Raus aus meinem Leben!

Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Ich habe offen gestanden auch Angst, daß sie sich immer weiter zurückflüchtet, bis an Orte, die nicht mehr gut für sie sind..."
"Richtig. Solche Momente machen sie angreifbar für Diener des Panthers, oder schlimmeres."
"Himmel, ich will sie nicht auch noch verlieren... Ich muß los. Ich muß da nachsehen."

"Zwing mich nicht, zu schießen, Darna..."
So weit war es also? Vielleicht waren die Worte so leer wie die Drohung schon angesichts ihres körperlichen Zustandes - Viola konnte ja kaum mehr auf ihren zwei Beinen stehen. Aber daß sie solche Worte überhaupt ihr gegenüber aussprach, zeugte von der Verzweiflung. Ein verletztes Tier. Sie neigten dazu, auch dann zu beißen, wenn man ihnen helfen wollte.
"Er ist tot ... ich hab ihn umgebracht ... und nur ... weil es musste. Er wollte Nele weh tun ...."
Viola schien kaum zu wissen, was sie redete, gleichzeitig zum lügen offenbar wohl kaum fähig. Das reichte ihr. "Nochmal wirst du mir nicht einfach weglaufen, den Fehler lass ich dich nicht nochmal machen." Es erwies sich als Segen, daß Viola das Manöver mit dem sich scheinbar nur unruhig wendenden Pferd nicht mal als kontrolliert erkannt hätte, wenn sie reiten könnte - vor ihrem Blick verborgen, löste Darna die blaue Phiole vom Gürtel. Gewohnheit, den Paralysetrank dort noch wie nach Gardevorschrift zu haben.

Überhaupt hätte sie danach genausogut in Uniform sein können. Die in der Kirche noch von eigenen persönlichen Problemen geplagte Gestalt war hier ganz noch die Frau Oberst, die strenge, unnachgiebige, sachliche Person. Wichtige Personen ihrer Umgebung funktionierten nicht richtig, dann funktionierte sie eben umso besser und genug für zwei - das geschah ganz von selbst.
So beobachtete Selissa mit verhaltenem Entsetzen, mit welcher unpersönlichen und exakt zielgerichteten Art Darna Viola mit dem Trank aufhilet, und danach ihrer Knappin Anweisungen gab, um das gelähmte Mädchen zu fesseln. Ganz ordentlich, zügig, Hände auf den Rücken, Knoten außer Reichweite, so wie man das mit Verbrecher XY auch machen würde.

Weniges, was gerade tiefer blicken ließ. Sie gab Selissa Violas Bogen: "Pass gut darauf auf. Ist ihr wichtig."
Ein sarkastisches Brummen: "Komm zur Garde, haben sie gesagt..."
Sie zog Viola mit Selissas Hilfe vor sich in den Sattel: "Wir müssen zum Nebelwald. Zügig." "Warum dorthin?" "Heiler", lautete die schlichte Antwort.
"Und zwar ein Heiler fern der Stadt. Ein Heiler, wo sie möglichst ohne Panik zu Kräften kommen kann. Wenn sie wieder weiß, was sie tut und was sie redet, können wir weitersehen. Aber das Weglaufen und alles nur noch schlimmer machen ist vorbei, Kleines. Manchmal muß man eben doch in den Sumpf reingreifen und zupacken, um jemanden da rauszuholen."
"Wie gut bist du selber mit deiner Krankheit fertig, Selissa? Keine Beschönigungen."
"Es geht..."
Darna nahm Viola den Schlüssel zum Fuchsbau ab, gab ihn Selissa.
"Hier... sieh im Fuchsbau nach, ob alles Notwendige da ist, daß die Kleinen versorgt sind. Kennst du Fuchs oder Dolly?"
"Schau bitte, daß du hoffentlich einen von ihnen antriffst. Du musst nicht die ganze Zeit hierbleiben, aber es wäre gut, wenn ihnen jemand sagt, daß Viola versorgt wird und sie sich nicht sorgen müssen. Ich werde im Nebelwald die Druiden suchen."
"Ist gut, mach ich."

Die Huftritte des Pferdes verklangen, als sich noch vor dem Morgengrauen der riesige Wald als breite Dunkelheit in der Nacht vor ihnen abzeichnete. Direkt zur rechten Hand die schwindelerregend hohen Felswände des Götterberges. Nebelschwaden hingen zwischen den Bäumen - wie immer. Daß diese Unheimlichkeit auch vertraut werden konnte, im Moment nur erahnbar.
Ohne Violas sicheren Sitz zu gefährden, zog die Adlerritterin ihre Schwertscheide auf den Rücken, sah vor sich zu den Bäumen.

"Ich komme in friedlicher Absicht!", mischte es sich als Ruf in die Nebelschwaden, eine seltsame Lautstärke: deutlich, darum bemüht, Aufmerksamkeit zu finden, und doch die nächtliche Ruhe nicht mehr als notwendig zu stören.
Dann hieß es warten. Warten, daß schon wie gewohnt irgendwelche Ohren sie hören würden. Warten, mit diesem Mädchen im Arm, die gerade kaum nach mehr aussah als eine leblose zu große Puppe...
Miriam Mandelbuche

Beitrag von Miriam Mandelbuche »

Früh war sie aufgestanden. Galt es doch die Tiere zu versorgen und das Obst zu ernten. Die junge Kuh, die sie von ihrer Großmutter mitbekommen hatte, duldete es wenig wenn es um das Melken ging und so machte sie sich leise, ihren liebsten ja nicht wecken, auf den Weg. Leise summte sie bei der alltäglichen Arbeit und so war sie rasch fertig. Kurz schaut sie auf das Schlafhaus und huschte dann in ihre Schneiderstube. Neue Tücher müsste sie holen und auch einige Kräuter. Miri erinnerte sich genau daran wie die Elfe sie angewiesen hatte den Brei zuzubereiten für die Wadenwickel.

