die nächsten Arbeitsschritte. Ein paar Ausbesserungen hier.. ein paar Verwischungen dort. Kleinigkeiten, die das Bild am Schluss noch verbessern sollten. Geduldig wartete Zeron, bis sie ihm sagte, dass er sich nun wieder bewegen konnte. Es war geschafft. Der erste Arbeitsschritt im langen Prozess bis zur Fertigstellung eines Gemäldes war vollbracht. Gleich am nächsten Tage vereinbarten sie die nächste Sitzung um mit der Ölmalerei zu beginnen.
Der Ritter vor dem Wasserfall
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Estrella Blockhart
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Estrella Blockhart
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<bitte löschen>
Zuletzt geändert von Estrella Blockhart am Samstag 1. September 2007, 16:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Estrella Blockhart
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Doch länger als gedacht hatte es gedauert, bis sich die beiden zur nächsten Sitzung trafen. Meist passte das Licht an den vereinbarten Tagen nicht. Doch an einem Tag war es wieder soweit gewesen. Ein heller Tag, der wie geschaffen für die farbliche Gestaltung des Werkes war.
Nach einigen Hinweisen von Estrella stand Ritter Xanterron wieder so prachtvoll da wie schon beim letzten Mal. Die Rüstung glänzte wie eh und je und auch sein Gesichtsausdruck vermochte den Edelmut zu zeigen, den er in seinem Stand verkörperte. Mit Pinsel und diversen anderen Utensilien ausgerüstet machte sich Estrella daran, die Farben anzumischen.
Ein Ei wurde in einer kleinen Schüssel zerschlagen, alles verquirlt und auf viele noch kleinere Schüsselchen aufgeteilt. Danach kam der „Zauber“ an dem ganzen. Verschiedenfarbiges Pulver, das einst zu Steinen gehört haben mag. Nur eine Messerspitze reichte aus um die Eimasse in ein tiefes rot, gelb, blau oder grün zu tauchen.
Mit einigen Pinselstrichen entstanden vielerlei Farben auf ihrer Palette. Strich für Strich, Tupfer für Tupfer wurde das Gemälde immer lebendiger.
So oder ähnlich verliefen nach dieser Sitzung noch sehr viele, da man die Farben nur schichtweise auftragen konnte, um das Bild möglichst lebendig zu gestalten.
Nie sah der Ritter den Fortschritt der Arbeit auf dem Bild. Er fragte auch nie danach. Estrella hätte es an seiner Stelle wohl nie so lange ausgehalten, ihre Neugierde zurückzuhalten.
Als einige Wochen später der letzte Pinselstrich getan war und das Bild völlig ausgetrocknet war, war es endlich so weit.
Ein Tuch verhüllte noch das Werk, als Zeron ins Zimmer kam. Geduldig wie immer stellte er sich davor und wartete ab, bis Estrella endlich das Tuch abnahm und das Bild zum Vorschein kam. Estrella beobachtete seine Gesichtszüge in diesem Moment genau. So erkannte sie, dass sich seine Miene wohl sichtlich aufhellte, als er es sah. Zufrieden und glücklich übergab sie dem Ritter ihr Werk mit der Bitte, dass sie es auch auf ihrer Ausstellung zeigen dürfe. Er willigte ein und so blieb das Bild noch bis zur Ausstellung in Estrellas Haus.
Nach einigen Hinweisen von Estrella stand Ritter Xanterron wieder so prachtvoll da wie schon beim letzten Mal. Die Rüstung glänzte wie eh und je und auch sein Gesichtsausdruck vermochte den Edelmut zu zeigen, den er in seinem Stand verkörperte. Mit Pinsel und diversen anderen Utensilien ausgerüstet machte sich Estrella daran, die Farben anzumischen.
Ein Ei wurde in einer kleinen Schüssel zerschlagen, alles verquirlt und auf viele noch kleinere Schüsselchen aufgeteilt. Danach kam der „Zauber“ an dem ganzen. Verschiedenfarbiges Pulver, das einst zu Steinen gehört haben mag. Nur eine Messerspitze reichte aus um die Eimasse in ein tiefes rot, gelb, blau oder grün zu tauchen.
Mit einigen Pinselstrichen entstanden vielerlei Farben auf ihrer Palette. Strich für Strich, Tupfer für Tupfer wurde das Gemälde immer lebendiger.
So oder ähnlich verliefen nach dieser Sitzung noch sehr viele, da man die Farben nur schichtweise auftragen konnte, um das Bild möglichst lebendig zu gestalten.
Nie sah der Ritter den Fortschritt der Arbeit auf dem Bild. Er fragte auch nie danach. Estrella hätte es an seiner Stelle wohl nie so lange ausgehalten, ihre Neugierde zurückzuhalten.
Als einige Wochen später der letzte Pinselstrich getan war und das Bild völlig ausgetrocknet war, war es endlich so weit.
Ein Tuch verhüllte noch das Werk, als Zeron ins Zimmer kam. Geduldig wie immer stellte er sich davor und wartete ab, bis Estrella endlich das Tuch abnahm und das Bild zum Vorschein kam. Estrella beobachtete seine Gesichtszüge in diesem Moment genau. So erkannte sie, dass sich seine Miene wohl sichtlich aufhellte, als er es sah. Zufrieden und glücklich übergab sie dem Ritter ihr Werk mit der Bitte, dass sie es auch auf ihrer Ausstellung zeigen dürfe. Er willigte ein und so blieb das Bild noch bis zur Ausstellung in Estrellas Haus.