Willst du...

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Una Llastobhar

Willst du...

Beitrag von Una Llastobhar »

Die Empörung pochte ihr in den Schläfen und malte schwache, rötliche Zornesflecken auf die bleichen, marmorgleichen Wangen. Die Wut weckte das Feuer in der kleinen Erzmagierin und sie verspürte nicht übel Lust ihren Banknachbarn Feoras de Jagotin noch in diesem Moment gewaltig an den leicht spitzen Ohren zu ziehen um ihn, wie einen unartigen Bengel, gehörig zu läutern.

Wie konnte er sich nur derart daneben benehmen?

Er hatte doch im Grunde den plötzlichen Einfall gehabt, dass man die Einladung der neuen Nachbarn recht urplötzlich an diesem Abend einlösen wolle. Rasch hatte sie etwas Brot und Salz, in alter Tradition Geschenke für ein gutes Zuhause, in Linnentuch geschlagen, ihre einfache Haustracht gegen edlere Abendgarderobe getauscht um dem längst loseilenden Manne hinterher zu hechten. Mit dem Erfolg, dass das Tor der „von Drachenfelsens“ erst einmal länger für sie verschlossen blieb, da die nichts ahnenden Nachbarn selbst wohl ausgeflogen waren um den lauen Abend zu genießen.
Das Schicksal meinte es diesmal noch gut mit Feoras, denn gerade als Unas bissige Kommentare zu seiner „grandiosen Idee“ drohten spitzer zu werden, da wurde der Hofmagier durch das Auftauchen des ersten Hausbewohners gerettet.
Finn von Drachenfels, ein junger, herzensfreundlicher Barde, bat die beiden Magier auf das ehemalige Gryffenhorster Gut. Mit seiner geselligen Art und der lockeren Gesprächskultur ließ er Una rasch vergessen weshalb sie denn eigentlich gerade noch so erzürnt war.
Als nur wenige Momente später auch noch Hochgeboren Liliana von Drachenfels, die ebenso weise wie wunderschöne Schwester Finns, durch das Gatter zu ihnen in den Garten trat, konnte sich in Windeseile eine nette Plauderkonversation entwickeln, durch welche man sich ein wenig genauer beschnuppern konnte. Das Ganze krönte zuletzt im Angebot Lilianas die kleine Keara auch unter ihre Fittiche zu nehmen, da sie doch gerade im Hinblick auf die hohe Kunst der Heilung besonders versiert war.
Ach, der Abend plätscherte so angenehm erfrischend und belebend vor sich hin, dass Una sogar den beginnenden Nieselregen ignorieren konnte. Von ihrer Seite aus hätte es bestimmt noch bis weit in die Nacht so gehen können- doch noch als solche Gedanken sie beschwingten, ließ Feoras das „Kind“ in den Brunnen fallen… verdammt tief.

„Nun, äh… es wird dann aber auch Zeit. Ich will ja ungern diese Versammlung auflösen, aber…“

Aber? Aber dennoch tat er genau dies! Wirkte recht grundlos ungemein beschäftigt und verabschiedete sich mit nur wenigen Worten und einer hastig hingeworfenen Höflichkeitseinladung. Sie versuchte zu retten was, in ihren Augen, zu retten war und bemühte sich heftig ihr erhitztes Gemüt auf dem Heimweg abkühlen zu lassen. Allerdings vergeigte er auch diese gütigen Angebote und setzte der Frechheit noch ein Krönchen auf, als er plötzlich nuschelnd vorschlug, den Abend doch noch etwas im Freien zu genießen, weil man ja sonst keine Geschäfte zu verrichten hatte.

Heftige Zurückhaltung ihrerseits warf ihm „nur“ eine eisige Kältewelle entgegen statt eines deftigen Donnerwetters und mit verschränkten Armen, das Kinn kühn (und reichlich trotzig) emporgestreckt wartete sie auf eine (hoffentlich verdammt gute) Erklärung für sein widersprüchliches, unhöfliches, ja vielmehr unmögliches Verhalten.
Der junge Hofmagier tat seiner Holden diesen Gefallen und begann stammelnd und stockend, während sein Blick nicht, wie so oft, sanft auf ihrer Gestalt ruhte, sondern unstet den Raum absuchte.
Nervös! Er war definitiv unglaublich nervös und verunsichert. Irgendetwas bereitete ihm wohl Bauchschmerzen- irgendetwas, was er nicht direkt ihr gegenüber aussprechen konnte.

