Die Akte "Andrey von Greifenbach"
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Darna von Hohenfels
Die Akte "Andrey von Greifenbach"
Daneben, ätsch!
Die Melancholie, daß der Tag ihres Abschiedes aus der Garde zügig näherrückte, wurde rüde unterbrochen, als Kronritter Calamdor von Auenfels in ihr Büro reinrauschte, während Endurael, Adrenalon und sie noch in den morgendlichen Stunden etwas beisammen saßen.
Von einem Herzschlag auf den nächsten ins Strammstehen gepresste Panik - um Himmels willen, was war vorgefallen, daß Calamdor innerlich vor Wut zu kochen schien?
"Darna von Elbenau, vortreten." Sie trat vor ihn und nahm erneut Haltung an. Hätte er sie im nächsten Moment enthauptet, wäre sie nicht verwundert darüber gewesen.
"Beeindruckend.
Derlei politisches Geschickt hätte ich nicht von Euch erwartet."
"Sire?", entkam es ihr gepresst. Was war nur los?
Er zog einen von zwei Briefen mit kronrätlichem Siegel aus der Tasche.
"Eine Bitte, Euch Euren Rücktritt nahezulegen." Ihr Blick wurde starr, und sie presste die Kiefer aufeinander. "Aber das", fuhr er zynisch fort, "hat sich ja nun erledigt."
Wäre sie nicht so geschockt gewesen, hätte sie frech gegrinst. Der Kronrat - die ihnen übel wollenden Kräfte darin - hatte also mit seinem Fußtritt ins Leere getroffen.
Vergangenheit hervorgezerrt
Doch Calamdor schien noch nicht fertig. Und ein eisiger Schauer fuhr ihr über die Haut, als Adrenalon das nächste Zielobjekt seiner bohrenden Aufmerksamkeit wurde.
"Oberst von Elbenau, seine Akte."
"In Papierform, oder mündlicher Bericht, Sire?"
"Mündlich, Oberst."
"Ak-te...?", entfuhr es Adrenalon krächzend. Dann wurden von seiner Vorgesetzten auch bereits die Worte militärisch knapp heruntergerappelt:
"Adrenalon, Oberleutnant der Garde, vor...", sie stockte kaum merklich, als sie die Zeiträume sortieren musste, wobei ihr auffiel, daß sie gerade kaum klar denken konnte, "gut einem Jahr in die königliche Garde zu Varuna eingetreten, verdienter Offizier, drei Monate Einsatz in einem Kriegsgebiet der Reichsgrenzen im Osten. Letzter Verdienst bei der Hilfe zur Bergung des Schwertes der Herrin Temora."
"Verwendung vor Gardeeintritt?"
"Zivilist, Sire." Etwas legte bei dieser Frage und Antwort eine Schraubzwinge um ihr Herz. Es ging um seine Zeit vor der Garde, das durfte doch nicht...
"Festnehmen."
...wahr sein?
"Andrey von Greifenbach - Ihr seid angeklagt am Hochverrat der Krone und in adelsständischen Gewahrsam zu überführen. Eure Waffe, Hochgeboren."
Diese wenigen Worte reichten, um in der Zeit ihres Aussprechens Adrenalon wie einen Scherbenhaufen in sich zusammenfallen zu lassen, scheppernd fiel er vor Calamdor auf die Knie, und das nicht, um um Gnade zu winseln. Die wenigen Worte reichten, um Darna mit der vornehmen Blässe eines Kalkeimers im Gesicht auszustatten, in dem die Lippen sich nervös auf und zu bewegten.
Wie in Zeitlupe wanderte Calamdors Blick nach unten zu dem Oberleutnant, Endurael hatte Mühe, die Monotonie soldatischen Verharrens zu wahren, und zur Linken des Kronritters erklang eine knöcherne Frauenstimme, die kaum mehr von der Frau Oberst zu kommen schien:
"Sire... habe mich der Mitwisserschaft schuldig zu bekennen."
Neben dem Ächzen Adrenalons und dem Knirschen von Darnas Zähnen hätte man eine Stecknadel fallen hören müssen. Hatte sie was gesagt? "Du wirst nicht allein gehen. Dann nehmt mich mit fest!" Die ganze Szenerie wirkte grotesk erstarrt, obwohl Adrenalon sich nun mühselig aufrichtete, Calamdor in die Augen sah.
"Sire...", begann er mühsam, kurz lag sein Blick ruhend auf Darna, dann straffte sich seine Haltung, "Ich bekenne mich den Anschuldigungen des Kronrates für schuldig."
Schuldig des Hochverrates... ihre Kiefer taten weh vom Zusammenpressen der Zähne.
Auch eine Form von Selbstmord
"Jedoch... wie es mir zusteht, fordere ich Euch, Calamdor von Auenfels,
Ritter der Krone, zum... Duell. Der Preis soll die Garantie der Unschuld für Oberst von Elbenau und Korporal Talan sein."
"Oberst von Elbenau?"
"Meinen schärfsten Protest!", entfuhr es ihr sofort, "Korporal Talan ist tatsächlich uninformiert, ich allerdings bin mir seit durchaus längerer Zeit über die Vergangenheit des Oberleutnants im Klaren!"
"Ergibt seine Akte Satisfaktionsfähigkeit?"
Hörte der Kerl ihr überhaupt zu?!
"Es gehört zu meinem Recht als rechtmäßiger Erbe des Lehens Greifenbach und damit verbundenem Titelherren, dieses Duell zu fordern."
"Bewahrt Euch die Würde, wenigstens den Handschuh zu werfen, Hochgeboren."
Hörten die Kerle ihr überhaupt zu?!?!
"Nicht zur Verteidigung eines nicht vorhandenen Tatbestandes. Ich stehe für meine eigene Person ein", knurrte sie. Aber sie schien überhaupt nicht da zu sein. Wie ein lächerliches kleines Burgfräulein, das beiseite gestellt wurde, während die Männer diesen Zwist austrugen. Adrenalon nahm seine Handschuhe vom Tisch auf...
"Hochgeboren von Greifenbach, ich muss Euch darüber informieren, daß ich höchstverdienter Kronritter, geweiht unter König Omar, bin."
Einen diensterfahrenen Kronritter zum Kampf herauszufordern... mit dem Ende des Satzes berührten die Handschuhe den Boden vor Calamdors Füßen. Darna wurde schlecht. Calamdor nickte sachte.
"So sei es."
"So ist es... zu spät", war lediglich Adrenalons kraftloser Kommentar.
Ich will aber auch!
Sie fasste das alles nicht. Die beiden fingen sogar an, die ersten Duellformalitäten auszuhandeln, und es sicherte Calamdor nur wenig Sympathie, daß er dabei auf die Einhaltung des Gesetzes 2.5 achtete. Nie hatte sie einen tadellosen Ritter so gehasst.
"Sire...", forderte sie nun erneut und reichlich verärgert Aufmerksamkeit.
"Oberst?"
Na endlich.
"Der Herr Oberleu...", sie unterbrach und korrigierte sich mühsam, "Hochgeboren von Greifenbach hat nicht für meine Fehllosigkeit einzustehen, weil ich mich selber des von mir genannten Vorwurfes für schuldig bekenne und selber satisfaktionsfähig bin. Ich verlange Akzeptanz meines Protestes zu diesem Teil der Forderungsbedingung."
"Akzeptiert. Wünscht Ihr selbst ein Duell, Oberst?"
Adrenalon warf ihr einen bezeichnenden, geradezu flehenden Blick zu: "Tu's nicht!"
War ihr schnurz. Auch wenn sie nicht so wahnsinnig war, sich ein Duell gegen den Kronritter zu wünschen. Aber sie zog die Grenze dafür:
"Einzig, wenn Ihr meine Aussage anzuzweifeln wünscht, daß Ihre Heiligkeit höchstselbst seiner Hochgeboren Vergebung seiner Verfehlungen gewährt hat."
"Dazu habe ich keinen Grund." Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Adrenalon zu. Wieso kam sie sich erneut vor, als hätte man ihr über den Kopf gestreichelt und sie in eine sichere Ecke gestellt?
Ich spuck dir ins Auge und blende dich!
Zorn, Wut...
Rafael kam herein, in ihren Ohren rauschte das Blut, daß sie kaum mehr richtig begriff, was die beiden sprachen. Sie hätte Calamdor anspringen und ihm an die Gurgel gehen mögen.
"Darna, was ist los?", hörte sie leise die Stimme des Freundes.
Adrenalon festnehmen...
"Weltlichkeit", zischte sie, "Das ist hier los." Fing sie nicht gerade an, dazu Distanz zu gewinnen? Man schien es ihr leicht machen zu wollen. Adrenalon festnehmen... Einzig ihre Rechte bewegte sich, öffnete die Schnalle des Schwertgurtes an ihrer Brust und knallte die Waffe samt Scheide Rafael mit einem Ruck vor den Harnisch. "Dann nehmt mich gefälligst mit fest! Ich lass ihn nicht alleine!"
"Akzeptiert Ihr diesen Beschluß aus freien Stücken, Hochgeboren von Greifenbach?" - Donnerhall, weit entfernt, in ihren Ohren. Sie starrte Calamdor auf eine Art an, daß Rafael seine Position änderte, daß sie erst an ihm vorbei müsse, um dem Waffenbruder ans Leder zu wollen. Doch ihr Körper rührte sich keinen fingerbreit, einzig die verhärmte und mit den Narben nun finster wirkende Mimik zuckte vor Anspannung.
"Oder wollt ihr weiter versuchen, Mauern zu durchbrechen, die höher sind als Ihr?"
Ein irrwitziger Funke Hoffnung - mochte es für Adrenalon schreckend sein, für sie klang das nach einer vertrauten Tätigkeit. Plötzlich wusste sie auf makabere Weise, daß es einen Weg geben würde.
Irgendwas löste die Schraubzwinge in ihr, als Adrenalon sich von Rafael und Endurael abführen ließ. Als er an ihr vorbeiging, seine gebrochen wirkende Gestalt an ihr vorbeischlurfte, seine Nähe sie streifte, da waren alle Figuren positioniert, alles gesagt, alles zur Schlacht aufgestellt.
Plötzlich war es die Ruhe vor dem Sturm, die sich im Büro breitmachte, als Calamdor und sie alleine darin zurückblieben, während... Andrey von Greifenbach ins Schloß eskortiert wurde.
"Und der Name ist mir egal."
Die Melancholie, daß der Tag ihres Abschiedes aus der Garde zügig näherrückte, wurde rüde unterbrochen, als Kronritter Calamdor von Auenfels in ihr Büro reinrauschte, während Endurael, Adrenalon und sie noch in den morgendlichen Stunden etwas beisammen saßen.
Von einem Herzschlag auf den nächsten ins Strammstehen gepresste Panik - um Himmels willen, was war vorgefallen, daß Calamdor innerlich vor Wut zu kochen schien?
"Darna von Elbenau, vortreten." Sie trat vor ihn und nahm erneut Haltung an. Hätte er sie im nächsten Moment enthauptet, wäre sie nicht verwundert darüber gewesen.
"Beeindruckend.
Derlei politisches Geschickt hätte ich nicht von Euch erwartet."
"Sire?", entkam es ihr gepresst. Was war nur los?
Er zog einen von zwei Briefen mit kronrätlichem Siegel aus der Tasche.
"Eine Bitte, Euch Euren Rücktritt nahezulegen." Ihr Blick wurde starr, und sie presste die Kiefer aufeinander. "Aber das", fuhr er zynisch fort, "hat sich ja nun erledigt."
Wäre sie nicht so geschockt gewesen, hätte sie frech gegrinst. Der Kronrat - die ihnen übel wollenden Kräfte darin - hatte also mit seinem Fußtritt ins Leere getroffen.
Vergangenheit hervorgezerrt
Doch Calamdor schien noch nicht fertig. Und ein eisiger Schauer fuhr ihr über die Haut, als Adrenalon das nächste Zielobjekt seiner bohrenden Aufmerksamkeit wurde.
"Oberst von Elbenau, seine Akte."
"In Papierform, oder mündlicher Bericht, Sire?"
"Mündlich, Oberst."
"Ak-te...?", entfuhr es Adrenalon krächzend. Dann wurden von seiner Vorgesetzten auch bereits die Worte militärisch knapp heruntergerappelt:
"Adrenalon, Oberleutnant der Garde, vor...", sie stockte kaum merklich, als sie die Zeiträume sortieren musste, wobei ihr auffiel, daß sie gerade kaum klar denken konnte, "gut einem Jahr in die königliche Garde zu Varuna eingetreten, verdienter Offizier, drei Monate Einsatz in einem Kriegsgebiet der Reichsgrenzen im Osten. Letzter Verdienst bei der Hilfe zur Bergung des Schwertes der Herrin Temora."
"Verwendung vor Gardeeintritt?"
"Zivilist, Sire." Etwas legte bei dieser Frage und Antwort eine Schraubzwinge um ihr Herz. Es ging um seine Zeit vor der Garde, das durfte doch nicht...
"Festnehmen."
...wahr sein?
"Andrey von Greifenbach - Ihr seid angeklagt am Hochverrat der Krone und in adelsständischen Gewahrsam zu überführen. Eure Waffe, Hochgeboren."
Diese wenigen Worte reichten, um in der Zeit ihres Aussprechens Adrenalon wie einen Scherbenhaufen in sich zusammenfallen zu lassen, scheppernd fiel er vor Calamdor auf die Knie, und das nicht, um um Gnade zu winseln. Die wenigen Worte reichten, um Darna mit der vornehmen Blässe eines Kalkeimers im Gesicht auszustatten, in dem die Lippen sich nervös auf und zu bewegten.
Wie in Zeitlupe wanderte Calamdors Blick nach unten zu dem Oberleutnant, Endurael hatte Mühe, die Monotonie soldatischen Verharrens zu wahren, und zur Linken des Kronritters erklang eine knöcherne Frauenstimme, die kaum mehr von der Frau Oberst zu kommen schien:
"Sire... habe mich der Mitwisserschaft schuldig zu bekennen."
Neben dem Ächzen Adrenalons und dem Knirschen von Darnas Zähnen hätte man eine Stecknadel fallen hören müssen. Hatte sie was gesagt? "Du wirst nicht allein gehen. Dann nehmt mich mit fest!" Die ganze Szenerie wirkte grotesk erstarrt, obwohl Adrenalon sich nun mühselig aufrichtete, Calamdor in die Augen sah.
"Sire...", begann er mühsam, kurz lag sein Blick ruhend auf Darna, dann straffte sich seine Haltung, "Ich bekenne mich den Anschuldigungen des Kronrates für schuldig."
Schuldig des Hochverrates... ihre Kiefer taten weh vom Zusammenpressen der Zähne.
Auch eine Form von Selbstmord
"Jedoch... wie es mir zusteht, fordere ich Euch, Calamdor von Auenfels,
Ritter der Krone, zum... Duell. Der Preis soll die Garantie der Unschuld für Oberst von Elbenau und Korporal Talan sein."
"Oberst von Elbenau?"
"Meinen schärfsten Protest!", entfuhr es ihr sofort, "Korporal Talan ist tatsächlich uninformiert, ich allerdings bin mir seit durchaus längerer Zeit über die Vergangenheit des Oberleutnants im Klaren!"
"Ergibt seine Akte Satisfaktionsfähigkeit?"
Hörte der Kerl ihr überhaupt zu?!
"Es gehört zu meinem Recht als rechtmäßiger Erbe des Lehens Greifenbach und damit verbundenem Titelherren, dieses Duell zu fordern."
"Bewahrt Euch die Würde, wenigstens den Handschuh zu werfen, Hochgeboren."
Hörten die Kerle ihr überhaupt zu?!?!
