So war es also nun soweit.
Sich vorbeugend fanden ihre kühlen Fingern den Weg an die warmen Schläfen der Person gegenüber. Weich fielen einige dunkle Strähnen über die blassen Fingerspitzen, diese zärtlich umschmeichelnd. Dann schienen ihre eisblauen Augen nahezu in den Meerblauen ihrer Gegenüber zu versinken. Letzte, klärende Worte wurden gewechselt ehe sich die beiden Arkoritherinnen gänzlich der Mentalmagie überließen. Zunächst blieb jedoch der erwartete Fluss an Informationen und Gefühlen aus. Wie immer war es anders so sie in das Bewusstsein eines 'Fremden' eintauchte. Instinktiv jedoch wehrte sich Lythiana und sie selbst wollte diese schützende Mauer um ihren Geist keinesfalls zerstören. Alles was sie bislang sah war eine unendliche Weite in der sich jeder Ungeübte bereits verloren hätte. Kurzzeitig verstärkte sie den Druck der Fingerspitzen auf der weichen Schläfenhaut. Ohne große Anstrengung war bald eine Lücke in dem unbewusst aufgebauten Schutz gefunden. Endlich fand sie sich da wo sie sich befinden wollte.
Gleichsam ging die Suche nicht drängend oder gar fordernd voran. Mit einer Behutsamkeit die man Lanaya kaum zutrauen würde tastete sie sich nach und nach vor. Beide Frauen wussten um das Risiko dieses Eingriffs und dennoch würden sie ihren Nutzen daraus ziehen. Lythiana, die endlich ihren instinktiv aufgebauten Schutz bemerkte, ließ diesen Fallen und entspannte sich. Es wurde leichter sich zurecht zu finden. Sie lieferte ihr das Bild eines Ganges mit Türen. Einige verschlossen, einige offen andere vermauert. Mittel und Wege kannte sie genug diese zu umgehen und dennoch, heute wollte sie ihr nicht zu sehr zusetzen. Natürlich würde sie Ly nicht schonen. Keine hätte etwas davon. Doch zuerst einmal – musste man sich zurecht finden. Hinter jeder Türe lag eine Erinnerung verborgen. Der Gang schien wahrlich lange.
Sich in der geistigen Ebene völlig ruhig fortbewegend vermittelte ihre Präsenz noch immer ein angenehmes, vertrautes Gefühl. Da sie keine Hinweise erhielt wandte sie sich nahezu wahllos einer der Türen zu. Diese öffnend wurde ihr einiges offenbart was auf den ersten Blick wohl kaum ihrer Sache dienlich wäre. Sie selbst fand sich stets auf der Position der sich Erinnernden. Etwas Abstand nehmend wurde sie dann zu einer stillen Beobachterin. Das hier war nicht was sie suchte. Es eignete sich nicht um zu lernen. Kurzerhand ließ sie den Raum hinter sich. Die weiche Stimme in der wirklichen Welt klang eindringlich an die Ohren ihrer Partnerin. Ein Pfad wurde vorgegeben. Ob sie ihn wählte war ihre Sache. Die nächste Türe öffnend erwies es sich jedoch das die Worte sie erreicht haben mussten. Die Szene war nahezu grotesk doch würde sie sich verwenden lassen. Kühl beobachtete sie und ließ es auf sich wirken. Einschneidend drangen die Fesseln in das Fleisch der wohl um einige Monate jüngeren Lythiana. Der Dolch setzte ihr immer wieder zu wobei die Frau jene ihn führte einen gewissen Genuss dabei zu empfinden schien. Dann jedoch griff sie ein. Ohne die Schwester vor zu warnen änderte sich die bislang angenehme Präsenz ihres beobachtenden Ich's in einen störenden Eindringling.
Die Erinnerung formte sich unter diesem Eingriff in etwas das der Schwester sicherlich nicht gefiel. Lythiana nahm nicht wahr wie sie auch in der realen Welt zitterte. Doch auf geistiger Ebene war ihr anzusehen wie sehr sie jenes erschreckte. Kurz mochte man in Lanaya's Augen die Gier aufglimmen sehen. Es war verlockend, wieder einmal hatte sie eine Möglichkeit das Feuer in sich zu entfachen. Der Rausch der Macht schien sie gerade nun anzuziehen. Dann jedoch hatte sie sich im Griff. Dies hier war nicht irgendjemand, dies hier war immer noch Lythiana die einer Freundin und Vertrauten in ihrem Umfeld wohl am Nächsten kam. Bewusst wurden die Bilder von ihr weiter geformt. Fesseln wurden zerschnitten, Metall stieß durch die Luft und Augen musterten die Schwester gnadenlos bereit zum Äußersten zu gehen. Immer wieder schien die Haltung flehend, als könne sie es nicht wahrhaben. Gleichsam schien sich Ly nicht zu wehren. Sie vergaß es, ließ zu das die Angst und der Schmerz den diese mit sich brachte die Kontrolle übernahmen. Doch ehe die veränderte Erinnerung zum Letzten kam zog sich Lanaya zurück. Es reichte ihr. Das war mehr als genug für den Anfang. Sichtlich ein uns aus atmend musterte sie Lythiana eingehend.
