[URL=http://imageshack.us][img]http://img442.imageshack.us/img442/6046/klostermaulbronnklvx7.jpg[/img][/URL]
Klosterleben
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Tagebucheintrag der Freiin von Gryffenhorst:
Das Schneetreiben im Wetterbruch nimmt zu, morgen, spätestens übermorgen werden wir vollständig eingeschneit sein.
Es bleibt viel zu lernen, zu erleben und zu erfahren und doch spüre ich, daß mein Werk sich hier dem Ende neigt. Es wird Zeit, zurück in die Welt, zurück nach Gerimor zu gehen. Ich bin mir sicher, daß dieser Schneesturm mir den Weg zurück weist, denn so widersinnig es klingt, hilft er mir doch, in geordneten Bahnen den Weg zurück zu finden. Wie oft tat ich gerade diese Dinge in meinem Leben impulsiv und unüberlegt, die eine genaue Abwägung erfordert hätten; wie oft blieb ich passiv und tatenlos, wenn das Gegenteil doch soviel besser für mich gewesen wäre. Wie ein Flüchtling bin ich in meiner alten Heimat angekommen, ich werde nicht wie ein Flüchtling in meine neue Heimat zurückkehren.
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Die kleine, zierliche Frau mit den mattgolden schimmernden Haaren und der blassen, fast durchscheinend wirkenden Haut legte die Feder beiseite und griff nach einem Wolltuch, das sie sich fröstelnd um die Schultern legte. Monate war es inzwischen her, daß sie Gerimor Hals-über-Kopf verlassen hatte, um zurück in die Ländereien ihres Vaters zu fliehen.
Die Baronie Gryffenhorst und ihr Elternhaus waren ihr erstes Ziel gewesen, dort hatte sie sich in die Arme ihrer Mutter gestürzt in der Hoffnung, endlich den Schmerz um die verschmähte Geschwisterliebe zu vergessen, dazu die endlose Scham, begleitet von hartnäckiger Liebe zu einem Mann, der so völlig außerhalb jeglicher möglicher heiratsfähiger Partien für sie stand – das alles hatte sie gehofft, ihrer Mutter offenbaren und anvertrauen zu können, Trost in ihrem Verständnis zu finden.
Doch die Mutter wollte nicht verstehen. In zu weite Ferne waren ihre Mädchenträume von einer Ehe aus Liebe gerückt, längst vergessen waren mädchenhafte Schwärmereien für einfache Soldaten im Regiment ihres Vaters, der Rikas Großvater war.
Rika begann zu verstehen. Für ihre Mutter waren diese Schwärmereien genau dieses geblieben – Schwärmereien eben. Sie selbst war den fatalen Schritt zu weit gegangen. Sie konnte sich nicht wie ein kleines Mädchen zurück in ihr Elternhaus flüchten, sie mußte die Schritte, die sie weiterführen konnten, alleine vollbringen.
Gedankenverloren strich Rika über das Büchlein, dem sie seit ihrer Rückkehr all ihre Gedanken anvertraut hatte und schlug ziellos eine der ersten Seiten auf.
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Tagebucheintrag der Freiin von Gryffenhorst:
Gryffenhorst. Es hat sich nicht verändert, noch immer das Nobelste aller drei Ländereien. Es ist ein befreiendes Gefühl, aus der Tür treten zu können und als Herrin über Gryffenhorst anerkannt zu sein. Das Schönste jedoch: Diese Anerkennung ist ehrlich, hier ist niemand, der hinter meinem Rücken über mich tuschelt.
Habe mich zum Essen mit dem Kleinen verabredet. Es ist schön, daheim zu sein.
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Still lächelte Rika in sich hinein, als sie an den jüngsten ihrer drei Brüder dachte. War er es gewesen, vom dem die Idee mit den Klöstern ausgegangen war?
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Tagebucheintrag der Freiin von Gryffenhorst:
Die Idee, die Klöster unserer Ländereien zu besuchen ist brillant. Wer hatte sie eigentlich zuerst, der Kleine oder ich? Die medizinischen Kenntnisse dort sind hoch, lernen und helfen kann man überall.