"Nicht zur Verteidigung eines nicht vorhandenen Tatbestandes. Ich stehe für meine eigene Person ein", knurrte sie. Aber sie schien überhaupt nicht da zu sein. Wie ein lächerliches kleines Burgfräulein, das beiseite gestellt wurde, während die Männer diesen Zwist austrugen. Adrenalon nahm seine Handschuhe vom Tisch auf...
"Hochgeboren von Greifenbach, ich muss Euch darüber informieren, daß ich höchstverdienter Kronritter, geweiht unter König Omar, bin."
Einen diensterfahrenen Kronritter zum Kampf herauszufordern... mit dem Ende des Satzes berührten die Handschuhe den Boden vor Calamdors Füßen. Darna wurde schlecht. Calamdor nickte sachte.
"So sei es."
"So ist es... zu spät", war lediglich Adrenalons kraftloser Kommentar.
Ich will aber auch!
Sie fasste das alles nicht. Die beiden fingen sogar an, die ersten Duellformalitäten auszuhandeln, und es sicherte Calamdor nur wenig Sympathie, daß er dabei auf die Einhaltung des Gesetzes 2.5 achtete. Nie hatte sie einen tadellosen Ritter so gehasst.
"Sire...", forderte sie nun erneut und reichlich verärgert Aufmerksamkeit.
"Oberst?"
Na endlich.
"Der Herr Oberleu...", sie unterbrach und korrigierte sich mühsam, "Hochgeboren von Greifenbach hat nicht für meine Fehllosigkeit einzustehen, weil ich mich selber des von mir genannten Vorwurfes für schuldig bekenne und selber satisfaktionsfähig bin. Ich verlange Akzeptanz meines Protestes zu diesem Teil der Forderungsbedingung."
"Akzeptiert. Wünscht Ihr selbst ein Duell, Oberst?"
Adrenalon warf ihr einen bezeichnenden, geradezu flehenden Blick zu: "Tu's nicht!"
War ihr schnurz. Auch wenn sie nicht so wahnsinnig war, sich ein Duell gegen den Kronritter zu wünschen. Aber sie zog die Grenze dafür:
"Einzig, wenn Ihr meine Aussage anzuzweifeln wünscht, daß Ihre Heiligkeit höchstselbst seiner Hochgeboren Vergebung seiner Verfehlungen gewährt hat."
"Dazu habe ich keinen Grund." Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Adrenalon zu. Wieso kam sie sich erneut vor, als hätte man ihr über den Kopf gestreichelt und sie in eine sichere Ecke gestellt?
Ich spuck dir ins Auge und blende dich!
Zorn, Wut...
Rafael kam herein, in ihren Ohren rauschte das Blut, daß sie kaum mehr richtig begriff, was die beiden sprachen. Sie hätte Calamdor anspringen und ihm an die Gurgel gehen mögen.
"Darna, was ist los?", hörte sie leise die Stimme des Freundes.
Adrenalon festnehmen...
"Weltlichkeit", zischte sie, "Das ist hier los." Fing sie nicht gerade an, dazu Distanz zu gewinnen? Man schien es ihr leicht machen zu wollen. Adrenalon festnehmen... Einzig ihre Rechte bewegte sich, öffnete die Schnalle des Schwertgurtes an ihrer Brust und knallte die Waffe samt Scheide Rafael mit einem Ruck vor den Harnisch. "Dann nehmt mich gefälligst mit fest! Ich lass ihn nicht alleine!"
"Akzeptiert Ihr diesen Beschluß aus freien Stücken, Hochgeboren von Greifenbach?" - Donnerhall, weit entfernt, in ihren Ohren. Sie starrte Calamdor auf eine Art an, daß Rafael seine Position änderte, daß sie erst an ihm vorbei müsse, um dem Waffenbruder ans Leder zu wollen. Doch ihr Körper rührte sich keinen fingerbreit, einzig die verhärmte und mit den Narben nun finster wirkende Mimik zuckte vor Anspannung.
"Oder wollt ihr weiter versuchen, Mauern zu durchbrechen, die höher sind als Ihr?"
Ein irrwitziger Funke Hoffnung - mochte es für Adrenalon schreckend sein, für sie klang das nach einer vertrauten Tätigkeit. Plötzlich wusste sie auf makabere Weise, daß es einen Weg geben würde.
Irgendwas löste die Schraubzwinge in ihr, als Adrenalon sich von Rafael und Endurael abführen ließ. Als er an ihr vorbeiging, seine gebrochen wirkende Gestalt an ihr vorbeischlurfte, seine Nähe sie streifte, da waren alle Figuren positioniert, alles gesagt, alles zur Schlacht aufgestellt.
Plötzlich war es die Ruhe vor dem Sturm, die sich im Büro breitmachte, als Calamdor und sie alleine darin zurückblieben, während... Andrey von Greifenbach ins Schloß eskortiert wurde.
"Und der Name ist mir egal."
Zuletzt geändert von Darna von Hohenfels am Mittwoch 30. Mai 2007, 00:47, insgesamt 1-mal geändert.
- Endurael Talan
- Beiträge: 169
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
‚Reiß Dich jetzt ja zusammen!’
Wie eine Endlosschleife wiederholte sich dieser Gedanken in Enduraels Kopf. Sein guter Freund Adrenalon – oder besser: Andrey von Greifenbach – wird des Hochverrats angeklagt. Objektiv betrachtet? Interessant.
Doch ginge es nach dem Menschen in Endurael, dann würde er Calamdor Blasphemie unterstellen. Adrenalon ein Verräter? Endurael wusste zwar, dass sein Freund eine ziemlich düstere Vergangenheit hat, wie die meisten Menschen auf dieser Welt. Aber Verräter? Nicht er. Verrat würde sich Endurael vielmehr sich selbst als Adrenalon zutrauen.
Aber selbstverständlich wird hier Akten gehandelt. Nach Berichten. Nach irgendwelchen Pergamenten, die irgendwelche Pappnasen einmal beschriftet haben. Da Endurael als Gardist solche Berichte selbst verfasst, kann er sich zwar nicht das Recht nehmen, den Wahrheitsgehalt bezüglich der Anklage anzuzweifeln, aber er weiß immerhin, dass dieses „Verbrechen“ nicht gerade gestern passierte. Hier geht es um die Vergangenheit und es scheint dann doch mehr oder weniger Schwachsinn, wenn ein – wohl unbeteiligter – Kronritter sich das Recht nimmt, über diese Vergangenheit zu urteilen. Besonders in Anbetracht der Gegenwart, in der Adrenalon, nach Enduraels Auffassung, sauber ist.
Doch was will man machen? Gegen Ranghöhere ist man meistens mehr oder weniger machtlos. Hätte Endurael eingegriffen, wäre es nur für auch noch schlecht ausgegangen.
„Reiß Dich jetzt ja zusammen! Du bist hilfreicher, wenn sie keine Interesse an Dir haben!“
Abwarten heißt es nun. Vorerst ist es in Ordnung, wenn man das tut, was sie einem sagen. Es findet sich sicherlich noch ein Augenblick, in dem es Zeit ist einzugreifen.
Das Verhalten Adrenalons beunruhigte Endurael ein wenig. Selbstverzweiflung, Wehrlosigkeit, Angst. Endurael erkannte seinen Freund nicht wieder. Auch war es überraschend, wie Darna ihre Fassung verlor. Die ganze Geschichte schmeckte mehr oder minder nach Tod. Tod, der sich langsam heranpirscht. Endurael hatte das Gefühl, dass noch irgendjemand der Sache wegen sterben würde.
Nachdem er und Sir Rafael den „Verräter“ zum Gewahrsam ins Schloss gebracht hatten, nahm die Hoffnungslosigkeit von Adrenalon weiterhin zu. Sir Rafael redete zwar auf ihn ein, aber eine Wirkung war nicht vorhanden. In dem Moment wurde Endurael bewusst, dass Adrenalon durch seine Verzweiflung blind geworden ist. Jemand musste ihm die Augen öffnen. Doch bevor er handeln konnte, wurde Endurael auf den Gang geschickt, um vor der Tür Wache zu halten. Wunderbar.
Der letzte Gedanke, den ihn in dieser Nacht noch durchschoss, war:
‚Wenn er sich das nächste Mal immer noch so verhält, bekommt er aufs Maul.’
Wie eine Endlosschleife wiederholte sich dieser Gedanken in Enduraels Kopf. Sein guter Freund Adrenalon – oder besser: Andrey von Greifenbach – wird des Hochverrats angeklagt. Objektiv betrachtet? Interessant.
Doch ginge es nach dem Menschen in Endurael, dann würde er Calamdor Blasphemie unterstellen. Adrenalon ein Verräter? Endurael wusste zwar, dass sein Freund eine ziemlich düstere Vergangenheit hat, wie die meisten Menschen auf dieser Welt. Aber Verräter? Nicht er. Verrat würde sich Endurael vielmehr sich selbst als Adrenalon zutrauen.
Aber selbstverständlich wird hier Akten gehandelt. Nach Berichten. Nach irgendwelchen Pergamenten, die irgendwelche Pappnasen einmal beschriftet haben. Da Endurael als Gardist solche Berichte selbst verfasst, kann er sich zwar nicht das Recht nehmen, den Wahrheitsgehalt bezüglich der Anklage anzuzweifeln, aber er weiß immerhin, dass dieses „Verbrechen“ nicht gerade gestern passierte. Hier geht es um die Vergangenheit und es scheint dann doch mehr oder weniger Schwachsinn, wenn ein – wohl unbeteiligter – Kronritter sich das Recht nimmt, über diese Vergangenheit zu urteilen. Besonders in Anbetracht der Gegenwart, in der Adrenalon, nach Enduraels Auffassung, sauber ist.
Doch was will man machen? Gegen Ranghöhere ist man meistens mehr oder weniger machtlos. Hätte Endurael eingegriffen, wäre es nur für auch noch schlecht ausgegangen.
„Reiß Dich jetzt ja zusammen! Du bist hilfreicher, wenn sie keine Interesse an Dir haben!“
Abwarten heißt es nun. Vorerst ist es in Ordnung, wenn man das tut, was sie einem sagen. Es findet sich sicherlich noch ein Augenblick, in dem es Zeit ist einzugreifen.
Das Verhalten Adrenalons beunruhigte Endurael ein wenig. Selbstverzweiflung, Wehrlosigkeit, Angst. Endurael erkannte seinen Freund nicht wieder. Auch war es überraschend, wie Darna ihre Fassung verlor. Die ganze Geschichte schmeckte mehr oder minder nach Tod. Tod, der sich langsam heranpirscht. Endurael hatte das Gefühl, dass noch irgendjemand der Sache wegen sterben würde.
Nachdem er und Sir Rafael den „Verräter“ zum Gewahrsam ins Schloss gebracht hatten, nahm die Hoffnungslosigkeit von Adrenalon weiterhin zu. Sir Rafael redete zwar auf ihn ein, aber eine Wirkung war nicht vorhanden. In dem Moment wurde Endurael bewusst, dass Adrenalon durch seine Verzweiflung blind geworden ist. Jemand musste ihm die Augen öffnen. Doch bevor er handeln konnte, wurde Endurael auf den Gang geschickt, um vor der Tür Wache zu halten. Wunderbar.
Der letzte Gedanke, den ihn in dieser Nacht noch durchschoss, war:
‚Wenn er sich das nächste Mal immer noch so verhält, bekommt er aufs Maul.’
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Andrey von Greifenbach
Ironie des Schicksals
Es ist wohl die bitterlichste Ironie des Schicksals, dass ich mindestens 2 Seiten in mir vereine, die unterschiedlicher nicht sein können, welche sich jedoch trotzdem gegenseitig in meiner jetzigen Lage unabdingbar vereinen. Wie sonst soll man beschreiben, dass ich zum einen als Oberleutnant der Garde, liebevoll auch "Der Hetzer" genannt, Regie über den Kerker führe, zum anderen aber als adeliger Hochverräter eben genau dort nicht selbst lande, sondern für meine letzten Tage in den Genuss eines gemütlich eingerichteten Schloßzimmers mit genügend Lesestoff und Schreibmaterial komme?
Sind es meine letzten Tage, wirklich? Glaubt man dem Optimismus, perfiderweise von Darna als "Überlebenswille" bezeichnet, des Dreiergestirns Adrian-Rafael-Darna, dann wohl nicht.
Ich sitze hier im Angesicht des Todes, das ist Fakt. Die Zeit hat mich eingeholt und es ist mir nicht gelungen, mein Blut zu verleugnen. So stehe ich nun als Hochverräter und potentieller Mörder vor der Anklage des Kronrates und kann nichteinmal sagen, dass es gelogen wäre.
Wenn ich die letzten Wochen.. Monate.. meine Zeit auf Gerimor rückwirkend betrachte, sehe ich ein stetiges Auf und Ab:
Tief unten war ich, als ich meine Flucht hier beendet hatte.
Und es schien bergaufzugehen, als ich dieses kleine bisschen Distanz durch den Beitritt in die Garde erreichen konnte.
Tief bergab ging es wieder, als ich mit der Vergangenheit neu konfrontiert wurde und mich der Frage stellen musste, ob ich bereit bin, die Tugenden der Temora auf ein Neues an mich heranzulassen. Waren sie es doch im Prinzip, welche mein Handeln bedingten, wenn auch fehlgeleitet.
Letztendlich jedoch, wie es wohl bei den meissten Menschen immer irgendwie klappt, hatte es auch bei mir funktioniert:
Die Heiligkeit selbst hatte mir für mein Herz die Absolution erteilt, und war es nicht vielleicht Temora selbst, die sich dazu entschlossen hatte, mich zu einem der 7 Hüter Nastad e-goth`s zu erwählen?
Meine Liebe zu Darna kann ich nicht in Worte fassen, sie efüllt mich mit einer inneren Ruhe und Zufriedenheit, die ich vielen anderen Menschen nur wünschen kann.
Ich habe es zum Oberleutnant der Garde gebracht, hochangesehner Posten und sicherlich nicht zu schlecht bezahlt.
Soll das alles umsonst gewesen sein? So wie es ausieht, in der Tat. Vielleicht hat die weltliche Gerechtigkeit tatsächlich alle Fäden in der Hand, und das Mensch-Sein an sich, Veränderung, Wandlung, der Lohn der Arbeit, aber auch der Preis für die Formung, die Weisung in den richtigen Weg, ist im Hintergrunde dessen unwichtig und purer Nonsens. So muss ich denken, denn es zeigt sich in meinem Schicksal. Letztendlich holt es uns alle wieder ein, egal, wie wir es drehen und biegen.
Oder doch nicht?
Gnädigkeit des Schicksals
Ironie oder Gnade, eine Frage, die sich mir nach dem "Verhör" Darnas stellt.
Ein Zweites Mal kann ich darüber sinnieren, wie Doppeldeutig das Schicksal mit den Puppen im Schachspiel des Lebens zieht. Calamdor von Auenfels, Kronritter des Reiches unter Omar, ist für meine Festsetzung zuständig gewesen. Er ist es nun aber auch, in dessen Händen mein Leben liegt, und Darnas Worten nach ist das keine so schlechte Option.
Denn nachdem Rafael und Adrian selbst noch zu diesem skurrilen "Verhör", welches im Prinzip im Sinne Calamdors nichts anderes sein sollte als eine Krisensitzung, dazustiessen, stellte sich heraus, dass noch viel mehr auf dem Spiel steht als die Sühne für meinen Verrat an der Krone und an meinem Namen.
Es geht nicht mehr darum, ob ich Andrey von Greifenbach heisse oder ob ich die Ehrerbietung, die meiner Familie damals zuteil wurde, mit Füßen getreten habe.
