Geschichte eines Templers

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Azador

Geschichte eines Templers

Beitrag von Azador »

Vorgeschichte


Azador ward geboren in Rahal, der Stadt des Herren. Er ist der Sohn eines Gardisten namens Deorn. Seine Mutter war eine einfache Schneiderin namens Iliana. Weiterhin hatte er noch einen fünf Jahre älteren Bruder, dessen Name Darian lautete. Ihr Vater erwartete, dass sie beide in die Garde der heiligen Stadt eintraten, um jene mit ihrem Leben zu schützen. Darian ging in dieser Rolle auch völlig auf und zog so den gesamten Stolz des Vaters auf sich. Azador war noch zu jung um der Garde beizutreten und durchaus streckenweise sehr eifersüchtig auf seinen Bruder. Mit dessen Eintritt in die Garde Rahals drehten sich alle Gespräche in der Famile beinah nur noch um das Dienstgeschehen oder das Fortschreiten der Ausbildung. Jeden Abend malte sich Azador aus, wie er ebenfalls die Uniformen der Garde tragen würde, damit sein Vater auch auf ihn stolz wäre. Wenn er dann aber aus seinen Träumen erwachte und an sich hinabsah, dann musste er ein jedes Mal voller Frust feststellen, das sein Körper wohl nicht dazu geeignet sein würde eine Plattenrüstung und einen schweren Schild in die Schlacht zu tragen und Unmengen von Feinden unter sich zu begraben. Sein Vater würde niemals stolz auf ihn sein. Welchen Weg auch immer er einschlagen würde, den Stolz seines Vaters vermochte er nur als Kämpfer zu erringen. Die einzige Art zu kämpfen, die ihm lag, war der Kampf mit einem Rapier. Es war nicht so schwer wie andere Waffen und erforderte mehr Geschick als Kraft.
Ihm war nie ganz klar warum, aber der Eine hatte ihn mit keiner sehr großen körperlichen Kraft gesegnet, dafür besaß er aber einen aufgeweckten Geiste und ungeschickt war er auch keineswegs. Eben jener aufgeweckte Geist wurde eher weniger von der Kampfkunst beeindruckt, denn der Predigten der Templer in der heiligen Kirche Alatars. Während seine Eltern und sein Bruder die Kirchenbesuche eher als lästige Pflicht empfanden, genoss er jedes Wort, dass er aus dem Munde des Templers vernahm, welcher den Gottesdienst hielt. Viel zu schnell verfloss die Zeit, wenn er so in der Kirche saß und den Worten lauschte. Mit großer Begeisterung lenkte er immer seine Schritte dort hin und wenn der Strom der Worte erloschen war, so legte sich ein Schleier der Betrübnis über Azadors Mine, denn er könnte stundenlang so zuhören.
Einige Zeit vermochte er es sich bis zur nächsten Predigt hinwegzutrösten, doch irgendwann genügte ihm das nicht mehr. Er studierte alte Schriften und die Lehren des Herren. Wann immer er einen der Templer auf der Straße traf, versuchte er jenen in ein interessantes Gespräch zu verwickeln, obgleich ihm jenes nicht immer gelungen sein mochte.

Die Zahl von 18 Sommern verweilte Azador nun schon auf der Welt. Immer wieder drängte ihn sein Vater doch endlich in die Garde einzutreten, und hielt ihm vor wie ehrenvoll sein Bruder doch sei, und wie sehr er jenen schätzen und zu ihm aufschauen sollte. Doch Azador wollte davon nichts wissen. Er hing stets an den Lippen der Templer oder steckte seine Nase in alte Bücher und Schriften. Selten erreichte der Kuss der Sonne die Haut jenen jungen Mannes, denn meist steckte er in der Kirche oder in einem Archiv, in dem er Interessantes zu finden hoffte.

