Nun hatte sie es geschafft.
Ab heute war sie eine Bürgerin Rahals. Sie hatte dem Stadtverwalter Rukus schon länger einen Antrag darauf geschrieben, doch er war nicht beantwortet worden... Gut, es ist verständlich, dass Rukus immer etwas zu tun hatte und sicher nicht Zeit für alles seine bekommenen Briefe fand, doch sie hatte so darauf gehofft, er würde den ihrigen baldigst lesen! Hatte er nicht...zumindest bis jetzt... Aber jetzt war das auch egal - nun war sie Bürgerin einer Stadt! Der gewaltigen Stadt Rahals.
Das von Bergen umgebene Rahal an der westlichen Küste Gerimors. Etwas duster war es ja, doch es herrschte eine disziplinierte Verwaltung darin und alle Bürger wurden gut geschützt.
Heute war Karina mit einem anderen Knecht vom Gutshof zu Rahal in der großen Stadt unterwegs. Ben wollte einen Barbier aufsuchen, seine Haare waren recht gewachsen... Sie konnte ihm nur beipflichten. Er sah auch zu komisch aus, mit so langen Haaren...
Auf dem Weg zum Barbier kamen sie auch an der Stadtverwaltung vorbei und sie bemerkte, dass der Herr Verwalter wohl zu Hause sein musste, denn es saßen einige Leute auf den Bänken vor dem Gebäude. Und gerade kam ein Mann mit einer Pergamentrolle in der Hand aus der Tür. Als die beiden auch Sabriel, ihre Chefin vom Hof, auf der Straße trafen, konnte diese bestätigen, dass Rukus zugegen war.
Also ging sie, nachdem Ben seine Haare hatte schneiden lassen, zurück zu dem Verwaltungsgebäude, wartete bis ein anderer Mann herraustrat, bevor sie selber an die Tür klopfte.
Der Stadtverwalter bat sie freundlich herein und begrüßte sie überhaupt recht herzlich. Er war um so erfreuter und netter, als sie sagte, sie wolle auch die Bürgerschaft in dieser Stadt beantragen.
Die Prozedur ging recht schnell vonstatten. Rukus war etwas begierig darauf, die ganze Hintergrundgeschichte zu erfahren. Wie kam sie darauf Bürgerin werden zu wollen?
Naja, der Gutshof zu Rahal, den die Seuferlings und Herr Gertross verwalten, hatte sie freundlich aufgenommen, als sie Arbeit als Magd erfragte. Und dieser gehörte nun mal zu Rahal. Das war Karina nur Recht, so stand sie wenigstens unter dem Schutz der starken Stadt. Mochte sie auch noch so genaue und strenge Gesetze haben, ihr waren sie willkommen.
Wobei ihr ein wenig mulmig wurde, war der Schwur auf Treue zu dem einzigen Herrn, den alle Bürger Rahals ablegen mussten. Besonders religiös war sie nicht, von den Göttern hatte sie kaum eine Ahnung. Sie glaubt ihr, wie ihr Onkel, zu dem sie ein sehr gutes Verhältnis gehabt hatte(wohl das beste aud ihrer Familie), an die Natur und ihre Kräfte. Gut, die Natur gibt es nur aufgrund der Götter. Doch die Streiterein und Kämpfe zwischen jenen hatten sie noch nie großartig berührt...
Wie konnte sie da einem die Treue halten, wenn sie keine Kämpfe für ihn ausfechten konnte, die sie doch gar nicht verstand? Natürlich würde sie Seinen Gläubigern beistehen, wenn diese sie ihn Seinem Namen um etwas baten oder etwas verlangten. Keine Frage! Schließlich hatte sie geschworen!
Aber... konnte sie das überhaupt? Entsprach ihr Schwur der Wahrheit?
Karina hatte ein paar Freunde, die sich in Varuna aufhielten... ob nur vorübergehend, wusste sie nicht. Und einer Anwohnerin schuldete sie Dank... diese hatte einen Wolfsbiss von ihr geheilt...
Wenn ihr nahezu leichtfertiger Schwur sie nun in die Situation bringen würde, etwas gegen ihre Freunde zu tun? Das wollte sie sich gar nicht ausmalen!
Vielleicht war es eine schlechte Idee gewesen, die Bürgerschaft zu beantragen... Vielleicht wäre sie lieber neutral geblieben, anstatt sich in der Feindschaft der beiden großen Städte der Insel auf eine Seite zu schlagen...
Jedoch hätte sie den Antrag nicht gestell, würde sie wohl bestimmt den Gutshof verlassen müssen... Nein, das konnte und wollte sie nicht!
Wahrscheinlich wurde es als ausreichend große Treue Rahal gegenüber angesehen, wenn sie nur den Einen Gott anrief... Vielleicht hatte sie ihre Freunde gar nicht durch sich in Gefahr gebracht... Vielleicht musste sie nie zu den Waffen gegen Varuna greifen...
Vielleicht...
Bürgerin unter dem Schutz des Einen
-
Karina DelMur
Liliana hat Recht...