Es geht darum, dass politische Finesse und menschenverachtendes Kalkül darauf ausgesetzt sind, den Truchsess selbst zu stürzen und Ador und Isidor ihren Platz als Thronfolger zu nehmen. Das klingt unfassbar, aber ich komme nicht umhin, es zu glauben.
Der Kronrat scheint nicht unbedingt in seinem vollsten Ausmaße der Pracht und Ehre des Königs zu entsprechen. Calamdors Worte mussten dieshinsichtlich kaum missverständlich sein. Es wird darauf abgezielt, nach und nach das Gefüge um Adrian, seinen persönlichen Freundeskreis, seinen Schutz, seinen Halt... zu zerbröseln. Adrian selbst soll gestürzt werden, damit Herren wie von Schwarzwasser ursupatrisch die Macht an sich reissen können. Wie geht sowas einfacher, als wenn man das persönliche Umfeld des Betroffenen nach und nach einreisst, es wehrlos macht... bis es der Truchsess schliesslich selbst ist, der ohne Halt nackt dasteht.
Die Tatsache, dass meine Verfehlung nun den Anfang machen soll, macht mich zutiefst betroffen. Es ist eine Kausalkette:
Ich werde vor Gericht gestellt. Klares Urteil: Tod. Und dann? Durch mein Ableben wird dem Dreigespann, ohne dass ich es erahnt hätte, ein empfindlicher Stoß versetzt. Den wer weiss, was mit Darna geschieht, wenn ich sterbe? Definitiver Fakt ist, sie würde verletzlich, angreifbar dadurch werden. Wie durch einen kalten Windstoß wäre jetzt der Weg freigemacht, um sie als nächsten Stein in der Mauer um Adrian aus dem Mörtel zu lösen, ist er doch schon halb gebrochen.
Und zieht man einen Stein aus der Mauer, besonders einen elementar tragenden Stein, muss es selbst einem besonders dummen Menschen klar sein, dass die Mauer in sich zusammenfallen wird.
Es steht also viel mehr auf dem Spiel. Purer Zufall scheint es da, dass Darna durch ihren Rückzug in das Kloster und die Lösung von allen weltlichen Belangen ersteinmal dem Zugriff des Kronrates verwehrt scheint. Für uns bedeutet das zum einen, dass sie unter dem Schutz der Kirche steht, jene Instanz, an die sich auch ein Herr von Schwarzwasser nicht heranwagen wird. Zum Anderen ist aber auch fraglich, inwieweit ihre Handlungsfähigkeit dadurch eingeschränkt wird.
Calamdor ist der Schlüssel. Er war es erst, der uns den wahren Hintergrund dargelegt hat, und nun ist es an uns, das Spiel mitzuspielen. Mit anderen Regeln.
Meine Verhandlung stellt hierbei vielleicht den Anfang dar, denn im Falle einer Verurteilung wäre der erste Schritt zum Umsturz getan. Es gilt, dies zu verhindern.
Die Kerze ist jetzt fast abgebrannt, und die Tinte beinahe aufgebraucht. Welchen Schluß ziehe ich nun daraus?
Es ist im Prinzip ganz einfach: Ich darf nicht verurteilt werden, muss meine wahre Herkunft entgültig annehmen und somit eine elementare Lücke schliessen. Sei der mir angelastete Vorwurf zwar begründet, weiss ich dennoch, dass der damalige Andrey von Greifenbach nicht derjenige war, der nun hier sitzt und diese Zeilen schreibt. Mein Herz ist rein, vor mir selbst, vor Temora. Wäre das alles.. nunja, es wäre vielleicht einfacher.
So aber ist es nun auch der heutige Andrey von Greifenbach, der sein reines Herz beweisen muss, um Anderes, Wichtigeres zu erhalten und Gerechtigkeit Gerechtigkeit sein zu lassen.
Es ist die Gnade des Schicksals, dass ich dies erfahren darf. Auch wenn die Konstellation der Figuren nicht zu meinen.. zu unseren Gunsten steht, ist dennoch nicht alles verloren. Dafür gibt es Freunde, die einem beistehen. Und so lässt sich auch die Frage der Weltlichkeit einfacher beantworten:
Jeder Mensch hat eine Mauer um sich herum. Diese Mauer heisst Freund. Und diese Mauer ist.. muss! stärker sein als das weltliche Intrigengehabe jener, die das Wort "Freund" nicht kennen.
Dafür stehe ich mit meinem Namen.
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Es ist wohl die bitterlichste Ironie des Schicksals, dass ich mindestens 2 Seiten in mir vereine, die unterschiedlicher nicht sein können, welche sich jedoch trotzdem gegenseitig in meiner jetzigen Lage unabdingbar vereinen. Wie sonst soll man beschreiben, dass ich zum einen als Oberleutnant der Garde, liebevoll auch "Der Hetzer" genannt, Regie über den Kerker führe, zum anderen aber als adeliger Hochverräter eben genau dort nicht selbst lande, sondern für meine letzten Tage in den Genuss eines gemütlich eingerichteten Schloßzimmers mit genügend Lesestoff und Schreibmaterial komme?
Sind es meine letzten Tage, wirklich? Glaubt man dem Optimismus, perfiderweise von Darna als "Überlebenswille" bezeichnet, des Dreiergestirns Adrian-Rafael-Darna, dann wohl nicht.
Ich sitze hier im Angesicht des Todes, das ist Fakt. Die Zeit hat mich eingeholt und es ist mir nicht gelungen, mein Blut zu verleugnen. So stehe ich nun als Hochverräter und potentieller Mörder vor der Anklage des Kronrates und kann nichteinmal sagen, dass es gelogen wäre.
Wenn ich die letzten Wochen.. Monate.. meine Zeit auf Gerimor rückwirkend betrachte, sehe ich ein stetiges Auf und Ab:
Tief unten war ich, als ich meine Flucht hier beendet hatte.
Und es schien bergaufzugehen, als ich dieses kleine bisschen Distanz durch den Beitritt in die Garde erreichen konnte.
Tief bergab ging es wieder, als ich mit der Vergangenheit neu konfrontiert wurde und mich der Frage stellen musste, ob ich bereit bin, die Tugenden der Temora auf ein Neues an mich heranzulassen. Waren sie es doch im Prinzip, welche mein Handeln bedingten, wenn auch fehlgeleitet.
Letztendlich jedoch, wie es wohl bei den meissten Menschen immer irgendwie klappt, hatte es auch bei mir funktioniert:
Die Heiligkeit selbst hatte mir für mein Herz die Absolution erteilt, und war es nicht vielleicht Temora selbst, die sich dazu entschlossen hatte, mich zu einem der 7 Hüter Nastad e-goth`s zu erwählen?
Meine Liebe zu Darna kann ich nicht in Worte fassen, sie efüllt mich mit einer inneren Ruhe und Zufriedenheit, die ich vielen anderen Menschen nur wünschen kann.
Ich habe es zum Oberleutnant der Garde gebracht, hochangesehner Posten und sicherlich nicht zu schlecht bezahlt.
Soll das alles umsonst gewesen sein? So wie es ausieht, in der Tat. Vielleicht hat die weltliche Gerechtigkeit tatsächlich alle Fäden in der Hand, und das Mensch-Sein an sich, Veränderung, Wandlung, der Lohn der Arbeit, aber auch der Preis für die Formung, die Weisung in den richtigen Weg, ist im Hintergrunde dessen unwichtig und purer Nonsens. So muss ich denken, denn es zeigt sich in meinem Schicksal. Letztendlich holt es uns alle wieder ein, egal, wie wir es drehen und biegen.
Oder doch nicht?
Gnädigkeit des Schicksals
Ironie oder Gnade, eine Frage, die sich mir nach dem "Verhör" Darnas stellt.
Ein Zweites Mal kann ich darüber sinnieren, wie Doppeldeutig das Schicksal mit den Puppen im Schachspiel des Lebens zieht. Calamdor von Auenfels, Kronritter des Reiches unter Omar, ist für meine Festsetzung zuständig gewesen. Er ist es nun aber auch, in dessen Händen mein Leben liegt, und Darnas Worten nach ist das keine so schlechte Option.
Denn nachdem Rafael und Adrian selbst noch zu diesem skurrilen "Verhör", welches im Prinzip im Sinne Calamdors nichts anderes sein sollte als eine Krisensitzung, dazustiessen, stellte sich heraus, dass noch viel mehr auf dem Spiel steht als die Sühne für meinen Verrat an der Krone und an meinem Namen.
Es geht nicht mehr darum, ob ich Andrey von Greifenbach heisse oder ob ich die Ehrerbietung, die meiner Familie damals zuteil wurde, mit Füßen getreten habe.
Es geht darum, dass politische Finesse und menschenverachtendes Kalkül darauf ausgesetzt sind, den Truchsess selbst zu stürzen und Ador und Isidor ihren Platz als Thronfolger zu nehmen. Das klingt unfassbar, aber ich komme nicht umhin, es zu glauben.
Der Kronrat scheint nicht unbedingt in seinem vollsten Ausmaße der Pracht und Ehre des Königs zu entsprechen. Calamdors Worte mussten dieshinsichtlich kaum missverständlich sein. Es wird darauf abgezielt, nach und nach das Gefüge um Adrian, seinen persönlichen Freundeskreis, seinen Schutz, seinen Halt... zu zerbröseln. Adrian selbst soll gestürzt werden, damit Herren wie von Schwarzwasser ursupatrisch die Macht an sich reissen können. Wie geht sowas einfacher, als wenn man das persönliche Umfeld des Betroffenen nach und nach einreisst, es wehrlos macht... bis es der Truchsess schliesslich selbst ist, der ohne Halt nackt dasteht.
Die Tatsache, dass meine Verfehlung nun den Anfang machen soll, macht mich zutiefst betroffen. Es ist eine Kausalkette:
Ich werde vor Gericht gestellt. Klares Urteil: Tod. Und dann? Durch mein Ableben wird dem Dreigespann, ohne dass ich es erahnt hätte, ein empfindlicher Stoß versetzt. Den wer weiss, was mit Darna geschieht, wenn ich sterbe? Definitiver Fakt ist, sie würde verletzlich, angreifbar dadurch werden. Wie durch einen kalten Windstoß wäre jetzt der Weg freigemacht, um sie als nächsten Stein in der Mauer um Adrian aus dem Mörtel zu lösen, ist er doch schon halb gebrochen.
Und zieht man einen Stein aus der Mauer, besonders einen elementar tragenden Stein, muss es selbst einem besonders dummen Menschen klar sein, dass die Mauer in sich zusammenfallen wird.
Es steht also viel mehr auf dem Spiel. Purer Zufall scheint es da, dass Darna durch ihren Rückzug in das Kloster und die Lösung von allen weltlichen Belangen ersteinmal dem Zugriff des Kronrates verwehrt scheint. Für uns bedeutet das zum einen, dass sie unter dem Schutz der Kirche steht, jene Instanz, an die sich auch ein Herr von Schwarzwasser nicht heranwagen wird. Zum Anderen ist aber auch fraglich, inwieweit ihre Handlungsfähigkeit dadurch eingeschränkt wird.
Calamdor ist der Schlüssel. Er war es erst, der uns den wahren Hintergrund dargelegt hat, und nun ist es an uns, das Spiel mitzuspielen. Mit anderen Regeln.
Meine Verhandlung stellt hierbei vielleicht den Anfang dar, denn im Falle einer Verurteilung wäre der erste Schritt zum Umsturz getan. Es gilt, dies zu verhindern.
Die Kerze ist jetzt fast abgebrannt, und die Tinte beinahe aufgebraucht. Welchen Schluß ziehe ich nun daraus?
Es ist im Prinzip ganz einfach: Ich darf nicht verurteilt werden, muss meine wahre Herkunft entgültig annehmen und somit eine elementare Lücke schliessen. Sei der mir angelastete Vorwurf zwar begründet, weiss ich dennoch, dass der damalige Andrey von Greifenbach nicht derjenige war, der nun hier sitzt und diese Zeilen schreibt. Mein Herz ist rein, vor mir selbst, vor Temora. Wäre das alles.. nunja, es wäre vielleicht einfacher.
So aber ist es nun auch der heutige Andrey von Greifenbach, der sein reines Herz beweisen muss, um Anderes, Wichtigeres zu erhalten und Gerechtigkeit Gerechtigkeit sein zu lassen.
Es ist die Gnade des Schicksals, dass ich dies erfahren darf. Auch wenn die Konstellation der Figuren nicht zu meinen.. zu unseren Gunsten steht, ist dennoch nicht alles verloren. Dafür gibt es Freunde, die einem beistehen. Und so lässt sich auch die Frage der Weltlichkeit einfacher beantworten:
Jeder Mensch hat eine Mauer um sich herum. Diese Mauer heisst Freund. Und diese Mauer ist.. muss! stärker sein als das weltliche Intrigengehabe jener, die das Wort "Freund" nicht kennen.
Dafür stehe ich mit meinem Namen.
Zuletzt geändert von Andrey von Greifenbach am Dienstag 29. Mai 2007, 22:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Darna von Hohenfels
Während sie ihn ansah, kam kurz ein flüchtiger Gedanke: "Das hätte vielleicht auch aus dir werden können." Musste es nicht erbärmlich wirken, was Kronritter Calamdor von Auenfels gegenüberstand, eine Frau, die noch drei Tage Oberst war, die gegangen worden wäre, wäre sie nicht selber gegangen? Eine Frau, die sich nichts je sehnlicher als den Ritterang gewünscht hatte, und nun ohne vor ihm stand, zur "Privatperson" verkam? Freiherrin... betrachtete man sich die Ereignisse nun, bliebe sie vielleicht nicht einmal das.
Viel Platz für diese Gedanken war nicht, erst vor wenigen Herzschlägen war Adrenalon vor ihren Augen abgeführt worden. Ihr geliebter Adrenalon. Ihr geliebter Andrey von Greifenbach, Hochverräter... Sollte es so zuende sein?
"Geht nicht. Darf nicht. Das ist nicht gerecht, und du weißt das. Du brauchst doch nur die Augen aufmachen." Mit diesem Blick sah sie Calamdor in die Augen, nun wieder würdevoll, aufrecht und unbeugsam.
"Nicht jeder Kampf wird mit Waffen ausgetragen, Lady Darna."
Ihre Ritteranrede. Von der Calamdor wusste, daß sie ihr den Formalitäten nach nicht mehr gebührte. Mit völliger Selbstverständlichkeit ausgesprochen.
Und damit waren die Fronten geklärt - sie waren beide Ritter, vom Scheitel bis zur Sohle. Als solche konnten sie gleichwertig miteinander reden, und doch gab es zwischen ihnen nun dezente Unterschiede...
Sie reckte das Kinn. Ach, wäre es doch so einfach.
"Nein - nur manchmal sind diese dann wenigstens ehrlich und direkt."
Sie begann schon jetzt, all diese Winkelzüge, die zu all dem hier geführt haben mussten, zu hassen. Was hatten sie sich eigentlich eingeredet? Ein revoltierendes Lehen, der einzige Erbe verschwunden, und das hier, jetzt, der Zeitpunkt, die Art - Zufall?! Darüber hätte sie nicht einmal trocken gelacht. Himmel, wie naiv waren sie gewesen...
"Kommt Eure Kurzsicht von Eurem Glauben oder von eurem Alter, Oberst?" Es hätte eine Frage Luczillas sein können, die Frage eines Alatar-Dieners. Es war schwer, in eine solche Frage keine Provokation zu legen - Calamdor schaffte es. Man konnte diese Frage aus tatsächlicher Wißbegier stellen. Um den Menschen zu erfahren, kennenzulernen. Und so antwortete sie ihm auch:
"Bittere Erfahrung führte mich zu dieser Form von 'Kurzsicht' zurück, Sire - zurück in gesunde Schranken, nachdem ich einiges sah, was dahinter liegen kann. Scheltet die Gewißheit, daß Gerechtigkeit aus mehr als nur Gesetzen besteht, naiv - aber ich glaube eigentlich nicht, daß Ihr mich so von Euch enttäuschen würdet."
