Schattenranken - Ein Zwischenspiel

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Wijay Loreen

Schattenranken - Ein Zwischenspiel

Beitrag von Wijay Loreen »

Kapitel 1: Ranken des Schattens

Wenn du dem Schatten in dir genug Luft gibst, sich auszubreiten, jener Schritt, vor dem vor allem die Scheinheiligen Angst haben, rechtschaffende Bürger ihn scheuen, dann wirst du feststellen, dass genau dieser Weg der einzig Wahre ist.

Stell dir vor, du willst in das erhitzte Badewasser springen - stelle dir vor, du scheust davor, von der Klippe zu springen, stelle dir vor, du weichst einen Schritt vor der Totalität zurück.

Du fürchtest die Hitze des Wassers, aus Angst, dich womöglich zu verbrühen. Du scheust den Sprung von der Klippe aus Angst vor dem Aufprall. Du fürchtest die Totallität aus Angst, deinen freien Willen zu verlieren.

Sobald du deinen ersten Zäh in das Wasser tust stellst du fest, dass das Wasser die richtige Temperatur hat. Der Aufprall nach dem Sprung ist nicht so hart, du hast einen Augenblick lang die Freiheit gefühlt. Die Totallität gibt dir nicht das Gefühl, dien Freien Willen verloren zu haben, vielmehr hast du das Gefühl der Selbstkontrolle.

Der Schatten in dir, der sich langsam ausbreitet und sich wie eine schwarze Ranke um deine Seele legt ist nichts anderes als eben jenes. Nicht der Hass, der dich auf Alatars Wegen führt, sondern die Dunkelheit und die Ruhe ist es, welche du zulassen solltest. Die Berechnung, die Konsequenz, die Kompetenz. Das kühle Denken in Zahlen und Tatsachen, das ist die Verkörperung dessen, das du suchst, um die Perfekton im Leben zu erreichen.

Deine innere Stimme, jene, welche dich leiten soll vernimmst du im Zustand äußerster Ruhe, wenn du sie nur gewähren lässt. Nicht die Tatsache, dass du für eine Sache einstehst soll dich Leiten, sondern vielmehr, dass du selbst die Verkörperung deiner Sache bist.

Rücksicht, Skrupel, Mitleid, Reue: All dies sind Empfindungen, welche dir den Weg verschließen, deinen Weg zu gehen. Äußeren Einflüssen kannst Du nur widerstehen, wenn du den Schlüssel findest, mit welchem du die Tür zu deinem innersten verschließt. Wenn nichts anderes im Raum zwischen dir und deinem Sein steht, wenn der Raum absolut Leer ist, kann sich die Schattenranke aufbauen, deine Seele umschließen und dich stärken.

Erfahre dich selbst und gehe in dich. Stille - Ruhe - nur die Stimme deines Meisters vernehmend, welche du im notfalle rufen oder erhören kannst. Jeder Schwäche entsagend dringst du imemr tiefer in die Schwärze... die Ruhe... die Vollkommenheit. Nur du und deine Seele, und das Bewusstsein, in diesem Augenblick ein Loch zu sein, eine unergründliche Schwärze, die niemand durchdringen kann.

***

Zwei Tage nun verharrt die Frau inmitten des Bannkreises auf dem harten Stein kniend bereits, während dunkle Schleier über ihre Augen ziehen.

Es War wie eine Sucht geworden. Langsam aber sicher scheint die Frau zu entgleiten, vollends ins Nichts. Sie tauchte Ein in die Schwärze in sich. Würde man sie ansprechen, würde sie nicht mehr reagieren. Alles in ihr scheint auf das Nötigste reduziert - ihr Herzschlag dramatisch gesunken, als befände sie sich im Winterschlaf. Vielmehr eine Form der Trance, bei welcher sie sich ganz offenbar selbst eingesperrt hatte.
Vikko Allago

Beitrag von Vikko Allago »

Kapitel 2: Der Weg die Treppen hinab

Der Weg die Treppen hinab in den Keller Varunas, der Keller, den nur wenige Menschen betreten durften, der Keller, der Kra'thors Macht inmitten Varunas widerspiegelt.
Sicheren Schrittes führte er seine Füße die letzten Stufen herab und schaute sich aus wachen Augen um. Exakt in der Mitte des Blutpentagrammes, welches seid einiger Zeit den Keller zierte, saß Loreen, wie erstarrt, in eine Meditation vertieft, das war auf jeden Fall Vikkos erster Gedanke.

