Wie jedes Mal, wenn Lythiana das Tor der Ordensfestung durchschritt, schweifte ihr Blick zur Seite, wanderte an den Mauern eines bestimmten Turmes hinauf, verharrte an den Fenstern - dahinter war es dunkel, wie seit Monaten schon. Entschlossen straffte die junge Magierin die Schultern und ging weiter, zwang sich, die Gedanken auf ihr Vorhaben zu richten. Doch nachdem die Arbeit getan, die Phiole sorgsam verkorkt war und Lythiana sich auf das Dach der Festung zurückgezogen hatte, lenkte sich ihr Blick wie von selbst wieder auf jenen Turm und die Gedanken schweiften ab.
Wie lange war es nun her, dass der Erzmagus aufgebrochen war? Zwei Monate? Drei? Vier oder mehr? Sie wusste es nicht... Zeit hatte kaum noch eine Bedeutung für sie. Die Abwesenheit des Erzmagus dagegen sehr wohl. Wo steckte er nur? Vielleicht hätte sie ihn auf die eine oder andere Weise aufspüren und erreichen können, doch hatte sie es nie versucht. Wieso auch? Es lief auch ohne ihn alles mehr oder weniger gut und persönliche Gründe waren der Erwähnung nicht wert. Es konnte alles bis zu seiner Rückkehr warten. Falls er je zurückkehrte - seine Abwesenheit dauerte nun schon weitaus länger an als geplant und auch ein Arcomagus war nicht gegen den Tod gefeit. Die junge Arkoritherin sehnte seinen Tod alles andere als herbei... doch hätte er sie zumindest von der Sorge befreit, dass sich einer ihrer Träume eines Tages als prophetisch erweisen könnte.
Doch sei es, wie es sei - sie hatte nun wirklich lange genug in der Kälte gestanden und fruchtlos gegrübelt. Es war an der Zeit, nach Hause zurückzukehren - sie wurde erwartet. Der Umhang bauschte sich um die zierliche Gestalt herum, als sie sich umdrehte und auf die Treppe zuhielt.
... und er ward lang nicht mehr gesehen.
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Lanaya Shevanor
Im Schatten eines Baumstammes stehend folgten 2 Augen der vertrauten Gestalt. Im ersten Moment hatte sie auf sie zutreten wollen doch dann wob sie die Schatten nur enger um sich. Wie lange war es her seit sie mit Lythiana gesprochen hatte? Sie wusste es nicht. Doch erinnerte die Ordensschwester sie unweigerlich an Sarog und an diesen wollte sie die Tage wahrlich nicht erinnert werden.
Sie wusste genau wo Lythiana gewesen war. War sie selbst der Tage doch öfter dortgewesen als sonst. Etwas zog sie zur Burg wie die Motte das Licht. Dennoch war selten etwas verändert. Die Bücher in der Bibliothek staubten ein und lange war es her seit sie mit jemandem dort recherchiert oder gelernt hatte. Der Gestalt kurz nachsehend wartete sie ab ehe diese gänzlich aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Vermutlich wurde sie irgendwo erwartet. Sei es auf Eisenwart, von deren Bewohnern sie bis auf eine Ausnahme nichts vernommen hatte, oder sei es zu Hause. Ganz gleich wo es war und wer sie erwartete sie war sich sicher das es ihr gut ging.
Müde wandte sie sich um und lenkte die Schritte zur Burg. Ihr Tier versorgend ging der Blick an den alten Steinen empor bis zu den Zinnen. Den Blick noch immer angehoben sah sie diverse Erinnerungen vor sich als wären seither erst wenige Tage vergangen. Seufzend wurden die Augen geschlossen und der Kopf geschüttelt um die Bilder zu vertreiben. Warum nur fühlte sie sich die letzten Stunden so alt? Nagte der Vorfall wirklich so sehr an ihr? Ihr Inneres durchforstend war ihr klar das sie eine solche Situation nicht einfach abtun konnte. Sie würde Lythiana schreiben. Den Schimmel am Zügel abführend öffnete sie die Tore mit der nötigen Gestik und Magie. Erst nachdem das Tor wieder verschlossen und versiegelt war schwang sie sich auf den Rücken des Hengstes und trieb ihn fort von der Burg.