Eine Militärperson, eine Oberst, die an Gerechtigkeit glaubte...
"Lady Darna, ihr seid die brillianteste Taktikterin, die ich bislang erleben durfte. Nur kennt Ihr die Strategie nicht, wie mir scheint."
Ein fragender Ausdruck mischte sich in ihren abwartenden Blick. Sie fragte sich ohnehin, welches Spiel genau hier gespielt wurde. Und sie war sich ziemlich sicher, dies von Calamdor wahrheitsgemäß erfahren zu können. Sie irrte nicht.
"Ihr habt es geschafft, einen Raum zu betreten, in dem Euch der Kronrat nicht belangen kann. Doch dieser Raum ist eng, er ist ein Käfig. All jene, die Euch nahe sind, können nicht unter den Wall des Glaubens schlüpfen, der Euch umgibt.
Und so vergreifen sie sich an euren Freunden. Einzig, in der Hoffnung, dass Ihr eine greifende Hand herausstreckt, Euer Recht auf 'Gerechtigkeit nach Weltlichen Gesetzen' einfordert... Und immer, wenn Ihr eine Hand herausstreckt, werden sie sie Euch abhacken. Und wenn Ihr erst einmal nicht mehr seid, dann werden sie in dieses Schloss marschieren und Adrian nicht körperlich, wohl aber in den Augen des Volkes ermordern. Und ihr sitzt da... ohne Hände und Arme in eurem sicheren Kloster... Und könnt nichts tun außer zuzusehen, wie Ador und Isidor sterben."
Seine Stimme gewann zum Ende gar etwas fanatisches - Kronritter. Ja, da war sein eigener wunder Punkt, die er immer verbissen verteidigen würde, seine Schwäche und seine Stärke: das Königshaus, das Wohl des Reiches.
Sie hätte ihm gerade lauter Dinge an den Kopf werfen können, in was sie dachte, daß er sich gewaltig irrte, doch diese Art von Protest hätte nun nach der hohlen Verteidigung eines Menschen ausgesehen, der die Tatsachen nicht wahr haben wollte. Nein, sie musste anders reagieren. Besonnen. Aufzeigen, daß sie über eigene Schwachpunkte sich durchaus im Klaren war.
"Ihr habt sicher recht als erfahrene Person in diesen Dingen, es mangelt mir an Strategie, Sire", setzte sie bedächtig an, zu erklären, und erntete auch ein Nicken. Sie holte zum ersten vorsichtigen Gegenschlag aus, den Ball nur zurückschlagend:
"Es ist schließlich keine Strategie, in jedem Moment 'einfach nur' das Richtige zu tun."
Aber was passierte denn mit jemandem, dem es gelingen mochte, in jedem Moment das Richtige zu tun? Er ging den besten Weg, zu siegen. Oder sollte der Sieg dann dennoch nicht sein, so war ein Sieg nicht möglich gewesen. Ihr war klar, manchmal verlor man auch, obwohl man nichts falsch gemacht hatte. Dann war es aber... in Ordnung.
"Ich dachte ihr solltet eines als Oberst wissen: Der Befehl bedingt nicht das Ergebnis", fügte der Kronritter an.
Ein seltsames Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Sie musste an ihre Inhaftierung bei den Hexenvorwürfen denken, an ihre Befehle unter Einfluß der Tollwut, an das Koordinieren der Garde, während im Schloß ein falscher Graf saß.
"Stimmt... Treue bedingt das Ergebnis. Ob die Leute dir vertrauen. Ob alles seinen Sinn hat. Ob du ihnen das Denken abgewöhnt hast, oder ob du einen eigenen Organismus zu lenken imstande bist, ein Gefüge aus lauter Individuen, die dir ihre Kraft geben... unendlich kompliziert."
Was all das mit der Situation just im Moment zu tun hatte?
Sie begriff im Moment, als er es aussprach - er hatte Befehle in der Tasche... nun gut. Aber er konnte noch selber denken. Und er war nicht den Intriganten des Reiches treu. Er vertraute den Beschlüssen des Kronrates nicht vorbehaltlos.
"Nun, um ehrlich zu sein, sind die Adelsbriefe für euren Freund Andrey bereits geschrieben." Er hob die Schultern. "Nur nicht auf Papier sondern versteckt in den Mühlen einer unaufhaltsamen, langfristigen Strategie."
"Und dafür muß er dann so leiden? Du hast gesehen, wie er rausging!"
"Spielchen." Sie zischte es leise und verächtlich.
"Besser als Hinrichtungen, oder?", erwiderte er recht scharf.
"Ihr redet mit einer Person, die trotz Schicksalschlägen von dem Bestehen und sich Durchsetzen einer höheren Gerechtigkeit überzeugt ist, Sire", erklärte sie ihm knapp, gar zurechtweisenden Tons. Er versuchte, sie mit der häßlichen Fassade all dieser Spielchen einzuschüchtern?
"Mit jedem Abhacken, an dem sich irgendwelche Intriganten versuchen sollten, wird sich die Kraft bündeln und fokussieren, die dadurch zurückgedrängt wird." Nun lag es an ihr selber, fanatisch zu klingen. War diesen Narren klar, was sie provozierten? Der Wind, den sie säten, würde sie als Sturm hinwegfegen.
"Natürlich", bestätigte er schlicht und durchaus überzeugt, "Aber ich bevorzuge den Weg, der möglichst wenige Bauernopfer fordert."
Auch eine Art, erfolgreich Schach zu spielen.
"Ich beschreite den Weg, der Bauernopfer durch sich selber schützt - Ihr sagt, nicht jeder kann sich unter den Mantel des Glaubens flüchten - nun, wenn dieser Mantel dafür zu weit weg oder zu eng ist, muß man ihn eben ausweiten.
Und dafür braucht es als erstes Vertrauen, daß sowas geschehen kann."
Es besorgte sie allmählich. War der Glaube, nein... das Vertrauen in den Glauben so dünn geworden, daß man ihn nicht mehr als helfende Macht betrachtete? Sondern... als Käfig?! Langsam begann sie, sich darüber aufzuregen. Das hielt man tatsächlich für einen Rückzug, was sie machte...
"Es wird geschehen. Aber jetzt, gerade jetzt, ist es noch nicht soweit. Der Schlag kam, bevor ihr die Deckung hochziehen konntet."
Als würde sie sich nur zur Verteidigung in Kloster und Glauben flüchten!
"Lady Darna, ihr seid eine vorbildhafte Ritterin. Das Reich kann stolz auf Euch sein, alles Weltliche opfert ihr dafür, das strahlende Schwert der Gerechtigkeit in Euren Hnden fortwährend zu schärfen.
Und ich bitte Euch nur um eines: Schlagt erst dann zu, wenn die Deckung des Feindes niedrig ist. Denn ihr habt nur einen Schlag."
Es war nur ein vager Gedanke, denn er kam ihr glatt vermessen vor. Doch auch Calamdor beschritt den weltlichen Weg... vielleicht hatte selbst er, käme es hart auf hart, eine Lektion zu lernen.
"Treibe es niemand zu weit...", sprach sie eine allgemeine Warnung aus, "Ich weiß, was mich schützt, und ich weiß, in was ich verletzlich bin - und Letzteres ist. mir. egal.
Wage es niemand, sich ernsthaft an ihm zu vergreifen." Diesen Rest knurrte sie.
"Wer überall ist, ist nirgendwo, Lady Darna. Ihr könnt ihn nicht schützen."
Der erste Satz traf sie sauber, der zweite reizte sie auf's Blut. Ach nein?
"Ich nicht... aber meine Arme sind noch recht lang, Sire..."
"Und es nicht weise, das zu verteidigen, was man nicht verteidigen kann."
"Du unterschätzt mich."
"Ihr spracht von Vertrauen. Vertraut Ihr meinem Schwur auf das Blut Alumenas?"
"Nein", antwortete sie prompt. Was hatte sie sein Amulett noch zu interessieren? Das war das äußere Bild. "Ich vertraue auf die dafür nötige Treue, Redlichkeit, Offenheit und Ehrbarkeit, den wachen, Temora gefälligen Sinn eines Ritters."
Sie beobachtete zufrieden, wie er sich merklich dabei aufrichtete.
"Hab dich."
"Dann vertraut auf das Wort, das ich Euch nun gebe: Eure Stärke ist mir gleichbedeutend mit der Stärke des Blutes. Und diese Stärke ist es... Die sich dem Wahn alter Herren entgegen setzen kann und wird.
Und ohne Eure Getreuen seid ihr nicht stark. Ich werde sie also beschützen."
Damit war alles geklärt, was mit Calamdor zu klären war. Sie neigte den Kopf, sie brauchte jetzt nicht mehr die Unerbittliche zu demonstrieren. Sie würde ihm vertrauen können, und ihn machen lassen - und ein Winkel ihrer Gedanken suchte bereits eifrig nach den weiteren Spielfiguren, die Adrenalon zu decken imstande wären. Ein Kronritter, schön und gut... doppelt und dreifach hielt besser.
"Ich überlasse das Wohlergehen des von mir geliebten Menschen Euch, Sir Calamdor." "Und nicht alleine dir. Wehe, da geht was schief."
"Danke", fügte sie noch leiser und bedächtig hinzu. Dank. Das war wichtig.
"Ich erwarte, dass Ihr Eurer Pflicht als Oberst nachkommt. Die Garde hat einen hohen Gefangenen zu verhören."
"Vor dem Zimmer werden zwei Gardisten postiert werden", sprach sie nun sachlich, als ginge es um irgendwen. Calamdor sollte auch wissen, daß er sich auf sie verlassen konnte.
"Doch tue ich kund, ein Verhör durch meine Perso...", im gleichen Augenblick sprach Calamdor:
"Ich führe Euch zu dem Gefangenen, der durch Euch zu verhören ist."
Sie hielt inne, furchte die Stirn. Er war vorhin doch nicht etwa blind gewesen? Plötzlich verlor sie völlig die Orientierung.
"Sire?"
"Oberst?"
"Es ist allgemein hinter den Formalitäten bekannt, wie der Oberleutnant und meine Person zueinander stehen, auch wenn sein Vorankommen in der Garde nie durch mich protegiert war", erklärte sie förmlich. Etwas, was sie sich auch nie verziehen hätte.
"Steht das in irgendwelchen Akten?"
Wollte er schlusig werden? Absichtlich gar? Unverzeihlich.
"Ihr tut Euch selber keinen Gefallen, wenn Ihr mich vorschiebt. Nein - mein Ruf steht auch in keiner Akte. Und ist trotzdem von Belang."
Das würde sie gnadenlos demontieren, wenn jetzt eine prekäre Situation durch persönliche... nein. Das konnte er nicht vorhaben, sich selbst so zu untergraben. "Und offen gestanden, weiß ich gerade nicht, was Ihr von mir erwartet."
Er musterte sie. "Dies ist kein notwendiges Opfer, Lady Darna. Naehe zu den Menschen die Ihr liebt stärkt Euch. Ich erwarte eine lückenlose Beschreibung für die Gründe seiner Flucht."
Sie begriff immer noch nicht:
"Ich kenne die Geschichte auch so, die er mir in der Kirche dieser Stadt eines Tages schonungslos beichtete und werde sicher nicht lügen. Er hat sich Verbrechen zuschulden kommen lassen, Sire. Verbrechen, die ganz ohne Probleme den Tod vor einem weltlichen Gericht bedeuten können."
Ob er langsam an dem steifen Fräulein verzweifelte wie manchmal Eileen?
"Ich gebe Euch die Gelegenheit, Zeit mit ihm zu verbringen. Es ist Eure Entscheidung, ob Ihr Euch selbst einmal diesen Luxus gönnt, ohne an die Taktik zu denken."
Er nahm sie noch weit mehr in Schutz, als sie erwartet hatte. Plötzlich lächelte sie, als diese Blockade weg war.
"Na endlich sprecht Ihr offen. Verzeihung, erwartet Ihr von einer geschockten Person noch, daß sie diplomatisch denkt?" Sie schüttelte zu sich selbst den Kopf, "Ich werde ihn verhören", mit knappen Nicken nun bestätigend.
"Wenn Ihr die letzten drei Jahre Eures Lebens mit dem Kronrat zubringt... dann erwartet Ihr sowas."
"Mein Beileid", meinte sie trocken.
"Ich führe Euch zum Gefangenen", meinte er förmlich.
Viel Platz für diese Gedanken war nicht, erst vor wenigen Herzschlägen war Adrenalon vor ihren Augen abgeführt worden. Ihr geliebter Adrenalon. Ihr geliebter Andrey von Greifenbach, Hochverräter... Sollte es so zuende sein?
"Geht nicht. Darf nicht. Das ist nicht gerecht, und du weißt das. Du brauchst doch nur die Augen aufmachen." Mit diesem Blick sah sie Calamdor in die Augen, nun wieder würdevoll, aufrecht und unbeugsam.
"Nicht jeder Kampf wird mit Waffen ausgetragen, Lady Darna."
Ihre Ritteranrede. Von der Calamdor wusste, daß sie ihr den Formalitäten nach nicht mehr gebührte. Mit völliger Selbstverständlichkeit ausgesprochen.
Und damit waren die Fronten geklärt - sie waren beide Ritter, vom Scheitel bis zur Sohle. Als solche konnten sie gleichwertig miteinander reden, und doch gab es zwischen ihnen nun dezente Unterschiede...
Sie reckte das Kinn. Ach, wäre es doch so einfach.
"Nein - nur manchmal sind diese dann wenigstens ehrlich und direkt."
Sie begann schon jetzt, all diese Winkelzüge, die zu all dem hier geführt haben mussten, zu hassen. Was hatten sie sich eigentlich eingeredet? Ein revoltierendes Lehen, der einzige Erbe verschwunden, und das hier, jetzt, der Zeitpunkt, die Art - Zufall?! Darüber hätte sie nicht einmal trocken gelacht. Himmel, wie naiv waren sie gewesen...
"Kommt Eure Kurzsicht von Eurem Glauben oder von eurem Alter, Oberst?" Es hätte eine Frage Luczillas sein können, die Frage eines Alatar-Dieners. Es war schwer, in eine solche Frage keine Provokation zu legen - Calamdor schaffte es. Man konnte diese Frage aus tatsächlicher Wißbegier stellen. Um den Menschen zu erfahren, kennenzulernen. Und so antwortete sie ihm auch:
"Bittere Erfahrung führte mich zu dieser Form von 'Kurzsicht' zurück, Sire - zurück in gesunde Schranken, nachdem ich einiges sah, was dahinter liegen kann. Scheltet die Gewißheit, daß Gerechtigkeit aus mehr als nur Gesetzen besteht, naiv - aber ich glaube eigentlich nicht, daß Ihr mich so von Euch enttäuschen würdet."
Eine Militärperson, eine Oberst, die an Gerechtigkeit glaubte...
"Lady Darna, ihr seid die brillianteste Taktikterin, die ich bislang erleben durfte. Nur kennt Ihr die Strategie nicht, wie mir scheint."
Ein fragender Ausdruck mischte sich in ihren abwartenden Blick. Sie fragte sich ohnehin, welches Spiel genau hier gespielt wurde. Und sie war sich ziemlich sicher, dies von Calamdor wahrheitsgemäß erfahren zu können. Sie irrte nicht.
"Ihr habt es geschafft, einen Raum zu betreten, in dem Euch der Kronrat nicht belangen kann. Doch dieser Raum ist eng, er ist ein Käfig. All jene, die Euch nahe sind, können nicht unter den Wall des Glaubens schlüpfen, der Euch umgibt.
