Die ersten grauen Haare

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Alexa N'yota
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Die ersten grauen Haare

Beitrag von Alexa N'yota »

Strähne für Strähne bürstete sie gedankenverloren ihre langen Haare, welche wellig bis kurz über die Hüfte fallen. Sie rutschte kurz etwas auf dem Hocker vor ihrem Schminktisch herum und ließ ihren Blick aus dem Fenster schweifen.
Was sie sah verbesserte ihre Laune kaum. Der Himmel war, trotz der späten Morgenstunde, dunkel und trüb, feiner Nieselregen tropfte gegen das Fensterglas und rann an ihm herab.
Schnell wandte sie ihren Blick ab und betrachtete sich während dem Haare bürsten im Spiegel des Schminktisches. Plötzlich hielt sie inne und runzelte ihre Stirn. Sie beugte sich mit dem Oberkörper etwas vor und legte in dem gleichen Moment die Bürste beiseite. Mit der freien Hand strich sie sich über ihre Schläfen und seufzt auf.
Da waren sie...die ersten grauen Haare...und man sah sie auch ohne große Anstrengung...

Missmutig seufzte sie auf und flocht schnell und mit geübten Bewegungen die Haare zu einem Zopf. Welch ein bescheidener Tag...Sie hatte nicht gut geschlafen...Das Wetter war scheußlich und bereitete ihr Kopfschmerzen...Und dann waren da graue Haare... Sicher, sie hatte schon länger von einigen grauen Haaren gewusst. Aber heute kam sie sich entsetzlich viel ergrauter vor...
Sie warf sich hastig einen Umhang über die Schultern und zog die Kapuze über den Kopf, ehe sie das Haus am Meer verließ. Mit nach vorn gebeugter Kopfhaltung lief sie zu ihrer Stute, welche laut wieherte...Es hörte sich fast so an, als sei sie genauso unerfreut über dieses Wetter...
Nachdem Alexa ihre rotbraune Stute gesattelt und gezäumt hatte, schwang sie sich in den Sattel und machte sich auf den Weg zum Barbier...

...


Das Wetter war scheußlich, es regnete und der Himmel war voller dunkler Wolken. Das sah Ghiberti als er aus dem Fenster des Ladens schaute.
"Heute kommen mit Sicherheit nicht viele Kunden..Ist ja ein Sauwetter da draußen", sprach er zu Auriga und Odo, den beiden Juwelieren, mit denen er sich den Laden teilte. Beide ließen ihren Blick kurz zum Fenster schweifen, nickten ihm dann stumm zu und machten sich wieder daran die kleinen Edelsteine für die Kundschaft zurecht zu feilen und polieren.
Er ging vom Fenster quer durch den Laden zu seinen Regalen und begann sie, eine Melodie summend, zu sortieren.
Nach kurzer Zeit ging die Tür auf und brachte einen Schwall nasskalter Luft mit ins Innere des Hauses und ließ ihn frösteln.
Er drehte sich mit einem freundlichen Lächeln um und sah der Gestalt im Umhang zu, wie sie die Türe schloss.
Die Person schlug die Kapuze zurück und er betrachtete die Frau eingehend, während er auf sie zuging. ...Besonders gut gelaunt sieht die ja nicht aus, dachte er sich bevor er sie fragte:
"Dem Alleinen zum Gruße die Dame. Was kann ich für Euch tun?"
Sie zeigte an ihre Schläfen und zupfte an ihrem leicht ergrauten Haar, während sie ihm von ihrem Problem erzählte. ... Aha, wieder mal eine von denen...
Er nickte zu ihren Worten, nahm ihr den Umhang ab und ließ sie auf einem Stuhl Platz nehmen.
"Ihr möchtet also Eure grauen Haare überdecken...Nun...die Fertigung eines Färbemittels, welche Haare schwarz färbt dauert äußerst lange. Sechzig Tage um genau zu sein...", erklärte er ihr und beobachtete ihre Reaktion.
Die Frau runzelte die Stirn. "Geht es nicht schneller? Sie stören mich ja jetzt..."
"Nana gute Frau...da hätten sie mir vor zwei Mondläufen mal Bescheid gegeben dann hätte ich jetzt den Brei fertig", sprach er sichtlich amüsiert zu ihr und zwinkert ihr sachte zu.
Niedergeschlagen nickte sie kaum merklich.
"Also möchtet ihr Euch die Haare färben lassen oder nicht?"...Abermals war ein Nicken von ihr zu sehen..."Gut...Dann lasse ich Euch in zwei Mondläufen einen Brief zukommen...Wohin darf ich den Boten schicken?.....Zum Haus des Handwerks? An Frau N'yota?", fragte er noch einmal nach, ehe er es sich in einem dünnen Buch notierte. Er reichte ihr den Umhang zurück und verabschiedete sich von ihr.
Das hieß jetzt erst mal wieder Arbeit...Er musste zu allererst in den Wald zu dem kleinem Teich gehen, wo er immer alle Egel sammelte die er brauchte...
Sein Blick fiel auf die kleine Wanduhr und er nickte langsam.
"Ich mach Schluss für heute...Muss jetzt in den Wald...Bis morgen...", sprach er zu den beiden und war schon mit seinem Umhang und einem Korb, mit einem Glas darin, die Türe hinaus.

