Glîr i Fae – Das Lied der Seele
Schwerelos. Das Wasser in dem See in der Mitte des Elfenwaldes vor dem Hintergrund gewaltiger Berge war zwar nicht warm doch auch nicht kalt. Das Ufer des Sees war frei von Schnee. Im Wasser lag Ethuilel, die Augen geschlossen, die Arme ausgebreitet. Das Lied formte kräftige Töne um sie herum, die das letzte bisschen Kälte vertrieben, das im Wasser verblieben war. Sie trieb auf dem stillen Wasser, ihr Haar wie ein Kranz offen und um ihren Kopf schwimmend. Sie wirkte vollkommen entspannt, schien fast zu schlafen. Tatsächlich hatte ihr Zustand vieles von einem Schlaf an sich – ihre ganze Aufmerksamkeit war nach innen gekehrt.
„Wie denke ich nicht?“, war eine von den Fragen, die in ihrem Kopf war. Sie trieb dort noch viele Stunden, ehe ihr Geist diese Frage als einzige in ihrem Kopf duldete. „Wie denke ich nicht?“ Die Sonne senkte sich hinter den Horizont und ihr Geist driftete in den Schlaf ab. Ihr Körper trieb zum Rand des Sees, wo die Wasser ihn sanft zum Schlafe betteten. Aufgewühlte Träume waren dieser Nacht lohn. Hundertdreißig Jahre zogen in bedeutungsschwerter Fremdartigkeit an ihrem inneren Auge vorbei, berührten das Innerste ihrer Seele und bewegten sich weiter. Abstrakt und nicht Greifbar. Ihr Kopf zuckte manches Mal diese Nacht umher, als ein dunklerer Traum mit eiseskälte über ihre Seele streichelte. Sie meditierte noch immer, war entspannt. Durch diese Entspannung, diese Selbstlosigkeit hatten die Erinnerungen einen viel größeren Einfluss auf sie.
Am nächsten Morgen zitterte sie vor Eiseskälte. Die Nacht war lang und voller Schmerzen seltsamster Natur gewesen. Sie war durchnässt und verwirrt, ihre Hände zitterten immernoch obwohl sie keine körperliche Kälte empfand. Es hatte einen Dolch aus purem Diamant in ihre Seele gestoßen – und ihr den Weg vor Augen geführt, schoss es ihr glühend heiss ins Gedächtnis.
“Das ist meine Seele, die ich gehört habe heute Nacht. Die Oberfläche. Sie verschließt sich mir. Ich muss tiefer dringen.”
Immer noch zitternd aber mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht ging sie zurück nach Ered Luin, die Stadt des Lichtes. Geradewegs an ihren Brüdern und Schwestern vorbei, die sie nur kurz anblickten und in ihrem Gesicht eine gewisse Verwunderung über die nicht mehr vorhandene Redseligkeit durchschimmern lassen. Aber sie bemerkten nichts von dem Zittern, nichts, was sie in Erklärungsnöte bringen würde. Oben in ihrem Haus setzte sie sich auf ihr Bett und blickte zum Fenster. Die Sonne stieg langsam über die Berge und der Mittag war angebrochen. Ethuilel lächelte und nahm ein feines, in elfischen Runen geschriebenes Buch hervor. Ihre Finger fand schnell die gesuchte Textstelle und mit der den Elfen eigenen, hellen und reinen Stimme begann sie zu singen:
filigod niben, tolo dad
havo na dâl nîn
linno na lâm nîn ad
linno an Eluive i huil
revio veren or imlath
nello linnad lîn
ir im ad a ad
linnon na lam nîn
Kleines Vöglein, komm hernieder,
setze dich an meinen Fuß.
Lasse hörn dein Stimmlein wieder,
sing Eluive einen Morgengruß.
Fliege fröhlich über das Tal,
lass dein Schilpen ertönen.
Während ich ein ums andere Mal
Meine Stimm' lass ertönen.
