Große Pferde für große Menschen [Pferdequeste]

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Aurora Silbersee

Große Pferde für große Menschen [Pferdequeste]

Beitrag von Aurora Silbersee »

Guter Dinge und fest in Trollleder und warmen Umhang gebettet, gurtete Auri ihre Armbrust, nahm den Bogen in die Hand und überprüfte Köcher und Magazine.
Alles bestens. Kurz noch die Sohlen der Stiefel überprüfen....

Sie trug für ihre Arbeit als Späherin immer Stiefel mit besonders weicher Sohle. Das war zwar wesendlich kälter als in festen Stiefeln, aber so fiel das Schleichen wesendlich leichter.
Ein Griff und sie hatte ihre Fellmütze auf. Sie hielt sie zumindest warm auch wenn jene es kaum schaffte ihre wilde Haarpracht unter sich zu verstecken.

Als sie hinaus trat kam ihr ein kalter Windzug entgegen. Es schneite etwas aber das machte Auri nichts aus. Sie war es gewöhnt bei Wind und Wetter durch die Wälder zu streifen. Das kannte sie schon vom Nebelwald den sie besser kannte als jeder andere.
Auf Lameriast sollte das genauso werden, daher zog sie mal wieder aus um das Gebiet auszukundschaften.
Ausserdem trieben sich immer mal wieder Städter herrum die den Clan bestohlen. Daher war sie auch gut bewaffnet. Nicht nur waren die Wälder alles andere als ungefährlich, auch die Städter waren nicht sehr oft die freundlichsten oder friedlichsten Zeitgenossen. Ausserdem schlichen die Burgler auch hier auf Lameriast herrum und denen konnte man nichtmal soweit trauen wie Auri spucken konnte.

Die schweren Tore fielen hinter Auri zu und ein Handgriff verschloss das Tor wieder sicher. Dann stahl sie sich in den Wald.
Der Schnee knirschte leise unter ihren Füssen und ihr Blick ging aufmerksam durch das leichte Dickicht. Jetzt, im Winter, war der Wald leichter zu überblicken als das im Herbst oder Sommer der Fall gewesen war.
Ein paar Mal kniehte sie sich hin, betrachtete einige Spuren und nickte leicht. Ein bisschen Wild war noch hier. Da war eine Bärenspur...
"Hmm ungewöhnlich.." sinnierte sie halblaut.
Eher aus jugendlicher Neugierde getrieben schlich sie weiter durch den Wald, der Bärenspur folgend.

Hier waren ein Paar abgeknickte Äste..
Die Tatzen waren im Schnee noch gut zu erkennen, auch wenn es leichte schneite. Es konnte nicht lange her sein, dass der Bär hier entlang gekommen war.
Der Größe der Spuren nach zu urteilen und der Schneise im Unterholz abzulesen musste es ein relativ großes Exemplar sein.
Vielleicht ein Braunbär oder Schwarzbär...auch wenn das Ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit war.
Vielleicht ein Frühaufsteher.

Auf einer Lichtung stoppte Auri im Dickicht. Ihre Augen waren sicher besser als ihre Ohren aber was sie schon einige Meter vorher gehört hatte, klang doch sehr verdächtig nach Pferden. Das war noch viel merkwürdiger als ein streunender Bär im Winter.
Ihre Augen bestätigten jene Annahme zu ihrem großen Erstaunen.

Im Schutze des Waldrandes beobachtete sie die Gruppe Pferde die dort wohl nach einigen wenigen Halmen grasten.
Gewaltige Tiere...die waren sicher Zwei Meter im Stockmaß. Auri war völlig verblüfft.
Ihre Mähnen waren lang und wallend und die schweren Hufe mit buschigem Haar besetzt. Massig wirkten die Leiber jener Tiere, sie mussten enorme Kraft besitzen.
Auri`s Beobachtungen zufolge war es eine kleine Herde. Ein Leithengst, fünf Stuten und zwei Fohlen.
Ihre Faszination abschüttelnd sah sie sich um. Die Tiere grasten ruhig auf der Lichtung. Der Bär musste hier entlang gekommen sein. Die Spuren gingen an dem Lichtungsrand entlang wie sie bemerkte.
Langsam liess sie die scharfen Augen den Rand absuchen.
Zwischen dem Gehölz erspähte sie ihn dann endlich. Ein Braunbär. Er schlich um die Gruppe von Wildpferden.

