Liebe, Ehe, Familienglück und andere Dinge

Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Es war schön zu sehen, wie das kleine Mädchen immer weiter heranwuchs. Sie war so süss und atemberaubend und Aalina wollte ihre Tochter eigentlich gar nicht in die weite Welt hinauslassen. Sie war wie ihr Augapfel, ihr kleines Mädchen, dass niemand weiter sehen durfte. Fast, als wolle sie es vor irgendwem beschützen, behüten. War es die Angst, welche die junge Menekanerin leitete? Oder waren es die Träume, die sie nicht zu deuten wusste und an welche sie sich nicht einmal mehr kurz nach dem Aufwachen erinnerte? Sie wusste nur, dass sie immer das selbe träumte und schweißgebadet in ihren Laken lag. Aalina wälzte sich wieder in ihren Laken, Raakin war längst wach, hatte Frühstück vorbereitet. Es sollte ein schöner Geburtstag für die junge Menekanerin werden und sie wollte ihn eigentlich auch gar nicht groß feiern. Einzig allein mit Raakin und ihrer Tochter. Nachdem die ersten Sonnenstrahlen auf ihrer Nasenspitze kitzelten und sie dazu brachte sich auf die andere Seite zu drehen, schlug sie langsam die Augen auf. Der Duft von frisch geschnittenen Früchten und wohlig riechenden Säften durchzogen das Haus und die Stimme ihrer Tochter flötete durch das Morgenlicht. Lächelnd drehte Aalina sich zur Seite, es war die erste Nacht in der sie nicht schlecht geträumt hatte. Schnell stieg sie aus dem Bett, warf sich ihren Bademantel über und eilte die Treppen hinab. Unten wurde sie längst von einem reichlich gedeckten Küchentisch und ihrem Mann, wie auch von ihrer Tochter, empfangen. Sie lächelte freudig auf und wusste für sich selbst, dass solch schönen Momente noch oft in ihrem Leben auftauchen würden.

Der Tag war anstrengend gewesen. Aalina hatte viel zu tun gehabt und war mit ihrer Tochter, nachdem Raakin aus dem Haus war, auf Gerimor gefahren um mit ihr einen schönen Tag zu verbringen. Und Aalina wusste, dass ihr die kleine Überraschung gelungen war. Sie hatte ihre Tochter mit dem Besuch auf dem kleinen Spielplatz wirklich glücklich gemacht. Schließlich war Yasemeen Zaina nun drei Jahre alt und Aalina konnte sie ja nicht für immer in dem großen Anwesen der Yazir verstecken. Also war es an der Zeit, dass der Sprößling auch den Rest sehen sollte, den es im Leben zu entdecken gab.
Müde und erschöpft brachte sie ihre kleine Tochter für diesen Abend ins Bett, las ihr noch eine kurze Geschichte vor über all die menekanischen Helden und ihre Taten und als sie endlich eingeschlafen war, deckte sie ihre Tochter bis zum Hals zu, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und stieg die Treppen hinauf. Sie war so glücklich mittlerweile, dass sie endlich wieder eine kleine Familie waren. Und nichts konnte sie auseinander bringen. Lächelnd schlüpfte sie aus ihrem Kleid und zog sich etwas bequemeres an, als sie auf einmal das Rascheln vernahm. Bildete sie es sich ein oder hatte sie eben am Fenster eine Shilouette erkannt? Schnell sah sie erneut zum Fenster, ging direkt darauf zu und sah hinaus. Danach schüttelte sie den Kopf. Halluzinationen, Einbildung, Wahnvorstellungen - der Tag war einfach zu anstrengend gewesen oder sie wurde wieder einmal krank. Wäre ja auch kein Wunder, sie war auch schon wieder viel zu lange in der Kälte auf Gerimor geblieben. Erschöpft legte sie sich ins Bett, schloss ihre Lider und versank im Land der Träume.

Ihre Schritte wurden schneller und schneller und hallten auf dem steinigen Grund. Um sie herum schien nichts zu sein, hinter ihr diese Bestien. Wenn sie stoppen würde, würden sie nicht lange überlegen und die junge Menekanerin in Stücke reissen. Ihre Lunge schmerzte, ihr Herz pochte bis zum Anschlag, ihr Puls raste. Sie durfte nicht zurückblicken und doch tat sie es. 'Lauf, lauf um dein Leben!' Die Stimme hämmerte in ihrem Kopf. Und sie musste laufen, sie musste entkommen. Sie konnte doch sonst immer alles, also würde sie das auch schaffen. Doch der schwarze Tunnel schien so endlos lange zu sein und wollte einfach nicht enden. Tränen liefen ihre Wange hinab vor Schmerz in ihrer Lunge, es fühlte sich an als würde sie jeden Moment bewusstlos werden. Sie hebte ihren Blick wieder nach vorn und sah in das Licht, genau in dem Moment, als ein Mann mit einem Kind in der Hand in das Licht traten und die Hände nach ihr ausstreckten. 'Maaah...' , 'Engel!' ... sie hörte beide nach sich rufen. Ihre Tochter, wie auch ihren geliebten Mann Raakin. Sie streckten ihr die Hand entgegen und Aalina wollte danach greifen, doch sie konnte nicht. Sie war viel zu weit weg um danach greifen zu können. Sie schrie, doch nicht einmal ihre Worte schienen bei den Beiden anzukommen. Sie sahen Aalina nur voller Angst an und doch voller Hoffnung. Das allein ließ Aalina weitermachen. Sie rannte und rannte um ihr Leben. Sah zu Raakin und zu ihrer Tochter. Doch dann wandten sie sich ab, sie drehten sich um. Sie hatten bemerkt, wie sinnlos es war, die Hände noch weiter aufzuhalten. Aalina war verloren, sie hatte sich der Dunkelheit hingegeben und sie würde ihr zum Opfer fallen. Langsam, Sekunde für Sekunde wandten sich Raakin und Yasemeen ab von ihr und Aalinas Hand sank hilflos hinab. Sie sah zurück, stolperte und keuchte auf, als sie auf dem steinernen Boden aufprallte. Ihre Lunge zog sich zusammen und schmerzte, als würden 1000 Nadeln hineingestochen werden. Sie stützte sich ab und wandte sich im Liegen um, sah nur noch die Bestien, wie sie auf sie zurannten, spürte nur noch den reissenden Biss in ihrem Nacken und das warme Blut, dass über ihren Rücken hinablief. Stück für Stück bahnte sich das Blut der Masari, das durch ihren Körper floss, den Weg über die Wirbelsäule nach unten zu ihrem Gesäß. In ihrem eigenen Blut lag sie da, hilflos, voller Schmerz. Und als ob die Bestien das hatten, was sie wollten, ließen sie die Menekanerin verletzt auf dem Boden liegen. Sie war keine Beute mehr, sie war gefangen und sie musste sich ergeben. Sie hörte nur noch das Knurren der Tiere, sah fletschende Zähne und dunkle Augen. Erst dann wurde sie bewusstlos.

