Kanubio - die Stationen seines Weges

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Kanubio Bunjam

Kanubio - die Stationen seines Weges

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Ein neuer Anfang auf Gerimor

Als Kanubio in Bajard ankam, versuchte er, auf einem der Schiffe anzuheuern, die dort im Hafen lagen, doch war keiner der Kapitäne trotz seiner 10jährigen Erfahrung zur See an ihm interessiert. Ein Leben als Landratte? Kanubio blieb keine andere Wahl, als sich durchzuschlagen. In seiner Unerfahrenheit machte er so manchen Fehler. Doch er lernte – im Umgang mit Menschen und mit Holz. Das Schwert, das er sich als „seine“ Waffe auserwählt hatte, blieb wohl vier, fünf Mondläufe unbeachtet und verrostete langsam in einer Truhe. Zuerst war es ihm wichtiger, sich ein neues Leben aufzubauen und seinen Alltag in den Griff zu bekommen.

Alessia

Bald lernte er Alessia kennen, wohl der Hauptgrund, dass er eher eine gesicherte Existenz für sie beide anstrebte, denn das Leben eines Abenteurers. Trotz ihrer Schüchternheit (und so mancher anderer Eigenschaften, die ihn manchmal in den Wahnsinn trieben), gelang es ihr, sein Herz zu erobern.

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Während seiner Reise traf er auf Lameriast Lukan. Es war nur ein kurzes Gespräch, das die beiden führten und dennoch sehr wichtig für Kanubio. Lange hörte er danach nichts von Lukan, bis das geschah:

[url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=17410[/url]

Kanubio errichtete ein Haus, das auch als kleiner Laden dienen sollte. "Kanubios Allerley" sollte er heißen und eine Eröffnungsfeier sollte es geben. Doch dazu kam es nicht. Alessia machte sich rar und rarer in seinem Leben. Sie verschwand über Wochen, um unvermutet für ein paar Stunden aufzutauchen, bis sie sich irgendwann überhaupt nicht mehr blicken ließ. Kanubio war zutiefst enttäuscht, hatte er Alessia doch in all seine Pläne und Entscheidungen mit einbezogen und auf ein gemeinsames Leben mit ihr aufgebaut. Als er ihr Zimmer im ersten Stock räumte und ihre Sachen in eine Truhe im Keller warf, war es endgültig. Sein Herz war verhärtet und sein Entschluss gefasst: So schnell würde es keine Frau mehr schaffen, ihn zu umgarnen und seine Gefühle zu verwirren - und unter sein Dach kam ihm schon gar keine mehr!

Das „Zimmer der schönen Dinge“

Was tun mit dem nun verlassenen Raum im ersten Stock seines Hauses, den Alessia bewohnt hatte? Nachdem Kanubio ihn von ihren Sachen befreit hatte, stand er lange ungenützt leer. Als ihm der Fuchs eine hübsche Eluive-Statue schenkte und Kanubio in der großen Wohnstube keinen würdigen Platz dafür fand, kam ihm die Idee, dieses obere Zimmer zu einem besonderen zu machen. So manch nettes Erinnerungsstück, das einen besseren Platz verdient hätte, war in den Tiefen seiner Truhen unter anderem Zeug vergraben.
Kanubio begann, das Zimmer hübsch einzurichten, stellte diese für ihn besonderen Gegenstände auf Tische und Regale und nannte es „Das Zimmer der schönen Dinge“. Wohl selten hat es jemand anderer als er selbst bislang betreten.

Die Begegnung im Nordwald

An jenem Tag, als sein Haus fertig erbaut war, begegnete er im Nordwald zum ersten Mal Serendo. In seinem Kielwasser befand sich Kilyan. Serendo erzählte ihm sehr lange und ausführlich über die Bedeutung dieser Bäume, die zu den ältesten auf Gerimor gehören. Kanubio hörte ihm (wohl auch ziemlich eingeschüchtert durch die beeindruckende Persönlichkeit Serendos) aufmerksam zu und versuchte, sich seine Worte genau einzuprägen, doch war ihm an jenem Abend noch nicht wirklich bewusst, was es mit diesem Gebiet tatsächlich auf sich hatte. Erst die Tage danach, als er über die seltsame nächtliche Begegnung nachgrübelte, ließen ihn verstehen.
Am Ende dieser Begegnung hatte Kanubio Serendo versprochen, auf den Wald aufzupassen. Damals konnte er nicht ahnen, was dieses in jener Situation eher belanglos erscheinende Versprechen für weitreichende Auswirkungen haben sollte …

Die Waldgeister

Das Schicksal wollte es, dass er neue Freunde fand und in ihre Gemeinschaft aufgenommen wurde. Sie wollten ihn mitnehmen in die Höhlen, um die dunklen Kreaturen zu bekämpfen. Gekämpft hatte Kanubio bisher kaum. Damals, in den ersten Tagen an Land, hatte ihm Ciaran ein paar Tricks mit dem Schwert gezeigt, welches jedoch alsbald in einer Truhe vergessen wurde. Nach fünf Mondläufen auf Gerimor nahm er es erstmals wieder zur Hand. Sein "verrostetes Schwert", wie er es nannte. Es war an der Zeit, damit zu üben. Kanubio nahm das Training sehr ernst und so war von Rost - weder am Mann noch am Schwert - bald keine Spur mehr zu finden.

Kanubio schloss sich der Gemeinschaft der Waldgeister an … und erlebte seinen ersten Frühling an Land – wenn auch nicht so, wie er es erhofft und erwartet hatte.

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Falk und der Weg des Kriegers

Zweieinhalb Flaschen Rum, eine Süsse Marille und eine resolute Frau trugen maßgeblich dazu bei, dass er plötzlich vor ihm stand: Falk – der, den er am Frühlingsfest beobachtet hatte und der ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Der, den er zutiefst respektierte und verehrte. Der, der ihm zum Vorbild geworden war, obwohl er kaum etwas über ihn wusste.
Falk nahm sich einen Abend lang Zeit, mit ihm über den Weg des Kriegers zu reden, gab ihm einige Lektionen auf und den Rat, seine Philosophie zu finden.
Die Worte Falks nahmen fortan einen gewichtigen Platz in Kanubios Gedankenwelt ein, wobei er sie allerdings auch immer wieder hinterfragte und auf ihre Gültigkeit hin prüfte. Sie wurden zu dem, was ihn lenkte und seine Entscheidungen beeinflusste.

Ein Bogen und ein Schwert – verbunden durch Blut

Seltsam, wie die Dinge manchmal ihren Lauf nehmen und dass erst Konflikte ausgetragen werden müssen, um daraus Wunderbares entstehen zu lassen. Seltsam, dass Kanubios Ehrgeiz, mit Sam und Simon gleichgestellt zu werden, und Simons Neid auf Kanubios Treffen mit Falk den Verlauf ihrer beider Leben dermaßen veränderte. Zuerst gerieten sie heftig aneinander. Simon stellte ihre Freundschaft in Frage - und tags darauf wurden sie Blutsbrüder. Eine echte Freundschaft konnte eben durch nichts zerstört werden! Diese fixe Überzeugung Kanubios bestätigte sich.
Das schlichte Ritual unter den alten Baumkronen des Nordwaldes, mit dem die beiden ihren Bund besiegelten, veränderte Kanubios Leben und ihn selbst.

