Zwei ungewöhnliche Gäste an einem Tag... zunächst der Falke, mit geübten, festen Griffen und aufmerksamem Blick hatte sie ihn untersucht. Ein besonders prächtiges Tier, wahrlich... und sie konnte stolz auf Taralea sein, sie hatte die Verletzung ausgezeichnet mit Mutters Hilfe versorgt. Etwas war anders an diesem Vogel, das spürte sie... doch sie vermochte nicht zu sagen was, diese leichte Nuance im Klang.. sie konnte sie nicht einordnen. Doch keine Zeit blieb ihr, jene lange zu studieren, ein Druide war gekommen, Serendo Radil. Kein Unbekannter für sie. Skepsis und Verwunderung suchten sie heim bei seinem Anblick. Was war geschehen, dass er sie aufsuchte? Die Sorge in seinen Zügen war nicht zu übersehen und Unruhe lag in seinem Klang. Recht schnell sprach er auch sein Anliegen aus. Einer seiner Brüder war spurlos verschwunden und er hatte die Hoffnung, die Schwestern könnten ihm helfen. Sie war hin- und hergerissen. Er schien ihr zu vertrauen, wenn er solche Sorgen zu ihm trug. Und auch wenn er ihre Fähigkeiten entlarvt hatte, verraten hatte er sie dennoch nicht. Der Schwesternschaft zu schaden war gewiss nicht seine Absicht, im Gegenteil. Sie rührte seine Sorge um Kilyan... nicht anders würde sie reagieren, drohte einer Schwester Gefahr. Zudem dienten sie beide der Mutter... wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Sie sah die Begegnung als ein Zeichen, dass auch Mutter eine Brücke über jenen Spalt, der mit Viviannes Vertreibung aus Vernemeton zwischen Brüder und Schwestern getrieben worden war, schätzen würde. Sie wusste, sie konnte helfen... Mutter hatte den Schwestern Wege geschenkt, in geringem Maße zu sehen. Zudem - war es nicht sogar ihre Pflicht zu helfen, befand sich möglicherweise ein Recht schaffender Mensch in Not, ein Teil von Mutters Schöpfung, der sie respektierte und ehrte? Nach einem kurzen inneren Kampf willigte sie ein. Doch nicht in das Haus der Schwestern würde sie sie führen... ein anderer Ort musste gefunden werden. Die Bretter einer Brücke zu verlegen ohne zuvor die Stützpfeiler gebaut zu haben wäre nur töricht.
Sie ließ sich zusammen mit Taralea jenen Ort zeigen, den der Druide andachte... noch nie war sie dort gewesen, aber sie spürte sogleich, dass er voller Kraft war, gönnte sich einige Momente der Ruhe und des Klangerlebens, ehe sie einwilligte. Hier sollte es geschehen, wohl das erste Mal seit der Vertreibung von Vivianne aus Vernemeton würden Hexen und Druiden ihre Kraft vereinen, um einen aus der Mitte der Brüder wiederzufinden. Mit Spannung, leichter Sorge und auch ein wenig Vorfreude blickte sie dem kommenden Tag der Sonne entgegen, darauf vertrauend, dass sie Mutters Zeichen richtig gedeutet hatte.
Ein spitzer Schrei
-
Kilyan Carnova
Gesichter
...Wieder einmalt tauchte die junge Frau auf und versorgte ihn, untersuchte
ihn, tastete ihn ab. Alles schien in Ordnung zu sein, nur konnte er seinen
rechten Flügel nicht bewegen, er war taub und lahm.
Ein ungutes Gefühl durchzuckte den Falken, nie wieder, so schien es, könnte
er sich in die Lüfte erheben, nie wieder auf die Jagd nach Vögeln gehen,
nie wieder...
Eine andere Frau erschien, sie war den Falken unbekannt in Gestalt und
Erscheinung, doch spürte er etwas, das er nicht einordnen konnte.
Sie packte ihn herzhaft und hielt ihn fest.
Flucht. Flucht. Er konnte an nichts anderes mehr denken und so trieb es
ihn an, er wehrte sich so stark es sein geschundener Körper zuließ.
Er zappelte mit allen Gliedern, die er bewegen konnte und schrie so laut er
konnte.
Nichts half, die Frau war deutlich stärker als er. Er schein verloren, blanke
Panik schoß durch sein Herz, begeleitet von Schwäche. Er war nahe daran
sein Bewusstsein zu verlieren und sich einfach Mutter hinzugeben.
Dann tauchte ein dritte Gestalt auf.
In grün gehüllt stand er vor den Frauen und dem Falken. Die Frau ließ den
Wanderfalken frei, woraufhin er nur zusammensackte, kaum noch
fähig zu stehen, beobachtete er erschöpft die Situation.
Irgendetwas war komisch - der Mann. Die berobte Gestalt hatte einen
komischen Einfluss auf den Falken, etwas zog an seinem Herzen etwas zog
an seinem Geist. Er war bekannt und unbekannt, es war, als würde er ihn das
erste Mal sehen, aber trotzdem schon jahrelang kennen. Verwirrung machte
sich breit, aber auch höchstes Interesse, wer war er?
Der Mann redete mit den Frauen und dann verschwanden sie - alle drei.
Der Falke konnte sich nicht weiter bei Bewusstsein halten und fiel in einen
unruhigen Schlaf...
Was wird wohl noch mit ihm passieren?
Wie lange wird der Kampf noch andauern?
Wo wird das alles enden?
ihn, tastete ihn ab. Alles schien in Ordnung zu sein, nur konnte er seinen
rechten Flügel nicht bewegen, er war taub und lahm.
Ein ungutes Gefühl durchzuckte den Falken, nie wieder, so schien es, könnte
er sich in die Lüfte erheben, nie wieder auf die Jagd nach Vögeln gehen,
nie wieder...
