Sie keuchte leise auf und taumelte in ihr Zimmer. Kaum beleuchtet und kahl wurde sie von der kargen und schmucklosen Einrichtung begrüßt. Wie üblich. Es würde sich daran auch nichts mehr verändern, das wusste sie und insgeheim hasste sie es. Mit einem kurzen Schnaufen rettete sie sich auf das kleine Bett, gleich links von der Türe und starrte in ihre Handinnenflächen. Die Oberfläche des matt-schwarzen Knochenmaterials wirkte unberührt, wie eh und je, doch darunter spürte sie den pulsierenden Schmerz in ihren Händen - Regelmäßig und beharrlich andauernd. Inzwischen schien die Intensität der Attacken etwas zurückgegangen und sie wagte, mit zittrigen Händen, sich der enganliegenden Handschuhe zu entledigen. Vielleicht sollte sie den Apotheker um Rat fragen, überlegte sie mit zusammengebissenen Zähnen, während sie mit äußerster Achtsamkeit die zerfurchte Haut frei legte. Irgendeine Salbe würde er bestimmt verschreiben können. Oder etwas zum Einnehmen gegen die Schmer.. - jäh wurde ihr emsiger Gedankengang unterbrochen, als eine weitere Woge gleißender Schmerzen durch Hände und Arme fuhr. Augenblicklich krümmte sich auch ihr Leib zusammen und nurnoch Eines beherrschte für diese Sekunden ihre Gedanken:
Hör auf, Hör auf, Hör auf - VERDAMMT, es soll aufhören!
Und es ging vorüber, wenngleich nur sehr schleppend. Schwer atmend hatte sie Mühe sich wieder zu beruhigen. Es konnte jeden Moment wieder kehren, darüber war sie sich bestens bewusst und mittlerweile empfand sie sogar Furcht davor. Die Augen zusammenkneifend versuchte sie sich schließlich wieder zu besinnen. Bisher hatte sie Glück gehabt, musste sie sich eingestehen. Zumindest kam ihr nicht Sinn, wie sie zu reagieren hätte, träfe sie Deartiges in der Gegenwart Anderer. Die Vorfälle hatten in den letzten Wochen drastisch zugenommen und sie musste dringend irgendeine Möglichkeit finden diese Entwicklung einzudämmen. Dabei fiel ihr Blick auf die dunklen Handschuhe. Jetzt, da sie auf der Kante ihres Bettes lagen sahen sie zugegebenermaßen ganz harmlos aus. Aber das sollte die Templerin bestimmt nicht mehr täuschen, wusste sie doch genauestens Bescheid, welche Schmerzen ihr Innenleben verursachen konnten. Verbittert schob sie den Gedanken daran beiseite.
Sie sollte damit aufhören. - Nein, sie musste damit aufhören.
Ohne ihre geschundenen Hände zu beanspruchen kämpfte sie sich mühselig aus den Stiefeln. Bedacht darauf, dass sie auch mit nichts Weiterem in Berührung kamen, begab sie sich mit leichtem Winden in eine bequeme Position zum Liegen und bettete die Hände behutsam auf den samtweichen Stoff ihrer Tracht. Der unertäglich, immer wiederkehrende Schmerz ließ sich davon nicht sonderlich beeindrucken. Fast wie Schluckauf, dachte sie verdrossen. Nur deutlich unangenehmer.
[Einige Stunden später]
Sie wusste nicht wieviel Zeit vergangen war. Aber sie lag immernoch am selben Fleck. Die Schmerzen hatten um keinen Deut nachgelassen, zumindest dem Anschein nach. Genau wie die Zimmerdecke unverändert grau in grau blieb, an die sie schon seit Stunden stierte, jede kleinste Verunreinigung oder markante Stelle im Stein ausmachend. Und als wäre es nicht schon genug, gesellten sich schleichend, stechende Rückenschmerzen hinzu. In stillem Zorn glimmte im hintersten Teil des Bewusstseins die Präsenz ihres Herrn auf. Seine Gunst, seine Macht, nach der sie sich täglich sehnte. Zum Greifen nahe.
Vater. Hilf mir. Ich kann ihn nicht mehr ertragen: Den Weg zu Dir. Den Weg zum Zorn. Die Schmerzen.
Verbissen sträubte sie sich gegen den Gedanken. Sie würde nicht flehen. Sie würde ihm nicht missfallen, keine Schwäche zeigen.
Mutter, wärst Du nur noch hier.
Das verblichene Bild Akyrlaer's erschien vor ihren Augen und ihre Lippen begannen leicht zu beben und sie kämpfte gegen Tränen an. Verfluchte Gefühlsduselei schoss es ihr durch den Kopf, eine einzelne Träne hinweg blinzelnd. Es geht vorbei, Es würde vorbei gehen, hoffte sie inständig und kniff die Augen auf ein Neues zusammen. Und bestimmt würde sie gleich einschlafen, ..ganz bestimmt.