Schon oft spielte er mit dem Gedanken den Weg eines Templers zu machen, doch nie fasste er den Mut seine Schritte zum Tempel zu lenken um dort auf einen Templer zu warten, dem er sein Anliegen vortragen konnte. Er hatte Angst vor dem Zorn seines Vaters. Er würde es nicht verstehen. Unzweifelhaft glaubte sein Vater an den Herren, doch die Intensität des Glaubens war eine andere, als die seine. Azador hatte nichts anderes als seinen Glauben. Mit jedem Lob das sein Bruder erhielt, und das ihm selbst verwehrt blieb festigte sich sein Glaube. Damit einhergehend entschwand ihm immer mehr der Bezug zu seiner Familie. Aber wer braucht schon eine Familie, wenn er die Gunst des Einen hat ?

Das Leben des Azador zählte nun schon 20 Sommer und sein Vater begegnete ihm nunmehr immer nur im Zorne. Doch das kümmerte ihn nichtmehr. Er schloss lediglich die Augen und schenkte den Standpauken kein Gehör mehr. Vielmehr versank er in einem stillen Gebet, die Worte seines Vaters als nicht mehr wahrnehmend, als das Brummen eines lästigen Insekts. In Gedanken flehte er den Einen an, ihm doch endlich den richtigen Weg zu weisen und seine Schritte dorthin zu lenken, wo es dem Einen genehm sei.

Und seine Gebete sollten auch alsbald erhört werden. Bei dem Angriff der vereinten Kräfte von Varunesen und Tiefländern, als sie bis zum Tempel durchdrangen, warfen sich sein Bruder und sein Vater ehrenvoll in die Schlacht, doch das einzige, was sie dabei fanden war der Tod. Auch seine Mutter nahm sich in ihrer Trauer das Leben. Doch Azadors Trauer war eine andere. Seine Familie bedeutete ihm ohnehin nichtmehr viel, da sie ihn kaum beachteten und immer nur an ihm herumkritisierten. Viel tiefer traf es sein Herz, dass diese heuchelnden Sklaven der Temora bis zum Allerheiligsten vordringen konnten. Es bestätigte ihn in seiner Entscheidung kein Gardist zu werden. Was sollte das für einen Sinn haben, wenn es jenen nichteinmal gelang den Feind vom heiligen Tempel fernzuhalten ?

Der entscheidende Moment, mal abgesehen von dem Ableben seines Vaters, der ihn stets in seinem Glauben bremste, geschah in jenem Kampf mit den Streitern der Temora. Azador rannte zum Tempel. Er wollte helfen. Er wusste nicht wie, aber er konnte nicht tatenlos zusehen, wie diese Bastarde das Heiligtum entweihen. Das Rapier in der Hand kam er auf den Vorplatz, und einige feindliche Soldaten waren bereits bis hierher vorgedrungen. Einer von ihnen schien ihn bemerkt zu haben, und stürmte mit erhobenem Schwerte auf ihn zu. Abwehrbereit und doch recht ungeschickt hob er sein Rapier in die Höhe. Kaum, dass er einen klaren Gedanken fassen konnte kamen bereits die Worte
„Für den Einen!“ aus seinem Munde, doch schon im nächsten Moment schmetterte das Schwert des Feindes ihm seine Waffe aus der Hand, mit solch einer Wucht, dass Azador zu Boden stürzte. Der Mann schien bei genauerem Hinsehen gar kein Varunese zu sein, sondern einer der Tiefländer. Er trug eine Wolfsmütze und man konnte ihnen wahrlich einen Hünen nennen. Seine Waffe nicht nur ein einfaches Schwert, sondern eine jener schweren Nordmannsklingen, was auch die Wucht des Hiebes erklärte. „Das ist dein Ende Pantherling!“, grollte der Tiefländer mit erhobener Waffe. Doch erstaunlicherweise lies das Azador recht kalt und ehe er sich versah ergriff sein Mund abermals die Oberhand: "Der Eine wird mich zu sich nehmen, so es sein Wille ist!" Er war selbst überrascht von seinen eigenen Worten und seiner Gelassenheit, doch es schien ihm wirklich nicht viel auszumachen. Sein Glaube war fest und wenn der Herr es so wollte, dann sollte es eben so kommen. Wie in Zeitlupe verfolgte er am Boden liegend, wie der Tiefländer sein gewaltiges Schwert in die Höhe hob. Doch dann geschah etwas Seltsames. Plötzlich ließ der Tiefländer sein Schwert fallen und fasste sich an den Kopf. Schnell sackte er zu Boden und wand sich vor Schmerzen wimmernd am Boden. Am Rande seines Gesichtsfeldes vermochte Azador die flatternde Robe eines Hohetemplers zu erkennen, neben ihm stand ein Lethyr. Beide sahen sie in seine Richtung und er vermutete, dass einer von ihnen die Ursache war, für den Schmerz des Tiefländers. Der Herr musste sie gesandt haben um ihn zu retten. Er war sich sicher. Der Eine wollte ihn, und er würde dem Ruf folgen.