Eine andere Frau erschien, sie war den Falken unbekannt in Gestalt und
Erscheinung, doch spürte er etwas, das er nicht einordnen konnte.
Sie packte ihn herzhaft und hielt ihn fest.
Flucht. Flucht. Er konnte an nichts anderes mehr denken und so trieb es
ihn an, er wehrte sich so stark es sein geschundener Körper zuließ.
Er zappelte mit allen Gliedern, die er bewegen konnte und schrie so laut er
konnte.
Nichts half, die Frau war deutlich stärker als er. Er schein verloren, blanke
Panik schoß durch sein Herz, begeleitet von Schwäche. Er war nahe daran
sein Bewusstsein zu verlieren und sich einfach Mutter hinzugeben.
Dann tauchte ein dritte Gestalt auf.
In grün gehüllt stand er vor den Frauen und dem Falken. Die Frau ließ den
Wanderfalken frei, woraufhin er nur zusammensackte, kaum noch
fähig zu stehen, beobachtete er erschöpft die Situation.
Irgendetwas war komisch - der Mann. Die berobte Gestalt hatte einen
komischen Einfluss auf den Falken, etwas zog an seinem Herzen etwas zog
an seinem Geist. Er war bekannt und unbekannt, es war, als würde er ihn das
erste Mal sehen, aber trotzdem schon jahrelang kennen. Verwirrung machte
sich breit, aber auch höchstes Interesse, wer war er?
Der Mann redete mit den Frauen und dann verschwanden sie - alle drei.
Der Falke konnte sich nicht weiter bei Bewusstsein halten und fiel in einen
unruhigen Schlaf...
Was wird wohl noch mit ihm passieren?
Wie lange wird der Kampf noch andauern?
Wo wird das alles enden?
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Nuria Mondin
- Beiträge: 0
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Wie lange hatte sie geschlafen? Die Sonne war bereits wieder dabei, im Westen in das Wasser abzutauchen, als sie erwachte. Ihr Körper brauchte die Ruhe, viel Kraft hatte der vorherige Abend gefordert. Gründlich wusch sie sich und ihre Ritualrobe um somit die letzten äußeren Spuren dessen verwehen zu lassen, was am Abend zuvor geschah.
Taralea und sie waren zu den Druiden gegangen, um mit ihnen den verlorenen Bruder wieder zu suchen. Als sie ankamen, war alles bereitet. Drei Söhne waren es, die an diesem Abend gemeinsam mit den Töchtern um Mutters Hilfe bitten würden.
Viel Zeit nahm sie sich, den Herren die Abläufe ihrer Bitte zu erklären, damit Unsicherheit nicht das Ergebnis beeinträchtigen oder einer der ihren jenes versehentlich zunichte machen würde. Doch bald schon war es soweit.... Töchter und Söhne reinigten sich und mit vereinten Kräften wurde die Bitte gesprochen.
Die Finger von Nuria und Serendo trafen sich an der Kristallkugel und ebenso einten sich die geistigen Kräfte von Töchtern und Söhnen. Sie fühlte seine Präsenz, war ihm näher als zuvor einem menschlichen Wesen, das nicht zur Schwesternschaft gehörte. Sie spürte seine Kraft und sie hörte sein Sehnen nach dem Klang des verlorenen Bruders... den Klang Kilyans. Alle Energie, die ihr aufzubringen möglich war sowie jene, die die Anderen ihr spendeten, ließ ihr sehendes Auge wandern in Zeit und Raum. Ihr Körper verzerrte all seine Kräfte, doch ihr Geist war so wach und offen wie selten. "Mutter, führe mich... mein Geist ist frei..." Sie sah einen Hain, einen See, kleine Häuser, sie hörte den Klang von Frieden und Harmonie. Nebel... sie sah ihre vertraute Heimat den Sumpf, deutlich hörte sie die Melodie der Luft und des Schwebens... es wurde schwerer, sich zu konzentrieren, sie spürte, wie die Gegenkraft des Druidens nachließ und fast schon drohte ihr Auge in ihn zu wandern, als sich die Kraft wieder stabilisierte. Ihr Körper fieberte, Mutters Wärme durchdrang ihn, das Wasser lief ihr den Rücken hinunter, kaum zu kühlen vermochten die kalten Hände des Druiden. Und dochte suchte sie weiter... ihr Auge wanderte und sie sah Holzhütten von weit oben, hörte den Klang des Vogels, durch dessen Augen sie blickte. Plötzlich durchzuckte sie ein starker Schmerz in der rechten Schulter, physisch, beißend, schwelend und pochend. Ihre Konzentration kämpfte mit den immer lauter werdenden Warnsignalen ihres menschlichen Körpers. Sie sah Federn, sie hörte eine Änderung im Klang, sie fühlte, wie sie fiel... sie fiel... immer tiefer... und ihr wurde schwarz vor Augen. Ermattet sackte sie zusammen, erschöpft. Mit letzter Willenskraft zwang sie ihren Kopf, nicht sein Bett auf der Brust Serendos zu suchen. Einige Momente sammelte sie sich, ehe sie ihre Kraftreserven bündelte und sich aufraffte. "Es ist noch nicht vorbei..." Fest und machtvoll hallte ihre Stimme über den Platz, als sie die Bitte zu ihrem Abschluss führte. Nicht im selben Maße kraftvoll, wie sie es begonnen hatte, doch sicher, ohne unnützes Zögern.
