Delilah Lynn - Der Pfad einer Gläubigen
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Delilah Lynn Rhysar
Delilah Lynn - Der Pfad einer Gläubigen
Unruhe fängt immer nur an, sie endet niemals sondern mündet nur in noch größere Probleme, verstrickt sich, erhebt sich über jene, die glauben das Schicksal kontrollieren zu können. Kontrolle, was war das schon? Gab es Menschen, die sich kontrollieren ließen? Kaum zu glauben, dass so etwas zugelassen wurde. Aber es gab sie. Menschen, die sich manipulieren ließen, wenn man es nur geschickt genug anstellte. Diese Fähigkeit musste man besitzen. Andere Menschen gekonnt um einen Finger wickeln, vieles dafür tun, dass sie einem aus der Hand fraßen, aber niemals zuviel geben. Unruhe gab es überall, Unruhe verstrickte sich in Streitereien, in Auseinandersetzungen, manchmal nahm Unruhe sogar Leben, raffte Leben dahin um anderen den Beweis zu liefern, dass sie so mächtig waren um sich im Ruhm zu aalen. Aber ebenso schnell wie Unruhen auftauchten, waren sie auch wieder geglättet. Hier und da hörte man den einen oder anderen noch über Vergangenes sprechen. Erinnerungen, die versiegten wie die Sonne, die jeden Abend wieder vom Mond abgelöst wurde, um den Tag in ein dunkles schwarz zu tauchen und die Nacht herbei rief.
Kapitel Eins: Des Teufels Werke
Lyanna Rhysar war glücklich. Sie hatte ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht, einen Goldschatz. So schön war sie, schwarze Haare hatte sie und hellblaue Augen. Es wusste niemand, ob ihre Augen so bleiben würden, schließlich veränderte sich die Farbe der Augen von Säuglingen gerne, wenn sie erstmal größer wurden. Aber für den Moment war es egal. Die junge Mutter war stolz auf ihre kleine Tochter. Und auch ihr Mann, Naroth Rhysar, er war stolz. Stolz, eine solche Tochter als sein Kind sehen zu dürfen. Lyanna war so glücklich mit ihrem kleinen Mädchen, dass sie das, was vorzeitig um sie herum geschehen war, gar nicht realisiert hatte. In ihren Augen hatte ihr Leben nur noch einen Sinn, - und das war ihre Tochter Delilah Lynn.
Jahre zogen dahin. Viele Jahre. Es waren nicht die leichtesten Zeiten für ihre Eltern gewesen. Ihr Vater arbeitete anfangs hart, doch ließ sein Wille, Gold zu verdienen stark nach, so dass ihre Mutter anfing, das Gold auf ihre Weise zu verdienen.
14 Jahre waren an Delilah vorbeigezogen. Sie war kein Kind wie jedes andere. Andere Kinder hatten sich draußen getroffen, hatten gespielt, hatten gelacht. Delilah nicht. Sie hatte keine glückliche Kindheit. Wie oft hatte sie gefleht, einfach nur sterben zu dürfen oder ihre Sachen zu packen, um das Weite zu suchen? Ihre ältere Schwester hatte sie längst allein zurückgelassen, war sie doch ihr einziger Anlaufpunkt gewesen, wenn es ihr nicht gut ging.
Früher hatte Delilah nicht verstanden, was zuhause ablief. Mit der Zeit öffnete sich ihr Verstand und auch der Geist, ließ sie am eigenen Körper erfahren, was ihre Familie zusammenhielt – Leid und Schmerz. Der Geruch von Bier und Wein, Schnaps und Ale durchdrang jeden Abend ihre Nase. Und jedes Mal wusste sie, dass sie wieder nicht friedlich einschlafen konnte. Die Wutausbrüche, mit denen ihr Vater nach Hause kam, schlauchten das junge Mädchen, sie hielt es kaum aus. Der kleine Stoffbär in ihrer Hand, ein Geschenk ihrer großen Schwester, war schon total zerknautscht und zerfetzt. Wenn ihre Eltern dachten, sie würde nicht verstehen, nicht sehen, was passierte, mussten sie wirklich dumm und töricht sein. Sie hörte die Schreie und kniff die Augen zusammen. Obwohl sie das Schauspiel gewohnt war konnte sie sich ihre Tränen abermals nicht verkneifen. Sie hörte ihre Mutter weinen und schluchzen, während ihr Vater weiter auf sie einschlug. Delilah verstand es nicht und sie fing jeden Tag von neuem an ihren Vater wie auch ihre Mutter zu verachten. Was war das für eine Familie? Ein Mann, der die Frau, die er einst geliebt hatte, fast zu Tode schlug und eine Frau, die so schwach war, dass sie sich nicht einmal gegen ihren eigenen Mann widersetzen konnte. Sie presste ihre kleinen, zarten Finger gegen ihre kleinen Öhrchen. Sie wollte einfach um sich herum nichts mehr mitbekommen.
Erst als die Schreie versiegt waren, öffnete Delilah ihre Augen. Ihr Vater hatte das Haus verlassen, sie hatte das vibrieren der Dielen vom Schlag der Tür gespürt. Vorsichtig schlüpfte Delilah aus ihrem Zimmer, die kleinen Füße berührten den kalten Steinboden der Fliesen. Wenn man von der Balustrade hinab sah blickte man auf die offene Küche und auf das Esszimmer, ebenso wie auf ein kleines, eingerichtetes Lehreck. Es war von früher, als ihr Vater noch gearbeitet hatte und nicht das ganze Geld, das ihre Mutter nach Hause brachte, versoff. Delilah blickte hinab, doch sah sie ihre Mutter nicht. Vielleicht war sie ins Badezimmer und wusch sich das Blut von den Lippen. Dachte sie wirklich, Delilah wäre so dumm, dass sie nicht mitbekam, dass ihre Mutter regelmäßig von ihrem Ehemann verprügelt wurde? Sie hasste es, wenn ihre Mutter vor Delilah versuchte stark zu sein. Schließlich war ihr bewusst, wie schwach ihre eigene Mutter war. So ging sie die Treppen weiter hinab. In einem der Ecken lag ihre Mutter. Ihr Arm lag über dem mit Fellen besetzten Stuhl, ihr Kopf lag auf ihrem Arm. Blut lief wie immer ihre Lippen und auch ihre Schläfe hinab. Vorsichtig lief Delilah zu ihr. „Lyanna?“
Hastig packte sie ihre Sachen und stopfte diese recht unordentlich in ihren Rucksack. Tränen liefen aus ihren Augenwinkeln, obwohl sie gar nicht weinen wollte. Der leblose Körper ihrer Mutter hatte ihr Angst gemacht. Sie war tot. Delilah wusste für kurze Zeit nicht, was sie tun sollte. Sollte sie Hilfe holen, wobei sie wusste, dass jede Hilfe längst zu spät war. Das einzige, was ihr jetzt in den Kopf stieg, war ihr eigenes Wohlbefinden. Seine Frau hatte er zu Tode geprügelt, wollte er sich nun an seiner jüngsten Tochter vergreifen? Würde er sie auch zu Tode prügeln? Sie würde es nicht zulassen, sie war nicht so schwach, wie ihre Mutter. Sie hoffte nur, dass ihr Vater irgendwann an seinem Alkohol verreckte. Aber der Teufel kannte im Suff eh keinerlei Gnade. Und eines wusste sie: An diesen Ort würde sie selbst nach ihrem Tod nicht mehr zurückkehren.
Auf den Straßen hatte sie von den Fremden von einem Land gehört, fern von hier, weit weg von ihrer Vergangenheit. Vielleicht war es eine Möglichkeit, ihr Leben dort zu beschreiten. Nicht einen Blick schenkte das Mädchen ihrem Zuhause, als sie auf das Schiff ging und es ablegte. Und es fühlte sich innerlich an, als würde sie endlich zu neuem Leben erwachen.
Die Schifffahrt zog sich über Wochen hin, Delilah hatte sehr viel Zeit um nachzudenken, um sich der Situation bewusst zu werden, welcher sie gerade entflohen war. Aber natürlich, ihre Schwester war längst tot, sie hatte sich für einen Tod aus freien Schritten entschieden. Sie hatte es nicht mehr ertragen, dass ihr Körper so beschmutzt war. Warum hatte Delilah nur so lange gebraucht um zu sehen, dass ihr zuhause nicht ihr zuhause war? Ihr Vater, ein Saufbold, der sich von seiner ältesten Tochter das genommen hatte, was er von seiner Frau nicht mehr bekommen hatte. Und ihre Mutter, die sich an andere Männer verkaufte, um ihre Familie ernähren zu können, weil ihr Ehemann schlichtweg zu faul war, seinen Hintern zu bewegen und das Gold, dass sie anschaffte, schlichtweg versoff. Sie tat sich selbst fürchterlich leid, dass sie ihren Kindern irgendwann nichts von ihrer Familie erzählen konnte, was überhaupt in kleinster Weise gut war. Gab es überhaupt Momente, in denen das kleine Mädchen nicht eingeschüchtert und weinend zuhause saß? Delilah erinnerte sich nicht. Sie erinnerte sich nur an die Augen ihrer Schwester, als sie panisch, ängstlich und schockiert, als würde sie gar nicht mehr am hiesigen Leben teilnehmen in ihrer Ecke saß und die Arme um ihren geschundenen Körper schlang. Selbst heute schnürte es Delilah noch die Luft zum atmen ab. Die einzige Hoffnung, die sie hatte: Sie wollte in ihrer neuen Heimat neue Luft schnuppern.
Kapitel Zwei:
Bajard. Sie stand an den Gesetzestafeln, als sie von Bord gegangen war. Es war reges Treiben in der Stadt. Hier und da eilten Mägde die Wege entlang, Männer zogen ihre Frauen an den Haaren hinter sich her – es war also wohl überall so. Delilah seufzte und sah sich um, sie versuchte sich als Halbwüchsige ein eigenes Bild zu erschaffen. Eine blühende Phantasie hatte sie schon immer gehabt. Sie kramte die letzten Goldstücke aus ihrer Tasche heraus und ging in die Taverne, um sich dort ein wenig essen zu erkaufen. Die Taverne war voller, als sie gedacht hatte. Noch immer versuchte sie einen Sinn zu erkennen, warum dieses Dorf bestand. Aber scheinbar war es ein einfaches Fischerdorf, das sich anderen gegenüber neutral verhalten wollte. Sie ließ sich in eines der Ecken treiben, setzte sich auf einen freien Stuhl auf einem Tisch und pflückte das Brot auseinander. Eine Bardin lag betrunken über dem Tisch, es gab also auch Frauen, die sich dem Alkohol vollkommen ergaben. Sie verstand es nicht. Und es widerte sie an. Zwei weitere Frauen unterhielten sich recht angeregt über ihre Familien, über die Erziehung ihrer Kinder. Delilah versuchte aus dem Wortwirrwarr etwas herauszufiltern. Temora, Eluive, Phanodain, Alatar. Sie hörte diese Namen in den Floskeln, welche die Damen und Herren sich zuwarfen, wenn sie das Gebäude verließen oder es betraten.
Zwei schwarzberobte – ein Mann und eine Frau – betraten die Taverne und einige verließen fluchtartig das Gebäude. Es waren Arkorither, wie Delilah selbst erst einige Monate später erfahren hatte, als sie selbst nicht mehr fremd in diesen Landen war. Noch verstand Delilah nicht und wollte vielleicht auch noch nicht verstehen, was auf sie zukommen sollte….
Monate später.
