Der Tag war anstrengend und erschöpfend gewesen. Nicht nur dass sie immer noch mit der Tatsache zu kämpfen hatte, dass Tajara ihr Glück recht schnell wieder gefunden hatte in einer anderen Liebe, nein es kam noch dazu dass ihre Hütte, der Fuchsbau, alles andere als winterfest war. Gerade in den letzten Tagen, als sie sich zu Nele gelegt hatte, damit das kleine Kind nicht alleine schlafen musste, hatte sie gemerkt wie verdammt kalt und undicht manche der einzelnen Wände gewesen waren. Eigentlich war es aber auch keine große Überraschung, sie hatte das Haus damals schließlich relativ heruntergekommen vorgefunden und nun rächten sich ihre eher spärlichen Verbesserungsmaßnahmen. Der kalte Wind zog durch die Wände und ab und an tropfte Wasser durch die Decke, so konnte es nicht weitergehen. Sie hatte erst darüber nachgedacht, ob sie nicht Leif oder Falk um Hilfe bitten sollte, doch sie konnte sich nicht immer auf andere verlassen und so beschloss sie, das Haus selbstständig wieder auf Vordermann zu bringen. Dass dies ein ziemlich anstrengendes Unterfangen war und nur sehr langsam und schleppend voran kam, das hatte sie gewusst aber dass es so schwer war an die benötigten Materialien zu kommen, das war eine andere Sache.
Sie war heute in Bajard gewesen, hatte sich etwas Ruhe gegönnt und sich einmal mehr Gedanken über die letzten Wochen gemacht. Enttäuscht war sie nicht gewesen über die Sache mit Tajara eher hatte es sie sehr überraschend getroffen, doch Dinge geschahen nun einmal, und was half es schon deswegen schlechte Laune zu haben? Nichts. Ein paar Stunden war sie in der Taverne gewesen, hatte ihren üblichen Becher mit Met getrunken und hatte nun den Heimweg wieder ins Auge gefasst, es gab ja noch einiges zu tun. Nele war derzeit nicht im Fuchsbau, wo auch immer sie sich gerade herum trieb, sie schien wieder dem Erkundungsdrang nachzugeben. So hatte sie aber immerhin die nötige Zeit sich um das Haus zu kümmern, und das würde sie nun auch tun. Sie hatte im Schloss bereits anmerken lassen, dass sie nicht vor dem morgigen Tag zurück sein würde, damit man wenigstens nicht behaupten konnte, sie würde niemanden wissen lassen wo sie war.
Der Weg zurück zum Fuchsbau war schnell zurückgelegt, doch beherbergte die Ankunft eine doch seltsame Überraschung; die Türen des Hauses standen speerangelweit offen und auch das Gartentor schien recht ramponiert zu sein. Mit gerunzelter Stirne trat sie näher nur um dann einen erschöpften Aufstöhner von sich zu geben, als sie in das Innere des Hauses blickte. Tatsächlich, man hatte eingebrochen bei ihr! Viola trat durch das Haus und sah sich um, viel gab es hier nicht zu hole, nur einige Truhen mit Nahrung aber auch die Schatulle mit ihrem Gold darin und diese fehlte natürlich. Sie fluchte leise. Was nun? Sie konnte schlecht nach Varuna zur Garde gehen, ihr Haus stand ausserhalb der Grafschaft und auch wenn Darna dort Oberst war, sie würde wohl kaum Männer für sowas belangloses abkommandieren, nein hier musste sie wohl selbst ran.
Der Schnee vor ihrem Haus war von ihren eigenen Fußabdrücken zerdrückt doch man musste kein Fährtenleser sein um die anderen Spuren, welche vom Haus in Richtung der Wälder führten, zu sehen. Sie trat näher und betrachtete sie, nichts was sie hätte daraus erschließen können, für sie waren es Fußspuren und nicht mehr, aber sie würden ihren Zweck tun. Sie drehte sich wieder um ging in das Haus, legte sich den Lederschutz an und ergriff die Armbrust. Sie würde diesen Dieben nachgehen und wenn sie sie finden würde, sollten ihnen besser alle Götter beistehen, angenehm würde das sicher nicht werden. Und so folgte sie der Spur in Richtung der Wälder, in Gedanken nur eines; diese Kerle stellen.