Eine Weile ritt sie durch den Wald die eiskalte Luft genießend und dem Tier die Bewegung gönnend die es brauchte. Während des Rittes schweiften auch ihre Gedanken zu dem Meister und seiner rechten Hand. Die letzten Anweisungen lagen Monate zurück und waren längst gewissenhaft ausgeführt. Wann würden sie wiederkommen? Kamen sie überhaupt? Das Pferd zu einer schnelleren Gangart antreibend verwarf sie derlei Gedanken. Vermutlich gingen beide Dingen nach die sie nicht wert war zu erfahren. Geraume Zeit später fand sie sich wieder in der Burg. Abgerieben und versorgt war ihr Schimmel gut untergebracht. Sie selbst war die vielen Stufen hinaufgeeilt und verfasste folgende Zeilen.
Konnte sie ihr das so schicken? Würde sie verstehen? Nachdenklich flog der Blick über die Zeilen. Mehr wollte sie hier nicht preisgeben und weniger würde vermutlich zu verworren wirken. Das Pergament aufrollend wurde nur eine Schnur darum gebunden ehe es den Weg in eine Tasche ihres Mantels fand. Die Burg verlassend machte sie sich auf zu dem nahen Anwesen der Ordensschwester und trat an die Türe. Spät war es und das Licht war inzwischen verloschen. Leise und darauf achtend das Pergament nicht zu zerstören schob sie es unter der Türe hindurch ehe sie selbst den Weg nach Hause suchte. Sich dort einen Tee machend sah sie zu wie der Morgen graute. Den folgenden Abend würde sie wohl früh zu Bett gehen.
Sie wusste genau wo Lythiana gewesen war. War sie selbst der Tage doch öfter dortgewesen als sonst. Etwas zog sie zur Burg wie die Motte das Licht. Dennoch war selten etwas verändert. Die Bücher in der Bibliothek staubten ein und lange war es her seit sie mit jemandem dort recherchiert oder gelernt hatte. Der Gestalt kurz nachsehend wartete sie ab ehe diese gänzlich aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Vermutlich wurde sie irgendwo erwartet. Sei es auf Eisenwart, von deren Bewohnern sie bis auf eine Ausnahme nichts vernommen hatte, oder sei es zu Hause. Ganz gleich wo es war und wer sie erwartete sie war sich sicher das es ihr gut ging.
Müde wandte sie sich um und lenkte die Schritte zur Burg. Ihr Tier versorgend ging der Blick an den alten Steinen empor bis zu den Zinnen. Den Blick noch immer angehoben sah sie diverse Erinnerungen vor sich als wären seither erst wenige Tage vergangen. Seufzend wurden die Augen geschlossen und der Kopf geschüttelt um die Bilder zu vertreiben. Warum nur fühlte sie sich die letzten Stunden so alt? Nagte der Vorfall wirklich so sehr an ihr? Ihr Inneres durchforstend war ihr klar das sie eine solche Situation nicht einfach abtun konnte. Sie würde Lythiana schreiben. Den Schimmel am Zügel abführend öffnete sie die Tore mit der nötigen Gestik und Magie. Erst nachdem das Tor wieder verschlossen und versiegelt war schwang sie sich auf den Rücken des Hengstes und trieb ihn fort von der Burg.