Kaum war es vorüber, sackte sie erschöpft zusammen. "Wasser..." die Brüder schienen ihre Gedanken zu lesen, schneller wurde ihr jenes gereicht als sie danach fragen konnte. Einige Zeit verweilte sie dort, ehe sie Rat hielten. Es war gewiss, was geschehen war... Unerfahrenheit führte zur Überschreitung einer Grenze, die aus eigener Kraft nicht erneut überquert werden konnte. Kilyan hatte Glück gehabt... war der Schuss nur ein Streifschuss und Taraleas Versorgung vorbildlich. Doch schnell mussten sie handeln... mehr und mehr ging sein Klang in dem des Falken verloren...
Noch ihre Kräfte sammelnd beobachtete sie, wie Serendo sich mit den Kräften des Waldes verband und jene nutzte, den gefangenen Bruder zu holen. Tiefer noch waren die Brüder mit den Pflanzen verbunden als ihr zuvor bewusst war und es füllte sie mit Respekt.
Die Brüder übernahmen die Vorbereitung für jene Bitte, die dem jungen Bruder den Weg zurück zeigen würde. Die ersten Schritte rauschten an ihr vorbei, doch schließlich hatte auch sie sich weit genug gesammelt, als dass sie wieder eine Hilfe war. Sie verstaute die Ritualgegenstände der vorherigen Bitte und beobachtete, wie ein junger Bruder, Dragonus wohl sein Name, den Platz vorbereitete. Sie half zu opfern, sie schenkte Kraft, sie schwächte das übermächtige Luftelement mit der ihren Kraft ab... und sie sah, wie unter der Führung des hohen Bruders der Mensch im Tier gestärkt und geweckt wurde, bis jener schließlich bewusstlos in ihrer Mitte lag wie ihn Mutter geschaffen hatte. Behutsam spendete sie mit sanftem Wind Wärme, um den schwachen Leib vor dem Auskühlen zu schützen, während der Bruder die Bitte zu ihrem Ende brachte, ehe die Brüder sich vereint sahen.
Ein warmes Lächeln lag auf ihren Lippen und der Wind ebbte so behutsam ab wie er gekommen war. Sie sah und sie spürte in den Gesten und den Worten der Brüder, was sie aus der Schwesternschaft kannte. Sie spürte jenes Beschützerinstinkt in dem hohen Druiden, welches sich auch in ihr regte, sobald sie eine der jüngeren Schwestern sah und versuchte, ihr zu helfen, ihren Weg zu Mutter zu finden. Ihre Anwesenheit war nicht mehr von Nöten. Die Brüder würden Zeit für sich brauchen. Doch sie würden sich erinnern. Nicht viele Worte waren es, die sie zum Abschied verlor... doch sie warnten die Söhne, das noch dünne Band des Vertrauens zu zerreißen. Doch auch sie hatte mehr erfahren über jene als tausend Gespräche hätten vermitteln können. Die Klänge von ihnen waren ihr nunmehr vertraut und nahe... ein weiteres zartes Band, dass sich zwischen den Söhnen und den Töchtern flocht.
Taralea und sie waren zu den Druiden gegangen, um mit ihnen den verlorenen Bruder wieder zu suchen. Als sie ankamen, war alles bereitet. Drei Söhne waren es, die an diesem Abend gemeinsam mit den Töchtern um Mutters Hilfe bitten würden.
Viel Zeit nahm sie sich, den Herren die Abläufe ihrer Bitte zu erklären, damit Unsicherheit nicht das Ergebnis beeinträchtigen oder einer der ihren jenes versehentlich zunichte machen würde. Doch bald schon war es soweit.... Töchter und Söhne reinigten sich und mit vereinten Kräften wurde die Bitte gesprochen.
Die Finger von Nuria und Serendo trafen sich an der Kristallkugel und ebenso einten sich die geistigen Kräfte von Töchtern und Söhnen. Sie fühlte seine Präsenz, war ihm näher als zuvor einem menschlichen Wesen, das nicht zur Schwesternschaft gehörte. Sie spürte seine Kraft und sie hörte sein Sehnen nach dem Klang des verlorenen Bruders... den Klang Kilyans. Alle Energie, die ihr aufzubringen möglich war sowie jene, die die Anderen ihr spendeten, ließ ihr sehendes Auge wandern in Zeit und Raum. Ihr Körper verzerrte all seine Kräfte, doch ihr Geist war so wach und offen wie selten. "Mutter, führe mich... mein Geist ist frei..." Sie sah einen Hain, einen See, kleine Häuser, sie hörte den Klang von Frieden und Harmonie. Nebel... sie sah ihre vertraute Heimat den Sumpf, deutlich hörte sie die Melodie der Luft und des Schwebens... es wurde schwerer, sich zu konzentrieren, sie spürte, wie die Gegenkraft des Druidens nachließ und fast schon drohte ihr Auge in ihn zu wandern, als sich die Kraft wieder stabilisierte. Ihr Körper fieberte, Mutters Wärme durchdrang ihn, das Wasser lief ihr den Rücken hinunter, kaum zu kühlen vermochten die kalten Hände des Druiden. Und dochte suchte sie weiter... ihr Auge wanderte und sie sah Holzhütten von weit oben, hörte den Klang des Vogels, durch dessen Augen sie blickte. Plötzlich durchzuckte sie ein starker Schmerz in der rechten Schulter, physisch, beißend, schwelend und pochend. Ihre Konzentration kämpfte mit den immer lauter werdenden Warnsignalen ihres menschlichen Körpers. Sie sah Federn, sie hörte eine Änderung im Klang, sie fühlte, wie sie fiel... sie fiel... immer tiefer... und ihr wurde schwarz vor Augen. Ermattet sackte sie zusammen, erschöpft. Mit letzter Willenskraft zwang sie ihren Kopf, nicht sein Bett auf der Brust Serendos zu suchen. Einige Momente sammelte sie sich, ehe sie ihre Kraftreserven bündelte und sich aufraffte. "Es ist noch nicht vorbei..." Fest und machtvoll hallte ihre Stimme über den Platz, als sie die Bitte zu ihrem Abschluss führte. Nicht im selben Maße kraftvoll, wie sie es begonnen hatte, doch sicher, ohne unnützes Zögern.