Ein Einbruch und seine Folgen
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Viola Ser´Rhal
Die Spuren waren erstaunlich leicht zurückzuverfolgen, der hohe, weiche Schnee zeigte nur zu gut, wo Violas Weg sie hinführen würde und nach einer Weile war dieses Ziel auch gefunden; eine kleine Forsthütte welche mitten im Wald stand, die Tür war aufgebrochen und die Spuren führten genau in diese hinein. Ruhig griff sie nach der Armbrust, spannte einen Bolzen ein und hob die Waffe an, immer auf den Eingang des Hauses gerichtet. Ihre Schritte waren langsam und der Blick war konzentriert als sie in die Hütte trat und ... nichts vorfand. Keine Menschenseele war zu finden und es waren auch auf den ersten Blick keine Spuren von anderen Menschen zu sehen. Viola trat in die Hütte ein und sah sich um. Sie sah nichts von ihrem Gold, sie sah auch in ihrer ersten Beobachtung nicht die zweite Tür welche hinter ihr in der Hütte war, sie sah auch nicht die Gestalt aus dieser Türe treten, denn erst als sie sich umdrehte blickte sie in das Gesicht eines jungen Mädchens, kaum älter als sie, welches sie erschrocken anstarrte. Viola erkannte auch erst jetzt die Armbrust in ihrer Hand, welche gespannt auf Viola gerichtet war. Sie wollte ihre eigene Waffe hochreißen doch dann spürte sie schon ein starkes Drücken an der Schulter, welches sie von den Füßen riss und gegen die Wand drückte. Es war kein Schmerz oder dergleichen da und deswegen dachte sich Viola nichts dabei, doch sie spürte wie die Armbrust ihr aus der Hand glitt und als sie nachgreifen wollte bemerkte der Körper dann auch das, was Viola selbst ebenfalls erst jetzt festgestellt hatte; sie konnte nicht nach der Waffe greifen denn in ihrer Schulter steckte ein Bolzen. Viola nahm dies mit einem erschrockenen Aufkeuchen war, ihr Körper hingegen war da nicht so milde; dieser schoss sofort eine Schmerzenswelle durch den Körper der sie zu Boden gleiten ließ. Das Mädchen starrte fast schon ungläubig vor brüllte irgendwas und eine weitere Gestalt kam dazu, Viola konnte nicht so recht erkennen wer oder was da noch vor ihr stand, ihr Blick war verschwommen und die aufkommenden Schmerzen trieben ihr die Tränen in die Augen. Sie bekam nur den zweiten stumpfen Schmerz mit, als irgendwas ihren Kopf traf und sie das Bewusstsein verlor. Sie hörte nicht mehr die Schritte um sich herum und sie hörte auch nicht wie die Türe der Hütte zugeschlagen wurde, sie war einfach weg.
In ihrer Ohnmacht fühlte sie nichts, sie träumte nichts, sie war einfach weg und als ihr Geist wenigstens wieder zu sich zu kommen schien, schoss ihr sofort ein Gedanke durch den Kopf; “ Du bist tot ...“ . Doch dieser Gedanke verflog bereits nach einer Weile als sie einen pochenden Schmerz fühlte der sein Zentrum in ihrer linken Schulter zu haben schien. Sie öffnete die Augen quälend langsam und stellte fest dass sie in ihrem eigenen Speichel lag und scheinbar alleine war. Man hatte sie also am Leben gelassen, denn von den beiden Angreifern keine Spur. Viola versuchte sich aufzurichten was mit mit einiger Anstrengung auch gelang und sie blickte auf ihre Schulter. Der Anblick ließ ihr Gesicht noch etwas mehr erbleichen und trieb ihr die Übelkeit in den Magen. Ein Bolzen steckte in der Schulter, einmal durch den Stoff durch und scheinbar auch durch das Leder, denn sie spürte nur zu deutlich wie der Bolzen in ihrem Fleisch steckte. War der Bolzen durch den Knochen durch? Das war der nächste Gedanke und es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Sie griff mit der gesunden Hand nach ihrem Gürtel, löste ihn und steckte ihn sich in den Mund, die Zähne legten sich auf das Leder und dann begann sie den linken Arm zu bewegen. Da war sie wieder; diese unglaubliche Schmerzenswelle die sie erfüllte. Die Zähne vergruben sich in das Leder und Tränen schossen ihr in die Augen doch sie konnte den Arm bewegen und auch die Hand, der Knochen konnte also nicht durchdrungen sein. Sie ließ keuchend den Kopf zurück gegen die Holzwand knallen, an die sie gelehnt saß. Sie konnte nicht hier bleiben. Sie musste weg, irgendwo Hilfe finden. Leichter gesagt als getan aber es musste klappen. Es musste einfach ...
In ihrer Ohnmacht fühlte sie nichts, sie träumte nichts, sie war einfach weg und als ihr Geist wenigstens wieder zu sich zu kommen schien, schoss ihr sofort ein Gedanke durch den Kopf; “ Du bist tot ...“ . Doch dieser Gedanke verflog bereits nach einer Weile als sie einen pochenden Schmerz fühlte der sein Zentrum in ihrer linken Schulter zu haben schien. Sie öffnete die Augen quälend langsam und stellte fest dass sie in ihrem eigenen Speichel lag und scheinbar alleine war. Man hatte sie also am Leben gelassen, denn von den beiden Angreifern keine Spur. Viola versuchte sich aufzurichten was mit mit einiger Anstrengung auch gelang und sie blickte auf ihre Schulter. Der Anblick ließ ihr Gesicht noch etwas mehr erbleichen und trieb ihr die Übelkeit in den Magen. Ein Bolzen steckte in der Schulter, einmal durch den Stoff durch und scheinbar auch durch das Leder, denn sie spürte nur zu deutlich wie der Bolzen in ihrem Fleisch steckte. War der Bolzen durch den Knochen durch? Das war der nächste Gedanke und es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Sie griff mit der gesunden Hand nach ihrem Gürtel, löste ihn und steckte ihn sich in den Mund, die Zähne legten sich auf das Leder und dann begann sie den linken Arm zu bewegen. Da war sie wieder; diese unglaubliche Schmerzenswelle die sie erfüllte. Die Zähne vergruben sich in das Leder und Tränen schossen ihr in die Augen doch sie konnte den Arm bewegen und auch die Hand, der Knochen konnte also nicht durchdrungen sein. Sie ließ keuchend den Kopf zurück gegen die Holzwand knallen, an die sie gelehnt saß. Sie konnte nicht hier bleiben. Sie musste weg, irgendwo Hilfe finden. Leichter gesagt als getan aber es musste klappen. Es musste einfach ...