Sie saß in der Taverne in Rahal. Sie war überall herumgekommen. In Bajard war sie nur einige Tage geblieben. Der ständige Fischgeruch in ihrer Nase widerte sie sehr schnell an. Sie selbst hätte wohl Angst davor, dass sich der beißende Geruch von verwestem Fisch in ihren Haaren und selbst auf ihrer Haut absetzte. Varuna hatte sie sich auch angesehen, doch die Leute dort waren so fürchterlich von sich selbst überzeugt, Delilah passte nicht dort hin. Es nervte sie, dass jeder ihr von Anfang an erzählen wollte, an was sie glauben MUSSTE. Das sie einen nicht noch bestochen hatten, war alles. Die Stadt war recht interessant gewesen, aber es passte nicht zu dem, was Delilah gewohnt war. Also verließ sie die Stadt wieder, machte sich auf nach Berchgard. Berchgard. Was war das nur für eine Stadt. Eine Stadt, die sich von einem Königreich unterjochen ließ und dreckigen Erdwühlern ihre Mine überließen ohne sich dagegen zu wehren. Es war lachhaft. Gab es keine Stadt, in der sie sich wohl fühlte? Und dann kam der Tag, an dem sie Rahal betrat. Allein als sie die Straße durch die Tore hindurchmarschierte, fühlte sie sich wohler als überall sonst. Wo war sie hier? Rahal – Die Stadt des Götterkönigs Alatar. Klang viel versprechend.
Wochenlang hatte sie sich herumgetrieben und allem Anschein nach hatte sie nun ihr Zuhause gefunden. Sie hatte auf ihr Herz gehört, das war das Wichtigste.
Sie lernte immer mehr, auf eigenen Füßen zu stehen. Sie verdiente sich ihr Gold damit, in einer Taverne kurzzeitig auszuhelfen. Tag für Tag lernte sie mehr Menschen kennen, welchen sie ihre Bewunderung schenkte. Sie waren stark, sie hatten einen klaren Willen, so, wie sie es auch hatte. Und langsam glaubte sie daran, dass es eine Art Vorbestimmung war, dass sie ihre Kindheit erleben musste, sonst wäre sie vielleicht nie hier angekommen, wo sie nun war. In Rahal.
Oftmals hörte sie Laien auf der Straße von der „verfluchten Stadt Rahal“ oder der „Stadt des Untergangs“ sprechen, aber innerlich musste sie grinsen. Sie hatten ja alle keine Ahnung, was sich wirklich in Rahal zutrug. Aber sie blieb ruhig. Sie ließ die Menschen sprechen, sie waren dumm. Sie sollten sich lieber darüber bewusst werden, dass es nur einen Weg für sie geben wird. Und den mussten sie allein finden, irgendwann endete jeder Weg mit dem Tod – für den Einen früher, für den Anderen später.
Und wieder saß sie in der Taverne. Sie hatte sich vollkommen ihren Gedanken hingegeben und durchforschte diese in ihrem tiefsten Inneren. Sie hatte so vieles kennen gelernt, gläubige Menschen, zu denen sie sich mittlerweile ebenso zählte, die Kinder Alatars – Letharen – und noch einiges mehr. Sie hatte ihren Weg gefunden, ihre Liebe – die Liebe und den Glauben zu Alatar. Aber es war ihr lästig, dass sie mit ihrem Glauben nicht mehr erreichen konnte, die Menschen nicht erreichen, sie Alatar näher bringen konnte. Sie war fast besessen von ihrem Glauben, handelte stets nach seinem Willen oder was sie dachte, was sein Wille wäre. Sie hörte auf das, was ihr Herz ihr sagte. Also erhob sie sich … sie musste etwas tun und sie hatte sich auch in den Kopf gesetzt, was sie tun würde. Ihr Weg würde sie zum Tempel Alatars tragen, nur dort konnte sie die einzig wahre und hingabungsvollste Dogmatik erlernen und am eigenen Leib erfahren. Sie würde für ihren Glauben leben, vielleicht auch, um ihre Familie restlos zu vergessen und ihr eigenes Leben aufzubauen.
Kapitel Eins: Des Teufels Werke
Lyanna Rhysar war glücklich. Sie hatte ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht, einen Goldschatz. So schön war sie, schwarze Haare hatte sie und hellblaue Augen. Es wusste niemand, ob ihre Augen so bleiben würden, schließlich veränderte sich die Farbe der Augen von Säuglingen gerne, wenn sie erstmal größer wurden. Aber für den Moment war es egal. Die junge Mutter war stolz auf ihre kleine Tochter. Und auch ihr Mann, Naroth Rhysar, er war stolz. Stolz, eine solche Tochter als sein Kind sehen zu dürfen. Lyanna war so glücklich mit ihrem kleinen Mädchen, dass sie das, was vorzeitig um sie herum geschehen war, gar nicht realisiert hatte. In ihren Augen hatte ihr Leben nur noch einen Sinn, - und das war ihre Tochter Delilah Lynn.
Jahre zogen dahin. Viele Jahre. Es waren nicht die leichtesten Zeiten für ihre Eltern gewesen. Ihr Vater arbeitete anfangs hart, doch ließ sein Wille, Gold zu verdienen stark nach, so dass ihre Mutter anfing, das Gold auf ihre Weise zu verdienen.
14 Jahre waren an Delilah vorbeigezogen. Sie war kein Kind wie jedes andere. Andere Kinder hatten sich draußen getroffen, hatten gespielt, hatten gelacht. Delilah nicht. Sie hatte keine glückliche Kindheit. Wie oft hatte sie gefleht, einfach nur sterben zu dürfen oder ihre Sachen zu packen, um das Weite zu suchen? Ihre ältere Schwester hatte sie längst allein zurückgelassen, war sie doch ihr einziger Anlaufpunkt gewesen, wenn es ihr nicht gut ging.
Früher hatte Delilah nicht verstanden, was zuhause ablief. Mit der Zeit öffnete sich ihr Verstand und auch der Geist, ließ sie am eigenen Körper erfahren, was ihre Familie zusammenhielt – Leid und Schmerz. Der Geruch von Bier und Wein, Schnaps und Ale durchdrang jeden Abend ihre Nase. Und jedes Mal wusste sie, dass sie wieder nicht friedlich einschlafen konnte. Die Wutausbrüche, mit denen ihr Vater nach Hause kam, schlauchten das junge Mädchen, sie hielt es kaum aus. Der kleine Stoffbär in ihrer Hand, ein Geschenk ihrer großen Schwester, war schon total zerknautscht und zerfetzt. Wenn ihre Eltern dachten, sie würde nicht verstehen, nicht sehen, was passierte, mussten sie wirklich dumm und töricht sein. Sie hörte die Schreie und kniff die Augen zusammen. Obwohl sie das Schauspiel gewohnt war konnte sie sich ihre Tränen abermals nicht verkneifen. Sie hörte ihre Mutter weinen und schluchzen, während ihr Vater weiter auf sie einschlug. Delilah verstand es nicht und sie fing jeden Tag von neuem an ihren Vater wie auch ihre Mutter zu verachten. Was war das für eine Familie? Ein Mann, der die Frau, die er einst geliebt hatte, fast zu Tode schlug und eine Frau, die so schwach war, dass sie sich nicht einmal gegen ihren eigenen Mann widersetzen konnte. Sie presste ihre kleinen, zarten Finger gegen ihre kleinen Öhrchen. Sie wollte einfach um sich herum nichts mehr mitbekommen.
Erst als die Schreie versiegt waren, öffnete Delilah ihre Augen. Ihr Vater hatte das Haus verlassen, sie hatte das vibrieren der Dielen vom Schlag der Tür gespürt. Vorsichtig schlüpfte Delilah aus ihrem Zimmer, die kleinen Füße berührten den kalten Steinboden der Fliesen. Wenn man von der Balustrade hinab sah blickte man auf die offene Küche und auf das Esszimmer, ebenso wie auf ein kleines, eingerichtetes Lehreck. Es war von früher, als ihr Vater noch gearbeitet hatte und nicht das ganze Geld, das ihre Mutter nach Hause brachte, versoff. Delilah blickte hinab, doch sah sie ihre Mutter nicht. Vielleicht war sie ins Badezimmer und wusch sich das Blut von den Lippen. Dachte sie wirklich, Delilah wäre so dumm, dass sie nicht mitbekam, dass ihre Mutter regelmäßig von ihrem Ehemann verprügelt wurde? Sie hasste es, wenn ihre Mutter vor Delilah versuchte stark zu sein. Schließlich war ihr bewusst, wie schwach ihre eigene Mutter war. So ging sie die Treppen weiter hinab. In einem der Ecken lag ihre Mutter. Ihr Arm lag über dem mit Fellen besetzten Stuhl, ihr Kopf lag auf ihrem Arm. Blut lief wie immer ihre Lippen und auch ihre Schläfe hinab. Vorsichtig lief Delilah zu ihr. „Lyanna?“
Hastig packte sie ihre Sachen und stopfte diese recht unordentlich in ihren Rucksack. Tränen liefen aus ihren Augenwinkeln, obwohl sie gar nicht weinen wollte. Der leblose Körper ihrer Mutter hatte ihr Angst gemacht. Sie war tot. Delilah wusste für kurze Zeit nicht, was sie tun sollte. Sollte sie Hilfe holen, wobei sie wusste, dass jede Hilfe längst zu spät war. Das einzige, was ihr jetzt in den Kopf stieg, war ihr eigenes Wohlbefinden. Seine Frau hatte er zu Tode geprügelt, wollte er sich nun an seiner jüngsten Tochter vergreifen? Würde er sie auch zu Tode prügeln? Sie würde es nicht zulassen, sie war nicht so schwach, wie ihre Mutter. Sie hoffte nur, dass ihr Vater irgendwann an seinem Alkohol verreckte. Aber der Teufel kannte im Suff eh keinerlei Gnade. Und eines wusste sie: An diesen Ort würde sie selbst nach ihrem Tod nicht mehr zurückkehren.
Auf den Straßen hatte sie von den Fremden von einem Land gehört, fern von hier, weit weg von ihrer Vergangenheit. Vielleicht war es eine Möglichkeit, ihr Leben dort zu beschreiten. Nicht einen Blick schenkte das Mädchen ihrem Zuhause, als sie auf das Schiff ging und es ablegte. Und es fühlte sich innerlich an, als würde sie endlich zu neuem Leben erwachen.
Die Schifffahrt zog sich über Wochen hin, Delilah hatte sehr viel Zeit um nachzudenken, um sich der Situation bewusst zu werden, welcher sie gerade entflohen war. Aber natürlich, ihre Schwester war längst tot, sie hatte sich für einen Tod aus freien Schritten entschieden. Sie hatte es nicht mehr ertragen, dass ihr Körper so beschmutzt war. Warum hatte Delilah nur so lange gebraucht um zu sehen, dass ihr zuhause nicht ihr zuhause war? Ihr Vater, ein Saufbold, der sich von seiner ältesten Tochter das genommen hatte, was er von seiner Frau nicht mehr bekommen hatte. Und ihre Mutter, die sich an andere Männer verkaufte, um ihre Familie ernähren zu können, weil ihr Ehemann schlichtweg zu faul war, seinen Hintern zu bewegen und das Gold, dass sie anschaffte, schlichtweg versoff. Sie tat sich selbst fürchterlich leid, dass sie ihren Kindern irgendwann nichts von ihrer Familie erzählen konnte, was überhaupt in kleinster Weise gut war. Gab es überhaupt Momente, in denen das kleine Mädchen nicht eingeschüchtert und weinend zuhause saß? Delilah erinnerte sich nicht. Sie erinnerte sich nur an die Augen ihrer Schwester, als sie panisch, ängstlich und schockiert, als würde sie gar nicht mehr am hiesigen Leben teilnehmen in ihrer Ecke saß und die Arme um ihren geschundenen Körper schlang. Selbst heute schnürte es Delilah noch die Luft zum atmen ab. Die einzige Hoffnung, die sie hatte: Sie wollte in ihrer neuen Heimat neue Luft schnuppern.