Kaum war es vorüber, sackte sie erschöpft zusammen. "Wasser..." die Brüder schienen ihre Gedanken zu lesen, schneller wurde ihr jenes gereicht als sie danach fragen konnte. Einige Zeit verweilte sie dort, ehe sie Rat hielten. Es war gewiss, was geschehen war... Unerfahrenheit führte zur Überschreitung einer Grenze, die aus eigener Kraft nicht erneut überquert werden konnte. Kilyan hatte Glück gehabt... war der Schuss nur ein Streifschuss und Taraleas Versorgung vorbildlich. Doch schnell mussten sie handeln... mehr und mehr ging sein Klang in dem des Falken verloren...
Noch ihre Kräfte sammelnd beobachtete sie, wie Serendo sich mit den Kräften des Waldes verband und jene nutzte, den gefangenen Bruder zu holen. Tiefer noch waren die Brüder mit den Pflanzen verbunden als ihr zuvor bewusst war und es füllte sie mit Respekt.
Die Brüder übernahmen die Vorbereitung für jene Bitte, die dem jungen Bruder den Weg zurück zeigen würde. Die ersten Schritte rauschten an ihr vorbei, doch schließlich hatte auch sie sich weit genug gesammelt, als dass sie wieder eine Hilfe war. Sie verstaute die Ritualgegenstände der vorherigen Bitte und beobachtete, wie ein junger Bruder, Dragonus wohl sein Name, den Platz vorbereitete. Sie half zu opfern, sie schenkte Kraft, sie schwächte das übermächtige Luftelement mit der ihren Kraft ab... und sie sah, wie unter der Führung des hohen Bruders der Mensch im Tier gestärkt und geweckt wurde, bis jener schließlich bewusstlos in ihrer Mitte lag wie ihn Mutter geschaffen hatte. Behutsam spendete sie mit sanftem Wind Wärme, um den schwachen Leib vor dem Auskühlen zu schützen, während der Bruder die Bitte zu ihrem Ende brachte, ehe die Brüder sich vereint sahen.
Ein warmes Lächeln lag auf ihren Lippen und der Wind ebbte so behutsam ab wie er gekommen war. Sie sah und sie spürte in den Gesten und den Worten der Brüder, was sie aus der Schwesternschaft kannte. Sie spürte jenes Beschützerinstinkt in dem hohen Druiden, welches sich auch in ihr regte, sobald sie eine der jüngeren Schwestern sah und versuchte, ihr zu helfen, ihren Weg zu Mutter zu finden. Ihre Anwesenheit war nicht mehr von Nöten. Die Brüder würden Zeit für sich brauchen. Doch sie würden sich erinnern. Nicht viele Worte waren es, die sie zum Abschied verlor... doch sie warnten die Söhne, das noch dünne Band des Vertrauens zu zerreißen. Doch auch sie hatte mehr erfahren über jene als tausend Gespräche hätten vermitteln können. Die Klänge von ihnen waren ihr nunmehr vertraut und nahe... ein weiteres zartes Band, dass sich zwischen den Söhnen und den Töchtern flocht.
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Kilyan Carnova
Der Arm
Er kehrte nach langen Stunden der Abwesenheit, wieder zurück in den Hain. Immernoch umrundeten seine Gedanken, die letzten beiden Stunden. Er hatte Taralea wiedergetroffen, eine Schwester, eine Schwester die er schon nach den wenigen Treffen die er mit ihr hatte, als eine enge Vertraute bezeichnen würde. Sie wusste fast alles von ihm. Fast alles, was ihm nicht der Kodex oder sein Ehrenwort verboten zu erzählen. Er fühlte sich wohl in ihrer Anwesenheit und sie half ihm sogar, über die Ereignisse der letzten Tage hinweg zu kommen.
Nun huschte ein Lächeln über seine Züge und er errinterte sich an sein Versprechen, er musste Meditieren und er musst seine Kraft investieren, seinen Arm wieder in Ordnung zu bringen. Also ging er langsam zu dem kleinen Steinkreis, indem er schon seine ersten Übungen gemacht hatte. Dem Ort an dem er dem Lied das erste Mal begegnet ist.
Er ließ sich langsam nieder nachdem er die Kerzen in der richtigen Reihenfolge enzündet hatte. Wie immer gab er Acht auf den kleinen Pilz, der wie am ersten Tag in der Mitte des Ringes seinen PLatz gefunden hatte.
Dann schloss er die Augen und er fiel immer tiefer in das Lied, immer weiter öffnete er seinen Geist, dieser Einzigartigen sich stetig ändernden Melodie, die das Leben ausströmte. Langsam fand er sich wieder in seinem selbst gemalten Bild und drang tiefer als je zuvor.
Dann begann er damit, sich auf sich, auf seine Melodie zu konzentrieren, er zog Errinerungen hinzu, er nahm Bilder, Erlebnisse, aus alten Tagen und besann sich wieder auf seine eigene Melodie, die er dann nach einigen Momenten, Minuten, Stunden mit seiner derzeitigen Melodie verglich.
Wirklich, wie er es Taralea beschrieben hatte...alsob ein Ton in einer Symphonie fehlen würde, ein Moment der Stille, etwas, dass nicht zu ihm gehörte, er entdeckte es, er fand es und strengte sich an. Er strengte sich an diesen Mißklang, dieses Ausbleiben mit seinem Willen zu beheben. Es ungeschehen zu machen und es möglichst Nahe an seine wirkliche Melodie heranzubringen.
