Eine schneidende Erinnerung

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Keriot

Eine schneidende Erinnerung

Beitrag von Keriot »

Nichtsahnend streifte er durch Bajard, durch die Gassen, vorbei an den Holzhütten. Schneidereien, Drogerieen, das Gemeindehaus, welches, ironischer Weise, einmal eine Kirche war, der Steg, Karl Goldheilungs Heilerstube, doch vor allem Schneidereien.
Keriot betrachtete die Schilder der Häuse immer wieder, Tag für Tag, als er durch die Gassen spazierte, nie änderte sich etwas. Umsomehr fiel es ihm diesmal auf. Das erste Haus an der Hauptstraße war leer. Außgerechnet das Haus eines alten Feindes: Arias Lasaner, Brandstifter und Duellant.
Welch seltsamer Zufall. Keriot dachte oft über ihn nach, nachdem er der selbsternannten Volksfront beigetreten war. Er wollte es sich selbst nicht zugeben, doch er hätte einen Bürgermeister Lasaner einem Bürgermeister Leandro vorgezogen. Leandro war zwar ein Freund und ein starker Verbündeter, jedoch würde er wohl unfähig sein, eine Stadt wie Bajard zu regieren. Bajard, das Dorf wo Dummheit eine Tugend ist.
Er hatte die Ereignisse der letzten Zeit mitverfolgt, Arias wurde angeklagt und die Vergehen waren nicht gerade klein. Er wurde wohl vertrieben, aus einem Dorf, das er regieren wollte, die Ironie brachte Keriot fast zum schmunzeln, doch wie würde das wirken, mitten auf der Straße, beobachtet von den Handwerkern und Tölpeln und, nicht zu vergessen, den Bürgerwehrlern und den gelegentlichen Radaumachern.
Keriot schreitete weiter den Weg hinunter, hin zur Taverne, vorbei am Bach, an dem, wie beinahe jeden Abend, Besucher in langen Roben saßen. Wohl Tavernengänger, denen die übliche Gesellschaft in der hießigen Taverne zu bunt war. Vielleicht waren sie ihm gar nicht mal so unähnlich und irgendwann, so nahm er sich vor, würde er sich zu ihnen setzen, um zu erfahren, welcher Sparte sie angehören. Heute war jedoch nicht dieser Tag.
Heute würde er sich einfach in die Taverne setzen und sein Bier genießen. Dabei konnte man bei diesem Bier nicht von genießen reden, wie ihm schon beim ersten Tavernenbesuch vor Jahren klar wurde. Damals traf er auf einen aufrichtigen jungen Mann, der ihm etwas von seinem Honigwein spendierte, welcher natürlich viel besser war, als die 'Orkpisse' in der Taverne.
Erinnerungen an früher brachten ihn doch immer wieder zum Schmunzeln. Erinnerungen an die Zeit, in der er noch einer von ihnen war, einer der Tölpel, nur eben einer der anderen Gedankenwelt.
Die Tür der Taverne, war nun schon ganz nah, Keriot konnte das Bier schon beinahe schmecken, zumindest wünschte er sich das.
Die Tür ging auf und fiel wieder zu, nichts besonderes. Doch da, zwei gerüstete Mannen, die er grob in die Richtung Varuna einschätzte. Es folgte das übliche bei solchen Begegnungen. Die eine Seite, hier die Varunesen, grüßten zu Ehren ihres Gottes, Temora. Keriot nahm eine steifere Haltung ein und antwortete mit einer Stimmlage, die so kalt und neutral war, wie er es nur schaffte einen gewöhnlichen Landmannesgruß, dieses mal war es 'Abend...' .
Jedoch kam es diesmal anders, als er es sich, den Erfahrungen nach, in Gedanken vorstellte. Einer der gerüsteten, der sich später als Nevyn Silberhand vorstellte, hatte ihn erkannt, er grüßte ihn gar mit seinem Namen, was Keriot doch gehörigt verwirrte. Auch das Gesicht des Mannen vermochte er nicht zu erkennen, sogar sein Wappen war ihm fremd. Doch, so stellte sich schnell heraus, war es einer der Mannen, die ihm damals seine Hilfe am Kloster anboten, als das Heim der Rose von Söldnern unter der Führung Arias angezündet wurde. Sie boten ihre Hilfe an, natürlich unter der Bedingung, dass es Überlebende zu retten gab, was man aber nicht annahm. Jetzt, wohl Monate nach dem Ereignis, kläre Keriot ihn auf, dass es sehr wohl jemanden zu retten gab, einen Streiter der Allianz, der sich noch im Gebäude befand. Im Alleingang ist Keriot damals in sein Gildenheim eingefallen, im Alleingang stand er dem Feind gegenüber - einer einzigen Person, Arias Lasaner.
Damals fiel er glücklicherweise nur an einem stumpfen Treffer mit dem Schwertgirff, es hätte schlimmer kommen können, doch er hatte Recht behalten gegenüber den Kämpfern des Tempels und nun in seinem 'siegreichen' Moment, an dem er die Nachricht übermitteln konnte, konnte er sich nicht darüber freuen. Scheinbar genau so wenig, wie sich sein Gegenüber darüber ärgerte.


Und nun?
Keriot saß mit den zwei Bierkrügen in der Taverne, es folgte ein langer Zeitraum der Stille. Erinnerungen an den Brand, an den Kampf, an die Schmach mussten verarbeitet werden.
Arias Lasaner musste ausfindig gemacht werden, dem Strom der Erinnerungen musste Einhalt geboten werden. Und da fiel auch schon ein anderer Strom in die Taverne ein, der Strom der Besucher...
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