Von jenem Augenblick an wollte er jede Minute seines Lebens dem Einen widmen. Sein Leib und seine Seele sollten vollkommen im Dienst des Herren stehen und ausnahmslos jeden Befehl ausführen, und nach besten Kräften dem Willen des Einen gehorchen.

Und so half er zunächst so gut es ihm möglich war bei den Reparaturen der Stadt, und als der Tempel wieder hergerichtet war machte er sich auf, um den Weg einzuschlagen, der ihm bestimmt war.
Azador

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Nach seiner ersten Weihe lag Azador auf dem Bett, das man ihm zugewiesen hatte. Er lag auf dem Bauch, denn auf seinem Rücken waren sechs rote Striemen, teilweise Blutig, welche brannten wie Feuer. Das Feuer der Läuterung. So wurde auch sein Kopf geläutert. All seine Haare, Bart wie Haupthaar, hatte man ihm genommen. Doch hatte das keine Bedeutung für ihn. Seine Haare stammten aus seiner Vergangenheit. Und diese sollte bleiben was sie ist - vergangen. Genauso wie sein Nachname. Er hatte ihn beinahe schon selbst vergessen. Nurnoch Azador war er fortan. Sein altes Leben hatte ein Ende gefunden, und einen neuen Weg hatte er beschritten.

So in seinen Gedanken schwelgend, befand er es für gut seinen Weg für die Nachwelt, oder auch nur für sich selbst, festzuhalten. Er wollte ihn in ein Buch niederschreiben, und so suchte er in den Regalen, bis er ein leeres Buch fand und begann zu schreiben.



Kapitel I
Die erste Weihe

Am heutigen Tage beginne ich das Schreiben meiner Lebensgeschichte. Sie möge festgehalten sein für die Nachwelt und vielleicht dereinst eine Hilfestellung oder ein Wegweiser für andere sein. Ich hoffe nach ihrer Fertigstellung wird sie sich in den Bibliotheken und Archiven der heiligen Stadt Rahal und des Tempels finden. Doch dies mag noch in den Sternen stehen.

Wir schreiben heute den 31. Hartung 250. In den Abendstunden entschloss ich mich endlich meine Schritte zum Tempel zu lenken und um Aufnahme in den Orden zu ersuchen. Als würde man mich bereits erwarten, stand bereits eine der Vicariae auf den Stufen der großen Steinstreppe und schenkte meinem Anliegen Gehört. Sie führte mich in den Norden der Stadt und durch den Berg hindruch schritten wir zu dem heiligen Bauwerk, welches der Templerorden sein Eigen nannte.

Ich wurde in den Keller geführt, durch dunkle Tunnel, in denen meine Augen nichts zu erkennen vermochten. Lediglich den Schritten, welche vor mir die Templerin durch das Dunkel trugen, konnte ich folgen. Nach einer Weile gelangten wir in einen Katakomben-artigen Keller. Ein frohes Spiel aus Licht und Schatten wurde von den Flammen der Fackel an die Wände geworfen und man wies mich an zu warten. Die Templerin verschwand nach kurzem, respektvollen Klopfen in einer massiven Eisentüre. Weiter ließ ich meine Blicke dem Spiel der Flammen folgen und wartete geduldig auf weitere Anweisung.