Kapitel Zwei:
Bajard. Sie stand an den Gesetzestafeln, als sie von Bord gegangen war. Es war reges Treiben in der Stadt. Hier und da eilten Mägde die Wege entlang, Männer zogen ihre Frauen an den Haaren hinter sich her – es war also wohl überall so. Delilah seufzte und sah sich um, sie versuchte sich als Halbwüchsige ein eigenes Bild zu erschaffen. Eine blühende Phantasie hatte sie schon immer gehabt. Sie kramte die letzten Goldstücke aus ihrer Tasche heraus und ging in die Taverne, um sich dort ein wenig essen zu erkaufen. Die Taverne war voller, als sie gedacht hatte. Noch immer versuchte sie einen Sinn zu erkennen, warum dieses Dorf bestand. Aber scheinbar war es ein einfaches Fischerdorf, das sich anderen gegenüber neutral verhalten wollte. Sie ließ sich in eines der Ecken treiben, setzte sich auf einen freien Stuhl auf einem Tisch und pflückte das Brot auseinander. Eine Bardin lag betrunken über dem Tisch, es gab also auch Frauen, die sich dem Alkohol vollkommen ergaben. Sie verstand es nicht. Und es widerte sie an. Zwei weitere Frauen unterhielten sich recht angeregt über ihre Familien, über die Erziehung ihrer Kinder. Delilah versuchte aus dem Wortwirrwarr etwas herauszufiltern. Temora, Eluive, Phanodain, Alatar. Sie hörte diese Namen in den Floskeln, welche die Damen und Herren sich zuwarfen, wenn sie das Gebäude verließen oder es betraten.
Zwei schwarzberobte – ein Mann und eine Frau – betraten die Taverne und einige verließen fluchtartig das Gebäude. Es waren Arkorither, wie Delilah selbst erst einige Monate später erfahren hatte, als sie selbst nicht mehr fremd in diesen Landen war. Noch verstand Delilah nicht und wollte vielleicht auch noch nicht verstehen, was auf sie zukommen sollte….
Monate später.
Sie saß in der Taverne in Rahal. Sie war überall herumgekommen. In Bajard war sie nur einige Tage geblieben. Der ständige Fischgeruch in ihrer Nase widerte sie sehr schnell an. Sie selbst hätte wohl Angst davor, dass sich der beißende Geruch von verwestem Fisch in ihren Haaren und selbst auf ihrer Haut absetzte. Varuna hatte sie sich auch angesehen, doch die Leute dort waren so fürchterlich von sich selbst überzeugt, Delilah passte nicht dort hin. Es nervte sie, dass jeder ihr von Anfang an erzählen wollte, an was sie glauben MUSSTE. Das sie einen nicht noch bestochen hatten, war alles. Die Stadt war recht interessant gewesen, aber es passte nicht zu dem, was Delilah gewohnt war. Also verließ sie die Stadt wieder, machte sich auf nach Berchgard. Berchgard. Was war das nur für eine Stadt. Eine Stadt, die sich von einem Königreich unterjochen ließ und dreckigen Erdwühlern ihre Mine überließen ohne sich dagegen zu wehren. Es war lachhaft. Gab es keine Stadt, in der sie sich wohl fühlte? Und dann kam der Tag, an dem sie Rahal betrat. Allein als sie die Straße durch die Tore hindurchmarschierte, fühlte sie sich wohler als überall sonst. Wo war sie hier? Rahal – Die Stadt des Götterkönigs Alatar. Klang viel versprechend.
Wochenlang hatte sie sich herumgetrieben und allem Anschein nach hatte sie nun ihr Zuhause gefunden. Sie hatte auf ihr Herz gehört, das war das Wichtigste.
Sie lernte immer mehr, auf eigenen Füßen zu stehen. Sie verdiente sich ihr Gold damit, in einer Taverne kurzzeitig auszuhelfen. Tag für Tag lernte sie mehr Menschen kennen, welchen sie ihre Bewunderung schenkte. Sie waren stark, sie hatten einen klaren Willen, so, wie sie es auch hatte. Und langsam glaubte sie daran, dass es eine Art Vorbestimmung war, dass sie ihre Kindheit erleben musste, sonst wäre sie vielleicht nie hier angekommen, wo sie nun war. In Rahal.
Oftmals hörte sie Laien auf der Straße von der „verfluchten Stadt Rahal“ oder der „Stadt des Untergangs“ sprechen, aber innerlich musste sie grinsen. Sie hatten ja alle keine Ahnung, was sich wirklich in Rahal zutrug. Aber sie blieb ruhig. Sie ließ die Menschen sprechen, sie waren dumm. Sie sollten sich lieber darüber bewusst werden, dass es nur einen Weg für sie geben wird. Und den mussten sie allein finden, irgendwann endete jeder Weg mit dem Tod – für den Einen früher, für den Anderen später.
Und wieder saß sie in der Taverne. Sie hatte sich vollkommen ihren Gedanken hingegeben und durchforschte diese in ihrem tiefsten Inneren. Sie hatte so vieles kennen gelernt, gläubige Menschen, zu denen sie sich mittlerweile ebenso zählte, die Kinder Alatars – Letharen – und noch einiges mehr. Sie hatte ihren Weg gefunden, ihre Liebe – die Liebe und den Glauben zu Alatar. Aber es war ihr lästig, dass sie mit ihrem Glauben nicht mehr erreichen konnte, die Menschen nicht erreichen, sie Alatar näher bringen konnte. Sie war fast besessen von ihrem Glauben, handelte stets nach seinem Willen oder was sie dachte, was sein Wille wäre. Sie hörte auf das, was ihr Herz ihr sagte. Also erhob sie sich … sie musste etwas tun und sie hatte sich auch in den Kopf gesetzt, was sie tun würde. Ihr Weg würde sie zum Tempel Alatars tragen, nur dort konnte sie die einzig wahre und hingabungsvollste Dogmatik erlernen und am eigenen Leib erfahren. Sie würde für ihren Glauben leben, vielleicht auch, um ihre Familie restlos zu vergessen und ihr eigenes Leben aufzubauen.
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Delilah Lynn Rhysar
Morgengrauen.
Unruhig hatte sich Delilah die ganze Nacht in ihrem Bett gewälzt. Ihr Rücken brannte, die Einrisse auf ihrem Schulterblatt und auf dem Rest ihres Rückens brannten. Im Halbschlaf hatte sie sich aus der restlichen Kleidung gewälzt, so hatte diese doch noch viel mehr in den Wunden gebrannt. Eines ihrer Beine um die Decke geschlungen, so daß diese nur ihre Brust und den Bauch berührten, lag sie da. Die Wunden schienen fast schon zu leuchten auf ihrem blassen Rücken. Auf dem vierten Striemen hatte sich mittlerweile eine Kruste gebildet und sollte wohl ein Zeichen sein, die Vergangenheit besiegelt zu haben.
Vergangen.
Gemeinsam mit Auron saß sie in der Taverne Rahals. Zur gehießenen Stund, wie man ihr am Vortag gesagt hatte. Würden sie erkennen, auf wen sie zu warten hatten?
Die Türen wurden aufgestoßen, eine in eine Robe gekleidete Frau trat durch die Türen und befahl den beiden, ihr zu folgen. Von da an ging alles schnell.
Sie stand vor Laraanji. Selbige hatte sie am Vorabend schon kurz gesehen, als sie sich mit Ritter Rasakar noch vor dem Tempel unterhalten hatte. Laraanji musterte jene, griff nach ihrem Kinn, nach ihren Armen. Sie schien nicht zufrieden mit Delilahs Statur. Zumindest nicht komplett. Und doch hoffte Delilah. Sie hoffte, dass Alatar sich ihrer annehmen würde. So sie wollten würde sie üben, jeden Tag. Bis sie nicht mehr stehen konnte. Aber sie schwieg. Sie ließ die Templerinnen gewähren. Kein Wort verließ ihre Lippen. Noch nicht einmal, als sie ihr die Haare abschnitten und ihr Haupt glatt rasierten.
Erst als der zweite Peitschhieb auf ihrem Rücken niederprasselte drang ein kleiner Klagelaut über ihre Lippen, doch schluckte sie diesen sogleich wieder hinab. Ihr Körper zitterte, jeder einzelne Muskel bebte unter den Schlägen der Peitsche, welche die Templerin in ihrer Hand führte. Shelia, so stellte sie sich später vor, Klerikerin, hatte sie genauestens im Auge behalten. Prüfend lag der Augenschein immer und immer wieder auf Delilah. Aber Delilah blieb stark. Sie hatte kein Zweifel, dass dieser Weg der Richtige für sie war. Körperliche Qualen waren ein Genuß, keine Qual. So sehr es auch schmerzte, es stärkte. Weil es des Herrn Wille war.
Unruhig hatte sich Delilah die ganze Nacht in ihrem Bett gewälzt. Ihr Rücken brannte, die Einrisse auf ihrem Schulterblatt und auf dem Rest ihres Rückens brannten. Im Halbschlaf hatte sie sich aus der restlichen Kleidung gewälzt, so hatte diese doch noch viel mehr in den Wunden gebrannt. Eines ihrer Beine um die Decke geschlungen, so daß diese nur ihre Brust und den Bauch berührten, lag sie da. Die Wunden schienen fast schon zu leuchten auf ihrem blassen Rücken. Auf dem vierten Striemen hatte sich mittlerweile eine Kruste gebildet und sollte wohl ein Zeichen sein, die Vergangenheit besiegelt zu haben.
Vergangen.
Gemeinsam mit Auron saß sie in der Taverne Rahals. Zur gehießenen Stund, wie man ihr am Vortag gesagt hatte. Würden sie erkennen, auf wen sie zu warten hatten?
Die Türen wurden aufgestoßen, eine in eine Robe gekleidete Frau trat durch die Türen und befahl den beiden, ihr zu folgen. Von da an ging alles schnell.
Sie stand vor Laraanji. Selbige hatte sie am Vorabend schon kurz gesehen, als sie sich mit Ritter Rasakar noch vor dem Tempel unterhalten hatte. Laraanji musterte jene, griff nach ihrem Kinn, nach ihren Armen. Sie schien nicht zufrieden mit Delilahs Statur. Zumindest nicht komplett. Und doch hoffte Delilah. Sie hoffte, dass Alatar sich ihrer annehmen würde. So sie wollten würde sie üben, jeden Tag. Bis sie nicht mehr stehen konnte. Aber sie schwieg. Sie ließ die Templerinnen gewähren. Kein Wort verließ ihre Lippen. Noch nicht einmal, als sie ihr die Haare abschnitten und ihr Haupt glatt rasierten.
Erst als der zweite Peitschhieb auf ihrem Rücken niederprasselte drang ein kleiner Klagelaut über ihre Lippen, doch schluckte sie diesen sogleich wieder hinab. Ihr Körper zitterte, jeder einzelne Muskel bebte unter den Schlägen der Peitsche, welche die Templerin in ihrer Hand führte. Shelia, so stellte sie sich später vor, Klerikerin, hatte sie genauestens im Auge behalten. Prüfend lag der Augenschein immer und immer wieder auf Delilah. Aber Delilah blieb stark. Sie hatte kein Zweifel, dass dieser Weg der Richtige für sie war. Körperliche Qualen waren ein Genuß, keine Qual. So sehr es auch schmerzte, es stärkte. Weil es des Herrn Wille war.
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Delilah Lynn Rhysar
Rahal.
Sie wollte ein wenig Luft schnappen und hatte den Tempel verlassen. Ihre Füße trugen sie durch Rahal, die steinernden Wege entlang in Richtung der Taverne, obwohl sie gar nicht in diese gehen wollte. Ihre Sinne hatte sie beisammen, bei Alatar und wollte ihm erneut ein paar Seelen schenken und ihren Zorn mit Obhut walten lassen. Zuviel Zorn sollte sie nicht opfern, nicht für so beiläufige Dinge. Doch kam sie nicht einmal so weit, da sie auf dem Weg einen Rekruten der Garde Rahals traf, gemeinsam mit einem weiteren Unbekannten. Er wollte einen Brief abgeben, doch der Gardist - Sarel sein Name - schien den Brief längst an sich genommen zu haben. Delilah's Interesse an dem Fremden hielt sich in Grenzen, doch spürte sie deutlich seine Aura. Er schien von seinem Wesen her perfekt, um in Rahal seine Wurzeln zu schlagen. Doch ob er das tun würde? Es wäre schade, wenn er sein Können und seine Gabe verschwenden würde. Aber es lag nicht in Delilah's Hand ihn zu führen. Sie konnte ihm höchstens einen Schubs auf den wahren Weg geben.
