Rote Augen im Nebel

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Falk Hinrah

Rote Augen im Nebel

Beitrag von Falk Hinrah »

Stunden bereits hatte er meditierend im Feenkreis zugebracht, die goldene Klinge Scylfing vor ihm im Boden steckend, umgeben vom leisen Klimpern der Feenflügel und erfüllt von der tiefen Ruhe des heiligen Ortes.

Dann geschah es endlich. Nebel wallten rund um ihn auf, hüllten ihn ein und trübten den Blick auf seine Umgebung. Doch der Nebel brachte auch neue Eindrücke, die Feen begannen in magischem Licht zu leuchten, das Geistertor hinter ihm schien mit einem mal wie zu einer unhörbaren Melodie zu pulsieren. Der Pilzkeis in dem er saß sandte sich drehende Funken um ihn herum in die kalte, feuchte Luft die das Tor markierten durch das er die Welt der sterblichen Verlassen hatte. Auch Scylfing, die goldene Nordmannsklinge seiner Ahnen pulsierte in lebendigem Licht und unverständliches Flüstern drang an seine Ohren.

Dies war sie, die Welt der Geister, der Totems. Ein Spiegelbild der wirklichen Welt und doch ganz anders. Langsam erhob er sich, ließ seinen sitzenden Körper zurück und obwohl er das vertraute Gewicht Scylfings in seiner Hand spürte, war es nur das magische Leuchten das ihn begleitete. Auch das Schwert ließ seinen Körper zurück.

Wie trunken wandelte er durch diese Welt, taumelte durch rauschende Wälder und erklomm mühelos die höchsten Berge. Grade wollte er sich wieder einmal abwenden und von den felsigen Höhen Nilzadans hinab treten in die entfernten Wüsten Menek'urs, als eine Stimme in seinem Kopf ihn aus seiner traumwandlerischen Reise riss.

"Komm zu MIR!"

Der Nebel wurde dichter, der Bergrücken verschwand und der Geist des Wolfskriegers tauchte tiefer in das Gewebe der Geisterwelten ein. Dann wurde der Nebel wie ein zerfetztes Nachttuch fort gerissen. Nur die sturmumtobte, nächtliche Ebene blieb über der ein bleicher Vollmond die Nacht nur spärlich erleuchtete.

"Wo bist du?" Immer wieder drehte sich Falk herum und ließ seinen Blick über die fernen Wälder am Rande seiner Wahrnehmung gleiten.
"Du bist in MEINEM Reich, ICH bin überall, ICH bin der Wald, die Ebene und der Wind. Schau zum Mond hinauf."
Ruckartig hob der blonde Hüne seinen Blick, schaute dorthin wo vorher der Mond geschienen hatte. Das bleiche Leuchten des gewaltigen Nachtgestirns war geblieben, doch anstatt in das Anlitz des Mondes, schaute Falk nunmehr in ein leuchtendes Wolfsauge. Langsam schloss es sich und als es sich wieder öffnete, war es rot und nur eines von sechs Augen. Kurz darauf konnte der Tiefländer den starken Wolfsgeruch wahrnehmen. Die schwarze Silouette des Fellträgers schälte sich aus der Dunkelheit der Nacht und als er sich zur Seite wandte, kam hinter seinem gewaltigen Körper wieder der Mond zum Vorschein.
"Lass uns ein Stück laufen." Die Stimme des Totems war diesmal nicht mehr in seinem Kopf, sondern drang in der Tat an die Ohren des blonden Mannes.