Nicht lange solltes es dauern, bis die Türe sich wieder öffnete. Die Templerin schritt hindruch und bedeutete mir einzutreten. Am Ende einer langen Tafel saß der Tetrarch Alataris Kyr'laex. Ein Stück hinter ihm stand eine weitere Templerin, zur rechten seines Thrones. So respektvoll wie ich es nur vermochte verneigte ich mich und wagte es nicht ihm in die Augen zu blicken. Doch scheinbar war dies noch nicht genug, wie sich später herausstellen sollte.

Nachdem der ehrenwerte Tetrarch eingehend meine körperliche Gesundheit und die Beschaffenheit meiner Muskeln untersuchte, wies er die Templerinnen an, mich in den Weihraum zu führen.

Dort angekommen wurde dem heiligen Altar der nötige Respekt erwiesen und das Ritual sollte beginnen. Den genauen Ablauf will ich hier nicht niederschreiben, denn ein jeder, der diesen Weg machen will muss dies als ersten Schritt einer langen Prüfung selbst erleben. Der Schmerz ist groß, doch man wird lernen ihn für sich zu nutzen und in Zorn zu kehren, welcher die größtmöglichste Antriebskraft zu sein vermag.

Dies war die Lehre, welche ich aus diesem Abend zu ziehen vermochte, und ich bin sicher, sie wird mir in späteren Zeiten noch einen guten Dienst erweisen, um meine Stärke und Willenskraft zu steigern, damit ich dem Herren angemessen zu dienen vermag.

Nun beende ich meine Erzählung für den heutigen Tag, um noch ein Gebet an den Einen zu richten, ehe ich mich dem Schlaf hingebe.

Azador
Catulus im Tempel des Einen



Und wie er es in seinem Buch am Ende des ersten Kapitels niederschrieb, so sandte er auch ein Gebetzum Herren. Er kniete sich vor sein Bett, die Ellenbogen darauf ablegend, die Hände faltend und den Kopf respektvoll senkend.


Ich danke dir Herr, für die Lehre, die ich heute erfahren durfte.
Der Schmerz hat mich geläutert und meinem Geiste Klarheit
verschafft, welche ich nutzen werde um dir zu dienen.
Den Fehler den Tetrarchen, dem ein Großer Teil deiner Gnade
zu Teil wird, nicht angemessen zu ehren, werde ich kein zweites
Mal machen. Eine Ehrlosigkeit gegenüber einem deiner hohen
Diener ist gleichzeitig eine Ehrlosigkeit dir gegenüber, und ich
erkenne meinen Fehler und bitte um Vergebung, obgleich ich sie
nicht verdient haben mag. Doch die weiteren Hiebe mit der Peitsche
habe ich dafür gewiss verdient. Eine viel zu milde Strafe für meinen
Fehltritt waren diese.
Ich gelobe Besserung, Herr, um dir mein Leben auf angemessene
Weise widmen zu können.


Nachdem er diese Worte gesprochen hatte legte er sich wieder bäuchlings auf seine Pritsche. Sein Atem ging flach und er übte sich in der Kunst der Meditation. Er wollte seinen Geist frei machen, für jenen Zorn und Hass, der ihm eingedroschen ward. Wie man ihm hieß jenen Zorn nach innen zu kehren, zu fokusieren und für sich zu nutzen, so wollte er es tun. Diese Gedanken im Geiste tragend verfiel er langsam dem erholsamen Schlaf, froh dabei die sengenden Schmerzen der Striemen auf seinem Rücken nichtmehr zu spüren.
Zuletzt geändert von Azador am Donnerstag 15. Oktober 2009, 23:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Die Wunden der Peitschenhiebe hatten sich mit der Zeit in Narben verwandelt, die keinerlei Schmerzen mehr verursachten. Auch die Schnittwunden in der Kopfhaut, von der unsanften Zwangsrasur wichen langsam wieder dem Anblick normaler Hautpartien.
Azador lag auf seinem Bett, und dachte nach. Er dachte nach über sein neues Leben, und die Dinge, die er bisher erfahren durfte. Die erhabene Vicaria Laraanji ließ ihm nun schon bereits zwei mal einige ihrer Weisheiten zu Teil werden. Das erste Mal in der Kälte draußen. Azador hatte große Mühe damit seinen Körper daran zu hindern wie Espenlaub zu zittern, und nicht ständig von Kälteschauern durchzuckt zu werden. Doch schnell erfuhr er den Zweck der Stunde im Freien. Beim zweiten Mal hatte die Vicaria ein wenig mehr Erbarmen mit ihm und so begaben sie sich in den Gebetsraum um dort ihr Gespräch zu führen.
Während Azador so darüber nachdachte beschloss er an seinem Buch weiterzuschreiben. Seinem Leitfaden für junge Templer, wie er einer war. Immernoch hegte er die Hoffnung, dass jenes Buch denen, die nach ihm kommen würden, das Leben erleichterte und sie die Erkenntnisse schneller erlangen ließ, als er es vermochte.