Bajard.
Sie ging in die Taverne. Nicht, dass sie Durst oder Hunger geplagt hätten. Es war die Neugierde, was das Volk so trieb. Der beissende Geruch von Fisch drang in ihre Nase. Immer wieder fragte sie sich, warum Bajard eigentlich so stinken musste. Oder war es ihr Unterbewusstsein, was Bajard einfach stinken lies? Erst recht, seit es unter Menekanischem Regiment stand?
Sie stieß die Türen auf, den Stab hatte sie fest in ihrer rechten Hand. Voll war die Taverne nicht gerade. Vier Männer waren dort. Einer von ihnen schien Magier. Die anderen beiden schienen nicht viel von Sitte und Anstand zu halten. Sie stanken nach Urin, nach Schweiß, nach Alkohol. Als hätten sie in ihrem Leben noch kein Wasser gesehen. Und die Aufmerksamkeit der beiden erregte sie auch. Sie schienen ihr förmlich am Hintern zu kleben und setzten sich auch neben sie, als sie sich an die Theke auf einen der Hocker sinken ließ. Einer der beiden schien Björn zu heißen. Zumindest konnte sie das aus der undeutlichen Sprache herauslesen. Der andere, der sich Delilah unaufhaltsam zu nähern schien, hörte wohl auf keinen Namen sondern eher auf "Skippah". Was bei Alatar das auch sein sollte. Seine Hände konnte er auch nicht bei sich lassen. Doch Delilah besann sich. Sie richtete ihre Gedanken komplett an Alatar. Die beiden würden ihre Strafe schon noch aussitzen. Und es war fast unmöglich sich den "Skippah" vom Hals zu halten. Nicht einmal der Magier, sie hatte keine Ahnung, wer er war, konnte ihn abhalten mit dem Stab. Auch als sie die Taverne verließ konnte sie den Weg nach Hause nicht bestreiten, zumindest nicht alleine. "Skippah" war ihr gefolgt und versuchte sie weiter zu befingern. Es war abstoßend, wiederlich. Und der beissende Geruch war schlimmer als der Gestank eines verwesenden Temori-Priesters. Bei dem Gedanken an den Geruch aus Schweiß und Urin mit dem Gemisch aus Bier, Schnaps und Ale, ungewaschener Haut und Motten und anderem Getier lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. Da waren selbst die Peitschhiebe Streicheleinheiten für die Seele. Sie hatten wenigstens ihre Bedeutung und es war wichtig für Delilah gewesen, diese auf ihrem Körper zu erfahren. Denn es war die erste Lehre Alatars.
Irgendwann lag sie im Bett, nachdem sie ihr letztes Gebet gesprochen hatte. Sie hatte sich gewaschen, sie wollte die Berührungen dieser Ungläubigen von sich abwaschen. Sonderbar was für Gesindel in Bajard herumrannte. Aber die Männer passten zu dem Dorf. Betrunken, stinkend, absolut widerwärtig, dreist und mit jeder Wette würden die beiden nicht davor zurückschrecken sich mit Gewalt das zu holen, was sie brauchten - eine Frau. Aber sie war sich sicher: Alatar würde sie in ihre Schranken weisen. Sie schloss die Augen.
Sie wollte ein wenig Luft schnappen und hatte den Tempel verlassen. Ihre Füße trugen sie durch Rahal, die steinernden Wege entlang in Richtung der Taverne, obwohl sie gar nicht in diese gehen wollte. Ihre Sinne hatte sie beisammen, bei Alatar und wollte ihm erneut ein paar Seelen schenken und ihren Zorn mit Obhut walten lassen. Zuviel Zorn sollte sie nicht opfern, nicht für so beiläufige Dinge. Doch kam sie nicht einmal so weit, da sie auf dem Weg einen Rekruten der Garde Rahals traf, gemeinsam mit einem weiteren Unbekannten. Er wollte einen Brief abgeben, doch der Gardist - Sarel sein Name - schien den Brief längst an sich genommen zu haben. Delilah's Interesse an dem Fremden hielt sich in Grenzen, doch spürte sie deutlich seine Aura. Er schien von seinem Wesen her perfekt, um in Rahal seine Wurzeln zu schlagen. Doch ob er das tun würde? Es wäre schade, wenn er sein Können und seine Gabe verschwenden würde. Aber es lag nicht in Delilah's Hand ihn zu führen. Sie konnte ihm höchstens einen Schubs auf den wahren Weg geben.
Bajard.
Sie ging in die Taverne. Nicht, dass sie Durst oder Hunger geplagt hätten. Es war die Neugierde, was das Volk so trieb. Der beissende Geruch von Fisch drang in ihre Nase. Immer wieder fragte sie sich, warum Bajard eigentlich so stinken musste. Oder war es ihr Unterbewusstsein, was Bajard einfach stinken lies? Erst recht, seit es unter Menekanischem Regiment stand?
Sie stieß die Türen auf, den Stab hatte sie fest in ihrer rechten Hand. Voll war die Taverne nicht gerade. Vier Männer waren dort. Einer von ihnen schien Magier. Die anderen beiden schienen nicht viel von Sitte und Anstand zu halten. Sie stanken nach Urin, nach Schweiß, nach Alkohol. Als hätten sie in ihrem Leben noch kein Wasser gesehen. Und die Aufmerksamkeit der beiden erregte sie auch. Sie schienen ihr förmlich am Hintern zu kleben und setzten sich auch neben sie, als sie sich an die Theke auf einen der Hocker sinken ließ. Einer der beiden schien Björn zu heißen. Zumindest konnte sie das aus der undeutlichen Sprache herauslesen. Der andere, der sich Delilah unaufhaltsam zu nähern schien, hörte wohl auf keinen Namen sondern eher auf "Skippah". Was bei Alatar das auch sein sollte. Seine Hände konnte er auch nicht bei sich lassen. Doch Delilah besann sich. Sie richtete ihre Gedanken komplett an Alatar. Die beiden würden ihre Strafe schon noch aussitzen. Und es war fast unmöglich sich den "Skippah" vom Hals zu halten. Nicht einmal der Magier, sie hatte keine Ahnung, wer er war, konnte ihn abhalten mit dem Stab. Auch als sie die Taverne verließ konnte sie den Weg nach Hause nicht bestreiten, zumindest nicht alleine. "Skippah" war ihr gefolgt und versuchte sie weiter zu befingern. Es war abstoßend, wiederlich. Und der beissende Geruch war schlimmer als der Gestank eines verwesenden Temori-Priesters. Bei dem Gedanken an den Geruch aus Schweiß und Urin mit dem Gemisch aus Bier, Schnaps und Ale, ungewaschener Haut und Motten und anderem Getier lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. Da waren selbst die Peitschhiebe Streicheleinheiten für die Seele. Sie hatten wenigstens ihre Bedeutung und es war wichtig für Delilah gewesen, diese auf ihrem Körper zu erfahren. Denn es war die erste Lehre Alatars.
Irgendwann lag sie im Bett, nachdem sie ihr letztes Gebet gesprochen hatte. Sie hatte sich gewaschen, sie wollte die Berührungen dieser Ungläubigen von sich abwaschen. Sonderbar was für Gesindel in Bajard herumrannte. Aber die Männer passten zu dem Dorf. Betrunken, stinkend, absolut widerwärtig, dreist und mit jeder Wette würden die beiden nicht davor zurückschrecken sich mit Gewalt das zu holen, was sie brauchten - eine Frau. Aber sie war sich sicher: Alatar würde sie in ihre Schranken weisen. Sie schloss die Augen.
-
Delilah Lynn Rhysar
Dunkel war es. Ohja und wie dunkel es war.
Die Taverne lag in seichtem Licht. Warum war sie eigentlich schon wieder hier? Wohl wollte sie sich selbst ein wenig quälen, sich mit Ungläubigen auseinandersetzen. Vielleicht hegte sie innerlich auch irgendwo die Hoffnung, diese zwei Saufbolde in der Taverne sich dem elendigen Alkohol hinzugeben. Delilah wusste, wie das irgendwann enden würde. Bier, Schnaps, Wein, Ale. Alles das selbe. In Maßen zu genießen, in Massen unerträglich. Doch sie selbst rührte keinen Tropfen davon an. Noch nie in ihrem Leben.
Der Berobte hatte sie schon in seinem Blick gehabt, als sie nur die Taverne das erste Mal betreten hatte. Sie hatte die Blicke auf sich gespürt, doch nicht weiter kümmerte sie sich darum. Er lief ihr entgegen und an ihr vorbei, nachdem er sie gemustert hatte. Sie sah ihm nach. Er kam ihr bekannt vor, aber hatte sie ihn wirklich schonmal gesehen? Sein Äußerliches erschien kühl, kalt. Etwas faszinierendes lag an seinem Äußeren, an seinem Auftreten.
- Sie ging ihm nach.
"Darf ich?" hatte sie gefragt, als sie hinter ihm stand und hatte auf den Stuhl ihm gegenüber gedeutet. Er nickte.
Einige Stunden unterhielten sie sich in der Taverne. Erst etwas oberflächlich, dann ging das Gespräch etwas in die Tiefe. Es kamen immer mal wieder ein paar weitere Menschen in die Taverne, einige beobachteten die Beiden, andere gingen ohne sie zu beachten weiter. Cordan hieß er und sein Ziel war es, sich irgendwann ein eigenes Heim zu leisten. Ein eigenes Heim. Ihr Zuhause war der Tempel, waren die Templer und Templerinnen - ihr Zuhause war Alatar.
Nach einiger Zeit brachen die Beiden auf. Sie wurden beobachtet, Delilah merkte das schon seit geraumer Zeit, hatte demnach in dem Gespräch mit Cordan auch ihre Stimme deutlich gesenkt. Sie wollten Bajard verlassen. Und das taten sie. Knapp vor der Kutsche kamen sie zum stehen. In einem kurzen Gespräch dort beschlossen sie, nach Rahal zu fahren und ihr Gespräch dort fortzusetzen. Er schien Alatar nicht abgeneigt. Keinesfalls. Und er hinterfragte. Was waren ihre Ziele, wofür lebte sie, was waren ihre Dienste als Templerin? Und sie gab ihm die Antworten auf seine Fragen, so gut sie konnte. So gut es ihr gelang. Dann trennten sich ihre Wege. Und sie hoffte, sie würde ihn in den Reihen sehen, wenn in Rahal der Gottesdienst stattfinden würde.
In ihren Laken lag sie noch eine Weile wach. Tausend Dinge gingen ihr im Kopf herum und es machte sie halb wahnsinnig, dass ihre Gedanken dieses Mal vor dem Einschlafen nicht Alatar galten. Sie presste die Augen zusammen und stand wieder auf. Ein Gebet an Alatar sollte ihr helfen. Die nackten Füße platschten auf den kalten Steinboden und hallten in den leeren Gängen.
Die Taverne lag in seichtem Licht. Warum war sie eigentlich schon wieder hier? Wohl wollte sie sich selbst ein wenig quälen, sich mit Ungläubigen auseinandersetzen. Vielleicht hegte sie innerlich auch irgendwo die Hoffnung, diese zwei Saufbolde in der Taverne sich dem elendigen Alkohol hinzugeben. Delilah wusste, wie das irgendwann enden würde. Bier, Schnaps, Wein, Ale. Alles das selbe. In Maßen zu genießen, in Massen unerträglich. Doch sie selbst rührte keinen Tropfen davon an. Noch nie in ihrem Leben.
Der Berobte hatte sie schon in seinem Blick gehabt, als sie nur die Taverne das erste Mal betreten hatte. Sie hatte die Blicke auf sich gespürt, doch nicht weiter kümmerte sie sich darum. Er lief ihr entgegen und an ihr vorbei, nachdem er sie gemustert hatte. Sie sah ihm nach. Er kam ihr bekannt vor, aber hatte sie ihn wirklich schonmal gesehen? Sein Äußerliches erschien kühl, kalt. Etwas faszinierendes lag an seinem Äußeren, an seinem Auftreten.
