Morgendliches Übel
Rau fühlte sich der körnige Sand auf dem ausgeschütteten Wege an, der unter Arvanyas nackten Füßen knirschte. Kleine Wirbel bildeten sich bei jedem ihrer zaghaften Schritte und hatten unlängst ihre Füße mit einer grauen Schicht bedeckt, in der nur noch winzige helle Flecken an die ursprüngliche Hautfarbe erinnerten.
Arvanya fühlte sich elend. In ihrem Kopf surrte und summte es wie in einem Wespennest und die Strahlen der aufgehenden Sonne brachte sie zum Blinzeln und verursachte ihr Schmerzen anstatt sie zu erfreuen. In ihrem Bauch grollte und gluckerte es, der leere Magen verlangte nach etwas zu Essen und vor allem etwas zu Trinken. Nur wenige Schritte von sich entfernt nahm Arvanya einen mit glänzenden Früchten beladenen Baum wahr. Verführerisch, lockend und über den Zaun vor sich hinweg lügend, raffte sie all' ihre Kraft zusammen und befahl den schweren und zugleich schwachen Beinen sich zu bewegen. Meter um Meter kam sie dem Objekt der hungrigen Begierde näher, ihr Magen feuerte sie mit stetigem Glucksen und Knurren an.
Doch dann, oh nein, nicht schon wieder! Arvanya fühlte wie sich alles in ihrem Bauch nach oben hob, wie die giftige Galle in ihren Hals hinauf schoss, ihren Mund ausfüllte und an ihren geschlossenen Lippen pochte. Die Lippen brachen, öffneten sich und Arvanya erbrach sich schwallartig auf den Erdboden. Zittrig und erschöpft von dem erneuten Flüssigkeitsverlust patschte sie mit ihren Händen nach dem Zaun. Er musste in unmittelbarer Nähe sein! Ja, da war er! Die Finger krallten sich krampfartig um die hölzerne Latte, ungeachtet der kleinen Splitter die sich in die Haut bohrten. Schwärze vor den Augen, immer diese verdammte Schwärze!
Plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Nicht erdrückend, viel mehr beistehend. Eine weitere Hand, die sie vom Zaun wegführte und sie auf eine Bank drückte. Unterdessen die Stimme einer Frau, weit entfernt klingend und vom Rauschen in Arvanyas Kopf übertönt. Ja, im Sitzen wurde es langsam besser, die dunklen Flecke im Blickfeld verschwanden wieder.
„Ich stehe täglich mit meinen Füßen im Kuhmist, das geht schon", entgegnete die Führerin der helfenden Hände auf Arvanyas stammelnde Entschuldigung, dass sie ihr Gut beschmutzt habe. Mit den viel zu langen und zu weiten Robenärmeln wischte sie sich über die Mundwinkel.
„Habt ihr etwas falsches gegessen?“, kam die Nachfrage der ehrlich besorgt scheinenden Frau, welche sich zuvor noch als Emma vorgestellt hatte. Im ersten Affekt den Kopf schüttelnd, sich dann jedoch zu einem Nicken um entscheidend, war Emmas Verdacht geweckt.
„Ja oder nein, ihr solltet euch schon entscheiden!“. Die Stirn zu einem skeptischen Runzeln verzogen, spürte Arvanya Emmas zweifelnden Blick auf sich. Sie vergrub ihr Gesicht zwischen den Händen, in der Hoffnung, dass Emma es damit auf sich beruhen ließe. Doch hatte sie sich getäuscht, denn Emma stellte nun ihre ganz eigene These über den Zustand des Mädchens auf. Entweder habe sie sich eine Magenverstimmung zugezogen oder aber sie sei guter Hoffnung!
Arvanya erstarrte ob letzterer Vermutung und lieferte Emma wahrscheinlich genau dadurch ungewollt den Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie. Jedoch ließ sich Arvanya nicht davon abhalten dies zu bestreiten und schob es stattdessen mit heftiger Untermalung mittels Stimme und Gestik auf die Tatsache schon lange nichts mehr gegessen zu haben. Was natürlich auch ein Teil der Wahrheit war.
Emmas Schmunzeln sprach Bände ob der Erklärungsversuche Arvanyas, jedoch ließ sie davon ab sie weiter zu bedrängen und willigte vorerst in ihre Version ein. „Na, wenn ihr so lange schon nichts mehr zu essen gehabt habt, dann habt ihr sicher nichts gegen eine kräftige Brühe einzuwenden. Und einen Eimer bringe ich euch auch gleich mit!“
[...]