Wenn der Schmerz dich lehrt
-
Lythiana Cronor
Lythiana verharrte reglos im Sessel, beide Hände fest um die Lehnen geklammert und den Blick immer noch auf die eisblauen Augen der Schwester gerichtet. Obwohl jene sich schon aus ihrem Geist zurückgezogen hatte, ebbte weder das Zittern der jungen Maga ab, noch gab sie auf irgendeine Weise zu erkennen, dass sie sich mit Körper UND Geist wieder in der Realität befand. Erst als Lanaya die Stimme erhob, kehrte Lythiana in das Hier und jetzt zurück, schwanden die letzten Eindrücke der „Erinnerung“, Nebelfetzen gleich, die sich nur widerwillig auflösen. Wie sie sich fühlte?
„Miserabel.“
Viel mehr wurde an diesem Abend nicht mehr gesprochen. Es blieb gerade Zeit für zwei, drei hastig hinuntergestürzte Gläser Wein, bis es auch schon an der Tür klopfte – ein Schneider samt Gehilfe. Betriebsamkeit brach aus und die Aufmerksamkeit der Schwester wurde schon bald voll und ganz von Farben und Schnittmustern beansprucht. Lythiana kam dies ganz gelegen... sie verspürte wenig Lust auf ein Gespräch, wollte lieber mit ihren Gedanken allein – und doch nicht ohne Gesellschaft – sein. Die Unterhaltung der anderen plätscherte im Hintergrund vor sich hin, während die Maga die letzte Stunde Revue passieren ließ.
Worte wie „interessant“, „außergewöhnlich“, „erschreckend“ oder „beängstigend“ waren zwar nicht falsch, aber auch nicht vollkommen richtig – sie beschrieben die Sache nur unzureichend, lieferten ein viel zu schwammiges Bild. Wie sollte man auch beschreiben können, wie es sich anfühlte, als die eigenen Erinnerungen der Kontrolle entzogen und fremdbestimmt wurden? Als die Erinnerung zu einem Alptraum wurde, den Lythiana Sekunde für Sekunde durchlebte, realer, als es jeder Traum und jede Illusion sein könnte? Erschreckend, ja – doch nicht so erschreckend, als dass die Maga von ihrem Plan abrücken würde. Lanaya und sie würden den Weg weiter beschreiten.
„Miserabel.“
Viel mehr wurde an diesem Abend nicht mehr gesprochen. Es blieb gerade Zeit für zwei, drei hastig hinuntergestürzte Gläser Wein, bis es auch schon an der Tür klopfte – ein Schneider samt Gehilfe. Betriebsamkeit brach aus und die Aufmerksamkeit der Schwester wurde schon bald voll und ganz von Farben und Schnittmustern beansprucht. Lythiana kam dies ganz gelegen... sie verspürte wenig Lust auf ein Gespräch, wollte lieber mit ihren Gedanken allein – und doch nicht ohne Gesellschaft – sein. Die Unterhaltung der anderen plätscherte im Hintergrund vor sich hin, während die Maga die letzte Stunde Revue passieren ließ.
Worte wie „interessant“, „außergewöhnlich“, „erschreckend“ oder „beängstigend“ waren zwar nicht falsch, aber auch nicht vollkommen richtig – sie beschrieben die Sache nur unzureichend, lieferten ein viel zu schwammiges Bild. Wie sollte man auch beschreiben können, wie es sich anfühlte, als die eigenen Erinnerungen der Kontrolle entzogen und fremdbestimmt wurden? Als die Erinnerung zu einem Alptraum wurde, den Lythiana Sekunde für Sekunde durchlebte, realer, als es jeder Traum und jede Illusion sein könnte? Erschreckend, ja – doch nicht so erschreckend, als dass die Maga von ihrem Plan abrücken würde. Lanaya und sie würden den Weg weiter beschreiten.
-
Lanaya Shevanor
Auch die zweite Übung barg ihre Geheimnisse.
Müde, angespannt, lustlos, wütend und ähnliche Wörter waren ihr zu ihrem Zustand eingefallen. Dennoch war da dieser unwiderstehliche Reiz an der Sache an sich dem sie sich nicht verwehren konnte. Vorsicht musste geboten sein und sie hatte keinesfalls die Muse ihre Kraft heute dazu zu verwenden sich auf mentaler Ebene Einlass in Lythiana's Gedanken und Erinnerungen zu verschaffen. Somit wurde die Schwester gebeten den Kontakt selbst herzustellen. Was dann allerdings folgte... sollte man wohl besser gar nicht beschreiben. Wie konnte sie nur?