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Aus dem leichthin geplanten Besuch der Klöster war jedoch mehr geworden. Der Prozeß war langsam doch stetig vorangeschritten, aus der stillen, kraftlosen Adeligen war eine ruhige, besonnene und sehr einfache Frau geworden, die sich ganz dem Dienst an ihrer Göttin, der allumfassenden Eluive, gewidmet hatte.
Von den strengen gryffenhorster Ländereien hatte sie ihr Weg in die weiten Ridmannsfluren geführt. Dort in die endlosen Wiesen, Feldern und Tälern war der Zwang ihrer Erziehung allmählich von ihr abgefallen, ausladende Kleider wichen praktisch geschnittenen Röcken, sogar die sonst so streng und akkurat aufgesteckten Haare umschmeichelten weicher als sonst ihr Gesicht. Sie hatte den Göttinendiensten im Kloster gelauscht, endlose Stunden mit der Schöpfungsgeschichte und anderen Schriften über Eluive verbracht und viele fruchtbare Diskussionen mit dem Prior des Klosters geführt.
Sacht strich Rika mit den Fingern über eine weitere Seite ihres Buches.
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Tagebucheintrag der Freiin von Gryffenhorst:
Es ist seltsam, daß einen ausgerechnet die Weite der Ridmannsfluren zu sich selbst finden lassen kann. Ich begreife nun, daß es zwei Pole in meinem Leben gab, der eine stieß mich ab, obwohl ich zu ihm wollte, der andere zog mich an, obwohl ich wußte, daß es ohne ihn einfacher gewesen wäre. Der eine ist meine Liebe zu meinem Bruder Calor, die nie so erwidert werden wird, wie ich mir das lange Zeit gewünscht habe. Der andere ist Raphaels Liebe zu mir, bei der es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich sie nie erwidert hätte.
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Rika lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Ja, vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie Raphaels Liebe nie erwidert hätte – doch ohne ihn wäre sie im Krieg um Varuna kopflos in eine Horde Orks gerannt, hätte nie gelernt, wie man ein Zelt auf- und wieder abbaut, wo man am besten Holz für ein Lagerfeuer fand und wie man es schaffte, einen saftigen Hasenbraten aufgespießt auf einem primitiven Holzstock über genau so einem Lagerfeuer zuzubereiten. Und hätte er ihr nicht gezeigt, wie schön es.....
Rika brach den Gedanken abrupt ab. Naja, sie wäre jedenfalls nicht auf die Idee mit einem Kloster gekommen.
Wochen später folgte auf die Ridmannsfluren der Wetterbruch, jener Landstrich, der wohl der urtümlichste aller drei Ländereien war. Hohe rauschende Tannenwipfel wechselten sich abrupt mit Gebirge und Schluchten ab. Das Leben hier war rauher, noch immer gab es letzte vereinzelte Spuren durch die lange zurückliegende Besetzung durch mehrere große Orkstämme. Die schweren Tore und Befestigungswelle des hiesigen Klosters waren nur einige davon.
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Tagebucheintrag der Freiin von Gryffenhorst:
Es wird kälter im Wetterbruch, der Wind pfeift des Abends bereits heulend um die Klostermauern und läßt Mensch und Tier erschauernd innehalten. Wohl dem, der ein festes Dach über dem Kopf und ein warmes Herdfeuer hat, an dem er sich wärmen kann.
Ich habe in den letzten Tagen viel Neues, Interessantes und Nachdenkliches erfahren. Unser aller Mutter scheint mich mehr zu umgeben denn je.
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Schließlich hatte der Winter im Wetterbruch Einzug gehalten, lautlos rieselten die Flocken aus einem grauen Himmel hernieder. Doch für Rika war das alles mehr geworden. Für sie herrschte überall die Göttin, dampfend atmete die Erde ihren Atem.
Für Rika wurde es Zeit, ihre zwei Leben als Adlige und Person von hohem Rang, sowie ihr Dasein als Heilerin und Priesterin zu verbinden.