Kälte und Zorn schrumpften in sich zusammen, als sie diese Erkenntnis traf und sich plötzlich auch ihr Magen schmerzlich zusammenzog. Lag es an den mitleidig, doch freundlich gesprochenen Worten Lilianas bezüglich ihrer äußeren Erscheinung? Selbst jetzt, nach bald einem Jahrzehnt auf Gerimor, nach langen Lehrzeiten in Tirell und bald ebenso langer Amtsbekleidung am Konvent des Phönix, hatte sich ihr Körper kaum weiterentwickelt. Noch immer würde man sie auf den ersten Blick für ein heranreifendes Mädchen im Alter von etwa 14 Jahren schätzen und auch jetzt waren verwirrte Gesichter voller Fragen bezüglich des hohen Amts, welches das vermeintliche „junge Ding“ da bekleidete an der Tagesordnung.. Doch sie hatte gelernt damit zu leben, hatte bald schon monoton eine adäquate, rasche Antwort parat und lächelte stets verständnisvoll, wenn man sich danach oftmals beschämt bei ihr entschuldigte oder ihr eine Art „Beileid“ aussprach.
Ja, sie hatte sich auch damit abgefunden, dass ihre schmalen, kindlichen Hüften kein kleines Leben hervorbringen würden… aber was war mit ihm? Erwachte nun in Feoras der Wunsch Vater zu werden? Nagte es an ihm, dass sie ihm zumindest kein Kindlein schenken würde? Ja und sollte dies der Fall sein, was wäre wohl die Folgerung?

Aus dem flauen Gefühl wurde eine plötzliche Übelkeit und beinahe dankte sie es ihm, dass er sie mit sanfter Stimme und der Aussicht auf etwas guten Wein wieder an die frische Luft lockte. Spazieren wollte er, ja, nur spazieren und gemeinsam etwas Zeit verbringen.
Fast hatte sie sich soweit beruhigt und jegliche, negative Gedanken beiseite geschoben, da kehrte er mit ihr in der Schenke der Marktplatztaverne ein um einen ganz besonderen Platz zu besetzen.

„Erinnerst du dich…?“

Ach, wie konnte sie sich nicht erinnern?
Damals hatte er mit drei kleinen Worten einen Steinwall im Leben der Kindsmagierin gesprengt und Unas Leben mit einem Schlag so massiv verändert, dass sie glaubte, nein wusste, ein Wunder ward ihr geschehen.

„Ich liebe dich…“

Genauso wie in dieser Nacht ergriff er ihre bleichen, kühlen Hände und versuchte ihren Blick mit seinen tiefgründig funkelnden, zweifarbigen Augen zu fangen. Wie damals legte er ihr beschwichtigend den Finger auf die bebenden Lippen und löschte jegliche Angst mit einem etwas bübisch-linkischem Lächeln, welches ihr offenbarte, dass er selbst zwar vor Nervosität pulsierte, jedoch keine Schreckensnachricht auf sie beide wartete. Fassung und Neugierde wallten in ihr hoch und eine gütige Eingebung veranlassten sie dazu, seinen Handrücken liebevoll mit den Daumen zu streicheln. Ein wenig innere Ruhe zumindest wollte sie ihm damit zurückgeben.
Sein Blick flackerte sehnsüchtig auf und nach einem leisen Seufzer öffnete sich sein Mund plötzlich langsam um wieder einmal mit wenigen, leisen Worten Unas Leben wundersam zu verändern:

„Willst du meine Frau werden?“

[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/Antrag.JPG[/img]
Feoras de Jagotin

Beitrag von Feoras de Jagotin »

Die eine Frage...