Gespannt verharrte sie reglos im Unterholz und legte den Bogen in den Schnee damit er nicht ausversehen Geräusche produzieren konnte wenn sie sich bewegte.
Eines der Fohlen ging gemächlich etwas weiter zum Lichtungsrand.
Die ausgewachsenen Tiere schienen alle Seelenruhe zu haben nach etwas Fressbarem zu suchen. Ganz gemütlich standen sie da, wieherten mal oder schnaubten. Der buschige Schweif ging mal nach links mal, nach rechts.
Kurz von einer der Stuten abgelenkt bemerkte Auri ein paar Momente zu spät wie der Bär scheinbar in dem Fohlen ein geeignetes Beuteziel sah, auch wenn das Fohlen wahrlich nicht klein war, und auf jenes zupreschte.

Sofort war die Herde in Aufruhe und der massige Leithengst trabte auf den Angreifer zu. Auri traute kaum ihren Augen mit welcher Selbstverständlichkeit dieses schwere Tier auf den Bären zuging.
Einen kurzen Moment dachte sie darüber nach wie sie schauen würde wenn dieses Pferd auf sie zugalloppieren würde. Eine nicht gerade angenehme Vorstellung.
Der Hengst brachte sich zwischen Bär und Fohlen und bäumte sich auf, verpasste dem Bär einen Hufschlag gegen den Kopf, vermutlich eher durch Zufall und jener ging zuboden.
Es war wahrlich unglaublich was Auri da heute zu sehen geboten bekommen kam.

Hengst und Fohlen gingen zurück zur Herde und steuerten jetzt den nördlichen Lichtungsrand an. Es entstand erstaunlich schnell wieder Ruhe in der Herde.
Kurzerhand nahm Auri den Bogen wieder auf und wollte den Tieren folgen, doch ein verräterischen Knacken machte die Herde wohl aufmerksam und die kleine Auri erstarrte kurz.
Doch anstatt in der kleinen Menschenfrau einen Angreifer zu sehen, entschieden sich die Wildpferde dafür das Weite zu suchen und verschwanden im Wald.

Einige Momente verharrte Auri an Ort und Stelle um der Herde dann folgen zu wollen, doch der einsetzende Schneefall verwischte die Spuren schon bald so sehr das sie die Spur verlor.

Sie konnte nichts anderes als nach Grimwould zurück zu kehren und Falk von den Geschehnissen zu berichten. Diese Pferdeherde hatte Auri bis Heute noch nicht hier auf Lameriast gesehen. Wo kamen sie nur her?

-- Zurück in Grimwould ---

Auri stand bei Falk im Zimmer und berichtete ihrem Jarl was sie gesehen hatte.
Jener war wie stets ein ruhiger Zuhörer, wenngleich sie ihren Anführer gut genug kannte um das Funkeln in seinen Augen zu erkennen.
Falks Neugierde war geweckt und vielleicht hatte er ja sogar schon Pläne.
In jedemfalle konnte Auri sich schon vorstellen was er ihr befehlen würde:

Die Herde wieder aufzuspühren.
Falk Hinrah

Beitrag von Falk Hinrah »

In tiefen Überlegungen gefangen strich er langsam über seinen Backenbart, gewaltige Tiere hatte Aurora gesagt, zwei Schritt im Stockmaß. Und Aurora hatte ein gutes Auge für soetwas.
Der Hengst hatte angeblich einen Bären mit seinen Hufen erschlagen. Für ein einfaches Pferd ein geringes Problem, aber dass der Hengst auf einen Bären zugeht und ihn nicht mit den Hinterhufen, sondern in einem Aufbäumen mit den Vorderhufen erschlug sprach Bände über die Ruhe, den Mut und die Kraft dieser Tiere.

"Acht dieser Tiere sagst du?"

Fast genug für eine kleine Zucht also. Mit einer zweiten Herde, vor allem einem zweiten Hengst würde man auf jeden Fall züchten können. Er konnte es vor seinem geistigen Auge sehen. Riesige Tiefländer auf riesigen Pferden... ein erschreckender Anblick. Ein tiefen Grinsen schlich sich auf das Gesicht des Jarls.