Und so vergreifen sie sich an euren Freunden. Einzig, in der Hoffnung, dass Ihr eine greifende Hand herausstreckt, Euer Recht auf 'Gerechtigkeit nach Weltlichen Gesetzen' einfordert... Und immer, wenn Ihr eine Hand herausstreckt, werden sie sie Euch abhacken. Und wenn Ihr erst einmal nicht mehr seid, dann werden sie in dieses Schloss marschieren und Adrian nicht körperlich, wohl aber in den Augen des Volkes ermordern. Und ihr sitzt da... ohne Hände und Arme in eurem sicheren Kloster... Und könnt nichts tun außer zuzusehen, wie Ador und Isidor sterben."
Seine Stimme gewann zum Ende gar etwas fanatisches - Kronritter. Ja, da war sein eigener wunder Punkt, die er immer verbissen verteidigen würde, seine Schwäche und seine Stärke: das Königshaus, das Wohl des Reiches.
Sie hätte ihm gerade lauter Dinge an den Kopf werfen können, in was sie dachte, daß er sich gewaltig irrte, doch diese Art von Protest hätte nun nach der hohlen Verteidigung eines Menschen ausgesehen, der die Tatsachen nicht wahr haben wollte. Nein, sie musste anders reagieren. Besonnen. Aufzeigen, daß sie über eigene Schwachpunkte sich durchaus im Klaren war.
"Ihr habt sicher recht als erfahrene Person in diesen Dingen, es mangelt mir an Strategie, Sire", setzte sie bedächtig an, zu erklären, und erntete auch ein Nicken. Sie holte zum ersten vorsichtigen Gegenschlag aus, den Ball nur zurückschlagend:
"Es ist schließlich keine Strategie, in jedem Moment 'einfach nur' das Richtige zu tun."
Aber was passierte denn mit jemandem, dem es gelingen mochte, in jedem Moment das Richtige zu tun? Er ging den besten Weg, zu siegen. Oder sollte der Sieg dann dennoch nicht sein, so war ein Sieg nicht möglich gewesen. Ihr war klar, manchmal verlor man auch, obwohl man nichts falsch gemacht hatte. Dann war es aber... in Ordnung.
"Ich dachte ihr solltet eines als Oberst wissen: Der Befehl bedingt nicht das Ergebnis", fügte der Kronritter an.
Ein seltsames Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Sie musste an ihre Inhaftierung bei den Hexenvorwürfen denken, an ihre Befehle unter Einfluß der Tollwut, an das Koordinieren der Garde, während im Schloß ein falscher Graf saß.
"Stimmt... Treue bedingt das Ergebnis. Ob die Leute dir vertrauen. Ob alles seinen Sinn hat. Ob du ihnen das Denken abgewöhnt hast, oder ob du einen eigenen Organismus zu lenken imstande bist, ein Gefüge aus lauter Individuen, die dir ihre Kraft geben... unendlich kompliziert."
Was all das mit der Situation just im Moment zu tun hatte?
Sie begriff im Moment, als er es aussprach - er hatte Befehle in der Tasche... nun gut. Aber er konnte noch selber denken. Und er war nicht den Intriganten des Reiches treu. Er vertraute den Beschlüssen des Kronrates nicht vorbehaltlos.
"Nun, um ehrlich zu sein, sind die Adelsbriefe für euren Freund Andrey bereits geschrieben." Er hob die Schultern. "Nur nicht auf Papier sondern versteckt in den Mühlen einer unaufhaltsamen, langfristigen Strategie."
"Und dafür muß er dann so leiden? Du hast gesehen, wie er rausging!"
"Spielchen." Sie zischte es leise und verächtlich.
"Besser als Hinrichtungen, oder?", erwiderte er recht scharf.
"Ihr redet mit einer Person, die trotz Schicksalschlägen von dem Bestehen und sich Durchsetzen einer höheren Gerechtigkeit überzeugt ist, Sire", erklärte sie ihm knapp, gar zurechtweisenden Tons. Er versuchte, sie mit der häßlichen Fassade all dieser Spielchen einzuschüchtern?
"Mit jedem Abhacken, an dem sich irgendwelche Intriganten versuchen sollten, wird sich die Kraft bündeln und fokussieren, die dadurch zurückgedrängt wird." Nun lag es an ihr selber, fanatisch zu klingen. War diesen Narren klar, was sie provozierten? Der Wind, den sie säten, würde sie als Sturm hinwegfegen.
"Natürlich", bestätigte er schlicht und durchaus überzeugt, "Aber ich bevorzuge den Weg, der möglichst wenige Bauernopfer fordert."
Auch eine Art, erfolgreich Schach zu spielen.
"Ich beschreite den Weg, der Bauernopfer durch sich selber schützt - Ihr sagt, nicht jeder kann sich unter den Mantel des Glaubens flüchten - nun, wenn dieser Mantel dafür zu weit weg oder zu eng ist, muß man ihn eben ausweiten.
Und dafür braucht es als erstes Vertrauen, daß sowas geschehen kann."
Es besorgte sie allmählich. War der Glaube, nein... das Vertrauen in den Glauben so dünn geworden, daß man ihn nicht mehr als helfende Macht betrachtete? Sondern... als Käfig?! Langsam begann sie, sich darüber aufzuregen. Das hielt man tatsächlich für einen Rückzug, was sie machte...
"Es wird geschehen. Aber jetzt, gerade jetzt, ist es noch nicht soweit. Der Schlag kam, bevor ihr die Deckung hochziehen konntet."
Als würde sie sich nur zur Verteidigung in Kloster und Glauben flüchten!
"Lady Darna, ihr seid eine vorbildhafte Ritterin. Das Reich kann stolz auf Euch sein, alles Weltliche opfert ihr dafür, das strahlende Schwert der Gerechtigkeit in Euren Hnden fortwährend zu schärfen.
Und ich bitte Euch nur um eines: Schlagt erst dann zu, wenn die Deckung des Feindes niedrig ist. Denn ihr habt nur einen Schlag."
Es war nur ein vager Gedanke, denn er kam ihr glatt vermessen vor. Doch auch Calamdor beschritt den weltlichen Weg... vielleicht hatte selbst er, käme es hart auf hart, eine Lektion zu lernen.
"Treibe es niemand zu weit...", sprach sie eine allgemeine Warnung aus, "Ich weiß, was mich schützt, und ich weiß, in was ich verletzlich bin - und Letzteres ist. mir. egal.
Wage es niemand, sich ernsthaft an ihm zu vergreifen." Diesen Rest knurrte sie.
"Wer überall ist, ist nirgendwo, Lady Darna. Ihr könnt ihn nicht schützen."
Der erste Satz traf sie sauber, der zweite reizte sie auf's Blut. Ach nein?
"Ich nicht... aber meine Arme sind noch recht lang, Sire..."
"Und es nicht weise, das zu verteidigen, was man nicht verteidigen kann."
"Du unterschätzt mich."
"Ihr spracht von Vertrauen. Vertraut Ihr meinem Schwur auf das Blut Alumenas?"
"Nein", antwortete sie prompt. Was hatte sie sein Amulett noch zu interessieren? Das war das äußere Bild. "Ich vertraue auf die dafür nötige Treue, Redlichkeit, Offenheit und Ehrbarkeit, den wachen, Temora gefälligen Sinn eines Ritters."
Sie beobachtete zufrieden, wie er sich merklich dabei aufrichtete.
"Hab dich."
"Dann vertraut auf das Wort, das ich Euch nun gebe: Eure Stärke ist mir gleichbedeutend mit der Stärke des Blutes. Und diese Stärke ist es... Die sich dem Wahn alter Herren entgegen setzen kann und wird.
Und ohne Eure Getreuen seid ihr nicht stark. Ich werde sie also beschützen."
Damit war alles geklärt, was mit Calamdor zu klären war. Sie neigte den Kopf, sie brauchte jetzt nicht mehr die Unerbittliche zu demonstrieren. Sie würde ihm vertrauen können, und ihn machen lassen - und ein Winkel ihrer Gedanken suchte bereits eifrig nach den weiteren Spielfiguren, die Adrenalon zu decken imstande wären. Ein Kronritter, schön und gut... doppelt und dreifach hielt besser.
"Ich überlasse das Wohlergehen des von mir geliebten Menschen Euch, Sir Calamdor." "Und nicht alleine dir. Wehe, da geht was schief."
"Danke", fügte sie noch leiser und bedächtig hinzu. Dank. Das war wichtig.
"Ich erwarte, dass Ihr Eurer Pflicht als Oberst nachkommt. Die Garde hat einen hohen Gefangenen zu verhören."
"Vor dem Zimmer werden zwei Gardisten postiert werden", sprach sie nun sachlich, als ginge es um irgendwen. Calamdor sollte auch wissen, daß er sich auf sie verlassen konnte.
"Doch tue ich kund, ein Verhör durch meine Perso...", im gleichen Augenblick sprach Calamdor:
"Ich führe Euch zu dem Gefangenen, der durch Euch zu verhören ist."
Sie hielt inne, furchte die Stirn. Er war vorhin doch nicht etwa blind gewesen? Plötzlich verlor sie völlig die Orientierung.
"Sire?"
"Oberst?"
"Es ist allgemein hinter den Formalitäten bekannt, wie der Oberleutnant und meine Person zueinander stehen, auch wenn sein Vorankommen in der Garde nie durch mich protegiert war", erklärte sie förmlich. Etwas, was sie sich auch nie verziehen hätte.
"Steht das in irgendwelchen Akten?"
Wollte er schlusig werden? Absichtlich gar? Unverzeihlich.
"Ihr tut Euch selber keinen Gefallen, wenn Ihr mich vorschiebt. Nein - mein Ruf steht auch in keiner Akte. Und ist trotzdem von Belang."
Das würde sie gnadenlos demontieren, wenn jetzt eine prekäre Situation durch persönliche... nein. Das konnte er nicht vorhaben, sich selbst so zu untergraben. "Und offen gestanden, weiß ich gerade nicht, was Ihr von mir erwartet."
Er musterte sie. "Dies ist kein notwendiges Opfer, Lady Darna. Naehe zu den Menschen die Ihr liebt stärkt Euch. Ich erwarte eine lückenlose Beschreibung für die Gründe seiner Flucht."
Sie begriff immer noch nicht:
"Ich kenne die Geschichte auch so, die er mir in der Kirche dieser Stadt eines Tages schonungslos beichtete und werde sicher nicht lügen. Er hat sich Verbrechen zuschulden kommen lassen, Sire. Verbrechen, die ganz ohne Probleme den Tod vor einem weltlichen Gericht bedeuten können."
Ob er langsam an dem steifen Fräulein verzweifelte wie manchmal Eileen?
"Ich gebe Euch die Gelegenheit, Zeit mit ihm zu verbringen. Es ist Eure Entscheidung, ob Ihr Euch selbst einmal diesen Luxus gönnt, ohne an die Taktik zu denken."
Er nahm sie noch weit mehr in Schutz, als sie erwartet hatte. Plötzlich lächelte sie, als diese Blockade weg war.
"Na endlich sprecht Ihr offen. Verzeihung, erwartet Ihr von einer geschockten Person noch, daß sie diplomatisch denkt?" Sie schüttelte zu sich selbst den Kopf, "Ich werde ihn verhören", mit knappen Nicken nun bestätigend.
"Wenn Ihr die letzten drei Jahre Eures Lebens mit dem Kronrat zubringt... dann erwartet Ihr sowas."
"Mein Beileid", meinte sie trocken.
"Ich führe Euch zum Gefangenen", meinte er förmlich.
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Andrey von Greifenbach
Ein Stein in der Mauer
Gestern bat Calamdor mich zu einem Gespräch in seine Räumlichkeiten. Ich habe dem mit gemischten Gefühlen entgegengesehen, denn trotz der mittlerweile ja bekannten Umstände hatte ich noch kein eigenes Bild darüber, inwiefern der Kronritter mit der Sache umzugehen gedachte.
Im Endeffekt war es kurz und schmerzlos. Wir haben ein offenes Gespräch geführt, und er hat seinen Standpunkt in einer so offenen Art und Weise dargelegt, wie man es im allgemeinen kaum von einem Ritter der Krone, einem politischen Schlüsseldreher, erwarten würde.
"Man wirft euch Hochverrat zur Last. Nicht Mord."
In Anbetracht dessen, dass es im rechtlichen Sinne tatsächlich Mord war, der mit heute auf der Seele lastet, eigentlich eine positive Nachricht. Auch wenn es sozusagen eine Affektsituation war, weiss ich die Sprache meines Gewissens zu verstehen.
Eigentlich. Denn Mord hin oder her, die Anklage auf Hochverrat steht weiterhin, und die Strafe ändert sich nicht einmal im Ansatz durch den Wegfall eines Vorwurfs. Hochverrat bleibt also Hochverrat und ist mit dem Tode zu bestrafen.
Wenn nicht....
"Die Motive dieser Anklage sind Falsche und Vorgeschobene."
So korrekt, denn wie wir ja bereits festgestellt haben, ist die Anklage und damit mein beabsichtigtes Ableben ....
"Euer Tod würde das Königreich schwächen. Deswegen kann und werde ich dies nicht zulassen. Euer Tod würde Lady Darna schwächen. Lady Darna`s Schwäche würde Adrian von Hohenfels umbringen, und Sir Adrians Tod bedingt das Aussterben der königlichen Erblinie."
nur der Anfang. Treffender hätte man es nicht beschreiben können. Der Stein, der bei Entfernung die Mauer zum Einstürzen bringen wird.
Notfalls werden Sir Calamdor und Sir Rafael Einspruch gegen das Urteil einlegen. Da beide der Krone in ihrer Position dienen, scheint es einen machtvollen Eingriff in die Weltlichkeit darzustellen, wenn sie dazu imstande sind.
Auch wenn ich das Gefühl habe, dieser Einsatz bezeugt sich nicht im Geringsten dadurch, dass ihm mein Leben lebenswert ist, sondern es eben um mehr geht, wodurch mein Leben erforderlich ist, bin ich ihm zu tiefster Dankbarkeit verpflichtet. Ich stehe in seiner Schuld, oder wie er sagte, in der Schuld der Krone, und ich gedenke, diese Schuld mit all meinen Mitteln einzulösen, so sich mir die Situation dafür auftut.
Nunja.. dummerweise hing da noch etwas in der Luft. Ich hatte einen Kronritter zum Duell gefordert.. und das stand noch offen.
Die Ehre erfordert es, dass das Duell durchgeführt wird, das war uns beiden klar. Beiden klar war dazu natürlich auch der Ausgang, denn auch wenn ich als Oberleutnant und Beteiligter in aktiven Kampfeinsätzen sicherlich nicht gerade zu den Leuten gehöre, die nicht wissen, wie eine Klinge zu halten ist, ist Sir Calamdor ein _Kronritter_.
"Vor der Stadt? Schnell und aufs erste Blut?"
Natürlich würde es schnell gehen. Und genau dies war entscheidend, denn es stand für Beide fest, dass dieses Duell eher einen etikettenhaften Charakter haben sollte, als dass es wahrlich ernstzunehmen sei.
Selissa, Darnas Knappin, hatte sich bereit erklärt, den notwendigen Posten des Zeugen einzunehmen, und so gingen wir vor die Stadt.
Es ging wirklich schnell. Nach dem obligatorischen Schlagabtausch, der rein dazu diente, dem Auge etwas zu bieten, begann der "Kampf".
Dieser bestand konkret aus genau einem, gezielt und nahezu übermenschlich schnellem Hieb seiner Klinge, welche in Fertigung und Schliff alles übertraf, was ich bis dato gesehen habe. Sie fuhr, ohne dass ich eine Abwehr auch nur im Ansatz hätte aufstellen können, gezielt in das Lederscharnier meiner linken Ellbeuge und ritzte die Haut darunter nahezu zart.