Einmal mehr fühlte Falk die wilde Kraft und Energie seines Totems, in wilder Jagd hetzten sie durch Wälder, unter Schnee begrabene Gebirgspässe und über stürmische Ebenen. Das Dunkel der Nacht barg sie in seinen sanften Armen und der Wind fegte ihnen lachend ins Gesicht.
"Deine Macht wächst Nachkomme. Schon bald wirst du bereit sein."
"Bereit wozu?"
Doch Wolf schwieg, so liefen sie weiter und kamen wieder in einen der endlosen Wälder der Heimat Wolfs. Dort verfiel die gewaltige, sechsäugige Gestalt in einen ausdauernden Trab und hielt auf einer kleinen Lichtung. Dort konnte Falk ganz schwach die Umrisse eines Körpers erkennen, vor diesem steckte ein Schwert im Boden und das magische Licht vieler Feen die sich auf ihm niedergelassen hatten hüllte ihn ein.
"Wer ist das?" Der Wolfskrieger blickte verwirrt auf die Gestalt die dort scheinbar in tiefer Meditation versunken war.
"Das bist du selbst MEIN Schüler. Der Aufenthalt in MEINER Welt nimmt dir die Erinnerung an die Deine."
"Kann ich nicht bleiben? Es gefällt mir hier. Hier gibt es keine Sorge, keine Zeit, nur dich und den Wind und die Wälder."
Langsam schüttelte die gewaltige Schattengestalt einen seiner plötzlich zwei Köpfe. Der zweite, kleinere Kopf wandte sich Falk zu und öffnete seine sechs Augen, bannte ihn mit seinem Blick. Unfähig etwas zu sagen lauschte Falk wie gebannt den Worten die in seinem Kopf erklangen, während sich die grössere Gestalt langsam in Nebel und Schatten auflöste und nur der kleinere Wolf blieb dessen sechs rote Augen den Einherjer anstarrten.
"Dein Rudel erwartet dich, dein Welpe wächst heran und ICH brauche dich dort um MEINE Botschaft zu verbreiten, MEIN Werk zu tun.
ICH gebe dir einen Teil MEINER Macht mit, sie wird dir in Stunden der Furcht zur Seite stehen und dir helfen den Weg zu gehen auf den MEIN Werk dich führen wird." Bei diesen Worten sprang die kleinere Wolfsgestalt aus den Schatten in die die grosse Gestalt wolfs sich aufgelöst hatte mit aufgerissenem Rachen auf ihn zu. Falk riss seine Arme empor und versuchte den vermeintlichen Biss ab zu wehren, doch wie Schatten durch Nebel glitt der Sechsäugige durch sein Fleisch und Blut und fand seinen Platz tief im Herzen des Jarls. Überrscht taumelte Falk zurück, stolperte über einen Pilz und fiel in den Schemen seines Körpers hinein.



Seine Lungen brannten als er tief einatmete und die Augen aufschlug. Laut klingelten die Flügel der Feen, die sich auf seinem Körper nieder gelassen hatten und sich nun erhoben um in die Baumwipfel zu flüchten. Er brauchte eine Weile um sich zu orientieren und zu verstehen dass er wieder zurück in der Welt der Sterblichen war.

Dann schlug es wie ein Vorschlaghammer auf sein Bewusstsein ein. 'Wolf hat etwas mit mir vor... und ich weiss nicht was es ist...'

Langsam raffte er sich auf, verscheuchte noch eine freche Fee aus seinem leicht im Wind wehenden Haar. Was immer Wolf in seiner Weisheit erkannt hatte. Falk würde sich fügen. Er hob eine Hand und blickte diese lange an, war dort nicht ein Schatten in seiner Handfläche gewesen aus dem ihn ein rotes Auge anstarrte? Nein, Unsinn. Es war ja heller Tag, wo sollte da ein Schatten her kommen.
Falk Hinrah

Beitrag von Falk Hinrah »

Schmerz...
...zerrte wie ein hungriger Geier an seinen Eingeweiden und stritt sich mit dem schwarzen Raben der Verzweiflung um die letzten Fetzen seines Herzens.
Ihm war kalt. Unglaublich kalt, seine Brust tat weh und die sich langsam trübenden Augen konnten nur noch eine Bewegung erhaschen, nicht mehr als ein Wallen des Nebels. Dann öffneten sich seine Kiefer und die lange Zunge fiel auf den Boden.
Schmerz und Leid waren aus seinem Inneren verschwunden, doch roch er sie noch ganz deutlich in der Luft, konnte sie spüren wie alte Freunde mit denen man nichts mehr gemein hatte und bei deren Besuchen nur das taube Gefühl blieb etwas Wichtiges verloren zu haben. Sein Körper bewegte sich nicht mehr, das graue Fell war zur Ruhe gekommen und kein Zittern durchlief die feuchte Nase. Erst jetzt erkannte Herger, der Wolf, der als Welpe von einem zweibeinigen Wolf namens Falk aufgezogen worden war und den er noch immer gerne und häufig besucht hatte, dass er auf seinen Körper hinab blickte. Und dies war der Moment in dem sein Bewustsein erlosch.

Doch es war nicht verloren. Sanft wurde der Strom der Wolfsseelen gelenkt. Er ergoss sich in die Welt des grosses Schwarzen und wurde so vom Vater aller Wölfe wieder aufgenommen. Er linderte ihren Schmerz, ließ sie vergessen und erst als sie wieder zu reiner Lebenskraft geworden waren, erwachte der Zorn des Herrn der Wälder.