So oft hatte er sie dort sitzen sehen, so oft hatte er sie beobachtet, wie sie nichts in ihrem Umkreis wahrnahm und in sich selbst versunken war.
So umkreiste er sorgfältig das Pentagramm und ging zu den Fellen, die in diesem Keller das Bett für die Besucher war. Er ließ sich nieder und beobachtete sie, dabei etwas seinen eigenen Gedanken nachhängend.

Stunde um Stunde zog vorbei, Stunde um Stunde, in der sie sich nicht bewegte, selbst die Atmung schien fast zum Stillstand gekommen zu sein. Er runzelte etwas die Stirn und erhob sich, schritt wieder sorgfältig um das Pentagramm herum und platzierte sich so, dass er ihr direkt ins Gesicht schauen konnte.

Eine Braue erhob sich langsam als er sah, dass ihre Augen offen standen.
Die zweite Braue erhob sich langsam als er sah, dass etwas seltsames in ihren Augen vorging.

Wie eine Wellenbewegung zogen immer wieder schwarze Schleier über ihre Augen, Schwärze die er erst wenige Male in ihren Augen gesehen hatte, zog nun im Sekundentakt immer wieder, immer wieder und immer wieder erneut durch ihre Pupillen.
Dieses Schauspiel faszinierte ihn, es zog ihn in seinen Bann und so saß er erneut lange Momente da und starrte ihr förmlich in die Augen.

Langsam formte sich ein Gedanke in seinem Geist und ihm fiel wieder ein, dass er mit Loreen hatte sprechen wollen, dass es Neuigkeiten gab und so beschloss er sie aus ihrer Meditation zu holen.
Er drückte sich auf die Füße und stand vor ihr, immernoch die Grenzen des Pentagrammes dabei achtend, richtete er das Wort an sie:

Loreen, ich muss mit die Sprechen

Keine Reaktion, sie saß weiterhin wie erstarrt da, immernoch die Augen geöffnet, immernoch die Schleier, immernoch nur schwache Lebenszeichen.
Er versuchte es erneut und erneut und langsam machte sich etwas wie Sorge in ihm breit, etwas behagte ihm an dieser Meditation nicht, etwas schien nicht in Ordnung zu sein.
Oder war es mehr als in Ordnung?
Er war sich überhaupt nicht sicher, was hier vor ging.

Er schaute sich erneut aus wachen Augen um und entdeckte schlichtes Pergament auf dem Tisch. Er huschte zu diesem herüber und blätterte es durch, nichts war darauf geschrieben. Kein Zeichen, kein Hinweis, also war es entweder außer Kontrolle geraten oder sie hatte nicht mit ihm gerechnet.

Er nahm dann also die Feder und schrieb eine Nachricht.

Er holte lieber eine zweite Meinung ein.
Wijay Loreen

Beitrag von Wijay Loreen »

Kapitel 3: Die Glaskugel

Jeder Herzschlag wird zu einem Dröhnen, jeder Gedanke zu einem Schrei. Das Echo hallt noch lange wieder. Das Paradoxe ist, du nimmst äußere Einflüsse nicht mehr wahr. Egal ob dich jemand rüttelt oder anschreit, du vernimmst nur noch dich selbst und deine Gedanken.

Ein schwarzer Wirbel beginnt sich im Zentrum zu formen, er zieht dich zu sich, und wenn du ihm nicht widerstehst hält er dich gefangen. Auf ewig, jedenfalls so lange, bis du verhungert oder verdurstet bist.

Vorteile dieser meditativen Phase ist, dass dein Körper nahezu minimal an dir zehrt. Selbst das Wasser wird gespart, so dass du bestimmt eine Woche lang so verharren magst, ohne dich in Gefahr zu bringen. Dennoch. Wie ein mechanischer Reflex nimmt den Körper nahrung und Wasser zu sich, sofern man behutsam dem Körper die Mittel zufügt. Somit sei Dir ein qualvoller Tod erspart, doch solltest du es nicht übertreiben.

Der schwarze Wirbel zieht dich immer mehr in sich hinein, bis du schließlich im Leerraum gefangen bist, wie in einer Glaskugel. Du kannst herumirren, doch du findest nicht hinaus. Kein Hammer vermag die Kugel zu zerstören, kein Bannspruch vermag dich hier raus zu holen, doch kann eine helfende Hand die Hülle durchdringen und dich hinausweisen. Achte darauf, dass es niemans dazu kommt.

Hier hat alles keine Gültigkeit mehr. Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft - das Jetzt ist der ausschlaggebende Faktor. Es mag dir so vorkommen, als ob du jedes Zeitgefühl verlierst, ein Umstand, welcher Dich Anfangs aus der Bahn werfen mag, später jedoch eine völlige Befreiung darstellen mag. Vielleicht ist Dies der Grund, warum ich mich in die Dunkelheit zurückziehe.

