In letzter Zeit verliefen die Dinge nie so, wie sie es für gewöhnlich tun.
Da war das Gespräch mit Sharie. Sahlim, das wusste sie hatte ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Tante. Er schätze und liebte sie, wie es eben in Familie üblich ist.
Nur diesmal verlief es ein wenig anders. Sie fühlte Sahlims Herzschlag, so nahe war er ihr bereits. Sie fühlte die Verzweiflung und auch den kurz aufflammenden Zorn, den Sharies Worte bei ihm auslösten. Baheera wusste, dass sie der Grund für all das war. Sie hatte ihn in diese Situation gebracht.
Sie war seiner nicht würdig! Genau das fühlte sie bei dem Gespräch mit Sharie. Unwürdig und verlassen. Seitdem sie in Rahal unter dem Decknamen Isabel war, fühlte sie jenes immer wieder in sich aufsteigen.
Sahlims Fürsorge, Güte und grenzenlose Liebe halfen ihr zwar immer wieder darüber kurzfristig hinweg, doch wenn sie alleine war zweifelte sie wieder. Oftmals dachte sie jeder könne dies erkennen, würde dies auf dem ersten Blick sehen, wie ein Brandmal auf ihrer Stirn. Sie hasste Isabel. Sie hasste was Isabel tun musste, und sie hasste was Isabel Baheera angetan hatte.
Immer stärker wurde jenes Gefühl in ihr. Sharie bestärkte es mit ihren wohlgemeinten Worten noch mehr. Sie war seit Isabel nicht mehr das reine, unschuldige Wesen, was sie immer gewesen war.
Ein Zeichen, den Beweis der ewigen Liebe wollte Sharie, Sahlims Tante sehen. Früher hätte Baheera gedacht, wie könnte man etwas beweisen, was sich in zwei Herzen abspielt. Gar nicht oder? Wer kann ein Gefühl so innig und tief es auch sein mag schon beweisen. Nur Seit Rahal dachte sie eben anders. Sahlims Tante sollte dieses Zeichen erhalten.
Baheera liebte Sahlim von ganzem Herzen und sie wusste, dass niemals irgendetwas an dieser Liebe zu ihm sich ändern würde. Wie ihre Nomadenfamilie nannte auch Sahlim sie seinen Stern. Wie ein Stern leuchtet ihr Liebe zu ihm.
Ewig, unbeirrbar und rein. Rein war Baheera, aber Isabel nicht. Also musste Isabel ein für alle mal verschwinden.
Das war der Beweis ihrer Liebe zu Sahlim und gleichzeitig der Beweis für Sahlims Tante. Etwas Wertvolleres und schöneres gab es nicht.
Sanft neigte Baheera ihr Haupt vor Eluives Altar. Sie hatte wie immer, wenn sie Gebete zu ihr sprach, das schönste ihrer Kleider gewählt. Zart umhüllte der feine Stoff die zierliche Gestalt der kleinen Person, die nun vor dem Altar auf dem Berg kniete. Immer wieder glitt die Hand zu der Kette mit der Gravierung, ein Geschenk Sahlims. Ein Geschenk seiner Liebe zu ihr. Wie sehr vermisste sie ihn nun gerade hier und jetzt. Aber das hier, musste sie alleine bestehen. Es war ihr Geschenk an ihn.
Ihr Zeichen der starken Liebe zu ihm.
Sanft hebt sie den Blick zu den Kerzen auf dem Altar auf und ihre Gedanken galten nun Eluive.
Eluive, du hast mich immer beschützt, du hast mich auf meinem Weg zu einem Jemaat bestärkt mir Kraft gegeben in Zeiten,
wo ich manchmal an mir zweifelte. Du hast Sahlim und mich zusammen geführt. Wir sind für immer füreinander bestimmt, weil du es so wolltest. Du hast unser Leben miteinander verbunden. Ich danke dir dafür. Nun ist es an der Zeit dir jenes zu opfern, was seit Rahal einen Schatten über meine Liebe zu Sahlim geworfen hat.
Nimm Isabel, damit Baheeras Liebe rein und unbefleckt für Sahlim so wie am ersten Tag, als du uns zusammengeführt hast, erstrahlt!
Nach diesem Gebet senkte sie den Blick um die Schale, die sie auf den Altar gestellt hatte, behutsam mit beiden Händen zu umfassen.
Sie hatte alles mit Bedacht vorbereitet. Die Schale mit dem Gift des Wüstenskorpions, die Blüten der Wüstekakteen, die verstreut über dem Altar lagen, und das Schreiben für Sahlim, dessen Worte sie leise unbewusst hauchte.
Sahlim, mein Liebster. Isabel ist tot für immer. Baheera und ihre Liebe werden ewig bei dir sein, wie der Wind der Wüste und wie die Sterne am Himmel des Nachts in der Oase.