Eine Wende? – Alana, wie alles begann

[url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=20116[/url]

und wie es weiterging

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(wird fortgesetzt bzw. noch überarbeitet.)
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Dienstag 12. Juni 2007, 12:25, insgesamt 4-mal geändert.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Den halben Abend hatte er Simon begeistert beim Tränke mischen zugesehen. Dann wurde der müde und unkonzentriert. Er wollte schlafen gehen und bat Kanubio ihm zu helfen und weiter zu experimentieren, was wohl für Reagenzien zusammenpassen könnten. Mit Feuereifer stürzte sich Kanubio über die Arbeit, war es doch das erste Mal, dass ihn sein Bruder um Hilfe ersuchte und da wollte er ihn nicht enttäuschen.

In seinem Haus hatte Kanubio eine Unmenge von Reagenzien, die sich über all die Monate in seiner Truhe angesammelt hatte. Dillethantisch und in völliger Unwissenheit über die Wirkungsweise der einzelnen Zutaten mischte er wahllos zusammen, was ihm zwischen die Finger kam und testete alles und jedes an sich selbst, wild durcheinander, ohne zu überlegen, was das für seinen Körper und seinen Geist für Auswirkungen haben könnte.

Er durchlebte die unglaublichsten Wirkungen, merkte nun, dass das eine oder andere nicht so ungefährlich war, wie er vorab angenommen hatte, machte aber in seinem jugendlichen Leichtsinn und seiner Euphorie über das Neue und seinen Auftrag weiter, bis die Nacht schon weit fortgeschritten war.

Spät war es geworden. Viel zu spät.
Aber es war so interessant!
Dennoch rannte Kanubio hinüber ins Lager und legte Simon einen Zettel mit einigen einfachen Rezepten in seine Kiste, geschrieben in der diesem bereits einigermaßen bekannten, ungelenkigen und schwer lesbaren Schrift.

"Ich hoffe, es hilft dir ein bißchen.
Kanubio",
stand noch drunter.

Zurück in seinem Haus wurde Kanubio ganz seltsam zu Mute. Er torkelte, grauschwarze Schleier zogen sich vor seine Augen, dichter werdend und sein Hirn vernebelnd. Plötzlich durchdrang Licht die Schwaden. Sie zerrissen. Kanubio befand sich in einer riesigen Halle wieder, deren Wände so weit entfernt waren, dass er sie fast nicht mehr wahrnehmen konnte.

Beängstigend viele ihm unbekannte Menschen standen um ihn herum, blickten ihn an, abwartend, manche freundlich, manche aggressiv oder desinteressiert.
„Wer seid ihr?“ fragte Kanubio unsicher.

Ein Kind, wohl um die sechs Jahre, trat aus der Menge und blickte mit großen Augen zu ihm auf: „Ich bin deine Liebe“, sagte es lächelnd. – „Ein Kind?“, fragte er erstaunt. – „Na, was hast du denn gedacht?“ erwiderte es frech und lief davon.
Ein schwarz Gerüsteter, der ihn an die Ahad erinnerte, legte ihm schwer die Hand auf die Schulter, was Kanubio herumfahren ließ. „Ich bin dein Hass“, stellte er sich ihm in überraschend ruhigem Tonfall vor. – „So groß?“ murmelte Kanubio, mehr zu sich selbst, doch der Schwarze hatte es gehört und nickte.
Eine dicke resolute Alte, in ihrem Aussehen einer Magd ähnelnd, rempelte den Schwarzen beiseite. „Gib nichts auf den“, herrschte sie Kanubio an. „Halte dich an mich, wie du es bisher immer getan hast.“ – „Wer bist du denn?“ lächelte Kanubio. Trotz ihres forschen Auftretens hegte er sogleich größte Sympathie für diese Frau. – „Ich bin deine Ehrlichkeit.“ – Kanubio musste grinsen. „So hätt ich mir dich allerdings nicht vorgestellt!“
Er entdeckte ein junges, hübsches, doch gar zerbrechliches Mädchen in der Menge. „Und wer bist du?“ fragte er sie freundlich lächelnd. Sie lächelte ebenso freundlich zurück. „Ich bin deine Hoffnung“, haucht sie sanft. – „Oh!“, sagt er leise.

Es schien ihm eine halbe Unendlichkeit vergangen, als er mit nur einigen dieser Wesen gesprochen hatte. Irgendwann wandten sie sich ab, verschwanden und ließen ihn alleine in der riesigen Halle zurück.
Nur einer war geblieben. Hinter einer Säule versteckt, hatte Kanubio ihn nicht gesehen. Jetzt trat er hervor. Er erkannte ihn sofort.
„Falk?“ sagte er verwundert und doch erfreut.
Der Angesprochene lachte höhnisch auf. „Du Narr“, schrie er, „Glaubst du wirklich Falk sei in dir? Wie anmaßend und unverschämt du doch bist!“
„Aber ihr seht doch aus wie er!“ protestierte Kanubio zaghaft.
„Ich habe viele Gesichter“, antwortete er ihm plötzlich völlig ruhig, aber mit einem hinterhältigen Grinsen.
Kanubio schwieg und betrachtete ihn lange. Der Mann strahlte eine gewisse undefinierbare Faszination auf ihn aus, die ihn magisch anzog. Gleichzeitig stieß er ihn ab, widerte ihn an, machte ihm Angst und verunsicherte ihn zutiefst. Des Mannes durchringender Blick ruhte auf ihm. Kanubio hielt seinem Blick stand – zumindest einen Herzschlag lang. Er trat einen Schritt näher. Sein Schwert … das war nicht Scylfing. Da waren keine Runen, kein Wolfskopf … er konnte nichts Genaues erkennen .. es verschwamm vor seinen Augen.
„Wer bist du?“ fragte Kanubio eindringlich, ja flehend.
„Finde es heraus!“ sagte der Mann herausfordernd, wandte sich ab und verschwand.
Dunkelheit umfing Kanubio. Sie schlug ihn zu Boden und drohte ihn schier zu ersticken.

Kanubio fiel in einen tiefen Schlaf, einer Bewusstlosigkeit gleich. Als er erwachte, war es später Nachmittag. Ihm brummte der Schädel, schlimmer als nach dem ärgsten Suff seines Lebens. Mit verwirrten Sinnen rappelte er sich schwankend vom Stubenboden auf. Nur ein Gedanke bohrte sich durch sein wie in Wolle gepacktes Hirn:
Wer war dieser Mann?
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Glücklich wie schon lange nicht mehr, ließ sich Kanubio auf die Felle im Schlafhaus fallen und schloss lächelnd die Augen. Wie hatte er Sie vermisst! Ihre sanftmütige, ruhige Art, die nichts zu erschüttern schien, aber auch ihre resoluten Worte, wenn sie mit ihm schalt, weil er wieder Unfug getrieben hatte. Wie geduldig sie ihm zuhören konnte, wenn er aufgeregt von drei Dingen gleichzeitig erzählte und mit ihren Antworten und Einwürfen bewies, dass sie ihm trotz seinem gedanklichen Durcheinander folgen konnte.