"Behalte die Tiere eine Weile im Blick, lerne ihre Weidegründe kennen. Du bist mein Auge und Ohr, ich will wissen wie kräftig und Ausdauernd sie sind, wieviel sie wiegen, wie schnell sie laufen und wie nahe wir herankommen können ohne dass sie fortlaufen. Nimm Kadlin mit dir, mach es zu einem Teil ihrer Ausbildung. Ihr werdet die Wölfe sein die das Rudel zu ihrem Wild führen.
Ich werde mit dem Clan beraten wie wir vorgehen."

Mit einer Handbewegung wurde Aurora entlassen und Falk lehnte sich zurück in den hohen Thron. Pferde, riesige, kräftige, Schlachtrösser, grösser als alles an Pferden was er in seinem Leben gesehen hatte. Das würde vor allem eines bedeuten: Schwere, tiefländische Reiterei, eine Waffe der nur wenig widerstehen konnte.
Er nickte. Es entwickelte sich, seine Pläne begannen Früchte zu tragen. Lameriast entwickelte sich gut, nicht annähernd so viele Städter wie erwartet kamen auf die Insel. Die Tiefländer schlugen einen guten Weg ein und wenn Leif sich tatsächlich als Sohn des grossen Wulfgar entpuppte, wäre das ein weiterer, guter Schritt für die Stärke und Grösse seines Volkes.

Und das war letztendlich das ultimative Ziel. Das Volk der Tiefländer zu seiner alten Grösse zurück zu führen, ihnen den Stolz wieder zu geben den der Untergang Ulfsteinns schwer beschädigt hatte. Ihre uralte Kultur zu erhalten und neu aufblühen zu lassen.
Falk würde dafür sorgen, dass dieser Traum eines ganzen Volkes Wahrheit werden würde. Und seine Pläne für den Weg dorthin entwickelten sich prächtig. Auroras Entdeckung musste nun eingeschätzt, abgewogen und in seine Pläne eingepasst werden. Und der Platz, den er für die gewaltigen Tiere in seinen Plänen fand gefiel ihm mit jedem Strich seiner Finger über den blonden Bart besser.
Caillean Hinrah

Beitrag von Caillean Hinrah »

Still hoerte sie zu als Falk berichtete, ihr Augenmerk eher auf den quirligen Sohn gerichtet. Doch sie hoerte JE DES WORT.

Schuechtern mit Pferden und eher mittelmaessig im reiten, behagte ihr das gar nichth so RIESENHAFTE Tiere zu beherbergen.

was ist wenn Ulfarr unter die hufe kommt?

Sie verliess sich mit festem Vertrauen auf ihre zahme Stute, die ein vernueftigen Stockmass mit 1,55 fuer sie hatte. Das intelligente Tier ueberging ruhig Caillean Unwohlsein das sie ab und an befiel.

Sie erinnerte sich noch gut daran, als sie mit Ulfarr schwanger war und von Maris Ruecken fiel, als diese noch scheuer und fuer Cailly schwieriger zu kontrollieren war. Mittlerweile hatten die zwei sich arrangiert und arbeiteten gut zusammen.

aber so pferde wuerden sie mehr als nervoes machen. Doch war sie nur eine Stimme in Clan. Und sie erhob sie nicht. Es gab fuer sie keinen Grund fuer einwaende. Sie hatte Mari. Sollten ihre geliebten Tieflaender ruhig monstergrosse Pferde besitzen, solange sie ihre Stute in Ruhe liessen und ihr nicht zu nahe kamen.

Drachen waren wohl noch schlimmer als so grosse pferde oder?
Also konnte es gar nicht soooo schlimm sein
Es wuerde dem Clan gut tun. Eigene Pferde...
Kadlin Bunjam

Beitrag von Kadlin Bunjam »

So rasch wie ein Wolf seine fliehende Beute verfolgt, zog das Dämmerlicht herauf, düster und feucht, mit dichten Nebelwolken, die aus dem Osten vom Meer herüberwehten, wo sich schaumgekrönte Wellen auftürmten, tosend nahten und sich an Ufern brachen. Vom Strand her wehten mit der Brise und dem Nebel kalte, weißliche Schwaden über die weit auslandende Schneelandschaft und durch die alten, knorrigen Bäume. Wie ein Schleier legten sie sich um die aufragenden Berge, die sich vom westlichen Horizont abzeichneten. Feiner Sprühregen nieselte von den massigen Gewitterwolken herab, die sich am Firmament zusammengeballt hatten – auf Kadlin und Arngrim, die zu Pferde über den schmalen, durch den Regen sumpfigen Pfad in den Wäldern zogen.
„Das ist ein Abend, der taugt nichts außer Schlächterei!“ brummte Arngrim beklommen und aus Verärgerung. Kadlin musste schmunzeln, denn nichts anderes hatten sie vor. Gemeinsam waren sie auf dem Weg zur Jagd. Leder und Felle sammeln, genau das wurde im Clan immer gebraucht.