Stunden vergangen, die dem Druiden, wie Sekungen vorkamen.
Hastif schlug er die Augen auf, und er fand sich immernoch sitzend im Steinkreis inmitten von Vernementon wieder. Er schaut sich um. Regen. Wind. Kälte. Wärme. Dunkelheit. Alles umströmte gleichzeitig seinen Geist und so viel er in Ohnmacht und er sank in sich zusammen.
Die Sonne kitzelte an seiner Nase. Langsam erwachte Kilyan aus seinen Träumen und öffnete seine Augen. Das erste was er sah, war ein blauer Himmel. Er muss mindestens 6 Stunden mitten im Steinkreis gelegen haben. Nicht bei Bewusstsein.
Sein Blick wanderte zu seinem rechten Arm und er vesuchte ihn zu bewegen.
Beide Augenbrauen wanderten nach oben. Sein Arm. Er konnte... er konnte ihn bewegen, zwar nicht so wie früher, doch konnte er ihn wieder eingeschränkt nutzen.
Er schien den ersten Teil von Mutters Prüfung bestanden zu haben.
Nun huschte ein Lächeln über seine Züge und er errinterte sich an sein Versprechen, er musste Meditieren und er musst seine Kraft investieren, seinen Arm wieder in Ordnung zu bringen. Also ging er langsam zu dem kleinen Steinkreis, indem er schon seine ersten Übungen gemacht hatte. Dem Ort an dem er dem Lied das erste Mal begegnet ist.
Er ließ sich langsam nieder nachdem er die Kerzen in der richtigen Reihenfolge enzündet hatte. Wie immer gab er Acht auf den kleinen Pilz, der wie am ersten Tag in der Mitte des Ringes seinen PLatz gefunden hatte.
Dann schloss er die Augen und er fiel immer tiefer in das Lied, immer weiter öffnete er seinen Geist, dieser Einzigartigen sich stetig ändernden Melodie, die das Leben ausströmte. Langsam fand er sich wieder in seinem selbst gemalten Bild und drang tiefer als je zuvor.
Dann begann er damit, sich auf sich, auf seine Melodie zu konzentrieren, er zog Errinerungen hinzu, er nahm Bilder, Erlebnisse, aus alten Tagen und besann sich wieder auf seine eigene Melodie, die er dann nach einigen Momenten, Minuten, Stunden mit seiner derzeitigen Melodie verglich.
Wirklich, wie er es Taralea beschrieben hatte...alsob ein Ton in einer Symphonie fehlen würde, ein Moment der Stille, etwas, dass nicht zu ihm gehörte, er entdeckte es, er fand es und strengte sich an. Er strengte sich an diesen Mißklang, dieses Ausbleiben mit seinem Willen zu beheben. Es ungeschehen zu machen und es möglichst Nahe an seine wirkliche Melodie heranzubringen.
Stunden vergangen, die dem Druiden, wie Sekungen vorkamen.
Hastif schlug er die Augen auf, und er fand sich immernoch sitzend im Steinkreis inmitten von Vernementon wieder. Er schaut sich um. Regen. Wind. Kälte. Wärme. Dunkelheit. Alles umströmte gleichzeitig seinen Geist und so viel er in Ohnmacht und er sank in sich zusammen.
Die Sonne kitzelte an seiner Nase. Langsam erwachte Kilyan aus seinen Träumen und öffnete seine Augen. Das erste was er sah, war ein blauer Himmel. Er muss mindestens 6 Stunden mitten im Steinkreis gelegen haben. Nicht bei Bewusstsein.
Sein Blick wanderte zu seinem rechten Arm und er vesuchte ihn zu bewegen.
Beide Augenbrauen wanderten nach oben. Sein Arm. Er konnte... er konnte ihn bewegen, zwar nicht so wie früher, doch konnte er ihn wieder eingeschränkt nutzen.
Er schien den ersten Teil von Mutters Prüfung bestanden zu haben.
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Kilyan Carnova
Wie der Wind
Seine Augen trafen auf das Wasser des Sees und er kam nicht umher wieder einmal an Serendo zu denken. Denn genau dies war einer der Orte, welcher ihn mit Kilyan verband, einer der Orte, an dem sie sooft zusammen gesessen haben, einer der Orte, an denen auch das Element präsent war, welches die beiden über eine gewöhnliche Freundschaft hinweg zu einander führte.
Der Druide musste blinzeln, als sich erneut einige Tränen in seine Augen schlichen und er wandte den Blick von dem Wasser ab. Doch traf der Blick auf einen anderen Ort, den er schon seit Tagen mied: Das Gemeinschaftshaus.
Immer noch lag der Leichnam seines Mentors in diesen Räumen, durch die Magie des Ortes, durch verschiedene Öle und durch den Willen der Mutter selbst, sah er noch aus, wie zu dem Zeitpunkt, als er gestorben war. Es schien, als würde der Körper wie eine stille Mahnung an diesem Ort ruhen, wie ein Fingerzeig, der ihnen bewusst machen sollte, dass die Druiden Feinde haben.
Der Körper von Kilyan bebte und er zwang sich, sich aufzurichten. Sein gelähmter Arm schmerzte wieder, als würden die Erinnerungen an seinen Mentor und Freund auch andere alte Erinnerungen in ihm wachrufen, die ebenso wenig erfreulich waren, wie die des Todes seines besten Freundes. Seine Füße trugen ihn langsam, mit bedächtigen Schritten auf das Haus zu und es schien beinahe so, als würde ihn jemand an die Hand nehmen und ihn beinahe dazu zwingen diesen Weg zu gehen.
Er betrat die Räumlichkeiten des Gemeinschaftshauses und sein Blick fiel, nachdem er einen Vorhang beiseite geschoben hatte, direkt auf den Leichnam.