Kapitel II
Erste Lehren

Heute ist der 01. Lenzing 250. Bereits zwei mal traf ich mich mit der erhabenen Vicaria Laraanji, damit sie einen Teil ihrer Weisheit an mich weitergeben konnte, damit ich lerne dem Herren zu dienen. Auch dieses mal will ich nicht alles verraten, doch die wichtigsten Punkte will ich in meiner Chronik kurz anreißen, aufdass jene, die mir einst folgen eine Ahnung haben, was sie erwarten könnte.

Vier Leitgedanken sind es, die besprochen worden sind, jeweils bestehend aus drei wichtigen Schlagworten. Zu all diesen Leitgedanken werden dem Catulus acht Aufgaben gestellt, die es zu erfüllen gilt. Einige davon währen ein Leben lang, andere sind von kurzer Dauer, doch dies soll ein jeder für sich selbst herausfinden. Doch die Leitgedanken will ich aufzählen, damit sich im Vorfeld eigenen Gedanken gemacht werden können, von jenen, die meine Schriften lesen werden. Die daraus folgenden Aufgaben soll jeder selbst erfahren und meistern.

Hass, Rachsucht und Zorn

Ehrfurcht, Macht und Stärke

Dominanz, Hierarchie und Tyrannei

Hinterlist, Intrigen, Schattenkünste


Einen kleinen Rat will ich dennoch geben. All die Demütigungen, und Strafen, die man erleiden muss legen den Grundstein für die Entwicklung gewaltiger Kräfte, mit denen man es einst vermögen wird einen jeden Feind des Einen mit seinem Zorn zu zerschmettern. Vielleicht mag dies ein weiterer Ansporn sein, der dem einen oder anderen zu denken geben wird.

Auch möge zur Kenntnis gegeben sein, dass der Umgang mit Worten behilflich sein wird, ebenso körperliche Gesundheit und eine gute Kondition. Weiterhin sind starke Musken und große Belesenheit von Nutzen, für den späteren Weg, der einem jeden beschieden sein wird.


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Catulus im Tempel des Einen


Zuletzt geändert von Azador am Donnerstag 15. Oktober 2009, 23:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Kapitel III
Aufstieg, Schlaf und Erwachen

Es ist der 6. Eluiviar 250. Viel Zeit verging seit meinem letzten Eintrag, und viel ist geschehen. Lehren über die Gebote des Herren durfte ich erfahren, weiter Schulung in Glaubensfragen waren es, die ich genießen durfte. Und schließlich war es meine Aufgabe einen Teil meines Wissens mit der Garde der heiligen Stadt zu teilen. Dies schien von Erfolg gekrönt, denn wenige Tage später empfing ich die Weihe zum Vicarius, durchgeführt vom Tetrarchen Kyr'laex persönlich.

Doch ehe ich die Erzählung meiner Geschichte weiter fortsetze möchte ich zunächst die Gebote des Herren niederschreiben, aufdass sich ein jeder, der nach mir kommt, sie sich einprägen und in seinen Geist einbrennen kann.