Er war in einem wunderschönen Traum gewesen, hatte in der Veteranenecke gesessen, Met getrunken, geraucht und war irgendwie in der Lage gewesen um die Ecke auf den knackigen Hintern von Lynn zu schauen die in der Schmiede gearbeitet hatte. Doch als er seinen Blick wieder in das Methorn gerichtet hatte, hatten ihn dort aus einer endlosen Schwärze die roten Augen durchdringend angestarrt.
Bis dahin war ihm dies nichts Neues, Wolf hatte ihn schon oft im Traum besucht und holte den Geist seines Schützlings immer durch einen Blick aus seinem Traum in die von Schatten, Nebel, Mond und Wald bestimmte Welt des Schwarzen.
Doch als der Nebel sich lichtete, fehlten die Wälder, kein Mond beschien eine Ebene, nur endloses Schwarz umgab ihn. Ein rotes Auge öffnete sich und die Stimme des Totems erklang in seinem Kopf.
"SIE SIND ALLE TOT!"
Und mit der Stimme kamen die Schmerzen, immer mehr der roten Augen blühten auf, wohin er sich auch drehte, wie er sich wendete, überall blickte er in diese schrecklichen roten Augen! Wie glühende Schwertklingen bohrten sie sich in seine Gedärme, als würde jemand versuchen ihm mit Fleischerhaken die Haut ab zu ziehen. Kalt wie der Tot und heiss wie Blut durchfuhr ihn der Schmerz. Nicht nur in der Welt des Totems, nein, auch in der Wirklichkeit, ausserhalb dieses Ortes der nur im Lied existierte, zerfrass ihn die Agonie, gruben sich seine Finger wie Klauen in das eigene Fleisch und rissen es von den Knochen während Wolf immer neue Schübe der Heilung durch seinen Körper sandte.
Der Welpe Falk musste verstehen welchen Schmerz man ihm, der alle Wölfe in sich vereint zugefügt hatte, aber er sollte den Schmerz auskosten können, deshalb musste er unbeschädigt bleiben.
"ICH BIN DER NEBEL! ICH BIN DER MOND! ICH BIN DER WALD!
Glaubst du etwas könnte in MEINEN Wäldern MEINE Kinder töten ohne dass ICH davon wüsste? ICH bin der Nebel, ICH bin die Jagd. ICH habe es erlaubt!"

Die Schmerzen erloschen quälend langsam, machten der Verzweiflung, der Trauer über die vielen toten Wölfe platz. Es kam ihm vor als seien Stunden vergangen bis er es schaffte die Stimme zu erheben.
"Aber warum..." Falks Stimme war noch immer geschwächt.
"Sie mussten sterben." War es nur seine Einbildung oder konnte Falk in der Stimme des Totems die gleiche Trauer erkennen die in seinem Herzen lag? "Das ist der ewige Weg, das Schwache stirbt, damit das Starke leben kann. Und doch, so wie HIRSCH jeden Tag stirbt, damit ICH MICH an IHM laben kann, so aufersteht ER doch jeden Morgen aufs Neue und ICH lebe nur um IHN zu beschützen.
MEINE Kinder haben ihr Leben geopfert, Nachkomme, damit aus ihrem Tod dem Starken Stärke erwachse, auf dass er jene, die übrig sind, besser schützen könne. Du wirst dieser Starke sein. Du wirst es sein der MEINE Rache in die Welt trägt. Du wirst sie zu MIR bringen, auf dass sie erfahren dass selbst der Panther erzittert, wenn die Wölfe vor Jagdlust heulen. Dein Bruder ist der Schlüssel, er wird dir helfen zu nehmen was MEINE Kinder gaben und MEIN Volk soll es als Geschenk annehmen.

Dies ist dein zweiter Schritt auf den Weg den ICH für dich vorgesehen habe, ein weiter Weg liegt noch vor dir, doch will ICH dir erneut einen Teil MEINER Macht mitgeben, auf dass du am Ende deines Weges der Würdigste unter den MEINEN bist."


Es heisst die Zeit vergeht anders in den Welten jenseits der Wirklichkeit und dem muss wohl auch so sein, denn als Falk, völlig verschwitzt, zerschunden und von gewaltigen Schmerzen geschüttelt, wieder erwachte, hatte sein Clan Stundenlang über ihn gewacht, versucht ihn zu bändigen und zu fesseln, während er sich in wilder Raserei das schmerzende Fleisch von den Knochen zu kratzen versucht hatte.
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