Und auch wenn Ich nicht mehr aus dem Schatten herausfinde, was spielt es denn noch für eine Rolle?

Ich war im Schatten als der Wolf mich anfiel. Ich durchdrang die Glashülle, als ich den Drachen ins Diesseits rief. Doch immer war ein Faktor da, eine Hand, ein Stoß, welcher mich ins Hier zurückführte oder -schlug.

Die mir nahestehenden fühlen es vielleicht bei Konzentration. Ein schwarzes Loch im Inneren des Kreises - und das Loch bin ich!

Was bin ich doch für eine Närrin!
Treia

Beitrag von Treia »

Intermezzo - Treibend

Klar war ihr Geist, frei von allen Gedanken, allen Sorgen hatte sie sich gehen lassen, sich ihr ganz hingegeben. Diese Kälte, die von der Frau im Pentagramm ausging, diese Abszenz aller Regungen war zutiefst unnatürlich.
Wo auch immer ihr Geist sein möge, er war von ihrem Körper getrennt. Mit bloßem Auge oder den Händen konnte sie ihn nicht erspüren. So hatte sie sich hinab gewagt in den Sog, der bereits Loreen verschlungen hatte, darauf vertrauend, daß der Mann zu ihrer rechten die Verbindung rechtzeitig unterbinden würde.
Langsam tastete sie sich vor in die kalte Leere, die sie umgab, wagte sich ein Stück weit auf den Strudel zu, vor welchem sie zuerst zurück geschreckt war. Lass Dich gehen, lass Deinen Geist treiben. Lass mich Dir die Kälte nehmen.
Es war finster an jenem Ort. Finster und gespenstisch still. Kein Laut drang an ihr Ohr, nicht von ihr, nicht von der, die sie suchte. Selbst dieser dunkle Strudel, dem sie entgegen schwebte war lautlos. Sie sah genauer hin. Der Strudel, der ihr wie ein Loch vorgekommen war entpuppte sich als wirbelndes etwas aus... Armen? Tentakeln? Fangschlingen? Sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen. Deutlich spürte sie, wie jene nach ihrem Geist zu fassen trachteten. Sie ließ es zu, ließ zu, daß sie sie umgaben, umschlangen und tiefer in das Zentrum dieses unwirklichen Ortes zogen. Wo war sie? Was war das? War dies der Vorhof einer der neun Höllen? War es eine Zwischensphäre, ein Restort an welchen die Schöpfung noch nicht vorgedrungen sein mochte? War dieser Ort eine Illusion, eine Phantasie, ein Gedankenkonstrukt?
Wie Gedanken strömten Gefühle auf sie ein. Dieser Ort war krank, verletzt sogar. Ja. Deutlich konnte sie die Schmerzen spüren, die Pein, die Narben, die nie richtig verheilt waren. Unwirklich, unwirklich und krankhaft. Was bei dem ewigen Nichts von Leethe war dies?
Der Gedanke störte ihre Konzentration, lenkte ihr Augenmerk wieder nach vorne. Immer weiter trieb sie zum Zentrum hin. Dort. Eine Kugel? Oh nein, das war das Zentrum der Globule. War sie wirklich schon so weit vorgedrungen? Ein Gefängnis. Das dort war für sie. Für sie und... war dort noch jemand? Eine Gestalt, schemenhaft. Nein, das ist nicht der rechte Zeitpunkt für Neugierde.
Sie zerrte an den Banden welche sie hielten, versuchte ihren Verstand mit allem zu füllen, was diesem Ort fremd war um die Verbindung zu schwächen. Zu nah. Viel zu nah für den Augenblick. Ein Wort, ein Schrei, ein Name.

Der Mann neben ihr sprang vor und schlug die Hand mit welche sie die andere Frau berührt hatte beiseite. Wie ein Peitschenknall hallte es in ihrem Schädel wieder, als ihr Verstand sich binnen Bruchteilen eines Herzschlages wieder in ihren Kopf bohrte, sie von den Füßen riss und aus dem Pentagramm heraus schleuderte. Autsch.
Unschlüssig über das was sie dort gesehen hatte blickte sie zur Frau in der Mitte des Pentagrammes. Zumindest wußte sie nun, wo jene zu finden war. Blieb zu erörtern, wie man sie dort heraus holen konnte und was dies für ein Ort sein mochte.
Vikko Allago

Glas

Beitrag von Vikko Allago »

Kapitel 4: Glas

Vikko dachte über das Gesagte nach, er erinnerte sich noch genau an Treias Worte, er wusste, dass er nichts unternehmen sollte, solange er alleine ist, er wusste, dass er nur abwarten konnte und er wusste das er es nicht tun wird.