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Viola Ser´Rhal
Es hatte sie schon deutlich Mühe gekostet, nur aufzustehen, doch jeder Schritt schien zu einer kleinen Tortur zu werden. Die ersten male war sie einfach immer wieder gestolpert und hingefallen, zum Glück immer nur so, dass der Bolzen sich nicht noch weiter hinein drückte, aber schmerzhaft waren die plötzlichen Erschütterungen für ihren Körper allemal. Hinzu kam noch die Tatsache dass Viola sich benommen und kraftlos fühlte, was vielleicht gar nicht mal so falsch war, doch sie konnte das jetzt nicht brauchen und so zwang sie sich Schritt für Schritt vorwärts. Die Tür geöffnet blickte sie hinaus in den Wald, ein eisiger Wind wehte ihr entgegen und ließ sie frösteln. Es gab nun zwei Möglichkeiten für sie; entweder sie versuchte durch den Wald nach Varuna zu gelangen oder sie versuchte sich zu ihrer Hütte zu schleppen. Da Varuna eine ganz schön lange Strecke entfernt war, entschied sie sich für Letzteres und hoffte dass Nele mittlerweile aufgetaucht war und dann loseilen würde um Hilfe zu holen. Auch wenn der Weg zu ihrem Heim auf dem hinweg nur eine knappe halbe Stunde gedauert hatte, so schien der Weg jetzt eine halbe Ewigkeit zu sein und glich einer Tortur. Immer wieder musste sie anhalten, verschnaufen und sich regelrecht zwingen weiter zu gehen, obwohl der Schmerz in ihrer Schulter immer heftiger zu werden schien. Ab und an stürzte sie, fiel in den kalten und nassen Schnee, welcher sich bei dieser Kälte fast schon schmerzhaft in die Haut drückte und den Körper stellenweise fast taub machte.
Wie sie es letztendlich geschafft hatte, bis zu ihrem Grundstück zu kommen und die Tür hinter sich zu schließen, das würde ihr noch lange ein Rätsel bleiben, doch nun ließ sie sich keuchend in den erstbesten Stuhl sinken. Ihr ganzer Körper zitterte stark, wie undicht die Hütte war, das merkte sie jetzt mehr als je zuvor, doch sie musste sich nun anderen Dingen zuwenden, die Kälte ignorieren. „NELE!“ es sollte ein Brüllen sein doch es war mehr ein schwaches Rufen auf welches niemand reagierte. Das Kind schien immer noch nicht zurück und Viola schloss die Augen. Wieso hatte sie nicht die Strapazen auf sich genommen und war den weiteren Weg in Richtung Varuna gegangen? Noch einmal würde sie einen solchen Weg nicht zurücklegen können, dessen war sie sich mehr als nur sicher. Zitternd blickte sie auf den Bolzen in ihrer Schulter und umschloss ihn dann mit den Händen, welche kalt und taub waren vor Kälte. Sie wollte den Bolzen abbrechen und herausziehen, irgendwie, aber sie schaffte es einfach nicht. Das Holz gab kein Stück unter den schwachen Kraftanstrengungen der kalten Hand nach und langsam schlich etwas Neues neben den Schmerzen und der Kälte mit an ihr hinauf; Panik. Was sollte nun passieren? Es wussten nur wenige Menschen von dieser Hütte und was, wenn sie niemand finden würde? Sie würde die Kraft nicht aufbringen können um sich nach Varuna zu schleppen, aber was dann? Sie wollte nicht sterben, nicht jetzt, nicht so jung! Der Gedanke machte sich breiter, erfüllte fast ihr ganzes Denken und ihr Atem schien zu rasen. Tränen schossen ihr in die Augen. Sie würde hier erfrieren oder an der Wunder erliegen, sie würde vielleicht erst nach Wochen gefunden ... sie wollte doch noch soviel Dinge tun, so vielen Menschen Dinge sagen ... nicht jetzt! Ihr Blick glitt auf einen kleinen Schrank neben sich, eine Flasche mit starken Honigschnapps stand dort. Zittrig griff sie danach und trank mehrere Züge davon. Der Alkohol rann ihr die Kehle hinab und verursachte ein starkes Brennen, doch war es auch zeitgleich wärmend und betäubte den Schmerz. Irgendwann verflog auch die Panik, es blieb nur Gleichgültigkeit und Ungewissheit, und so saß sie da, den Alkohol in der gesunden Hand, der glasige Blick voraus gerichtet. Es durfte noch nicht vorbei sein, oder?