Und er selbst? Wie ein kleines Kind hatte er zu ihren Füßen gesessen, unfähig, ihr seine Gefühle, die in diesem Moment wie ein Feuerwerk in ihm hochgestiegen waren und sich entfaltet haten, zu zeigen und nicht imstande die richtigen Worte zu finden, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen.

Dennoch – das immense Glücksgefühl breitete sich in ihm aus und verdrängte schnell die Wut über sich selbst. Gerade wollte er in die Traumwelt hinüber gleiten, da schreckte er hoch.
Ein Geräusch! Schlich da jemand ums Lager?
Pflichtbewusst stand er auf, griff nur in Hemd und Hose zu Schwert und Schild und lief hinaus. Er versuchte, die Dunkelheit mit seinem Blick zu durchdringen – in der Eile hatte er nicht an Tränke gedacht – doch da war nichts. Er schritt weiter in den Wald hinein. Die Nebel, die gespenstisch in Bäumen und Büschen hingen, schienen in dieser Nacht besonders dicht zu sein. In kürzester Zeit war sein Hemd durchnässt.

Suchend stolperte er weiter. Bedornte Äste rissen ihm das Hemd vom Körper. Unvermutet stand er vor einem Bach. Am anderen Ufer erblickte er den Schrein. Seltsam. Dass er so weit gelaufen war?

Ein Bach und ein Berg in seinem Rücken. Die Übung fiel ihm ein, die ihm der Fuchs aufgegeben hatte. Gespannt, ob es funktionieren würde, betrat er die Insel, legte Schild und Schwert ab, ließ sich im Schneidersitz nieder, wie es ihm gezeigt worden war, und schloss die Augen.

Tatsächlich konnte er den kühlenden Nachtwind auf seinem Körper spüren. Erinnerungen an früher stiegen in ihm auf … die Zeit, als er auf See war … oft war er in die Takelage gestiegen, um hoch oben über dem Deck die Brise auf seiner Haut zu fühlen.
Er horchte in sich hinein. Ausgefüllt von Glück und Zufriedenheit genoss er diesen Moment und gab sich ihm voll und ganz hin, wünschend, dieser Zustand möge nie enden.

„Hossa!“ riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken.
Kanubio öffnete einen Spalt breit die Augen. Argos! Er hat sich ihm gegenüber ins Gras gesetzt, sein Schwert über den Knien. Dieses Schwert, dessen Bild verschwimmt … Es war nicht Argos. Er sah diesmal nur so aus, dieser Mann, der nicht sagen will, wer er ist. Sein Oberkörper war entblößt und wie auch der von Kanubio durch zahlreiche Narben gezeichnet. Auf seinem Handgelenk eine Narbe, die der seinigen aufs Haar glich.

„Was willst du hier?“ fragte Kanubio abweisend. Doch Argos reagierte nicht auf seine Frage. Kopfschüttelnd und einen bedauernden Blick auf Kanubio werfend, öffnete er seine Tasche und legte vier Gegenstände vor ihm ins Gras: ein Buch, ein Band, ein Schwert und eine Feder.
„Was ist damit?“ brummte Kanubio. – „Du willst ein Bild, da hast du es.“

Verständnislos und missgelaunt betrachtete Kanubio die Dinge. Ein leeres Buch; ein rotes Seidenband, wohl einen Schritt lang und eine Hand breit; ein Schwert von recht minderer Qualität und eine doch recht hübsche Feder, die wohl von einem großen Raubvogel stammen musste.

Als Kanubio aufblickte, war der Mann verschwunden. Verstimmt darüber, dass der Unbekannte ihm durch seine Störung all die angenehmen Gefühle vertrieben hatte, sammelte er die Gegenstände ein und kehrte ins Lager zurück, wo er sie achtlos in seinem Seesack verstaute.
Alle Gedanken an diese seltsame Begegnung und die vier Dinge beiseite schiebend, legte er sich nieder und fiel in einen tiefen, traumslosen Schlaf.
Kanubio Bunjam

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Der Überfall am Strand

Dieser Überfall hatte etwas in ihm verändert.
Während er zuerst, als sie ihn bedrohten, genau seine Chancen gegen die drei Diebe abwog, die Lage als äußerst misslich einstufte und sich mit einem Angriff zurückhielt, zögerte er keinen Wimpernschlag, als es galt, dem Alligator beizustehen, den die Drei in ihrer blutrünstigen Mordlust als Opfer auserkoren hatten.
Sein Schwert wütete wahllos unter ihnen. Seine Klinge zeigte Wirkung. Nicht wie sonst in jenen kleinen Geplänkeln nur andeutungsweise, sondern endgültig. Einer der Diebe blieb bewusstlos im Sand liegen. Dann erwischte es Kanubio selbst. Damit hatte er gerechnet, als er seinen ersten Hieb führte, um die Männer von dem Tier abzulenken.

Als er sich am Tag danach unter dem Baum in der Schlucht niedergelassen hatte, horchte er in sich hinein. Da war etwas in ihm, was er bisher nicht gekannt hatte. Noch hüllte es sich in mysteriöses Dunkel. Er spürte lediglich, dass es mit einer immensen Ruhe verbunden war – derselben Ruhe, mit der er seinen Angriff gewagt hatte. Eine Ruhe, die ihn erschreckte.

Sein Schädel brummte von den Hieben, die er abbekommen hatte, was ihm ein klares Denken unmöglich machte. Unzufrieden erhob er sich und ging talwärts, weiterhin im Unklaren über sich selbst.
In einem war er sich allerdings sicher: Er würde nie wieder derselbe sein wie vor jenem Tag.
Kanubio Bunjam

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Der Delphin

Kanubio kochte innerlich. Am liebsten hätte er Hadwin die Faust ins Gesicht gesetzt, doch er beherrschte sich und versuchte, ruhig mit ihm zu reden. Hadwin jedoch ignorierte seine Worte! Wütend verließ Kanubio das Lager, was wohl besser war, angesichts des Trubels, der zur Zeit zwischen den Hütten des kleinen Walddorfes herrschte und dem schwer verletzten Fuchs, der in jenem Moment nicht imstande war, ordnend einzugreifen.

Kanubio lief durch die Wälder und am Meer entlang. Bei der alten Elfenstadt erblickte er zwischen den glitzernden Punkten der Wellen einen Delphin. Kanubio ließ sich nieder und beobachtete das Tier, das näher kam und ihm fröhlich zuzwitscherte. Ein Lächeln umspielte Kanubios Lippen. Eigentlich war er der glücklichste Mensch von Gerimor, doch war da keiner, mit dem er sein Glück teilen konnte. Im Lager hatten sie den Kopf mit anderen Dingen voll und Alana, der er die guten Neuigkeiten so gerne berichtet hätte, war nicht auffindbar.

Nachdenklich betrachtete er den Delphin, jenes Tier, dessen Namen er angenommen hatte. Die Menschen hielten es für einen Schelm, einen verspielten Fisch, der niemandem etwas zu leide tun könnte. Kanubio wusste es besser. Seine Gedanken kehrten zurück in die Zeit, als er zur See fuhr. Oft genug hatte er den Delphinen bei ihrer Jagd zugesehen, wie sie zielsicher ihre wohl 100 unscheinbaren Zähne in die Beute gruben. Der Delphin ist ein Raubfisch, der sich ausschließlich von Fleisch ernährt, verkannt und unterschätzt von all jenen, die es nicht besser wissen. Er scheut sich nicht, einen Hai anzugreifen. Er rammt seiner Beute seine spitze Schnauze in den Körper – einem Schwert gleich.