Eine Weile ritten sie schon durch das trübseelige Wetter, Kadlin blickte hin und wieder über ihre Schulter, hinter sich, dann wieder seitlich. Ihr Blick streifte suchend durch die dichten Wälder. Eine Angewohnheit, die sich nicht ablegen konnte. In letzter Zeit streifte sie öfter durch die Landschaft, um alles zu erspähen und alles um sich herum auszukundschaften. Ihr Blick fiel auf eine Lichtung, Kadlin stoppte und winkte Arngrim zu sich heran und gab ihm ein Handzeichen, dass er sich so leise wie möglich zu ihr bewegen sollte. Kurz deutete sie ihm die Richtung an, in der sie ihre Entdeckung machte.

Die Pferde, die sie dort sah, hatte Aurora schon mal gesehen. Des öfteren waren Aurora und sie gemeinsam auf der Suche nach ihnen gewesen, doch irgendwie schienen die Pferde verschollen und nicht mehr auffindbar. Doch jetzt waren sie hier. Genau vor ihrer Nase. Die Pferde standen dort auf einer Lichtung, grasten und waren ruhig. Im Schutze des Waldrandes konnten Arngrim und Kadlin die Gruppe Pferde eine Weile beobachten. Friedlich weilten die Pferde auf der Weide, sanft und anmütig, trotz ihres massigen Körpers, wirkten sie auf einen.

-Endlich bekam sie diese gewaltigen Tiere zu Gesicht, wie lange hatte sie nur darauf gewartet, jene zu entdecken, um eventuell mehr über jene lernen zu können. Nach Auri`s Beobachtungen und Erzählungen war es eine kleine Herde. Ein Leithengst, fünf Stuten und zwei Fohlen. Wie auch bei diesen jetzt. Die Beschreibung von Aurora passte genau auf die Herde Pferde vor ihnen.-

Lange, wallende Mähnen, Hufe mit buschigem Haar besetzt, massige Leiber, die es wohl gut geschätzt auf über 2000 Pfund brachten, der Rücken des Hengstes so hoch wie Kadlin selbst.

Leise flüsterte sie zu Arngrim, den Blick weiterhin ruhig und beobachtend auf dem Rücken der Pferde liegend: „Ich hab dir doch von diesen Pferden erzählt, weißt du noch? Falk wollte, dass wir mehr über sie herausfinden, um sie dann einfangen und zähmen zu können.“

Sowie es aussah, hatten die Pferde die leisen Worte von Arngrim und Kadlin wohl gehört. Sie wieherten auf, blickten sich panisch um und trampelten im Jagdgalopp über die schneebedeckten Wiesen davon. Enttäuscht darüber, aufgrund der fluchtartigen Geräusche und den davonrennenden Pferde sah Kadlin ihnen nach, und doch mit Staunen wie schnell sie sich für ihren massigen Körperbau fortbewegen konnten.

Ein Blick zu Arngrim, vielsagend und zunickend. „Wir reiten wieder nach Hause, Falk Bericht erstatten. Informieren Keikya auch darüber und ich setz mich mit Lina zusammen, um eventuell nochmals nach diesen Pferden zu suchen, um ihre Lieblingsplätze herauszufinden.
Arngrim Hinrah

Beitrag von Arngrim Hinrah »