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Schreiend schreckte sie auf, saß senkrecht im Bett. Es war das erste Mal, dass sie sich an den Traum erinnern konnte. Hastig strich sie ihre Haare zurück, stieg aus dem Bett und eilte zu der Waschschüssel auf der Ablage. Sie tauchte das Tuch neben der Schale in das kühle Nass und legte es sich in den Nacken, als spüre sie die Bisse dort. Dann ließ sie es erneut in die Schale gleiten, windete es aus und fuhr sich damit über ihr Gesicht, ihren Oberkörper. Sie japste nach Luft. Sie konnte sich nicht mehr an genaue Details erinnern. Aber dem groben Umriss des Traumes hatte sie im Kopf. Was hatte er nur zu bedeuten? Sie keuchte auf. Für einen Moment hatte sie unterbewusst wohl Sarog in ihrem Kopf, aber er drang nicht bis zu ihrem wirklichen Bewusstsein durch. Zwar dachte sie oft an ihn, was er tun würde, wie er sich wohl ablenkte, ob er auch an sie denken würde - zumindest ab und an - aber die Gedanken wurden geringer. Zumindest dachte sie dies, war fest davon überzeugt.

Die Tage zogen sich dahin und sie spürte deutlich, dass der Traum wieder in Vergessenheit geriet. Umso mehr sie darüber nachdachte, was sie da geträumt hatte, umso weniger konnte sie sich daran erinnern. Es war wie eine Illusion. Erst war sie klar vor einem und wenn man mit den Augen blinzelte war sie wieder weg oder völlig verändert. Und doch, irgendwie hatte sie jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie mit Yasemeen nach Gerimor fuhr. Vielleicht war es ja doch ein Zeichen gewesen? Aber es geschah nichts. Nicht das kleinste passierte ihrer Tochter. Kein Bienenstich, kein Tritt in irgendwelche Scherben, nichts. Es schien, als wäre sie vom Glück gekennzeichnet. Und das allein brachte Aalina wieder zum lächeln. All die Unruhe und Sorge war umsonst gewesen.

Erschöpft wie an jeder angehenden Nacht ließ sie sich in ihr Bett fallen. Raakin saß meist noch über Büchern oder schlief schon tief und fest. Es gab selten Abende oder Nächte, die sie in letzter Zeit gemeinsam verbrachten. Vielleicht lag es daran, dass sie beide viel zu tun hatten. Jeder auf eine andere Art und Weise. Aber Aalina wollte nicht weiter darüber nachdenken. Sie wollte nur noch schlafen. Und für einen Moment schoß ihr ein Gedanke durch den Kopf. Wie ging es wohl Sarog gerade?

[...] Fieberhafte Schmerzen quälten ihn. Und wiedermal hatte er seinen Schutzengel bei sich. Sie hatte ihn gefunden, mit letzter Kraft in die Felle gelegt, was nicht unbedingt leicht gefallen war. Halluzinationen oder waren es wirklich diese blauen Augen, von denen er dachte, dass er in diese schauen würde? Er blinzelte. Das Bild war noch immer verschwommen und unscharf und es schien sich auch nicht zu lichten. Schmerzen durchzogen seinen Körper erneut und er windete sich in den Laken. Wenn sie es war durfte sie ihn so nicht sehen. Aber qualvoll verrecken wollte er auch nicht. Vorsichtig tupfte sie die durchnässten, schwitzigen Stellen auf seinem Körper ab. Sie verlor keinerlei Wort, ihre Präzision galt allein seinem Körper, seinen Schmerzen. Und es sollte ihm besser gehn durch die Macht seiner Beherrschung.
Sie stand auf. Sie wollte ihn doch wohl nicht alleine lassen? Wo er doch schon so nah an seinem Ziel war?

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Sie wandte ihm den Rücken zu, sah noch einmal über die Schulter hinweg zu ihm. Die Haare, die gebräunte Haut, die Augen - alles zusammen ein wohliges Spiel und nur sie kannte die Melodie des Liedes. Er stellte sich hinter sie und berührte mit seinen Fingern kurz ihren Nacken, nur für einen Moment. Er genoß die Berührung sichtlich, er liebte es, wenn er ihr so nah war. "Verbrenn dir nicht die Finger! Ich habe dich längst durchschaut, Sarog! Dachtest du wirklich, du könntest auch nur ein wenig mit mir spielen?" Sie drehte sich zu ihm, ihre Augen sahen ihn an, voller Hass. "Ich bin nicht dein Spielball, Spielball, Spielball...!"
Die letzten Worte rasten durch seinen Kopf, immer und immer wieder. Sie drehte sich um und ging davon, doch hielt er sie an der Hand zurück. Nicht lange, denn ihre Haut fühlte sich auf seiner so an, als würde sie verglühen. Er zog die Hand zurück. Das konnte nicht sein, er hatte bisher immer bekommen was er wollte. Er ging ihr nach, rannte durch ein Labyrinth und immer, wenn er sie gerade packen wollte, war sie weg. Von einem Moment auf den anderen war die schöne Menekanerin verschwunden. Er eilte durch das Labyrinth, nach Luft ringend, bis sich vor ihm etwas aufbaute, was er nie zuvor gesehen hatte. Wie durch Geisterhand fuhren die Krallen des Wesens vor sich in seinen Körper und entriss ihm das Herz. "Du hast versagt, Sarog. VERSAAAAAAGT!" [...]
Aalina Yazir

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Sie stieg die warmen Treppen hinauf, ihr Blick fiel über ihre Schulter zurück zur Tür. So lange hatte sie sich nicht mehr geöffnet. So lange hatte sie ihren Liebsten nicht mehr in ihre Arme schließen können. Sehnsucht? Ohja, Sehnsucht hatte sie und das nicht gerade wenig.
Vor ein paar Tagen hatte sie ihre Schwester, ihre kleine Schwester Sheyla willkommen gehießen. Aalina war froh, dass sich ein wenig Leben in ihr Haus geschlichen hatte. Sie hatte Raakin zwar noch nicht davon unterrichtet, dass Sheyla übergangsweise bei ihnen wohnen sollte, aber sie war sich sicher, dass er nicht böse sein würde. Aber jetzt war es ruhig, ganz ruhig. Alle waren am Schlafen, niemand war im Haus unterwegs und nur die Kerzen und Fackeln an der Wand leuchteten ihren Weg in ihr Schlafgemach. Langsam ging sie die Treppen Stück für Stück nach oben. Dort angekommen ließ sie sich auf ihr Bett fallen. Es war gemacht. Natürlich war es gemacht, sie hatte genügend Zeit gehabt um das ganze Haus sauberzumachen. Nachdem ihre Augen den Weg der Decke zig mal abgesucht hatten, ob sich etwas verändert hatte, sammelten sich leise Tränen auf ihren Wangen und ihre Augen sollten sich schließen, sie wollte ins Land der Träume reisen.

