Ziel einer langen Reise - Rückkehr des Finn von Drachenfels

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Finn von Drachenfels

Ziel einer langen Reise - Rückkehr des Finn von Drachenfels

Beitrag von Finn von Drachenfels »

"Hier hast'n Brief, der geht an die Sturmkrähen. So'n Söldnerlager. Ich sach dir, die zahl'n jud, auch wennse 'n bisschen komisch sind. Hab schon einige von denen hier rumrennen jeseh'n" grollte der Seeman in seiner tiefen rauhen Stimme und drückte Finn ein Pergament in die Hand.

Etwas skeptisch betrachtete er diesen Brief. Wahrscheinlich wollte sich der alte Kerl mit der Pfeife im Mund bloß Arbeit ersparen. Vermutlich würde der Barde wieder einmal als Lückenbüßer herhalten. Sei's drum. Er war all die Jahre nicht durch die Welt gezogen um reich zu werden. Also nahm er seufzend den Brief an sich.

Sein Kopf schmerzte. Gestern hatte er sich, zur Feier des letzten Tages auf seiner weiten Reise nach Gerimor etwas zu weit ins Rum- und dann ins Weinfass gewagt. Es gab viel Gelächter und Spaß, aber Finn hatte bei Weitem schon einen besseren Tropfen gekostet.

"Mach's jud, Euer Hochwohlgeboren!" - Der Seemann klopfte ihm noch auf die Schulter. Ein letztes Gelächter, dann betrat er das Festland. Obgleich der Seemann stank und doch ziemlich ungehobelt war, Finn mochte ihn irgendwie. Er war einer von denjenigen, mit denen man sich schnell anfreunden konnte, zudem wusste er einige lustige Geschichten, von denen natürlich die meisten Spinnereien war. Eine Gruppe halbnackter wilder Frauen auf einer Insel Namens Lameriast war doch äußerst unglaublich. Nunja, er ignorierte förmlich die sich ihm anbietenden Hafendirnen, allerdings war der alte Seebär denen nicht abgeneigt, bequasselte er doch bereits die nächstbeste sichtlich ungepflegte Dame.

Als er sich in dem etwas einfachen Fischerdorf umsah fühlte sich Finn etwas unbehaglich. Natürlich hörte er bereits von Bajard, war es doch ein sehr frequentiertes Dorf mit einem wichtigen Hafen. Es würde aber wohl, so wie er sein Pech kannte, schwierig, seine Geschwister, welche sich hier befinden sollten ausfindig zu machen.

: Die Laute, welche er seit Jahren wie einen Schatz behütete an sich nehmend stimmte er ein Lied an und schritt so durch die Straßen. Es war seine Angewohnheit, bei seiner Ankunft fröhliche Melodien zu spielen. Das erleichterte ihm in jedem Fall das Unbehagen, welches man verspürt, wenn man an einen völlig fremden Ort ankommt.

In der Taverne war es nicht besser. Er wollte einen leckeren Wein trinken und Bekam ein Gesöff, in welchem etwas schwamm was einem Fingernagel oder einer Kralle ähnlich sah. Ein Gast behauptete, das Zeug würde von Orks gebraut. Finn hatte plötzlich keinen Durst mehr.

Als er dann ein fröhliches Lied anstimmte, nachdem ihn ein alter besoffener Tagelöhner dazu genötigt hatte bekam er als Dank kein Geld - wurde dafür aber mit Brot beworfen - schwieriges Publikum.

Nach einigem Hin und Her und rumgefrage schien tatsächlich jemand den Aufenthaltsort der seinen geliebten Schwester Liliana zu kennen. - Varuna! Na wo denn auch sonst. Die prächtige Stadt des Reiches. Sie habe dort angeblich eine Heilerstube.

Wieder Melodien spielend begab er sich zum Kutscher.

Ja - die Familie wäre bald wieder vereint und er könne seine Schuld begleichen.
Zuletzt geändert von Finn von Drachenfels am Donnerstag 31. Mai 2007, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
Finn von Drachenfels

Beitrag von Finn von Drachenfels »

Varuna war groß - sehr groß.