Eine Weile ritt sie durch den Wald die eiskalte Luft genießend und dem Tier die Bewegung gönnend die es brauchte. Während des Rittes schweiften auch ihre Gedanken zu dem Meister und seiner rechten Hand. Die letzten Anweisungen lagen Monate zurück und waren längst gewissenhaft ausgeführt. Wann würden sie wiederkommen? Kamen sie überhaupt? Das Pferd zu einer schnelleren Gangart antreibend verwarf sie derlei Gedanken. Vermutlich gingen beide Dingen nach die sie nicht wert war zu erfahren. Geraume Zeit später fand sie sich wieder in der Burg. Abgerieben und versorgt war ihr Schimmel gut untergebracht. Sie selbst war die vielen Stufen hinaufgeeilt und verfasste folgende Zeilen.
Seinen Segen mit dir Lythiana,
lange ist es her seit wir einander sahen und ich bin sicher es gibt einiges zu berichten. Zudem ersuche ich deinen Rat in einer gewissen Sache der ich mich nicht alleine annehmen kann. So es deine Studien und vor allem auch deine Zeit erlaubt bitte ich dich mir eine Nachricht zukommen zu lassen wann ich dich antreffen kann.
Lanaya
Konnte sie ihr das so schicken? Würde sie verstehen? Nachdenklich flog der Blick über die Zeilen. Mehr wollte sie hier nicht preisgeben und weniger würde vermutlich zu verworren wirken. Das Pergament aufrollend wurde nur eine Schnur darum gebunden ehe es den Weg in eine Tasche ihres Mantels fand. Die Burg verlassend machte sie sich auf zu dem nahen Anwesen der Ordensschwester und trat an die Türe. Spät war es und das Licht war inzwischen verloschen. Leise und darauf achtend das Pergament nicht zu zerstören schob sie es unter der Türe hindurch ehe sie selbst den Weg nach Hause suchte. Sich dort einen Tee machend sah sie zu wie der Morgen graute. Den folgenden Abend würde sie wohl früh zu Bett gehen.
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Jago di Trequona
Nur wenige Meter hinter Lanaya glommen in der Dunkelheit ein paar rauchgraue Augen auf und beobachteten unbemerkt und gemeinsam mit ihr, wie Lythiana das Tor der Ordensfestung versiegelte und sich auf den Heimweg machte. Dann hefteten sie sich an den Rücken der zweiten jungen Arkoritherin.
Still beobachtete Jago di Trequona, wie die kleine Gestalt nun ebenfalls in der Ordensfestung verschwand. Als sie sie ettliche Zeit später wieder verließ, folgten ihr erneut ein paar rauchgraue Augen durch die Dämmerung, dann stieß sich der Erzmagier vom Baum ab, an dem er die ganze Zeit gelehnt hatte. Gehüllt in das tiefe Schwarz der Arkorither wirkte er nun fast wie eine Verlängerung des Baumschattens im glitzernden Weiß des Schnees. Doch dieser Schatten war mehr als nur lebendig, grau und feucht wallte der Nebel vom Waldboden auf, umsäumte den schweren schwarzen Ledermantel und kroch wie ein unterwürfiger Diener auf dem Boden vor dem Arkorithermeister dahin.
Als er sich schließlich in Bewegung setzte, schien der Schatten des Waldes wie zäher Rauch an ihm zu kleben, verfolgte ihn einige Meter hinaus auf die mittlerweile vom Mond beschienene Schneefläche und zog sich dann, vereint mit dem Nebel am Boden dahinkriechend, zurück. Einsam stand die schwarze Gestalt nun auf dem glitzernd weißen Schneefeld vor der Burg, beschienen nur vom milchigen Schein des Mondes, dessen Helligkeit von den schwarzen Gewändern nicht zurückgeworfen wurde, sondern geschluckt und aufgefressen der Dunkelheit zum Opfer fiel.