Die Neugier war einfach zu groß. Er lächelte kurz legte einige Sachen ab und setzt sich Loreen gegenüber in den Kreis, vor sich in das Pentagramm, vor sie in die Stille.
Er faltete seine Beine zu einem Schneidersitz, schloss die Augen und leerte seinen Geist. Schnell war er von Stille umhüllt und hob die Hand an, legte sie Loreen auf die Stirn

Schnell kam er in den Fluss, der ihn näher an den Vortex zog. Er zog ihn in sich hinein und griff mit Tentakeln, mit schwarzen Armen nach ihm. Packte seine Seele und zog ihn nun rasend schnell in sich hinein.
Gefühle durchströmten ihn, bis er vor einer gläsernen Schneekugel herausgeworfen wurde. Er umrundete sie und erforschte sie. Nur langsam nahm er einen grauen Schemen in der Kugel wahr, der reglos in der Mitte der Schneekugel verharrte. Kaum fähig etwas zu erkennen kam er der Kugel immer näher, näher und immer näher. Bis er die Hand ausstrecken konnte um sie zu berühren. Vollkommene Stille, seelenheilende Ruhe empfand er, Zeit schien keine Rolle mehr zu spielen und er verharrte wohl lange so vor dieser Kugel. Sie war hart, sie war unzerstörbar und doch trieb ihn etwas an, dieses Glas zu durchdringen, zu der Person in der Mitte vorzustoßen.
Also konzentrierte er sich und begann diesen Versuch, dieses etwas, was eigentlich unmöglich schien.....
Etwas das unmöglich schien und ihn sofort überwältigte.
Erinnerungen.
Gefühle.
Nicht von Ihm.
Wijay Loreen

Beitrag von Wijay Loreen »

Kapitel 5: Blutige Tränen

Jeder Herzschlag in dir wird zu einem unerträglichen Dröhnen. WRUMMMM - WRUMMM - Du weißt, dass du dir die Ohren nicht zuhalten kannst - es ist die Stille, welche jedes Geräusch verstärkt, nicht das Geräusch selbst.

Du musst nur die Glaswand berühren, um sie zu durchdringen. Es ist nicht das Glas, das ist im Eigentlichen eine rein symbolische Manifestierung. Die Wand besteht aus Erinnerungen - meinen Erinnerungen und Ängsten, welche mich so lange verfolgt hatten, bis ich sie endlich sicher verschlossen hatte - das was du siehst musst du ertragen.

- Du siehst ein kleines Mädchen, welches unter einem Baum sitzt und zum nächtlichen Sternenhimmel starrt. Du erkennst sie sofort, wohl anhand der dunklen Haut und der weißen Haare. Das vielleicht vierjährige Mädchen blickt etwas traurig, vielleicht verängstigt, aber du erkennst die kindliche Unschuld in ihren großen eisblauen Augen. Beinahe wirst du nun wie im Fluge dahingesogen - hinein in die Augen - in meine Augen... -

- Ein Fluss an Erinnerungen - schnell wechselnde Szenen. Wälder über Wälder, Haine, Auen - glückliche Gefühle aus den Augen eines Kindes. Beinahe fühlst du harmonie in deinem Herzen, etwas, wovon du schnell weißt, dass es nur all zu sehr vergänglich ist. Vielleicht ist es genau das, was den Himmel zerreißt, der Blitz ist wohl rein symbolisch, ebenso wie der ohrenbetäubende Donner. - oder ist es das Schlagen deines Herzens?... -

- Du liegst im Bett - in meinem Bett, und du weißt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Du schließt die Augen und harrst denn der Dinge, die kommen mögen.
In der folgenden Dunkelheit fühlst du sehr großen seelischen Schmerz. Ekel vor dir und deinem Körper, den Wunsch zu sterben oder weit weg zu gehen, wo dich die Pein, welche dir mein Vater zufügt nicht einholen kann.
Du öffnest die Augen und siehst dich mit einem Dolch in deinen dunklen Händen vor einem Mann stehen - es ist vielmehr ein Schemen eines Mannes, du ahnst was du getan hast, du hast Rache genommen, und dieses Gefühl hat etwas Befreiendes an sich.
Du verlässt dein Heim ohne zurückzublicken, du schaust nicht zurück und schreitest in die Nacht hinaus. Unsicherheit in dir, nichts ahnend was kommt, aber vielleicht weißt du es ja bereits... -