Arbeit, Arbeit, Arbeit. So viel Arbeit wie sie hatte ... wann sollte sie da nochmals Zeit finden? Aber es war ihr egal, für den Abend wollte sie sich nichts vornehmen. Und so stand sie mit Sharie beim Basar und unterhielt sich. Die beiden Menekanerinnen unterhielten sich lange und intensiv, ehe ein Menekaner um das Eck bog. Noch hatte Aalina keinerlei Ahnung davon, dass es der Mann war, den sie einmal heiraten würde. Kerzengerade und mit hochgerecktem Kinn stand sie vor ihm, lächelte ihn an. Und ging ihm vor allem nach, als er meinte, er hätte Durst und würde sich nun Wasser aus der Wassertränke holen. Was bei Eluive?
Lange musste sie immer und immer wieder in sich hineingrinsen, wenn sie an die Situation gedacht hatte. Es war so anders als das, was sie von diesem Menekaner gehört hatte. Das was sie von ihm gehört hatte, sprach nicht für sie. Aber was sollte auch für sie sprechen? Immerhin war sie eine junge Menekanerin, die sich kopfüber in Arbeit gestürzt hatte und sowieso keinen Mann an ihrer Seite brauchen konnte. Aber warum dachte sie darüber nach, wenn er ihr doch eh nichts bedeutete? Seufzend setzte sie sich wieder hinter ihren großen Stapel voller Muster und Schnitte, die sie sich noch einprägen wollte.
"Du denkst doch über irgendwas nach!?" Raja konnte nie locker lassen. Sie war ihre beste Freundin gewesen, sie hatte alles mit ihr geteilt. Aber jetzt gab es etwas, das Raja noch nicht wusste. Raakin. Immer und immer wieder spukte er durch ihre Gedanken. Warum konnte sie ihre Gedanken auch nicht bei sich lassen? Hallo-hooo? Er war Magier, ein Menekaner, der sich noch nie sonderlich für Frauen interessiert hatte. NIE. Und das konnte ihr jeder bestätigen. Nicht, dass sie sich umgehört hatte, um an Informationen zu gelangen. Sie war eine Frau und sie hatte reges Interesse, mehr über diesen geheimnisvollen Mann rauszufinden.

- "AALINA?"
Sie zuckte leicht zusammen. Sie kannte diese Stimme und sie hoffte, dass sie sich einfach nur verhört hatte. "Aaliiiiinaaaaa!?" Langsam drehte sie sich um. "Raakin, schön dich zu sehen!" Ein strahlendes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. "Du musst mir helfen, ich brauche jemanden, der mir hilft, meinen Turm einzurichten!" Aalina nickte, sie sagte zu. Verdammt, was tat sie da? Sie versprach ihm zu helfen. Arr, Aalina, was verdammt tust du da?
Und so ging sie frühabends zu ihm, klopfte an die Türen und machte sich dann nach einer Weile des Umsehens an die Arbeit. Sie wusste selbst gar nicht, warum sie sich so herausgeputzt hatte. Aber es war auch egal, sie war hier zum arbeiten. Der letzte Vorhang sollte an die Fenster gehängt werden und sie stieß erleichtert einen Seufzer aus. "Magst du nicht noch ein wenig bleiben? Dann können wir auf die gelungene Arbeit anstoßen!" Er sah sie fragend an. Sie wollte 'Nein' sagen, doch konnte sie es nicht und blieb. Aalina, was tust du ... Und so saßen sie auf der schönen Terasse des Turmes. Die Nacht war kalt, die Kerzen flackerten im Wind. "Danke, Aalina!" Er drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Wange. Für einen Moment schien ihr Herz auszusetzen, keinerlei Schlag durchzog ihren Körper. Es fühlte sich an, als würde sie jeden Moment bewusstlos werden.

'Reiss dich zusammen!' Sie atmete tief ein. Sie wusste ganz genau, dass sie sich nicht verlieben durfte. Nicht in Raakin. In jeden, aber nicht in ihn. Sie war eine junge, dumme Menekanerin. Und sie saß neben ihm auf dem Boden, noch. In wenigen Minuten würden sie draußen in der Stadt auf den Straßen stehen und Tränke werfen. Sie hatte das noch nie getan. "Schau, du nimmst sie so, wirfst. Aber du musst genau mitzählen, sie entfalten erst nach einiger Zeit ihre Wirkung!" Irgendwie war es ja schon süss, wie er ihr all das beigebracht hatte. Aber sie musste sich auf den Weg nach Hause machen. Sie wohnte nicht weit von ihm und wenn sie aus ihrem Fenster sah konnte sie sogar sehen, wann er das Haus verließ. Sie musste schlafen, am Abend war noch einiges geplant.
Nachmittags wurde sie aus ihren Fellen gerissen, als es an ihrer Tür klopfte. Raakin. Sie zog sich schnell etwas über, ging die Treppen hinab und öffnete die Tür. Mit großen, ausdrucksstarken Augen sah sie ihn an. Er benötigte mal wieder ihre Hilfe. Und sie half, so gut es ging. Erst, als er zur Tür ging, hielt sie ihn zurück. "Raakin..." sprach sie leise, sah fast schon hilfesuchend zu ihm auf. 'Verdammt Aalina, lass das!' - Aber es sprudelte aus ihr heraus. "Ich glaube du bedeutest mir mehr, als ich zugeben möchte!" Er sah sie an, stirnrunzelnd, mit einem Gesichtsausdruck, als habe sie ihm gesagt, dass er sterben müsse. Langsam nickte er nur, ging ein paar Schritte zurück und lief davon. Sie sah ihm nach, verunsichert. Na bravo, jetzt hatte sie das erreicht, was sie nicht erreichen wollte. Sie hatte ihn vertrieben. Seufzend schloss sie die Tür. "Blöde Kuh, du solltest dich nicht verlieben!"
Der Abend wurde um einiges schlimmer als sie gedacht hatte. Alle waren gemeinsam jagen, auch Aalina. Und immer wieder hatte sie das Gefühl gehabt, dass Raakin sich mehr um sie gekümmert hatte als um all die anderen. Einbildung? Und doch waren sie endlich aus dem Ahnengrab raus und alle fanden ihre Wege in ihre Betten. Aalina nicht, sie stand am Basar, an dem kleinen Brunnen und sah hinein. Ihr gegenüber regte sich ebenso etwas. Raakin trat ins Mondlicht an das Wasser und sah Aalina an. Sie starrten sich eine ganze Weile so an, hatten die vorbeikommenden Menekaner gar nicht mehr wahr genommen. Der Moment gehörte nur den Beiden. Das Mondlicht spiegelte sich in Aalinas Augen, während ihr Blick versuchte seinen Blick für sich aufzunehmen. Langsam setzte sie einen Schritt vor den anderen, ging zu ihm hinüber. Er folgte ihr mit seinem Blick und sah sie weiter an. Erst, als sie fast bei ihm angekommen war begann er leise zu sprechen: "Ich glaube es ist Zeit ins Bett zu gehen, Ma'asalema Aalina Masari." - Sie sah ihm nach und seufzte. Sie hatte es geschafft. Sie hatte ihn vergrault. Mut- und lustlos ließ sie sich in ihr Bett sinken und schlief ein.