- Sie ging ihm nach.
"Darf ich?" hatte sie gefragt, als sie hinter ihm stand und hatte auf den Stuhl ihm gegenüber gedeutet. Er nickte.
Einige Stunden unterhielten sie sich in der Taverne. Erst etwas oberflächlich, dann ging das Gespräch etwas in die Tiefe. Es kamen immer mal wieder ein paar weitere Menschen in die Taverne, einige beobachteten die Beiden, andere gingen ohne sie zu beachten weiter. Cordan hieß er und sein Ziel war es, sich irgendwann ein eigenes Heim zu leisten. Ein eigenes Heim. Ihr Zuhause war der Tempel, waren die Templer und Templerinnen - ihr Zuhause war Alatar.
Nach einiger Zeit brachen die Beiden auf. Sie wurden beobachtet, Delilah merkte das schon seit geraumer Zeit, hatte demnach in dem Gespräch mit Cordan auch ihre Stimme deutlich gesenkt. Sie wollten Bajard verlassen. Und das taten sie. Knapp vor der Kutsche kamen sie zum stehen. In einem kurzen Gespräch dort beschlossen sie, nach Rahal zu fahren und ihr Gespräch dort fortzusetzen. Er schien Alatar nicht abgeneigt. Keinesfalls. Und er hinterfragte. Was waren ihre Ziele, wofür lebte sie, was waren ihre Dienste als Templerin? Und sie gab ihm die Antworten auf seine Fragen, so gut sie konnte. So gut es ihr gelang. Dann trennten sich ihre Wege. Und sie hoffte, sie würde ihn in den Reihen sehen, wenn in Rahal der Gottesdienst stattfinden würde.
In ihren Laken lag sie noch eine Weile wach. Tausend Dinge gingen ihr im Kopf herum und es machte sie halb wahnsinnig, dass ihre Gedanken dieses Mal vor dem Einschlafen nicht Alatar galten. Sie presste die Augen zusammen und stand wieder auf. Ein Gebet an Alatar sollte ihr helfen. Die nackten Füße platschten auf den kalten Steinboden und hallten in den leeren Gängen.
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Delilah Lynn Rhysar
Es war wie verflucht.
Der Tag hatte miserabel begonnen, Kopfschmerzen plagten sie. Aber nicht nur leichte Kopfschmerzen, ein richtiges hämmern. Vielleicht wurde sie dafür bestraft, dass sie sich ihren Gedanken hingegeben hatte, die nicht Alatar galten. Sie merkte selbst, sie musste noch sehr viel lernen. Sie musste lernen, das Wesentliche zu sehen, ihren Glauben endgültig zu leben. Er begleitete sie wie ihr eigener Schatten. Und doch stellten sich ihr immer wieder ein paar Stolpersteine in den Weg.
Zur späteren Stund zum Beispiel hatte sie den nächsten Tiefpunkt. Mit all ihrem Willen und all ihrer Kraft wollte sie Untote töten gehen. Sie hatte es aufgegeben, sich mit den Räubern vor dem Donnerholm anzulegen, also sah sie ihren Weg dort nicht sonderlich erfolgreich weitergehen. Aber selbst die Untoten meinten es nicht gut von ihr. Hier ein Hieb, da ein Hieb. Dort traf sie eine Klinge, verletzte sie an der Hand. Was war heute nur los?
Sie besann sich, nahm tief Luft und atmete gleichmässig ein und aus. Es war zum verrückt werden. Es war einfach nicht ihr Tag. Aber Zweifel an Alatar? Keinesfalls. Es war wenn schon ihre Schuld. Sie war unkonzentriert.
Aber irgendwann würde sie es lernen. Schließlich musste ja auch beides auf einmal gehen, leben und leben. Sie hatte die Schnauze voll, legte ihre Robe ab. Es war nicht sonderlich förderlich in Bajard mit ihrer Robe herumzulaufen. Vielleicht würde sie ja ... nein, daran verschwendete sie erst gar keinen Gedanken. Sie ging die Stufen zur Taverne hinauf. Diesmal würde sie draußen Platz nehmen. Mit einem prüfenden Blick in die inneren Räume blieb sie letztendlich auch auf einer Bank vor der Taverne sitzen und unterhielt sich mit einem Mann. Sie kannte ihn nicht und das Gespräch war auch nicht halb so interessant wie das Gespräch, dass sie gestern geführt hatte. In der Taverne. Mit Cordan.
Ihre Zeit war um. Sie begab sich auf den Rückweg. Es gab keinerlei Beute für sie auf dem Weg, auf dem sie gerade war. Also kehrte sie zurück in den Tempel, gab sich ihren letzten Gebeten hin. Ob sie in dieser Nacht die Felle noch einmal verlassen würde, wusste nur Alatar.
Der Tag hatte miserabel begonnen, Kopfschmerzen plagten sie. Aber nicht nur leichte Kopfschmerzen, ein richtiges hämmern. Vielleicht wurde sie dafür bestraft, dass sie sich ihren Gedanken hingegeben hatte, die nicht Alatar galten. Sie merkte selbst, sie musste noch sehr viel lernen. Sie musste lernen, das Wesentliche zu sehen, ihren Glauben endgültig zu leben. Er begleitete sie wie ihr eigener Schatten. Und doch stellten sich ihr immer wieder ein paar Stolpersteine in den Weg.
Zur späteren Stund zum Beispiel hatte sie den nächsten Tiefpunkt. Mit all ihrem Willen und all ihrer Kraft wollte sie Untote töten gehen. Sie hatte es aufgegeben, sich mit den Räubern vor dem Donnerholm anzulegen, also sah sie ihren Weg dort nicht sonderlich erfolgreich weitergehen. Aber selbst die Untoten meinten es nicht gut von ihr. Hier ein Hieb, da ein Hieb. Dort traf sie eine Klinge, verletzte sie an der Hand. Was war heute nur los?
Sie besann sich, nahm tief Luft und atmete gleichmässig ein und aus. Es war zum verrückt werden. Es war einfach nicht ihr Tag. Aber Zweifel an Alatar? Keinesfalls. Es war wenn schon ihre Schuld. Sie war unkonzentriert.
Aber irgendwann würde sie es lernen. Schließlich musste ja auch beides auf einmal gehen, leben und leben. Sie hatte die Schnauze voll, legte ihre Robe ab. Es war nicht sonderlich förderlich in Bajard mit ihrer Robe herumzulaufen. Vielleicht würde sie ja ... nein, daran verschwendete sie erst gar keinen Gedanken. Sie ging die Stufen zur Taverne hinauf. Diesmal würde sie draußen Platz nehmen. Mit einem prüfenden Blick in die inneren Räume blieb sie letztendlich auch auf einer Bank vor der Taverne sitzen und unterhielt sich mit einem Mann. Sie kannte ihn nicht und das Gespräch war auch nicht halb so interessant wie das Gespräch, dass sie gestern geführt hatte. In der Taverne. Mit Cordan.
Ihre Zeit war um. Sie begab sich auf den Rückweg. Es gab keinerlei Beute für sie auf dem Weg, auf dem sie gerade war. Also kehrte sie zurück in den Tempel, gab sich ihren letzten Gebeten hin. Ob sie in dieser Nacht die Felle noch einmal verlassen würde, wusste nur Alatar.
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Delilah Lynn Rhysar
"Verdammt!" Ihre Lunge brannte. Kaum hatte sie den Flügelaffen erledigt kam auch schon der Nächste auf sie zu. Ihre Knöchel, die sich durch die Faust um den Stab klammerten, traten weiß hervor. Langsam wurde ihr schon übel vor lauter Anstrengung. Und da soll mal einer sagen, so etwas wäre eine Leichtigkeit. Raus aus der Höhle, raus - RAUS! Luft. Friiiische Luft. Die konnte nur gut tun. Sie ließ sich ins Gras sinken und übergab sich. Waren das schon ihre Grenzen? Ohh nein, junges Mädchen. So schnell geben wir nicht auf. Eine Stunde hatte sie noch, dann musste sie in den Lehrsaal. Die erste Unterrichtsstunde bei der Erhabenen Quaestora Laraanji.
Deli bewegte ihren Kopf. Ein leises Knacksen ging von ihrem Nacken aus. Eine neue Runde ...
Sie atmete tief durch, begrüßte die Quaestora so, wie es sich gehörte. Deli hoffte, dass ihre Verbeugung tief genug war. Und dann folgte sie Laraanji und Auron in den Lehrraum. Auron schien sich an den Tieren hinter den Käfigen nicht sattsehen zu können. Für Delilah waren die wenigsten fremd. Die Flügelaffen waren seither tagtäglich ihr Begleiter, auch dem Hund war sie schon über den Weg gelaufen. Und ein Elementar, welches sich giftgrün färbte und leise zischelnd seine Kreise zog war ihr auch nicht fremd. Sie hatte ein solches aus weiter Entfernung gesehen, wie es sich am Räuberlager zu schaffen machte. Also setzte sie sich an den vordersten Tisch, genau dem Lehrerpult gegenüber. Der Platz, an dem sie das meiste hatte lernen können.
Quaestora Laraanji begann zu sprechen, zu erklären, worüber sich der erste Unterricht handeln würde. Vier Leitgedanken Alatars gab es also und diese würden sich wiederum in acht Aufgaben teilen. Dies würde die erste Einheit des Unterrichtes sein, diese zu erörtern. In der zweiten Einheit würden sie die ersten fünf der zehn Gebote Alatars erlernen. Auron unterbrach Laraanji. Delilah wusste nicht, ob dies nun richtig war oder nicht. War sie zu ruhig? Würde Laraanji es ihr nachsehen, dass sie ruhig auf ihrem Platz saß und lernte? Still für sich aufnahm und sie sprechen lies? Sie wusste es nicht. Aber es war nicht Delilahs Art jemanden zu unterbrechen, wenn er sprach. Erst recht nicht, wenn sie vor demjenigen Respekt zu zollen hatte.
"Der erste Leitgedanke: Hass, Rachsucht und Zorn!"
Delilah machte sich Notizen, nachdem Auron gefragt hatte, ob sie sich Notizen machen dürften. Sie hätte es so oder so getan. Selbst, wenn sie sich vieles einprägen konnte... alles konnte sie beim besten Willen nicht im Kopf behalten, wobei ihr vieles auch klar war.
Hass. Was war schon Hass? Hatte Auron sich jemals damit auseinandergesetzt? Hass. War es das, was sie ihrem Vater, ihrem Erzeuger gegenüber verspürte? Rachsucht. Wollte sie sich an ihm rächen? War es des allgegenwärtigem's Wille, dass sie das tat? Zorn? Sollte sie ihren Zorn schüren? Aber die Frage, ob Auron dies ebenso erlebt hatte, klärte sich. Er brachte sein Beispiel ein. Delilah hatte kein Beispiel. Doch, eigentlich schon. Aber sie hielt sich zurück, hielt sich nicht mit nichtigen Dingen auf, die in der Vergangenheit passiert waren.
"Wir schöpfen Kraft aus diesem Gefühl des Zornes!"
Wie recht Laraanji hatte. Delilah war konzentriert und trotz allem schwirrten Tausend Gedanken in ihrem Kopf herum. Sie erinnerte sich an das Erlebnis in der Taverne, als sich dieser widerliche Mensch über sie hermachen wollte. Sie blinzelte kurz. Sie sollte keinen Gedanken daran verschwenden. Der Herr würde über alles richten, wenn er denkt, dass es an der Zeit ist, dies zu tun.
"Die erste Aufgabe ist es, nicht an Demütigung und Erniedrigung zu zerbrechen, sondern Stärke in Form des Zornes zu gewinnen!"