„Alraune, Knoblauch, Äpfel und Trauben“ murmelte sie leise während sie etwas Stoff zurechtschnitt. „Den Ginseng darf ich nicht vergessen…“

Nur kurze Zeit später befand sie sich im Haupthaus und schälte das mitgebrachte. Sie schichtete einen Holzstapel in der Kochstelle auf und hängte einen kleinen sauberen Topf über das angefachte Feuer. Rasch köchelte das Wasser und sie gab die Schalen und Kerngehäuse, die sie in ein Sauberes Tuch gelegt hatte, hinein.

Wie so oft begann sie bei ihrem Arbeiten unbewusst zu summen und ein bitterer - knoblauchartiger Geruch machte sich im Raum breit. Miri`s Magen wusste grade nicht ob er Hunger haben sollte oder ob ihm übel war. So beschloss sie wenigstens etwas kalten Tee und eine Scheibe Brot zu essen.

Mittlerweile waren die schalen ausgekocht und sie drückte auch jeden noch so kleinen Rest der so gewonnen Flüssigkeit durch das Tuch wieder in den Topf zurück. Fast hätte sie sich am Brei noch verbrannt aber zum glück fielen ihr die Handschuhe wieder ein. Zu der Flüssigkeit gab sie jetzt die ganz klein geschnitten Apfel- Knoblauch- und Alraunenwürfel ehe sie die Weintrauben abzupfte um auch sie mitzukochen. Der Stamper lag noch von gestern neben der Feuerstelle so dass sie ihn rasch noch säubern musste ehe sie das ganze zu einem Brei zerdrücken konnte.

Sie brachte das ganze dann hinüber zum Schlafhaus und legte der dort Schlafenden ganz vorsichtig die Wadenwickel an. Eigentlich müsste die junge Frau doch davon aufwachen dachte sie sich im Stillen, aber entweder wirkten die Tropfen der Elfe noch so gut oder aber der Schlaf war mehr als nötig gewesen. Laut der elfischen Heilerin sollte sie auch das Ginsengstück unter der Zunge austauschen aber das wollte Miri dann doch erst machen wenn das zierliche Geschöpf wach wurde.

Sie versprach sich im Stillen all ihr möglichstes zu tun damit es ihr hier besser ging, denn der Körper der Schlafenden erzählte mehr als es Worte wohl je tun könnten…
Rowing Mandelbuche

Beitrag von Rowing Mandelbuche »

Schmunzelnd saß der Fuchs in einer Baumkrone nahe Bajard, und dachte dem gestrigen Tag.

Was bei Eluiv hat der Wald heute nur warum läst er mich nicht durch nach Osten warum macht er alles zu und gibt mir einen Pfad gegen Süden. Ist es das Moosmonster wo umgeht wovor du mich schützen willst oder was ist los. Fragend blickt er die bäume an uns seufzend ging er weiter gegen Süden immer dem Pfad folgend welchen ihn der Wald vorgab.

Pferde wiehern was ist das den Bogen kampfbereit machte, mit einen Gruß in Eluiv’s Namen betrat er die kleine Lichtung und erblickt Darna mit einer verletzten jungen Frau. Kurze Worte der Erklärung worauf eher eine Anweisung ihm zu Folgen, der Fuchs preisgab.

Wieder war er erstaunt als Sie dem Pfad des Waldes folgten, welcher die Gruppe sicher Richtung dem Lager der Geister geleitete.

Dort angekommen wurde das Mädchen, Viola ihr Name, wie er später von Darna noch erfahren sollte, notdürftig ins Gästehaus gebracht. Nach kurzen weiteren Worte durch Darna erfuhr er die ganze Geschichte, solange Sie verletzt ist kann Sie bleiben.

...................................................................

Seid langem sah er keine Elfen mehr am Lager der Geister und dann gleich Ihrer drei auch noch eine Heilerin unter ihnen. Er denkt wirklich an alles der Wald.

Viola wurde die wohl beste Möglichkeit der Heilung zu teil und er war erleichtert doch nicht Barian holen zu müssen. Nein nicht weil er Barian für unfähig halten würde hatte er doch zu diesen „Metzger“ vertrauen, nein es ging ihm eher um Viola, es sollte noch keiner wissen wo sie ist.

....................................................................

Nach dem Darna einige bissen zu sich nahm und Viola eine stärkende Rinderbrühe getrunken hate, begann das Verhör. Breitwillig erzählte Viola was alles geschehen ist, seufzend sagte der Fuchs seine Hilfe zu. Irgend wie gefiel es ihm, der große Fuchs sucht den kleinen Fuchs, bei zwei Füchse kann es nur gut enden, wie recht er damit doch hatte. Sicher führte er Darna aus dem Wald und besuchte mit ihr den Ort der Bluttat.

....................................................................

Ein Lachen so rein und hell erklang am Westor von Varuna. Darna, Sie lachte und auch dem Fuchs war nach scherzen. Ich werde das Füchschen schon finden Darna, Eluiv mit dir.


Was für ein verrückter herrlicher Tag es doch war.
Selissa von Appelthane

Beitrag von Selissa von Appelthane »

"Hier... sieh im Fuchsbau nach, ob alles Notwendige da ist, daß die Kleinen versorgt sind.."