Wie sie es letztendlich geschafft hatte, bis zu ihrem Grundstück zu kommen und die Tür hinter sich zu schließen, das würde ihr noch lange ein Rätsel bleiben, doch nun ließ sie sich keuchend in den erstbesten Stuhl sinken. Ihr ganzer Körper zitterte stark, wie undicht die Hütte war, das merkte sie jetzt mehr als je zuvor, doch sie musste sich nun anderen Dingen zuwenden, die Kälte ignorieren. „NELE!“ es sollte ein Brüllen sein doch es war mehr ein schwaches Rufen auf welches niemand reagierte. Das Kind schien immer noch nicht zurück und Viola schloss die Augen. Wieso hatte sie nicht die Strapazen auf sich genommen und war den weiteren Weg in Richtung Varuna gegangen? Noch einmal würde sie einen solchen Weg nicht zurücklegen können, dessen war sie sich mehr als nur sicher. Zitternd blickte sie auf den Bolzen in ihrer Schulter und umschloss ihn dann mit den Händen, welche kalt und taub waren vor Kälte. Sie wollte den Bolzen abbrechen und herausziehen, irgendwie, aber sie schaffte es einfach nicht. Das Holz gab kein Stück unter den schwachen Kraftanstrengungen der kalten Hand nach und langsam schlich etwas Neues neben den Schmerzen und der Kälte mit an ihr hinauf; Panik. Was sollte nun passieren? Es wussten nur wenige Menschen von dieser Hütte und was, wenn sie niemand finden würde? Sie würde die Kraft nicht aufbringen können um sich nach Varuna zu schleppen, aber was dann? Sie wollte nicht sterben, nicht jetzt, nicht so jung! Der Gedanke machte sich breiter, erfüllte fast ihr ganzes Denken und ihr Atem schien zu rasen. Tränen schossen ihr in die Augen. Sie würde hier erfrieren oder an der Wunder erliegen, sie würde vielleicht erst nach Wochen gefunden ... sie wollte doch noch soviel Dinge tun, so vielen Menschen Dinge sagen ... nicht jetzt! Ihr Blick glitt auf einen kleinen Schrank neben sich, eine Flasche mit starken Honigschnapps stand dort. Zittrig griff sie danach und trank mehrere Züge davon. Der Alkohol rann ihr die Kehle hinab und verursachte ein starkes Brennen, doch war es auch zeitgleich wärmend und betäubte den Schmerz. Irgendwann verflog auch die Panik, es blieb nur Gleichgültigkeit und Ungewissheit, und so saß sie da, den Alkohol in der gesunden Hand, der glasige Blick voraus gerichtet. Es durfte noch nicht vorbei sein, oder?
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Demoar Llastobhar
Er wusste selber nicht, was ihn geritten hatte, sich bei dieser Kälte in den Wald zu verirren, weshalb er nun schon beinahe eine geschlagene Stunde durch den Schnee stapfte, der ihm bis an die Knöchel reichte. Nicht einmal den Weg erkannte er mehr und doch hatte diese Kälte etwas Beruhigendes, etwas beinahe Behagliches. Er konnte weit in den lichten Wald hineinsehen; am anderen Ende ließen sich sogar die Gebirge um Rahal erahnen, als ein leichtes Schneetreiben einsetzte.
Schließlich zog Demoar seine Robe enger um sich, und rieb die bläulich verfärbten Finger aneinander, und verbarg sie im Schutz der Taschen seines Mantels. Vielleicht war es doch an der Zeit umzukehren. Wieder wandte er seinen Blick nach Westen. Wenn dort Rahal lag, dann müsste – und mit diesen Worten wandte er sich in die entgegen gesetzte Richtung – dort Bajard liegen. Noch einmal ließ er den Blick umherwandern, bis er – gerade so, als benötige er diese Selbstbestätigung – nickte und sich in die Richtung auf den Weg machte. Nach wenigen Minuten erneuten Durch-den-Schnee-stapfens kam er an ein vereinzeltes Haus, das Gartentor weit aufgestoßen, frische Spuren im Schnee, selbst die Haustür nur angelehnt.
Ein kurzer Blick über die Lichtung und er hatte seine Orientierung wiedergefunden. War das… das musste die Stelle sein, die Viola ihm beschrieben hatte. Und allem Anschein nach war sie sogar zuhause. Ein unsicheres Schmunzeln huschte über seine Züge und er richtete Robe und Umhang zurecht. In seiner Hand manifestierten sich in farbenfrohem Flimmerwirbel einige weiße Lilien zu einem ansehnlichen Strauss gebunden.
So gerüstet bahnte er sich seinen Weg durch den Schnee, durch das Gartentor hindurch, bis zu ihrer Haustür. Der Höflichkeit Tribut zollend, hob er die freie Hand und klopfte kurz an. Innen regte sich nur langsam – von leisem Stöhnen begleitet – etwas und nach einiger Zeit wurde die Tür wurde völlig aufgezogen.