Demütigung ist die - den Stolz oder die Selbstachtung brechende - absichtlich beschämende oder verächtliche Behandlung eines wehrlosen Anderen, oft auch im Beisein oder vor den Augen anderer Personen. Wann wurde sie das letzte Mal gedemütigt? Delilah hatte es nicht mehr vor Augen. Und wieder unterbrach Auron die Quaestora Laraanji. Es machte sie zornig, wütend. Meinte sie das damit? Sie hatte uns selbst an einem perfekten Beispiel gezeigt, auf was es ankam. Sie hatte Zorn in diesem Moment, aber Alatar sah es nicht für nötig an, dass sie diesen weiter vollzog. Und so besänftigte sie sich, erzählte weiter. Die Kraft, die sie benötigten, sollten sie nicht leichtsinnig verschwenden sondern den richtigen Moment abwarten diesen in seinem Sinne einzusetzen. Das war Delilah schon zuvor klar gewesen.
Bei der zweiten Aufgabe, die Laraanji vorstellte - Hass und Zorn unter Kontrolle zu halten und zu konservieren - meldete sich Delilah zu Wort. Und scheinbar schien Laraanji zufrieden mit ihrer Antwort zu sein. Dritte Aufgabe war, Körper und Geist zur Vervollkommnung zu treiben und Perfektion anzustreben. Dem ging Delilah Tag für Tag wieder nach. Und Aufgabe vier hatten sie bereits am ersten Tag ihres Daseins der Missionäre gelernt:
Ehrfurcht und Unterwerfung vor den Höheren und Gesegneten.
Deli bewegte ihren Kopf. Ein leises Knacksen ging von ihrem Nacken aus. Eine neue Runde ...
Sie atmete tief durch, begrüßte die Quaestora so, wie es sich gehörte. Deli hoffte, dass ihre Verbeugung tief genug war. Und dann folgte sie Laraanji und Auron in den Lehrraum. Auron schien sich an den Tieren hinter den Käfigen nicht sattsehen zu können. Für Delilah waren die wenigsten fremd. Die Flügelaffen waren seither tagtäglich ihr Begleiter, auch dem Hund war sie schon über den Weg gelaufen. Und ein Elementar, welches sich giftgrün färbte und leise zischelnd seine Kreise zog war ihr auch nicht fremd. Sie hatte ein solches aus weiter Entfernung gesehen, wie es sich am Räuberlager zu schaffen machte. Also setzte sie sich an den vordersten Tisch, genau dem Lehrerpult gegenüber. Der Platz, an dem sie das meiste hatte lernen können.
Quaestora Laraanji begann zu sprechen, zu erklären, worüber sich der erste Unterricht handeln würde. Vier Leitgedanken Alatars gab es also und diese würden sich wiederum in acht Aufgaben teilen. Dies würde die erste Einheit des Unterrichtes sein, diese zu erörtern. In der zweiten Einheit würden sie die ersten fünf der zehn Gebote Alatars erlernen. Auron unterbrach Laraanji. Delilah wusste nicht, ob dies nun richtig war oder nicht. War sie zu ruhig? Würde Laraanji es ihr nachsehen, dass sie ruhig auf ihrem Platz saß und lernte? Still für sich aufnahm und sie sprechen lies? Sie wusste es nicht. Aber es war nicht Delilahs Art jemanden zu unterbrechen, wenn er sprach. Erst recht nicht, wenn sie vor demjenigen Respekt zu zollen hatte.
"Der erste Leitgedanke: Hass, Rachsucht und Zorn!"
Delilah machte sich Notizen, nachdem Auron gefragt hatte, ob sie sich Notizen machen dürften. Sie hätte es so oder so getan. Selbst, wenn sie sich vieles einprägen konnte... alles konnte sie beim besten Willen nicht im Kopf behalten, wobei ihr vieles auch klar war.
Hass. Was war schon Hass? Hatte Auron sich jemals damit auseinandergesetzt? Hass. War es das, was sie ihrem Vater, ihrem Erzeuger gegenüber verspürte? Rachsucht. Wollte sie sich an ihm rächen? War es des allgegenwärtigem's Wille, dass sie das tat? Zorn? Sollte sie ihren Zorn schüren? Aber die Frage, ob Auron dies ebenso erlebt hatte, klärte sich. Er brachte sein Beispiel ein. Delilah hatte kein Beispiel. Doch, eigentlich schon. Aber sie hielt sich zurück, hielt sich nicht mit nichtigen Dingen auf, die in der Vergangenheit passiert waren.
"Wir schöpfen Kraft aus diesem Gefühl des Zornes!"
Wie recht Laraanji hatte. Delilah war konzentriert und trotz allem schwirrten Tausend Gedanken in ihrem Kopf herum. Sie erinnerte sich an das Erlebnis in der Taverne, als sich dieser widerliche Mensch über sie hermachen wollte. Sie blinzelte kurz. Sie sollte keinen Gedanken daran verschwenden. Der Herr würde über alles richten, wenn er denkt, dass es an der Zeit ist, dies zu tun.
"Die erste Aufgabe ist es, nicht an Demütigung und Erniedrigung zu zerbrechen, sondern Stärke in Form des Zornes zu gewinnen!"
Demütigung ist die - den Stolz oder die Selbstachtung brechende - absichtlich beschämende oder verächtliche Behandlung eines wehrlosen Anderen, oft auch im Beisein oder vor den Augen anderer Personen. Wann wurde sie das letzte Mal gedemütigt? Delilah hatte es nicht mehr vor Augen. Und wieder unterbrach Auron die Quaestora Laraanji. Es machte sie zornig, wütend. Meinte sie das damit? Sie hatte uns selbst an einem perfekten Beispiel gezeigt, auf was es ankam. Sie hatte Zorn in diesem Moment, aber Alatar sah es nicht für nötig an, dass sie diesen weiter vollzog. Und so besänftigte sie sich, erzählte weiter. Die Kraft, die sie benötigten, sollten sie nicht leichtsinnig verschwenden sondern den richtigen Moment abwarten diesen in seinem Sinne einzusetzen. Das war Delilah schon zuvor klar gewesen.
Bei der zweiten Aufgabe, die Laraanji vorstellte - Hass und Zorn unter Kontrolle zu halten und zu konservieren - meldete sich Delilah zu Wort. Und scheinbar schien Laraanji zufrieden mit ihrer Antwort zu sein. Dritte Aufgabe war, Körper und Geist zur Vervollkommnung zu treiben und Perfektion anzustreben. Dem ging Delilah Tag für Tag wieder nach. Und Aufgabe vier hatten sie bereits am ersten Tag ihres Daseins der Missionäre gelernt:
Ehrfurcht und Unterwerfung vor den Höheren und Gesegneten.
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Delilah Lynn Rhysar
Der Banner der flammenden Greifen also... Hm, nunja. Sie hatte wirklich noch nicht vieles von ihnen gehört, aber dieser Bronn schien ja ganz passabel zu sein. Wenn sie sich genau erinnerte, war nicht Catuli Auron im Unterricht gesessen und hatte kurz von ihnen erzählt? Ja, das konnte gut sein. Auf jeden Fall stand dieser knapp zwei Schritt große Mann vor ihr und unterhielt sich mit ihr, bis er sich nach einer Weile vorstellte - Bronn Siebenschneid. Sie schätzte ihn rein optisch auf Mitte bis Ende 20. Ob sie damit recht hatte wusste sie nicht, es war ihr eigentlich auch gleichgültig. Sie unterhielten sich eine Weile auf den Straßen Rahals. Er fragte nach ihrer Berufung und als sie meinte, ihre Berufung sei Alatar und der Tempel wollte er mehr wissen. Wie schön, ein Gläubiger. Ein Genuß für die junge Frau, wenn sie Gläubige um sich hatte, die mehr wissen wollten. Aber glaubte er, dass sich über Alatar zwischen Tür und Angel erzählen lies? Nein, das war unmöglich. Dazu brauchte es Zeit, viel Zeit. Und das erklärte sie ihm auch. Ob man im Tempel nach ihr fragen konnte? Natürlich konnte man das, wenn man es denn wollte. Und sie würde auch zur Stelle sein, so der Eine es wünschte und ihre Zeit es zuließ. Vielleicht sollte sie sich erkundigen, wann der nächste Gottesdienst stattfinden sollte. Delilah war sich sicher, dass sie im Tempel regen Zulauf haben würden. Sehr sicher sogar.
Wenn sie an den Tag zurück dachte...
Sie war auf Menek'Ur gewesen. Gruselig, wirklich gruselig. Aber wenigstens war ihre Tarnung nicht aufgefallen. Eine junge Frau, die über den Markt, oder wie die Verbrannten es nannten, Basar spazierte und sich die Waren ansah. Sie kaufte sogar bei einer Schneiderin etwas. Sie war keine Menekanerin und doch bot sie ihre Waren bei diesen Verbrannten an. Jedem das seine, nicht wahr? Aber es war faszinierend. Überall ... Kreaturen, weibliche Kreaturen, die einen Mann an ihrer Seite hatten. Schutz? Abhängigkeit? Liebe? All das war Delilah fremd. Seit je her war sie ohne Liebe aufgewachsen, ohne Schutz und absolut unabhängig. Zwar waren ihr schon viele Männer im Leben begegnet, aber waren sie nur solange ihre Begleiter, bis sie ihr Nutzen verloren hatten. Und jetzt würde sich alles noch viel schwieriger gestalten. Sie war reifer als viele andere in ihrem Alter, sie hatte mehr Erwartungen als viele anderen in ihrem Alter und sie hatte ein ganz anderes Leben, ein Leben jenseits von alledem, was für andere wichtig war. Ruhm, Glanz, Reichtum. Lauter Fremdwörter. Irgendwann würde Delilah froh sein, wenn sie sich ein kleines Haus leisten konnte, in welchem sie sich niederlassen konnte. Dieser jemand musste also ihr Leben respektieren. Ihre Art, wie sie sich gab, was für viele schleierhaft war, wenn sie länger miteinander bekannt waren. Ihre Macken, die nicht gerade schwach ausgeprägt waren. Ihr Glaube, der über allem anderen stand und immer stehen wird, bis hin zu ihrem Tode. Die Tätigkeiten, die sie in dem Tempel vollziehen wollte und tat. Konnte das jemand respektieren? Konnte sie sich überhaupt damit anfreunden oder wollte oder durfte sie das? Und warum verschwendete sie ihre kostbaren Gedanken daran? Gut, ihr waren nun schon einige Männer begegnet..
Dieser wilde, hässliche, dreiste, widerlich stinkende alte Kerl in Bajards Taverne. War klar, dass ihre erste Begegnung dort genauso roch wie das Kaff selber - nach Fisch. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, so kalt, dass ihr die Haare zu Berge standen. War schon widerlich, auch, als er sie zu Boden riss und bekrabbelte. Und doch gelang es ihr sich zu 'befreien'. Wenn ihr auch ein junger Mann zur Hand ging - sie wusste noch immer nicht, wer das war.
Dann Ritter Rasakar. Er war nett, zuvorkommend, gläubig und er hatte Lilah schon oft genug geholfen. Aber trotzdem, irgendwas stand zwischen den Beiden, so dass sie ihm nicht einmal in die Augen sehen konnte. Vielleicht war es ihre Unsicherheit, irgend etwas falsch zu machen. Rayrrak Rasakar, durchaus ein Mann, der wusste, was er wollte. Aber weltfremd, so kam es ihr zumindest vor. Aber war sie selbst nicht auch weltfremd?
Cordan. Ihm hatte sie eigentlich von Anfang an vertraut. Er war nicht wirklich von Alatar überzeugt, aber Delilah war sich sicher, dass er sich über seine weiteren Wege noch bewusst werden würde. Er war ein potenzieller Gläubiger und er würde vermutlich auch ein sehr guter und vorbildlicher Glaubender sein. Zeit verbrachte sie ja auch recht viel mit ihm, aber sie hatte nie daran gedacht, IHR Leben zu teilen.
Nein, es war nicht wert weiter darüber nachzudenken. Alatar wusste schon, was er tat. Und wenn Alatar wollte, dass jemand mit ihr das Leben bestreiten sollte, würde er ihr schon ein Zeichen geben. Und nach diesen vielen unnötigen Gedanken ließ sie sich ins Bett fallen. Die Augenlider wurden schwer und es wurde dunkel.