Leise seufzend stand Selissa vor dem Fuchsbau, unschlüssig was sie tun sollte. Es war spät Nachts, als sie Viola gefunden und Darna sie überwältigt und fort geschafft hatte, die beiden Kinder würden also vermutlich schon längst schlafen. Sie wollte sie nicht wecken und ihnen Angst machen, andererseits wenn sie aufwachten und Viola war spurlos verschwunden, war das vermutlich auch nicht viel besser.
Selissa betrachtete den Schlüssel in ihrer Hand, dann gab sie sich einen Ruck und trat durch das kleine Gartentor. Dolly kannte sie wenigstens, aber wer dieser "Fuchs" war und wie er reagieren würde, das war ungewiss. Zumindest würde sie ihnen erklären müssen, dass es Viola gut ging, sie aber die nächste Zeit nicht kommen würde. Und dass Selissa währenddessen für sie sorgen würde.

Tief durchatmend schloß Selissa die Tür des Unterschlupfes auf, um sich dann möglichst leise durch die Tür zu schieben, darauf bedacht die beiden nicht zu wecken. Sie wollte es ihnen erklären, wenn sie aufgewacht waren, währenddessen begann sie sich im Fuchsbau umzusehen..nachsehen was es an Nahrungsmitteln fehlte..
Jan Braeuer

Beitrag von Jan Braeuer »

Fernab des Fuchsbaus lag der kleine Fuchs, nahe an Viola gekuschelt und schlief... ruhte selig und träumte. Träumte ein Gewirr aus Geschehnissen, die sich (wie schon so oft) zu einem bizarren Mischmasch aus Wahrheit und kindlicher Fantasie verweben ließen...

Mit großen Augen starrte das kleine, rötliche Füchslein auf das seltsame Wesen: Es sah einem Fuchs sehr ähnlich, doch war es ungleich größer als das kleine Füchschen und sein Fell schimmerte in geradezu schreiendem Grün, als wäre es aus Moos und Gras gefertigt.

"Komm, kleiner Fuchs... ich weiss wo Viola ist, komm, folge mir..."

Misstrauisch beäugte der Kleinere das Wesen und trat auf leisen Pfoten etwas zurück, als er die anderen Gestalten um den Grünfuchs sah. Ein Falke, mit gütigen Augen, der einen krächzenden Namen wie 'Lamiooo' oder Lamo' ausstieß und ein Hirsch, der recht schweigsam und sanft erschien, blickten auf den kleinen Fuchs herab... auch sie trugen grünes Fell, welches sie fast mit dem Wald verschmelzen ließ.

"Woher weiss ich, dass du nich lügst...? Was is, wenn Viola was passiert is..?"

"Folge mir, du brauchst den Stein nicht mehr nutzen...",

wiederholte der Grünfuchs nur mit mächtiger Stimme und machte einen Satz in Richtung des kleinen Füchschens. Doch ehe sich dieser auch nur ducken konnte, war der Grünfuchs an ihm vorbeigeprescht, ins Unterholz hinein. Die anderen grünen Gesellen waren verschwunden und so blieb dem kleinen Fuchs nichts anderes übrig, als tapfer eine Pfote vor die andere zu setzen und in dem Grünfuchs zu folgen.
Als sie tiefer ins Dickicht kamen, leuchteten die Augen des Grünfuchses gespenstisch und im bizarren Lichte machten die Pflanzen ihnen plötzlich platz und gaben einen Pfad frei.

"Bist du eine Hexe?", fragte der Kleine erstaunt.

"Ich bin männlich...", war die verwirrende Antwort und das Füchschen zog es vor zu schweigen um den Pfad zu folgen... irgendwo wartete die Samtkatze.

Schließlich kamen sie endlich an einen sehr großen Bau. Beinahe schon eine Höhle und der kleine Fuchs ahnte, dass dort die anderen Grünwesen auch wohnen mussten. Durch einige Gänge führte ihn der Grünfuchs und schließlich blieb er vor einem seltsamen Schleier stehen.

"Sie schläft... du musst leise sein. Sie war sehr erschöpft!", mahnte er.

"Ich weiss...", gab der kleine Fuchs leise zurück und ein ehrliches "Danke sehr" kam über seine Schnauze, ehe er beherzt durch den Schleier sprang.

Welch Bild rührte sein tapferes, kleines Herz: da lag die Samtkatze mit geschorenem Fell in weisse Linnen gebettet und schlief. Vorsichtig gesellte er sich zu ihr, blinzelte ein paar Tränchen fort, rutschte nahe an sie heran und spürte ihre Wärme...
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Wieder daheim, jedenfalls so in etwa.

Der Tag hatte seinen Anfang genommen wie die letzten beiden. Viola war früh aufgewacht und sah auf die schlafende Nele neben sich, leise erhob sie sich dann um herauszutreten und etwas frische Luft zu schnappen. Draußen war auch Rowing, welcher wohl gerade auf dem Weg zu ihr war, welcher sie auch freundlich begrüßte. Ob er ihr etwas Gutes tun könne fragte er und Viola musste nur kurz überlegen ehe sie nickte. Sie hatte bereits seit kurzer Zeit vorgehabt Demoar einen Brief zukommen zu lassen, ihm zu versichern dass es ihr gut ginge und dass sie in Sicherheit war und so setzte sie sich auch an eben jenes Schreiben, als Rowing sich erklärte das Schreiben für sie zu überbringen. Schnell waren die zeilen verfasst und das Stück Papier zusammengefaltet welches sie ihm gab und ihm beschrieb, wo er Demoar finden könne. Auf die Frage hin ob Rowing ihm ihren Aufenthaltsort nennen sollte, verneinte Viola nur, sie wollte sich schonen und ausruhen, auch wenn sie sich schon recht fit und erholt fühlte, so wollte sie Demoar erst wieder sehen wenn es ihr vollkommen gut ging und vor allem wenn sie wieder Haare auf dem Kopf hatte. Und so machte sich Rowing auch auf dem Weg, die Nachricht zu überbringen. Viola hätte ihn aufgehalten wenn sie geahnt hätte was aus diesem simplen Botengang werden würde.