Er lächelte dem Tier zu, welches darauf hin mit einigen kräftigen Bewegungen seiner Schwanzflosse aus den Wellen schnellte. Beruhigt durch das Rauschen der Wellen, die an das Ufer schlugen, und der Brise, die feucht und kühl vom Meer gegen das Land wehte, sowie das Tier, das vor ihm seine Kreise durchs Wasser zog, sann er über seinen nächsten Schritt. Seine Augen wurden für einen Moment zu kleinen Schlitzen. Als er seine Überlegungen abgeschlossen hatte, erhob er sich und nickte dem Delphin zum Abschied kaum merklich zu. „Wie ähnlich wir uns doch sind“, sagte er leise. Wie als eine Antwort auf seinen Gruß ließ der Delphin ein mehrmaliges Pfeifen ertönen und verschwand in den Tiefen des Meeres.
Kanubio Bunjam

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Das Glück und eine neue Aufgabe

Eine letzte Runde durch den Wald kurz nach Mitternacht. Kanubio war überglücklich und nichts sollte dieses Glück diesmal trüben. Noch nie in all diesen Monaten hatte er es so intensiv in sich gespürt, wie in diesen Stunden.

Es hatte sich einfach so ergeben, dass er als erstes und einziges Schwert der Geister sich den drei Jungwelpen annahm. Ihnen zuzusehen, wie sie unkoordiniert auf die Übungspuppe eindroschen, ließ ihn angewidert den Kopf schütteln. Also drückte er ihnen Holzschwert und –schild in die Hände und nahm sie ran. Eine ganz neue Aufgabe für ihn, doch machte sie ihm ungeheuren Spaß.

Während Nadua vorerst recht planlos auf Kanubio einschlug, schweiften seine Gedanken zurück in jene Zeit, als er selbst seine ersten Übungen mit dem Schwert absolvierte. Keiner zeigte ihm Tricks, niemand nahm sich seiner an – er musste auf alles alleine draufkommen, wohl mit ein Grund, weshalb er bald das Interesse am Umgang mit Waffen verloren hatte.

Nach dem Training setzte er sich mit Nadua zusammen und beantwortete geduldig ihre Fragen. Endlich hatte er eine in seinen Augen sinnvolle Aufgabe in der Gemeinschaft gefunden, sinnvoller als Dinge des täglichen Lebens heranzuschaffen oder Wache zu schieben.

Fuchs war auf dem Weg der Besserung und Miri wieder fröhlicher. Die Hochzeit der beiden stand bevor. Alana war ihm in keiner Weise gram wegen seines Verhaltens letzte Nacht (was auch immer er getan hatte – ihm selbst war es entfallen) und das gab ihm den Mut, seinen übermütigen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Im Lager herrschte nach etlichen turbulenten Tagen wieder Ruhe und in seinem Umfeld Friede.

Er wünschte sich, dieser Zustand, den er nun bis ins letzte auskostete, würde ewig anhalten, doch war ihm bewusst, dass dieser Wunsch sicher nicht in Erfüllung gehen würde. Das Schicksal holte wohl schon zu seinem nächsten Schlag aus, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Das Gleichgewicht! Eigentlich würde dieses es erfordern, dass seine unbeschwerte, befreite und fröhliche Stimmung für einige Zeit anhielt, als Ausgleich für die letzten Mondläufe, die für ihn nicht sonderlich gut verlaufen waren, die sein Herz schwer und seine Sinne für das Schöne und Angenehme im Leben blind gemacht hatten.

Endlich in seinem Bett schloss er genüsslich die Augen und gab sich dem neuen Lebensgefühl widerstandslos hin. Lächelnd entschlummerte er in der Gewissheit, auf seinem Weg einen Schritt weiter zu sein.
Kanubio Bunjam

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Die Leere

Kanubio verstand nichts mehr. Er soll etwas gesagt haben – wusste nicht mehr, ob und wenn doch, mit welchen Worten – vorgestern, gestern, wann war was gewesen?
Plötzlich ging alles drunter und drüber – er ward angeklagt und verurteilt – ohne Verhandlung, ohne die Möglichkeit, sich zu verteidigen – sein Wort zählte nichts – Verzweiflung überfiel ihn – und mit ihr kam die Leere.

Natürlich glaubte der Fuchs seiner Tochter mehr als ihm, einem Fremden, von dem er kaum etwas wusste! Die Hintergründe der Geschehnisse in jener Nacht interessierten ihn nicht. Und Kanubio wollte sie ihm nun auch nicht mehr erzählen, gab es da noch einiges, was des Fuchsens Wut noch mehr aufkochen lassen könnte. Wohl würde er ihm wieder nicht glauben und ihn abermals verurteilen, noch schwerer, als es jetzt schon der Fall war – also würde Kanubio schweigen, weniger in der Angst, dass der Fuchs ihm die Kehle durchbeißen würde, sondern in der Sorge um Murina, die er vor falschen Verdächtigungen zu beschützen versuchte. So wie die Lage sich zugespitzt hatte, würde kein Wort über seine Lippen kommen!

Kanubio flüchtete aus dem Lager und ließ den Dingen ihren Lauf, machtlos irgendetwas daran zu ändern.

Früher hätte er seinen Zorn abreagiert oder rausgeheult, irgendwo, wo es keiner sah und dann wäre ihm leichter gewesen. Doch war da auch kein Zorn über seine schnelle Verurteilung; keine Verzweiflung darüber, dass Miri ihn als Lügner wähnte und an seiner Loyalität zweifelte; kein Ärger darüber, dass Fuchs sich wütend von ihm abgewandt hatte; keine Hoffnung, die Dinge wieder ins Lot zu bringen; nicht einmal der Wunsch sich irgendwie abzureagieren, weil da nichts war, was es abzureagieren galt.

Angeklagt und verurteilt … von jenen, die er für seine Freunde gehalten hatte … Der Tod wäre eine Erlösung im Gegensatz zu dem, was sie ihm angetan hatten.

Ein kurzer Abschied von Alana, die auf eine mehrtägige Reise ging. Danach versuchte er, sich im Kampf abzulenken, doch höhlte das viele Feuer um ihn ihn nur noch weiter aus. Im Wunsch alles vergessen zu wollen, warf er sich den Feuerwesen entgegen, doch ihr heißer Atem schwächte ihn nur und ihre Feuerlanzen raubten ihm lediglich für kurze Zeit die Sinne. Selbst jene verhöhnten ihn, indem sie ihm den tödlichen Gnadenstoß verwehrten.
Es war kein Unterschied, als er hingestreckt durch einen Feuerstrahl am Boden lag: bewusstlos oder bei Sinnen, der Zustand war derselbe, mit dem Unterschied, dass er mal die Dinge um sich herum wahr nahm und mal nicht.

Spät Nachts fand sie ihn, der kleine Frechdachs, der Ursprung allen Übels: Murina. Er hatte beschlossen, sich künftig von ihr fern zu halten, um nicht noch mehr Unheil heraufzubeschwören, doch das interessierte sie nicht. Sie setzte ihren Kopf abermals durch, skrupellos in ihrer Naivität, alles überrollend in ihren freundschaftlichen Gefühlen, die sie Kanubio entgegenbrachte und wohl selbst überfordert mit dem, was in den letzten Stunden passiert war.