Wenn sie an den Tag zurück dachte...
Sie war auf Menek'Ur gewesen. Gruselig, wirklich gruselig. Aber wenigstens war ihre Tarnung nicht aufgefallen. Eine junge Frau, die über den Markt, oder wie die Verbrannten es nannten, Basar spazierte und sich die Waren ansah. Sie kaufte sogar bei einer Schneiderin etwas. Sie war keine Menekanerin und doch bot sie ihre Waren bei diesen Verbrannten an. Jedem das seine, nicht wahr? Aber es war faszinierend. Überall ... Kreaturen, weibliche Kreaturen, die einen Mann an ihrer Seite hatten. Schutz? Abhängigkeit? Liebe? All das war Delilah fremd. Seit je her war sie ohne Liebe aufgewachsen, ohne Schutz und absolut unabhängig. Zwar waren ihr schon viele Männer im Leben begegnet, aber waren sie nur solange ihre Begleiter, bis sie ihr Nutzen verloren hatten. Und jetzt würde sich alles noch viel schwieriger gestalten. Sie war reifer als viele andere in ihrem Alter, sie hatte mehr Erwartungen als viele anderen in ihrem Alter und sie hatte ein ganz anderes Leben, ein Leben jenseits von alledem, was für andere wichtig war. Ruhm, Glanz, Reichtum. Lauter Fremdwörter. Irgendwann würde Delilah froh sein, wenn sie sich ein kleines Haus leisten konnte, in welchem sie sich niederlassen konnte. Dieser jemand musste also ihr Leben respektieren. Ihre Art, wie sie sich gab, was für viele schleierhaft war, wenn sie länger miteinander bekannt waren. Ihre Macken, die nicht gerade schwach ausgeprägt waren. Ihr Glaube, der über allem anderen stand und immer stehen wird, bis hin zu ihrem Tode. Die Tätigkeiten, die sie in dem Tempel vollziehen wollte und tat. Konnte das jemand respektieren? Konnte sie sich überhaupt damit anfreunden oder wollte oder durfte sie das? Und warum verschwendete sie ihre kostbaren Gedanken daran? Gut, ihr waren nun schon einige Männer begegnet..
Dieser wilde, hässliche, dreiste, widerlich stinkende alte Kerl in Bajards Taverne. War klar, dass ihre erste Begegnung dort genauso roch wie das Kaff selber - nach Fisch. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, so kalt, dass ihr die Haare zu Berge standen. War schon widerlich, auch, als er sie zu Boden riss und bekrabbelte. Und doch gelang es ihr sich zu 'befreien'. Wenn ihr auch ein junger Mann zur Hand ging - sie wusste noch immer nicht, wer das war.
Dann Ritter Rasakar. Er war nett, zuvorkommend, gläubig und er hatte Lilah schon oft genug geholfen. Aber trotzdem, irgendwas stand zwischen den Beiden, so dass sie ihm nicht einmal in die Augen sehen konnte. Vielleicht war es ihre Unsicherheit, irgend etwas falsch zu machen. Rayrrak Rasakar, durchaus ein Mann, der wusste, was er wollte. Aber weltfremd, so kam es ihr zumindest vor. Aber war sie selbst nicht auch weltfremd?
Cordan. Ihm hatte sie eigentlich von Anfang an vertraut. Er war nicht wirklich von Alatar überzeugt, aber Delilah war sich sicher, dass er sich über seine weiteren Wege noch bewusst werden würde. Er war ein potenzieller Gläubiger und er würde vermutlich auch ein sehr guter und vorbildlicher Glaubender sein. Zeit verbrachte sie ja auch recht viel mit ihm, aber sie hatte nie daran gedacht, IHR Leben zu teilen.
Nein, es war nicht wert weiter darüber nachzudenken. Alatar wusste schon, was er tat. Und wenn Alatar wollte, dass jemand mit ihr das Leben bestreiten sollte, würde er ihr schon ein Zeichen geben. Und nach diesen vielen unnötigen Gedanken ließ sie sich ins Bett fallen. Die Augenlider wurden schwer und es wurde dunkel.
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Delilah Lynn Rhysar
Diese Nacht hatte sie unruhig geschlafen. Die letzten Stunden ihres Abends hatte sie Revue passieren lassen. Auch, als sie aufgewacht war, dachte sie erneut über das Treffen mit dem Lethyren nach.
Tagelang hatte sie irgendwie gehofft einem solchen über den Weg zu laufen. Allein, weil diese in ihren Augen etwas besonderes waren. Ja, sie waren alle blau, hatten alle spitze Ohren, aber das Gesicht eines Lethyren blieb einem so gut wie immer verborgen. Zumindest hatte ihr das der trunkene Wirt in der Taverne immer wieder erzählt.
Und dann stand sie wirklich vor einem. Die mächtige Robe mit den vielen Runen und Schriftzeichen, die sie nicht ansatzweise lesen konnte - vermutlich die Sprache und Schrift der Letharen. Und dann dieses mächtige Zepter, welches in seiner rechten Hand ruhte. Angsteinflösend, respekteinflösend.
"Diener des Sklavens halten sich in den heiligen Hallen auf!"
Immer wieder hörte sie diese Worte von dem Lethyren. Und immer wieder erinnerte sie sich an das Gespräch, an das, was sie gesprochen hatten. All die Dogmatik und Theologie die sie besprochen hatten, über die sie gesprochen hatten. Nicht, dass es Delilah verwirrte, denn es passte alles mit dem überein, was sie gelehrt bekamen.
Und so es stimmte, was der hohe Lethyr ihr sagte, würde bald einer der ihren aus ihren Reihen zur Kirche kommen und sich dort in ihren Reihen einfinden. Sie war gespannt.
Tagelang hatte sie irgendwie gehofft einem solchen über den Weg zu laufen. Allein, weil diese in ihren Augen etwas besonderes waren. Ja, sie waren alle blau, hatten alle spitze Ohren, aber das Gesicht eines Lethyren blieb einem so gut wie immer verborgen. Zumindest hatte ihr das der trunkene Wirt in der Taverne immer wieder erzählt.
Und dann stand sie wirklich vor einem. Die mächtige Robe mit den vielen Runen und Schriftzeichen, die sie nicht ansatzweise lesen konnte - vermutlich die Sprache und Schrift der Letharen. Und dann dieses mächtige Zepter, welches in seiner rechten Hand ruhte. Angsteinflösend, respekteinflösend.
"Diener des Sklavens halten sich in den heiligen Hallen auf!"
Immer wieder hörte sie diese Worte von dem Lethyren. Und immer wieder erinnerte sie sich an das Gespräch, an das, was sie gesprochen hatten. All die Dogmatik und Theologie die sie besprochen hatten, über die sie gesprochen hatten. Nicht, dass es Delilah verwirrte, denn es passte alles mit dem überein, was sie gelehrt bekamen.
Und so es stimmte, was der hohe Lethyr ihr sagte, würde bald einer der ihren aus ihren Reihen zur Kirche kommen und sich dort in ihren Reihen einfinden. Sie war gespannt.
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Delilah Lynn Rhysar
Die Hand, obwohl sie von dieser nicht einmal richtig berührt wurde, waren doch Handschuhe über dieser, berührte sie. Es war komisch. Sie stand da, es war ihr nicht egal, aber es bedeutete ihr auch nicht die Welt. Was sollte es ihr schon bedeuten, wenn ein Mann, der sie zuvor niedergeschlagen und in den Magen getreten hatte, sie berührte?
Und trotzdem brannte die Hand auf ihrer Haut, als habe man ihr Salz in Wunden geschüttet.
Sie war disziplinierter. Nicht, dass sie es nie gewesen wär. Ihre Disziplin hatte sie erst so weit gebracht, wie sie bisher war.
Die Prüfung hatte sie hinter sich gebracht. Mit der Klinge hatte sie das Fleisch des Menschen durchtrennt, so, wie es erwartet wurde. Vicaria. Sie hatte es also geschafft und Shelia schien zufrieden mit ihr gewesen zu sein. - Was ihren Ehrgeiz noch mehr stärkte.
Umso schlimmer war die Demütigung, dass sie einen Moment nicht konzentriert war und 'Cordan' sie niedergeschlagen hatte in dem Übungskampf. Er hatte sie angegriffen. Er wolle mehr über sie herausfinden, kennenlernen. Wenn er nur wüsste. Wie wollte er sie kennenlernen, wenn sie sich selbst so oft nicht kannte? Es würde amüsant werden. Sollte er es doch versuchen. Für ihn wirkte sie sicherlich wie eine fanatische Gläubige, den tieferen Hintergrund würde er nicht herausfinden.
Für einen kurzen Moment wurde sie zu der Situation in den kleinen, modrig riechenden Zimmer zurück versetzt, damals, als sie klein war. Sie hörte die qualvollen Schreie, - Schreie, die nach Hilfe riefen aber keine Hilfe bekamen. Die Hand brannte weiter auf ihrer Schläfe. 'Cordan' sah sie an.
- Leere.
Eisige Kälte durchzog ihren Körper und doch brannte er im nächsten Moment lichterloh auf. Wie sie diese Kämpfe in sich hasste. Es war so eisig kalt, - und doch so heiss, dass sie sich die Finger verbrannte, - innerlich. Sie musste nach Hause. Nur im Tempel würde sie Ruhe finden.
Die Nacht. Ruhe. Die Kälte des Kellers unterhalb der Kirche fühlte sich gut an auf den heißen Wangen. Ihre Beine schmerzten, ihre Knie brannten und pochten. Sie zog sich aus, - bis sie ganz nackt in dem spärlich beleuchteten Raum stand. Ihr Spiegelbild verzerrte sich vor ihr.
[...]
Er hätte mit Sicherheit unter ihrer Obhut eine sehr erfolgreiche Zukunft. Der All-Eine hätte seinen Nutzen an ihm. Sie setzte sich auf das Bett, ihr Körper war noch immer nicht in Kleidung gehüllt. Oftmals war sie überrascht, dass er ihr überlegen war. Es gab selten einen Mann, der sich mit ihr messen konnte. Das machte ihr zu schaffen. Sie musste ihren Geist vorbereiten. So etwas durfte nicht nochmal passieren.
Kurz berührte sie ihre Wange. Feuer und Wasser... So gegensätzlich wie sie waren, so ähnlich waren sie sich irgendwo. Den Zeigefinger an die Wange gelegt strich sie sanft über die Stelle, die er berührt hatte, fast, als würde sie einen Moment lang weich werden.
Reiss dich zusammen, Delilah.
Sie sah auf. Ihr Blick verfinsterte sich.
Es würde nicht noch einmal zu einer solchen Situation kommen.
Und trotzdem brannte die Hand auf ihrer Haut, als habe man ihr Salz in Wunden geschüttet.
Sie war disziplinierter. Nicht, dass sie es nie gewesen wär. Ihre Disziplin hatte sie erst so weit gebracht, wie sie bisher war.
Die Prüfung hatte sie hinter sich gebracht. Mit der Klinge hatte sie das Fleisch des Menschen durchtrennt, so, wie es erwartet wurde. Vicaria. Sie hatte es also geschafft und Shelia schien zufrieden mit ihr gewesen zu sein. - Was ihren Ehrgeiz noch mehr stärkte.
Umso schlimmer war die Demütigung, dass sie einen Moment nicht konzentriert war und 'Cordan' sie niedergeschlagen hatte in dem Übungskampf. Er hatte sie angegriffen. Er wolle mehr über sie herausfinden, kennenlernen. Wenn er nur wüsste. Wie wollte er sie kennenlernen, wenn sie sich selbst so oft nicht kannte? Es würde amüsant werden. Sollte er es doch versuchen. Für ihn wirkte sie sicherlich wie eine fanatische Gläubige, den tieferen Hintergrund würde er nicht herausfinden.