„Dir zu dienen heißt Ehrfurcht zu lernen um nicht in falschem Hochmut den Sinn unseres Strebens aus den Augen zu verlieren.“

„Dir zu dienen heißt Gehorsam zu lernen denn aus ihm erwächst das Vertrauen sein Leben in die Hände seiner Geweihten zu legen.“

„Dir zu dienen heißt Treue zu lernen, denn aus ihr erwächst der größte Geist, der all’ deine Geweihten gleichermaßen erfüllt.“

„Dir zu dienen heißt dem Rat der Älteren zu folgen, denn aus ihnen erwächst eine Weisheit, welche du ihnen in langen Jahren zu Teil kommen ließest.“

„Dir zu dienen heißt die Jüngeren zu lehren und zu unterstützen, denn sie werden die Wurzeln sein, welche dein Reich auf Erden fest im Boden verankern.!“

„Dir zu dienen heißt weltlichem Besitz abzuschwören, denn nicht der Besitz des Einzelnen zählt, sondern nur das Fortkommen deiner Sache.“

„Dir zu dienen heißt sich in der Sprache zu schulen, denn ein wohl gesprochenes Wort vermag Wälle einzureißen, die jeder Armee getrotzt hätten.“

„Dir zu dienen heißt sich im Kampf zu schulen, denn jene unbelehrbaren Ketzer werden zur Ankunft deines Reiches auf Erden gerichtet werden.“

„Dir zu dienen heißt keine Almosen oder Geschenke anzunehmen, da nur mit eigenen Händen erarbeitetes vor dir Bestand hat.“

„Dir zu dienen heißt sich völlig aufzugeben, denn nur in Nileth Azur an deiner Seite können wir zur absoluten Vollkommenheit finden.“



Diese sind seine Gebote, nach ihnen soll ein jeder Gläubige leben un d sie stets hochhalten und ehren. Insbesondere die Erwählten des Einen haben ihnen zu folgen, um in der Hierarchie aufzusteigen. Und damit ist keineswegs weltliche Hierarchie und Macht gemeint, sondern die Gnade des Herren, und die Stellung im Jenseits, in Nileth Azur, der schwaren Zitadelle.

Nun nach meiner Weihe sank ich zufrieden in das fein säuberlich gemacht Bett in der Gemeinschaftsstube. In der Nacht ereilte mich eine Vielzahl von Träumen. Ich bin fester Überzeugung, dass sie Visionen waren, die mir die Wege offenbaren sollten, die ich zu beschreiten vermag.

Zunächst sah ich mich selbst auf einem einfachen Schimmel vor den Truppen der heiligen Stadt reiten, den Stab hoch erhoben, dessen Kristallkugelspitze ein mattes, weinrotes Leuchten aussandte. Worte verließen meine Lippen, die ich nicht zu verstehen vermochte, aber sie schienen das Heer anzustacheln. Ihr Kampfesmut schien sichtbar zu wachsen, der Hass in ihren Augen wurde größer. Ich sah wie sich mein Pferd wandte und der Blick auf die Ebene vor Varuna offenbart wurde. Sie hatten sich in ihren Mauern verkrochen, einige Brände züngelten in der Stadt um die Häuser, und die Mauern waren stellenweise unter dem unentwegten Beschuss von Katapulten zusammengesackt. Ich sah mich selbst vor den Truppen herreiten, immernoch redend. Dann stieg ich ab, zog mein Schild und meinen Preces Alataris. Einige leise Worte und meine Kutte und das Schild waren für einen Moment von einem matten Glanz umgeben, ebenso die Rüsten und Waffen der Kämpfer in menier Umgebung. Mehrere Templer standen in den Reihen des Heeres und Ähnliches geschah in ihrer Umgebung.

Plötzlich ward es dunkel. Das nächste Bild war wieder ein vertrautes. Wieder sah ich mich selbst, doch diesmal an der Redekanzel im Tempel, im Herzen der heiligen Stadt. Wieder sah ich, wie sich meine Lippen bewegten, und die Leute im Tempel lauschten ihnen aufmerksam. Einige blickten verwirrt drein, anderen nickten verstehend und noch andere hatten interessiert ihre Brauen in die Höhe gezogen. Als die Predigt vorbei zu sein schien verschwand ich im Gang und stapfte zielstrebig in Richtung der Stube, wo die Catuli schliefen. Einen hageren Mann stupste ich mit meinem Stab an und weckte ihn auf, nur um mich Augenblicke später mit ihm im Lehrsaal wiederzufinden, ihn unterrichtend.