Langsam hob der Erzmagier den Kopf, rauchgraue Augen loderten in kaltem Feuer auf, die geschwungenen Lippen verzogen sich zu einem triumphierenden Lächeln. Dann breitete Jago die Arme aus, der Magierstab blitzte in seiner Hand auf und just in diesem Moment fegte eine kalte Windböe um das massive Gemäuer, rüttelte an Stein und Baum und blähte Umhang und Mantel des Magiers. Die eisernen Tore schwangen auf, dann nahm die Burg den Kriegsmeister der Dunkelheit in sich auf.
Still beobachtete Jago di Trequona, wie die kleine Gestalt nun ebenfalls in der Ordensfestung verschwand. Als sie sie ettliche Zeit später wieder verließ, folgten ihr erneut ein paar rauchgraue Augen durch die Dämmerung, dann stieß sich der Erzmagier vom Baum ab, an dem er die ganze Zeit gelehnt hatte. Gehüllt in das tiefe Schwarz der Arkorither wirkte er nun fast wie eine Verlängerung des Baumschattens im glitzernden Weiß des Schnees. Doch dieser Schatten war mehr als nur lebendig, grau und feucht wallte der Nebel vom Waldboden auf, umsäumte den schweren schwarzen Ledermantel und kroch wie ein unterwürfiger Diener auf dem Boden vor dem Arkorithermeister dahin.
Als er sich schließlich in Bewegung setzte, schien der Schatten des Waldes wie zäher Rauch an ihm zu kleben, verfolgte ihn einige Meter hinaus auf die mittlerweile vom Mond beschienene Schneefläche und zog sich dann, vereint mit dem Nebel am Boden dahinkriechend, zurück. Einsam stand die schwarze Gestalt nun auf dem glitzernd weißen Schneefeld vor der Burg, beschienen nur vom milchigen Schein des Mondes, dessen Helligkeit von den schwarzen Gewändern nicht zurückgeworfen wurde, sondern geschluckt und aufgefressen der Dunkelheit zum Opfer fiel.
Langsam hob der Erzmagier den Kopf, rauchgraue Augen loderten in kaltem Feuer auf, die geschwungenen Lippen verzogen sich zu einem triumphierenden Lächeln. Dann breitete Jago die Arme aus, der Magierstab blitzte in seiner Hand auf und just in diesem Moment fegte eine kalte Windböe um das massive Gemäuer, rüttelte an Stein und Baum und blähte Umhang und Mantel des Magiers. Die eisernen Tore schwangen auf, dann nahm die Burg den Kriegsmeister der Dunkelheit in sich auf.
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Sarog Pilyan
Als sich wieder dieser Schatten über die Burg legte, konnte es Sarog in seinen Gliedern spüren. Vor allem, als dass ein Licht durch die Räumlichkeiten Jagos ging. Er war endlich wieder zurückgekehrt und hatte sich wieder eingenistet. Überrascht reagierte der junge Magus und ging an das Fenster zum Hof, um dann herüberzusehen. Der dunkle Schatten, eine Silhouette nur, die aber trotz der Tatsache, dass sie rein optisch nicht zu erkennen war, doch dieses Gefühl hinter ihm hinterließ. Es war ein stärkendes Gefühl, als hätte man in einer aussichtslosen Situation plötzlich eine ordentliche Rückendeckung erhalten. Gerade bei den Plänen, die der Magier anstrebte, brauchte er vielleicht den einen oder anderen weisen Rat, mit dem er seinen Meister persönlich nicht verärgern wollte.
Die Hände vor seinem Schoß gefaltet, ließ er beim Durchdrücken der Hände seiner Finger knacksen. Sein Blick suchte über den Hof, als er zwei Schatten im Hofinneren erkennen konnte, die sich geschmeidig, wie gewohnt unter dem Schein des Mondlichts bewegten. Die Gemeinschaft war wieder vereint und er hoffte sehnlichst, dass es bald wieder wie in alten Tagen sein würde. Konnte er überhaupt noch Hoffnungen für irgendwas haben, wenn er doch schon so oft niedergeschlagen am Boden lag? Durfte ein Mann in seiner Position und mit einer solchen Vielzahl an Feinden diesen Gedanken hegen, dass eine höhere Gewalt über ihm stand, die ihm den Rücken deckte? Er sollte realistischer denken und sich einzig und allein seiner Macht und seinem Studium widmen. Es galt, bald den Orden wieder zu stärken.