Den restlichen Tag über verbrachte sie damit, sich auszuschlafen, ihrem Körper die letzten Kraftreserven wiederzugeben die ihm fehlten. Nele war ab und zu kurz wach, doch die meiste Zeit schlief das Kind und Viola wollte gar nicht wissen wie wenig sie in den letzten Tagen geschlafen hatte vor Sorge um Viola. Der Abend kam und Viola erwachte aus einem kleinen Nickerchen als sie mehrere Stimmen nebenan hörten die recht aufgebracht schienen. Müde trat sie aus dem kleinem Schlafraum und sah sich um, trottete in Richtung der Stimmen, ehe ein Mann aus einem der Zimmer trat und sich vor sie stellte. „Ich nehme an ihr seid Viola?“ Viola betrachtete ihn nachdenklich und auch den Blick den er ihr zuwarf und dieser war alles andere als freundlich. „Das bin ich … was ist denn los?“ und dann erzählte man es ihr. Fuchs war schwer verwundet, hatte Verbrennungen am ganzen Körper und schuld war ein Magier, dem er eine Nachricht überbringen sollte … Demoar. Die Erkenntnis ließ sie einen Moment die Luft anhalten, wieso Demoar? So wie sie ihn kannte, konnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun und nun das? Was war der Grund gewesen? Man konnte ihr keinen wirklich exakten Grund nennen aber es betraf wohl einen Streit zwischen Rowing und Demoar der zu eskalieren schien als Rowing Demoar nicht über Violas Aufenthaltsort informierte. Sie schloss die Augen und seufzte tief, wieso tat er das nur? Sie torkelte mehr schon nach draußen und setzte sich auf die Stufen, war sie schuld an dieser ganzen Misere? Die elfische Heilerin wollte sie vom Gegenteil überzeugen, sie wäre nicht schuld, aber sie spürte und sie sah auch dass es die Waldgeister anders sahen. Man besah sie mit kritischen Blicken, man misstraute ihr und wahrscheinlich gab man ihr auch die Schuld an Rowings Verletzungen. Natürlich, du hast ihn ja losgeschickt … und da der Schuldige nicht da ist, bist du am nächsten dran. Mit einem male fühlte sie sich an diesem Ort fremder als je zuvor und vielleicht war es wieder einmal das Schicksal dass es gut mit ihr meinte, denn Darna und Adrenalon kamen um sie zu besuchen.

Dem Besuch ging ein längeres Gespräch nach, an welchem auch der Mann teilnahm, der Viola über Rowings Zustand informierte, Samwin sein Name. Während des ganzen Gespräches konnte sie es immer wieder fühlen, er misstraute ihr, er wollte sie nicht hier haben. Er fragte Darna und sie über den Mord aus und wieso sie hinter Viola stand. Das ganze Gespräch über schien er sich nicht wirklich positiv zu Viola zu bekennen und so war es auch nicht verwunderlich dass Viola eisern schwieg als es um ein Thema ging, welches Darna ansprach. Sie wollte von Viola wissen, was sie nun dachte, was mit Sarah und vor allem ihren zwei Kindern passieren sollte, die alleine waren, ohne Mann und Vater. Aber diesen Gefallen würde sie Samwin nicht tun, sie würde nicht ihre Gefühle über ihre Schwester vor ihm aussprechen, sie gingen ihn nichts an. Und so war es für Viola weniger verwunderlich, dass dieser daraufhin Darna und Adrenalon zum Gehen aufforderte, es sei alles geklärt, wenn Viola nicht reden wolle. Dies war der Punkt an dem in ihr genug war. Sie war hier um sich zu erholen, weil Rowing ihr diesen Schutz geboten hatte und nicht um irgendeinen fremden Waldläufer alles zu erzählen, wonach es ihm beliebte. „Wenn die beiden gehen, gehe ich mit ihnen.“ Die Worte taten ihre Wirkung, denn Samwin schien überrumpelt und auch Darna und Adrenalon schauten sie überrascht an, doch letztendlich akzeptierte man ihre Entscheidung. Schweigend hatte sie ihre Sachen gepackt und auch wenn sie sich gerne bei jenen verabschiedet hätte die so freundlich und zuvorkommend zu ihr gewesen waren, so war dafür keine Zeit.

Man verließ den Nebelwald, Nele im Schlepptau. Doch wohin nun? Darna hatte die Antwort. „Zu mir nach Hause“ und auch wenn Adrenalon davon alles andere als begeistert schien, traten sie den Weg zu Darnas neuem Haus an. Der Weg dorthin führte durch Varuna und als sie neben Darna die Straßen entlang schritt, fühlte sie sich beobachtet auch wenn die gardisten ihre Anwesenheit anscheinend vollkommen egal war. Hatte Darna vorher nicht etwas von Aufhebung des Haftbefehls für eine Zeit lang gemurmelt? Letztendlich erreichten sie das Haus und sie war froh darüber. Sie hatte zwar gedacht dass sie körperlich wieder vollkommen fit war, doch schon der Marsch vom Nebelwald hierher hatte sie angestrengt und deutlich mitgenommen. Doch Daheim war das Thema noch nicht vorbei, Darna wollte nun eine Antwort auf ihre vorher gestellte Frage, was Violas Schwester anging. Viola selbst zuckte nur gleichgültig mit der Schulter, ihre Schwester ging sie nichts an und ihre Kinder noch weniger, sollten sie doch verhungern; Sarah hatte Viola schließlich auch alleine gelassen und sich einen Dreck um sie geschert. „Und das gibt dir Grund genug dich so zu benehmen wie sie?“ fragte Darna, doch wieder zuckte Viola nur mit den Schultern „Ich stehe diesen Kindern so nahe wie jedem Gossenkind in Varuna.“ Erwiderte sie gleichgültig. Darna kniff nun die Augen zusammen „Hast du auch bei jedem Gossenkind in Varuna den Vater durch erwürgen getötet?“ Das hatte gesessen und sie wusste auch nichts darauf zu antworten. Darna hatte recht, sie hatte den Vater der beiden getötet und auch wenn ihre Mutter ein Miststück ohnegleichen war, sie konnten da am Wenigsten für. Viola hatte sich später noch einmal kurz mit Darna unterhalten, ehe sie todmüde ins Bett fiel und neben der schlafenden Nele lag. Doch der Schlaf wollte erst spät kommen. Die ganze Nacht über dachte sie über Darnas Worte nach und ein Entschluss wurde gefasst, wenn dies alles hier vorbei sein würde.