Seine Bewegungen wurden weiterhin langsam ausgeführt, weiterhin in tiefer Trauer versunken und mit einer Sorgfalt, die den tiefen Respekt unterstrich, den er gegenüber den sterblichen Überresten seines Freundes hatte.
Schon seit einiger Zeit machte er sich Gedanken um diesen Tag, er hatte ihn ganz anders geplant, er wollte eine große Festlichkeit um seinem Freund den Abschied zu gewähren, den er verdient hatte, doch schien ihm dies alles falsch zu sein. Etwas in ihm regte sich und flüsterte ihm zu, dass Serendo so aus seinem Leben treten sollte, wie er es betreten hatte. Ruhig.
Dieses Mal rief er keinen Freund des Waldes, dieses Mal hievte er den toten Körper mit reiner Muskelkraft auf seine linke Schulter und balancierte ihn dort. Auch seine Gabe wollte er nicht nutzen und so perlte ihm schon noch wenigen Schritten der Schweiß auf der Stirn.
Er wanderte durch den wunderbaren Wald Vernementons, doch hatte er keinen Blick für all die Wunder und Schönheiten dieses Waldes. Heute kam Kilyan der Wald verlassen und still vor, als würden die Tiere selbst in tiefer Trauer liegen.
Sein Weg führte ihn zu dem Ritualplatz, dort legte er Serendos Überreste in die Mitte des Salzkreises und begann mit damit, Scheit für Scheit Holz um, auf und unter den Leichnam zu betten. Nun schien es, als würde Serendo auf einem hölzernen Bett liegen, sein letztes Bett.
Einen Moment der Ruhe gönnte er sich und Kilyan ließ diesen Anblick auf sich wirken. Immer noch hatte eine Träne seine Wangen berührt. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass alle Tränen die er zu vergießen hatte schon längst aus seinem Leib geronnen sind und er nun vollkommen leer war.
Nach einigen Herzschlägen drehte er sich um und ging auf die Kohlepfannen zu. Er nahm eine provisorische Fackel zu Hand und entzündete sie an der Glut der Kohlen. Auch hier verlor er nicht einen Gedanken daran, die Gabe zu nutzen, wie er es von Serendo gelernt hatte.
So stand er nun da, die Fackel in der linken Hand erhoben, vor ihm das Bett aus Holz, hinter ihm der Altar, der zu Ehren Eluives errichtet worden war und um ihm herum der Wald Vernementons.
Er war vollkommen allein, wenn man von den wenigen Vögeln absah, die über ihm flogen und den vereinzelten Mücken, die den Weg zum Feuer gefolgt sind.
Seine Schritte trugen ihn um den Kreis herum, wo er sorgfältig jede der Kerzen entzündete, welche sauber nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet waren, dann machte er einen Schritt in den Kreis hinein.
Seine traurigen, grün-braunen Augen starrten den Leichnam an und er verlor sich wieder einmal in Erinnerungen an den alten Kauz, der ihm nicht nur das Wissen der Druiden vermittelt hat. Er hat ihm auch in allen menschlichen Dingen weiter geholfen, er hatte Kilyan Leben gerettet und ist dafür über seinen eigenen Schatten gesprungen.
Langsam senkte sich die Fackel und Kilyan machte sich an die Arbeit, die Holzscheite zu entzünden, die um Serendo herum aufgeschichtet waren.
Das Feuer machte sich schnell an seine Arbeit und verzehrte, Holz, Gras und Körper. Die Flamme wurde größer und größer, sodass Kilyan sich aus dem Salzkreis entfernen musste. Die Asche flog hoch in den Himmel und wurde dort vom Wind hinweg getragen. Das Gras wurde hinweggebrannt und gab so den Weg frei, auf das die Asche auch in die Erde eindringen konnte.
Lange Zeit stand Kilyan vor dem Feuer, bis dieses schließlich herunter gebrannt war. Seine Haltung und sein Gesichtsausdruck waren wie versteinert, als hätte man ihm das Leid ins Gesicht gebrannt und die Last von Jahrhunderten auf die Schultern gelegt. Alles was man lesen konnte, war der Wunsch allein zu sein.
Nachdem die Asche sich abgekühlt hatte, nahm der Druide wieder seine Arbeit auf. Er befüllte einen Beutel mit der Asche, die ihm Zentrum des Haufens lag. Den Rest der Asche zerstreute er ihm Wind und grub sie teilweise innerhalb des Kreises ein. Unweigerlich würde das Gras sehr schnell nachwachsen und an dieser Stelle mehr als gut gedeihen.
Nun ging er wieder zu seinem Ausgangspunkt: Der See.
Der See Vernementons, einer der Lieblingsorte seines Mentors. Das Zentrum des Haines. Die Tür des Abschiedes.
Er öffnete den Beutel und stellte ihn geöffnet wieder auf den Boden. Er selbst ging in die Knie und betrachtete kurz den grauen Inhalt. Seine linke Hand wurde in den Beutel geführt und er entnahm bedächtig eine Handvoll Asche.
Unter leisen Gebeten und in Gedanken beim Leben seines Mentors ließ er sie langsam in den See rieseln. Hand für Hand. Herzschlag für Herzschlag. Immer weiter, bis der Beutel schließlich geleert war.
Mit jeder Sekunde zog sich sein Herz weiter zusammen, als würde eine eiskalte Hand danach greifen und erbarmungslos zudrücken. Er spürte nicht das erste Mal in seinem Leben Trauer, doch das erste Mal in seinem Leben, war er nicht im Stande sie zu verarbeiten.
Nach diesem Akt der Trauer blieben nur noch zwei Sachen, die er tun musste.
