[img]http://img176.imageshack.us/img176/3500/mond1ru6.png[/img]
Der Mond stieg langsam am Himmel auf. Dunkle Wolken zogen von Westen herran und kündeten von einem baldigen Sommerregen der auf die Ebenen und Wälder der Thysten hinab gehen sollte.
Der Wald war gehüllt in leichten Dunst und die Schatten spielten so manchem Auge einen Streich.
Das Schreinen einer Eule durchzog für einen Moment die junge Nacht und in der Ferne zwischen den Büschen wurde das Licht des Mondes in Augen reflektiert. Ein leichter Wind zog durch die Baumkronen und das Raschen von Blättern dran an das Ohr.
In all diesen Eindrücken sah man eine Gestald durch die Nacht gehen.
Ruhig und gemessen ihre Schritte. Das schwere Stapfen ihrer Stiefel knirschte leicht im satten Gras und das Fell an ihren Schultern und der Brust wippte leicht auf und ab.
Das Haupt wie der Kopf eines Wolfes. Das Fell bewegte sich in seltsamen Schemen im Wind und die leeren Augen des Wolfes blitzen in dem Schein des Mondes.
Um ihre Hüfte eine Tasche die mit den Schritten mitschwang, am Rücken zwei Schwertscheiden deren Griffe der Waffen unter dem schweren Fellumhang hervor sahen.
Ihr Weg führte die Gestalt tief in den Wald hinein. Die Laute der Festung hatten ihr Gehör längst verlassen und sie umgab nur die Geräusche der Natur. Das Rauschen der Blätter im Wind. Das leise Knacken von Ästen wenn sich Tiere der Nacht bewegen. Das Schreien der Nachtvögel und das zirpen der Insekten.
Hier inmitten dieser Urgewalt blieb die Gestalt stehen. Hier war ein guter Ort. Eine kleine Lichtung und genügend Platz.
Die Tasche absetzend machte sich die junge Tiefländerin daran Hölzer aufzusammeln. Sie würde viel brauchen. Es würde eine lange Nacht.
Sie nahm sich die Zeit genügend Material zu sammeln und ging zurück.
Dann machte sie sich daran das Holz in drei Haufen aufzuscheiten und zu entzünden.
Das schwache Flackern der neugeborenen Flammen fraß sich langsam durch das trockene Holz um sich zu nähren und zu wachsen. Solange bis um sie herrum drei große Feuer loderten, abgeschirmt durch Steine um den Rest des Waldes nicht zu gefährden.
[img]http://www.wlrv.org/wrv_img_galleries/2004/wrv_img_gallery_2004_Caribou/images/30_Campfire.jpg[/img]
Es wurde Zeit.
Systra griff in ihre Tasche und holte die Metflaschen hervor, das Fleisch und die Felle. Opfergaben für die Geister. Ordentlich bettete sie das Fleisch auf die mitgebrachten Felle, öffnete eine Metflasche und begann das Met in kurzen Schüben nacheinander in die Feuer zu geben.
"Für die Ahnen...Für die Ahnen...Für die Ahnen..." wisperte Systra währenddessen und wand sich wieder im Kreis als die erste Flasche geleert war nachdem sie den letzten Schluck selbst getrunken hatte.
Einen Moment kniete sie sich hin. Im Gras hockend wie eine Wölfin, die Hände auf dem Boden und den Kopf gesenkt. Ein Beobachter hätte direkt in die Augen des Wolfes gesehen dessen Fell sie auf dem Haupt und über den Schultern trug.
Dann stand sie wieder auf um die nächste Flasche zu öffnen.
"Ich opfere euch, ihr mächtigen Geister, unseren besten Met. Aufdass es euch gütig stimmt!" rief sie in die Nacht hinaus und einige Vögel stoben aus dem Baumkronen davon.
Dann begann sie sich wieder im Kreis zu drehen, diesmal die Flasche mit der Öffnung gen Boden gehalten, sodass das Met in einem Kreis um sie herrum in den Boden sickerte wo das Gras und die Erde es gierig verschlangen.
Die Flasche packte sie zurück in ihre Tasche. Hier würde sie die Flaschen wieder mit zurück nehmen, die sie sonst so achtlos beiseite stellte, und ging wieder auf alle Viere, sich hinhockend.
Wie im stummen Zwiegespräch, zu den Geistern und der Dame im Wind betend.
"Helft mir mächtige Geister. Mein Jarl ist schwer verwundet und es ist noch nicht seine Zeit die Ahnen zu begrüssen. Helft mir mächtige Geister.
Helft mir ihn davor zu bewahren seine Ehre als Krüppel zu verlieren.
Helft mir ihn zu heilen..." wisperte sie ihre Worte in die Nacht, in der das Knistern der Feuer viele anderen Töne überlagerte.
Jetzt griff sie in ihre Tasche und zog ein feines Pulver hervor. Weihrauch wie sie wusste. Sie hatte es extra für solche Anlässe angefertigt. Im Pulver verbrannte es schnell, berauschte zwar die Sinne aber nicht so nachhaltig wie es sonst der Fall gewesen währe.
Wieder erhob sie sich und liess sich diesmal zeit.