Ich liebe dich.
Kurz blickte sie zu dem Schein der flackernden Kerzen auf dem Altar auf, dann berührten die weichen Lippen die Schale und tranken daraus ohne zu Zögern. Nachdem sie die Hälfte des Inhalts geleert hatte, stellte sie die schale mit zittrigen Händen zurück auf den Altar. Der Blick ihrer großen Augen wirkte verschwommen, der Altar wirkte nun schemenhaft und undeutlich. Bis er in der Dunkelheit verschwand und sie nur mehr Sahlims Augen sah, liebevoll und zärtlich ruhten sie auf den ihren.
Mit einem glücklichen Lächeln auf ihren Lippen fiel Baheera ohnmächtig vor dem Altar zu Boden. Eine Hand in Richtung des Altar ausgestreckt, so als würde jene versuchen etwas festzuhalten.
Ein Zeichen der Liebe
-
Sahlim
- Es war ein tiefer Schmerz der sich am Abend zuvor in Sahlims Herz fraß. Baheera stand mit gesenktem Blick vor ihm, leise und bedauernd klangen ihre Worte. Die Sahlim wohl so schnell nichtmehr vergessen würde, nein er würde sie niemals vergessen. Zugroß war die Sorge die sich in ihm aufbaute, zugroß die Angst.
Baheera, sein Stern, schämt sich für das was sie nicht war. Isabel, ein Name der Sahlim fremd erschein. Doch spührte er auch in diesem Namen, etwas schönes auch wenn es vom Schatten weiter überlagert wurde. Sie würde Eluive bitten, ihr die Taten in Rahal, zu verzeihen. Sahlim war sich sicher, Eluive versteht Baheera und wird ihr vergeben.
Sie würde beten, sie wolle ihn nicht dabei haben. Sie müsse das allein tun. Nur wiederwillig stimmte Sahlim ihr zu. Es war Baheeras Weg, Baheeras Bitte um Vergebung.
So ließ Sahlim sie am nächsten Tag gehen... Sie war allein und die entfernung zu ihr gaben ihm nun Zeit über all die vergangenen Taten nachzudenken. Nachzudenken über alle schönen Momente, über alle schmerzhaften und traurigen Momenten.
Er mochte nun lächeln, auf dem Weg zum Badehaus, wo er sich frisch machte und anschließend führten seine Wege zur Stadtwache. Dort angekommen nahm er seine Befehle entgegen.
Jemaat! Du wirst die Wege zur Mine und Oase prüfen!
Mit einem Nicken nahm Sahlim jenen Auftrag entgegen, ehe er nach hinten ging. Dort legte er seine Rüstung an und nahm seine Waffen zur Hand. So machte sich Sahlim, mit einem Akemi auf den Weg zur Oase. Kurz sahen sie sich dort um, ehe ihr Weg direckt zur Mine führte.
Über den Dünen ragte bereits der Berg heraus. Die Sonne machte den Beiden langsam zu schaffen, wesshalb sie sich nun eilten. Sie wollten noch zur Mine gelangen ehe die Sonne am höchsten Stand gelangen würde.
An der Mine angekommen bekamen sie etwas Wasser und einen Platz im Schatten zugewiesen. Man saß nun eine ganze weile dort, redete über die Skorpione und Schlangen die, wie angezogen vom Salz, auf die Mine zustürmen. Über die Schönheiten die sich hin und wieder mal blicken lassen.
Nach einer scheinbar ewigen Zeit erhob Sahlim sich, nahm seinen Speer wieder und sah zum Jikban, welcher wohl zurzeit für die Mine zugeteilt war. Er sprache einige Worte mit ihm ehe er sich auf den Weg zurück zur Stadt machte, wo Sahlim seinen Stern vermutete. Sie wäre sicher wieder zurück, sie würde sicher nicht in der Mittagssonne am Altar sein.
So führte Sahlims Weg ihn nun wieder zurück zur Stadt. Schweiß trieb ihm die Sonne in sein Gesicht. Erfreut blickte er auf als er vor den Toren der Stadt stand. Er wollte sie nun so schnell wie möglich betreten um endlich wieder den Schatten genießen zu können. Im Schatten der Häuser war es warm, doch die Sonne schien einem dort nichtmehr auf den Leib. Im Schutze der Häuser begab er sich nun also wieder zum Hause, in dem Baheera wohnte.
Doch....
Sahlim erblickte nichts.... Nur die Vorhänge wehten sanft ihm Wind der Wüste. Sie war nicht hier... wo war sie dann?
Sahlim machte sich auf, so machte er sich an jenem Tag auf um im Badehaus zu fragen, am Kontor sah er nach. Auf dem Übungsplatz, im Keller der Kaserne, in der Stadtwache.
Vergebends trugen seine Füße ihn durch Menek'ur.