Für einen kurzen Moment wurde sie zu der Situation in den kleinen, modrig riechenden Zimmer zurück versetzt, damals, als sie klein war. Sie hörte die qualvollen Schreie, - Schreie, die nach Hilfe riefen aber keine Hilfe bekamen. Die Hand brannte weiter auf ihrer Schläfe. 'Cordan' sah sie an.
- Leere.
Eisige Kälte durchzog ihren Körper und doch brannte er im nächsten Moment lichterloh auf. Wie sie diese Kämpfe in sich hasste. Es war so eisig kalt, - und doch so heiss, dass sie sich die Finger verbrannte, - innerlich. Sie musste nach Hause. Nur im Tempel würde sie Ruhe finden.
Die Nacht. Ruhe. Die Kälte des Kellers unterhalb der Kirche fühlte sich gut an auf den heißen Wangen. Ihre Beine schmerzten, ihre Knie brannten und pochten. Sie zog sich aus, - bis sie ganz nackt in dem spärlich beleuchteten Raum stand. Ihr Spiegelbild verzerrte sich vor ihr.
[...]
Er hätte mit Sicherheit unter ihrer Obhut eine sehr erfolgreiche Zukunft. Der All-Eine hätte seinen Nutzen an ihm. Sie setzte sich auf das Bett, ihr Körper war noch immer nicht in Kleidung gehüllt. Oftmals war sie überrascht, dass er ihr überlegen war. Es gab selten einen Mann, der sich mit ihr messen konnte. Das machte ihr zu schaffen. Sie musste ihren Geist vorbereiten. So etwas durfte nicht nochmal passieren.
Kurz berührte sie ihre Wange. Feuer und Wasser... So gegensätzlich wie sie waren, so ähnlich waren sie sich irgendwo. Den Zeigefinger an die Wange gelegt strich sie sanft über die Stelle, die er berührt hatte, fast, als würde sie einen Moment lang weich werden.
Reiss dich zusammen, Delilah.
Sie sah auf. Ihr Blick verfinsterte sich.
Es würde nicht noch einmal zu einer solchen Situation kommen.
-
Delilah Lynn Rhysar
Spielchen.
Das Spiel ist durchaus eine Tätigkeit, die ohne den wirklich bewussten Zweck zum Vergnügen, allein aus der Freude ihrer Ausübung ausgeführt wird. Es ist eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen und oftmals in beisammen sein mit anderen vernommen wird. Spielereien liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde.
Cordan war jemand, der mit ihr sein Spiel treiben wollte. Ein Spiel, aber um was ging es in diesem Spiel? Um Macht, um Wissen? Um Stolz oder darüber, wer wem überlegen war? Oder ging es gar um etwas anderes?
Delilah, um was geht es dir?
Sie saß neben ihm in der Taverne in Rahal. Es war nicht der Übungskampf und die Niederlage, die ihr so zu schaffen machten. Vielmehr hatte er ein Stück ihrer Mauer angekratzt, - eine Mauer, die sehr viel Mühe gemacht hatte sie aufzubauen. Und sie konnte es nicht leiden, wenn man etwas kaputt machte, das sie sich erschaffen hatte.
Den Kampf, den sie innerlich mit sich ausführte, verlor und gewann sie. Sekündlich wechselte sich das Gefühl, welches sich in ihrem inneren beschwor, ab.
Was machte sie wütender? Die Tatsache, dass er ihre Mauer angekratzt hatte oder war sie wütend, weil sie in ihrer Naivität anfangs nicht merkte, dass er sie belogen hatte? Aber was machte es schon. Sie sah mittlerweile in ihm hohes Potenzial.
Sie erklärte ihm so viele Dinge. Das es durchaus Verbindungen gab, die im Sinne des Herrn stattfanden. Sie erinnerte sich an den jungen Mann, der ihr zuvor über den Weg gelaufen war. Er war Mitglied der schwarzen Rose, den Namen hatte sie längst wieder vergessen. Was waren schon Namen? Sie gaben uns nur einen Weg vor, wie wir einen Menschen zu nennen hatten. Er erzählte Delilah, dass er gerne in die Garde Rahals gehen würde, doch würden seine Freunde ihn dann nicht mehr als Freund sehen.
Freundschaft.
Was das war, hatte sie vergessen. Gab es so etwas wie Freunde? Sie erklärte ihm, dass Freunde einen weiterbringen sollten. Da aber jeder Mensch eigennützig denkt, kann es auf der Welt keine Freunde geben. Es gab Verbündete, Seelenverwandte, augenscheinlich Menschen, die das Gleiche dachten wie man selbst. Nachdenklich sah er die Jungtemplerin an. Ihre Worte hatten gewirkt, er dachte darüber nach und nickte nachdenklich.
Aber zurück zu Cordan.
Im Laufe des Abends verglich er sie mit einem Rätsel, mit einem scheuen Reh. Sie schien ihm ein Geheimnis zu sein, ein Rätsel. Er sah bei ihr nicht durch. Das stimmte die junge Templerin zufrieden. Sehr zufrieden sogar. Ihr Plan würde aufgehen. Aber er war darauf bedacht, das Rätsel zu lösen.
"Warum siehst du mir nicht in die Augen, wenn du mit mir sprichst?"
Die Frage dröhnte in ihrem Kopf. Sie wusste die Antwort. Sie lag ihr förmlich auf den Lippen. Sie sah niemals jemandem direkt in die Augen, waren die Augen doch das Spiegelbild der Seele. Und zur Seele sollte kein Mensch außer man selbst Zugriff haben. Auch das erklärte sie ihm, aber er ließ nicht locker. Er wollte wissen, was mit ihr los war. Was geschehen war. Er hatte ja keine Ahnung. Sie stand auf, ging zu dem Fenster und sah hinaus in die dunkle Nacht. Sie hatte die Vergangenheit hinter sich gelassen, als sie den Tempel betreten hatte. Und doch war sie durch ihre Vergangenheit geprägt und wurde jeden Tag daran erinnert. So hin- und hergerissen, wie sie sich in den letzten Stunden gefühlt hatte, merkte sie deutlich, daß mit ihr etwas nicht stimmte. Ob es nun positiv oder negativ war, war ihr egal. Es würde von ihrem Nutzen sein, also konnte es nicht allzu negativ sein.
Und sie würde das Spiel weitertreiben. War es überhaupt noch ein Spiel oder konnten beide nur nicht über ihren eigenen Schatten springen? Sie sah ihn an, legte die Hand in seinen Nacken und zog sich an diesem zu ihm. So nah, dass ihre Lippen fast seine berührten, doch stockte sie davor. Ein Spiel mit dem Feuer, mit der Gefahr. Er wich zurück, verhüllte sich. "Zeit zu gehen!" Natürlich, genau diese Reaktion hatte sie erwartet. Welcher Mann mochte es schon, wenn eine Frau ihn als Spielzeug benutzte? Als kleine Marionette, hier und da immer mal wieder an den Fäden zupfend, damit eine Bewegung von statten ging? Keiner. Und erst recht nicht Cordan.
Mit einem siegessicheren Lächeln sah sie ihm nach, wie er in der dunklen Nacht versank.
Das Spiel ist durchaus eine Tätigkeit, die ohne den wirklich bewussten Zweck zum Vergnügen, allein aus der Freude ihrer Ausübung ausgeführt wird. Es ist eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen und oftmals in beisammen sein mit anderen vernommen wird. Spielereien liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde.
Cordan war jemand, der mit ihr sein Spiel treiben wollte. Ein Spiel, aber um was ging es in diesem Spiel? Um Macht, um Wissen? Um Stolz oder darüber, wer wem überlegen war? Oder ging es gar um etwas anderes?
Delilah, um was geht es dir?
Sie saß neben ihm in der Taverne in Rahal. Es war nicht der Übungskampf und die Niederlage, die ihr so zu schaffen machten. Vielmehr hatte er ein Stück ihrer Mauer angekratzt, - eine Mauer, die sehr viel Mühe gemacht hatte sie aufzubauen. Und sie konnte es nicht leiden, wenn man etwas kaputt machte, das sie sich erschaffen hatte.
Den Kampf, den sie innerlich mit sich ausführte, verlor und gewann sie. Sekündlich wechselte sich das Gefühl, welches sich in ihrem inneren beschwor, ab.
Was machte sie wütender? Die Tatsache, dass er ihre Mauer angekratzt hatte oder war sie wütend, weil sie in ihrer Naivität anfangs nicht merkte, dass er sie belogen hatte? Aber was machte es schon. Sie sah mittlerweile in ihm hohes Potenzial.
Sie erklärte ihm so viele Dinge. Das es durchaus Verbindungen gab, die im Sinne des Herrn stattfanden. Sie erinnerte sich an den jungen Mann, der ihr zuvor über den Weg gelaufen war. Er war Mitglied der schwarzen Rose, den Namen hatte sie längst wieder vergessen. Was waren schon Namen? Sie gaben uns nur einen Weg vor, wie wir einen Menschen zu nennen hatten. Er erzählte Delilah, dass er gerne in die Garde Rahals gehen würde, doch würden seine Freunde ihn dann nicht mehr als Freund sehen.
Freundschaft.
Was das war, hatte sie vergessen. Gab es so etwas wie Freunde? Sie erklärte ihm, dass Freunde einen weiterbringen sollten. Da aber jeder Mensch eigennützig denkt, kann es auf der Welt keine Freunde geben. Es gab Verbündete, Seelenverwandte, augenscheinlich Menschen, die das Gleiche dachten wie man selbst. Nachdenklich sah er die Jungtemplerin an. Ihre Worte hatten gewirkt, er dachte darüber nach und nickte nachdenklich.
Aber zurück zu Cordan.
Im Laufe des Abends verglich er sie mit einem Rätsel, mit einem scheuen Reh. Sie schien ihm ein Geheimnis zu sein, ein Rätsel. Er sah bei ihr nicht durch. Das stimmte die junge Templerin zufrieden. Sehr zufrieden sogar. Ihr Plan würde aufgehen. Aber er war darauf bedacht, das Rätsel zu lösen.
"Warum siehst du mir nicht in die Augen, wenn du mit mir sprichst?"
Die Frage dröhnte in ihrem Kopf. Sie wusste die Antwort. Sie lag ihr förmlich auf den Lippen. Sie sah niemals jemandem direkt in die Augen, waren die Augen doch das Spiegelbild der Seele. Und zur Seele sollte kein Mensch außer man selbst Zugriff haben. Auch das erklärte sie ihm, aber er ließ nicht locker. Er wollte wissen, was mit ihr los war. Was geschehen war. Er hatte ja keine Ahnung. Sie stand auf, ging zu dem Fenster und sah hinaus in die dunkle Nacht. Sie hatte die Vergangenheit hinter sich gelassen, als sie den Tempel betreten hatte. Und doch war sie durch ihre Vergangenheit geprägt und wurde jeden Tag daran erinnert. So hin- und hergerissen, wie sie sich in den letzten Stunden gefühlt hatte, merkte sie deutlich, daß mit ihr etwas nicht stimmte. Ob es nun positiv oder negativ war, war ihr egal. Es würde von ihrem Nutzen sein, also konnte es nicht allzu negativ sein.
Und sie würde das Spiel weitertreiben. War es überhaupt noch ein Spiel oder konnten beide nur nicht über ihren eigenen Schatten springen? Sie sah ihn an, legte die Hand in seinen Nacken und zog sich an diesem zu ihm. So nah, dass ihre Lippen fast seine berührten, doch stockte sie davor. Ein Spiel mit dem Feuer, mit der Gefahr. Er wich zurück, verhüllte sich. "Zeit zu gehen!" Natürlich, genau diese Reaktion hatte sie erwartet. Welcher Mann mochte es schon, wenn eine Frau ihn als Spielzeug benutzte? Als kleine Marionette, hier und da immer mal wieder an den Fäden zupfend, damit eine Bewegung von statten ging? Keiner. Und erst recht nicht Cordan.
Mit einem siegessicheren Lächeln sah sie ihm nach, wie er in der dunklen Nacht versank.