Die Hände vor seinem Schoß gefaltet, ließ er beim Durchdrücken der Hände seiner Finger knacksen. Sein Blick suchte über den Hof, als er zwei Schatten im Hofinneren erkennen konnte, die sich geschmeidig, wie gewohnt unter dem Schein des Mondlichts bewegten. Die Gemeinschaft war wieder vereint und er hoffte sehnlichst, dass es bald wieder wie in alten Tagen sein würde. Konnte er überhaupt noch Hoffnungen für irgendwas haben, wenn er doch schon so oft niedergeschlagen am Boden lag? Durfte ein Mann in seiner Position und mit einer solchen Vielzahl an Feinden diesen Gedanken hegen, dass eine höhere Gewalt über ihm stand, die ihm den Rücken deckte? Er sollte realistischer denken und sich einzig und allein seiner Macht und seinem Studium widmen. Es galt, bald den Orden wieder zu stärken.
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Lythiana Cronor
Ein vollkommen verkorkster Abend
Wenige Tage nach ihrem letzten Besuch in der Festung lag Lythiana wach im Bett, lauschte den ruhigen Atemzügen Albeas und starrte an die Decke. Seit Stunden schon lag sie unbewegt da, hatte beobachten können, wie die Dunkelheit im Zimmer langsam abnahm und schließlich einem grauen Zwielicht Platz machte, in welchem alles seltsam unwirklich schien. Unwirklich... ein mehr als passender Begriff für den vergangenen Abend.
Eigentlich hatte er nicht schlecht begonnen - sie war wieder einmal in der Festung gewesen, um sich ein Buch aus der kleinen, aber gut bestückten Bibliothek zu holen, und war von Jago überrascht worden. Er war zurück... und freute sich augenscheinlich genauso wie sie über das Wiedersehen. Nach kurzer Zeit lud die junge Arkoritherin den Ordensmeister zu sich nach Hause ein, um dort das Gespräch weiterzuführen - auf dem Dach der Festung war es nun wirklich entschieden zu kalt.
Dort angekommen, wurde eine Flasche Rotwein, dem beide gleichermaßen gern zusprachen, entkorkt und sie unterhielten sich weiter. Es dauerte jedoch nicht lange, und das Gespräch wandte sich persönlichen Themen zu... zu persönlichen... und wie jedes Mal, wenn sie jenes Gebiet betraten, kamen die ersten Missklänge auf. Wieso nur konnten sie nicht ganz normal miteinander sprechen? So gut wie immer schaffte es einer von ihnen, den anderen bis aufs Blut zu reizen... Dieses Mal allerdings gelang es ihnen irgendwie, sich nicht vollends in die Haare zu geraten. Der Umgangston wurde wieder freundlicher... bis leise Schritte auf der Kellertreppe zu vernehmen waren und Albea den Raum betrat.
Ab diesem Zeitpunkt konnte Lythiana den Abend wohl als gelaufen betrachten. Einige Minuten noch lief die Unterhaltung weiter, mit einem oberflächlichen Anstrich von Normalität versehen... dann jedoch beschloss man, dass gewisse Dinge geklärt werden mussten, und es kam wie es kommen musste - nichts wurde geklärt, dafür jedoch wurden verbale Dolche gezückt. Wieder einmal lernte die junge Arkoritherin jene Seite ihres Lehrmeisters kennen, die ihr Blut zum Kochen brachte und in ihr den schier übermächtigen Wunsch weckte, ihm die Augen auszukratzen. Wie konnte sie für diesen Mann nur je... freundschaftliche Gefühle hegen?! Sie sollte ihn hassen, das war wohl die einzig vernünftige Antwort auf sein Verhalten.