Am Teich im Wald angekommen, streifte er sich seinen Umhang ab und hing ihn über einen niedrigen Ast eines Baumes. Rasch streifte er sich seine Stiefel ab, stellte sie neben den Baumstamm und griff nach dem Glas.
Langsam stapfte er in das Wasser um durch die Bewegung die Blutegel anzulocken. Er merkte wie sie sich an seinen Waden festbissen. Immer wieder hob er das entsprechende Bein an und zog sie von jenem.
Die abgezogenen Egel steckte er nacheinander in das Glas.
Um eine ausreichende Menge zu haben musste er dieses füllen.
Nach über einer Stunde stieg er mit einem vollem Glas Egel aus dem Teich.
Er war froh, dass sich das Wetter gebesserte und der Regen schon vor einiger Zeit aufgehört hatte. Nachdem er das Glas in den Korb gestellt hatte, schlüpfte er in seine Stiefel und warf sich rasch den umhang über die Schultern. Den Korb greifend machte er sich eilig auf den Weg nach Hause.
In seiner recht kleinen Hütte angekommen ging er in seinen Keller, welcher dazu diente die Dinge für seine Arbeit zurechtzumischen.
Er tötete die Egel in einer Schüssel Salzwasser und warf sie danach wieder zurück ins Glas...Nun mussten sie nur noch verwesen...
Das Glas wurde in eine Ecke gestellt und die Kellerklappe für einige Tage nicht mehr geöffnet.
Nach einigen Tagen ging er in den Keller um den Verwesungsgrad der Blutegel zu überprüfen. Der Geruch alleine sagte ihm schon, dass alles nach Plan verlief.
Eifrig machte er sich daran in ein kleines Fass mit zwei Krügen Essig zu füllen, ebenfalls gab er einen Krug Wein hinein. Er stellte sich ein Glas zurecht und füllte es zur Hälfte mit Minzöl, den Rest füllte er mit Rosenöl auf. Mit zuammengekniffenen Augen schüttet er auch den Inhalt des Glases in das Fass. Zu Guter letzt Ließ er mit verzogener Miene alle verwesten Blutegel hineinfallen. Das Ganze hatte nur wenige Minuten gedauert und nun beeilte er sich das Fass luftdicht zu verschließen.
Jetzt musste das Ganze nun noch 60 Tage reifen...

...
Alexa N'yota
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Beitrag von Alexa N'yota »

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Einige Wochen später, wenige Tage vor dem Öffnen des Färbebreis, machte er sich daran eine wohlduftende und pflegende Mischung anzurühren.
Gheberti begann seine Regale zu durchsuchen und griff sich einen recht großen Flakon, stellte diesen auf den Arbeitstisch und eilte hinauf in seinen Küchenbereich der Hütte.
Er nahm sich einen Topf Honig, eine Flasche Bier, eine Zitrone und ging mit den Sachen wieder hinab in den Keller. Auf den Arbeitstisch stellt er einige Gläser und einen Tonkrug zurecht. Nun begann er mit einem großem Holzlöffel Honig in das erste Glas zu füllen. Als das Glas voll war verschloss er den Honigtopf wieder und füllte das nächste Glas halb mit Pfirsichöl. Als er auch dies getan hatte, griff er sich ein kleines scharfes Messer und schnitt die Zitrone auf. Bevor er die beiden Hälften in dem dritten Glas auspresste legte er noch ein Sieb darüber, um die Kerne der Zitrone aufzufangen. Das Glas war nach einigen Minuten zur Hälfte mit dem Saft gefüllt und er legte das Sieb und die Schalen beiseite. Sein Blick wanderte auf die Flasche Bier und ein kurzes breites Grinsen huscht über seine Lippen. Er griff die Flasche, öffnete sie und schüttete die Hälfte des Flascheninhaltes in das letzte Glas. Dann schwenkte er die Flasche kurz etwas und setzte sie an seinen Lippen an. Mit einem Zug leerte er das restliche Bier aus der Flasche und setzte sie mit einem wohltuendem Seufzen ab.
Sein Blick glitt über die vier Gläser auf dem Arbeitstisch und summend machte er sich daran alle Gläser in dem Tonkrug auszuleeren. Seine Hand griff nach dem großen Holzlöffel und er begann kräftig den Inhalt des Kruges durchzumischen. Als alles gut vermengt war verschloss er den Tonkrug mit einem passenden Deckel und verließ seinen Keller wieder.
...