Der Anblick, der sich ihm bot, mochte im ersten Moment zu einem gelinden Schmunzeln verleiten: Viola mit einem deutlich roten Schleier auf den Wangen, einem ausdruckslosen Blick und einer halb leeren Flasche in der Hand. Beim zweiten Blick erschrak Demoar und ließ die Lilien aus der Hand fallen. In ihrer Schulter steckte, von blutgetränktem Stoff umsäumt, ein Bolzen. Viola wankte auf den nächstbesten Sessel und ließ sich fallen. Es vergingen einige Sekunden, ehe Demoar überhaupt reagieren konnte, dann aber eilte er sofort neben sie und untersuchte die Wunde. Ein kraftloses „Zieh… raus“ war für ihn weniger eine Bitte als viel mehr eine Warnung. Die zitternde Stimme flackerte nur kurz im Raum, ehe sie wieder verschwand, und dabei Viola den letzten Rest ihrer Kraft zu rauben schien. Schnell war die Entscheidung gefasst: Er legte seine Hand um den Schaft und schloss kurz die Augen, während Viola leise seufzte. Schließlich griff er den Schaft fest und zog ihm mit einem Ruck heraus, wobei Viola mit ihrem ganzen Körper nachkam und schrie. Als der Bolzen heraus war, ging alles recht schnell. Viele Male hatte Amphion es ihnen eingebläut, wie derartige Wunden zu verschließen waren. Nachdem er sich ausreichend konzentriert hatte, begann die Wunde in einem gesunden Rotton zu erstrahlen und wuchs innerhalb weniger Sekunden zu. Eine kleine Narbe blieb zurück, die jedoch kaum zu erkennen war.
Als er den Blick auf Viola richtete, bemerkte er, dass sie beinahe das Bewusstsein verloren hatte, ihre Lippen waren vollkommen Blau von der Kälte. Erst jetzt merkte er, wie sehr es in diesem Raum zog, die Dielen knarrten, in den Wänden klafften Löcher, an einigen stellen war sogar das Dach undicht und der Schnee war hereingeweht. Hier konnte sie nicht bleiben. Kurzerhand griff er sie unter Kopf und Knien und wuchtete sie hoch. Und so trug er sie Richtung Rahal zur nächstgelegene Kutsche, die die beiden sicher nach Varuna bringen sollte. Kurz vor der Kutsche angekommen, schlug sie unbehaglich die Augen auf und meinte dringlich, er solle sie herunter lassen. Gerade als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, sank sie zusammen und erbrach sich. Unwillkürlich wandte Demoar den Blick ab und half ihr, als sie wieder auf die Beine gekommen war, in die Kutsche, die sie nach Varuna brachte.
Im Gasthaus angekommen zitterte Viola immer noch wie Espenlaub. Nachdem Demoar nachgeschaut hatte, ob das Bad frei war und bei der Wirtin einen warmen Kamillentee bestellt hatte, brachte er Viola ins Badezimmer, wo sie sich entkleidete und ins Wasser stieg. Nach kurzer Zeit kam auch der Kamillentee und langsam schien sich Viola wieder zu erholen. Ein erleichtertes Nicken entfuhr ihm eher unwillkürlich, während er neben ihr auf einem Steinsims saß und sie sich über den Vorfall unterhielten.
Demoar nickte erleichtert, als sie ihm versicherte, nicht noch einmal nach den Banditen zu suchen, die in ihr Haus eingebrochen waren, doch meinte sie, während sie sich hinter den Vorhängen im Badezimmer wieder ankleidete, sie müsste diesen Vorfall auf jeden Fall Darna melden. Obwohl Demoar eigentlich erwartet hatte, dass Viola sich noch etwas in seinem Zimmer ausruhen würde, um wieder vollends zu Kräften zu kommen, machte sie sich kurz darauf schon wieder auf zur Burg, um Darna Bericht zu erstatten.
Als die beiden vor dem Gasthaus standen, wandte sie sich noch einmal um, und meinte: „Demoar weißt du eigentlich, dass du mir heute das Leben gerettet hast?“, und noch während Demoar sich eine Antwort dahinstotterte, hatte sie ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt und hatte sich umgewandt. In ihm kämpfte der Drang ihr nachzulaufen und sie bei sich zu behalten gegen den Schmerz der noch immer seine Wege zeichnete. Und letztlich gewann die Angst und er kehrte in sein Zimmer zum Gasthaus zurück.
Schließlich zog Demoar seine Robe enger um sich, und rieb die bläulich verfärbten Finger aneinander, und verbarg sie im Schutz der Taschen seines Mantels. Vielleicht war es doch an der Zeit umzukehren. Wieder wandte er seinen Blick nach Westen. Wenn dort Rahal lag, dann müsste – und mit diesen Worten wandte er sich in die entgegen gesetzte Richtung – dort Bajard liegen. Noch einmal ließ er den Blick umherwandern, bis er – gerade so, als benötige er diese Selbstbestätigung – nickte und sich in die Richtung auf den Weg machte. Nach wenigen Minuten erneuten Durch-den-Schnee-stapfens kam er an ein vereinzeltes Haus, das Gartentor weit aufgestoßen, frische Spuren im Schnee, selbst die Haustür nur angelehnt.
Ein kurzer Blick über die Lichtung und er hatte seine Orientierung wiedergefunden. War das… das musste die Stelle sein, die Viola ihm beschrieben hatte. Und allem Anschein nach war sie sogar zuhause. Ein unsicheres Schmunzeln huschte über seine Züge und er richtete Robe und Umhang zurecht. In seiner Hand manifestierten sich in farbenfrohem Flimmerwirbel einige weiße Lilien zu einem ansehnlichen Strauss gebunden.