Die nächsten Wochen hatte sie sich wieder zum Ziel gemacht, sich kopfüber in ihre Arbeit zu stürzen. Sie wollte nicht mehr an ihn denken, ihr Herz war gebrochen. Sie hatte es geschafft sich zu verlieben, aber ihre Liebe wurde nicht erwidert. Und wieder saß Raja ihr gegenüber und fragte, was los sei. Und Aalina erzählte. Und sie weinte. Aber dabei wollte sie doch gar nicht weinen. „Aalina, hör auf zu weinen, ich glaub nämlich, dass dich unten jemand erwartet!“
Aalina ging die Treppen hinab und sah ihn. Raakin. Was suchte er hier? „Möchtest du den Abend mit mir verbringen?“ Sie sah ihn an. Natürlich wollte sie, aber sollte sie ihm das auch so sagen? Aber wenn sie ihm egal wäre, wäre er dann zurück gekommen? Sie nickte. „Aiwa, gerne!“ Er lächelte und bot ihr den Arm. Sie lächelte und hakte sich ein, ging mit ihm mit. Er öffnete die Türen zu seinem Haus und schob sie hinein, einladend. Nach einiger Zeit lagen sie auf dem Boden vor seinen Büchern, vor ihnen eine Kerze, um sie herum lauter Kissen. Sie hörte mit voller Begeisterung zu, was er ihr über die elementare Magie zu erzählen hatte. Vorsichtig legte sie nach einiger Zeit ihre Hand auf seine, die Flammen um sie herum loderten für einen Moment auf, wurden intensiver, suchten sich ihr verwirrtes Spiel durch die Nacht. Er sah sie an, drückte ihre Hand kurz. Sie überlegte, ob sie es wagen sollte, aber sie tat es nicht. Stattdessen erhob sie sich, langsam, und ging zur Tür. „Es ist Zeit für mich zu gehen!“

Der erste Kuss

Manchmal hatte sie Angst, den Moment des ersten Kusses zu vergessen. Aber sie wusste es, als wäre es gestern gewesen. Sie sah sich da stehen, in der Tür. Wie sie sich von Raakin verabschiedet hat, wie er langsam von ihrer Tür wegging und wie sie ihn angesehen hatte. Sie war sich seit dem Moment im Turm, als er ihre Hand gedrückt hatte sicher, dass er auch mehr für sie empfand. Er, Raakin Yazir, empfand mehr für sie, Aalina Masari, eine kleine, unbedeutende Schneiderin. Sie ging zu ihm, ihre Schritte waren fast schon mechanisch. Sie musste jetzt was tun, jetzt sofort. Sie konnte ihn nicht so gehen lassen. Der Tag war so schön gewesen mit ihm, da wollte sie ihn keinesfalls so ziehen lassen. Sie sah ihn an, schloss die Augen und drückte ihm einen sanften Kuss auf. Die Lippen berührten sich nur für einen kurzen Moment, nicht länger. Er sah sie an. Sie sah ihn an. Und panisch, als hätte sie wieder etwas falsch gemacht, ging er von ihr. Sie seufzte. Wo sollte das noch hinführen? Sie fühlte sich mies. Hatte sie zu schnell gehandelt?
Und doch kam er wieder. Aalina und Raakin, zwischen diesen beiden Menekanern gab es ein Hin und Her, manch andere hätten glauben können, es sei Hassliebe. Dabei hatten beide nur Angst, sich gegenseitig aufeinander einzulassen. Und doch kam der Tag, an dem er sie zu sich zog, seine Lippen ihre Lippen berührten und seine Hand seinen Weg durch ihr langes, lockiges Haar suchte.
Aalina Yazir

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Das rote Kleid war passend. Sie wollte auf das Frühlingsfest. Überall hatte sie davon gelesen, und jetzt, wo es langsam wieder warm wurde, war es an der Zeit sich unter die Leute zu mischen.

Eilig machte sie sich auf den Weg mit ihrer Reitechse nach Bajard, den kurzen Zwischenstop als sie Raakin sah brachte sie zum lächeln. Und doch fühlte sie sich unterbewusst schlecht. Denn sie wusste genau, sie wollte auf dem Festland eine Person sehen - Sarog.

Sie lief die Wiese entlang. Und sie fühlte sich ehrlich gesagt gar nicht so wohl unter den vielen Menschen. Aber sie war sich fast sicher, auf das zu treffen, was sie treffen wollte.
Angst, Neugierde, all diese Gefühle vermischten sich, als sie so umhersah. Erst, als das Wort erhoben wurde, direkt an sie, sah sie zur Seite. Sarog. Sie hielt die Luft für einen Moment an. Nach einem kurzen Wortwechsel begaben sie sich hinter eines der Häuser, um sich zu unterhalten. Irgendwie hatte sie ihn schon vermisst, sie wusste nur nicht in welcher Art und Weise. Vielleicht wollte sie das auch nciht wissen. Und dann ging irgendwann alles Schlag auf Schlag. Raakin war auf dem Fest, ebenso wie Fadi, Azad und Khalida. Ebenso wie Inaya und eine ihr fremde Menekanerin. Sie sah, wie Fadi und Sarog kurz aneinander gerieten. Aalina verstand die Welt nicht mehr. Sarog, er war ein Freund von ihr. Sie zählte ihn zumindest dazu. Nicht umsonst war sie geschockt gewesen, als er ihr erzählt hatte, dass er festgenommen wurde. Raakin sah sich in der Zwischenzeit suchend nach Aalina um, trat auf sie zu, als er sie gefunden hatte. "Hier sind mir zuviele Arkorither, halte dich bitte von diesen schwarzberobten fern!"

- Es war ein Faustschlag in ihr Gesicht. Zumindest fühlte es sich so an. Arkorither? Sarog war also auch einer von ihnen? Langsam dämmerte Aalina alles. Aber sie wollte es trotzdem kaum glauben. Angst überkam sie. Was, wenn Sarog wirklich ... nein. Doch, Aalina sei nicht naiv. Sie schloss die Augen. Am liebsten hätte sie laut geschrien, geweint, Eluive darum gebeten ihr sofort jegliches Leben auszuhauchen. Sarog wusste so viel von ihr. Er wusste ihren Stand, er wusste den Stand von Raakin und er wusste um Yasemeen. Um ihren Augapfel, das Liebste in ihrem Leben. Sarog wusste, wie er Aalina schaden und manipulieren konnte. Es fühlte sich an, als habe ihre Lunge keinerlei Luft mehr in sich. Eben stand sie mit Sarog noch im Regen, er hatte ihre nassen Haare aus dem Gesicht gestreichelt, hatte ihr gesagt, dass er sie vermisst hatte. Das war doch nicht Sarog!? Er konnte doch nicht, sie ... er ...
Entmutigt sank sie innerlich zusammen. Wenn man sagen konnte, dass jemand das Herz herausgerissen wird, so hatte man das eben bei ihr getan. Ihr wurde bewusst, wie oft sie in Lebensgefahr war. Ihr wurde bewusst, dass sie ihre eigene Tochter in Gefahr gebracht hatte.

Sie saß zuhause, Raakin an ihrer Seite. Sie erzählte ihm alles, wie sie sich kennengelernt hatten, wie es weiterging. Aalina wollte den Kopf gegen die Wand schlagen, aber sie unterließ es. Sie rechnete fest damit, daß Raakin ihr eine Ohrfeige verpasste. Die erste Ohrfeige, die Aalina im Leben dann von Raakin bekommen würde. Aber er ließ davon ab. Er sah sie nur an, besorgt. Vielleicht spürte er, was sie für eine Angst hatte? Vielleicht hatte er selbst Angst um seine Frau und seine Tochter?

"Wir werden ihn suchen lassen! Ungeschoren kommt er nicht davon!" Sie vernahm Raakins Worte. Aalina wusste, sie war die einzige, die Kontakt zu Sarog hatte. Sie konnte ihn locken. Innerlich zerriss es sie schier. Sie konnte das nicht tun. Bei allem, was ihr lieb war, sie konnte das nicht tun - aber sie würde es tun müssen. Für sie, für ihre Familie, für Raakin und vor allem für ihre Tochter. Tochter ...
"Ich kann einem Kind nicht den Vater nehmen... und er wird Vater!"

...