Die kleine, zierliche Person schloß ihr Tagebuch und stand auf. Es galt, eine Abreise vorzubereiten.
Klosterleben
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Rika von Gryffenhorst
Wenige Wochen waren vergangen, seit Rika von Gryffenhorst zurück in ihre Stadtresidenz nach Varuna gekommen war. Die Tage waren dahingeflogen, angefüllt von einer Menge Arbeit, galt es doch, eine ganze Schar Dienstmädchen zu beaufsichtigen, die das alte und edle Mobiliar abstaubte, das Silber polierte, Teppiche ausklopfte und Betten machte. Dazwischen kam ein Patient mit Grippe und einige Bestellungen, die für die Apotheke zu erfüllen waren. Die Speisekammer wollte wieder gefüllt werden, dazu mußten Vorräte von Bauernhöfen geordert und natürlich derern Lieferung und Einlagerung geleitet werden. Auch im Labor der Apotheke fehlte noch so einiges und natürlich galt es auch hier, dringend Abhilfe zu schaffen.
So war Rika die letzten Wochen gänzlich in den surrenden Schwarm eines herrschaftlichen Haushaltes eingebunden. Keine Zeit dafür, sich nach einem Lächeln ihres Bruders zu verzehren, keine Zeit dafür, einsam des nachts durch die Gänge zu streifen, getrieben und gequält von einem Übermaß an Liebe, die sie so reichlich verschenkte und die doch nirgends wirklich gebraucht wurde. Eine Hochzeitseinladung war es, die Rika zurück auf den Boden der Tatsachen brachte.
Sie stand im Obergestock in ihrem Zimmer am Fenster, die Einladung vor sich in den kühlen Händen haltend. Graf Rafael de Arganta und Baronin Felicitas von Stolzenfels luden zur Hochzeit. [ http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=17825 ] Rika fühlte sich mit einem Mal wieder so, wie sie aussah - blaß und zerbrechlich.
Sacht strich sie mit dem Daumen über das Pergament. Einst hatte es nichts gegeben, was sie sich sehnlicher gewünscht hätte als ihre eigene Hochzeit. Es war ihr Klein-Mädchen-Traum, sie hatte schon als Fünfjährige ihrer Mutter damit in den Ohren gelegen und als diese nichts mehr davon hören wollte, hatte sie begonne, ihr Brautkleid zu malen. Immer und immer wieder. Dazu ein strahlender Held in einer schimmernden Rüstung auf einem stolzen und edlen Roß.
Mit den Jahren waren ihre Vorstellungen realistischer geworden, bis sie sich schließlich in einen kleinen, schmerzenden Punkt in ihrer Brust verwandelt hatten. Heiraten - sie würde niemals heiraten.
In der Abgeschiedenheit ihres Zimmers gestattete sie sich die kleine Träne, die den Weg aus ihren feucht schimmernden Augen fand und auf die Einladung tropfte. War sie früher noch das junge Mädchen gewesen, das sich nach einem Ball ohne Verehrer enttäuscht weinend auf sein Bett geworfen hatte, war sie mit den Jahren zu einer beherrschten Frau herangereift, die ihren Schmerz und ihre Sehnsucht fest in ihrer Brust eingeschlossen hatte. Sie gab weder ihrer kühlen Mutter noch dem militärisch strengen Vater die Schuld an ihrem Schicksal. Sie gab überhaupt niemandem die Schuld daran, daß sie auf ewig unverheiratet bleiben würde.
Der Ritter Quarius de Lore wäre eine gute Partie für sie gewesen, doch hatte sie es nicht übers Herz gebracht, ihm eine Frau zu sein, die ihn nicht so lieben konnte wie er sie. Sie hatte ihn mit der Liebe zu einem Söldner verletzt, jegliche Regeln ihres Standes gebrochen und sich selbst alle Hoffnung auf eine Heirat genommen, als sie dem geliebten Mann ihre Unschuld geschenkt hatte. Es war nur zu natürlich, daß dieses Abenteuer irgendwann sein Ende gefunden haben mußte.