So gerüstet bahnte er sich seinen Weg durch den Schnee, durch das Gartentor hindurch, bis zu ihrer Haustür. Der Höflichkeit Tribut zollend, hob er die freie Hand und klopfte kurz an. Innen regte sich nur langsam – von leisem Stöhnen begleitet – etwas und nach einiger Zeit wurde die Tür wurde völlig aufgezogen.
Der Anblick, der sich ihm bot, mochte im ersten Moment zu einem gelinden Schmunzeln verleiten: Viola mit einem deutlich roten Schleier auf den Wangen, einem ausdruckslosen Blick und einer halb leeren Flasche in der Hand. Beim zweiten Blick erschrak Demoar und ließ die Lilien aus der Hand fallen. In ihrer Schulter steckte, von blutgetränktem Stoff umsäumt, ein Bolzen. Viola wankte auf den nächstbesten Sessel und ließ sich fallen. Es vergingen einige Sekunden, ehe Demoar überhaupt reagieren konnte, dann aber eilte er sofort neben sie und untersuchte die Wunde. Ein kraftloses „Zieh… raus“ war für ihn weniger eine Bitte als viel mehr eine Warnung. Die zitternde Stimme flackerte nur kurz im Raum, ehe sie wieder verschwand, und dabei Viola den letzten Rest ihrer Kraft zu rauben schien. Schnell war die Entscheidung gefasst: Er legte seine Hand um den Schaft und schloss kurz die Augen, während Viola leise seufzte. Schließlich griff er den Schaft fest und zog ihm mit einem Ruck heraus, wobei Viola mit ihrem ganzen Körper nachkam und schrie. Als der Bolzen heraus war, ging alles recht schnell. Viele Male hatte Amphion es ihnen eingebläut, wie derartige Wunden zu verschließen waren. Nachdem er sich ausreichend konzentriert hatte, begann die Wunde in einem gesunden Rotton zu erstrahlen und wuchs innerhalb weniger Sekunden zu. Eine kleine Narbe blieb zurück, die jedoch kaum zu erkennen war.
Als er den Blick auf Viola richtete, bemerkte er, dass sie beinahe das Bewusstsein verloren hatte, ihre Lippen waren vollkommen Blau von der Kälte. Erst jetzt merkte er, wie sehr es in diesem Raum zog, die Dielen knarrten, in den Wänden klafften Löcher, an einigen stellen war sogar das Dach undicht und der Schnee war hereingeweht. Hier konnte sie nicht bleiben. Kurzerhand griff er sie unter Kopf und Knien und wuchtete sie hoch. Und so trug er sie Richtung Rahal zur nächstgelegene Kutsche, die die beiden sicher nach Varuna bringen sollte. Kurz vor der Kutsche angekommen, schlug sie unbehaglich die Augen auf und meinte dringlich, er solle sie herunter lassen. Gerade als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, sank sie zusammen und erbrach sich. Unwillkürlich wandte Demoar den Blick ab und half ihr, als sie wieder auf die Beine gekommen war, in die Kutsche, die sie nach Varuna brachte.
Im Gasthaus angekommen zitterte Viola immer noch wie Espenlaub. Nachdem Demoar nachgeschaut hatte, ob das Bad frei war und bei der Wirtin einen warmen Kamillentee bestellt hatte, brachte er Viola ins Badezimmer, wo sie sich entkleidete und ins Wasser stieg. Nach kurzer Zeit kam auch der Kamillentee und langsam schien sich Viola wieder zu erholen. Ein erleichtertes Nicken entfuhr ihm eher unwillkürlich, während er neben ihr auf einem Steinsims saß und sie sich über den Vorfall unterhielten.
Demoar nickte erleichtert, als sie ihm versicherte, nicht noch einmal nach den Banditen zu suchen, die in ihr Haus eingebrochen waren, doch meinte sie, während sie sich hinter den Vorhängen im Badezimmer wieder ankleidete, sie müsste diesen Vorfall auf jeden Fall Darna melden. Obwohl Demoar eigentlich erwartet hatte, dass Viola sich noch etwas in seinem Zimmer ausruhen würde, um wieder vollends zu Kräften zu kommen, machte sie sich kurz darauf schon wieder auf zur Burg, um Darna Bericht zu erstatten.
Als die beiden vor dem Gasthaus standen, wandte sie sich noch einmal um, und meinte: „Demoar weißt du eigentlich, dass du mir heute das Leben gerettet hast?“, und noch während Demoar sich eine Antwort dahinstotterte, hatte sie ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt und hatte sich umgewandt. In ihm kämpfte der Drang ihr nachzulaufen und sie bei sich zu behalten gegen den Schmerz der noch immer seine Wege zeichnete. Und letztlich gewann die Angst und er kehrte in sein Zimmer zum Gasthaus zurück.