So erklang es im Raum und verblasste schnell im Tal, als sich nach kurzer Zeit eine andere Stimme beimischte. Es war das Zwitschern einer Schwalbe. Sie ergänzte sich mit der Stimme Ethuilels und schien sich mit ihr zu vereinen und auch als sie selbst keinen Ton mehr über ihre Lippen wandern lies erklang dieses Zwitschern in ihr. Doch in ihr selbst fühlte sie, das dies noch nicht die Vollendung war, nach die es ihr strebte. Den restlichen Tag bis zum Einbruch der Dämmerung saß sie dort und konzentrierte sich nur auf diesen Gedank, auf jede Nuance des Klanges. Mit dem Einbruch der Dunkelheit ging Ethuilel aus der Stadt hinaus in den Wald, der gerade im Begriff war, sich schlafen zu legen. Es sollte eine erleuchtende Reise werden, die sie zu unternehmen gedachte, wenn auch eine kurze. Zusammen mit den Geistern der Wäldern beriet sie sich und wurde von ihnen zu einer kleinen Quelle hoch oben im Gebirge getragen. Der Ort schien unberührt, einzig erleuchtet von dem Leuchten, in dessen Zentrum einer der Geister war, der sie hierher begleitet hatten. Sie ließ sich direkt im Gras vor der Quelle nieder und blickte sich um. Was sie sah waren endlose Hänge des Hochgebirges – doch dieser Ort war eine Aue in der Bergwüste. In einem Umfeld von drei Schritt um die Quelle herum sprossen Gras und Blumen, jede Winterkälte war von diesem Ort verbannt. Dann richtete sie Gehört und Augen auf das vorplätschernde Wasser. Eine Stimme in ihrem Inneren sandte Wärme über ihren Körper und sie wusste, dass sie den Weg des 'Wo' nun beendet hatte. Das 'wann' war allerdings noch offen. Nicht etwa meditierend sondern mit voller Aufmerksamkeit blickte sie zu dem Wasser, verfolgte seinen Fall und hörte das Plätschern.
Kurz vor dem Morgengrauen hörte sie dann das Zwitschern eine Schwalbe und sie wusste: Dies war ihr Seelenlied. Sie würde das Wissen um diesen Moment auf immer in ihrem Leben mittragen und gelegentlich wieder herkommen, um die Erinnerung zu erneuern.
Dann erhob sie sich und verbeugte sich vor dem Geist. Als sie sich wieder erhob stand sie vor dem Weg nach Ered Luin. Sie lächelte und wandte sich ab – ihr Weg führte sie durch die Natur, nicht in die Stadt.
I'lir - Das Lied
-
Ethuilel Rhia´san
Man lind lîn? - Was ist Dein Klang?
Der dünne Schnee, der diese Tage lag, mied dieses Ort. Eine Wärme ging von ihm aus, die nicht in Worte zu fassen war. Sie war gleichermaßen in der Welt um sie herum wie im Lied. Hier würde sie heute meditieren, um den Aufgaben ihres Lehrmeisters gerecht werden zu können: Sie sollte versuchen, das Lied von Dingen zu begreifen, ehe sie ihre eigene Stimme dem Lied hinzufügen könnte. Sie ließ sich in einer fließenden Bewegung nieder, wobei sie ihre Robe etwas anhob und blickte vor sich. Dort lagen zwei Steine, die eine junge Blume flankierten, die sich ihren Weg an die Sonne erkämpfte. Ethuilel schloß die Augen und sog die kühle Luft frisch in ihre Lungen. Langsam, über mehrere Stunden hinweg klärte sich ihr Geist und das Denken kam zum erliegen. An seine Stelle trat das Lauschen. Erst zaghaft, dann immer näher erklang das Lied ihrer Seele, umgeben von einer Symphonie aus unbekannten Tönen. Lange Zeit suchte sie, ehe sie aus den Tönen eine Menge vor sich ausmachte, die sie weiter aufzuspalten begann: Das Gras, die Form der Steine, die Erde unter dem Gras, die Wurzeln der Pflanze, Stengel, Blätter. Die Sonne sank langsam hinter den Horizont, als sich ein Bild dieser Pflanze vor ihrem Auge und ihrem Ohr zu formen begann, das unabhängig von Witterung und Licht war.
Eine Blume, so schön wie das Auge sie wahrnehmen kann, so fein wie ein Finger sie nur erfühlen kann. Aber sie ist tot. Meine Erinnerung friert ein Bild von diesem Etwas ein, das unvollständig ist. So wird es wohl sein, wie Menschen ihre Magie wirken – konserviert aus Büchern und gelehrt von alten Meistern.