Resignierend ließ er Murina ihren Willen, ging zu Bett und nahm sich einen hochprozentigen Schlaftrunk mit. Seltsam, dass eine Flasche Schnaps plötzlich Wirkung zeigte und ihn in einen absurden Dämmerzustand gleiten ließ.

Eine böse Ahnung stieg in Kanubio auf. Sie würde alles noch schlimmer machen – doch nicht einmal das machte ihm Angst. Die Leere hatte jegliche Gefühlsregung in ihm aufgefressen.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Manchmal missbraucht Kanubio seinen Postkasten, um im Vorübergehen an seinem Haus Dinge zu deponieren, die er zu faul ist, sofort ins Haus zu bringen und wegzuräumen. Aber irgendwann muss auch das sein, also leert er die Truhe auf dem Sockel vor seinem Gartenzaun. Er lädt sich alles auf, was sich darin befindet, stapft damit ins Wohnzimmer und beginnt wegzuräumen. Schmutzige Bandagen, leere Trankflaschen, Rüstungsteile, Phiolen mit Blut, Fleisch, ein Buch …
Ein Buch?
Ein Buch!
Er schlägt es auf und blättert darin. Ein Gebetsbuch. Ein Buch mit Gebeten zu Temora.

Kanubio bringt es in den ersten Stock, ins „Zimmer der schönen Dinge“ und stellt es ins noch recht spärlich gefüllte Bücherregal. Den Zeilen des Buches würde er sich später in Ruhe widmen.

Doch: Wer mag es ihm in den Postkasten gelegt haben? Und warum?
Sollte es ein Zeichen sein?
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Die Rüstung

Mit dem Metkrug in der Hand schlenderte Kanubio in den Garten, entzündete eine Laterne und streckte sich lang auf einem Fell aus. Im Haus schlief Alana. Am Grundstück war alles in Ordnung. Zeit, um den Abendtrunk zu genießen und in die Sterne zu schauen. Kanubio gab sich der Ruhe hin. Er schloss die Augen und öffnete sie nur, um den Krug sicher an seine Lippen zu führen, um nichts von dem teuren Met zu verschütten, der das wohlige Gefühl in seinem Inneren noch verstärkte und ihn mit seinem ihm eigenen Geschmack mit dem verband, was er sosehr liebte.

Das Geräusch eines Schwertes, schnell aus seiner Scheide gezogen, knapp neben ihm, ließ ihn hochfahren. Sofort war er hellwach. Seine Hand tappte nach dem Dolch an seinem Gürtel.

„Lass stecken“, sagte eine ihm wohl bekannte Stimme beruhigend. Es war seine eigene. Verschwommen nahm er die Gestalt wahr, die ihm gegenübersaß … ein vages Ebenbild seiner selbst.
„Also, da wärst du wieder einmal“, brummte Kanubio unwillig. Musste ihn jener immer dann stören, wenn es ihm am wenigsten passte? Kanubio betrachtete das Schwert, das der Mann zwischen ihnen auf den Boden gelegt hatte. Es war in sanften Nebel gehüllt, genau konnte er es nicht erkennen, nur soviel, dass es aus Diamant gefertigt war.

„Bist du mit den Dingen, die ich dir gegeben habe, weiter gekommen?“ erkundigte sich der Mann in strengem Tonfall.
„Nein“, gab Kanubio noch unwilliger, ja schon ziemlich gereizt, zurück. „Ich weiß nicht, was ich damit tun soll.“
„Deinen Weg zu gehen … hast du das schon ganz vergessen?“ fragte der Mann weiter und seine Gestalt, die eben noch aussah wie Kanubio selbst, begann zu verschwimmen, sich zu wandeln, zu einem, den er nicht kannte.
„Ich komm nicht dazu“, versuchte sich Kanubio herauszureden, „Ich hab so viele andere Dinge zu tun“, versuchte er sich zu rechtfertigen, doch damit machte er den Mann nur zornig.
„Wozu verschwende ich hier meine Zeit?“ brauste dieser auf und machte Anstalten, nach dem Schwert zu greifen und sich zu erheben.
„Warte!“ rief Kanubio erschrocken. „Etwas weiß ich nun!“
Der Fremde hielt inne und lauschte abwartend mit versteinerter Miene.

Kanubio pokerte. Er wusste gar nichts. Alana hatte eine plausible, wenn auch vage Vermutung geäußert, als sie vor einiger Zeit das Rätsel der Identität dieses Mannes zu lösen versuchten.
„Du bist der Krieger in mir“, wagte Kanubio den Schuss ins Blaue.
„Gut geraten“, höhnte der Mann, dessen Aussehen sich abermals wandelte, wieder hin zu dem von Kanubio selbst. Kanubio atmete auf. Wenigstens etwas! Doch wurde der Mann älter und älter. Narben erschienen in seinem Gesicht, dessen Züge hart wurden, und entstellten es. Das gefiel Kanubio gar nicht.
„Und was braucht ein Krieger?“ fragte jener.
Kanubio versuchte das hässliche Gesicht zu ignorieren, konzentrierte sich und setzte an, um brav all jene Dinge zu rezitieren, die ihm Falk und Fuchs nähergebracht hatten … über Kopf, Körper, Herz, Verantwortung, …

„Alles Blödsinn!“ fuhr ihm der Mann ins Wort.
Kanubio zuckte zusammen und sah ihn mit großen Augen überrascht an.
„Ein Krieger braucht eine exzellente Rüstung, ein erstklassiges Schild und eine hervorragende Waffe“, erklärte der Mann bestimmt.
„Oh! … Ja … natürlich …“, stammelte Kanubio, der sich dabei allerdings ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. „Sag ich ja immer, nur glaubt mir keiner. Und die ersten Teile sind schon bestellt!“ fügte er schnell und mit einem gewissen Stolz hinzu.
„Ich weiß“, erwiderte der Mann gelangweilt. „Der Anfang ist gemacht. Aber wenn deine Rüstung diesen Weg geht, den sie eingeschlagen hat, wird es niemals die sein, die für dich bestimmt ist.“

Kanubio kratzte sich, geistig überfordert zu so später Stunde, an der Augenbraue. „Meine Rüstung geht auch einen Weg?“ spöttelte er, verärgert, in tiefer Nacht zu Denkaufgaben gezwungen zu werden. „Und es gibt eine, die für mich bestimmt ist?“
„Natürlich. Alles geht seine Wege. Es entsteht, es fügt sich zusammen. Alles ist eins. Und Sechs und Zwei ist Acht.“
Das hätt ich auch gewusst“, warf Kanubio mürrisch ein.
„Hör zu!“ forderte der Mann gebieterisch. „Wie viele Völker kennst du in dieser Welt?“
„Menschen, Elfen, Tiefländer, Anguren, Menekaner und Zwerge“, zählte Kanubio auf.
„Das sind sechs und nicht acht. Aber wohl hat schon alles seine Richtigkeit“, grinste der Mann.
„Wieder ein Rätsel als Hausaufgabe bis zum nächsten Mal?“ maulte Kanubio.
Der Mann winkte gelangweilt ab. „Die Lösung liegt auf der Hand. Die Durchführung ist es, die die Aufgabe darstellt.“
Kanubio verstand schon und nickte. „Eine Rüstung und jedes Teil gearbeitet von einem Meisterschmied eines anderen Volkes dieser Welt.“
„Ja“, sagte der Mann zufrieden lächelnd. „Deine Rüstung.“
Mit diesen Worten verblasste seine Erscheinung. Schnell griff Kanubio nach dem schönen Schwert, doch auch das löste sich in Nichts auf. Seine Hand fuhr ins Gras. Ärgerlich schüttelte er die Erde ab.

