Wie war sein Name noch? Blahj oder Bäehj? Verzweifelt versuchte Baheera sich an die Kurzform seines Namens zu erinnern.
Denk an ein Schaf, kleine Menekanerin und an den Schrei, den sie ausstoßen.
Nein, das durfte nicht sein, er benannte sich nach dem Schrei eines Schafes, und der andere genauso große Kerl schien das auch noch lustig zu finden!
So werde ich ihn gewiss nicht nennen, das wäre unhöflich und vielleicht habe ich mich doch verhört und er meint etwas
ganz anderes.
Das andere fiel ihr just in dem Augenblick nicht ein, also suchte sie, höflich wie sie war, das Gespräch geschickt in eine andere Richtung zu lenken.
Beeindruckt betrachtete sie seine Körpergröße und vor allem die Fellmütze, aus der das Antlitz eines Wolfes sprach. Seine Stimme erinnerte sie ein wenig an das dröhnende Donnergrollen über der Wüste. Ein wenig Genickschmerzen bereitet ihr das ständige Aufblicken, und
zum ersten Male in ihrem jungen Leben kam sich Baheera unendlich klein vor, aber sonderbarer Weise verspürte sie nicht den Hauch
von Furcht. Im Gegenteil auf Zehenspitzen stehend berührte sie das flauschige, haarige Fell auf seinem Kopf.
Schön war es und weich und wohl auch sehr warm.
Also für die Wüste wäre das nichts, viel zu heiß, meinte sie leise nachdenklich.
Noch viel heißer sollte ihr nach dem folgenden Dialog werden.
Apropos Wüste, ich möchte eine dieser Rosen aus der Wüste kaufen. Wie viel kosten die denn?
Das geht nicht, die sind unverkäuflich, meinte sie erschrocken und nur stockend kamen die Worte über ihre Lippen.
Aber ich würde jeden Preis zahlen.
Also sie sind unbezahlbar, außerdem gehören sie alle dem Erhabenen, der sie beschützt und sie hegt wie die Tränen Eluives.
Stolz warf sie der Gestalt einen eher undefinierbaren langen Blick zu.
Aber...ich würde sie auch beschützen und sehr wohl auf sie achten!/i]
Los, sag mir den Preis, ich hätte wirklich sehr gerne eine.
Ein langer, verwirrter Blick begleitete dann Baheeras tiefes Seufzen.
Um den Mann nicht zu verärgern gab sie dann vor, weitere Marktstände begutachten zu müssen.
Nach den üblichen Worten des Abschieds und einer tiefen Verneigung, suchte sie rasch und entschlossen das Weite.
Noch gab es andere Stände, die lockten. Neugierig blickt sie sich eine Weile konzentriert und völlig gefesselt um, lauschte den Worten der Festländer und betrachtet deren Waren eingehend mit einer gewissen Faszination.
Ja, so ein Markttag war aufregend. So viel Neues konnte man sehen.
Verblüfft blieb sie abrupt stehen und konnte nicht umhin die Frau mit dem Haaren, die ihr wie gesponnene Sonnenstrahlen bis zur Schulter fielen, zu betrachten. So eine Haarfarbe hat sie noch nie gesehen, und unwillkürlich kam sie mit ihrem gewohnt leichten hüftschwingenden Gang langsam Schritt für Schritt immer näher. Angezogen von diesem Haar. Als sie vor ihr stehen blieb, konnte sie nichts anderes tun als höflich zu grüßen.
Nach der tiefen Verneigung verweilte ihr Blick erneut fasziniert an dem Haar, was Binah, so nannte sie sich, auffiel. Schon streckte sie die Finger aus, wollte das, was so golden glänzte berühren, als Ali sie aus dem Traum riss. Sehnsüchtig warf sie noch einmal einen Blick auf die Frau, hauchte einige Worte der Verabschiedung ihr scheu zu, um dann den anderen zu folgen.
Schade, wirklich schade. Zu gerne hätte sie gewusst, was da wirklich auf dem Kopf der Frau war, und ob es sich so gut anfühlte, wie sie insgeheim sich vorstellte.
Beim Bart des Wesirs, so ein Markttag war voller Überraschungen und Aufregung.
Baheera war zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis des Tages. Nur die Menge an Fragen in ihrem Kopf wollte sie eigentlich sogleich noch loswerden.
Wo war nur Khalida?
Immer wenn Baheera drohte der Kopf zu platzen, war sie mit wichtigen Aufgaben befasst und nicht erreichbar. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben bis zum nächsten Markttag würde sie die Antworten haben.