Meditation
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Dragunos Marnion
Meditation
Es überkam Dragunos ein seltsames Gefühl, als sein Mentor ihn aufforderte sich in den Steinkreis zu setzen um das Lied Mutters besser vernehmen zu können. Er hatte es zwar schon öfter vernommen, aber man erzählte ihm, dass sich seine Sinne im Bezug auf das Lied schärfen würden und man es noch intensiver wahrnehmen konnte, als er es bislang tat. Ein leichtes Kribbeln spürte er in seiner Magengegend und fragte sich selbst ständig, ob es funktionieren würde, wie man es ihm sagte. Doch was muss er alles beachten und vor allem fragte er sich, ob er es alles richtig machen würde. Aber nun war es soweit, er setzte sich bequem im Schneidersitz in das Zentrum des Kreises und stellte sich innerlich schon darauf ein, dass er nun die Anweisungen erhalten würde, wie er am besten meditieren könne. Er wollte schon seine Augen schließen, als Kilyan ihn noch darum bat die Kerzen anzuzünden. Er meinte, sie seien so ausgerichtet worden, dass man daran die Himmelsrichtungen erkennen könne. Daraufhin folgte die Frage, in welcher Reihenfolge man sie anzünden solle. Dragunos überlegte kurz, fand aber dann doch die richtige Antwort. Man beginnt mit der Kerze, die nach Osten zeigte, um dann mit dem Süden, dem Westen und danach mit dem Norden fortzufahren. Er folgte dann der Bitte seines Mentors und zündete sie in der festegelegten Reihenfolge an. Nachdem nun alle Kerzen brannten, setzte er sich wieder in die Mitte des Steinkreises und schloss seine Augen. Nachdem er eine weile auf dem Boden saß und seine Augen geschlossen hielt, beruhigte er sich langsam und es ertönten für ihn Melodien, die er früher bisher immer nur leiser wahrnahm und welche jetzt langsam immer deutlicher für ihn zu hören waren. Aus dem Boden, auf dem er saß, klang es ruhig und tief hervor. Der Wind, der über ihn hinwegfegte hatte wiederum einen anderen Klang. Er klang mehr verspielt und fröhlich, als ob er sich über seine Existenz und seine Freiheit freuen würde. Die Flammen der Kerzen jedoch klangen für ihn um einiges schneller und aggressiver. Es mussten die Kerzen gewesen sein, weil es dem entsprach, was Kilyan ihm über das Feuer beigebracht hatte. Außerdem hatte er die Kerzen selbst angezündet und wusste, wo sie stehen müssten. So prägte er sich langsam die einzelnen Klänge ein und ordnete sie ihren Elementen zu. Die Bäume und die Pflanzen gaben aber ein weniger eindeutigen Klang von sich, es war eine Kombination aus verschiedenen Bestandteilen, der Klang war ruhig wie der der Erde und sanft, wie der Klang des Wassers und weniger kämpferisch und schnell, wie der Klang des Feuers. Ebenso nahm er es auch aus dem Waldstück hinter sich wahr und er meinte wohl, dass es wahrscheinlich ein Tier war, er konnte aber nur sehr kurz einen zusätzlichen Klang ausmachen. Daraufhin ließ Dragunos seinen Kopf kreisen um versuchen seine andere Sinneseindrücke aus den verschiedenen Richtungen aufzunehmen, doch merkte er, dass es sich nicht wirklich veränderte, da er das Lied wohl nicht nur mit seinen bloßen Sinnesorganen aufnahm, sondern es anders spüren musste, auf eine Weise, die er noch nicht ganz nachvollziehen konnte, aber das war ihm in diesem Moment auch nicht so wichtig. Wichtiger war, dass er das Lied endlich deutlicher vernehmen konnte als vorher. Auf einmal hörte er in seinem Kopf soein Platschen und richtete sein Gesicht gen Himmel und kurz darauf, begann es zu regnen. Die Tropfen prasselten ihm ins Gesicht und liefen an ihm herab. Seine Kleidung begann patschnass zu werden und das Wasser sammelte sich auf der Erde. Die Melodie des Windes und der Erde wurden nun begleitet von einem sanfteren Ton, der Dragunos Wahrnehmung wieder total veränderte, da das Wasser nun viel deutlicher und fast überall präsent war und die aggressiveren, schnelleren sowie kämpferischeren Klänge des Feuers, welche von den Kerzen ausgingen, waren fast verschwunden, es klang nurnoch leise im Hintergrund mit. Er bemerkte auch, dass das Lied in einer für ihn seltsamen Konstellation, aus ihm herausströmte. Er wusste zwar, dass jedes Lebewesen seine eigene Melodie besitzt, aber nicht, wie seine Eigene klingt. Das war das erste Mal, dass er sich vollkommen eins mit seiner Umgebung fühlte. Dragunos begriff nun wirklich, was es bedeute, dass alles einen Ursprung hatte und somit alle Lebewesen, die Pflanzen und die komplette Umwelt zusammengehörten, was er vorher schon gewusst, aber nie bewusst erlebt hatte. Er genoss es, durch diese Übung nun seinem Ziel, das Lied permanent wahrzunehmen, einen Schritt näher gekommen zu sein und es breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Nach einiger Zeit jedoch, begann es zu hageln. Als diese Hagelkörner ihn trafen, schmerzte es leicht, als sie ihm im Gesicht trafen und er versuchte sich zu schützen in dem er einen Arm vor sein Gesicht schlug. Er beendete somit an dem diesem Abend seine Meditationsübungen und erhob sich vom Boden. Er blickte um sich und sah, dass die Kerzen schon erloschen waren. Schnell warf er sich seine Kapuze über um sich erstmal über diese Eindrücke bewusst zu werden, die er gewonnen hatte und um sie zu verarbeiten.