Doch nun war sie froh endlich wieder daheim zu sein.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Bald war es also soweit. Die letzten Tage hatte sie in diesem Haus zugebracht, dem Haushalt von Elbenau. Auf eine Art und Weise war dies zu einem zweiten Zuhause geworden, so wie es von Darna sicherlich auch gedacht war. Seit mehreren Tagen war sie nun unter „Arrest“ in dem Haus Darnas, was ihr jedoch bedeutend lieber war als in eine Zelle im Kastell gesperrt zu werden denn hier war sie umgeben von Menschen die sie mochte und die ihr helfen wollten, von Freunden. Docht rotz allem wurde sie den Anblick des Hauses langsam überdrüssig, nicht nur dass es außer Wein rein gar nichts an Alkohol hier gab, sie durfte auch nicht raus und langsam konnte sie das Haus schon auswendig beschreiben. Doch es half nichts, sie musste warten bis es zum Tag der Verhandlung kommen würde und jener schien nicht sonderlich fern. Der siebte Tag der Woche sollte es sein, wenn sie vorgeführt werden sollte um sich zu rechtfertigen und die Strafe entgegenzunehmen, welche sie erwartete. Doch wie würde eben diese Strafe aussehen? Sie hatte sich den Kopf schon ein dutzend male darüber zerbrochen und die Möglichkeiten waren vielfältig; von dem totalen Freispruch, den sie nicht erwartete, bis hin zum Galgen, denn auch diese Möglichkeit musste sie in Betracht ziehen. Adrenalon war es, der ihr klar gemacht hatte, dass es auch eben so enden konnte, dass man ihr Fliehen, den Versuch die Leiche zu verstecken als deutliches Zeichen des mutwilligen Mordes sah und sie daher ebenso verurteilte. Viola versuchte an diesen schlimmsten Fall so wenig wie nur möglich zu denken, aber irgendwo in den hinteren Ecken ihres Kopfes spukte er umher, erfüllte nachts ihre Träume und ließ sie manchmal aufschrecken.

Doch ganz gleich wie das Urteil ausgehen würde, sie wusste dass es Menschen gab, die ihr helfen wollten und die ihr beistanden und das immer tun würden. Sie würde diese Menschen nicht durch einen weiteren Fluchtversuch oder anderen Dummheiten enttäuschen, sie würde sich ihrer Strafe stellen, komme was wolle. So stark sie sich dafür nach außen gab, umso mehr nahm die Angst in ihr zu, die Alpträume nahmen zu, je näher der Tag kam. Morgen wäre es soweit, dann würde sie wissen was sie erwarten würde und ob sie die Tat am Galgen sühnen werden müsse.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Das Urteil war gesprochen. Wie nervös war sie gewesen an jenem Tag, als sie in das Gericht geführt wurde, begleitet von Darna, Andrey und Darnas Vater, den sie seit einigen Momenten kennengelernt hatte. Jeder Schritt auf das riesige Ratsgebäude kam ihr wie ein Schritt in die Ungewissheit vor und als sie dann drin stand, sah sie auch schon Adrian und Antarian, zwei der Leute die über sie richten sollte und zu denen sich noch Rafael hinzuzählen sollte. Dann begann die Verhandlung auch bereits, Viola stand vorne im Stand und sah hinauf auf die Richterbank, jedes bisschen Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen und sie wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher als die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen. Sie fragten sie nach ihren Namen, nach der Bestätigung der Tat und dann musste sie den Tathergang erklären, sie musste vor ihnen allen erneut jenen Abend wiedergeben. Sie erzählte alles nach und nach, versuchte nichts zu vergessen oder dergleichen, doch die ersten Zwischenfragen kamen bereits früh, die Frage nach Nele welche sie einfach beantworten konnte, doch die folgenden Fragen sollten ihr schwerer aufs Gemüt schlagen. Ob sie Hass gegenüber Jenkin empfunden habe, wieso sie nicht nachdem sie ihn niedergeschlagen habe, die Garde geholt habe, wieso sie seine Drohung nicht ernst genommen habe und dann später die Frage die sie völlig aus der Bahn warf; ob sie Rahal treu sein würde, nur weil ihr Haus zehn Schritte hinter der rahalischen Grenze lag. Jene Frage schnürte ihr die Kehle zu, wie konnte man das von ihr denken? Ein jeder der Leute die dort oben saßen wusste wie sehr sie Rahal verabscheute ob der jüngsten Taten und dass sie niemals etwas für sie tun würde. Viola rechtfertigte sich, erzählte dass sie die Hütte gefunden und aufgebaut hatte, für sich und Nele und nicht einmal daran gedacht hatte dass sie im rahaler Gebiet lag. Wieder begannen die Fragen, was sie so sicher mache dass Rahal nicht von der Hütte erfahren würde und ob sie so verantwortungslos sei und die Kinder dieser Gefahr aussetzte. Mit jeder Frage welche sie so unvorbereitet traf, schien sich eine Art Schleier um ihre Augen zu legen und sie wünschte sich nichts sehnlicher als das Ende herbei. Wieso fragten sie all das? Auch ob die Frage hin, ob sie sich gut fühlen würde, wenn man ihren Mord in Rahal belobigen würde … was dachten diese Menschen gerade von ihr? Sie bereute diesen Mord so tief und die abgeschorenen Haare waren ihre Zeugen, doch die Fragen gingen weiter, bis es dann endete. Man war bereit noch die Meinung anderer einzuholen bevor man sich beraten würde und dann sprach jemand für Viola, der ihr in diesen Sekunden Hoffnung und Kraft schenkte; Darna. Letztendlich zog sich das Gericht zur Beratung zurück und Viola verharrte reglos am Zeugenstand, die Sekunden wurden zur Ewigkeit.

