Eine Depesche erreicht ihre königliche Hoheit

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Cecilia Melares

Eine Depesche erreicht ihre königliche Hoheit

Beitrag von Cecilia Melares »

Ich sitze an meinem Schreibtisch im Rathaus, mein Blick schweift über einige Stapel Pergamente und flieht aus dem Fenster direkt in das Grün einer Baumkrone.
Durch das weit geöffnete Fenster klingt Vogelgezwitscher herein und ein tiefer Seufzer entfährt mir. Heimweh... nun ist es soweit, dass ich es mir eingestehen muß... ich habe Heimweh. Nie hätte ich gedacht, dass es so weh tun würde, wie schmerzlich die Sehnsucht sein kann.
Diese Stadt erdrückt mich, sie ist zu groß für mich.
Nicht, dass ich meiner Aufgabe nicht gewachsen wäre, aber ich weiß, ich kann hier nicht leben.

Ich nehme ein unbeschriebenes Pergament, greife zur Schreibfeder und versichere dem aufgesprungenen Schreiber, dass ich dieses Schreiben selbst aufsetze.
Ohne, dass ich lange überlegen muß, hinterläßt die Tinte Wort um Wort auf dem jungfräulichen Papier.



Meine untertänigsten Grüße Eure Hoheit,


ich bitte im Vorfeld demütigst um Eure Vergebung für mein Ansinnen, wo Ihr es doch wart, die soviel Vertrauen in meine Arbeit setztet, während ich im Begriff bin, Euch derart zu enttäuschen.
Ich möchte Euch hiermit bitten, mich an Euren Hof zurück kehren zu lassen, um meinen ehemaligen Posten einnehmen zu dürfen.
Ich bin bereit, auch jedwede andere Arbeit anzunehmen, so Ihr mich ob Eurer Enttäuschung nicht in der Schreibstube des Bürgermeisters zu sehen gewillt seid.
Sicherlich fragt Ihr Euch, was der Grund für mein Ansinnen ist, mit dem ich es wage, Euch zu behelligen und ich schäme mich einzugestehen, dass es keinen Anderen gibt, als meine Sehnsucht nach Hause.
Zürnt mir wie ich es verdiene, aber gewährt mir in Eurer Gnade diese Bitte.


Cecilia Melares
Bürgermeisterin Varunas


Ehe ich es mir aus Feigheit anders überlegen kann, weise ich einen Boten an, das Schreiben schnellstmöglich an den königlichen Hof zu überbringen. Dann flieht mein Blick erneut aus dem Fenster in das Grün der Baumkrone.
Anara von Hohenfels

Beitrag von Anara von Hohenfels »

Anara las ihre eingegangene Post und bei dem Schreiben der jungen Bürgermeisterin Cecilia Melares seufzte sie leise, nickte dann jedoch.
Ja, die junge Frau hatte nicht so den rechten Kontakt gefunden, was natürlich ihre Fähigkeit nicht schmälerte. Doch es war verständlich, dass sie den Wunsch hatte, wieder heimzukehren.
Varuna war ihr offensichtlich nicht zur Heimat geworden.

Fast beneidete sie die junge Frau darum, dass sie sie wieder heimkehren lassen würde. Wie gern würde sie selbst in ihr Schloss zurückreisen zu ihren Kindern. Seit Monaten hatte sie ihre beiden Söhne nun schon nicht mehr gesehen und die Sehnsucht nach ihnen wuchs beständig.
Wenn Adrian wieder ganz genesen war, wollte sie mit ihm über ihre Abreise sprechen.
Sicher würde er sie verstehen.

Der Schreiber wartete schon auf ihr Diktat und so schrieb er dann auf ihre Weisung hin:

„Werte Cecilia Melares.

Ich weiß sehr wohl, dass es nicht einfach ist, ohne Freunde und Familie in einer fremden Stadt zu leben. Aus diesem Grunde zürne ich Euch keinesfalls und erlaube Euch, die Heimreise anzutreten, sobald ein würdiger Nachfolger Eures Amtes als Bürgermeister gefunden ist.
Bitte habt Verständnis, dass ich Euch nicht sofort aus Eurem Amt entlassen kann. Doch sobald der neue Bürgermeister von Varuna gefunden sein wird, nehmt Euren alten Posten in der Schreibstube meines Bürgermeisters wieder auf.

Meine guten Wünsche begleiten Euch!
Königliche Hoheit
Anara von Hohenfels“

Sie unterzeichnete das Schreiben persönlich und setze das Königliche Siegel daneben.

„Sorgt dafür, dass der Bürgermeisterin dieses Dokument persönlich ausgehändigt wird“ wies sie ihren Schreiber an.
Cecilia Melares

Beitrag von Cecilia Melares »

Mit zitternden Händen halte ich die versiegelte, königliche Depesche und getraue mich zunächst nicht, das Siegel zu brechen.
Was, wenn sie meine Bitte ablehnte?
Was, wenn sie mich zwar zurück kehren läßt, aber.. Ich hatte mir keinerlei Gedanken gemacht über ein Strafmaß, was sie über mich verhängen könnte.
Andererseits erinnere ich mich an ihre Herzensgüte und war nicht auch sie fern von dem, was sie ihr Heim nennen würde?
Starr ist mein Blick auf das gerollte Pergament gerichtet.
Unmut oder Verständnis?
Ich breche das Siegel.

Im nächsten Moment sehe ich mich selbst durch das Zimmer tanzen, mich im Kreise drehend, das Schreiben fest an meine Brust gedrückt, während Tränen der Freude über meine Wangen laufen.
Ich darf nach Hause!
Ich weiß, ich werde ihrer königlichen Hoheit hierfür nie genug danken können.
Ich beginne, meine persönlichen Dinge, die ich in den nächsten Tagen nicht benötige, in weiches Tuch zu schlagen und in die Reisetruhe zu legen.
Es kann doch nicht... nein, es darf nicht so lange dauern, bis ein Nachfolger gefunden ist?
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