- Du weißt wo du stehst - in Varuna! Aber es ist nicht das Varuna das du kennst. Es ist eine Ruinenstadt. Schwarz und kopflos recken sich die dunklen Stümpfe in den fahlen Himmel, welche einst stolze Bauwerke waren. Es ist totenstill - eine beinahe befreiende Stille. Alles ist tot. Und inmitten der Ruinen stehe ich. Du siehst mich als sechzehnjähriges Mädchen. Ich bin wesentlich jünger. Mein Haar war noch seidern und glatt, aber du siehst den Blick, eisig und leer, wie er jetzt bereits ist - und du siehst Tränen aus den Augen strömen. Blutige Tränen.
Dann tauchst du erneut in diese eisigen Augen ein und du fühlst eine Gefühlsleere, den Versuch, sämtliche Trauer und Angst in dich einzusperren und nie wieder herauszulassen, du fühlst eisige Kälte und du weißt, dass es so bleiben wird. Nun siehst du aus meinen Augen, und du weißt, das ist ein Traum.
Du empfindest Euphorie inmitten all der Zerstörung. Du beginnst Zerstörung als etwas Kunstvolles zu sehen. Etwas Wunderbares:
Einen Augenblick spürst du noch die Ruhe - dann plötzlich spürst du einen sengend heißen unsichtbaren Hauch - und dann kommt er: Der Feuerstoß welcher deine Seele förmlich brennen lässt. Das Feuer zehrt schmerzvoll an dir, und obgleich du diesen Schmerz unerträglich finden magst fühlst du dich seltsam befreit. Du hörst gequälte Schreie und sofort weißt du, was diese zu bedeuten haben.
Du erhebst dich über das Flammenmeer, dem sich nun Tausende gequälter Schreie beimengen und mit einem ohrenbetäubenden Dröhnen hörst du eine grollende Stimme, welche zu dir spricht.
"WIJAY LOREEN!", zerreißt die Stimme förmlich dein Trommelfell, und dennoch - diese Stimme hält dich in seinem Bann. "Höre meine Stimme! Verkönde das Wort der Vorsehung! Du seist meine Stimme in dieser bitteren Zeit. Einst werden alle Seelen jauchzend im ewigen Feuer brennen. Treibe mein Werk der Qual und Zerstörung voran. Ebne den Weg, den heiligen Weg - MEINEN WEG!"... -

Eine schnelle Abfolge an Szenen:
Ein Dolch bohrt sich in das Herz meiner Mutter. Du tust es aus Liebe.
Heißes Pech ergießt sich über die Haut meiner schreienden Schwester. Du tust es aus Mitleid.
Du gibst deinem Vater Fleisch zu essen. Du bist neugierig.
Dein Vater dreht durch und stirbt. Du bist erstaunt.
Du hinterlässt einen brennenden Trümmerhaufen und wendest dich um. Du vernimmst deine Stimme die weiblich klingt "Der Name Wijay existiert nicht mehr."
Du wanderst durch die Gegend, und nun wird die Szenenabfolge so schnell dass du nicht alles einzuordnen vermagst, was denn da auf dich zukommt. - aber einige bestechliche Dinge ragen heraus:
Eine Straße...
Erneut ein Dolch, in die nackte Seite eines Mannes gebohrt...
Eine Phiole...
Ein Gemüsestand...
Du hörst das Läuten von Seuchenglocken...
Eine Pestgrube...
Sich stapelnde Leichen...
Ein Schiff...
Bajard...
Du blickst gen Himmel, ein Zeichen erbittend als ein Rabe über dich fliegt - ein gigantischer Rabe und ein knöchernes Armband fallen lässt...
Varuna - du hast Pläne...
Aporus - du beschwörst Tote in einem Friedhof mit ihm...
Eisenwart...
Varuna...
Die Bücherei...
Du siehst dich selbst...
Rahal...
Der Alka...
Samantha...
Treia...
Eine Versammlung in der Grabkammer...
Ein Drache, der auf deinen Ruf hin aus einem schwarzen Vortex kommt - du fühlst die Macht in dir sich ausbreiten, welche mich gefangen hält - und du fühlst eine ungeheure Kraft aus dieser...
Die Glaskugel...


Nun hast du sie durchdrungen und befindest dich in der Glaskugel - gefangen in eben jener Kugel welche die Gefühle so erfolgreich verdrängt hat. Nun bist du gefangen - so wie ich.