Als die Richter zurückkehrten, erwartete sie das Urteil und sie war sich sicher, dass es kein leichtes sein würde ob der Fragen und der Vermutungen die man ihr gegenüber stellte. Doch was im Endeffekt dabei rauskam, riss etwas in ihr zu Boden. Sie hatte den Fuchsbau zu räumen ob der Gefahr des rahalischen Einflusses, sie wurde in die Obhut und Erziehung von Darna gegeben, alles Dinge die nicht schlimm waren, doch dann kam jener Punkt; sie sollte ihre Schuld im Kloster Temoras abarbeiten. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, das Kloster. Jener Ort den sie verabscheute, jener Ort einer Gottheit, mit der sie niemals etwas zu tun haben wollte und nun verlangte man von ihr dass sie bis zum Ende des Jahres dort arbeiten würde. Sie bekam einen Teil der abschließenden Worte nicht mehr ganz mit, sie sah nur starr geradeaus, sie konnte diese Worte nicht glauben. Der Blick glitt hinauf zu den Richtern und für einen Bruchteil lag in diesem Blick nicht mehr als purer Hass. Wieso taten sie das? Wollten sie sie innerlich zerstören? Wollten sie Viola lieber rasch bekehren dass sie auch eine fromme Gläubige werden würde? Sie sah Adrians, Rafaels und Anatrians Gesicht und in jenen kurzen Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher als ihre Faust in eben diese Gesichter zu schlagen, genau wie man ihr in jenen Moment eine Faust ins Gesicht schlug. Wieso das Kloster? Wieso kein Hof an dem sie Schweiß und Blut ackern sollte für das Volk? Die Tatsache dass Lucenius, Hochwürden des Klosters, an sie herantrat und ihr sagte, man wolle sie sicher nicht bekehren, machte nichts besser. Natürlich wollte man das nicht, niemals … wieso sollte die Kirche sie auch bekehren wollen? Der Zusatz „Aber um das eine oder andere Gespräch werdet ihr nicht herumkommen …“ widerlegte seine Worte bereits wieder. Sie war enttäuscht und kaputt und so folgte sie Darna irgendwann schweigend zurück nach Hause.

All die Wut und Enttäuschung hatten sich in Nachdenklichkeit gewandelt und als sie neben Darna saß fragte sie jene, wieso man sie so quälen wollte, wieso man ihr gerade dies antat. Dienst im Kloster einer Gottheit, wobei die drei Richter wussten dass sie nie etwas mit Temora noch mit Alatar zu tun haben wollte. „Ist schon recht, wenn sie auf alatarischen Boden lebt, bekehren wir sie besser schnell, mh?“ hatte sie wütend gemeint und Darna hatte sich erst einmal alles schweigend angehört. Doch ihre Worte danach waren vielleicht härter und treffender als Viola in diesem Moment zugeben wollte. „Natürlich will der Rat dich bekehren, weil im Rat ja auch niemand sitzt der dich leiden kann und sie alle wissen ja wie leicht du zu bekehren bist deswegen schicken sie dich ja ins Kloster …“ die Worte trieften nur so vor Zynismus ehe Darna wieder ernster wurde „Denk doch einmal was eine andere Entscheidung für Konsequenzen für dich, für die in deiner Umgebung und für die, die das Urteil gesprochen haben, gebracht hätte.“ Was wohl? Keine natürlich! Doch Darna fuhr nach einer Weile unbeirrt fort. „Im Kloster hat man die Chance dir nun einiges näher zu bringen, Erkenntnis über dich selbst, moralisches, alles was du auf einem Bauernhof nicht lernen würdest“. Ohja … Moral … die Moral Temoras und man würde ihr noch sicher sagen wie sie zu leben hatte damit sie ja nicht als böse Rahalerin gehalten werden würde, eine Kirche konnte ihr NICHTS beibringen, doch sie würde es dabei belassen, sie würde auf Darnas Worte vertrauen, auch wenn sie selbst eine Ritterin Temoras war und dahingehend bestimmt so neutral war wie ein alatarischer Hohepriester der zwischen gottlos und Alatar zu urteilen hatte, aber was brachte es schon zu streiten? Genau nichts, denn der nächste Punkt brachte schon genug Brennstoff, nämlich der Fuchsbau. Viola akzeptierte den Ratsbeschluss, teilweise zumindest. Sie würde zu Darna ziehen und in ihrem Hause leben, wie man es wünschte, doch sie würde die Hütte niemals gänzlich aufgeben, dies war ihr kleiner Hort, ihr eigenes Stück Arbeit und der Rat konnte einen Teufel tun und einer Nichtbrügerin von Varuna befehlen ihren Wohnsitz sonst wo aufzugeben. Dies schien bei Darna wenig Begeisterung aufzurufen und sie fragte Viola ernsthaft ob sie nicht begriffen hätte, welche Gefahren jener Wohnsitz bieten würde. Aber welche Gefahren? In all den Jahren war kein Rahaler hergekommen und selbst wenn, in Rahal kannte sie niemand, sie war eine Frau die auf deren Gebiet lebte, und? Darna und sie verabschiedeten sich eher in einem kühlen Abstand, denn Viola verschlug es raus aus dem Haus, sie wollte ihre neue Freiheit genießen und das würde sie in Bajard tun, mit viel Alkohol.