Sie biss sich auf ihre Unterlippe und ging mit Raakin Hand in Hand die Treppen nach oben. Dort angekommen setzte sie sich zu ihm.

"Weisst du.. du bist das Beste, was mir passieren konnte!"

Mit diesen Worten lies sie die Nacht ausklingen, in den sicheren Armen ihres Liebsten. Und doch hatte sie Angst. Angst, das Sarog etwas spürte. Das er Verdacht schöpfte. Das er ihr oder Yasemeen etwas antun wollte. Sie hatte einen hohen Rang. Sarog war nicht dumm. Er wusste genau, dass Raakin für Aalina einiges tun würde.
Aalina Yazir

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Der Schatten an ihrer Seite

Es war ungewohnt. Seitdem Khalida verlauten ließ, dass Azad für Aalinas Sicherheit und ihrem unversehrten Körper verantwortlich war konnte sie keinen Schritt mehr alleine tun. Es war wirklich ungewohnt für die junge Menekanerin. Auf der einen Seite genoß sie es, ständig in Begleitung zu sein. Sie fühlte sich fast schon wie eine kleine Prinzessin. Auf der anderen Seite wusste sie, warum sie diese Beschattung bekam. Und da ging es um ihr Leben und um das Leben ihrer Tochter.

Aalina sah diese junge Menekanerin nun schon zum dritten oder vierten Mal und sie wusste ihren Namen noch immer nicht. Sie schien in Aalinas Augen sehr jung, um einiges jünger als sie selbst. Vielleicht war es die Naivität in diesem Alter noch, daß man dachte, einem würde alles in den Schoß fallen. Aalina erinnerte sich daran, ob sie in diesem Alter auch so gewesen war. Nein, Aalina war immer offen gewesen. Hatte sich nicht dafür geschämt, sich anderen Menekanern vorzustellen. Schon gar nicht bei älteren und sogar noch höher gestellten Menekanern. Vielleicht hatte ihre Mutter einiges in der Erziehung von Aalina verpasst, aber eines konnte Aalina von sich behaupten: Sie hatte Anstand.

In einer ruhigen Minute zog sie Azad zur Seite und fragte ihn über das Mädchen aus. Basheera Masari also. Auch noch ein Mädchen aus ihrem Blute. Sie seufzte langgezogen. Nunja, wer wusste schon, was in diesem jungen Weib umherschwirrte. Aalina würde ihre Gedanken nicht weiter damit belästigen. Es galt weitaus wichtigeres zu durchdenken.

Ihren Brief an Sarog.

Eigentlich wollte sie Fadi sprechen, aber als Raakin durch die Tür trat und Azad und Aalina sah, hatten sie ihre Zeit doch anders verwendet. Sie zogen es vor, zu dritt auf die Jagd zu gehen.

Sie stand zuhause, sah auf die dunklen Straßen. Sie war wirklich froh, eine fähige Leibwache an ihrer Seite zu haben. Sie hatte sich in Gefahr gebracht und sie würde nie wieder in ihrem Leben so leichtsinnig sein. Auch, wenn sie das Gefühl, daß sie in Sarogs Nähe hatte, vermisste.
Aalina Yazir

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Sie stand vor dem Erhabenen.

"Und was denkst du, können wir dagegen tun?" sprach er zu Raakin. Doch Raakin verwies ihn nur an Aalina. "Sie hat sich selbst schon Gedanken darum gemacht!"

Aalina sah den Erhabenen an und begann zu sprechen. "Sarog erahnt nicht, daß ich etwas davon weiß, dass er diesem Orden angehört. Beziehungsweise er erahnt nicht, daß ich weiß, dass er böses im Schilde führen könnte. Ein Brief an ihn mit der Bitte nach einem Treffen könnte helfen."

Ihre Worte bei Eluive. Innerlich tat es Aalina irgendwo weh. Aber sie wusste, daß sie diesen Schritt tun musste. Verzeih mir, bitte. Sie würde niemals ihr eigenes Volk verraten oder dafür verantwortlich sein wollen, wenn einem ihrer Landsleute etwas passieren würde. Sie atmete tief durch und ging mit Raakin nach Hause. Lange würde sie dort nicht bleiben, sie musste noch zu Alliestra. Raakin würde Augen machen bei dem Geschenk, daß sie für ihn hatte. Eine Kette und einen Ring hatte sie anfertigen lassen. Nein, eigentlich zwei Ringe. Sie war gespannt, wie ihr Liebster auf ihr Geschenk reagieren würde und setzte kaum eine Stunde nach ihrer Rückkehr nach Menek'Ur einen Brief an ihn auf.

Die Liebe zu Raakin hatte gesiegt.
Zuletzt geändert von Aalina Yazir am Samstag 24. März 2007, 06:04, insgesamt 1-mal geändert.
Aalina Yazir

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Und wenn es nicht die Gedanken waren, dann war es das Unterbewusstsein. Zwar hatte die Liebe zu Raakin gesiegt, hatte der Weg seine Richtigkeit gefunden. Doch nichts desto trotz gab es Mittel und Wege, wie sie Kontakt mit Sarog bekam, ohne ihn wirklich zu sehen. Und ohne etwas dagegen tun zu können. Die Wege in das Reich der Träume waren nicht vorhersehbar und nicht bestimmbar. Keiner kann und wird bestimmen können, was wir träumen.

"Ich werde dir nichts tun... nichts tun... hörst du?" Die Stimme drang in ihre Gedanken und sie nickte nur. Aber konnte sie all das glauben? "Sorge nur dafür, dass mir nichts geschieht!"

Dabei sollte sie ihm doch nur eine Falle stellen, damit er für all das verurteilt werden konnte, was er getan hatte. Aber was hatte er getan? Eigentlich ... nichts. "Aalina, ich werde dir nie im Leben etwas antun!" Sie sah ihn vor sich. Auch damals, als er von dem Wolf gebissen worden war. Ihre Atmung ging schwerer und sie sah Sarog in die Augen. Die tiefen, schwarzen Augen. "Ich... ich werde dafür sorgen, dass dir nichts passiert!" Sie wusste, dass es eine Lüge war. Sie wusste, dass in den nächsten Sekunden etwas passieren würde, was sie sich selbst nicht verzeihen konnte. Am liebsten hätte sie gerufen "Lauf, Sarog. Lauf um dein Leben!" - aber sie konnte nicht. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Sie sah, wie sie ihn auf das Schiff brachten. Misshandelt und in Ketten. War dass das Volk, von dem sie so viel hielt? Sie stand auf dem Steg und sah auf das Schiff. "Liebes, komm schon!" Raakin sah sie an. Er hatte das, was er wollte. Er hatte Sarog in gewahrsam. Und sie wusste, was Raakin mit ihm anstellen würde. Sie schluckte schwer und nickte nur schwach. Wollte sie wirklich mit dem gleichen Schiff zurückfahren, indem Sarog saß? Sie musste wohl, es blieb ihr nichts anderes übrig. Also stieg sie ein, stieg in ihrem seidenen Kleid die Stufen vorsichtig hinab.
Die ganze Überfahrt über starrte Sarog vor sich auf die Holzdielen, nur ab und an huschte ein eiskalter Blick zu Aalina. Es zog alles in ihr zusammen, sie spürte, dass er nur noch auf eines aus war: Rache.