Auf dem Weg zur Kutsche gab ihm ein weiß berobter, sehr höflicher Mann den Hinweis, dass Liliana offenbar im Armenviertel eine Heilerstube eröffnet hatte. Das sah ihr und ihrer Mutter ähnlich. Am Liebsten würde sie vermutlich jeden heilen, wenn sie es denn nur könnte.

Es war schon spät und Finn suchte sich ein Zimmer in einer der Tavernen, am attraktivsten war dieses am Wegeskreuz. Sehr schöne und inspirierende Gegend. Hier könne er gewiss eine ruhige Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen setzte er einen Brief an den Grafen auf. Leider fehlte ihm das Siegel und ein impregnantes Schriftpapier aus der drachenfels'schen Baronie, dennoch hielt er das Schreiben so formell, so dass man zumindest einen guten Eindruck hinterlassen mochte, was wohl notwendig war, denn sonst hielt man ihn vermehrt für einen einfachen Wanderbarden. Doch die Zeiten waren vorbei. Nun galt es, offiziell zu werden.

Eine Rückmeldung kam ziemlich bald zustande. Liliana als auch Heinrich waren offensichtlich in Varuna. Das schenkte ihm neue Hoffnung, und so begab er sich erneut zu der Taverne am Marktplatz, vielleicht fanden sich dort Leute, welche ihm einen Hinweis geben konnten.

Leute fanden sich gewiss, zwei nette junge Damen überdies, welche ihm mit Freuden beim Musizieren zuhörten, sowie ein junger Mann Namens Wikal, welcher ihm sehr großzügig entlohnte.

Leider wusste keiner um den Verbleib seiner Geschwister.

So verging erneut eine Nacht und zu Mittag des Nächsten Tages suchte er erneut vergeblich die Straßen ab. Ja, diese herrliche Stadt war doch ziemlich groß.

Nach einem guten mittagessen und einem vorzüglichen Tropen kräftigen Roten erschien ein grau berobter junger Mann in der Taverne, welcher nach dem Verbleib eines gewissen Finn von Drachenfels fragte. Dies war der Augenblick des Wiedersehens.

Es war Heinrich, Finns kleiner Bruder; und sodann schlossen sich beide in die Arme. Es gab ein freudiges wiedersehen, und in jenem Moment der Freude dachte Finn nur noch, dass ab nun alles besser werden würde, für ihn, für seine übriggebliebene Familie und für das Volk welches wohl der Rückkehr der drei Geschwister ausharrte, hoffend und Bangend, der Schreckensherrschaft Düsterbruchs ein Ende zu setzen.
Finn von Drachenfels

Beitrag von Finn von Drachenfels »

Die Familie war wieder vereint. Liliana und Heinrich waren wiedergefunden, und Finn fand zum ersten Mal seit Monaten wieder Ruhe in sich.

Gewiss war er ohnedies ein froher Mensch. Er genoss den Frühling in vollen Zügen, die blühenden Sträucher, der Duft in der frischen Waldluft, der strahlend blaue Himmel und die Sonnenstrahlen, welche ihm die Haut braun färbten und sein Herz von innen erwärmten, doch es war immer eine Last in ihm, die ihm jäh genommen wurde.

Wie groß sie geworden sind, wie erwachsen - sie gingen ihren Weg. Natürlich wusste Finn darum, gab es ja immer noch Briefkontakt - und so war er nicht überrascht, dass Heinrich nun tatsächlich den Weg von Eluives Melodie ging. Er würde ein Magier werden. Liliana war Heilerin. Ja, alle Drei gingen auf ihre Art und Weise ihren Weg.

Zu allem Überfluss wurde nun auch noch eine Villa gemietet - eine zukünftige Residenz für die Familie von Drachenfels. Was für ein erfreulicher Anblick - es gab einen Garten! Künftig würde Finn die Sommerabende in jenem verbringen und dem leisen Zirpen der Grillen lauschen, das laue Abendlüftlein bereits in Vorfreude erwartend. Viele Nächte verbrachte er einst damit, zu den Sternen aufzublicken. Nun konnte er es... von zu Hause aus tun. Auch wenn es vielleicht nur vorübergehend war. Er hatte eine Bleibe gefunden.

Eine Woche zuvor war er noch ein Vagabund, welcher einen adelsnamen besaß, nun war er Hausherr einer Residenz. Viele Pflichten warteten nun auf ihn. Leise seufzte er - das konnte ja heiter werden.