Arvanya – Schritte in das echte Leben
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Arvanya Limen
Arvanya – Schritte in das echte Leben
Zuletzt geändert von Arvanya Limen am Donnerstag 5. April 2007, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Arvanya Limen
Schicksalsbeichte
Ein Bett, ein richtiges bequemes Bett.
Mit Kissen, Decke und Laken. Alles was dazu gehörte.
Nie hätte sich Arvanya träumen lassen sich über eine solche Selbstverständlichkeit so freuen zu können. Doch nach den mit Leid erfüllten Tagen war sie mehr als dankbar darum. Der Geruch von Sauberkeit durchströmte ihre Nase, als sie sich in die Decke murmelte. Sie blähte die Nasenflügel auf um auch ja jede einzelne Facette des Duftes aufnehmen zu können. Herrlich!
Das leise Klicken des Schlosses verriet Arvanya, dass Emma das Zimmer verlassen hatte.
Emma Uhlenhoff.
Diese Frau wusste nun um ihr Schicksal. Sie wusste nun alles was dem jungen Mädchen widerfahren war. Arvanya konnte sich nicht mehr dagegen wehren, der Drang sich mitzuteilen, zeriss fast ihr Inneres. All’ die Tage hatte sie ihr Schicksal in sich hinein gefressen, geschwiegen und verheimlicht. Dabei hatte ihr Herz darauf gedrängt das Leid zu teilen, sich jemandem anzuvertrauen. Doch wem? Es gab niemanden auf ihrem Wege, fort von zuhause. Emma hatte es geschafft sie zum Reden zu bringen. Sie hatte ihr den Funken Vertrauen gegeben, der schließlich alles über ihre Lippen sprudeln ließ.
Morank, ihr Vater. Ein Kaufmann war er, keinem Geschäft aus dem Wege gehend, stets mit dem Gedanken dabei noch mehr Gold zu scheffeln. Die Familie verdankte diesem Trieb Wohlstand, es mangelte ihr an nichts. An nichts Materiellem.
Für Morank war alles ein Geschäft, selbst seine Tochter. Sie war nicht sein Kind, sie war seine beste Investition, wie er immer betonte. Eine Heirat sollte ins Haus stehen, eine Heirat, die einen Haufen an Gold versprach. Der Sohn eines jahrelangen Geschäftspartners sollte es sein. Schmierig, schleimig, ekelhaft, doch sitzend auf mehreren Haufen Gold. Und das war schließlich ausschlaggebend.
Doch Arvanyas Herz schlug seit jeher für einen anderen Mann, Diamas. Er war ein einfacher Handwerker ohne Reichtum und Glanz, doch mit einem Herz so rein wie das Wasser eines Bergsees. Die Liebe zwischen den Beiden war groß, doch der Hass des Vaters nicht minder. Er jagte Diamas aus dem Hause, vertrieb ihn von seinem Grund und Boden. Nie wieder solle er sich in die Nähe seiner Tochter begeben, er würde ihn dafür aufhängen lassen. Diamas’ wehender Haarschopf war das Letzte gewesen was Arvanya von ihrer Liebe gesehen hatte. Sie rechnete fest damit, dass Morank ihm seine Männer hinter schickte um sicher zu gehen, dass er auch wirklich nie wieder kehrte.
Doch Diamas hatte etwas zurückgelassen. Etwas, was unter Arvanyas Herzen wuchs. Etwas, was das Geschäft mit der Hochzeit platzen ließ. Wer wollte schon eine Braut, die das Kind eines anderen im Bauch trug?! Morank wollte es aus dem Bauch seiner Tochter prügeln, auf dass sie wieder rein wäre. Doch der Handel war geplatzt. Wutentbrannt warf Morank seine Tochter aus dem Hause, verbannte sie aus der Familie. Er würde sie umbringen lassen so sie es wagte zurückzukehren. Sie hatte die Ehre der Familie beschmutzt und war fortan kein Kind der Familie mehr.
Tränen liefen über Arvanyas Wangen und sie vergrub ihr Gesicht in dem weichen Kissen. Emma gab ihr Hoffnung. Doch war dies genug? Ein Kunde Emmas hatte sich eingemischt, wollte wissen was mit Arvanya geschehen war. Er bohrte, er hakte nach, die energische Stimme war über den Hof gehallt. Es war seine Pflicht sagte er, er wollte dem Mädchen keine Ruhe lassen. Bis Emma ihn halbwegs vom Hofe geworfen hatte.