Die freundliche, eifrige Heilerin aus Varuna klang in ihrem Brief ziemlich entsetzt und auch etwas besorgt. Das war nur zu verständlich... Recht komisch war es für Außenstehende ja schon, dass Karina, deren Eltern temoragläubig waren. Dach das waren sie nur, weil die Familie seit Generationen nur Temora angerufen hatte. Karinas Onkel jedoch, ein weiser Alchemist und Menschenkenner, der ihr viel beigebracht hatte, besaß keine tiefe Verbundenheit und herzlich wenig Glauben in jegliche Götter.
"Vertrau nur auf das, was du mit deiner Vernunft, deinem Herzen und deinen Augen siehst... Erkennst du etwas nur mit einem Teil deiner Wahrnehmung, so vertraue nicht blind darauf! Sonst kann man dir zu leicht etwas vormachen!"
Die Natur und die Charakter der Mitmenschen, das ist alles, woran man sicher glauben kann.
Diese Denkweise hatte Karina dazu gebracht, Bürgerin von Rahal zu werden... der Glauben in die Natur und die Mitmenschen.
Der Gutshof war der beste Hof in dieser Hinsicht: Die Bewohner freundlich und sehr naturverbunden. Ahnlich auch die Bürger der Stadt. Sie glauben an den Schutz durch die Bürgerwehr und die Verwaltung.
Dass sie sich einem Gott derart verschrieben haben, faszinierte Karina, doch es berührte ihre Lebensweise nicht sonderlich. Sie glaubte weder an Temora, noch an Alatar, noch an sonst irgendwelche angeblich höher, menschenähnliche Intelligenzen; nur die Natur war für Karina verständlich.
Viele hielten sie aufgrund ihrer Herkunft temoragläubig, oder aufgrund ihrer Mentalität für eine Anhängerin Eluives - schließlich hatte diese die Welt erschaffen... Doch so war das nicht richtig!
Götter waren für Menschen nicht erfassbar - Menschen für Götter kaum vorhanden. Alatar und Temora sahen wahrscheinlich gar nicht, wie Menschen um den Glauben an sie kämpften.
Doch für ihre Rahaler Mitbürger würde Karina nur den Einen anrufen und für die Stadt sorgen, wenn sie es wollten.
Und der Rest ihres Lebens, das von keinen Götter beansprucht wird, würde sich um die Natur und deren "Preisung" drehen.
Die freundliche, eifrige Heilerin aus Varuna klang in ihrem Brief ziemlich entsetzt und auch etwas besorgt. Das war nur zu verständlich... Recht komisch war es für Außenstehende ja schon, dass Karina, deren Eltern temoragläubig waren. Dach das waren sie nur, weil die Familie seit Generationen nur Temora angerufen hatte. Karinas Onkel jedoch, ein weiser Alchemist und Menschenkenner, der ihr viel beigebracht hatte, besaß keine tiefe Verbundenheit und herzlich wenig Glauben in jegliche Götter.
"Vertrau nur auf das, was du mit deiner Vernunft, deinem Herzen und deinen Augen siehst... Erkennst du etwas nur mit einem Teil deiner Wahrnehmung, so vertraue nicht blind darauf! Sonst kann man dir zu leicht etwas vormachen!"
Die Natur und die Charakter der Mitmenschen, das ist alles, woran man sicher glauben kann.
Diese Denkweise hatte Karina dazu gebracht, Bürgerin von Rahal zu werden... der Glauben in die Natur und die Mitmenschen.
Der Gutshof war der beste Hof in dieser Hinsicht: Die Bewohner freundlich und sehr naturverbunden. Ahnlich auch die Bürger der Stadt. Sie glauben an den Schutz durch die Bürgerwehr und die Verwaltung.
Dass sie sich einem Gott derart verschrieben haben, faszinierte Karina, doch es berührte ihre Lebensweise nicht sonderlich. Sie glaubte weder an Temora, noch an Alatar, noch an sonst irgendwelche angeblich höher, menschenähnliche Intelligenzen; nur die Natur war für Karina verständlich.
Viele hielten sie aufgrund ihrer Herkunft temoragläubig, oder aufgrund ihrer Mentalität für eine Anhängerin Eluives - schließlich hatte diese die Welt erschaffen... Doch so war das nicht richtig!
Götter waren für Menschen nicht erfassbar - Menschen für Götter kaum vorhanden. Alatar und Temora sahen wahrscheinlich gar nicht, wie Menschen um den Glauben an sie kämpften.
Doch für ihre Rahaler Mitbürger würde Karina nur den Einen anrufen und für die Stadt sorgen, wenn sie es wollten.
Und der Rest ihres Lebens, das von keinen Götter beansprucht wird, würde sich um die Natur und deren "Preisung" drehen.
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Karina DelMur
Wenige Tage nach dem großen Streit und der Wiederversöhnung, kam Kari wieder einmal müde vom Rahaler Gutshof Heim.
Doch bevor sie sich vollständig entspannte, musste sie noch so einiges an Hausarbeiten erledigen. Das kleine Chaos in Schränken und Kästen aufräumen, das Bett aufschütteln, den Tieren im Garten und ihrem Pferd am Anbindepfosten Futter geben, ein Abendessen kochen...