Viele solcher Visionen waren es die mich ereilten. Es schien nur ein Moment vergangen zu sein, eine einzige Nacht des Schlafes, doch als ich erwachte, stelle ich fest, dass es keine Stunden waren, die dahinronnen, sondern Wochen. Wochen,...

Doch die Entscheidung stand fest. Ich will den Großteil meiner Kraft und Energie darauf verwenden dem Herren und allem was sein ist Schwert und Schild zu sein. Auge, Ohr und Zunge werde ich auch weiterhin bleiben, doch meine Kraft und mein Geschick mag in der Schlacht von größerem Nutzen sein, als an der Redekanzel und dem Traualtar.

Eine Entscheidung, die ein jeder einst zu treffen hat. Der richtige Weg wird sich einem jeden offenbaren, wenn es die Zeit dafür ist.

Azador
Vicarius im Tempel des Einen

Zuletzt geändert von Azador am Donnerstag 15. Oktober 2009, 23:22, insgesamt 3-mal geändert.
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Kapitel IV
Eine harte Prüfung

Wir schreiben den 15. Goldblatt im Jahre 252. Mehr als zwei Sonnezyklen vergingen seit meinem letzten Eintrag in dieses Buch. Viel ist geschehen, und doch auch wenig.

Zwei Jahre ist es her, dass der erhabene Tetrarch Kyr'laex mich aussandte in die Hafenstadt Bajard, um einen Ungläubigen auf den wahren Pfad zu führen und für den All-Einen zu gewinnen. Doch meine Schritte erreichten niemals jenen Ort. Begleitet wurde ich von einem Gardisten, man weiß nie ob die Ketzer nicht plötzlich in großer Zahl erscheinen. Er würde sich opfern können um sie abzulenken, bis ich meinen Zorn gegen sie zu richten vermochte. Doch nichtmals dazu taugte der Bursche. Als ich gedanken versunken die Grenzen des Reiches übertrat wurde ich seiner Anwesenheit gewahr, als sein Todesschrei an mein Ohr drang. Ein Blick nach hinten zeigte mir den Schaft eines Pfeiles, der aus seinem Gesicht ragte. Bevor ich zu reagieren vermochte traf mich ebenfalls ein Pfeil in die Schulter. Ehe mir gänzlich schwarz vor Augen wurde erkannte ich einige lichte Rüsten, an den aus dem Wald stümenden Gestalten.

Als der Herr entschied mir meine Lebensgeister zurückzusenden fand ich mich in einer überdachten Erdgrube wieder. Meine Wunde war verbunden worden. Als man sich am Rande der Grube meines Erwachens gewahr wurde fingen sie an. Stunde um Stunde warfen sie mir die Lehren der Hure entgegen die sich Temora schimpft. Sie peitschten mich aus, schlugen mich mit Schlagringen. Gaben mir gerade genug zu Essen und zu Trinken um mich am Leben zu halten. Doch ich hielt Stand. Sie versprachen mir Verschonung, wenn ich die unumstrittene Wahrheit als Lüge anerkennen würde. Ich hielt Stand.

Nach einigen Wochen schienen sie der Versuche überdrüssig. Kamen sie zu Beginn noch mehrmals am Tag, so wurde es alsbald nur noch jeder zweite Tag, dann einmal in der Woche. Mein Körper ist schwach gewesen, aber mein Geist wurde stärker. Mit jedem Hieb und jedem ketzerische Ausruf gegen den All-Einen sammelte sich mehr Hass und Zorn in meiner Seele. Aber mein Körper war schwach, so schwach. Ich hielt Stand.