Rika strich noch einmal über das Pergament der Einladung, dann legte sie es vorsichtig beiseite. Sie war nun 29 Jahre alt, sie hatte zu ihrem Glauben gefunden und sie konnte auf die Hochzeiten anderer Leute gehen, um sich an deren Glück zu freuen. Und sie konnte auch weiterhin all ihre Liebe ihrem Bruder schenken.
Den kleinen, stechenden Schmerz, der zurückblieb, vergrub sie hastig in ihrer Brust.
[URL=http://imageshack.us][img]http://img171.imageshack.us/img171/5390/brautqe0.jpg[/img][/URL]
So war Rika die letzten Wochen gänzlich in den surrenden Schwarm eines herrschaftlichen Haushaltes eingebunden. Keine Zeit dafür, sich nach einem Lächeln ihres Bruders zu verzehren, keine Zeit dafür, einsam des nachts durch die Gänge zu streifen, getrieben und gequält von einem Übermaß an Liebe, die sie so reichlich verschenkte und die doch nirgends wirklich gebraucht wurde. Eine Hochzeitseinladung war es, die Rika zurück auf den Boden der Tatsachen brachte.
Sie stand im Obergestock in ihrem Zimmer am Fenster, die Einladung vor sich in den kühlen Händen haltend. Graf Rafael de Arganta und Baronin Felicitas von Stolzenfels luden zur Hochzeit. [ http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=17825 ] Rika fühlte sich mit einem Mal wieder so, wie sie aussah - blaß und zerbrechlich.
Sacht strich sie mit dem Daumen über das Pergament. Einst hatte es nichts gegeben, was sie sich sehnlicher gewünscht hätte als ihre eigene Hochzeit. Es war ihr Klein-Mädchen-Traum, sie hatte schon als Fünfjährige ihrer Mutter damit in den Ohren gelegen und als diese nichts mehr davon hören wollte, hatte sie begonne, ihr Brautkleid zu malen. Immer und immer wieder. Dazu ein strahlender Held in einer schimmernden Rüstung auf einem stolzen und edlen Roß.
Mit den Jahren waren ihre Vorstellungen realistischer geworden, bis sie sich schließlich in einen kleinen, schmerzenden Punkt in ihrer Brust verwandelt hatten. Heiraten - sie würde niemals heiraten.
In der Abgeschiedenheit ihres Zimmers gestattete sie sich die kleine Träne, die den Weg aus ihren feucht schimmernden Augen fand und auf die Einladung tropfte. War sie früher noch das junge Mädchen gewesen, das sich nach einem Ball ohne Verehrer enttäuscht weinend auf sein Bett geworfen hatte, war sie mit den Jahren zu einer beherrschten Frau herangereift, die ihren Schmerz und ihre Sehnsucht fest in ihrer Brust eingeschlossen hatte. Sie gab weder ihrer kühlen Mutter noch dem militärisch strengen Vater die Schuld an ihrem Schicksal. Sie gab überhaupt niemandem die Schuld daran, daß sie auf ewig unverheiratet bleiben würde.
Der Ritter Quarius de Lore wäre eine gute Partie für sie gewesen, doch hatte sie es nicht übers Herz gebracht, ihm eine Frau zu sein, die ihn nicht so lieben konnte wie er sie. Sie hatte ihn mit der Liebe zu einem Söldner verletzt, jegliche Regeln ihres Standes gebrochen und sich selbst alle Hoffnung auf eine Heirat genommen, als sie dem geliebten Mann ihre Unschuld geschenkt hatte. Es war nur zu natürlich, daß dieses Abenteuer irgendwann sein Ende gefunden haben mußte.
Rika strich noch einmal über das Pergament der Einladung, dann legte sie es vorsichtig beiseite. Sie war nun 29 Jahre alt, sie hatte zu ihrem Glauben gefunden und sie konnte auf die Hochzeiten anderer Leute gehen, um sich an deren Glück zu freuen. Und sie konnte auch weiterhin all ihre Liebe ihrem Bruder schenken.
Den kleinen, stechenden Schmerz, der zurückblieb, vergrub sie hastig in ihrer Brust.
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