Die Klinge war heiß, ein rötlicher Schein umgab sie auf einmal, und so spürte ich, wie die Wunde im gleichen Zuge geschnitten wurde,aber wieder zubrannte.
Ich trage jetzt eine feine Brandnarbe, die mich immer an dieses Ereignis erinnern wird. Die Wunde indes hat Calamdor mit vollster Absicht genau so herbeigeführt. Ich wurde nicht wirklich wesentlich verletzt, das Duell war hiermit beendet, die Ehre wieder hergestellt. Was wollten wir mehr?
Selissa hatte zwar zu Angang leichte Probleme, das erste Blut anzuerkennen, denn sie war offensichtlich krank und begann bereits während des Duell zu schwächeln, aber auch hier zeigte sich, das Sire Calamdor offensichtlich für alles eine Lösung parat hat. Selissa erhielt von ihm einen Trank, der ihren körperlichen und geistigen Zustand wieder einigermaßen verbesserte.
Hätte sodann seine Aussage, er verzichte auf die Erfüllung der mit dem Duell einhergehenden Forderungen, mir nicht die letzten Zweifel über seine Ehre geraubt, wäre es wohl der Satz gewesen, mit dem wir uns trennten.
"Ihr findet den Weg in euer Gemach sicher selbst, Hochwürden?"
Natürlich würde ich das. Und genausogut hätte er sagen können...
"Hochgeboren von Eirensee, ihr könnt mich mal am Arsch lecken."
Gestern bat Calamdor mich zu einem Gespräch in seine Räumlichkeiten. Ich habe dem mit gemischten Gefühlen entgegengesehen, denn trotz der mittlerweile ja bekannten Umstände hatte ich noch kein eigenes Bild darüber, inwiefern der Kronritter mit der Sache umzugehen gedachte.
Im Endeffekt war es kurz und schmerzlos. Wir haben ein offenes Gespräch geführt, und er hat seinen Standpunkt in einer so offenen Art und Weise dargelegt, wie man es im allgemeinen kaum von einem Ritter der Krone, einem politischen Schlüsseldreher, erwarten würde.
"Man wirft euch Hochverrat zur Last. Nicht Mord."
In Anbetracht dessen, dass es im rechtlichen Sinne tatsächlich Mord war, der mit heute auf der Seele lastet, eigentlich eine positive Nachricht. Auch wenn es sozusagen eine Affektsituation war, weiss ich die Sprache meines Gewissens zu verstehen.
Eigentlich. Denn Mord hin oder her, die Anklage auf Hochverrat steht weiterhin, und die Strafe ändert sich nicht einmal im Ansatz durch den Wegfall eines Vorwurfs. Hochverrat bleibt also Hochverrat und ist mit dem Tode zu bestrafen.
Wenn nicht....
"Die Motive dieser Anklage sind Falsche und Vorgeschobene."
So korrekt, denn wie wir ja bereits festgestellt haben, ist die Anklage und damit mein beabsichtigtes Ableben ....
"Euer Tod würde das Königreich schwächen. Deswegen kann und werde ich dies nicht zulassen. Euer Tod würde Lady Darna schwächen. Lady Darna`s Schwäche würde Adrian von Hohenfels umbringen, und Sir Adrians Tod bedingt das Aussterben der königlichen Erblinie."
nur der Anfang. Treffender hätte man es nicht beschreiben können. Der Stein, der bei Entfernung die Mauer zum Einstürzen bringen wird.
Notfalls werden Sir Calamdor und Sir Rafael Einspruch gegen das Urteil einlegen. Da beide der Krone in ihrer Position dienen, scheint es einen machtvollen Eingriff in die Weltlichkeit darzustellen, wenn sie dazu imstande sind.
Auch wenn ich das Gefühl habe, dieser Einsatz bezeugt sich nicht im Geringsten dadurch, dass ihm mein Leben lebenswert ist, sondern es eben um mehr geht, wodurch mein Leben erforderlich ist, bin ich ihm zu tiefster Dankbarkeit verpflichtet. Ich stehe in seiner Schuld, oder wie er sagte, in der Schuld der Krone, und ich gedenke, diese Schuld mit all meinen Mitteln einzulösen, so sich mir die Situation dafür auftut.
Nunja.. dummerweise hing da noch etwas in der Luft. Ich hatte einen Kronritter zum Duell gefordert.. und das stand noch offen.
Die Ehre erfordert es, dass das Duell durchgeführt wird, das war uns beiden klar. Beiden klar war dazu natürlich auch der Ausgang, denn auch wenn ich als Oberleutnant und Beteiligter in aktiven Kampfeinsätzen sicherlich nicht gerade zu den Leuten gehöre, die nicht wissen, wie eine Klinge zu halten ist, ist Sir Calamdor ein _Kronritter_.
"Vor der Stadt? Schnell und aufs erste Blut?"
Natürlich würde es schnell gehen. Und genau dies war entscheidend, denn es stand für Beide fest, dass dieses Duell eher einen etikettenhaften Charakter haben sollte, als dass es wahrlich ernstzunehmen sei.
Selissa, Darnas Knappin, hatte sich bereit erklärt, den notwendigen Posten des Zeugen einzunehmen, und so gingen wir vor die Stadt.
Es ging wirklich schnell. Nach dem obligatorischen Schlagabtausch, der rein dazu diente, dem Auge etwas zu bieten, begann der "Kampf".
Dieser bestand konkret aus genau einem, gezielt und nahezu übermenschlich schnellem Hieb seiner Klinge, welche in Fertigung und Schliff alles übertraf, was ich bis dato gesehen habe. Sie fuhr, ohne dass ich eine Abwehr auch nur im Ansatz hätte aufstellen können, gezielt in das Lederscharnier meiner linken Ellbeuge und ritzte die Haut darunter nahezu zart.
Die Klinge war heiß, ein rötlicher Schein umgab sie auf einmal, und so spürte ich, wie die Wunde im gleichen Zuge geschnitten wurde,aber wieder zubrannte.
Ich trage jetzt eine feine Brandnarbe, die mich immer an dieses Ereignis erinnern wird. Die Wunde indes hat Calamdor mit vollster Absicht genau so herbeigeführt. Ich wurde nicht wirklich wesentlich verletzt, das Duell war hiermit beendet, die Ehre wieder hergestellt. Was wollten wir mehr?
Selissa hatte zwar zu Angang leichte Probleme, das erste Blut anzuerkennen, denn sie war offensichtlich krank und begann bereits während des Duell zu schwächeln, aber auch hier zeigte sich, das Sire Calamdor offensichtlich für alles eine Lösung parat hat. Selissa erhielt von ihm einen Trank, der ihren körperlichen und geistigen Zustand wieder einigermaßen verbesserte.
Hätte sodann seine Aussage, er verzichte auf die Erfüllung der mit dem Duell einhergehenden Forderungen, mir nicht die letzten Zweifel über seine Ehre geraubt, wäre es wohl der Satz gewesen, mit dem wir uns trennten.
"Ihr findet den Weg in euer Gemach sicher selbst, Hochwürden?"
Natürlich würde ich das. Und genausogut hätte er sagen können...
"Hochgeboren von Eirensee, ihr könnt mich mal am Arsch lecken."
Zuletzt geändert von Andrey von Greifenbach am Sonntag 3. Juni 2007, 02:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Andrey von Greifenbach
Ende mit Schrecken oder doch ein Schrecken ohne Ende?
Trotz meines recht langen Aufenthaltes im Schloß kam die Eskorte, welche mich in den Ratssaal führen sollte, doch recht unerwartet.
Hudgarr und Endurael kamen in Begleitung Sire Calamdors in das Schloss, um mich abzuholen.
Eigentlich hätte ich wissen müssen, was mich erwartet. Aber dennoch, die Verhandlung war noch perfider, noch _falscher_ als ich mir ausgemalt hatte.
Ein minimaler Zuschauerkreis: Auf der Richterbank Sir Calamdor, Sir Rafael, Richter de Dynal und der Truchsess, als Zuschauer Darna, Hauptmann Vadebor und Ritter Thelor. Natürlich.. eine solche Farce blieb sie umso sicherer, umso weniger Zuschauer allzuviel darüber nachdenken konnten.
***
"Als ich damals das Lehen von Greifenbach verliess, zwangen mich bestimmte Umstände zu diesem Beschluss. Das Lehen unterlag einer revolutionären Bewegung, deren Ursprung wohl in der zweifelhaften Art und Weise der Führung meines Vaters, Günther von Greifenbach, zu begründen ist."
Alles soweit richtig. Calamdor fing den Ball auf und spielte:
"Ihr schlugt diesen Aufstand in eurer Position als Titelherr nieder."
Das war eine Feststellung, und damit war dieses Thema vom Tisch. Natürlich hatte ich den Aufstand irgendwie.. niedergeschlagen. Aber das Wie und Warum.. Eine Sache, die mich bis zum Ende meines Lebens begleiten wird. Die Anklage auf Mord war zwar de facto nicht gegeben, aber fand sich in genau dieser Aussage gewissermassen wieder. Eine prekäre Situation, eigentlich wie die ganze Verhandlung, aber in dem Moment, wo Calamdor diese Worte aussprach... Alles verblasste für mich in einem kurzen Moment, in welchem ich wie sooft schon von den plagenden Erinnerungen beinahe übermannt wurde. Weggewischt, in einem Satz. Beiläufig in geschickten Worten verpackt und zur Kenntnis genommen. Das wars.
Himmel. Jeder halbwegs rechtschaffende Mensch würde dabei laut aufschreien und mit der Armbrust der Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit Amok laufen. Leider war es weder mir, noch Calamdor, noch sonst jemandem Eingeweihten möglich, diesem Trieb nachzugehen. Das Resultat wäre ein politisches Massaker. Also musste das Spiel weitergeführt werden, hin- und hergerissen zwischen Gerechtigkeit und Notwendigkeit.
"Wie steht ihr heute zu eurem Lehen und den vergangenen Taten, Hochgeboren?
Was geschehen ist, ist geschehen, was soll ich mehr dazu sagen. Meine Versicherungen, mein Wille, alles zu tun, um dem königlichen Reich gerecht zu werden und meine von Geburt an auferlegten Pflichten wieder aufzunehmen, sind wahrhaftig... echt .. stark. Ich bin schliesslich auch nicht zur Garde gegangen, weil es mir Spaß macht Menschen zu hintergehen oder andere zweifelhafte Dinge vor dem Antlitz der Tochter zu meinem Lebensinhalt zu machen. Später sagte Baron Adrevan von Ravenforth, dass die Last auf den Schultern nicht weniger wird, wenn man unentwegt die Dinge der Vergangenheit reut. Stattdessen solle man sie in Zukunft nicht nochmals wiederholen, um sich von der Schwere nicht noch mehr zu Boden drücken zu lassen.
Weise Worte waren das, in der Tat. Aber ganz so einfach ist es leider nicht immer, ich denke, ich weiss wovon ich rede.
Das Spiel ging noch eine ganze Weile so weiter, und es wurde nicht unbedingt angenehmer für alle Beteiligten. Wir bewegten uns permanent auf einer Grenzlinie, und manches Mal haben wir sie wohl auch dezent übertreten. Schnell könnte man sagen, diese Verhandlung war nicht nur eine Farce, sie war eine ganz große Lüge.
Adrian stellte einen generell stets möglichen Unterschied fest, indem er sagte, dass Worte, die situationsbedingt sehr geschickt gewählt werden müssten, schnell in der Schublade "Lug und Trug" verschwinden können. Vielleicht sind sie für Zuhörer auch andersdeutig, obwohl jeder Involvierte sie genau so versteht, wie sie gemeint sind.
In genau diesem Sinne kam dann irgendwann Adrians Frage. Grenzen übertreten?
Achwas.
Fallen wir doch gleich mit einer geballten Streitmacht ins Feindesland ein:
"Freiherr von Greifenbach, wann und auf welche Weise gedachtet ihr eure Pflichten vor dem Reich und die Offenlegung eures Standes kenntlich zu machen, wäre nicht die Anklage euch nun zuvorgekommen?"
Adrians Gründe für diese Frage könnten vielfältig sein, aber wenn ich den Truchsess richtig einschätze, dann war sie wirklich einfach nur in seiner Ehrlichkeit, seinem Bedürfnis nach Gerechtigkeit und dem Willen, das Beste und Ehrbarste aus der Situation aber auch aus mir selbst herauszufischen, begründet.
"Es... hätte vermutlich nicht mehr allzulange auf sich warten lassen."
Ich habe noch viele andere Dinge dazu gesagt.. Ich würde ein Schreiben an den Kronrat aufsetzen, ich würde meinen Willen bekünden, meine Fehler in der Vergangenheit wiedergutmachen wollen.. So viel, was ich würde machen.
Natürlich.. irgendwas. Niemand ist in der Lage, meine Situation... die Hürden meines Lebens zu verstehen. Niemand kann sich auch nur im Ansatz vorstellen, was es für mich bedeutet, überhaupt auf solche Fragen antworten zu müssen. Niemand.
Darna bezeichnete mich später als Opportunisten. Als jemanden, der, hätte er nicht die Absolution der Heiligkeit selbst erhalten, ebensogut auch nach Rahal hätte gehen können, vielleicht um dem Alka dort die Schuhe zu putzen. Als jemanden, der Gleichgültigkeit der Gerechtigkeit vorziehe.
Jedes einzelne ihrer Worte traf mich so gesehen wie ein Schwertstreich. Er hätte nicht verletzender sein können, muss ich doch feststellen, dass sie, die mich noch am Besten von allen kennen sollte, bereit ist solche Dinge zu sagen.
Sie selbst war ein Teil dieses Theaterspiels. Sie selbst musste ebenso gut wie ich wissen, dass dieses Spiel notwendig war, um viel mehr zu retten als "nur" mein Leben. Dabei war es unwichtig, dass Opportunismus und Kompromissbereitschaft für mich 2 verschiedene Dinge sind. Es war unwichtig, dass allein die Frage nach der Wahrhaftigkeit meines Bestrebens mir heisse Nadeln in das Herz bohrte. Sie denkt tatsächlich, für mich wäre es kein wirkliches Problem, einfach immer so weitergelebt zu haben, wäre die Anklage nicht gekommen.
Ich kann nicht anders denken. Alles muss ihr unwichtig gewesen sein im Antlitz ihrer eigenen Ideale. Wenn sie sooft in meine Augen gesehen hat, drängt sich mir der Einruck auf, sie muss neben dem einen Auge, welches mich vielleicht als Mensch sah, ein Monokel auf dem anderen Auge gehabt haben, was rußgeschwärzt dafür Sorge trägt, dass ihre persönlichen Ideale und ihre Vernunft ja nicht durch den Anblick meiner Person geschädigt werden.
Gestern wusch der Regen das Monokel frei. Ideale passen nicht zu subjektiv irrtümlichem Opportunismus, Vernunft passt nicht zu Liebe.
Und so sind all meine Beteuerungen, all mein Streben, unerkannt. Der Abgrund der Vernunft verschlingt sogar die Fähigkeit der Liebe, Dinge zu erkennen, die da sind, obwohl man sie nicht auf den ersten Blick sehen kann.
***
"Im 250. Jahr, am 13. der Schwalbenkunft, wure beschieden dass Hochgeboren Andrey Freiherr von Greifenbach den ihn gegenüber gebrachten Anschuldigungen als Unschuldig anzusehen ist."
Alles was mir bleibt, verblasst im Schatten dessen, was mir genommen wird.
Trotz meines recht langen Aufenthaltes im Schloß kam die Eskorte, welche mich in den Ratssaal führen sollte, doch recht unerwartet.