Mühsam rappelte sich Kanubio auf und holte sich eine Flasche Rum. Mit der Ruhe in ihm und dem Bedürfnis nach Schlaf war es nun vorbei. Er ließ sich wieder im Garten auf dem Fell nieder und überlegte. Ein Lächeln machte sich nach und nach auf seinen Lippen breit. Und je mehr er darüber nachdachte, umso mehr funkelten seine Augen: Diese Aufgabe gefiel ihm immer besser.
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Freitag 20. Juli 2007, 15:09, insgesamt 3-mal geändert.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Ein chaotischer Abend

Als Kanubio am nächsten Morgen erwachte und ihm der letzte Abend einfiel, musste er lachen. Auf dem Fell im Garten liegend - wo er in jenen schwülen Sommernächten lieber schlief, als im stickigen Haus - lag er und lachte, immer mehr, bis er nicht mehr konnte und sich nach Luft ringend unter Bauchschmerzen wand.

Nie würde er vergessen, wie Andrew, der kleine Waldläufer, die riesige Svenja McAgrona beschnuppert hatte! Ganz geheuer war Kanubio dabei nicht, war doch Svenjas Reaktion auf das Verhalten ihres Gegenübers nicht abzuschätzen. Aber er hatte die beiden abwartend gewähren lassen und Svenja hatte es unerwartet ruhig hingenommen. Danach ein Adler in seinem Haus, der ihm die Einrichtung verwüstete! Ach ja … das demolierte Wohnzimmer …!

Während Kanubio – immer noch lachend – im Chaos des letzten Abends in seinem Haus stand und seinen Blick über die Trümmer schweifen ließ, dachte er weiter über den gestrigen Tag nach. Zuerst das Duell, sein erstes, das er gewann und nach dessen Ende Abalister ihm erklärt hatte, dass es keine Zufälle gibt, sondern alles Schicksal wäre. Also war es wohl auch Schicksal, dass er auf dem Rückweg vom Orden der Temora Svenja im Wald getroffen hatte, die seine Einladung zu Speis und Trank in seinem Haus erfreulicher Weise angenommen hatte. Obwohl es ziemliche Verständigungsschwierigkeiten gegeben hatte, da sie nur wenige Worte seiner Sprache kannte, wurde es ein langer, ereignisreicher Abend, denn Svenja war bestrebt, seine Sprache zu lernen.

Wieder und wieder glitt sein Blick über das verwüstete Wohnzimmer und abermals musste Kanubio lächeln. Der Abend war gut verlaufen. Die Beziehungen zu den Anguren konnten wohl wieder etwas vertieft werden.

Nur eines machte ihm ein kleines bisschen Sorge. Was würde Svenja ihren Leuten daheim über diesen Kanubio und seine Freunde erzählen?
Er wagte nicht, den Gedanken weiterzuspinnen und es sich eingehender auszumalen, sondern machte sich rasch an die Arbeit, seine gemütliche Ordnung im Zimmer wiederherzustellen und das Deck zu schrubben.
Kanubio Bunjam

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Drei alte Freunde

Als Kanubio Ciaran verließ, trug er ein ungutes Gefühl in sich. Das Gespräch, das er tagelang aufgeschoben hatte, war absolut nicht so verlaufen, wie er es sich gewünscht hätte. Er hatte gehofft, seine alte Freundschaft mit diesem Mann zu vertiefen, doch war das genaue Gegenteil passiert. Ciaran war plötzlich recht seltsam geworden und hatte Kanubio gebeten zu gehen.

Auch Ciarans Ansichten waren seltsam. Er träumte von einer ruhigen Welt und sprach gleichzeitig vom Gleichgewicht. Er forderte Gesetze für einen freien Landstrich, der keinem offiziellen Herrscher unterlag. Und er glaubte, dass man mit Diplomatie alles regeln könnte. Er sprach respektlos von den Hinrahs und seine derzeitige Einstellung und sein Wissen über die Elfen hatte Kanubio nicht herausfinden können.

Als das bis dahin noch einigermaßen friedlich verlaufende Gespräch auf Rebecca kam, kippte die Situation. Zuerst schien es, als würde Ciaran Kanubio die Schuld geben, dass sie sich nicht um ihn, Ciaran, kümmern würde, doch stellte Ciaran schnell richtig, dass dies nicht so wäre, wobei dessen Laune jedoch umschlug. Grantig wurde er, nervös und in sich verschlossen. So ganz glaubte ihm Kanubio nicht.

Kanubio verließ Ciarans Haus. Er war sogar froh, wieder draußen zu sein. „Die Melodie in diesem Gebäude war nicht mehr die seine“, hätte es eine Elfe ausgedrückt. War sie nie gewesen. Nur weg von dort!

Während seiner allabendlichen Runde durch den Nordwald ließ er sich das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen. Sollte er Rebecca künftig meiden, um nicht zwischen sie und Ciaran zu treten? Kanubio lachte abfällig. Früher hätte er es. Jetzt nicht mehr. Keiner würde ihm mehr – auf welche Art auch immer – den Umgang mit jemanden anderen verbieten oder mies machen. Solle er Ciaran meiden? Kanubio wiegte kurz den Kopf. Er wusste noch immer nicht, was an jenem Abend in Alanas Haus passiert war. Worte! Worte konnten so schnell so viel zerstören!

Sollte er noch rüber ins Lager, um Alana zu fragen? Wieder waren sie in den letzten Tagen wenig beisammen gewesen und wenn, dann gab es anderes zu tun, als sich gemütlich zusammenzusetzen und zu plaudern. Ihr Umzug, der Verkauf ihres Hauses, die Vorbereitungen für Naduas Zeremonie und Kanubios Bestrebungen, seine Welpen gut auszurüsten hatten Priorität gehabt.
Es war spät, zu spät für solch ein Gespräch.