Sie war gerade dabei, ein paar Bündel Weizen und mehrere Zentner gedörrtes Fleisch aus einer Truhe zu nehmen, um es in den Garten zu schleppen und die Futtertröge damit zu füllen, als Gregor auch heimkam. Fast wären sie in der Tür aufeinandergeprallt. Lächelnd gab sie ihm einen Kuss auf die Wange und schlüpfte hinaus, er kam ihr beim Futter geben zu Hilfe.
Nun war nur noch Zahra dran, Karinas Pferd...
Da das Kochen ausfiel, weil Gregor keinen Hunger hatte, war sie auch schon mit der Arbeit fertig und wollte es sich bequem machen. Sie mochte es wahnsinnig gerne, Wasserpfeife zu rauchen, und zündete das schöne Exemplar an, das sie mit ihrem Liebsten in Menek'ur Stadt erstanden hatten. Es war scheinbar noch etwas Tabak von einer vorherigen Runde darin, welchen sie nicht genauer untersuchte und daher einfach drauflos paffte. Mit geweiteten Augen und Pupillen sah sie Gregor zu seltsamen Gestalten verschwimmen und lallte angstvoll etwas Unverständliches vor sich hin, bis dieser, in Form eines großen blauen Riesenkäfers auf sie zukam.
Doch bald besserte sich ihr Zustand und sie konnte wieder klar sehen und sankt etwas erschöpft in die Lehne zurück. Bald konnte sie auch darüber lachen, als Gregor ihr erklärte, dass noch eine kleine Menge Wildkraut in der Wasserpfeife war. Fürs nächste Mal nahm sie sich vor, darauf zu achten, was sie rauchte. Das starke Zeug hielt sie weder aus noch schmeckte es ihr.
Der Abend wurde wieder ruhiger. Doch ein weiteres großes Ereignis geschah noch, bevor Karina müde zu Bett ging.
Gregor hatte ihr wohl schon früher an dem Tag eine Nachricht hinterlassen, die er wieder ausgestrichen hatte. Aber sie konnte es wohl noch entziffern und war erst einmal sprachlos…
Wortlos ging sie zu dem Überraschten hin und fing ihn zu küssen und zu liebkosen an, ihr gesamter Geist schrie „Ja“, doch sie, von den Emotionen überwältigt, sagte es leise.
Sie nahm seinen Heiratsantrag überglücklich an.
Doch bevor sie sich vollständig entspannte, musste sie noch so einiges an Hausarbeiten erledigen. Das kleine Chaos in Schränken und Kästen aufräumen, das Bett aufschütteln, den Tieren im Garten und ihrem Pferd am Anbindepfosten Futter geben, ein Abendessen kochen...
Sie war gerade dabei, ein paar Bündel Weizen und mehrere Zentner gedörrtes Fleisch aus einer Truhe zu nehmen, um es in den Garten zu schleppen und die Futtertröge damit zu füllen, als Gregor auch heimkam. Fast wären sie in der Tür aufeinandergeprallt. Lächelnd gab sie ihm einen Kuss auf die Wange und schlüpfte hinaus, er kam ihr beim Futter geben zu Hilfe.
Nun war nur noch Zahra dran, Karinas Pferd...
Da das Kochen ausfiel, weil Gregor keinen Hunger hatte, war sie auch schon mit der Arbeit fertig und wollte es sich bequem machen. Sie mochte es wahnsinnig gerne, Wasserpfeife zu rauchen, und zündete das schöne Exemplar an, das sie mit ihrem Liebsten in Menek'ur Stadt erstanden hatten. Es war scheinbar noch etwas Tabak von einer vorherigen Runde darin, welchen sie nicht genauer untersuchte und daher einfach drauflos paffte. Mit geweiteten Augen und Pupillen sah sie Gregor zu seltsamen Gestalten verschwimmen und lallte angstvoll etwas Unverständliches vor sich hin, bis dieser, in Form eines großen blauen Riesenkäfers auf sie zukam.
Doch bald besserte sich ihr Zustand und sie konnte wieder klar sehen und sankt etwas erschöpft in die Lehne zurück. Bald konnte sie auch darüber lachen, als Gregor ihr erklärte, dass noch eine kleine Menge Wildkraut in der Wasserpfeife war. Fürs nächste Mal nahm sie sich vor, darauf zu achten, was sie rauchte. Das starke Zeug hielt sie weder aus noch schmeckte es ihr.
Der Abend wurde wieder ruhiger. Doch ein weiteres großes Ereignis geschah noch, bevor Karina müde zu Bett ging.
Gregor hatte ihr wohl schon früher an dem Tag eine Nachricht hinterlassen, die er wieder ausgestrichen hatte. Aber sie konnte es wohl noch entziffern und war erst einmal sprachlos…
Wortlos ging sie zu dem Überraschten hin und fing ihn zu küssen und zu liebkosen an, ihr gesamter Geist schrie „Ja“, doch sie, von den Emotionen überwältigt, sagte es leise.
Sie nahm seinen Heiratsantrag überglücklich an.