Gemeinsam und doch einsam.

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Hrefna Hinrah

Gemeinsam und doch einsam.

Beitrag von Hrefna Hinrah »

Seit einigen Stunden schon ging sie ihrer Arbeit an der Schmiede nach. Immer mehr Roherze schmolzen in ihren Händen dahin. Emsig wie eine Biene ließ sie die Erzbrocken in die Schmelzform der Esse gleiten. Feurige Hitze ging davon aus nachdem sie einige Kohlebrocken hinein geschmissen hatte. Selbst in einiger Entfernung würde man die Hitze noch deutlich spüren. Das musste so sein. „Um Feuererz zu schmelzen brauchst du auch eine große feurige Hitze“ hatte man ihr beigebracht. Vorsichtig begann sie mit dem steinernen Löffel die Schlacke, die sich langsam an der Oberseite der Schmelzform sammelte abzuschöpfen. Immer wieder rannen Schweißtropfen ihr Gesicht hinab und troffen in die heisse Glut. „Zsssssccchhhhhh!“ zischte die Glut zurück. Sie trug Lederhandschuhe, trotzdem musste sie aufpassen sich nicht zu verbrennen. Ihr fehlte die fast schon mütterliche Fürsorge mit derer sie von Caillean beschenkt wurde. Lange hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen oder gar Unterricht abgehalten. Hrefna wollte lernen wie man die schwierigeren Erze verarbeitet.

Überhaupt kam sie sich so einsam vor in letzter Zeit. Wo waren nur alle? Wahrscheinlich beschäftigte Caillean mit ihrem Welpen. Doch nicht nur Caillean wurde vermisst, nein auch ganz andere. Argos tauchte ab und zu auf, vielleicht hatte er so viel mit seinen Schülern zu tun. Schließlich wollten alle die große Kraft des Wolfes erlernen, wissen den Berserker der in ihnen schlummerte zu bändigen. Auch ihr Onkel Nethard war nicht mehr ins seinem Zimmer anzutreffen, oder bei seinem Platz an freier Luft wo er seine stinkende Brühe zusammenbraute. Sogar der Jarl des Clans selbst hatte sich schon einige Zeit nicht mehr sehen lassen.

Als wären alle irgendwohin aufgebrochen und hätten sie vergessen. Schnell schüttelte sie den Kopf und verdrängte den Gedanken. Immerhin kam ihre Freundin Kadlin oft vorbei um sie etwas zu necken oder einfach nur über „Weiberkrams“ zu reden, wie es die Männer gern zu sagen pflegten. Kadlin war fast wie eine große Schwester für sie. Seit die Bunjam nicht mehr im riesigen Grimwould verweilten war es Still geworden.

Beizeiten kam jemand. Aber es ging meist um eine Rüstung aus dem Lager oder das schärfen einer stumpfgewordenen Waffe. Wenn Argos auf seinem Stolzen Hengst vorbei ritt, wurde er immer mit einem verträumtten Blick Hrefnas verfolgt. Aber so oft war er nicht da. Es schmerzte ein Wenig. Wo sie doch erst vor kurzem große Freude erfahren hatte, endlich ihren Clan gefunden zu haben. Die Jahre davor in Einsamkeit rückten ihr in diesen einsamen Augeblicken immer näher. Nicht selten erwischte sie sich dabei wie eine Träne ihre Wange hinunterkullern wollte. Jedoch redetete Hrefna sich immer ein das liege an der Hitze der flammenden Glut. Tief im innern spürte sie aber wie die leere größer wurde.
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