Die Tür seiner Hütte schloss sich hinter ihm, als er sein Haus betreten hatte. Er ging zielstrebig auf die kleine Kiste zu, in welcher er all seine persönlichen Sachen aufbewahrte. Darunter war auch ein Stab. Zerbrochen und tot. Die Blätter waren verwelkt und nichts zeugte mehr von der Schönheit, die er im Leben noch besessen hatte. Dieser Stab ist gestorben, als sein Besitzer ebenso den letzten Atem ausgehaucht hatte.
Der trauernde Mann, nahm diesen Stab an sich und machte sich wieder auf den Weg zum Ritualplatz. Dort platzierte er den Stab auf dem Altar und sprach erneut ein stilles Gebet.
Jetzt drehte er sich um und eine einzelne Träne lief seine Wange hinab. Der Kopf sank auf die Brust und sein ganzer Leib geriet in Wallung.
“Trag mich hinfort. Ich werde sein wie der Wind!“
Waren die Worte, die seiner noch menschlichen Kehle entwichen, bis auch dieser Teil langsam seine Form veränderte.
Und so war Vernementon der erste Ort, an welchem der Schrei des grünäugigen Wanderfalken erneut erklang.
Seine Augen trafen auf das Wasser des Sees und er kam nicht umher wieder einmal an Serendo zu denken. Denn genau dies war einer der Orte, welcher ihn mit Kilyan verband, einer der Orte, an dem sie sooft zusammen gesessen haben, einer der Orte, an denen auch das Element präsent war, welches die beiden über eine gewöhnliche Freundschaft hinweg zu einander führte.
Der Druide musste blinzeln, als sich erneut einige Tränen in seine Augen schlichen und er wandte den Blick von dem Wasser ab. Doch traf der Blick auf einen anderen Ort, den er schon seit Tagen mied: Das Gemeinschaftshaus.
Immer noch lag der Leichnam seines Mentors in diesen Räumen, durch die Magie des Ortes, durch verschiedene Öle und durch den Willen der Mutter selbst, sah er noch aus, wie zu dem Zeitpunkt, als er gestorben war. Es schien, als würde der Körper wie eine stille Mahnung an diesem Ort ruhen, wie ein Fingerzeig, der ihnen bewusst machen sollte, dass die Druiden Feinde haben.
Der Körper von Kilyan bebte und er zwang sich, sich aufzurichten. Sein gelähmter Arm schmerzte wieder, als würden die Erinnerungen an seinen Mentor und Freund auch andere alte Erinnerungen in ihm wachrufen, die ebenso wenig erfreulich waren, wie die des Todes seines besten Freundes. Seine Füße trugen ihn langsam, mit bedächtigen Schritten auf das Haus zu und es schien beinahe so, als würde ihn jemand an die Hand nehmen und ihn beinahe dazu zwingen diesen Weg zu gehen.
Er betrat die Räumlichkeiten des Gemeinschaftshauses und sein Blick fiel, nachdem er einen Vorhang beiseite geschoben hatte, direkt auf den Leichnam.
Seine Bewegungen wurden weiterhin langsam ausgeführt, weiterhin in tiefer Trauer versunken und mit einer Sorgfalt, die den tiefen Respekt unterstrich, den er gegenüber den sterblichen Überresten seines Freundes hatte.
Schon seit einiger Zeit machte er sich Gedanken um diesen Tag, er hatte ihn ganz anders geplant, er wollte eine große Festlichkeit um seinem Freund den Abschied zu gewähren, den er verdient hatte, doch schien ihm dies alles falsch zu sein. Etwas in ihm regte sich und flüsterte ihm zu, dass Serendo so aus seinem Leben treten sollte, wie er es betreten hatte. Ruhig.
Dieses Mal rief er keinen Freund des Waldes, dieses Mal hievte er den toten Körper mit reiner Muskelkraft auf seine linke Schulter und balancierte ihn dort. Auch seine Gabe wollte er nicht nutzen und so perlte ihm schon noch wenigen Schritten der Schweiß auf der Stirn.
Er wanderte durch den wunderbaren Wald Vernementons, doch hatte er keinen Blick für all die Wunder und Schönheiten dieses Waldes. Heute kam Kilyan der Wald verlassen und still vor, als würden die Tiere selbst in tiefer Trauer liegen.
Sein Weg führte ihn zu dem Ritualplatz, dort legte er Serendos Überreste in die Mitte des Salzkreises und begann mit damit, Scheit für Scheit Holz um, auf und unter den Leichnam zu betten. Nun schien es, als würde Serendo auf einem hölzernen Bett liegen, sein letztes Bett.
Einen Moment der Ruhe gönnte er sich und Kilyan ließ diesen Anblick auf sich wirken. Immer noch hatte eine Träne seine Wangen berührt. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass alle Tränen die er zu vergießen hatte schon längst aus seinem Leib geronnen sind und er nun vollkommen leer war.
Nach einigen Herzschlägen drehte er sich um und ging auf die Kohlepfannen zu. Er nahm eine provisorische Fackel zu Hand und entzündete sie an der Glut der Kohlen. Auch hier verlor er nicht einen Gedanken daran, die Gabe zu nutzen, wie er es von Serendo gelernt hatte.
So stand er nun da, die Fackel in der linken Hand erhoben, vor ihm das Bett aus Holz, hinter ihm der Altar, der zu Ehren Eluives errichtet worden war und um ihm herum der Wald Vernementons.
Er war vollkommen allein, wenn man von den wenigen Vögeln absah, die über ihm flogen und den vereinzelten Mücken, die den Weg zum Feuer gefolgt sind.
Seine Schritte trugen ihn um den Kreis herum, wo er sorgfältig jede der Kerzen entzündete, welche sauber nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet waren, dann machte er einen Schritt in den Kreis hinein.