Alexa war gerade dabei einen Auftrag abzuarbeiten und schnitt einige Lagen des grauen Trollleders für eine lederne Rüstung zurecht, als ein Bote die Klingel des Handwerkshauses betätigte. Sie lies ihre Arbeit liegen und ging zum Eingang um die Türe zu öffnen.
Der Bot teilte ihr mit das der Barbier den Auftrag fertig hatte und sie in seinem Laden erwartete. Sie hatte den Auftrag schon längst wieder vergessen und blickte den Boten kurz verwirrt an ehe es ihr langsam einfiel.
"Sagt ihm ich werde in einer Stunde bei ihm sein...", bei diesen Worten verabschiedete sich der Bote und sie schloss die Tür...
Eine Stunde später öffnete sie die Türe des Ladens von dem Barbier Gheberti und den beiden Juwelieren. Sie ließ ihren Blick durch den Raum schweifen und nickt allen freundlich lächelnd zu: " Dem Herrn zum Gruße..."
Gheberti empfing sie mit geöffneten Armen und führte sie, eine Hand an ihren Arm legend, hinter einen Vorhang. " Ich hoffe ihr habt einige Zeit mitgebracht.", sprach er zu ihr und bot ihr einen gepolsterten Stuhl an, welcher eine seltsame Kopflehne...oder war es eine Nackenstütze?...besaß.
Sie nickte langsam und machte sich auf eine lange Prozedur gefasst.
Der Barbier ging um ihren Stuhl herum und hängte einen großen Eimer unter die Nackenstütze. Er ging zu einem Regal und nahm ein großes dunkelblaues Handtuch und legte es ihr um die Schulter. Sie selbst zupfte vorne an den Enden des Handtuchs noch etwas rum, sodass die ihre Kleidung auch von vorne geschützt war. Gheberti griff ihre Haare, hielt sie hoch und zog den Kopf nach hinten auf die Nackenstütze, dann ließ er die Haare wieder los.
Rasch zog er sich dicke Lederhandschuhe an und öffnete ein kleines Fass auf dem Tisch. Mit einer Kelle rührte darin erst herum und begann die dunkle Flüssigkeit in einen Krug zu schöpfen.
Mit dem Krug in der Hand trat er hinter den Stuhl und Alexa schloss rasch die Augen.
Langsam wurde der Inhalt des Kruges über ihrem Haar ausgeschüttet, es fühlte sich nass und kalt an. Ein beißender Geruch drang Alexa in die Nase...Es roch nach Essig und Minze...Sie kniff ihre Augen feste zusammen aus Angst das vielleicht etwas vorne über ihr Gesicht lief.
Gheberti füllte den Krug wieder auf und schüttete wieder den Inhalt über Alexas Haaren aus. Das wiederholte sich noch ein paar Mal bis das kleine Fass leer und die Haare gut durchfeuchtet waren. Da das Ganze sehr flüssig war tropfte und lief es von ihren Haaren hinab in den Eimer, welcher hinter ihrem Stuhl hang.
So saß sie zwei Stunden lang, immer wieder hob sie ihre Hände zum Nacken um in ein wenig zu massieren und hob den Kopf ab und zu ein Stück an. Sie brummelte missmutig und beschwerte sich bei Gheberti darüber, dass das Farbgemisch auf ihrer Kopfhaut brannte und ziemlich warm wurde.
Der Barbier hatte inzwischen das Fenster aufgemacht und eine wohlduftende Kerze angezündet.
Zwischendurch stand Gheberti hinter dem Stuhl und fasste durch ihre Haare und brummte dabei zufrieden.
Nach zwei weiteren Stunden war es wohl soweit, denn Gheberti begann mit aufgewärmten Wasser, welches er aus einem Eimer über ihre Haare schüttete, das stinkende Zeug aus ihren Haaren zu waschen.
Kaum wollte Alexa den Kopf heben und sich wieder aufrecht hinsetzen, zog der Barbier den kopf wieder zurück." Halt! Wenn sie jetzt so gehen werden ihre Haare das nächste halbe Jahr so stinken wie sie es jetzt tun", sprach er schon fast erschrocken und begann eilig einen Tonkrug zu öffnen. Er ging rasch hinter den Stuhl, nahm den vollen Eimer und leerte ihn aus dem Fenster aus, ehe er den leeren Eimer wieder an seinen Platz hing. Er griff den Tonkrug und begann die wohlduftende Mischung über die inzwischen Pechschwarzen Haare auszuschütten. Das Gemisch war angenehm kühl und Alexa seufzte erleichtert auf. Auch der Geruch stieg ihr in die Nase...Honig...Pfirsich...und ein wenig Zitrone...
Gheberti wrang die Haare kurz aus und zwirbelte sie dann zu einem großen Dutt, setzte Alexa eine enge Mütze auf und lächelte sie an:
" Ihr seht zwar mit der Mütze nun etwas seltsam aus, aber Ihr solltet das, was ich Euch eben in die Haare getan habe, innerhalb der nächsten drei Tage nicht auswaschen..."
Sie nickte müde, bezahlte den Barbier und machte sich eilig auf den Weg nach Hause...Sie wollte sich jetzt nur ausruhen. Nie im Leben hätte sie gedacht das es so eine Tortur sein könnte zum Barbier zu gehen...
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