Ars Magica minor larvae (Magie kleinerer Geister)
Spezielle Betrachtung von Gnomen, Kleinelfen und Goblins
Im Genaueren Wurzelgnom, Schillerelf und Nachtgoblin
Wurzelgnom:
Wurzelgnome (Radix Gnomensis) sind in ihrer Natur dem Boden bzw. der Urkraft der Erde am nächsten verbunden. Auf den ersten Blick wohl eher vergleichbar mit einer Wurzel statt einem Gnom, vergraben sich die magischen Nutzwesen unter großen Eichen, Buchen oder Birken. Ihre runzelige Haut wird bei Berührung hart. Wurzelgnome haben kurze, grünlich moosige Haare, die hervorragend zur Wasseraufnahme zu dienen scheinen. Die abweisende Art, mit der ein Wurzelgnom dem Menschen begegnet lässt sich leicht damit erklären, dass der Kontakt zum Humanus eher selten oder in mancher Lebensspanne eines solchen Wesens gar nie vorkommt. Wurzelgnome werden laut eingehender Studien über 50 Jahre alt und dörren nach ihrem Tod aus, bis sie völlig mit dem Holz des Waldes verschmelzen. Ein weitgreifender Aberglaube besagt, dass Gnomenholz, oder auch tote Gnomhaut ein hervorragender Brennstoff ist, der ein Feuer für mehrere Stunden halten kann. Doch dem ist nicht so. Gnomenholz ist sehr schwer entflammbar, wenn gar überhaupt entzündlich. Man nutzt den Stoff nur selten als Donarie oder als Reagenzie in alchemistischen Rezepten. Lebendig sind Wurzelgnome mit ihren breiten Fingern und dicken Füßen trotz allem in der Lage, erstaunliche Kletterarbeit zu vollziehen. Laut Celinor Bloster, in seinem Buch ‘Familiari Gnomensis – 1001 Gnomarten’, können diese gedrungenen, doch leichten Kreaturen erstaunliche 4 bis 5 Schritt weit springen. Unbestätigte Quellen in Volcant Dussel’s ‘Wesen der Gestirne – eine Abhandlung über Arten und Verhalten’ gehen davon aus, dass Wurzelgnome diese Fähigkeit des Sprunges zum Angriff und zur Verteidigung einsetzen können.
Magie:
Die Magie der Wurzelgnome bindet sich stark an die Kraft des Erdelements und zeigt sich in den Invokationen selbiger meist als Auswirkung minderer Magie. Diese Gnomart ist nicht in der Lage höhere Formen der Magie zu reproduzieren oder gar Metamagie zu wirken, wie aus Gillenfort Kasterid’s Buch ‘Artis Magica Familiari’ hervorgeht. Meistens nutzen die Wurzelgnome ihre angeborene Magie zur Erhaltung der Bäume und zum Wohle der Natur. Trotz der scheinbar nutzlosen Existenz dieser Wesen, kann man aus Filindor Clackwerch’s ‘Naturgedanke’ deutlich herauslesen, dass die Wurzelgnome zum Ausgleich der natürlichen und übernatürlichen Indifferenzen des Waldes zuständig sind und sich darin als wahre Meister erweisen. Die wortlose Magie der Familiari Gnomensis zeigt sich auch bei den Wurzelgnomen. Meistens aber wird der Berührung oder dem Speichel der Wurzelwesen eine Heilende Wirkung nachgesagt, die freilich nur mit Plantaren in Verbindung steht. Auf Humanoide ist diese Art der Magie wirkungslos. Dennoch erweisen sich Erdspitzen oder Schlammbomben als ausserordentliche effektiv gegenüber jeglichem Lebewesen. Die Wurzelgnome stehen, ganz ohne Frage, in tiefer Verbundenheit mit dem Lied der Eluive. Laut gnomischem Glauben besteht jedoch kein Unterschied zwischen Invocatio und Usurpatio. Gleichsam wie aus elfischer Hand scheint diese Anschauung, wenn sie auch aus anderem Geiste stammt. Als schwierig sei hier zu vermerken, dass man sich kaum mit Gnomen verständigen kann. Es benötigt wohl einiges an mens ingenii, oder mens arcanis, um Worte oder Sinninhalte der Gnome zu verstehen. Etwas mehr als nur suspekt erscheint ein kleiner Absatz in Babbel Hontwigs’ ‘Reisen durch Rituale und Feste Band III – Fremde Völker’, der etwa wie folgt lautet:
“<<quorklepa! Gulcahak, uztopläforitz!>> sagte eines der hölzernen Wesen und erhob sich aus seinem Erdenversteck. Wie kein anderer Ort faszinierte mich in diesem Augenblicke gar, dem ich dieser einen jenen Festivität beiwohnen mochte, das Wäldchen hier zu dieserorts und tänzelnd wie in großer Freude, sammelten sich die Wurzelgnome um einen kleinen Baum, der urplötzlich ein hellgrün Feuer fing. Neblig umfing mich schwarzer Dunst, der mir die Sinne raubte.”