Spät in der Nacht brannte der Alkohol in ihrer Kehle und es war gut so. Zwei Flaschen standen auf dem Tisch in der Taverne und der Blick war glasig ins Leere gerichtet. Wie lange hatte sie keinen Schluck von diesem Zeug gehabt? Zu lange wie sie meinte. Doch mit dem Alkohol wurde sie auch recht nachdenklich und dachte nach, vor allem über die Worte von Andrey in den letzten Tagen. Darna hatte ihr geholfen wo es nur ging und ihr Verhalten nach dem Gericht war sicherlich nicht das Beste gewesen. Sicher, sie war enttäuscht und verletzt über das Urteil, aber das gab ihr nicht das Recht diese Gefühle so an Darna auszulassen. Sie setzte die Flasche an den Mund und nahm einen erneuten Schluck als sie einen Entschluss fasste. Sie würde diesen Klosterdienst entgegentreten, sie würde tun was man von ihr verlangte und sie würde auch mit dem Priester reden, aber sie würde nen Teufel tun und sich bekehren lassen und wenn man das offen versuchen würde, würde sie jenen schon gehörig die Meinung geigen. Was den Fuchsbau anging, so würde sie klein beigeben, Darna zuliebe. Und so schritt sie noch in der gleichen Nacht in das alte Haus und begann einige der wichtigen Habseligkeiten einzupacken, welche sie nicht missen wollte und sah sich noch einmal um. Es würde kein Lebewohl sein, denn die Hütte würde eines Tages wieder Besuch bekommen, dessen war sie sich sehr sicher. Danach schritt sie zurück zu Darnas Haus, verstaute leise die Sachen und begann ein Pergament zu schreiben, welches sie auf den Tisch im Erdgeschoss legte.

Fuchsbau ist leergeräumt. Werde nicht mehr zurückkehren und hierbleiben. Hab dich lieb

Und mit einem verschmitzten und wohl recht angetrunkenen Grinsen legte sie sich dann auch schlafen. Sie wusste dass ihr spätestens am morgigen Abend das Grinsen vergehen würde wenn sie ins Kloster gehen würde. Eine verdammt harte Zeit stand ihr bevor.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Sie sagten ihr alles nochmal ins Gesicht, worüber sie sich auch schon aufgeregt hatte. Warum sie nicht gleich Hilfe geholt oder bescheid gesagt hatte, als Jenkins auftauchte. Was ihr Unterschlupf ausgerechnet auf rahaler Boden zu suchen hatte. Was das sollte, dort auch noch Kinder unterzubringen. Aber auf sie hörte Viola ja nicht, oder suchte immer neue Ausflüchte, um ihren Kopf durchzusetzen. Und welches Recht hätte sie auch gehabt, sie zu beschneiden? Gar keins. Sie hatte es auch nicht mehr anders gewollt, seit der Auseinandersetzung mit Leif und dem Clan. "Schützling". "Freundin." Als was immer man Viola bezeichnen konnte, sie war im Grunde völlig ungebunden und genoß Narrenfreiheit.
Daß sowas dann dabei rausgekommen war, versetzte ihr mehr als einen Stich.