Ein tiefer, brummender Seufzer entwich dem Skalden, der sich mit gerunzelter Stirn über ein altes, vergilbtes Papier beugte, das auf seinen nackten Knien lag. Auf dem Papier standen merkwürdige, größtenteils kaum zu entziffernde Zeichen, eine alte Schrift, eine alte Sprache, die er zu entziffern versuchte. Manchmal waren seltsame Striche auf das Papier gemalt, als hätte der Schreiber versucht, etwas zu zeichnen, zu skizzieren. Arngrim aber war klar, dass es sich hierbei um Anweisungen handeln musste – um Hinweise, wie eine Melodie zu verlaufen hatte, denn das Papier war keineswegs nur eine einfache Geschichte oder Erzählung, sondern ein uralter Heldenepos. Ein Epos, den die Ahnen der Tiefländer vor langer Zeit gespielt haben mussten, Skalden, deren Künste noch viel bewundernswerter und einzigartiger waren als alles, was Arngrim bislang zustande gebracht hatte. Wenn es ihm nur gelingen würde, hinter das Geheimnis der alten Aufzeichnungen zu kommen, wenn er in der Lage wäre, ein solch einmaliges Lied in den Hallen Grimwoulds vorzutragen – aye, das wäre ein grandioses Spektakel, dem neuen Heim seines Blutes würdig.
Aber so einfach, wie er sich das anfangs vorgestellt hatte, war das mit dem Entziffern nicht – noch nie waren ihm so unvollständige und unvollkommene Schriftzeichen untergekommen, noch nie hatte er ein solch altes Papier in Händen gehabt. Wenn man es berührte, war es trocken und spröde, und wenn man zuviel Druck darauf ausübte, brach es wie ein dünnes Stück Holz entzwei. Man musste sehr vorsichtig damit umgehen, mit ein Grund, weshalb Arngrim es wie einen Schatz, ja vielmehr wie sein eigenes Kind hütete. Mit Geduld und Fleiß würde er hinter das Geheimnis der Zeichen kommen, würde er es schaffen, dem Epos zu neuem Leben zu verhelfen. Das war es, was seinen Bestrebungen Antrieb brachte, was ihn befähigte, manchmal bis tief in die Nacht am Feuer zu sitzen und über dem Papierfetzen zu brüten.

Wieder seufzte der Skalde mit der tiefen, wohltuenden Brummstimme, streckte den Rücken und die Schultern leicht durch, so dass es knackte und verschränkte seine Füße, die nackt im weichen Fell vor dem Feuer lagen. Mit einem fast gezwungenen Lächeln betrachtete er die kleine Laute, die neben ihm auf der dunklen, hölzernen Bank lag und ihn mit ihren verspielten Verzierungen, mit ihrem hellen hölzernen Klangkörper und mit ihren straffen, gespannten Saiten geradezu anzulächeln schien. Wenn es für Arngrim jemals so etwas wie Liebe gegeben hatte (abgesehen von den Dingen, die er nicht bereit war, offen zuzugeben), dann war es die Liebe zu seinem Kind, seiner Laute, einem Geschenk seines Vaters Eirik, die ihn nun schon seit Dekaden begleitete und noch immer glänzte wie am ersten Tag. Leise vermochte er nun die sanften Lautentöne in seinem Geiste wieder zu vernehmen, eine aufmunternde Melodie spielten sie, eine Weise, die vor allem tiefländische Kinder gerne sangen. Sie brachten ihm für einen Augenblick Ruhe und Erholung, entspannten ihn. Einmal, nein, zweimal tief durchatmen, und schon war er wieder bereit, sich der Arbeit zu widmen.

Den Blick wieder starr auf die unlesbaren Worte gerichtet griff seine Hand nach vorne, zu dem steinernen Tisch hin, wo ein großes Horn gefüllt mit süßem Met und gewärmt vom prasselnden Feuer stand – oder zumindest stehen sollte, denn seine Hand griff ins Leere, tastete ein wenig nach rechts, nach links – nichts. Verwirrt hob sich der Kopf des Skalden.

Neben dem Tisch stand Kadlin, diese junge, aufmüpfige Tiefländerin, die es einfach nicht lassen konnte, ihn zu ärgern – rasch hob sie sein Met-Horn, dass sie ihm eben noch vor der Nase weggeschnappt hatte, an die Lippen und leerte es, fuhr sich über den nass glänzenden Mund und grinste ihn fröhlich an. Arngrim blickte sie zunächst irritiert, beinahe fassungslos an, blinzelte einige Male, ehe er zu realisieren schien, was sie da machte.


„Aufwachen, Arni. Wenn du noch länger hier am Feuer rumsitzt, wirst du nur noch fett. Ein bisschen Jagen wird dir nicht schaden, mein Lieber.“
Ein leichtes Stirnrunzeln und die zusammengekniffenen Lippen Arngrims ließen selbst Kadlin wissen, dass er für einen kurzen Augenblick überlegte, ob er nun sauer oder amüsiert sein sollte. Dem wölfischen Grinsen nach zu urteilen, mit dem er sie schließlich bedachte, hatte er sich für letzteres entschieden.