Was bist du doch für ein Narr!
Treia

Beitrag von Treia »

Intermezzo - Worte des Schmerzes

Mißgelaunt sah sie zu der sitzenden Gestalt hin. Abermals hatte sie sich eine blutige Nase geholt. Zwei male war eindeutig ein mal zuviel.
Sie hatte alles versucht, was ihr in den Sinn gekommen war. Schreien, Gebete, Gedanken an Hämmer wie sie Glas zersplitterten oder Diamanten, deren scharfe Kanten durch Glas schnitten. Gebracht hatte es ihr nichts - nichts außer schlechter Laune und Kopfschmerzen wie sie sie nicht mehr gespürt hatte, seit dieser Ettin mit seiner Steinaxt sie auf dem total falschen Fuß erwischt hatte. Insofern konnte sie sich wohl glücklich schätzen, daß ihr Kopf überhaupt noch dort war, wo sie ihn am liebsten sah. Über dem Hals.
Verdammt sollst Du sein. In diesem Augenblick, in dem ihr Schädel noch immer dröhnte von tausendfach zurückgeworfenen Worten, von dem Klirren und Knirschen eines Glases, das nicht nachgeben wollte, denn all dies existierte nur in ihrem Kopf und würde dort wohl noch eine ganze Weile nachhallen, in just diesem Augenblick dachte sie ernsthaft daran, die Frau auf ewig in dieser Starre zu belassen. Immerhin war es ihre eigene Schuld, daß sie dort nun war, gefangen im Kerker ihrer eigenen chaotischen Gedanken. Aber gut, alles fluchen half jetzt auch nicht. Rohe wie subtile Gewalt hatten versagt. Zurück zu Plan A, wie sie ihn schon kürzlich erörtert hatten. Die Zeit war ein wichtiges Element ihres Planes. Wie viel Zeit mochten sie haben, wie viele Herzschläge mochten liegen zwischen einem Erfolg und einem katastrophalen Fehlschlag, der in zwei Gefangenen resultierte? Drei? Zwei? Vielleicht auch nur einer?
Sie spürte kein sonderliches Verlangen danach, es heraus zu finden. Gleichwohl drängte sich ihr der Verdacht auf, daß jener Ort, an dem sie nun schon zwei male war, nicht für sie geschaffen war. Er versuchte sie an zu ziehen und doch stieß er sie ab. Dort war sie fremd, ein Eindringling. Sie paßte nicht dorthin und jener Ort schien es zu wissen. Da ihr die Möglichkeit genommen war, ihn zu zerstören, beließ sie es wohl besser auch dabei. Sollte doch ein anderer das Wagnis auf sich nehmen.
So wartete sie auf Vikko, um ihm von ihrem Fehlschlag zu berichten. Danach galt es zu handeln. Wie lang wohl mochte jener Körper dort noch ohne Wasser auskommen? Einen Tag, vielleicht zwei? Ihnen allen lief die Zeit davon. Zeit. Ha. Hast nicht gerade Du diese immer verhöhnt liebe Schwester? Zeit, Zeit wäre ja so unbedeutend, so ersetzbar, so unermeßlich menschlicher Gedanke. Schau Dich an, jetzt läuft sie Dir davon und Du kannst nichts tun als ihr hinterher zu schauen. Bete besser, daß Vikko gewillt ist, das Wagnis auf sich zu nehmen oder sieh mit an, wie auch der letzte Sand der Zeit zwischen Deinen Fingern zerrinnt.
Vikko Allago

Beitrag von Vikko Allago »

Kapitel 6: Narr

Was ist er doch für ein Narr.

Diese Frage stellte er sich, als er inmitten der Kugel stand, sah, dass er nicht herauskommen würde und sich dann auch noch mit seinen eigenen Gefühlen auseinandersetzen musste. Um ihn schwebten wieder diese schwarzen Blasen.
Sein Geist war noch vollkommen benebelt. Immernoch flogen die Bilder durch seinen Kopf, die Bilder aus Wijays Vergangenheit, die Gefühle und die Taten.
Er schien sie in einer Sekunde vollkommen kennengelernt zu haben. Er schien tiefer in sie gedrungen zu sein, als er es im Leben je geschafft hätte.
Diese eisblauen Augen hatten nun eine ganz andere Wirkung auf ihn, strahlten nun etwas vollkommen anderes aus, bedeuteten etwas anderes.

Lange Momente brauchte er um sich in dieser Stille wieder zu finden, lange Zeit in der er angestrengt versuchte, sich seine Situation klar zu machen.
Er war gefangen, in Loreen. Treia hatte recht, alleine durfte man solcherlei Dinge nicht unternehmen, doch war die Neugier zu groß, war der Wissensdurst einfach übermächtig.