[iNichts gab es das sie selbst mehr verachtete als ein Kind. Diese kleinen, unschuldigen Quälgeister die einen fröhlich ankotzten und dann plötzlich aus den Windeln tropften – furchtbar. Gleichsam schloss man sie ins Herz. Musste für sie da sein und sie umsorgen. Ließ diese Biester an einen herankommen und bot sich damit nahezu an. Machte sich verletzlich und angreifbar. So sie allerdings älter wurden konnte man sich durchaus benutzen. Keine Frage, einige gute Eigenschaften mochte man derlei Bälgern zugestehen, so sie durch die richtige Hand geleitet wurden.
Warum also zeigte sie ihr dies. Genau diese Erinnerung... sie war dieses ungeborene 'Ungeheuer' doch losgeworden! Warum nur?... Viel zu sehr von ihren eigenen Ansichten getrieben sah sie ungerührt zu wie die Erinnerung voran schritt. Nur zu gut konnte sie sich an den Zustand der Schwester erinnern als sie diese Tage nach dem weit zurückliegenden Vorfalls angetroffen hatte. Sich innerlich nochmals bestätigend das sie es so wollte griff sie nahezu gnadenlos ein. Sie würde ihr heute wahrhaft etwas geben gegen das sie sich damals gewehrt hatte. Stück für Stück drängte sie Lythiana's Wahrnehmung zu einem anderen Ablauf. Hier lag sie nun nicht mit dem Tode ringend sondern um neues Leben zu schenken. Prall gefüllt rundete sich der Bauch und einige Ammen wuselten um die junge Maga herum. Kein Zweifel konnte daran rühren das sie sich kurz vor der Niederkunft befand. Finger die sich in das Laken gruben... Haut die nass glänzte... spürte sie den Schmerz? Wie eine süchtige die eine Wirkung ihrer Droge genoss ließ ich es wirken. Der Erzeuger des Balges fehlte in dieser Erinnerung natürlich nicht.
Genug Stoff hatten ihr die Beiden damals und auch heute geliefert um das Ganze äußerst Wirkungsvoll zu halten. Noch einige Herzschläge ließ sie Lythiana um das Gefühl 'auszukosten'. Dann allerdings änderte sich das Bild. Jahre schienen vergangen und die gealterte Arkoritherin sollte sich selbst sehen wie sie einsam über ein Mädchen wachte das keinen Blick für sie übrig hatte. Wahrlich.. das Kind schien die Mutter zu verachten, zeigte deutlich wie wenig sie von ihr hielt doch dann... kaum das der Vater hinzu kam hatte er die volle Aufmerksamkeit des Mädchens. Die roten Haare und die braunen Augen ließen keine Zweifel zu woher dieses kam. Selbst Bewegung und Haltung schien von den Eltern abgeleitet. Sie gab sich alle Mühe und den Erfolg konnte man auf Lythiana's Gesicht durchaus erkennen. Diese jedoch schien sich einzig auf die mentale Welt zu konzentrieren. Nagte gerade die Eiversucht an ihr? Glaubte sie etwas falsch gemacht zu haben?
Unvorbereitet änderte sie das Bild ein weiteres Mal. Erneut schienen Jahre dahin gezogen zu sein und nun erkannte man eine verbitterte, alte Frau deren Augen stumpf in einem Zimmer umherglitten. Grotesker Weise war es genau dieses Zimmer in dem alles seinen Anfang gefunden hatte. Das Bettlanken zerwühlt und unordentlich standen auf dem Nachtisch noch die Hinweise auf einen Trank den sie in dieser Form niemals zu sich genommen hatte. Wie ein Denkmal würde er Ly daran erinnern das diese eben erlebten Szenen nicht real waren. Doch schien diese nicht darauf zu achten. Einsamkeit, Verbitterung – was mochte sie erleben. Sie beschloss es weiter zu treiben. Die Türe wurde geöffnet und hinein trat ein Mädchen das man auf den ersten Blick wohl mit der heutigen Lythiana verwechseln würden. Allerdings waren dessen Augen nicht meerblau sondern dunkelbraun. Das seidige Haar trug dieses offen damit es weich über die Schultern fließen konnte. Allerdings schien der Besuch nicht erfreulich. Würde sie sich endlich wehren?