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Viola Ser´Rhal
„Dieser ... was fällt ihm eigentlich ein?!“
Sie war wieder in Sicherheit, sie war gesund, sie war munter und ihre Schulter war mit einem leichten Verband umwickelt. Frau Liliana, eine überaus begabte Heilerin, hatte sich um die Überreste der Wunde gekümmert und mittlerweile schmerzte sie nicht einmal mehr, doch Viola blieb dabei den Verband noch dort zu lassen wo er hingehörte, man konnte nie wissen. Dass Darna in all der Zeit eher trocken geblieben war, hatte sie etwas getroffen, vor allem der Satz „Es passiert dir ja öfters, dass du in unangenehme Situationen rutscht“ hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Was konnte sie denn dafür dass man ihr Haus ausraubte? Es war doch selbstverständlich, dass sie den Einbrechern hinterher war, wer hätte das nicht getan? Naja wahrscheinlich jeder halbwegs vernünftige Mensch. Trotz allem war Viola auf dem Weg zur Besserung und hatte auch schon genug Zeit gehabt wieder etwas zu erleben, was diesmal jedoch nicht auf ihre Kappe ging.
Sie war in die Taverne bei Varuna gegangen und hatte dort Demoar getroffen. Er saß gedankenverloren und trank, wie immer, seine Milch. Viola konnte nie so recht abstreiten dass es etwas seltsam anmutete, wenn ein Mann Milch trank, vor allem in einer Taverne aber sie wollte auch nichts böses von Demoar denken, immerhin war er es gewesen, der sie gefunden hatte und der ihr das Leben gerettet hatte. Sie setzte sich einfach ihm gegenüber und irgendwie schien sie ihn auch überrascht zu haben, denn er brauchte eine ganze Weile, bis er sich fassen konnte. Das Gespräch zwischen den beiden belief sich auf die einfachen Themen, aber auch auf den Abend, wo Demoar sie aufgefunden hatte. Sie unterhielten sich beide nett aber während des Gesprächs schien es immer so, als ob Demoar entweder den Blickkontakt mit ihr mied oder völlig nervös versuchte Themen zu wechseln. Die Krönung kam jedoch in dem Moment, als sie ihn auf sein Verhalten ansprach. Erst herrschte einfach nur Stille, dann lächelte er nervös und von einem Moment auf den anderen sprang er auf und stürzte förmlich aus der Taverne und ließ eine verdatterte Viola an dem Tisch sitzen. Zugegeben sie hatte ja mit vielen Antworten gerechnet, aber eine solche war doch etwas direkt. Nachdem sie sich gefasst hatte stand sie auf und trat zur Tür, Demoar war gerade dabei den Weg wegzurennen, als sie seinen Namen rief und eine Erklärung verlangte und dann kamen diese Worte, die der ganzen Situation die Krone aufsetzte; „Es ist nicht wegen dir ... tut mir leid“. Er meinte nur noch, dass sie sich bald wiedersehen würden und dann war er weg und ließ eine perplexe junge Frau nun vor der Taverne stehen, die ihm noch geschlagene fünf Minuten nachstarrte.
„Es ist nicht wegen dir ...“
Sie wollte zurück ins Schloss, sich hinlegen. Selissa war ihr dabei aber etwas in den Weg gekommen, als diese zu der gräflichen Heilerin sagte, sie solle doch einmal Violas Schulter ansehen, was diese auch prompt tat. Danach legte sie sich hin und sah an die Decke.
„Es ist nicht wegen dir ...“ Verflucht wegen wem denn sonst?!
Ihr platzte der Hals. Sie stand stürmisch auf, zog sich ihre Kleidung wieder an und stürmte fluchend aus dem Schloss. Sie durchwanderte Varuna, ging zuerst zur Taverne und suchte Demoar. Dieser ... was bei Alatar fiel diesem Kerl eigentlich ein? Was glaubte er eigentlich wer er war? Sie war wütend und sie wusste nichtmal wieso. Dazu kam noch der Kommentar von Selissa, den sie abgegeben hatte. „Wenn es dir so egal ist, wieso regst du dich dann so auf?“ und die Tatsache, dass sie nicht sagen konnte wieso, machte sie noch ein Stück wütender. Demoar war ein seltsamer Fall für sich, die beiden kannten sich nun eine Weile, aber noch nicht so lange dass man sagen konnte, man würde sich gut kennen. Er war seltsam, er war teilweise verbittert, was man gut aus seinen Worten heraus hören konnte und er benahm sich manchmal wie ein kleiner schüchterner Junge. Sie wurde nicht schlau aus ihm aber noch weniger wurde sie aus sich selbst schlau. Warum so fixiert auf ihn? Warum regte sie sich dann so über sein Verhalten in der Taverne heute auf? Sie mochte ihn irgendwie, ja, aber mehr war das auch nicht. Die Beziehung mit Tajara hatte immer noch gewisse Risse in ihr hinterlassen, nicht zuletzt nach der Offenbarung vor einiger Zeit, und diese Risse konnten nicht schon geschlossen sein. Viola schnaubte leicht. „Wir sehen uns also bald wieder, aha? Wart nur ab ... ich werd`s dir zeigen ...“ und dann gab sie die Suche ganz auf und kehrte zurück ins Schloss.
Sicher, die Wunden waren noch da, aber wer kann schon sagen, wie sie geschlossen werden wollen und sollen?