Lange nagten diese Gedanken an ihr, als sie schon längst wieder daheim in der Lichtestadt war und auf ihrem weichen Bett lag. Erst fiel ihr Blick auf den fein gemusterten Teppich, dann auf den Tisch, der vollgestelt war mit Karten, Getränken und Speisen. In der Mitte lag ein Buch. Unbeschrieben, mit dem Abbild einer Schwalbe auf dem Rücken. Nun dämmerte es ihr: Alles ist ein Lied, wie konnte ich nur annehmen, dass ich ein Lied mit einem Bild festhalten könnte? In nahezu jugendlichem Ehrgeiz sprang sie auf und hüllte sich in ihren Mantel. Wehenden Schrittes eilte sie durchs nächtliche Tal, hin zu dem Garten der Künstler und Barden. Es würde die ganze Nacht brauchen – aber es wäre vollständig. Bis zum Morgengrauen fiel Licht aus dem kleinen Pavillon in den Garten und auch danach fand man Ethuilel, umgeben von einem Haufen aus beschriebenen Blättern dort vor. Nach einer weiteren Weile und einem höheren Stapel Blättern lächelte sie: Fertig. Nicht so gut wie Lamentinu es könnte, aber es reicht, mich an diese Pflanze zu erinnern.
Wenn sich der Sommer in die Lande wagt,
bist Du die erste, die ans Lichte ragt,
und ihre Blüten offen zeigt
und wenn die Kälte des Winters zehrt,
und die Leiden der Menschen mehrt
bist die die Letzte, die schläft und schweigt.
Als sie an diesem Vormittag in ihre Haus ging, war ihre Brust stolz etwas herausgestreckt und das Lächeln geradezu allgegenwärtig. Immer wieder murmelte sie: Mein erstes Lied. Und als Ithorellain dann aufwachte und aus dem Haus ging bemerkte er eine Schwalbe, die sich auf seiner Schulter niederliess und fröhlich etwas trällerte, das sich ähnlich wie diese Melodie anhörte.
Der dünne Schnee, der diese Tage lag, mied dieses Ort. Eine Wärme ging von ihm aus, die nicht in Worte zu fassen war. Sie war gleichermaßen in der Welt um sie herum wie im Lied. Hier würde sie heute meditieren, um den Aufgaben ihres Lehrmeisters gerecht werden zu können: Sie sollte versuchen, das Lied von Dingen zu begreifen, ehe sie ihre eigene Stimme dem Lied hinzufügen könnte. Sie ließ sich in einer fließenden Bewegung nieder, wobei sie ihre Robe etwas anhob und blickte vor sich. Dort lagen zwei Steine, die eine junge Blume flankierten, die sich ihren Weg an die Sonne erkämpfte. Ethuilel schloß die Augen und sog die kühle Luft frisch in ihre Lungen. Langsam, über mehrere Stunden hinweg klärte sich ihr Geist und das Denken kam zum erliegen. An seine Stelle trat das Lauschen. Erst zaghaft, dann immer näher erklang das Lied ihrer Seele, umgeben von einer Symphonie aus unbekannten Tönen. Lange Zeit suchte sie, ehe sie aus den Tönen eine Menge vor sich ausmachte, die sie weiter aufzuspalten begann: Das Gras, die Form der Steine, die Erde unter dem Gras, die Wurzeln der Pflanze, Stengel, Blätter. Die Sonne sank langsam hinter den Horizont, als sich ein Bild dieser Pflanze vor ihrem Auge und ihrem Ohr zu formen begann, das unabhängig von Witterung und Licht war.
Eine Blume, so schön wie das Auge sie wahrnehmen kann, so fein wie ein Finger sie nur erfühlen kann. Aber sie ist tot. Meine Erinnerung friert ein Bild von diesem Etwas ein, das unvollständig ist. So wird es wohl sein, wie Menschen ihre Magie wirken – konserviert aus Büchern und gelehrt von alten Meistern.