In jedes der drei Feuer liess sie langsam eine Hand des Rauschkrautes rieseln das augenblicklich zischend verbrannte und seinen süsslichen Duft in den Wald hinaus gab. Mit tiefen Atemzügen blieb sie nahe an dem Feuer stehen bis ihre Hand sich gänzlich geleert hatte, um sich dann erst dem nächsten Feuer zuzuwendend.
Bis aus allen Feuern für eine Weile jener Geruch aufzog und Systra sich erneut in das Gras inmitten der drei Feuer begab.
Ihre Sinne weiter, klarer und ihr Körper leichter, fühlte sie sich den Geistern und der Natur näher.
"Ihr mächtigen Geister, ich opfere euch einen gerechten Teil unserer Jagt aufdass es euch gütig stimmen möge. Sitze hier und teile mit euch unsere Beute." sprach sie wieder in die Nacht hinein und griff nach den Fleischstücken die noch leicht mit Blut durchzogen waren. Acht Stücke waren es und sie waren es nicht ohne Grund.
Wieder erhob sie sich und begann die Fleischstücke in jede Himmelsrichtung zu Werfen. Norden, Süden, Osten, Westen.
Dann gab sie jeweils ein Stück den Flammen, welche das frische Fleisch mit einem starken qualmen und knistern fraßen. Der Geruch vermischte sich mit den Kräutern und zog sich durch die Büsche, Bäume und das Geäst.
Das letzte Stück in ihrer Hand hob sie kurz an.
"Ich teile mit euch unsere Jagt. Aufdass ich mich euch verbunden fühlen kann, mächtige Geister. Aufdass ihr mir helfen könnt meinen Jarl zu retten und ihr eure Kraft auf unseren Clan sendet."
Mit den Worten biss sie in das rohe Stück fleisch und es bedurfte sie einiges Kauens und Reissens ehe sie ein Stück herraus gerissen hatte, kurz kaute und dann hinab würgte.
Der Rausch des Weihrauches machte es nicht ganz so schlimm das rohe Fleisch hinab zu schlucken auch wenn sie bei der Hälfte den Wunsch gehabt hatte sich zu übergeben.
Tapfer jedoch hielt sie ihre leeren, blutigen Hände kurz in die Höhe um sich dann wieder, raubtierartig, hinzuknien.
"Mächtige Geister, stärkt meinen Jarl. Sendet ihm eure Kraft. Sein Rudel braucht seinen Leitwolf. Lasst ihn nicht zum Krüppel werden der sein Rudel schwächt. Lasst ihn seine Ehre erhalten."
Wisperte sie wieder, jedoch berauscht und etwas übel durch das Fleisch mittlerweile schon knurrend.
Mit einer ausholenden Geste, immernoch kniend, zog sie ihr Schwert.
Das Metall kratze mit einem Surren aus der Scheide und erhob sich im Schein der Flammen blitzend vor ihr.
"Ihr mächtigen Geister, das Blut das durch seine Adern fliesst, ist auch das Meine. Ein Rudel, eine Familie. So gebe ich es euch aufdass ihr wisst das ich von seinem Rudel bin."
Die Worte gesprochen zog sie die Klinge die Oberseite ihres Unterarms entlang, dort eine blutende Wunde hinterlassend. Ihr Gesicht verzog sich unter dem Schmerz doch eisern schaffte sie es keinen Schmerzenslaut über ihre Lippen zu bringen.
Dann erhob sie sich ein letztes Mal.
Ihr Blut tropfte zischend und fauchend in die Flammen der Feuer. Eines nach dem Anderen mit ihrem Blut nährend. Bis jedes ihr Blut gekostet hatte und sie die Klinge die immernoch in ihrer Rechten ruhte in den Erdboden vor sich zu rammen.
"Ich teile mit dir diesen Mond, Wolf. Ich weile in deinem Reich und rufe mit dir den Mond an." raunte sie leise und hob dann den Kopf weit in den Nacken.
Niemals hätte ein Aussenstehender es je für möglich gehalten, dass eine so schlanke doch große Frau solche Töne hätte produzieren können, doch ihr Heulen durchzog den Wald mit schauriger Schönheit.
Hallte weit in den Wäldern die sie umgaben wieder und erfüllte die Nacht.
Noch in den Hallen der Bunjam hätte man wohl entfernt das Heulen vernehmen können das die Nacht durchzog und das Lodern der Feuer im entfernten Wald hätte so manch scharfes Auge erahnen können.
Dann kehrte Ruhe um Systra ein. Ihr Geist beschwingt und benebelt von Rauschkraut, Met, Fleisch und Blut atmete sie intensiv und bewusst ein und aus.
Spührte fast die Natur um sie herrum.
Das Gras zwischen ihren Fingern.
Das Fell auf ihrem Haupt, auf ihrer Haut, das sie umgab.
Der Wind der durch ihr Gesicht streichelte.
Der Geruch des Waldes, der Feuer, des Fleisches, des Blutes.
Die Stimmen der Nacht, das entfernte Schreien eines Nachtvogels...
Und in dieser "Stille"...schien ihr jemand zu antworten.
[img]http://img184.imageshack.us/img184/6944/wolf1ff1.png[/img]
Schaurig schön...
Bald würde die Morgendämmerung kommen und Systra würde erst wieder zurück gehen wenn die ersten Sonnenstrahlen sie trafen und die Feuer herrunter gebrannt waren....