Hudgarr und Endurael kamen in Begleitung Sire Calamdors in das Schloss, um mich abzuholen.
Eigentlich hätte ich wissen müssen, was mich erwartet. Aber dennoch, die Verhandlung war noch perfider, noch _falscher_ als ich mir ausgemalt hatte.
Ein minimaler Zuschauerkreis: Auf der Richterbank Sir Calamdor, Sir Rafael, Richter de Dynal und der Truchsess, als Zuschauer Darna, Hauptmann Vadebor und Ritter Thelor. Natürlich.. eine solche Farce blieb sie umso sicherer, umso weniger Zuschauer allzuviel darüber nachdenken konnten.
***
"Als ich damals das Lehen von Greifenbach verliess, zwangen mich bestimmte Umstände zu diesem Beschluss. Das Lehen unterlag einer revolutionären Bewegung, deren Ursprung wohl in der zweifelhaften Art und Weise der Führung meines Vaters, Günther von Greifenbach, zu begründen ist."
Alles soweit richtig. Calamdor fing den Ball auf und spielte:
"Ihr schlugt diesen Aufstand in eurer Position als Titelherr nieder."
Das war eine Feststellung, und damit war dieses Thema vom Tisch. Natürlich hatte ich den Aufstand irgendwie.. niedergeschlagen. Aber das Wie und Warum.. Eine Sache, die mich bis zum Ende meines Lebens begleiten wird. Die Anklage auf Mord war zwar de facto nicht gegeben, aber fand sich in genau dieser Aussage gewissermassen wieder. Eine prekäre Situation, eigentlich wie die ganze Verhandlung, aber in dem Moment, wo Calamdor diese Worte aussprach... Alles verblasste für mich in einem kurzen Moment, in welchem ich wie sooft schon von den plagenden Erinnerungen beinahe übermannt wurde. Weggewischt, in einem Satz. Beiläufig in geschickten Worten verpackt und zur Kenntnis genommen. Das wars.
Himmel. Jeder halbwegs rechtschaffende Mensch würde dabei laut aufschreien und mit der Armbrust der Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit Amok laufen. Leider war es weder mir, noch Calamdor, noch sonst jemandem Eingeweihten möglich, diesem Trieb nachzugehen. Das Resultat wäre ein politisches Massaker. Also musste das Spiel weitergeführt werden, hin- und hergerissen zwischen Gerechtigkeit und Notwendigkeit.
"Wie steht ihr heute zu eurem Lehen und den vergangenen Taten, Hochgeboren?
Was geschehen ist, ist geschehen, was soll ich mehr dazu sagen. Meine Versicherungen, mein Wille, alles zu tun, um dem königlichen Reich gerecht zu werden und meine von Geburt an auferlegten Pflichten wieder aufzunehmen, sind wahrhaftig... echt .. stark. Ich bin schliesslich auch nicht zur Garde gegangen, weil es mir Spaß macht Menschen zu hintergehen oder andere zweifelhafte Dinge vor dem Antlitz der Tochter zu meinem Lebensinhalt zu machen. Später sagte Baron Adrevan von Ravenforth, dass die Last auf den Schultern nicht weniger wird, wenn man unentwegt die Dinge der Vergangenheit reut. Stattdessen solle man sie in Zukunft nicht nochmals wiederholen, um sich von der Schwere nicht noch mehr zu Boden drücken zu lassen.
Weise Worte waren das, in der Tat. Aber ganz so einfach ist es leider nicht immer, ich denke, ich weiss wovon ich rede.
Das Spiel ging noch eine ganze Weile so weiter, und es wurde nicht unbedingt angenehmer für alle Beteiligten. Wir bewegten uns permanent auf einer Grenzlinie, und manches Mal haben wir sie wohl auch dezent übertreten. Schnell könnte man sagen, diese Verhandlung war nicht nur eine Farce, sie war eine ganz große Lüge.
Adrian stellte einen generell stets möglichen Unterschied fest, indem er sagte, dass Worte, die situationsbedingt sehr geschickt gewählt werden müssten, schnell in der Schublade "Lug und Trug" verschwinden können. Vielleicht sind sie für Zuhörer auch andersdeutig, obwohl jeder Involvierte sie genau so versteht, wie sie gemeint sind.
In genau diesem Sinne kam dann irgendwann Adrians Frage. Grenzen übertreten?
Achwas.
Fallen wir doch gleich mit einer geballten Streitmacht ins Feindesland ein:
"Freiherr von Greifenbach, wann und auf welche Weise gedachtet ihr eure Pflichten vor dem Reich und die Offenlegung eures Standes kenntlich zu machen, wäre nicht die Anklage euch nun zuvorgekommen?"
Adrians Gründe für diese Frage könnten vielfältig sein, aber wenn ich den Truchsess richtig einschätze, dann war sie wirklich einfach nur in seiner Ehrlichkeit, seinem Bedürfnis nach Gerechtigkeit und dem Willen, das Beste und Ehrbarste aus der Situation aber auch aus mir selbst herauszufischen, begründet.
"Es... hätte vermutlich nicht mehr allzulange auf sich warten lassen."
Ich habe noch viele andere Dinge dazu gesagt.. Ich würde ein Schreiben an den Kronrat aufsetzen, ich würde meinen Willen bekünden, meine Fehler in der Vergangenheit wiedergutmachen wollen.. So viel, was ich würde machen.
Natürlich.. irgendwas. Niemand ist in der Lage, meine Situation... die Hürden meines Lebens zu verstehen. Niemand kann sich auch nur im Ansatz vorstellen, was es für mich bedeutet, überhaupt auf solche Fragen antworten zu müssen. Niemand.
Darna bezeichnete mich später als Opportunisten. Als jemanden, der, hätte er nicht die Absolution der Heiligkeit selbst erhalten, ebensogut auch nach Rahal hätte gehen können, vielleicht um dem Alka dort die Schuhe zu putzen. Als jemanden, der Gleichgültigkeit der Gerechtigkeit vorziehe.
Jedes einzelne ihrer Worte traf mich so gesehen wie ein Schwertstreich. Er hätte nicht verletzender sein können, muss ich doch feststellen, dass sie, die mich noch am Besten von allen kennen sollte, bereit ist solche Dinge zu sagen.
Sie selbst war ein Teil dieses Theaterspiels. Sie selbst musste ebenso gut wie ich wissen, dass dieses Spiel notwendig war, um viel mehr zu retten als "nur" mein Leben. Dabei war es unwichtig, dass Opportunismus und Kompromissbereitschaft für mich 2 verschiedene Dinge sind. Es war unwichtig, dass allein die Frage nach der Wahrhaftigkeit meines Bestrebens mir heisse Nadeln in das Herz bohrte. Sie denkt tatsächlich, für mich wäre es kein wirkliches Problem, einfach immer so weitergelebt zu haben, wäre die Anklage nicht gekommen.
Ich kann nicht anders denken. Alles muss ihr unwichtig gewesen sein im Antlitz ihrer eigenen Ideale. Wenn sie sooft in meine Augen gesehen hat, drängt sich mir der Einruck auf, sie muss neben dem einen Auge, welches mich vielleicht als Mensch sah, ein Monokel auf dem anderen Auge gehabt haben, was rußgeschwärzt dafür Sorge trägt, dass ihre persönlichen Ideale und ihre Vernunft ja nicht durch den Anblick meiner Person geschädigt werden.
Gestern wusch der Regen das Monokel frei. Ideale passen nicht zu subjektiv irrtümlichem Opportunismus, Vernunft passt nicht zu Liebe.
Und so sind all meine Beteuerungen, all mein Streben, unerkannt. Der Abgrund der Vernunft verschlingt sogar die Fähigkeit der Liebe, Dinge zu erkennen, die da sind, obwohl man sie nicht auf den ersten Blick sehen kann.
***
"Im 250. Jahr, am 13. der Schwalbenkunft, wure beschieden dass Hochgeboren Andrey Freiherr von Greifenbach den ihn gegenüber gebrachten Anschuldigungen als Unschuldig anzusehen ist."
Alles was mir bleibt, verblasst im Schatten dessen, was mir genommen wird.
Zuletzt geändert von Andrey von Greifenbach am Donnerstag 14. Juni 2007, 23:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Darna von Hohenfels
Without a trace
Als Zyran Mondin vor ihr stand, sah sie ihn an wie ein Gespenst. Eben noch hatte sie ihm das Paket mit der Kleidung in die Hand gedrückt und hatte auf der Terasse gestanden, als er fertig war. Ihre Mimik gefror erst in Verblüffung, dann war für den Gast des Hauses das erste Mal zu sehen, wie die Narben im Gesicht sich zu vertiefen schienen, der Ausdruck grimmig, finster wurde... den Charme einer gereizten Würgeschlange versprühend.
"Das hat sie nicht gewusst, oder?" - Julie Lescath. Nein, sie konnte es nicht gewusst haben. Woher auch? Hofschneiderin hin oder her, das wäre wahrlich zuviel des Guten. Trotzdem schlug der Ärger Wellen, eine Ablehnung, die Zyran falsch deutete... woher sollte er auch wissen?
Julie hatte für zwei Sätze Alltagskleidung selber Farben aussuchen sollen, Zyran hatte um irgendwas mit hellem Blau gebeten - und nun stand er vor ihr und hatte fast exakt die Hausfarben seiner Hochgeboren Andrey von Greifenbach. Aber woher hätte er das wissen sollen?
Zyran ging wieder nach unten, den zweiten Satz Kleidung anzuziehen... und oben brachen die Dämme. Die Arme auf dem Brunnenrand und die Stirn darauf gelegt weinte sie auf der Terasse. Wäre Zyran nochmal hochgekommen, sie hätte ihm wohl nur ein "Raus!" entgegengeschrien, doch es war Savea, die still einige Taschentücher neben sie legte und einen Umhang über ihre Schultern breitete, leise wieder ging - inzwischen war aus wenigsten Begebenheiten die Lehre gezogen, wie schwer Darna sich damit tat, Trost anzunehmen.
Der Blick in den Spiegel später erschreckte sie. "Himmel, ich seh aus..."
"Das bleibt nicht aus, wenn es ins Gesicht regnet, Milady."
Ins Gesicht regnet... sie lächelte kurz gequält. Es würde sich nie ändern, daß sie immer stark sein wollte. Genug, die auf sie eingeredet hatten, von Gefühlen erzählten, erlaubbarer Schwäche, und ihre Grenze war weit und eng zugleich. Sie schämte sich ihrer Tränen nicht, doch würde sie vor niemand auch nur halbwegs Fremde so treten. Allein die Plötzlichkeit heute überraschte sie.
"Vorhin noch habe ich Magister Ravenor die Sachen gebracht... warum erschütterte mich das auf einmal so, ihn in Andreys Farben zu sehen?"
Dunkelblau wie der nächtliche Himmel und hellblau wie eine vom Mond beschienene Wolke... der Stolz, mit dem er diese Farben wieder getragen hatte... schon der Gedanke versetzte ihr den nächsten Stich.
"Weil Ihr nicht immer und immer nur schlucken könnt, Milady", erwiderte Savea leise, fast ungewohnt sanft.
Ohne eine Spur war Andrey verschwunden. Der einzige Mensch, den sie so liebte. Mit verheultem Gesicht sah sie in den Spiegel, sah sich und ein Meer...
Als Zyran Mondin vor ihr stand, sah sie ihn an wie ein Gespenst. Eben noch hatte sie ihm das Paket mit der Kleidung in die Hand gedrückt und hatte auf der Terasse gestanden, als er fertig war. Ihre Mimik gefror erst in Verblüffung, dann war für den Gast des Hauses das erste Mal zu sehen, wie die Narben im Gesicht sich zu vertiefen schienen, der Ausdruck grimmig, finster wurde... den Charme einer gereizten Würgeschlange versprühend.
"Das hat sie nicht gewusst, oder?" - Julie Lescath. Nein, sie konnte es nicht gewusst haben. Woher auch? Hofschneiderin hin oder her, das wäre wahrlich zuviel des Guten. Trotzdem schlug der Ärger Wellen, eine Ablehnung, die Zyran falsch deutete... woher sollte er auch wissen?
Julie hatte für zwei Sätze Alltagskleidung selber Farben aussuchen sollen, Zyran hatte um irgendwas mit hellem Blau gebeten - und nun stand er vor ihr und hatte fast exakt die Hausfarben seiner Hochgeboren Andrey von Greifenbach. Aber woher hätte er das wissen sollen?
Zyran ging wieder nach unten, den zweiten Satz Kleidung anzuziehen... und oben brachen die Dämme. Die Arme auf dem Brunnenrand und die Stirn darauf gelegt weinte sie auf der Terasse. Wäre Zyran nochmal hochgekommen, sie hätte ihm wohl nur ein "Raus!" entgegengeschrien, doch es war Savea, die still einige Taschentücher neben sie legte und einen Umhang über ihre Schultern breitete, leise wieder ging - inzwischen war aus wenigsten Begebenheiten die Lehre gezogen, wie schwer Darna sich damit tat, Trost anzunehmen.
Der Blick in den Spiegel später erschreckte sie. "Himmel, ich seh aus..."
"Das bleibt nicht aus, wenn es ins Gesicht regnet, Milady."
Ins Gesicht regnet... sie lächelte kurz gequält. Es würde sich nie ändern, daß sie immer stark sein wollte. Genug, die auf sie eingeredet hatten, von Gefühlen erzählten, erlaubbarer Schwäche, und ihre Grenze war weit und eng zugleich. Sie schämte sich ihrer Tränen nicht, doch würde sie vor niemand auch nur halbwegs Fremde so treten. Allein die Plötzlichkeit heute überraschte sie.
"Vorhin noch habe ich Magister Ravenor die Sachen gebracht... warum erschütterte mich das auf einmal so, ihn in Andreys Farben zu sehen?"
Dunkelblau wie der nächtliche Himmel und hellblau wie eine vom Mond beschienene Wolke... der Stolz, mit dem er diese Farben wieder getragen hatte... schon der Gedanke versetzte ihr den nächsten Stich.
"Weil Ihr nicht immer und immer nur schlucken könnt, Milady", erwiderte Savea leise, fast ungewohnt sanft.
Ohne eine Spur war Andrey verschwunden. Der einzige Mensch, den sie so liebte. Mit verheultem Gesicht sah sie in den Spiegel, sah sich und ein Meer...
Zuletzt geändert von Darna von Hohenfels am Donnerstag 13. September 2007, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Aldred Ravenor
Magie kann viel bewirken. Das weiß alle Welt, doch wenn die Menschen an Dir vorbeigehen, sehen sie nur die Robe, die Macht. Manche fürchten sich, anderen steht die Abneigung ins Gesicht geschrieben. Den einen zittern die Knie, den anderen kommt die Galle hoch. Kaum einer, der nicht eine Meinung hat, und bei nur wenigen ist es eine gute, wenn es um Magier geht.
Rechtfertigte das Verhalten der Generationen von Magiern diese Reaktionen? Er hatte viel darüber nachgedacht und war noch am Schwanken, ob er diesen Vorurteilen gleichgültig entgegentreten sollte. Oder ob er all diese Menschen in ihren Vorurteilen bestätigen sollte. Wenn sie nur das schlechteste von ihm erwarteten, konnten sie gerne auch nur das bekommen.
Doch noch war er am Schwanken. Die Freiherrin von Elbenau kannte er, hatten sie sich doch vor ein paar Wochen zufällig getroffen und noch ein Gläschen im Wirtshaus zu sich genommen. Sie gehörte auch zu jenen mit Vorurteilen. Was ihn für sie einnahm war, dass sie imstande war, diese Vorurteile beiseite zu schieben und dem Magier tatsächlich eine Chance geben wollte, wenn man es so ausdrücken mochte.