Trotz der zweifelhaften Glaubwürdigkeit von Babbel Hontwigs und seinen Reisen, die meist von Ohnmächten und nebligen Umnachtungen durchwachsen sind, scheinen die Wurzelgnome tatsächlich so etwas wie Baumrituale zu vollziehen. Genauere Quellen sind jedoch weder vorhanden noch nachweisbar.
Schillerelf:
Der gemeine Schillerelf (Undecim Incalescere) oder auch oft Glühwurm genannt, verdankt seinen Spitznamen dem glühenden gelblichen Schein, den er beim Flug auswirft. Bei Berührung sind diese Wesen inbrünstig heiß und so mancher hat sich schon Haut oder Haar an den kleinen niedlich aussehenden Elfchen verbrannt. Ganz und garnicht niedlich ist jedoch ihre Einstufung in die E.G.A.M. (Einstufung der Gefährlichkeit von Astral und Magiewesen), die mit 3 Punkten noch deutlich über der eines Ghouls liegt. Ausserhalb der Gefangenschaft ist diesen Wesen nur mit äusserster Vorsicht und mit guter Vorbereitung entgegen zu treten, da die Art der Undecim Incalescere dazu neigen, Menschen zu verbrennen und anzugreifen, sobald sie ihrer Neststätte zu nahe treten. Schillerelfen sind für gewöhnlich in feuchten Gebieten wie etwa Mooren oder in der Nähe von Wasserfällen anzutreffen, wo sie meist in morschen Baumlöchern oder kahlen Berghöhlen ihre Nester bauen. Sie besitzen Flügel und lange spitze Ohren, die ihnen meist zur Ortung ihrer Beute dienen. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten aus der Familie der Undecim sind die Schillerelfen Carnivoren. Zu ihrer Beute zählen kleine Vogelarten, Insekten und kleine Nagetiere. Über Schillerelfen ist im Allgemeinen sehr viel weniger bekannt als über andere Kleinelfen, da diese Art zu den beinahe gefährlichsten gehört. Bisher war es nur Magiern möglich, die geheimnisse der Wesen zu untersuchen und selbst in gefangener Haltung war es kaum möglich, mehr über diese faszinierenden Kreaturen zu erfahren.
Magie:
Die Magie der Schillerelfen gründet sich auf einer starken Affinition zur Antimagie und zur Metamagie. Das Element des Feuers spielt im Zusammenhang mit ihrem glimmenden Schein auch eine wichtige Rolle. Schillerelfen sind dazu in der Lage, ihre nähere Umgebung (etwa zwei bis vier Finger breit) mit so starker Hitze zu erfüllen, dass selbst Kohle zu glühen beginnt, wenn man sie lange genug der Nähe eines solchen Kleinelfen lässt. Es ist essentiell wichtig, zu erwähnen, dass Schillerelfen nur in Eisenkäfigen gehalten werden dürfen, da sie sonst enormen Schaden an Haus und Hof anrichten können. Man kann die kleinen flitternden Wesen mit keiner heute bekannten Magie dazu bringen, freundlich gegenüber dem Menschen zu sein. Auch ist es nicht möglich, den glimmenden Schein, der die Elfe umgibt, zu entfernen oder zu isolieren. Scheinbar verfügen die Schillerelfen über eine so starke Art von Schutzzauber, dass es bisher keinem Magier möglich war, den Geist der Wesen zu beeinflussen. Bei unmittelbarer Auseinandersetzung mit der Feuerenergie, die die Kreatur umgibt, fällt auf, dass jedweder Zauber, der darauf gewirkt werden will, auf den Anwender zurück schlägt. Das hatte diverse Todesfälle in den Jahren 148 und 149 zur Folge, bis Bartomir Wolfenschanz sich 151 an die Alumener Aufsichtsbehörde für EGAM wendete und die Einstufung in Klasse 3 der 10 möglichen Klassifizierungsstufen vorschlug.