Auf Menek'Ur angekommen rannte Aalina in die Wüste, während sie Sarog in den Kerker prügelten. Sie konnte es nicht mit ansehen. Selbst wenn sie jetzt wusste, wer er war, was für eine Gesinnung er hatte. Er war ein Lebewesen, ein Mensch. Sein Glaube war nicht rein, aber sie glaubte noch daran, dass irgendetwas Gutes in ihm war. Ein kleiner Funke, der nur entzündet werden musste. Vielleicht hoffte sie vergebens. Aber es war ihre Hoffnung, an die sie sich klammerte. Tränen liefen über ihre Wangen, verwischten ihre getuschten, dichten Wimpern. Schwarze Bahnen suchten sich den Weg zu ihren vollen, geschwungenen Lippen um dann von dort abzuperlen. Schnell wischte sie diese an ihren Ärmeln ab. Es war zu spät.

Sie ging zurück. Bestimmt suchten schon alle nach ihr. Schließlich musste sie ihre Aussage vor Gericht machen.
Und ihr wurden Fragen gestellt, viele Fragen. Und sie wusste, dass sie diese zu beantworten hatte. Und egal, was sie antworten würde, sie wusste, was das Urteil sein würde. Sie wusste es. Mit erhobenen Hauptes und kaltem Gesichtsausdruck stand sie auf dem kleinen Steinpodest und beantwortete Frage für Frage. Sie hatte die Hoffnung, dass sie ihn einfach gehen ließen. Aber dem war nicht so.

"Der Angeklagte Sarog Pilyan wird zu 30 Peitschhieben und anschließendem Tod durch die Schlangengrube verurteilt! Bis zum Beschluss des endgültigen Termins verwahrt man ihn im Kerker Menek'Urs!"

Aalina schluckte und biss sich unter dem Schleier auf die Lippe. Die Menge jubelte und sie sah Sarog in die Augen. Sie konnte förmlich spüren, was er dachte. "Es tut mir leid, Sarog." flüsterte sie so leise, das nur sie selbst es hören konnte. Und dann drehte sie sich um und ging. Sie musste raus hier, sie konnte nicht hier bleiben. Sie brauchte frische Luft. Und sie sah, wie sie ihn hinter sich herzogen, gefesselt und geknebelt. Sie warfen ihn in den Kerker.

Drei Tage war er nun schon dort und Aalina sah immer dann zu ihm, wenn er längst eingeschlafen war. So friedlich lag er da, als könne er keiner Fliege was zu leide tun. "Aalina, er ist ein Arkorither, er ist böse!" Sie versuchte sich diesen Gedanken immer wieder einzureden und letztendlich siegte ihr Verstand und sie wollte aus dem Kerker gehen.
- "Aalina?" Sie stockte. "Ja, ich bin da...!" antwortete sie leise und sah durch die Dunkelheit zu ihm. "Komm zu mir...!" Sie stand da, wie versteinert. Und dennoch, sie ging durch die erste Tür, dann durch die Zweite bis sie letztendlich vor seiner Kerkertür stand.

"Lass mich frei!" Die Forderung war deutlich. Sie konnte nicht. Sie wusste, was ihr passieren würde. "Aalina, lass mich frei. Du weisst, dass ich dir und deiner Tochter keinerlei Gefahr bin! Ich werde selbst Vater! Aalina!!"
Aalina sah ihn an, sie war hin und her gerissen. Er sah so gebrochen aus, er nahm ihre Hand durch die Gitterstäbe. "Lass mich frei...!" flüsterte er. Und Aalina ging nach Hause. Sie holte die Schlüssel. Sie wusste genau, wo Raakin die Schlüssel hatte.
Sie öffnete die Türe des Kerkers. "Lauf, Sarog. Lauf um dein Leben!" Sie lächelte schwach und einige Tränen sammelten sich wieder auf ihren Wangen. Und er sah sie an und ging ohne ein Wort davon.



"Die Angeklagte Aalina Yazir wird zum Tode durch die Schlangengrube verurteilt!" Aalina senkte ihr Haupt. Sie hatte ihr Leben geopfert. Sie hatte genau gewusst, was sie tat. Und nun blieb ihr nur noch der Weg zur Schlangengrube. Ihr Leben geopfert für das Leben eines Arkorithers. Sie würde ihre Tochter nie wieder im Arm halten können. Wie dumm du doch warst, Aalina Yazir.


Sie erwachte. Schweißgebadet lag sie im Bett. Ein Traum, es war alles nur ein Traum. Und sie war froh, endlich wieder wach zu sein. Wann würde das endlich ein Ende nehmen? Mit seinem Tod? Würde er dann aufhören sie zu verfolgen?
Aalina Yazir

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Stundenlang ging Aalina auf und ab. Sie hatte die Nachricht bekommen, dass ihre Mutter sterbenskrank war. Es war schwer für sie. Aber was hatte sie auch gehofft. Ihre Mutter wurde schließlich nicht jünger. Und als mittlerweile älteste Tochter der Masaris war es auch klar, dass der Brief in Aalinas Hände wandern sollte.

Fateen und Yasemeen Masari hatten ihre halben Lebzeiten lang zurückgezogen gelebt. Für die Masaris war es nicht selten, dass sie in Abgeschiedenheit lebten. Und es ging ihnen gut, solange sie wussten, dass ihre Blüten der Wüste lebten und lachten. Der Tod der beiden Ältesten - Zaina und Saheeb - hatte ihre Mutter, wie auch ihren Vater schwer getroffen. Die ganze Familie war nicht mehr das, was es einmal war.

- Und jetzt? Was sollte sie tun?

Sie wartete lang, blieb wach, bis Raakin endlich nach Hause kam. Mit ihm würde sie weitere Schritte besprechen. Sie wusste nicht, ob sie ihre neue Familie zurücklassen konnte, um ihre Mutter ein letztes Mal zu sehen. Konnte Raakin von ihr verlangen, dass sie blieb? Sie schluckte.
Lange saßen sie am Tisch. Sie redeten und Aalina weinte. Sie wollte ihre Mutter nur noch einmal in die Arme schließen.

"Fahr, Liebste. Die Kleine und ich, wir werden die Zeit ohne dich überbrücken!"

Aalina fiel ihrem Ehemann um den Hals. Sie wusste, warum sie sich nie dagegen gesträubt hatte, ihn zu ihrem Mann zu nehmen und seine Frau zu werden. Sie wusste auch jetzt wieder, was sie an ihm hatte und sie bemerkte erneut, warum sie diesen Mann so sehr liebte. Er war alles das, was sie sich immer erträumt hatte.

[...]

Der Morgen kam. Aalina verließ das Bett früh, so hatte sie sich vorgenommen, das Haus zu verlassen, bevor Yasemeen Zaina wach wurde. Ihre Tochter sollte den schweren Abschied nicht mitbekommen und auch Raakin wollte sie schlafen lassen. Er war geplagt genug von seiner Arbeit. Und sie wusste, dass er auf sie warten würde, bis sie die schwere Reise zu ihren Eltern beenden würde. Schließlich hatten sie schon soviel mehr ausgehalten und sie gehörten einfach zusammen - Eluive wollte das so. Sie setzte sich an den Tisch in der Küche und setzte noch einige Briefe auf.

Salam, mein Engel, der mich stets begleitet.