Müde, angespannt, lustlos, wütend und ähnliche Wörter waren ihr zu ihrem Zustand eingefallen. Dennoch war da dieser unwiderstehliche Reiz an der Sache an sich dem sie sich nicht verwehren konnte. Vorsicht musste geboten sein und sie hatte keinesfalls die Muse ihre Kraft heute dazu zu verwenden sich auf mentaler Ebene Einlass in Lythiana's Gedanken und Erinnerungen zu verschaffen. Somit wurde die Schwester gebeten den Kontakt selbst herzustellen. Was dann allerdings folgte... sollte man wohl besser gar nicht beschreiben. Wie konnte sie nur?
[iNichts gab es das sie selbst mehr verachtete als ein Kind. Diese kleinen, unschuldigen Quälgeister die einen fröhlich ankotzten und dann plötzlich aus den Windeln tropften – furchtbar. Gleichsam schloss man sie ins Herz. Musste für sie da sein und sie umsorgen. Ließ diese Biester an einen herankommen und bot sich damit nahezu an. Machte sich verletzlich und angreifbar. So sie allerdings älter wurden konnte man sich durchaus benutzen. Keine Frage, einige gute Eigenschaften mochte man derlei Bälgern zugestehen, so sie durch die richtige Hand geleitet wurden.
Warum also zeigte sie ihr dies. Genau diese Erinnerung... sie war dieses ungeborene 'Ungeheuer' doch losgeworden! Warum nur?... Viel zu sehr von ihren eigenen Ansichten getrieben sah sie ungerührt zu wie die Erinnerung voran schritt. Nur zu gut konnte sie sich an den Zustand der Schwester erinnern als sie diese Tage nach dem weit zurückliegenden Vorfalls angetroffen hatte. Sich innerlich nochmals bestätigend das sie es so wollte griff sie nahezu gnadenlos ein. Sie würde ihr heute wahrhaft etwas geben gegen das sie sich damals gewehrt hatte. Stück für Stück drängte sie Lythiana's Wahrnehmung zu einem anderen Ablauf. Hier lag sie nun nicht mit dem Tode ringend sondern um neues Leben zu schenken. Prall gefüllt rundete sich der Bauch und einige Ammen wuselten um die junge Maga herum. Kein Zweifel konnte daran rühren das sie sich kurz vor der Niederkunft befand. Finger die sich in das Laken gruben... Haut die nass glänzte... spürte sie den Schmerz? Wie eine süchtige die eine Wirkung ihrer Droge genoss ließ ich es wirken. Der Erzeuger des Balges fehlte in dieser Erinnerung natürlich nicht.
Genug Stoff hatten ihr die Beiden damals und auch heute geliefert um das Ganze äußerst Wirkungsvoll zu halten. Noch einige Herzschläge ließ sie Lythiana um das Gefühl 'auszukosten'. Dann allerdings änderte sich das Bild. Jahre schienen vergangen und die gealterte Arkoritherin sollte sich selbst sehen wie sie einsam über ein Mädchen wachte das keinen Blick für sie übrig hatte. Wahrlich.. das Kind schien die Mutter zu verachten, zeigte deutlich wie wenig sie von ihr hielt doch dann... kaum das der Vater hinzu kam hatte er die volle Aufmerksamkeit des Mädchens. Die roten Haare und die braunen Augen ließen keine Zweifel zu woher dieses kam. Selbst Bewegung und Haltung schien von den Eltern abgeleitet. Sie gab sich alle Mühe und den Erfolg konnte man auf Lythiana's Gesicht durchaus erkennen. Diese jedoch schien sich einzig auf die mentale Welt zu konzentrieren. Nagte gerade die Eiversucht an ihr? Glaubte sie etwas falsch gemacht zu haben?
Unvorbereitet änderte sie das Bild ein weiteres Mal. Erneut schienen Jahre dahin gezogen zu sein und nun erkannte man eine verbitterte, alte Frau deren Augen stumpf in einem Zimmer umherglitten. Grotesker Weise war es genau dieses Zimmer in dem alles seinen Anfang gefunden hatte. Das Bettlanken zerwühlt und unordentlich standen auf dem Nachtisch noch die Hinweise auf einen Trank den sie in dieser Form niemals zu sich genommen hatte. Wie ein Denkmal würde er Ly daran erinnern das diese eben erlebten Szenen nicht real waren. Doch schien diese nicht darauf zu achten. Einsamkeit, Verbitterung – was mochte sie erleben. Sie beschloss es weiter zu treiben. Die Türe wurde geöffnet und hinein trat ein Mädchen das man auf den ersten Blick wohl mit der heutigen Lythiana verwechseln würden. Allerdings waren dessen Augen nicht meerblau sondern dunkelbraun. Das seidige Haar trug dieses offen damit es weich über die Schultern fließen konnte. Allerdings schien der Besuch nicht erfreulich. Würde sie sich endlich wehren?