Nachtgoblin:
Kommen wir zum letzten und wohl in dieser Reihe mächtigsten Geschöpf, dem Nachtgoblin oder auch Nox Goblinum. Die Intelligenz dieser Wesen reicht fast an die eines Menschen heran, wenngleich sie auch mehr von tierischen Instinkten geleitet werden als wir. Die Sprache der Goblins beschränkt sich zudem auf einige Krächz- und Grunzlaute, die wohl für
die Familie der Goblins nicht untypisch sind. Sie sind dennoch dazu fähig, die menschliche Sprache bis auf einige Laute nachzuahmen wie etwa ein Papagei dazu in der Lage wäre. Einigen Arten der Goblins ist es möglich, sich über eine eigene Sprache zu unterhalten, die sogar Wörter für astronomische Begriffe beinhaltet. Die Nox gehören jedoch zu den
primitivsten ihrer Rasse. Eine angeborene Intolleranz gegenüber dem Sonnenlicht, lässt die faszinierenden Kreaturen nur bei Nacht erscheinen, was ihnen den bezeichnenden Namen Nachtgoblins einbrachte. Mancherorts hört man die ein oder andere Erzählung, dass solche Goblins Kinder entführen, Vieh schlachten und grausame Rituale am Waldesrand abhalten, um Alatar zu huldigen. Dies mag nicht ganz der Unwahrheit entsprechen, da man bei einer Untersuchung des Mageninhaltes eines Nachtgoblins tatsächlich einmal Kinderknochen gefunden hat. Die Gefährlichkeit dieser Spezies rührt mehr daher, dass sie aus Spaß oder
zum Spiel töten und nicht auf Grund von Bedarf oder Hunger. Daher ist auch von Haus aus von einem Kontakt zwischen Mensch und Goblin abzuraten. Es soll schon des Öfteren vorgekommen sein, dass Goblins Finger oder gar ganze Hände abgebissen haben, so man ihnen zu Nahe kam. Die Beißkraft eines Nox ist etwa so kräftig wie die eines ausgewachsenen
gerimorer Wolfshundes, was bedeutet, dass Knochen und dickes Leder kein Hinderniss für die scharfkantigen Zähne darstellen.
Trotz ihrer geringen Größe von 4-6 Spann sind die Zweibeiner recht schnell und überaus gwandt mit den Fingern. So stellen Schlösser und andere Hindernisse keinerlei Problem für sie dar.
Magie:
Der Nox Goblinum erhält durch primitive Rituale und Blutopfer Zugang zum
Lied der Eluive. Er huldigt Kra'thor und nutzt die Knochen der Toten als Donarien. So sieht man oftmals Nox, die mit Knochenhalsketten behängt sind. Sie bilden in der Gesellschaft der Goblins meistens so etwas wie die Schamanen bei den Tiefländern. Oft pumpen sich diese untersetzt wirkenden, hauptsächlich männlichen Wesen mit berauschenden Kräutern voll und geben sich einem Tanz hin, den sie selbst als Totentanz bezeichnen. In höchster Ekstase, so schreibt Hiffeloh Lorwenkranz, vollbringen die Nox gar unglaubliche Magie. Man könnte diese Art von Magie zwar mit keinem menschlichen Wesen vergleichen, aber Lorwenkranz schreibt weiter, dass die Kräfte der Nox gut und gerne an die eines Candidatus heranreichen könnten. Lorwenkranzs Buch „Goblinum Magica“ ist zudem noch außerordentlich aufschlussreich, was die Metamagische Wirkungsweise auf Goblinzauber betrifft. In ihrer primitiven Eigenart sind Zauber aus goblinischer Hand besonders anfällig gegenüber Schutz oder Beeinflussungszaubern. Mit dem richtigen Wissen über Vorsichtsmaßnahmen und Abwehrmagie kann einem Nox mit gutem Gewissen gegenüber getreten werden. So bleiben diese Kreaturen aus der Familie der minor larvae beinahe gänzlich ungefährlich für einen erfahrenen Alumnus.
*Die fein in Tinte geschriebene Arbeit findet sich auf dem Pult des Prior Princeps des Konvents*
*Um die Käfige mitsamt den enthaltenen Kreaturen zurück zu schicken benötigte er wiederum Alfarans Hilfe. Es war unglaublich schwer gewesen, die Käfige zu beschaffen und zu preparieren, aber seit er damals Una zu Hilfe geeilt war, konnte man dem alten Alfaran ein bischen anmerken, dass er den jungen Mann gut leiden konnte*