Lange nagten diese Gedanken an ihr, als sie schon längst wieder daheim in der Lichtestadt war und auf ihrem weichen Bett lag. Erst fiel ihr Blick auf den fein gemusterten Teppich, dann auf den Tisch, der vollgestelt war mit Karten, Getränken und Speisen. In der Mitte lag ein Buch. Unbeschrieben, mit dem Abbild einer Schwalbe auf dem Rücken. Nun dämmerte es ihr: Alles ist ein Lied, wie konnte ich nur annehmen, dass ich ein Lied mit einem Bild festhalten könnte? In nahezu jugendlichem Ehrgeiz sprang sie auf und hüllte sich in ihren Mantel. Wehenden Schrittes eilte sie durchs nächtliche Tal, hin zu dem Garten der Künstler und Barden. Es würde die ganze Nacht brauchen – aber es wäre vollständig. Bis zum Morgengrauen fiel Licht aus dem kleinen Pavillon in den Garten und auch danach fand man Ethuilel, umgeben von einem Haufen aus beschriebenen Blättern dort vor. Nach einer weiteren Weile und einem höheren Stapel Blättern lächelte sie: Fertig. Nicht so gut wie Lamentinu es könnte, aber es reicht, mich an diese Pflanze zu erinnern.
Wenn sich der Sommer in die Lande wagt,
bist Du die erste, die ans Lichte ragt,
und ihre Blüten offen zeigt
und wenn die Kälte des Winters zehrt,
und die Leiden der Menschen mehrt
bist die die Letzte, die schläft und schweigt.
Als sie an diesem Vormittag in ihre Haus ging, war ihre Brust stolz etwas herausgestreckt und das Lächeln geradezu allgegenwärtig. Immer wieder murmelte sie: Mein erstes Lied. Und als Ithorellain dann aufwachte und aus dem Haus ging bemerkte er eine Schwalbe, die sich auf seiner Schulter niederliess und fröhlich etwas trällerte, das sich ähnlich wie diese Melodie anhörte.
Zuletzt geändert von Ethuilel Rhia´san am Dienstag 10. April 2007, 08:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Ethuilel Rhia´san
I'dhîn – Die Ruhe
Erui
Ruhe, seltener Gast in meinem Haus,
kehrst du nur ein, wenn gar niemand da,
fährst über Bett, fährst über Strauß,
achtest sehr darauf, dass niemand dich sah,
Lange Stille kündet von dir,
wenn die Wogen sich glätten,
du seltener Gast bei mir,
wenn mehr nur Dich hätten,
Ich suche dich oft,
meist gar im Spiegel,
doch findest du mich nur
Gar wenig geht von dir aus,
viel weniger noch dringt hinaus,
und doch bewegt mich niemand wie du.
Tadui
Ich suche dich, du findest mich,
mein Herz steht dir offen,
Meisterin von Lied und Kunst,
komme zu mir in stiller Stund.
Nelui
Wer bist du, Unbekannter,
der zu mir kommt bei Nacht,
wenn niemand hier acht',
deiner zu bezeugen?
Wer bist du, Schweigender,
der alle Weisheit hütet,
und nicht andern lehrt was wüted,
in dieser aufgebrachten Welt?
Du bist, was andere suchen,
die Stille der Welt,
in der jeder vernahm,
was die Weisheit ist.
Erui
Ruhe, seltener Gast in meinem Haus,
kehrst du nur ein, wenn gar niemand da,
fährst über Bett, fährst über Strauß,
achtest sehr darauf, dass niemand dich sah,
Lange Stille kündet von dir,
wenn die Wogen sich glätten,
du seltener Gast bei mir,
wenn mehr nur Dich hätten,
Ich suche dich oft,
meist gar im Spiegel,
doch findest du mich nur
Gar wenig geht von dir aus,
viel weniger noch dringt hinaus,
und doch bewegt mich niemand wie du.
Tadui
Ich suche dich, du findest mich,
mein Herz steht dir offen,
Meisterin von Lied und Kunst,
komme zu mir in stiller Stund.
Nelui
Wer bist du, Unbekannter,
der zu mir kommt bei Nacht,
wenn niemand hier acht',
deiner zu bezeugen?
Wer bist du, Schweigender,
der alle Weisheit hütet,
und nicht andern lehrt was wüted,
in dieser aufgebrachten Welt?
Du bist, was andere suchen,
die Stille der Welt,
in der jeder vernahm,
was die Weisheit ist.