Sei nicht allzu traurig, dass ich für eine Weile von dir gehe. Du weißt, daß ich dich im Herzen immer lieben werde. Und ich bin mir sicher, daß wir sehr bald schon wieder gemeinsam sein werden. Pass mir gut auf meine Tochter auf und sag ihr, dass Mama sie unendlich lieb hat. Drückt mir die Daumen und schenkt mir durch eure aufrichtige Liebe die Kraft, die ich brauche.

In Liebe,
Aalina


Den Brief legte sie gefaltet auf den Tisch und verließ das Haus. Ihre Wege sollten sie im Morgengrauen noch zum Hafen führen. Der Wind peitschte um ihre Ohren, wehte die Haare in ihr Gesicht. Wehmütig blickte sie zurück zur zart erleuchteten Stadt und wartete geduldig auf das nächste Schiff. Wachen gewährten ihr den Weg, halfen ihr, ihr Gepäck zu verstauen. Es würde eine lange Reise werden, die sie hier antrat. Und innerlich hatte sie wahnsinnige Angst, solange von zuhause weg zu sein. Sie wischte sich die Tränen, die sich in ihren Augenwinkeln gesammelt hatten, mit dem Ärmel ihres Kleides weg. Wie allein und klein sie sich auf einmal fühlte, ohne die Kraft ihres Ehemannes. Ohne die Liebe ihrer Tochter.

"Lebt wohl...!" Sie verfolgte den Weg, den das Schiff hinter sich ließ und blickte wehmütig zum Hafen Menek'Urs zurück, um sich selbst an den südlicheren Teil der Insel tragen zu lassen, weit weg und zu Fuß nicht annähernd erreichbar.

Und nur sie allein konnte hoffen, dass sich ihre Wege wieder in den Herzen der Menekaner einfand. Irgendwann... wenn sie zurückkehren würde.
Zuletzt geändert von Aalina Yazir am Dienstag 29. Mai 2007, 00:13, insgesamt 1-mal geändert.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Heimweh.
Das war so etwa das einzige, was sie die Wochen über verspürt hatte. Wie würde es ihrer Tochter gehen, ihrem Augapfel, ihrem Herzallerliebst? Wie würde es ihrem Liebsten gehen? War zuhause noch alles so, wie sie es verlassen hatte?

Sie sah zum Bett ihrer Mutter. Es ging ihr besser, wenn auch nicht sonderlich gut. Sie hatte Angst, sie alleine zu lassen, aber Aalina konnte nicht länger hier bleiben. Es deprimierte sie von Tag zu Tag mehr, eingesperrt zu sein, obwohl sie gar nicht eingesperrt war. Ein Vogel im goldenen Käfig. Sie hatte es gut bei ihrer Mutter gehabt, Yasemeen Masari meinte es wirklich herzallerliebst mit ihr, aber Aalina war erwachsen. Sie war nicht mehr das kleine Mädchen, auf das jeder aufpassen musste. "Mah, ich bin erwachsen, ich bin verheiratet. Ich habe Mann und Kind!" Scheinbar hatte es ihre Mutter immer und immer wieder vergessen das auch Aalina den Bund der Ehe betreten hatte.

Sorgfältig legte sie ihre Kleidungsstücke zusammen, legte sie bedacht in den Rucksack, der sie auch schon auf ihrer Abreise von Menek'Ur begleitet hatte. Sie fühlte sich unwohl. War es, weil sie schon solange weg von zuhause war? Hatte sie Angst, dass sie zuhause etwas erwarten konnte, was sie nicht erwarten würde? Sie atmete schwer. Nach Hause. Morgen schon würde sie den Weg nach Hause antreten und war sichtlich erleichtert darüber, schon bald wieder den ihr gewohnten Sand unter den Füßen zu haben. Den Duft ihres eigenen Hauses zu vernehmen und die Menekaner um sich herum zu sehen und zu ertragen. Sich damit herumzuschlagen, einfach nur die Frau des Großwesiren zu sein.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Erleichterung: Endlich war sie wieder auf Menek'Ur angekommen. Sie war zuhause, sie würde ihren Liebsten vermutlich sehr bald wieder sehen. Es war ein schönes Gefühl. Es versetzte ihr Kribbeln im Bauch.
Langsam schlenderte sie über den Marktplatz. Es hatte sich einiges verändert. Er sah freundlicher, handelsfähiger aus. Sie atmete tief ein. Verlockend - dieser Duft von "Zuhause". Obwohl ihre Mutter nur am anderen Ende der Insel wohnte, weit abgelegen, duftete es dort nicht so, wie es hier duftete. Und ihre Sehnsucht nach Raakin, nach ihrer Tochter... nach ihrer Schwester Amira, ihrer Cousine Khalida - all das sollte nun endlich gestillt werden.

Sie hörte Geräusche in der Eingangshalle, als sie in der Küche stand und schlich sich hinaus. Keine fünf Minuten waren es, die sie noch von ihrem Liebsten trennten. Sie drängelte sich durch den Vorhang, blinzelte. Und sie sah das große Fragezeichen in Raakins Gesicht. "Du... hier?" Sie sah ihn an und ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. "Salam Liebling.. aiwa, ich.. hier!" Und ihr Lächeln wurde immer breiter. Und sie sah ihn nur noch auf sie zugehen und sie in seine Arme schließen. Es tat so gut, so wahnsinning gut von ihrem Liebsten umarmt, begrüßt zu werden. Seinen gewohnten Duft wieder in ihrer Nase zu haben. Er wirbelte sie einmal durch die Luft und gab ihr einen Kuss. Sie war wieder zuhause. Und sie freute sich. Doch die Freude hatte vorerst einmal Pause, als sie in den Keller ging und die fremde Frau entdeckte. Aalina war geschockt. Was hatte das zu bedeuten? Sie saß da, schien irgendwas zusammenzumischen. Und Aalina schrie. So laut sie konnte. Raakin eilte in den Keller, erklärte. Es wäre seine Schülerin, Ayla. Aus ihrem alten Hause.