Das Bett. So weich, so warm.
[...]
Ein Bett, ein richtiges bequemes Bett.
Mit Kissen, Decke und Laken. Alles was dazu gehörte.
Nie hätte sich Arvanya träumen lassen sich über eine solche Selbstverständlichkeit so freuen zu können. Doch nach den mit Leid erfüllten Tagen war sie mehr als dankbar darum. Der Geruch von Sauberkeit durchströmte ihre Nase, als sie sich in die Decke murmelte. Sie blähte die Nasenflügel auf um auch ja jede einzelne Facette des Duftes aufnehmen zu können. Herrlich!
Das leise Klicken des Schlosses verriet Arvanya, dass Emma das Zimmer verlassen hatte.
Emma Uhlenhoff.
Diese Frau wusste nun um ihr Schicksal. Sie wusste nun alles was dem jungen Mädchen widerfahren war. Arvanya konnte sich nicht mehr dagegen wehren, der Drang sich mitzuteilen, zeriss fast ihr Inneres. All’ die Tage hatte sie ihr Schicksal in sich hinein gefressen, geschwiegen und verheimlicht. Dabei hatte ihr Herz darauf gedrängt das Leid zu teilen, sich jemandem anzuvertrauen. Doch wem? Es gab niemanden auf ihrem Wege, fort von zuhause. Emma hatte es geschafft sie zum Reden zu bringen. Sie hatte ihr den Funken Vertrauen gegeben, der schließlich alles über ihre Lippen sprudeln ließ.
Morank, ihr Vater. Ein Kaufmann war er, keinem Geschäft aus dem Wege gehend, stets mit dem Gedanken dabei noch mehr Gold zu scheffeln. Die Familie verdankte diesem Trieb Wohlstand, es mangelte ihr an nichts. An nichts Materiellem.
Für Morank war alles ein Geschäft, selbst seine Tochter. Sie war nicht sein Kind, sie war seine beste Investition, wie er immer betonte. Eine Heirat sollte ins Haus stehen, eine Heirat, die einen Haufen an Gold versprach. Der Sohn eines jahrelangen Geschäftspartners sollte es sein. Schmierig, schleimig, ekelhaft, doch sitzend auf mehreren Haufen Gold. Und das war schließlich ausschlaggebend.
Doch Arvanyas Herz schlug seit jeher für einen anderen Mann, Diamas. Er war ein einfacher Handwerker ohne Reichtum und Glanz, doch mit einem Herz so rein wie das Wasser eines Bergsees. Die Liebe zwischen den Beiden war groß, doch der Hass des Vaters nicht minder. Er jagte Diamas aus dem Hause, vertrieb ihn von seinem Grund und Boden. Nie wieder solle er sich in die Nähe seiner Tochter begeben, er würde ihn dafür aufhängen lassen. Diamas’ wehender Haarschopf war das Letzte gewesen was Arvanya von ihrer Liebe gesehen hatte. Sie rechnete fest damit, dass Morank ihm seine Männer hinter schickte um sicher zu gehen, dass er auch wirklich nie wieder kehrte.
Doch Diamas hatte etwas zurückgelassen. Etwas, was unter Arvanyas Herzen wuchs. Etwas, was das Geschäft mit der Hochzeit platzen ließ. Wer wollte schon eine Braut, die das Kind eines anderen im Bauch trug?! Morank wollte es aus dem Bauch seiner Tochter prügeln, auf dass sie wieder rein wäre. Doch der Handel war geplatzt. Wutentbrannt warf Morank seine Tochter aus dem Hause, verbannte sie aus der Familie. Er würde sie umbringen lassen so sie es wagte zurückzukehren. Sie hatte die Ehre der Familie beschmutzt und war fortan kein Kind der Familie mehr.
Tränen liefen über Arvanyas Wangen und sie vergrub ihr Gesicht in dem weichen Kissen. Emma gab ihr Hoffnung. Doch war dies genug? Ein Kunde Emmas hatte sich eingemischt, wollte wissen was mit Arvanya geschehen war. Er bohrte, er hakte nach, die energische Stimme war über den Hof gehallt. Es war seine Pflicht sagte er, er wollte dem Mädchen keine Ruhe lassen. Bis Emma ihn halbwegs vom Hofe geworfen hatte.
Das Bett. So weich, so warm.
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Zuletzt geändert von Arvanya Limen am Mittwoch 11. April 2007, 13:26, insgesamt 1-mal geändert.