Als sie nurmehr alle 14 Tage zu mir kamen, ihre lachhaften Bekehrungsversuche an den Tag legten und mir angeschimmeltes Brot und fauliges Wasser brachten, da dachte ich es wäre bald vorbei. Ich hoffte sie würden bald garnichtmehr kommen und mich hier einfach sterben lassen. Vielleicht würde der Herr meiner Seele für meine Standhaftigkeit Einzug in die Schwarz Zitadelle gewähren. Ich betete zu ihm er möge mir Gnade gewähren. Doch er ließ es nicht zu. War ich dem Ende nah, und mit dem Gesicht im Dreck, kraftlos, atemlos und schwach, so entstand aus dem Nichts eine kleine Pfütze. Gerade ein Schluck. Daneben krochen einige Würmer aus der Erde. Es war genug. Genug um zu leben. Ich hielt Stand.

Es musste sein Zeichen sein. In seinen Augen mochte die Prüfung bestanden sein, denn er schenkte mir das Leben. Glaubten sie mich doch schwach und geschunden. Tag für Tag gewann ich an Kraft. Die Schritte waren klein, aber sie brachten mich dem Ziel näher. Ich musste entkommen. Entkommen um in die heilige Stadt zurückzukehren und dem Herren zu dienen. Warum sonst sollte er mir diese Zeichen gesandt haben ? Er würde mir zeigen wenn es an der Zeit war, und mir beistehen. Und so war es. Zum Glück hielt ich Stand.

Sie schienen es aufgegeben zu haben. Als sie merkten, dass ich nicht den Hungertod starb riefen sie einen Henker herbei und entfernten sich. Lediglich der Schlächter und einer der Häscher der Hure blieben zurück. Schließlich muss jemand bezeugen, dass der Mann seine Arbeit verrichtet hatte. Ich lag mit dem Gesicht im Dreck, als ich hörte wie neben mir die Leiter hinabgelassen wurde. Dem Knarren der Sprossen nach zu urteilen musste es ein kräftiger Mann sein, der dort zu mir hinunterstieg. Er war nicht sonderlich vorsichtig. Glaubte er mich doch dem Ende nahe. In zweierlei Hinsicht. Doch sie hatten eins unterschätzt. Der Zorn ist eine unerschöpfliche Quelle der Stärke. Und Zorn hatte sich viel aufgestaut in mir. Endlich, endlich bot sich der Kraft ein Ventil. Als der Henker den Boden erreichte entfesselte ich all den aufgestauten Hass in mir, und rief nach des Herren Hilfe. Und sie kam. Als er meinen Kopf hob und mir mit einem Dolch die Kehle zu öffnen genügte ein Blick in meine schwarzen Augen. Er hielt nicht Stand. Der Dolch fiel in hohem Bogen in den Dreck, er schrie unter Qualen auf, wand sich am Boden und hielt sich den Kopf. Als sich ein Schwall Blut aus seinen Ohren in den Dreck ergoss erschlaffte sein Leib und er blieb reglos liegen. Der Geist des Anderen war stärker. Allerdings hatte ich nun einen Dolch, und ehe er die Leiter hinaufzuziehen vermochte steckte selbiger bereits in seinem Hals. So schnell das Hochgefühl kam, so schnell ging es auch wieder. Ich sackte müde zusammen und schaffte es beschwerlich mich die Leiter hinaufzukämpfen.

Ich musste fort von hier, ehe sie zurückkehrten. Zurück in die heilige Stadt. Auf allen Vieren kroch ich durch den Wald. Immer weiter und weiter. Ich gab nicht auf. Ich hielt Stand.

Genug für ein Kapitel. Die Ankunft und was dann geschah muss im nächsten Kapitel seinen Platz erhalten.

Azador



Es mag auffallen, dass bei diesem Kapitel kein Titel unter dem Namen zu lesen ist. Der Schreiber mag sich wohl nicht sicher gewesen sein, ob er nicht bereits seiner Stellung enthoben wurde und ob er sie jemals wieder zurückerhalten würde. Er war einfach verschwunden. Vielleicht dachten sie er hätte dem wahren Glauben abgeschworen und wäre nun ein Diener der Hure ? Die Zeit wird zeigen was geschieht.
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