So gab es nurnoch zwei Orte an denen er sie nun noch vermutete. Die Oase? oder der Berg?
Die Sonne nahm bereits ihren Weg zum Horizont und machte das Reisen in der Wüste wieder erträglicher. So machte Sahlim sich sogleich auf den Weg. Südwind trug Sahlim geschwindt, wie immer. So wat die Oase innerhalb kürzester Zeit erreicht. Doch auch hier... war niemand zu sehen... Die Sorge wuchs nun in Sahlim und seine Sorge führte ihn nun geradewegs zum Berg. Südwind ritt schnell wie nie. Auch Südwind mochte nun Sahlims nervösität spühren. So war auch der Weg zum Berg innerhalb kürzester Zeit erreicht. Am Eingang sprang Sahlim von dem Hengst, ohne ein Wort wendete er sich zum Aufgang.
Die Wachen sahen Sahlim kopfschüttelnd nach. Sie versuchten seinen Hengst anzubinden, doch wehrte er sich stark dagegen und wirrte laut. So schreckten die Wachen zurück und ließen den Hengst an Ort und Stelle verweilen.
Sahlim war bereits oben angekommen... er mochte fassungslos, mit großen ängstlichen Augen zu Baheera blicken. Erst nach dem ersten Moment des Schocks rennte Sahlim zu Baheera, er hob ihren Kopf an und legte ihren Oberkörper auf seine Knie, vorsichtig öffnete er ihre bereits blassen Lippen, ihr nun etwas Wasser in den Mund flößte. Auch wenn sie es nicht zu schlucken schien, sollte das Wasser ihren Mund nicht austrocknen lassen. Er legte sie in den Schatten einer Palme, sanft und behutsam. Denn er erblickte die seltsamen Dinge auf dem Altar.
Ein Brief... eine Schale... Blütenblätter...
Er las die Zeilen des Briefes, wobei sich eine Träne ihren Weg zu Sahlims Nasenspitze suchte. Sahlim sah mit einem zornigen, aber auch dankbaren Blick zu Baheera. Er senkte seinen Kopf, schloss seine Augen und richtete einige Worte an Eluive.
Eluive, bitte nehme mir nicht was du mir schenktest.
Nehme das, was fremd ist,
aber nehme mir nicht mein Herz.
Nehme mir nicht meinen Stern.
Gebe mir nicht den Schmerz.
Lieber lass mich Sterben.
Schenke Baheera ihr Leben. Nehme nicht ihres.
Er öffnete seine Augen wieder, in seinen Hände jene Schale, wessen Inhalt er nicht kannte. Doch wusste er das die der Grund für Baheeras zustand war. So trank Sahlim etwas von dem Gift, ein rest blieb über, welchen er zurück auf den Altar stellte. Den Brief schloss er nun fest in seiner Hand ein wärend er wieder zurück zu Baheera schritt. Er setzte sich neben sie, ihren Körper fest mit seinen Armen umschlingend saß er nun neben ihr. Seine Augen geschlossen, sein Kopf an den ihren gelehnt. Trotz der blassen Haut und den farblosen Gesichtern, sahen die Beiden nun glücklich aus.
Die Wachen bekamen nun das Kämpfen mit dem Hengst, welcher unruhig aufstieg und immerwieder die Wachen umherscheuchte. Sie versuchten nun den Hengst zu fangen. Es war ein lustiges Schauspiel wenn man es aus der Ferne betrachtete. Es mochte ein Zufall gewesen sein, das gerade ein junger Akemi, die Zügel ergriff. Er hielt sie mit all seiner Kraft fest, ehe Südwind nun began einige Meter zu laufen. Die Schar der Wachen folgte entsetzt dem Hengst und dem Akemi, welcher sich mittlerweile auf den Rücken des Hengstes kämpfte. Mit dem jungen Akemi auf den Rücken ritt nun auch Südwind hinauf zum Altar.
Denn eines war auch dem Tier klar geworden. Sahlims besorgniss war nicht grundlos und sein langes verweilen am Altar eher unüblich, seit er Baheera kannte.
Auf dem Berg angekommen warf Südwind den Akemi von seinem Rücken und kam nun langsam näher zu Baheera und Sahlim, welche an der Palme gelehnt ruhten. Südwind stubbste die Beiden an, so wie er es immer tat wenn er gestreichelt werden mochte oder etwas zum knabbern haben wollte. Doch bekam Südwind das nun nicht. Auch das war dem Tier ein weiteres Zeichen dafür... das etwas nicht stimmt. Es mochte Eluives eingreifen gewesen sein, das die Wachen nun sofort jemanden zur Stadt schickten. Man benötige 2 Betten für verletzte, Heiler und man bräuchte jemanden, der die Flüssigkeit in der Schale identifizieren könnte.