Ein Barde kommt schwer aus seiner Haut, dennoch begann er sich einmal mehr nun seiner Pflichten bewusst zu werden, die Repräsentation eines Adelshauses, Hausherr einer Residenz - er würde mitwirken bei der einstigen Befreiung der Baronie - er würde sie nicht aufgeben wollen, und das würde er auch nicht! Anschließend galt es noch, eine Frau zu finden, um das Haus von Drachenfels fortleben zu lassen.

Aber wie konnte eine Frau sein Herz gewinnen wenn sein herz der Musik galt?

Vielleicht würde ihm ein Lied die Antwort darauf geben.
Finn von Drachenfels

Beitrag von Finn von Drachenfels »

Als neuer Hausherr der Residenz von Drachenfels begann sich Finn an alles zu erinnern, was er vor seinem Aufbruch aus der Baronie gelernt hatte. "Sohn", sprach sein Vater einst zu ihm. "Das was uns vom Volk unterscheidet ist nicht, dass wir in einer großen Burg leben. Unsere Tore stehen schließlich immer offen und wir sollten stets die Helfende hand und gönnerhafte Freunde sein. Nein. Das was uns wirklich unterscheidet ist die Schreiberei!" - und es galt viele Briefe zu schreiben.

Ein Schwertarm wurde gesucht, doch je mehr er nachdachte umso mehr besann er sich des Gedankens, dass es zwei Arme bedürfe. Die Bewerber waren vielversprechend, und nachdem dieser Bruno Druffklopper abgesagt hatte wurde ihm klar, dass er zumindest nur noch einen von denjenigen abweisen musste. leider blieb ihm nichts anderes übrig. Doch man würde im Gespräch schon feststellen, wer denn geeignet sei und wer nicht.

Nachdem ihm Heinrich einen wirklich malerischen Platz nahe Varunas zeigte wo er sich im Stillen sammeln konnte und sich Lieder erdichten konnten verbrachte er fast jeden Abend dort. das Quaken der Frösche, der kühle wohlriechende Wind welcher vom Westen her über die Wälder strich, das Plätschern des Wassers und die Zuflucht vor dem Sturm. Pflichten warteten auf ihm.

Er verstand und mochte das Volk seit seiner Wanderung nur umso mehr, wurde ihm bewusst gemacht, was es bedeutete, sich jede Münze hart zu erarbeiten. In den Tavernen zu spielen und soviel Geld einzuspielen um nicht verhungern zu müssen, dann die langen Märsche, die Unterhaltungen... Er hatte gewiss auch einige Abenteuer erlebt was ihm später viele Zuhörer einbrachten. Das alles hatte er mit einem Mal hinter sich gelassen, und dennoch gab er seine Wurzeln nicht auf.

Nicht alle Mitglieder verschiedener Adelshäuser schienen zu billigen was er tat, ebenso seine Schwester, welche kostenlos die Armen und Kranken versorgte. Das war ehrbar, doch wie sagte dieser magier? "Der Platz eines Barons hat an seinem Volke zu sein"? - Das tat er im Grunde die letzten elf Jahre explizit.

Ja - es waren die Unterschiede, die es schwierig machten. Ein Mann, gefangen in der Freiheit, wie er es gerne selbst gern auszudrücken vermochte. Die Zeiten änderten sich und nur schwer mochte er sich dessen einfügen.

Er hoffte nur eines. Dass er nicht Opfer dees Adelsprotokolles wurde, dass er dereinst selbst eine steife Person würde, welche klare Grenzen zwischen Adel und Volk setzte. Er wollte immer mehr das Bindeglied sein, dem Ruf seines Herzens zu folgen und den menschen zu zeigen, dass es keine Grenzen gab. Unter der hübschen Kleidung waren sie alle nackt und es gab keinen Unterschied.

Dereinst war es einfach nur schwierig. Doch er genoss die augenblicke. Eine Flasche Wein genießend in der Natur sitzend und dem Sommer lauschend, er ließ die Abendluft in sein Innerstes strömen und er atmete erleichtert durch. Gleich was kommt: Solange er sich selbst nicht betrügt würde er schwere Zeiten ebenso überstehen wie die guten. Komme was wolle!
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