Ayla.
Aalina erinnerte sich an den Namen. Ihre Mutter erzählte ihr von Sameera und Ayla. Zwillinge. Wohl beide mit der Alchemie vertraut und doch so unterschiedlich - und ihre Halbschwestern. Irgendwann würde sie mit Ayla darüber sprechen, wenn die Zeit gekommen war.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Sie wollte nur kurz etwas trinken. Hätte sie gewusst, dass sie in eine Kneipenschlägerei zwischen der Burg Eisenwart und den Bunjams geraten würde, hätte sie die Taverne zu Bajard nie betreten. Und nun stand sie da, alleine. Anfangs war Khalida da, dann kam Raakin noch dazu, wobei Khalida im Trubel des Geschehens einfach untergegangen war. Aber jetzt? Jetzt war sie alleine. Und sie sah zu, wie sich die vier die Köpfe einschlugen. Unfassbar. Warum taten sie das? War es reines Kräftemessen? Oder war dahinter ein treffender Grund? Aalina wusste es nicht. Es war ihr auch egal. Die Menekaner wollten in Bajard für Ruhe sorgen und nicht dafür, dass es in der Taverne Schlägereien gab. "Raakin, verzeih mir!" sprach sie und beobachtete das Geschehen, ehe sie sich einmischte. Zuerst mit Rufen und Brüllen, sie sollen voneinander ablassen. Doch dann stellte sie sich in die Mitte der Kämpfenden, als diese für einen Moment ausser Atem auf dem Boden lagen. Sie spürte schon die Fäuste gedanklich auf sich einprasseln und war verwundert, als dies nicht geschah. Zu ihrer Verwunderung ließen sie voneinander ab und der Abend hätte so gut ausklingen können, wären da nicht ihre Erinnerungen gewesen, als sie den blutenden Jüngling der Burg Eisenwart gesehen hatte. Die Erinnerung versetzte ihr einen Stich, nahm ihr die Luft. Zog sie förmlich auf den Boden. Sie hatte Glück, dass sie sich noch an dem Stuhl festkrallen konnte. Unweigerlich huschte ihr Blick nach Nordwesten. Immer und immer wieder sah sie in diese Richtung und dann in das östliche Eck der Taverne. Dort hatten sie gesessen, dort hatte sie ihm geholfen. Dort hatte alles begonnen. Aalina war verwirrt. So lange hatte sie nicht von ihm in ihren Erinnerungen gehabt und nun kam alles Stück für Stück. Sie fühlte sich so hilflos. So allein. Auf einmal war alles so weit weg von ihr. Die durchdringenden Stimmen der Tiefländer. Leandro, der auf sie einsprach. Und in ihrem Kopf begann sich alles zu drehen. Sie hatte nicht einmal mitbekommen, wie Leandro gegangen war. Egal, egal. Nur raus aus der Taverne und nach Hause. Ihr war kalt, eisig kalt. Und sie sah nicht zurück. Kein einziges Mal.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Es war ein Rückschlag für Aalina gewesen. Ein sehr starker Rückschlag. Sie saß auf dem Schiff und knabberte sich die abstehnde Haut an ihren Fingernägeln ab. Sie war nervös. Sehr nervös. Alles um sie herum drehte sich. Auf ein mal. Auf ein mal war alles wiedergekommen. Tausende von Bilder hatten sich vor ihren Augen abgespielt, in der Taverne, in Bajard. Und bei jedem Bild fühlte es sich so an, als würde man ihr damit ins Gesicht schlagen. Tausende Bilder.

Die blutende Wunde. Die Türen der Taverne. Der Tisch im Eck, gleich am Eingang. Diese benommenen, tiefschwarzen Augen. Das Kleidungsstück, das sie zerrissen hatte um die Blutung zu stillen. Der Alkohol, mit dem sie die Wunde sauber machte. Die tiefschwarzen Augen, die sie ansahen. Raakin. Und dann doch wieder diese tiefschwarzen Augen. Der Heimweg nach Menek'Ur. Die zweite Begegnung. Der Anfang einer Freundschaft. Diese schwarzen Augen. Der grobe Griff um ihren Arm. Das ungemachte Bett am nächsten Morgen. Der Heimweg und die Schuld an sich, nicht zuhause geblieben zu sein. Der Schneesturm. Die Kälte in den Augen. Das Gasthaus zu Tirell. Das Klopfen an die verschlossene Tür. Den Moment als die Türe aufgegangen war. Der Moment als sie wieder in diese Augen sah. Der Schneesturm, der immer schlimmer wurde. Das kleine Zimmer, die zwei kleinen Betten. Die dunkle Nacht. Einen Gentleman, der sie nicht gehen lies und sie nicht berührte. Schwarze Augen - schwarz wie die Nacht. Der nächste Morgen, das zerknautschte Bett. Das leere Zimmer. Der Heimweg. Raakin. Ihre Tochter. Raakin. Die schwarzen Augen. Die Leere in die sie starrte, als er ihr fast die Luft nahm. Die schwarzen Augen. Die feingliedrigen Hände, die sich um ihren Mund schlangen und ihr die Luft nahmen. Die schwarzen Augen. Die Gänsehaut, die sich auf ihre Arme legten. Die schwarzen Augen. Das Fest, auf dem sie erfuhr, was er war. Der Schmerz, der sich dort durch ihren Körper zog. Die Entfernung, die nun zwischen den beiden lag - liegen musste. Die schwarzen Augen. Alles, was sie fasziniert hatte. Das Auflösen von all dem, was sie gesehen hatte vor ihren Augen. Der innerliche Schmerz, an dem sie tagelang genagt hatte.
Und dann begann es abermals vor ihren Augen zu flimmern und das Schauspiel ging von vorne los. Sie hatte ihn nicht vergessen. Sie hatte nie wieder was von ihm gehört noch gesehen, aber sie hatte ihn nicht vergessen. Der leere Blick ging durch das leere Haus.

Sie war alleine. Und sie würde immer alleine sein. Zumindest dort, wo sie sich sah. Sie zerbrach. Innerlich.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Der Rückschlag war schnell vergessen und sie hatte sich schnell erholt. Für was sollte sie weiter über einen Menschen nachdenken, der im endeffekt nur mit ihr gespielt hatte. Sie war Mittel zum Zweck gewesen, nicht mehr und nicht weniger als ein billiges Spielzeug, welches man unbedingt haben wollte. Es war schwachsinnig von ihr zu glauben, dass sich auch nur das kleinste Gefühl des Magus' wirklich abspielte.

Sehr leichtgläubig von dir, Aalina Yazir.

Aber manchmal bekam sie das Gefühl nicht los, dass sie doch etwas durchgedreht war. Zum Beispiel war sie nachmittags mit Anisha und Raakin unterwegs, hatte sie doch felsenfest behauptet, einen Drachen in der wüste gesehen zu haben. Raakin hatte ihr natürlch nicht geglaubt.

Die Sonne scheint wohl ein bisschen zu stark zur Zeit?

Sie war doch nicht bescheuert, sie hatte den Drachen doch gesehen. Groß war er gewesen, angegriffen hatte er sie nicht. Und sie zog Raakin und Anisha hinter sich her inmitten der Wüste.

Oh, ich hab meinen Turban zuhause gelassen, die Sonne brennt auf meinen Kopf!

Raakin verschwand und mit dem Verschwinden von Raakin tauchte der Drache auf. Ein Wesen der Magie, Aalina war sich sicher. Sie sah es schon einmal, bei einem dieser Elfen, ein fürchterlich hochnäsiges Volk, wobei sie sich das gar nicht leisten konnten, wie sie fand. Und sie würde es schon noch rausfinden, was das genau war. Und wie es der Zufall wollte, verschwand der Drache und Raakin kam wieder zurück. Aalina berichtete ihm erneut von dem Drachen.

Du solltest Armaiti aufsuchen!

Armaiti? Kannte sie nicht. Wohl Heilerin, Priesterin Eluives, wie Raakin von sich gab. Nunja, Aalina war nicht dumm. Sie wusste, oder nein, eher, erahnte, dass Raakin dahinter steckte. Sie war sich nicht sicher, was geschehen war, dass er die Magie so formen konnte, dass sie ihm die Formen schenkte, aber sie war sich sehr sicher, dass er es war. Aber sie würde das Spielchen mitspielen, welches er mit ihr spielen wollte. Dann würde sie eben seine verrückte Ehefrau sein.

Und zum Thema verrückt fiel ihr gleich die nächste Sache ein. Vielleicht würde Raakin sie doch noch für total bescheuert halten, wenn sie ihm ihre neueste Idee unterbreiten würde.

Aber warum hatte sich diese Frau auch so sehr in ihr Unterbewusstsein gefressen?

Seufzend und mit Schmetterlingen irgendwo in der Bauchgegend ging Aalina schlafen. Der morgige Tag würde anstrengend werden.
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