Nach einer halben Ewigkeit, so schien es ihr, verließ er das Haus endlich - nur um weniger als eine Stunde später zurück zu kehren. Auf in die zweite Runde...
Eigentlich hatte er nicht schlecht begonnen - sie war wieder einmal in der Festung gewesen, um sich ein Buch aus der kleinen, aber gut bestückten Bibliothek zu holen, und war von Jago überrascht worden. Er war zurück... und freute sich augenscheinlich genauso wie sie über das Wiedersehen. Nach kurzer Zeit lud die junge Arkoritherin den Ordensmeister zu sich nach Hause ein, um dort das Gespräch weiterzuführen - auf dem Dach der Festung war es nun wirklich entschieden zu kalt.
Dort angekommen, wurde eine Flasche Rotwein, dem beide gleichermaßen gern zusprachen, entkorkt und sie unterhielten sich weiter. Es dauerte jedoch nicht lange, und das Gespräch wandte sich persönlichen Themen zu... zu persönlichen... und wie jedes Mal, wenn sie jenes Gebiet betraten, kamen die ersten Missklänge auf. Wieso nur konnten sie nicht ganz normal miteinander sprechen? So gut wie immer schaffte es einer von ihnen, den anderen bis aufs Blut zu reizen... Dieses Mal allerdings gelang es ihnen irgendwie, sich nicht vollends in die Haare zu geraten. Der Umgangston wurde wieder freundlicher... bis leise Schritte auf der Kellertreppe zu vernehmen waren und Albea den Raum betrat.
Ab diesem Zeitpunkt konnte Lythiana den Abend wohl als gelaufen betrachten. Einige Minuten noch lief die Unterhaltung weiter, mit einem oberflächlichen Anstrich von Normalität versehen... dann jedoch beschloss man, dass gewisse Dinge geklärt werden mussten, und es kam wie es kommen musste - nichts wurde geklärt, dafür jedoch wurden verbale Dolche gezückt. Wieder einmal lernte die junge Arkoritherin jene Seite ihres Lehrmeisters kennen, die ihr Blut zum Kochen brachte und in ihr den schier übermächtigen Wunsch weckte, ihm die Augen auszukratzen. Wie konnte sie für diesen Mann nur je... freundschaftliche Gefühle hegen?! Sie sollte ihn hassen, das war wohl die einzig vernünftige Antwort auf sein Verhalten.
Nach einer halben Ewigkeit, so schien es ihr, verließ er das Haus endlich - nur um weniger als eine Stunde später zurück zu kehren. Auf in die zweite Runde...
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Jago di Trequona
Am nächsten Morgen saß Jago di Trequona bei einer Tasse Tee und einer Ausgabe der "Ars Magica" in seinem Turm. Doch anstatt zu lesen starrten die rauchgrauen Augen die Seite vor sich nur blicklos an und nach einer Weile straffte er sehr vorsichtig den Rücken. Er bewegte sich noch immer steif und langsam, auch wenn er keine Schmerzen mehr empfand und die Haut seines Körpers gänzlich unversehrt war - sah man von den alten Wundmalen ab. Doch die bloße Angst davor, eben diese Male könnten wieder so schmerzen wie am gestrigen Abend, hielt ihn von jeder unüberlegten und schnellen Bewegung ab. Die Lektion des Meisters hatte wahrlich gesessen.
Was hatte er aber auch wieder in jene geradezu uralte Falle tappen müssen. Verdammte Weiber!
Jago schlug mit der Faust auf den Tisch, erschrak sich aber gleichzeitig vor seiner eigenen Bewegung und verharrte sofort in einer aufrechten Haltung.