Neben ihr saß ihr Vater, und damit nicht nur die Sorge, was er womöglich vom Gericht denken würde, sondern mehr noch: die Sorge, womit sich seine Tochter bittschön abgab. Einem ehemaligen Gossenkind, die nun getötet und die Tat zu vertuschen versucht hatte... ein erwachsen werdendes Mädchen, die nichts Schlimmes darin sah, auf dem beanspruchten Gebiet Rahals zu leben, denen das Prinzip des Bürgertums völlig fremd schien, verantwortungslos nach seinen Definitionen - Definitionen, die auch die ihren waren.
Das stand hier vor Gericht, ja? Eine Tagediebin, die gemeingefährlich zu werden drohte?
"Möchte jemand der Anwesenden noch etwas über die Angeklagte äußern?
"Bei wem jetzt nichts geht, bei dem geht was verkehrt. Zeit, daß sich was dreht."
Sie stand auf. "Meine Person, so es gestattet sei, hohes Gericht." Antarian rollte mit den Augen. Wäre es nicht so ernst gewesen, hätte sie geschmunzelt. Aber es war ihr ernst. Jedes Wort.
"Die immens gefährliche Gedankenlosigkeit, die sich aus dem Verhalten der Angeklagten herauslesen lässt, ist mir bewusst." Gedankenlosigkeit - das war noch nett ausgedrückt, und sie überhörte auch Rafaels zynisch anmutendes "Ach?". Himmel, wusste Viola, wie tief sie im Dreck steckte? Begriff sie das, außer einfach nur Angst vor dem Strick zu haben? Es war zu hoffen. Denn sie verbrauchte grad einen Gutteil ihres Kontos an Pluspunkten.
"Doch möchte ich dem hohen Gericht auch erneut vor Augen halten, daß über eine Person befunden wird, die in der Vergangenheit einiges tat, was einiges über sie aussagt, aber sicher keine Nähe zu Rahal. Neben ihrer Zeit als Wache von Lady Eileen von Hohenfels wurde ihr Mitwirken an der Seite der Befreier Berchgards erwähnt, sie wirkte mit bei der Befreiung seiner Hoheit, als finstere Wesenheiten wertvolle Edelsteine in ihren Besitz zu bringen suchten - und nicht zuletzt hat auch meine Person Viola ihr Leben mit zu verdanken, als sie eine Gruppe verdienter Leute in den Erdhöhlen von Lameriast unterstützte und wegweisend führte."
Hinterher erst fiel ihr auf, daß sie noch Violas Erkundung im Schloß vergessen hatte, als man dort noch Arkorither hätte erwarten müssen - selbst für Rafael, der mit auf der Richterbank saß, hatte Viola Kopf und Kragen riskiert. Es war allen bekannt, und doch...
Und wenn sie sonst nichts gedreht hatte, dann nur den Blickwinkel ihres Vaters, der nun Viola erneut musterte, mit etwas anderen Augen. Es kam auf die Perspektive an?
"Sie werden dir genügend übrig lassen für die Rosskur", raunte Allerich ihr zu, "Und nicht zuletzt wird sie es dann deinen Worten zu verdanken haben."
Etwas erstaunt sah sie ihn an - ehe sie erleichtert nachdenklich lächelte. Ja, sie schien die Gesellschaft oberflächlich betrachtet fragwürdiger Gestalten anzuziehen. Und sie hoffte, immer zu wissen, warum sie sie aus guten Gründen nicht nur duldete, sondern behutsam an die Hand zu nehmen versuchte.

Behutsam? Inneres Seufzen. Vielleicht war es bei Viola zu behutsam gewesen. Deutlich nicht mehr vielleicht war die Zeit für "behutsam" vorbei. Das schien nicht nur sie so zu sehen.

"Das Gericht kam zu einem einstimmigen Urteil.
Die Angeklagte wird des Mordes an dem Mann namens Jenkin Dregbert für nicht schuldig befunden, es handelt sich vor den Augen des Gerichts um einen Unfall..."
Sie selber furchte sogar kurz die Stirn, als ihr im nächsten Moment klar wurde, daß es hier nicht um den Anstrich der Worte ging - Tötung war ein Schwerstverbrechen, trotzdem wollte das Gericht sie darin nicht belasten müssen. Also wurde das Kind irgendwie anders genannt. Langsam kannte sie das Spiel, für andere würde es wohl ewig unverständlich bleiben. Sie hörte weiter zu:
"Das Gericht sieht jedoch den Fall des versuchten Betruges für gegeben.
Die Angeklagte versuchte, die Ermittlungen in diesem Fall zu unterwandern ob ihrer Taten und dies zeigt einen deutlichen Hang zu Verantwortungslosigkeit auf. Ihr momentanter Wohnort unterstreicht diesen Eindruck."
"Übersetzung: Aber glaub ja nicht, daß du ungeschoren davonkommst und dies ein Freispruch wäre."
"Der Angeklagten wird somit auferlegt, sich selbst und die ihr anvertrauten Kinder aus dem Einzugsbereich Rahals herauszubringen, bevor sie gar selbst die dortigen Gesetzmässigkeiten sich persönlich zu eigen machen."
"Übersetzung: Wir wollen nicht, daß du in Rahal lebst, und schaff die Kinder da weg, bevor die Mistleute da doch noch ihre Flossen nach ausstrecken."
Langsam gefiel ihr das Urteil immer besser.
"Das Gericht unterstellt die hier Angeklagte der Obhut und Erziehung der Freifrau von Elbenau."
"Übersetzung: Darna passt jetzt auf dich auf, basta."
A...ha... Hatten sie das Thema nicht schon mal? Irgendwie kam selbst das ihr entgegen und irgendwie...
"Das Gericht befindet weiterhin die Notwendigkeit die Angeklagte zur Abarbeitung ihrer Schuldigkeit unter die Order der temorianischen Kirche zu stellen. Bis zum Ende dieses Jahres wird sie der Kirche unter der Order seiner Hochwürden übergeben, auf dass sie Dienste durchführe nach Order seiner Hochwürden van Sareth.
Das Gericht ist hiermit geschlossen."
"Übersetzung: Und wenn nicht mal die Kirche noch dahinter dich besser erzogen kriegt, ist wohl alle Liebesmüh vergebens. Außerdem darf man sich jetzt fragen, wer hier bestraft wird."

Sie wusste nicht, ob sie grinsen oder geschockt sein sollte. Sie wusste aber, daß der Warnschuß vor den Bug deutlicher nicht mehr ging. Sie wusste, daß das Gericht nun versuchte, um das alles eine Leine zu legen und es auf einen besseren Weg zu zerren.
Sie wusste das...
"Hochwürden van Sareth, Freifrau von Elbenau - sie untersteht somit eurer Obhut."
"Danke, Hoheit", sagte sie leise, als er vorbeiging. Es hatte sich alles gefügt, und nicht einmal irgendwelches Gefeilsche und Absprechen vorher gebraucht. Strafe, aber keine gnadenlose - auch wenn es Viola so vorkommen mochte.

Eine Angst einzig blieb zurück.
"Viola... lass mich nie schreiben müssen, daß ich deine Erziehung nicht gewährleisten kann. Treibe mich nie dazu, mich von dir distanzieren zu müssen. Nun steht mein Name für dein Handeln gerade. Nun also doch Mündel. Richterlich verordnet."
Antworten