„Aye… hrm… muss das sein? Ich bin hier noch mitten in der Arbeit!“
„Arbeit? Du brütest mal wieder über deinem Papierkram da… lass das sein und beweg deinen Hintern. Ich hab unsere Pferde schon rausgebracht.“

Damit war es entschieden. Und noch bevor Arngrim anmerken konnte, dass er es einfach nicht vertrug, zu solch später Stunde noch auf ein Pferd zu steigen, durch die Gegend zu reiten und sich beregnen zu lassen, dass es in seinen Knochen fürchterlich weh tat und er sowieso noch ganz andere Dinge zu tun hatte, dass eine Jagd auch gut am nächsten Morgen zu erledigen wäre und sie sich doch einen anderen Kerl dafür schnappen solle… da war sie schon draußen verschwunden, ohne auch nur einen einzigen Einwand gelten zu lassen. Mit einem leichten Ächzen und einem resignierten Seufzen packte Arngrim seine kostbaren Schätze zusammen und folgte ihr nach draußen.

Der Ritt quer durch die Wälder und ebenen jener Insel, die Arngrim seit kurzem seine Heimat nennen durfte, war nicht ganz unbeschwerlich und begleitet von einer ständigen Schimpftirade des Skalden auf den Schnee, die Kälte, den Regen, den Wind und alles, was ihm sonst noch einfiel, um Kadlin ein schlechtes Gewissen zu verursachen.


„Und überhaupt… bei einem solchen Wetter geht doch keiner mehr aus dem Haus? Ich bin zwar nicht weichlich, aber das grenzt schon an Selbstmord! Ein Weib sollte wirklich an so was denken, meinst du nicht auch? Aber diese jungen unerfahrenen Dinger machen immer solche Spektakel, meinen, da bei Wind und Wetter rumreiten zu müssen und ziehen die ahnungslosen Männer mit rein. Mein ganzer Mantel ist jetzt nass… Und dann...“ Ein kräftiger Nieser unterbrach ihn. „Da! Siehst du das! Krank werd ich auch noch! Arrr, wenn ich jemals wieder lebend heimkomme…“

Zu Arngrims Verteidigung sei hier angemerkt, dass sein brummiger Widerstand gegen die Behandlung, die Kadlin ihm da zuteil werden ließ, nur Teil des Spieles war, was Kadlin garantiert so gut wusste wie er selbst – es schien sie nicht einmal zu beeindrucken, denn ohne ihm wirklich zuzuhören suchte sie mit scharfem Blick während des gesamten Rittes die Umgebung ab. Sein Genörgel riss jedoch mit einem Mal ab, als sie plötzlich stehen blieb, einen Zeigefinger auf die Lippen legte und ihn mit einer Hand eifrig herbei winkte.. Was er nun sah, ließ ihn alle Beschwerden des Rittes vergessen und brachte jenes junge, wölfische Grinsen auf seine Lippen, trieb ihm ein eifriges Glitzern in die Augen und verjüngte ihn so beinahe um eine Dekade.

Stolze, groß gewachsene Pferde, stattlicher und schöner, als Arngrim sie sich vorgestellt hatte, als Kadlin ihm einmal von ihnen erzählt hatte. Majestätische Tiere, eines Tiefländers würdig. Mit einem Mal sah Arngrim alles in einem deutlichen Bild vor sich – tiefländische Krieger, die auf gewaltigen Rossen über die Ebenen preschten und weithin berüchtigt wären. Der Stoff, aus dem die echten Legenden und Sagen sind.

Der Rückweg verlief still – geradezu beängstigend still. Wie versteinert saß Arngrim auf seinem Pferd, tief in Gedanken bei den Pferden, den Bildern und all den Sagen, die sich daraus eines Tages ergeben mochte, denen vielleicht er zu ruhmreicher Größe verhelfen würde. Und als sie wieder in Grimwould angekommen waren, benötigte es schon eines kräftigen Stoßes, mit dem Kadlin den Skalden vom Pferd schubste. Übel nahm er ihr das allerdings nicht mehr. Eines war ihm jedoch klar: diese Pferde musste man wieder finden. Und er würde nicht ruhen, bevor das geschehen war.
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