Wunschdenken... ja, definitiv. Das muss es gewesen sein. Wie sonst auch konnte Feoras so naiv sein und glauben, dass er mit Cathal den schwierigeren Teil hinter sich gehabt hatte?

Einige Tage im Nachhinein betrachtet wird es immer klarer, aber dass Liebe SO blind machen kann? Natürlich hatte es einiges an Überwindung für ihn gekostet, bei Cathal um Una's Hand anzuhalten, ist ihr Vater doch nicht auf Gerimor zugegen. Doch es war nichts, absolut gar nichts im Vergleich ♠zu der einen Frage, die er seiner Geliebten an jenem Abend stellen wollte.

Zuerst war alles noch ganz nach seiner Vorstellung. Gemeinsam besuchte man die neuen Nachbarn, Liliana und Finn von Drachenfels. Es wurde nett geplaudert, während die Gesellschaft den lauen Sommerabend im wohlbekannten Garten genossen - nichts, aber auch rein gar nichts schien diesen Abend verderben zu können, wusste Feoras doch ganz genau, was er Una später fragen würde, wenn sie zuhause... nein, Moment? Zuhause? Wie unromantisch ist das denn? Es muss doch etwas besonderes sein.
Damit man sich auch gerne daran erinnert, damit es ein schöner Augenblick wird. Denn "Ja" wird sie sowieso... also, das wird sie doch, oder?

Es war das reinste Gedankenwirrwarr, dass in genau diesem Moment über Feoras hineinbrach und sich einem Wasserfall gleich über ihm ergoss. Und zu der größten Unzufriedenheit seiner selbst konnte er keine Antworten auf diese Fragen finden. Das Gespräch mit den Gastgebern verlor innerhalb von Sekunden sämtliche Bedeutung, das Interesse an so ziemlich allem verflog etwa genau so schnell wie das gute Wetter, als langsam ein Regen einsetzte - ob das nun mit ihm in Zusammenhang stand, wusste Feoras selbst nichtmal.

Jedoch tat er alles, um mit einem minimalen Aufwand an Etikette und Höflichkeit schneller das weite zu suchen, als er es jemals zuvor tat. Glücklicherweise waren die Herrschaften von Drachenfels freundlich und wenig davon beeindruckt, ganz im Gegensatz zu Una, in der mit jedem weiteren Kommentar in Richtung "Wann gehen wir denn endlich?" sich mehr und mehr Wut anstaute.
Letztlich konnte Feoras sich dann aber doch durchsetzen, man verließ das nachbarschafltiche Anwesen und ging nach Hause. Die stichelnden Fragen der kleinen Person neben sich nahm er dabei nicht wirklich wahr.

"Aber nein, das ist doch falsch!" schoß es ihm durch den Kopf, als er die Haustüre durchschritt. Genau DORT wollte er doch gar nicht hin. Wie ein zerstreuter Professor versuchte er mehr schlecht als recht, Una zu besänftigen und führte sie in die Taverne am Marktplatz, zu einem kleinen Tisch hinten in der Ecke der Terasse. Denn genau an diesem Tisch kamen sich die beiden einst das erste mal näher und küssten sich. Hier verband sich, was nun ewig währen soll.

"Nun, falls sie denn einwilligt... aber bestimmt wird sie das. Oder?"
Eins muss man Feoras wirklich lassen - er hatte ein unverwechselbares Talent, mit vielen Worten nichts zu sagen und in epochaler Länge um den heißen Brei herumzureden. Es ist nicht so, dass er nicht den Mut gehabt hätte, direkt zu fragen. Es war vielmehr die Angst vor einer niederschmetternden Antwort. Letztlich nahm er dann aber jedoch wirklich den gesamten, kümmerlichen Rest an Selbstbewusstsein zusammen, der ihm verblieben war, um das Wechselbad der Gefühle an seine Gegenüber weiterzugeben:

"Willst du meine Frau werden?"



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[img]http://www.kunstsam.de/cartoon_hochzeit.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Feoras de Jagotin am Samstag 7. Juli 2007, 14:24, insgesamt 1-mal geändert.
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