Die Gespräche mit Lythiana waren immer schwierig, wenn sie die magische Grundlage verloren. Er wußte das und doch passierte es ihm immerwieder. Er wußte, daß er sie noch immer in der Hand hatte, genauso wie alle anderen Mitglieder des Ordens mit ihm verbunden waren, doch jegliche Ummantelung dieses Bandes drohte ihm zu entgleiten.
Und so kam es wieder, wie es kommen mußte: Zauberer und Zauberin kreuzten die verbalen Klingen. Er merkte schnell, daß seine Gegnerin an Kraft gewonnen hatte und als ihr schließlich ihre Sekundantin zu Hilfe kam, hatte er nichts besseres zu tun, als wie ein blinder Student im ersten Studienjahr in ihre Finte zu laufen. Albeas Kuß irritierte ihn und brachte ihn derart aus dem Gleichgewicht, daß er stolperte und den beiden Frauen schließlich direkt in die Klingen fiel.
Derart wutschnaubend war er selten in die Burg zurückgekehrt und er wußte, daß es sein Glück war, daß er dort direkt seinem Meister in die Arme gerannt war. Jago schloß die Augen, als dessen Worte erneut in seinen Ohren widerhallten:
"Du, Jago, bist meine rechte Hand, der Ausbilder von meinen Gnaden, der Kriegsherr der Arkorither, mein Bannerträger ... Das heißt, ich muß mir sicher sein können, daß Du Deine Aufgaben erfüllst. Und nicht abgelenkt wirst. Das verstehst Du doch?"
Ja, es war gut gewesen, daß er, Jago, seine Lektion bei seinem Lehrmeister aufgefrischt hatte. Die letzten Worte Arghams troffen ihm wie vergrifteter Honig durchs Gehirn:
"Angst kann viele Gestalten annehmen ... Und Angst ist ein hervorragender Lehrmeister."
Was hatte er aber auch wieder in jene geradezu uralte Falle tappen müssen. Verdammte Weiber!
Jago schlug mit der Faust auf den Tisch, erschrak sich aber gleichzeitig vor seiner eigenen Bewegung und verharrte sofort in einer aufrechten Haltung.
Die Gespräche mit Lythiana waren immer schwierig, wenn sie die magische Grundlage verloren. Er wußte das und doch passierte es ihm immerwieder. Er wußte, daß er sie noch immer in der Hand hatte, genauso wie alle anderen Mitglieder des Ordens mit ihm verbunden waren, doch jegliche Ummantelung dieses Bandes drohte ihm zu entgleiten.
Und so kam es wieder, wie es kommen mußte: Zauberer und Zauberin kreuzten die verbalen Klingen. Er merkte schnell, daß seine Gegnerin an Kraft gewonnen hatte und als ihr schließlich ihre Sekundantin zu Hilfe kam, hatte er nichts besseres zu tun, als wie ein blinder Student im ersten Studienjahr in ihre Finte zu laufen. Albeas Kuß irritierte ihn und brachte ihn derart aus dem Gleichgewicht, daß er stolperte und den beiden Frauen schließlich direkt in die Klingen fiel.
Derart wutschnaubend war er selten in die Burg zurückgekehrt und er wußte, daß es sein Glück war, daß er dort direkt seinem Meister in die Arme gerannt war. Jago schloß die Augen, als dessen Worte erneut in seinen Ohren widerhallten:
"Du, Jago, bist meine rechte Hand, der Ausbilder von meinen Gnaden, der Kriegsherr der Arkorither, mein Bannerträger ... Das heißt, ich muß mir sicher sein können, daß Du Deine Aufgaben erfüllst. Und nicht abgelenkt wirst. Das verstehst Du doch?"
Ja, es war gut gewesen, daß er, Jago, seine Lektion bei seinem Lehrmeister aufgefrischt hatte. Die letzten Worte Arghams troffen ihm wie vergrifteter Honig durchs Gehirn:
"Angst kann viele Gestalten annehmen ... Und Angst ist ein hervorragender Lehrmeister."