Er wandte sich Loreen zu. Wijay. Ein Name den er wahrscheinlich nie benutzen wird. Ein Name den er wahrscheinlich nicht einmal aussprechen dürfte. Zu viel hing mit diesem Namen zusammen. Er schob diesen Gedanken beiseite, ignorierte die Blasen und wollte näher zu Loreen. Wollte sie ansprechen, wollte sie aus diesem Gefängnis holen.

Er machte einen Schritt. Die Blasen wurden schneller und bauten vor ihm eine Mauer auf. Sie hielten ihn ab, sie hinderte ihn daran an Loreen heran zu kommen. Sie unterbanden alle seine Versuche.

Er strenge sich immer mehr an, doch so verletzlich die Blasen in seinem Kopf waren, umso stärker waren sie hier, in Loreens Kammer, in ihrem Gefängnis schienen sie so stark zu sein wie ein Mauerwerk.

Langsam formte sich nun eine Stimme in seinem Kopf. Sie flüsterte erst und wurde dann immer lauter, untermalt von der Stille dröhnte die Stimme alsbald in seinem Kopf und hämmerte ihm die Nachricht ein die sie zu vermitteln hatte.
Bohrte sich in seinen Geist und hielt ihn fest umschlossen.
„Niemand kann mich befreien, niemand wird es schaffe, niemand wird mich zurückbringen. NIEMAND. Nur das Dort wird mich befreien, nur ein Bezug.“
Die Nachricht wiederholte sich unzählige Male, andauernd wechselte die Intensität, doch war klar wessen Stimme es war.
Loreen. In ihrem Geist, sprach nur sie zu ihm.

Es schien nun alles zu explodieren. In der Zeit eines Herzschlages wurde Vikko zurückgeschleudert. Aus der Kugel, aus dem Vortex, aus den Gedanken, aus der Stille. Ins Dort, ins Hier und Jetzt. Wieder in die wirkliche Welt, raus aus den irrealen Gedanken Loreens.
Er kam hart zu Boden, als diese Explosion sich auch auf seinen Körper ausbreitete. Müde, geschafft und ausgezehrt fühlte er sich nun und verharrte vorerst in seiner liegenden Position.

Was muss er machen? Was wird passieren?

Dann erhob er sich und verließ den Keller. Es war noch früh am Morgen und er hatte die ganze Nacht dort gesessen.
Die Gedanken strömten durch ihn hindurch und er quälte sich an der Frage was er als nächstes tun wird, als er langsam die Burg betrat.
Zuletzt geändert von Vikko Allago am Freitag 1. Juni 2007, 00:10, insgesamt 1-mal geändert.
Treia

Beitrag von Treia »

Kapitel 7: Flucht ins Jetzt

Widerwillig hatte sie sich von Vikko dazu überreden lassen, nicht den Anker, sondern die Fischerin in diesem hoffentlich letzten Ritus zu spielen. Wieso eigentlich hoffentlich? Es würde das letzte sein, gleich ob es gelang oder mißlang. Wenigstens würde ihr in der Ewigkeit nicht langweilig werden, sollte dieser Gedankenkerker sie verschlingen. Sie hatte dann Äonen Zeit, Loreen zu erwürgen. Vielleicht auch Vikko, wenn er närrisch genug war, den alleinigen Versuch zu wagen, sie beide dort heraus zu holen. Nur gut, daß sie zwei Hände hatte, den einen links, den anderen rechts. Hach ja. Galgenhumor hatte ihr schon so oft weiter geholfen. Er half, sich auf das wesentliche zu konzentrieren, das vor ihr lag.
Widerstrebend ging sie die Verbindung ein, suchte engeren, körperlichen Kontakt denn zuvor. Stirn an Stirn projizierte sie ihre Gedanken, ihren Geist auf den Ort, welchen sie schon zu oft ergründet hatte. Die Abgründe der menschlichen Seele waren ihre Spezialität und doch haßte sie es, sich dorthin zu begeben, wissend, daß das Hintertürchen, welches man sich immer offen halten sollte, mit dreifachem Schloß versiegelt war.
So ließ sie sich umfangen vom Nichts und vom Chaos, welches die Götter hervor gebracht hatte und den Dämonen noch immer trügerische Zuflucht war. Trügerisch genug, als daß jene ihren Aufenthalt dort gern kurz hielten. Wenn dies nur der fünfte von neun Kreisen war, dann würde sie auf ihrem Weg in den neunten noch einiges erwarten.
Zumindest war dieser Ort im Gegensatz zu den anderen Globulen nicht gefährlich für ihren Körper. Diese Globule widmete sich ganz der Aushöhlung und Austrocknung des Geistes. Sie mußte rasch handeln.
Schon spürte sie die lähmende Kälte des Ortes, gab sich der freudlosen Umarmung der Tentakeln hin, ließ sich treiben, drang immer weiter vor bis ins Zentrum der Macht, der Kugel, welche das Drumherum Lügen strafte. Ihre Gedanken trieben ab, Eindrücke, Erinnerungen prasselten auf sie ein wie Regentropfen, chaotisch, ungebunden, verstörend. Sie löste sich, wendet Euch dem Geist zu, doch meine Seele treibt weiter, geht auf in der Kugel aus Nichts, der Ewigkeit endloser Katatonie. Dort war sie. Ohne ein Zögern griff sie nach ihr und unter Aufbringung ihrer letzten Kräfte schaffte sie es, dem Körper, dem sie so wenig Liebe entgegen brachte, einen letzten Befehl auf zu zwingen, ehe die Verbindung zusammen brach. Ein Wort, lang und stöhnend, ein gepeinigtes, klagendes, lebloses Wort. 'Jetzt.'
Auf das Kommando hin trat Vikko ihr gegen die Schulter, ihr Körper kippte um, löste die körperliche Verbindung an diesen Ort. Abermals wurden Geist und Seele zurück geschleudert, doch dieses mal krallten sie sich an Loreen fest, sogen sie mit sich hinfort, fort von diesem Ort.