Seine traurigen, grün-braunen Augen starrten den Leichnam an und er verlor sich wieder einmal in Erinnerungen an den alten Kauz, der ihm nicht nur das Wissen der Druiden vermittelt hat. Er hat ihm auch in allen menschlichen Dingen weiter geholfen, er hatte Kilyan Leben gerettet und ist dafür über seinen eigenen Schatten gesprungen.
Langsam senkte sich die Fackel und Kilyan machte sich an die Arbeit, die Holzscheite zu entzünden, die um Serendo herum aufgeschichtet waren.
Das Feuer machte sich schnell an seine Arbeit und verzehrte, Holz, Gras und Körper. Die Flamme wurde größer und größer, sodass Kilyan sich aus dem Salzkreis entfernen musste. Die Asche flog hoch in den Himmel und wurde dort vom Wind hinweg getragen. Das Gras wurde hinweggebrannt und gab so den Weg frei, auf das die Asche auch in die Erde eindringen konnte.
Lange Zeit stand Kilyan vor dem Feuer, bis dieses schließlich herunter gebrannt war. Seine Haltung und sein Gesichtsausdruck waren wie versteinert, als hätte man ihm das Leid ins Gesicht gebrannt und die Last von Jahrhunderten auf die Schultern gelegt. Alles was man lesen konnte, war der Wunsch allein zu sein.
Nachdem die Asche sich abgekühlt hatte, nahm der Druide wieder seine Arbeit auf. Er befüllte einen Beutel mit der Asche, die ihm Zentrum des Haufens lag. Den Rest der Asche zerstreute er ihm Wind und grub sie teilweise innerhalb des Kreises ein. Unweigerlich würde das Gras sehr schnell nachwachsen und an dieser Stelle mehr als gut gedeihen.
Nun ging er wieder zu seinem Ausgangspunkt: Der See.
Der See Vernementons, einer der Lieblingsorte seines Mentors. Das Zentrum des Haines. Die Tür des Abschiedes.
Er öffnete den Beutel und stellte ihn geöffnet wieder auf den Boden. Er selbst ging in die Knie und betrachtete kurz den grauen Inhalt. Seine linke Hand wurde in den Beutel geführt und er entnahm bedächtig eine Handvoll Asche.
Unter leisen Gebeten und in Gedanken beim Leben seines Mentors ließ er sie langsam in den See rieseln. Hand für Hand. Herzschlag für Herzschlag. Immer weiter, bis der Beutel schließlich geleert war.
Mit jeder Sekunde zog sich sein Herz weiter zusammen, als würde eine eiskalte Hand danach greifen und erbarmungslos zudrücken. Er spürte nicht das erste Mal in seinem Leben Trauer, doch das erste Mal in seinem Leben, war er nicht im Stande sie zu verarbeiten.
Nach diesem Akt der Trauer blieben nur noch zwei Sachen, die er tun musste.
Die Tür seiner Hütte schloss sich hinter ihm, als er sein Haus betreten hatte. Er ging zielstrebig auf die kleine Kiste zu, in welcher er all seine persönlichen Sachen aufbewahrte. Darunter war auch ein Stab. Zerbrochen und tot. Die Blätter waren verwelkt und nichts zeugte mehr von der Schönheit, die er im Leben noch besessen hatte. Dieser Stab ist gestorben, als sein Besitzer ebenso den letzten Atem ausgehaucht hatte.
Der trauernde Mann, nahm diesen Stab an sich und machte sich wieder auf den Weg zum Ritualplatz. Dort platzierte er den Stab auf dem Altar und sprach erneut ein stilles Gebet.
Jetzt drehte er sich um und eine einzelne Träne lief seine Wange hinab. Der Kopf sank auf die Brust und sein ganzer Leib geriet in Wallung.
“Trag mich hinfort. Ich werde sein wie der Wind!“
Waren die Worte, die seiner noch menschlichen Kehle entwichen, bis auch dieser Teil langsam seine Form veränderte.
Und so war Vernementon der erste Ort, an welchem der Schrei des grünäugigen Wanderfalken erneut erklang.
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Kilyan Carnova
Im Wind
Am Himmel zieht er seine Kreise und beobachtet die umher laufenden Menschen. Der Wind streift durch seine Federn und die untergehende Sonne reflektiert sich in den grünen Augen des Wanderfalken. Über Bajard kann man ihn vielleicht entdecken, wie er kleinere Vögel jagt und elegant im Wind gleitet. Seine Bewegungen sind präzise, seine Flügelschläge kraftvoll. Nicht einen Makel findet man in den Bewegungsabläufen, den Landungen und Sturzflügen.
Seine Melodie ist in Harmonie mit seiner Umgebung und es deutet nichts mehr daraufhin, dass dieser Vogel einst ein Mensch war, nur ein leiser Widerhall, welcher nur von den feinfühligsten aufgenommen werden kann ist noch von dem Menschen geblieben.
Am Himmel zieht er seine Kreise und beobachtet die umher laufenden Menschen. Der Wind streift durch seine Federn und die untergehende Sonne reflektiert sich in den grünen Augen des Wanderfalken. Über Bajard kann man ihn vielleicht entdecken, wie er kleinere Vögel jagt und elegant im Wind gleitet. Seine Bewegungen sind präzise, seine Flügelschläge kraftvoll. Nicht einen Makel findet man in den Bewegungsabläufen, den Landungen und Sturzflügen.
Seine Melodie ist in Harmonie mit seiner Umgebung und es deutet nichts mehr daraufhin, dass dieser Vogel einst ein Mensch war, nur ein leiser Widerhall, welcher nur von den feinfühligsten aufgenommen werden kann ist noch von dem Menschen geblieben.