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Ethuilel Rhia´san
Or cram a perf - von Kuchen und Büchern
„Wie der Schmied der Schmied, der seinen Hammer schwingt.“, erklangen die Worte von Isdaniel in ihrem Ohr, „Wie ein Schmied...“. Sie saß in ihrer Wohnung und dachte an – Datteln. Leise summte sie, versuchte, ein Gefühl für den Klang der Dattel zu bekommen, die sie vor fast langer Zeit von der Wüsteninsel mitgebracht hatte. Neben der Dattel lag ein Apfel, an dem sie ihre Kunst ohne Aufsicht der Lehrer ausüben wollte. Der Gedanke an den Nachmittag lenkte sie wieder einmal ab. Sie hatte in fast kindlichem Übermut ein Buch hergenommen und einen Kuchen daraus gemacht. Er war eine Beleidigung für jeden Gaumen gewesen – aber es war ein Kuchen, der vorher ein Buch gewesen war. Das Buch kam ihr noch immer faszinierend vor, viele Seiten, mit Text und Bildern, ein Klang im Lied der sich ganz von dem eines Apfels oder einer Dattel unterschied. Fast zwang sie sich, wieder an Isdaniel und Yonai zu denken, keinen Wanderungen ihres Kopfes nachgeben „Der Schlüssel ist...“
Die Form des Apfels änderte sich, als sie ihr Seelenlied nutzte wie der Schmied seinen Hammer und mit den Händen über die glatte Oberfläche strich. Es war ein Apfel, der vorher eine Pflaume, davor eine Birne war. Ganz allmählich schlich sich der Gedanken an Bipfel hervor und sie schüttelte sich, verlor die Verbindung zum Lied und seufzte.
„Das kann doch nicht so schwer sein.“, wieder atmete sie tief durch und krämpelte sich überflüssigerweise die Ärmel hoch – aber es half dem Vergleich. Der Apfel verlor langsam, die Zeit wirkte nahezu unendlich, jede Züge seines Ursprunges und glich einer Dattel. Ihre Arbeit war jedoch noch nicht fertig: Noch immer spielte sie das Lied der Eluive und der Geschmack veränderte sich. Nach über einer Stunde erhob sie sich und trat ans Fenster, die Frucht zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Du bist also der Pfad zur Macht.“
„Wie der Schmied der Schmied, der seinen Hammer schwingt.“, erklangen die Worte von Isdaniel in ihrem Ohr, „Wie ein Schmied...“. Sie saß in ihrer Wohnung und dachte an – Datteln. Leise summte sie, versuchte, ein Gefühl für den Klang der Dattel zu bekommen, die sie vor fast langer Zeit von der Wüsteninsel mitgebracht hatte. Neben der Dattel lag ein Apfel, an dem sie ihre Kunst ohne Aufsicht der Lehrer ausüben wollte. Der Gedanke an den Nachmittag lenkte sie wieder einmal ab. Sie hatte in fast kindlichem Übermut ein Buch hergenommen und einen Kuchen daraus gemacht. Er war eine Beleidigung für jeden Gaumen gewesen – aber es war ein Kuchen, der vorher ein Buch gewesen war. Das Buch kam ihr noch immer faszinierend vor, viele Seiten, mit Text und Bildern, ein Klang im Lied der sich ganz von dem eines Apfels oder einer Dattel unterschied. Fast zwang sie sich, wieder an Isdaniel und Yonai zu denken, keinen Wanderungen ihres Kopfes nachgeben „Der Schlüssel ist...“
Die Form des Apfels änderte sich, als sie ihr Seelenlied nutzte wie der Schmied seinen Hammer und mit den Händen über die glatte Oberfläche strich. Es war ein Apfel, der vorher eine Pflaume, davor eine Birne war. Ganz allmählich schlich sich der Gedanken an Bipfel hervor und sie schüttelte sich, verlor die Verbindung zum Lied und seufzte.
„Das kann doch nicht so schwer sein.“, wieder atmete sie tief durch und krämpelte sich überflüssigerweise die Ärmel hoch – aber es half dem Vergleich. Der Apfel verlor langsam, die Zeit wirkte nahezu unendlich, jede Züge seines Ursprunges und glich einer Dattel. Ihre Arbeit war jedoch noch nicht fertig: Noch immer spielte sie das Lied der Eluive und der Geschmack veränderte sich. Nach über einer Stunde erhob sie sich und trat ans Fenster, die Frucht zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Du bist also der Pfad zur Macht.“
Zuletzt geändert von Ethuilel Rhia´san am Dienstag 10. April 2007, 09:26, insgesamt 1-mal geändert.