Pflichten und Aufgaben eines jungen Magiers

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Maximilian Deavend

Pflichten und Aufgaben eines jungen Magiers

Beitrag von Maximilian Deavend »

„Vollständig saubermachen“ hatten sie gesagt.
Mürrisch schaute er vom Treppenabsatz durch das Ritualzimmer der Arkorither und rümpfte die Nase, als die von schon längst verdorbenem Fleisch verpestete Luft, die in den Wänden und in seiner Kleidung klebte erneut seine Lungen füllte. Diese Strafe hatte seinen Zweck jetzt schon erfüllt – Arbeite selbstständig, kümmere dich um deine Aufgaben und das bitte rechtzeitig.

„Der Geruch soll verschwinden“ befahlen sie.
Das fleckige Hemd über Nase und Mund gezogen kniete der junge Adeptus in einer Pfütze aus Seifenwasser und irgendwelchen vermeindlichen Duftölen von Menek’Ur, die bei einer gesunden Konzentration und einem gewissen Mischverhältnis dem Geruch von Stiefeln, die mal in den besten Jahren gewesen sind, gleichkamen. Die Linke drückte den Stoff vor seine Nase, obwohl er gegen diesen Gestank mittlerweile schon immun sein dürfte, und mit der Rechten begann er Fliese um Fliese zu schrubben. Auf den einen waren noch Blut und Knochenreste, auf anderen klebte das Gel, welches die Leichen vor Wochen frisch halten sollte und einige Zeit auch gute Dienste geleistet hatte.

„Du machst die Arbeit, keine gerufenen Diener“ mahnten sie.
12 m² Boden und entsprechend vier Wände bäumten sich vor ihm auf, genügsam und ebenso gehässig würden sie grinsen wenn sie ein Gesicht hätten, als vor ihnen kniete und sie mit der kratzigen Bürste massierte. Was ist das denn für ein Bild? Ein knapp 1,90 Meter großer Mann im mittleren Alter beschäftigte sich damit der häuslichen Pflege nachzukommen die ihm zwei Frauen aufgebürgt haben. Bei der früheren Auffassung von einem intakten Machtverhältnis hätten ihn seine imaginären Saufkumpanen aus der Taverne getreten und geschlagen, doch mit diesem Los musste er jetzt leben.

„Alles soll wieder hergestellt werden“ waren ihre Worte.
Warum musste man die Unwürdigen eigentlich hier lagern und nicht draußen in irgendeinem Wald? Ob man sie hier aufschnitt um die eigenen Kenntnisse der Anatomie zu erweitern oder ob man es unter freiem Himmel macht läuft letztendlich auf das gleiche Ergebnis hinaus. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, dass man es entdecken würde, aber derjenige hätte wahrscheinlich zu viel Angst ebenso zu enden, als das er es irgendwem verraten würde. Wie dem auch sei, jetzt war es an ihm alles zu reinigen.

„Und schau die dir Burgmauern von außen an“ wiesen sie ihn hin.
Der Ausruf klingt irgendwie nach einem Rauswurf, dennoch kam er dem Befehl wortgemäß nach und schlich um die Burg herum, den Blick dabei stets auf die Mauer gerichtet. Kaum hat er einen Schritt um die nächste Ecke gemacht zuckte er zusammen, verzog das Gesicht und sein Blick verschwand in einem nahen Wald. Zwei von Dreien lagen im Keller und der andere hing an der Mauer herab. Wunderbar! Es gibt zwar Magier denen dieser Anblick gefällt, aber eine Aufgabe ist eine Aufgabe. Erst nach einigen Sekunden schaffte er es seinen Blick wieder auf das Wesen, besser gesagt, das vergangene Wesen zu heften. Kyle, netter Anblick, gut siehst du aus, hast aber ein wenig die Farbe verloren und abgenommen hast du. Die Augen waren noch geöffnet, der starre, kalte Blick verlor sich in den Weiten Gerimors. Der Körper war steif, die Haut schon etwas eingefallen, einzig kleine Maden brauchten etwas Leben in den mittlerweile dürren Körper. Es wurde kalt um Maximilian, wie ein eisiger Wind, ein leises Knurren und ein dünner Feuerfaden zog sich auf den Knoten zu, welcher Kyle an der Mauer hielt. Ein dumpfes Pochen kündigte die Ankunft des Körpers auf dem Boden vor Maximilian an. So steif war er wohl doch nicht. Er griff das Seil, welches noch um seinen Hals gewickelt war und mühte sich ab den toten Bruder in den nahen Wald zu zerren, wo ein kleiner Bereich markiert war und eine angemessene Schaufel bereit stand.

Körperliche Arbeit, nur ein weiterer Grund warum der Weg der Magie eigentlich leichter war. Man musste kein Schwert schwingen und sich unter Schlägen von irgendwelchen Wesen wegducken. Und jetzt durfte er ein Grab ausheben. Ärmel wurden hochgekrempelt, in die Hände wurde gespuckt und die Arbeit wurde angegangen, wobei sie eigentlich nicht wirklich angegangen wurde, denn vier, fünf Erdklumpen je Schaufel waren eigentlich keine wirkliche Anstrengung, allerdings musste man das im Verhältnis zum Arbeiter sehen und… Jedenfalls bemühte er sich der Arbeit gerecht zu werden.

Während er ächtzend und stöhnend die Grube aushob schwirrte die Frage nach den anderen beiden Verstorbenen durch seinen Kopf.
Wo sind die eigentlich abgeblieben?
Ein rascher Blick durch den Wald bestätigte die Annahme, dass sie hier wohl nicht begraben liegen, wie auch, das hier war ja das erste Grab was er ausheben sollte und Lucan hatte auch nicht davon berichtet, dass er sie vergraben sollte. Eingetütet oder in Gläsern verschlossen waren auch keine Augen oder andere Körperteile.

Maßgeschneidert war die Grube, kaum einen Meter tief und nicht viel breiter als nötig. Seine Kraft neigte sich dem Ende, so schob er die Erde weniger sorgfältig über Kyle, bis ihn die durchwühlte Erde gänzlich bedeckte.

Das war geschafft.
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