Aldred hatte schon vergessen, wie genau sie darauf gekommen waren, doch beim nächsten Aufeinandertreffen interessierte sie sich furchtbar für seine Magie. Und ja, das tat ihm gut. Er freute sich immer, wenn jemand nach Magie fragte und erteilte bereitwillig Auskunft. Ja, es war möglich, Menschen über eine Distanz im Lied auszumachen. Ja, es war auch möglich ganz bestimmte Menschen im Lied zu finden, sofern man deren Melodie, deren Signatur verinnerlicht hatte, die nunmal jedem Lebewesen zu eigen war. Das Lied der Eluive durchdrang alles. Das Lied war die Welt. Und jedes Lebewesen ein Teil davon. Ein Teil der großen allumfassenden Melodie.
Stück für Stück rückte sie mit ihren Sorgen heraus. Die Freiherrin fasste sich kurz und brachte es schnell auf den Punkt. Sie vermisste jemanden. Andrey von Greifenbach. Dieser war anscheinend wie vom Erdboden verschluckt und ihr sehr lieb und teuer. Nein, ohne seine Melodie jemals vernommen zu haben, konnte eine Suche nach ihm keinen Erfolg bringen. Es sei denn....
Als sie die Gegenstände aufzählte, zeichnete sich ein schwacher Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Eine Schwertscheide, die ein Mann jahrelang tagtäglich bei sich trägt, konnte durchaus die Signatur dieses Mannes aufnehmen. Die Signatur eines Menschen - wie sein Geruch - konnte sich an Gegenständen festsetzen, wenn es auch sehr lange dauert und oft nur eine hauchdünne und kaum hörbare Spur hinterlässt. Doch war er bereit es zu versuchen. Nicht nur wegen der Belohnung, die er forderte, sondern auch um der Wissenschaft willen und um das Interesse der Freiherrin zu belohnen.
Sie brachte mehrere Gegenstände mit, doch wie sie beide sich schon gedacht hatten, bot lediglich die Schwertscheide Aussicht auf Erfolg. Den Hokus Pokus den er veranstaltete, der war etwas übertrieben, das musste er zugeben. Es wäre auch ohne Kerzen gegangen, ohne theatralische Gesten und ohne Lippenbewegungen. Doch er wusste, dass sie soetwas zum Teil erwartete und zudem wollte er sehen, wie weit ihre neue Toleranz wirklich ging. Wirklich echt war der Schweiß auf seiner Stirn und seine schwachen Knie als er fertig war. Der Erzmagier war sich selbst nicht sicher gewesen, doch er hatte die Signatur des von Greifenbach ausmachen, isolieren und sich einprägen können. Nun konnte und sollte er bald mit der Suche beginnen. Trotz der ihm innewohnenden Macht war seine Reichweite begrenzt, so dass er Gerimor mehrfach würde durchstreifen müssen. Es würde ihn wohl um die zwei Wochen kosten. Vielleicht sollte er den Scolaren de Luca mitnehmen, der ihm schon bei dem Ritual assistiert hatte. Gute Kinderstube, ausgezeichnete Manieren und gedankenschnell. Aus ihm konnte einmal etwas werden.
Die Freiherrin verließ die Academia diesen Abend mit neuer Hoffnung. Der von Greifenbach war ihm ziemlich egal, kannte er diesen doch noch nichtmal. Doch die Freude der Freiherrin brachte auch ihm Zufriedenheit. Oder war es nur, dass er seine Sache gut gemacht hatte? Und wieder setzte er sich hin und grübelte über seine Mitmenschen nach. Und wie er ihnen in Zukunft gegenübertreten sollte....
Rechtfertigte das Verhalten der Generationen von Magiern diese Reaktionen? Er hatte viel darüber nachgedacht und war noch am Schwanken, ob er diesen Vorurteilen gleichgültig entgegentreten sollte. Oder ob er all diese Menschen in ihren Vorurteilen bestätigen sollte. Wenn sie nur das schlechteste von ihm erwarteten, konnten sie gerne auch nur das bekommen.
Doch noch war er am Schwanken. Die Freiherrin von Elbenau kannte er, hatten sie sich doch vor ein paar Wochen zufällig getroffen und noch ein Gläschen im Wirtshaus zu sich genommen. Sie gehörte auch zu jenen mit Vorurteilen. Was ihn für sie einnahm war, dass sie imstande war, diese Vorurteile beiseite zu schieben und dem Magier tatsächlich eine Chance geben wollte, wenn man es so ausdrücken mochte.
Aldred hatte schon vergessen, wie genau sie darauf gekommen waren, doch beim nächsten Aufeinandertreffen interessierte sie sich furchtbar für seine Magie. Und ja, das tat ihm gut. Er freute sich immer, wenn jemand nach Magie fragte und erteilte bereitwillig Auskunft. Ja, es war möglich, Menschen über eine Distanz im Lied auszumachen. Ja, es war auch möglich ganz bestimmte Menschen im Lied zu finden, sofern man deren Melodie, deren Signatur verinnerlicht hatte, die nunmal jedem Lebewesen zu eigen war. Das Lied der Eluive durchdrang alles. Das Lied war die Welt. Und jedes Lebewesen ein Teil davon. Ein Teil der großen allumfassenden Melodie.
Stück für Stück rückte sie mit ihren Sorgen heraus. Die Freiherrin fasste sich kurz und brachte es schnell auf den Punkt. Sie vermisste jemanden. Andrey von Greifenbach. Dieser war anscheinend wie vom Erdboden verschluckt und ihr sehr lieb und teuer. Nein, ohne seine Melodie jemals vernommen zu haben, konnte eine Suche nach ihm keinen Erfolg bringen. Es sei denn....
Als sie die Gegenstände aufzählte, zeichnete sich ein schwacher Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Eine Schwertscheide, die ein Mann jahrelang tagtäglich bei sich trägt, konnte durchaus die Signatur dieses Mannes aufnehmen. Die Signatur eines Menschen - wie sein Geruch - konnte sich an Gegenständen festsetzen, wenn es auch sehr lange dauert und oft nur eine hauchdünne und kaum hörbare Spur hinterlässt. Doch war er bereit es zu versuchen. Nicht nur wegen der Belohnung, die er forderte, sondern auch um der Wissenschaft willen und um das Interesse der Freiherrin zu belohnen.
Sie brachte mehrere Gegenstände mit, doch wie sie beide sich schon gedacht hatten, bot lediglich die Schwertscheide Aussicht auf Erfolg. Den Hokus Pokus den er veranstaltete, der war etwas übertrieben, das musste er zugeben. Es wäre auch ohne Kerzen gegangen, ohne theatralische Gesten und ohne Lippenbewegungen. Doch er wusste, dass sie soetwas zum Teil erwartete und zudem wollte er sehen, wie weit ihre neue Toleranz wirklich ging. Wirklich echt war der Schweiß auf seiner Stirn und seine schwachen Knie als er fertig war. Der Erzmagier war sich selbst nicht sicher gewesen, doch er hatte die Signatur des von Greifenbach ausmachen, isolieren und sich einprägen können. Nun konnte und sollte er bald mit der Suche beginnen. Trotz der ihm innewohnenden Macht war seine Reichweite begrenzt, so dass er Gerimor mehrfach würde durchstreifen müssen. Es würde ihn wohl um die zwei Wochen kosten. Vielleicht sollte er den Scolaren de Luca mitnehmen, der ihm schon bei dem Ritual assistiert hatte. Gute Kinderstube, ausgezeichnete Manieren und gedankenschnell. Aus ihm konnte einmal etwas werden.
Die Freiherrin verließ die Academia diesen Abend mit neuer Hoffnung. Der von Greifenbach war ihm ziemlich egal, kannte er diesen doch noch nichtmal. Doch die Freude der Freiherrin brachte auch ihm Zufriedenheit. Oder war es nur, dass er seine Sache gut gemacht hatte? Und wieder setzte er sich hin und grübelte über seine Mitmenschen nach. Und wie er ihnen in Zukunft gegenübertreten sollte....
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Aldred Ravenor
Er hatte mit der Suche begonnen. Einiges an Vorbereitung war nötig gewesen. Zuerst einmal hatte er eine Karte von Gerimor besorgen müssen. Das war schon nicht so leicht wie gedacht. Anschließend hatte er – ganz logisch – die Insel in Planquadrate eingeteilt. So wie er die Sache und auch seine Macht einschätzte, würde er eine Reichweite von knappen 50 Metern haben, sofern er Keller und Höhlen mit einbeziehen wollte. Und dass er das musste, daran gab es wohl keinen Zweifel. Er hatte Lampenöl, die Lampe dazu sowie etwas Proviant und einen Kompass erstanden und war dann eines Tages losgezogen. Von Bajard aus. Eine feste Anzahl an Schritten ging er nach Osten, schwenkte dann um nach Norden und ging wieder zurück nach Westen, nur um bald wieder nach Norden einzuschwenken. Und immer so weiter... In rechteckigen Schlangenlinien sozusagen. Das schien ihm am sinnvollsten und er deckte innerhalb der ersten Tage ein recht ansehnliches Gebiet ab. Doch fand er nicht die leiseste Spur und so kehrte er für ein paar Tage nach Bajard zurück, um sich auszuruhen, seine Ausrüstung zu erneuern und mit frischem Mut bald wieder loszuziehen. Er hatte immerhin ein Versprechen abgegeben.
Da kam es ihm entgegen, dass der junge Scolar de Luca seine Unterstützung angeboten hatte. War das Herantreten an den Erzmagier doch etwas unüblich gewesen, zollte er dem guten Willen und dem Fleiß Respekt und ließ den Jungen mitkommen. Etwas Gesellschaft war auch nicht zu verachten. Und wer weiß, er könnte durchaus eine Hilfe sein. Wenn Aldred seine Suche fortsetzte, würde er den Scolaren mitnehmen. Auf ein Neues. Diesmal vielleicht mit mehr Glück.
Da kam es ihm entgegen, dass der junge Scolar de Luca seine Unterstützung angeboten hatte. War das Herantreten an den Erzmagier doch etwas unüblich gewesen, zollte er dem guten Willen und dem Fleiß Respekt und ließ den Jungen mitkommen. Etwas Gesellschaft war auch nicht zu verachten. Und wer weiß, er könnte durchaus eine Hilfe sein. Wenn Aldred seine Suche fortsetzte, würde er den Scolaren mitnehmen. Auf ein Neues. Diesmal vielleicht mit mehr Glück.
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Darna von Hohenfels
"...und die Welle kam, und nahm ihn mit fort."
Wortfetzen, ein unvollständiger Vers, der ihr manchmal durch die Gedanken geisterte. Tagelang konnte scheinbar nichts sein, und dann war da plötzlich wieder dieser dumpfe Stich in der Brust und die Melancholie. Manchmal konnte sie über Andrey einfach so sprechen, und dann reichte wieder nur eine vage Assoziation, um sie in Rage oder Trauer zu versetzen.
Die Gefühle stritten sich. Sie spürte, wie es aufhörte, sie zu schmerzen. Sie spürte, wie die Distanz wuchs. Sie begrüßte es und wehrte sich dagegen. Sie war erleichtert darüber und kam sich treulos und falsch vor. Gleichzeitig diese Ahnung, daß es wohl besser und gut so war, sie sich gegen die Bestätigung eines Verlustes wappnen musste.
Sie hatte einen Tag vor dem Kleiderschrank gestanden und den völlig absurden Wunsch gehabt, ein hübsches Kleid anzuziehen und sich schick zu machen - für was? Für wen? Es ärgerte sie, überhaupt einen so verwirrenden Wunsch zu verspüren.
Es war irgendwann mitten in einer der vielen Nächte, als sie es im Haus nicht mehr aushielt und zum Meer ging. So. Und was wollte sie jetzt hier? Wellen rollten ans Ufer und zogen sich sprudelnd wieder zurück... ächzend ließ sie sich fallen. Die Paladina hatte Pause, doch der Frau, die dann zum Vorschein kam, wollte sie nicht recht über den Weg trauen. Wieder war da ein Wust von Gefühlen. Sie sollte einfach Ruhe wahren. Doch sie vermisste die Nähe und Vertrautheit, die Andrey ihr gegeben hatte. Sie hatte keine Garantie, keinerlei Zeichen, daß er wiederkehren würde. Wie lange sollte sie warten?
"Wie kann ich so abscheulich sein und mir ... fast schon wünschen, daß er tot wäre?", hatte sie unter Tränen herausgebracht.
"Um die Gewißheit zu haben?" - es lag Verständnis darin. Die Verständnis eines Menschen, der schon ebenso gelitten hatte.
"Um nicht treulos sein zu müssen... weil ich... merke, wie ich loslasse."
Sie hatte kaum mehr Kraft übrig, für seine Rückkehr zu beten und einfach zu warten. Ein Kiesel fand am Strand in ihre Hand und frustriert schleuderte sie ihn mit aller Macht in die Fluten, eine gedankenlose, brefreiende Geste, noch im Flug sah sie ihm plötzlich nach - und Andrey? Ihn... "fortwerfen"?
Es tat zu weh, als daß sie nicht hätte weinen können.
Wortfetzen, ein unvollständiger Vers, der ihr manchmal durch die Gedanken geisterte. Tagelang konnte scheinbar nichts sein, und dann war da plötzlich wieder dieser dumpfe Stich in der Brust und die Melancholie. Manchmal konnte sie über Andrey einfach so sprechen, und dann reichte wieder nur eine vage Assoziation, um sie in Rage oder Trauer zu versetzen.
Die Gefühle stritten sich. Sie spürte, wie es aufhörte, sie zu schmerzen. Sie spürte, wie die Distanz wuchs. Sie begrüßte es und wehrte sich dagegen. Sie war erleichtert darüber und kam sich treulos und falsch vor. Gleichzeitig diese Ahnung, daß es wohl besser und gut so war, sie sich gegen die Bestätigung eines Verlustes wappnen musste.
Sie hatte einen Tag vor dem Kleiderschrank gestanden und den völlig absurden Wunsch gehabt, ein hübsches Kleid anzuziehen und sich schick zu machen - für was? Für wen? Es ärgerte sie, überhaupt einen so verwirrenden Wunsch zu verspüren.
Es war irgendwann mitten in einer der vielen Nächte, als sie es im Haus nicht mehr aushielt und zum Meer ging. So. Und was wollte sie jetzt hier? Wellen rollten ans Ufer und zogen sich sprudelnd wieder zurück... ächzend ließ sie sich fallen. Die Paladina hatte Pause, doch der Frau, die dann zum Vorschein kam, wollte sie nicht recht über den Weg trauen. Wieder war da ein Wust von Gefühlen. Sie sollte einfach Ruhe wahren. Doch sie vermisste die Nähe und Vertrautheit, die Andrey ihr gegeben hatte. Sie hatte keine Garantie, keinerlei Zeichen, daß er wiederkehren würde. Wie lange sollte sie warten?
"Wie kann ich so abscheulich sein und mir ... fast schon wünschen, daß er tot wäre?", hatte sie unter Tränen herausgebracht.
"Um die Gewißheit zu haben?" - es lag Verständnis darin. Die Verständnis eines Menschen, der schon ebenso gelitten hatte.
"Um nicht treulos sein zu müssen... weil ich... merke, wie ich loslasse."
Sie hatte kaum mehr Kraft übrig, für seine Rückkehr zu beten und einfach zu warten. Ein Kiesel fand am Strand in ihre Hand und frustriert schleuderte sie ihn mit aller Macht in die Fluten, eine gedankenlose, brefreiende Geste, noch im Flug sah sie ihm plötzlich nach - und Andrey? Ihn... "fortwerfen"?
Es tat zu weh, als daß sie nicht hätte weinen können.