Sie war wieder in Sicherheit, sie war gesund, sie war munter und ihre Schulter war mit einem leichten Verband umwickelt. Frau Liliana, eine überaus begabte Heilerin, hatte sich um die Überreste der Wunde gekümmert und mittlerweile schmerzte sie nicht einmal mehr, doch Viola blieb dabei den Verband noch dort zu lassen wo er hingehörte, man konnte nie wissen. Dass Darna in all der Zeit eher trocken geblieben war, hatte sie etwas getroffen, vor allem der Satz „Es passiert dir ja öfters, dass du in unangenehme Situationen rutscht“ hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Was konnte sie denn dafür dass man ihr Haus ausraubte? Es war doch selbstverständlich, dass sie den Einbrechern hinterher war, wer hätte das nicht getan? Naja wahrscheinlich jeder halbwegs vernünftige Mensch. Trotz allem war Viola auf dem Weg zur Besserung und hatte auch schon genug Zeit gehabt wieder etwas zu erleben, was diesmal jedoch nicht auf ihre Kappe ging.
Sie war in die Taverne bei Varuna gegangen und hatte dort Demoar getroffen. Er saß gedankenverloren und trank, wie immer, seine Milch. Viola konnte nie so recht abstreiten dass es etwas seltsam anmutete, wenn ein Mann Milch trank, vor allem in einer Taverne aber sie wollte auch nichts böses von Demoar denken, immerhin war er es gewesen, der sie gefunden hatte und der ihr das Leben gerettet hatte. Sie setzte sich einfach ihm gegenüber und irgendwie schien sie ihn auch überrascht zu haben, denn er brauchte eine ganze Weile, bis er sich fassen konnte. Das Gespräch zwischen den beiden belief sich auf die einfachen Themen, aber auch auf den Abend, wo Demoar sie aufgefunden hatte. Sie unterhielten sich beide nett aber während des Gesprächs schien es immer so, als ob Demoar entweder den Blickkontakt mit ihr mied oder völlig nervös versuchte Themen zu wechseln. Die Krönung kam jedoch in dem Moment, als sie ihn auf sein Verhalten ansprach. Erst herrschte einfach nur Stille, dann lächelte er nervös und von einem Moment auf den anderen sprang er auf und stürzte förmlich aus der Taverne und ließ eine verdatterte Viola an dem Tisch sitzen. Zugegeben sie hatte ja mit vielen Antworten gerechnet, aber eine solche war doch etwas direkt. Nachdem sie sich gefasst hatte stand sie auf und trat zur Tür, Demoar war gerade dabei den Weg wegzurennen, als sie seinen Namen rief und eine Erklärung verlangte und dann kamen diese Worte, die der ganzen Situation die Krone aufsetzte; „Es ist nicht wegen dir ... tut mir leid“. Er meinte nur noch, dass sie sich bald wiedersehen würden und dann war er weg und ließ eine perplexe junge Frau nun vor der Taverne stehen, die ihm noch geschlagene fünf Minuten nachstarrte.
„Es ist nicht wegen dir ...“
Sie wollte zurück ins Schloss, sich hinlegen. Selissa war ihr dabei aber etwas in den Weg gekommen, als diese zu der gräflichen Heilerin sagte, sie solle doch einmal Violas Schulter ansehen, was diese auch prompt tat. Danach legte sie sich hin und sah an die Decke.
„Es ist nicht wegen dir ...“ Verflucht wegen wem denn sonst?!
Ihr platzte der Hals. Sie stand stürmisch auf, zog sich ihre Kleidung wieder an und stürmte fluchend aus dem Schloss. Sie durchwanderte Varuna, ging zuerst zur Taverne und suchte Demoar. Dieser ... was bei Alatar fiel diesem Kerl eigentlich ein? Was glaubte er eigentlich wer er war? Sie war wütend und sie wusste nichtmal wieso. Dazu kam noch der Kommentar von Selissa, den sie abgegeben hatte. „Wenn es dir so egal ist, wieso regst du dich dann so auf?“ und die Tatsache, dass sie nicht sagen konnte wieso, machte sie noch ein Stück wütender. Demoar war ein seltsamer Fall für sich, die beiden kannten sich nun eine Weile, aber noch nicht so lange dass man sagen konnte, man würde sich gut kennen. Er war seltsam, er war teilweise verbittert, was man gut aus seinen Worten heraus hören konnte und er benahm sich manchmal wie ein kleiner schüchterner Junge. Sie wurde nicht schlau aus ihm aber noch weniger wurde sie aus sich selbst schlau. Warum so fixiert auf ihn? Warum regte sie sich dann so über sein Verhalten in der Taverne heute auf? Sie mochte ihn irgendwie, ja, aber mehr war das auch nicht. Die Beziehung mit Tajara hatte immer noch gewisse Risse in ihr hinterlassen, nicht zuletzt nach der Offenbarung vor einiger Zeit, und diese Risse konnten nicht schon geschlossen sein. Viola schnaubte leicht. „Wir sehen uns also bald wieder, aha? Wart nur ab ... ich werd`s dir zeigen ...“ und dann gab sie die Suche ganz auf und kehrte zurück ins Schloss.
Sicher, die Wunden waren noch da, aber wer kann schon sagen, wie sie geschlossen werden wollen und sollen?