Ihr Körper zuckte, wurde zurück geschleudert, prallte abermals gegen die Stühle an der Wand. Sie begrüßte den Schmerz, wußte sie doch, daß sie selbst nun wieder hier war, auch wenn sie sich dafür verfluchte, daß sie vergessen hatte, daß sie jene Stelle mit Kissen auspolstern wollte. Im Augenblick konnte sie sich kaum etwas schöneres vorstellen als diesen Schmerz.
Blinzelnd und von Kopfschmerzen geplagt wandte sie den Blick gen Loreen. Die Schwärze war aus ihren Augen gewichen, seichte Bewegungen, ein Zittern, sie war wieder dort. Es war vorbei. Willkommen im Jetzt.
Wijay Loreen

Beitrag von Wijay Loreen »

Kapitel 8: Spiel im Dunkeln

Wenn Augelblicke zu Ewigkeiten werden und umgekehrt, du jedes Zeitgefühl verloren hast, mag es dir beinahe wie eine Befreiung vorkommen - die grausame Kälte scheint dich zu stärken und die brennende Hitze mag dich erleuchten.

So erkenne ich Dich im Dunkeln, mit die Hand entgetgenstreckend - fernab der Zeit habe ich genug Zeit klar zu denken um zu begreifen... So wird die Hand gepackt und ein greller Blitz explodiert in meinem Geist, als ich mich mit nahezu irrsinniger Geschwindigkeit aus dem Dunkel mit rausziehe...


***

Sie wurde zurückgeschleudert. Sofort begriff Loreen... Wijay - dass es vorbei war.

"Wie lange... war ich im Dunkeln?", fragte sie mit heiserer trockener Stimme. Sie hatte Dorst. Es kam ihr vor als habe sie dieses Gefühl schon wieder lange vergessen, aber sie spürte es überdeutlich.

Fast eine Woche! Es hätte genausogut eine Stunde oder ein Jahr sein können - eine Woche...

Sie nahm Wasser, Brot und Früchte sofort zu sich, nachdem sie sich zittrig aufsetzte. Der Vorteil war, dass es sie nicht zu sehr geschwächt hatte. Sie würde zwar ein Weilchen Schlafen müssen, aber sie war bei Kräften genug, um sich aufzurichten und sich zu setzen.

Wijay wusste dass sie es wussten - ihre Vergangenheit - ihren Namen - sie würden ihn wohl nie aussprechen - doch sie wussten bescheid, und sie mussten diesbezüglich still sein. Sie würden verstehen müssen, weshalb sie tat was sie tat. Es hatte alles einen Grund - und auch wenn man ihre Gründe nicht verstehen mochte - jedenfalls als Unbehelligter - sie würden es wohl eher tun.

Treia verließ den Keller recht bald. Vikkos trockene Kommentare ignorierend begab sie sich auf die Felle - Schlaf - sie brauchte jetzt schlaf um ihren Geist auszuruhen. Es tat gut im Dunkeln zu versinken - erneut - doch diesmal das Dunkel des Schlafes.

Chaosmächte - ein interessantes Gefühl eigentlich. Während der Schatten in ihr an ihr Zehrte gab er ihr etwas zurück - eine Wchselwirkung, welche ihr vielleicht noch eines Tages das volle Potential ihrer geistigen Kräfte näherbringen mochte. Die Klerik war das wohl beste Instrument, welchem sich Wijay bedienen mochte.
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