Betrübt lehnte er sich an einen Baum, atmete tief durch und blickte in den dunklen, wolkenverhangenen Nachthimmel. Wie sehr wünschte er sich jemanden, dem er all das erzählen konnte, was ihm selbst widerfahren war und mit dem er die vielen Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen, diskutieren und teilen konnte! Sein erstes Duell … die schweren Vorwürfe, die er sich machte, da er Nadua zu wenig hart ran genommen hatte und sich nun herausgestellt hatte, wie hilflos sie war … Andrew, dem es noch viel beizubringen galt, was das Leben der Städter anbelangte und der ebenfalls Kanubios Leben durcheinanderbrachte, wenn auch auf die liebenswürdigste Art, die man sich nur vorstellen konnte … ein weiteres krankes Schaf in seinem Gehege … Lamiro, von dem er so gerne so viel lernen wollte und der so selten Zeit für ihn fand …

Aber keinen interessierte es. Sie alle wuselten durchs Land, sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmernd. Nur er, Kanubio, stellte immer wieder seinen eigenen Weg zurück, um für das Wohl der anderen zu sorgen.
Es war ruhig im Nordwald. Einsam ging er weiter. Aber vielleicht war das sein Schicksal und ein Teil seines Weges.
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Dienstag 31. Juli 2007, 10:43, insgesamt 2-mal geändert.
Kanubio Bunjam

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Der Zettel – oder: Schatten der Vergangenheit

Der Abend hatte nicht schlecht begonnen, wohl mit einer Lektion Lamiros, die Kanubio gerne annahm. Dass damit jedoch das Schicksal seinen Bug in die Sturmfront drehte, konnte keiner ahnen.
Als sie am Lagerfeuer saßen, stibizte ihm so ein frecher Adler seinen Zettel, auf dem er alles notiert hatte, was zu erledigen war. Er glaubte zuerst an einen kurzfristigen Scherz, doch als sich der Adler mit dem Papier in die Lüfte erhob, kam Panik in ihm auf.

Kanubio wusste am nächsten Morgen nicht mehr genau, was dann geschah, denn Lamiro gab ihm einen Trank, dessen üblen Geschmack er mit dem Rest der Flasche Schnaps zu beseitigen versuchte. Er wusste nur, dass die Elfe ihm ihre Meinung aufzwingen wollte, sich in ihrer unendlichen Weisheit über ihn, den dummen Menschen, erhob, um ihn gnadenlos vor allen bloß zu stellen.

Ja, ohne seinen Zettel war er verloren. Er musste sich selbst eingestehen, dass er sich nicht alles merken konnte, was für die Gemeinschaft zu besorgen wäre, die Vorbereitung für Naduas Zeremonie, was im Lager zu erledigen sei und die Wünsche all jener, denen er zu helfen versuchte oder bei denen er eine Schuldigkeit hatte und auch seinen Weg wollte er nicht aus den Augen verlieren.
Mag sein, dass sie recht hatten, als sie sagten, er würde sich zu viel aufbürden. Wenigstens Alana und Nadua verstanden ihn … ein bisschen … aber die anderen?

Gut, dass die Landratten so wenig vom Leben auf See verstanden! Noch nie hatte ihn einer gefragt, warum er mit 17 Jahren immer noch Matrose gewesen sei, warum nicht Bootsmann oder wenigstens Maat. Einer der Gründe war, dass er nicht fähig war, seine Kameraden grundlos zu schlagen und der andere, dass man von ihm annahm, er könne sich nicht mehr als eine Sache gleichzeitig merken. Ein Bootsmann muss gewisse Fähigkeiten besitzen: ein hohes Maß an Brutalität, ein gutes Gedächtnis und die Gabe zu koordinieren. All dies traute man ihm nicht zu.
Kanubio hatte beweisen wollen, dass er es konnte – nicht den anderen, sondern sich selbst. Der Zettel, auf dem er sich alles notierte, war ihm zum ständigen Begleiter geworden, ja vielleicht auch tatsächlich zum Fluch. Nie konnte er ihn wegwerfen, weil alles erledigt war. Immer kam neues dazu.
Betrübt strich er die Fahne. Ohne seinen Zettel war er tatsächlich nicht fähig, sich alles zu merken.

Als er schließlich Shaera gegenüber stand, unfähig in Worte zu fassen, was er ihr erklären wollte, hielt sie ihm abermals seine Dummheit vor Augen, indem sie in ihren verschnörkselten Formulierungen mit ihm sprach, die er so schwer verstand, und sie verglich ihn mit anderen, älteren und erfahreneren – forderte von ihm dasselbe. Plötzlich fühlte er sich zurückversetzt. Er stand wieder an Deck, das rollende Schiff schräg zum Horizont, die Gischt über die Finkennetze spritzend. Er stand nicht vor einer Elfe, sondern vor seinem Ersten, der ihn einmal mehr spüren ließ, wie schwach sein Denkvermögen wäre und sein ganzes Repertoire an Schimpfwörtern auf ihn niederprasseln ließ.

Auch Lamiro segelte schließlich im Verbund mit Shaera. Gemeinsam – und jeder auf seine Art – verdeutlichten sie ihm, wie unfähig er im Kampf war. „Wenn du ein wenig übst, wirst du eine jede Kreatur ohne Rüstung besiegen!“ Shaeras Worte waren Hohn und wie die Hiebe des Bootsmannes, nur dass sie ihm nicht die Haut aufrissen, sondern wie Dolchstiche ins Herz drangen.
Wie lächerlich doch seine Art der Goldbeschaffung sei, gab ihm Lamiro zu verstehen, würde er selbst und Simon doch in kurzer Zeit mit zwanzig Kronen eine Höhle verlassen! Nun, Kanubio kam nicht gegen diese Monster an und Truhen konnte er ebenfalls keine öffnen …. Also würde er weiterhin für Cori um zwei Kronen die Stunde nach Kohle buddeln, um sich seinen Traum zu erfüllen … oder wenigstens so viel aufzubringen, um das Futter für seine Tiere kaufen zu können. Shaera rümpfte verständnislos die Nase darüber, dass er überhaupt nach Gold strebte … Nun, jemand der sich Torten aus einigen Tropfen Wasser machen konnte, hatte so etwas Banales natürlich nicht notwendig.

Seinen Zettel hatte er wieder, wohl verstaut an seinem Körper, an einer Stelle etwas unterhalb seines Nabels, von der er hoffte, dass die Elfen ihre Finger davon lassen würden.

Was war es, was er mit Lamiro gestern noch besprechen wollte? Ach ja, die Sache mit den Truhen … es war ihm völlig entfallen …
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Donnerstag 2. August 2007, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
Kanubio Bunjam

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Zurück von der Insel Lameriast und noch immer tief beeindruckt von dem Gespräch mit Argos, rannte Kanubio durch die Schlucht hinauf zum Lebensbaum. Außer Atem trat er noch ehrfurchtsvoller als bisher an ihn heran und legte seine Hand an den Stamm, wie es auch Argos getan hatte. Seltsam, wie das Schicksal spielte. Mit seiner Hand an der Rinde war er verbunden mit jenem Land, das er sosehr liebte, und mit dem Volk, das er sosehr bewunderte und schätzte. Mit leuchtenden Augen und einem glücklichen Lächeln betrachtete Kanubio den Baum, der für ihn nun noch mehr an Bedeutung gewonnen hatte. Nur ein paar Schritte von seinem Haus entfernt und er konnte Lameriast und den Thyren näher sein.

„Die Wurzeln reichen bis hin zu den Ahnen unten in ihrer Welt“, hatte ihm Argos erklärt. Das Lächeln auf Kanubios Lippen erstarb abrupt bei der Erinnerung an diesen Satz. Immer wieder diese Ahnen!

Es mag einem Argos seltsam anmuten, dass er, Kanubio, sich um eine Rüstung bemühen musste. Nein, Kanubio hatte keine Ahnen, die ihm eine vermacht hätten – er musste selbst zusehen, wie er dazu kam.

Die Ahnen – ein bei den Tiefländern immer wiederkehrendes Thema, bei dem sich tief in ihm alles zusammenkrampfte, ja sogar manchmal Hass und Wut in ihm aufkommen ließ. Er kannte lediglich seine Mutter und über die wusste er herzlich wenig.
Und sein Vater? Wer war er? Sie hatte nie von ihm gesprochen, nicht einmal, wenn er sie gedrängt hatte! Ihre Lippen waren versiegelt gewesen.

Nie hatte er während seiner Zeit zur See über seine Vorfahren nachgedacht. Jetzt gewannen sie an Bedeutung. Es wurde ihm immer wichtiger, etwas über sie herauszufinden. Eine merkwürdige innere Unruhe erfasste ihn jedes Mal, wenn er daran dachte; ein Gefühl, das ihn drängte, sich auf den Weg zu machen, um die Dinge zu klären.

Er würde alles verlassen müssen, was ihm lieb geworden war – seine Freunde, die zu seiner Familie geworden waren und seine Tiere. Er würde den Weg des Kriegers unterbrechen müssen – oder war dies eine weitere Aufgabe, die ihm auf diesem Weg gestellt wurde?
Wie lange würde die Reise dauern? Würde er zurückfinden in die Stadt, in der er einst gelebt hatte? Würde er seine Mutter dort wiederfinden nach elf langen Jahren?

Wenn er es wissen wollte, musste er gehen. Doch wollte er keinesfalls überstürzt handeln, nichts unberücksichtigt lassen und sich auf diese Reise gründlich vorbereiten.
Kanubio Bunjam

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Die Rüstung ... Schwert und Handschuhe

„Was für ein Tag!“ rief er Heinrich, dem Schaf, freudestrahlend und überschwänglich zu, als er spät nachts nach Hause kam. Das Tier warf ihm lediglich einen zweifelnden Blick zu, als wolle es sagen: „Flunkere mich nicht an!“

Kanubio bemerkte den Blick sehr wohl. „Du hast ja recht“, brummte er auf den Boden der Wirklichkeit zurückkehrend, aber immer noch glücklich lächelnd. Er setzte sich zu dem Tier ins Gras. „Ganz so einfach war es nicht. Die Sache mit Systra war schon recht haarig“ – Heinrich schien verstehend zu nicken – „Und Leif … bei seinen Worten glaubte ich, mir bleibt das Herz stehen und es geht alles über Bord.“ Es sah aus, als würde Heinrich schadenfroh grinsen, während er an seinem Grasbüschel kaute.
„Vor Falk hatte ich weniger Schiss, trotzdem …“ – Heinrich blickte interessiert auf – „… für einen Moment hatte ich alle Hoffnung verloren. Doch dann sagte er …“ – Heinrich rülpste gelangweilt, als wisse er bereits alles – „… er würde seine Zustimmung zu Schwert und Handschuhen geben, wenn ich eine weitere Aufgabe erfüllen würde.“

Er sah Heinrich entschlossen an und meinte zuversichtlich: „Jetzt heißt es, hart arbeiten, um das Unmögliche zu schaffen.“
Als Kanubio die Hand hob, um den Kopf des Schafes zu streicheln, verzog er leicht das Gesicht.
„Wenn sie mir nur nicht immer freundschaftlich auf die Schulter schlagen würden, diese Thyren“, seufzte er. „Aber vielleicht gewöhn ich mich eines Tages auch noch daran.“
Kanubio Bunjam

Doppelhandfasting – Falks und Leifs Hochzeit

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Doppelhandfasting – Falks und Leifs Hochzeit

Als der große Tag gekommen war, machte Kanubio sich bereit zur Reise zum Handfasting. Mehr und mehr überfiel ihn die Nervosität, war es doch das größte und bedeutsamste Fest, dem er je in seinem gesamten Leben beiwohnen sollte. Nie hätte er geglaubt, dass er einmal zu so einem wichtigen Ereignis eingeladen würde, als er noch mit 150 Mann zusammen im Bauch des Schiffes zusammengepfercht lebte, als einer von vielen, von denen keiner in der Welt wusste, dass sie überhaupt existierten.

Unter all den geladenen Würdenträgern des Landes und all der Adeligen in der großen Halle in Grimwould sitzend, legte sich seine Nervoslität etwas nach dem ersten Met und noch mehr, als er seinen Freund Kilyan in Begleitung von Dragunos erblickte. Gemeinsam mit den beiden Druiden lief er hinüber zum Festplatz, wo die Zeremonie stattfinden sollte.

Damit die Ahnen wüssten, wer dem festlichen Akt beiwohne, sollte sich jeder vorstellen. Systra rief die Delegation der Druiden auf, wobei sie auch ihm kurz zunickte. Er – ein Druide? Für einen kurzen Moment überlegte er, ob er ihrer Aufforderung folgen und damit für noch mehr Verwirrung um seine Person sorgen sollte, doch dann entschloss er sich leicht trotzig ruhig sitzen zu bleiben. Er war weder Druide noch Waldläufer! Er wollte endlich als das angesehen werden, was er auch wirklich war. Und die Ahnen hielt er für klug genug zu wissen, dass auch er anwesend war.

Fasziniert verfolgte er das Ritual, die Welt um sich herum völlig vergessend. Besonders die Treueeide, die sich Falk und Jolinn sowie Leif und Kadlin haben, gingen ihm sehr nahe.

Unendlich lange kam es ihm vor, bis alle ihre Hochzeitsgeschenke übergeben hatten. Der Hunger fraß ihm schier die Gedärme auf. Der Versuch, ihn mit Met zu vertreiben, scheiterte kläglich. Den Brautpaaren mochte es wohl nicht anders ergehen, also fasste er sich kurz und überreichte als letzter seine Geschenke mit den Worten: „Ich wünsche euch, dass nie Flaute sein möge in der Zeit, die ihr zusammen verbringt, denn mit Stürmen werdet ihr wohl selbst sehr gut fertig.“

Danach ging es endlich ans Fressen und Saufen, wie er es noch nie in seinem Leben genießen durfte. Der Met floss in Strömen und bald schwirrte ihm der Kopf. Für ein paar Stunden all seine Probleme vergessend, beobachtete er Falk … einen Falk, der ihm an diesem Abend eine ganz andere Seite von sich zeigte. Heute war er nicht der große Krieger, sondern ein liebevoller Gemahl, der von seinem Jarlsthron gestiegen war. Entspannt und sorglos, ja gar übermütig wie ein frecher Welpe, feierte er im Kreise jener, die die späte Stunde nicht wahrnahmen.

Zu noch späterer Stunde, als die Brautleute schon lange in den Fellen lagen, prügelten sich die beiden Weyber, Hrefna und Sarahlain, in freundschaftlichem Kräftemessen.

Als er am nächsten Morgen unter einem Baum erwachte, versuchte er sich mit schwer brummendem Schädel, den er wohl hauptsächlich Trystjarn zu verdanken hatte, zu erinnern … Rolosin … Wäsche waschen … ein Wolf, der oben liegt … Seelenverbundenheit … die Segen … Nethard und sein stinkendes Zeugs … die Ahnen … Dualität …

Er rappelte sich auf und blickte zufrieden hinüber zum Festplatz. Wenigstens hatte er ihn auf zwei Beinen verlassen und gerade noch die paar Schritte hinein in den Wald geschafft.
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